Die Erfindung betrifft ein Gießprofil für Stranggießprodukte aus Stahl zur Weiterverarbeitung
durch Walzen, insbesondere zu Flach- oder Stabmaterial, mit einer
möglichst seigerungsfreie, über den Querschnitt gleichmäßige Durcherstarrung bis
zur Kernzone begünstigenden Raumform.
Bekannt sind Quadrat-, Rechteck-, Achteck- und Rundquerschnitte zur Erzeugung
von Profilen und Stabmaterial für die Weiterverarbeitung auf Automaten, zu Draht,
in Schmieden usw.
Neben einer fehlerfreien Oberfläche und dem Reinheitsgrad des Gefüges ist vor
allem die Kernbeschaffenheit der Gießprodukte wie Brammen, Blöcke oder Knüppel
wichtig für eine gute Endqualität des daraus zu formenden Walzendproduktes.
Die Art der Erstarrung sowie deren Beeinflussung durch Rühren und Soft-Reduktion
des noch nicht durcherstarrten Stranginnern wird mindestens zum Teil
durch die Querschnittsform mitbestimmt. Es können mit vergleichsweise geringer
Reduktion 0,1 bis 20% Seigerungen bei Rechteck- bzw. Flachquerschnitten beseitigt
werden.
Durch Soft-Reduktion soll das Zweiphasengebiet eines Gußstranges verdichtet,
d.h. die Restschmelze aus dem schon erstarrten Gerüst in den schmelzflüssigen
Kern gedrückt werden. Dadurch wird verhindert, daß Schmelzenreste ohne Nachspeisung
in abgeschlossenen Kammern erstarren und Hohlräume wie Lunker,
Porosität und Seigerungen bilden.
Bei der Soft-Reduktion werden die Ober- und Unterseiten eines Gußstranges mittels
Walzen aufeinandergedrückt. Die Verformung an den Seitenbereichen ist dabei
gering. Eine Längung findet nicht statt. Dabei setzt sich das Maß der Dickenminderung
bis in die Mitte fort. Es ergibt sich dabei eine vergleichsweise große
Volumenänderung in dem zentralen Bereich des Gußstranges, was eine wesentliche
Verdichtung des Kerns zur Folge hat. Eine die Soft-Reduktion begünstigende
Raumform des Stranges führt dazu, daß die Dickenänderung nicht nur im Spalt
der Quetschrollen stattfindet, wie bspw. beim Rechteckquerschnitt, sondern über
eine größere Länge erfolgt, was innen zu weniger Verformung führt, aber dennoch
große Flüssigvolumen-Verschiebungen in der Kernzone verursacht. Dabei ist zu
berücksichtigen, daß bspw. ein rechteckiges Gießprofil voreilend abkühlbare
Kanten besitzt, die eine gleichmäßige Gefügeausbildung über den Querschnitt des
Gießprofils verhindern.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Gießprofil für kerndichte, seigerungsarme
Gießprodukte wie Brammen, Blöcke oder Knüppel anzugeben, dessen
Raumform die Soft-Reduktion zur möglichst seigerungsfreien, über den Querschnitt
gleichmäßigen Durcherstarrung bis zur Kernzone begünstigt und insbesondere
den Nachteil voreilend abkühlender Kanten vermeidet.
Zur Lösung der Aufgabe wird bei einem Gießprofil für Stranggießprodukte aus
Stahl der im Oberbegriff von Anspruch 1 genannten Art mit der Erfindung vorgeschlagen,
daß mit benachbarten, zum Strang achsparallelen und zusammen eine
Ecke im stumpfen Winkel von wenigstens 90° ausbildenden ebenen kongruente
Flächenbereiche des Profils innerhalb der Ecke mit einer stetigen Krümmung ineinander
übergehen.
Mit großem Vorteil wird durch ein Gießprofil ohne Ecken und Kanten der Nachteil
voreilend abkühlender Kanten vermieden. Dabei werden die Vorteile von Rund- und
Rechteckquerschnitten in einen neuen ovalähnlichen Querschnitt optimal miteinander
kombiniert, so daß bereits mit geringer Soft-Reduktion von 0,1 bis 20%
Seigerungen mit gleichem Erfolg wie beim Rechteck- oder Flachquerschnitt beseitigt
werden. Die markante Eckenausbildung rechteckiger Querschnitte mit allen
vorhandenen und bleibenden Nachteilen ist damit vermieden.
Nachteile beim Transport über Rollgänge, im Heizofen oder mit dem Kran sind
gering, beherrschbar und daher vernachlässigbar. Weil das mit jeweils Krümmungen
in Flächenbereiche übergehende Format fast wie Rundquerschnitte und Achteckquerschnitte
sich selbst gut stützt, ist weiterhin die Stützung von außen weniger
aufwendig, als bspw. für Rechteckquerschnitte. Weil dabei bevorzugt Ober- und
Unterseiten aufeinandergedrückt werden, ist die resultierende Verformung der
Seitenbögen gering, es findet auch keine Längung statt.
Ausgestaltungen des Gießprofils sind entsprechend den erfindungswesentlichen
Merkmalen der Unteransprüche vorgesehen.
Ein Verfahren zur Herstellung von Stranggießprodukten aus Stahl mit einem
Gießprofil entsprechend den Merkmalen zu Anspruch 1 sowie den Unteransprüchen
ist dadurch gekennzeichnet, daß das Profil durch die Form der Kokille vorgegeben
wird und der Strang nach Austritt aus der Kokille insbesondere im Bereich
seines Zweiphasengebietes Flüssig/Fest unter Beibehaltung seiner äußeren
Form zwecks seigerungsfreier Durcherstarrung mit möglichst gleichmäßiger Verdichtung
seines Kernbereichs einer Reduktion zwischen Preßrollen unterzogen
wird.
Eine Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, daß der Strang im Bereich der
Soft-Reduktion einer Verminderung seiner Dicke zwischen Ober- und Unterseite
um 0 bis 10% durch Abquetschen seines Zweiphasen-Gebietes unterzogen wird.
Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der
nachstehenden Erläuterung eines in den Zeichnungen schematisch dargestellten
Ausführungsbeispieles. Es zeigen:
- Figur 1
- im Schnitt ein Gießprofil für Stranggießprodukte aus Stahl entlang
der Schnittebene I-I in Fig. 2,
- Figur 2
- einen Längsschnitt durch das Gießprofil entlang einer Schnittebene
II-II in Fig. 1,
- Figur 3
- im Schnitt das Gießprofil gemäß Fig. 2 entlang der Schnittebene I-I in
Fig. 2.
Das in der Fig. 1 dargestellte Gießprofil für Stranggießprodukte aus Stahl in Form
von Brammen oder dergleichen zur unmittelbaren Weiterverarbeitung durch Walzen
insbesondere zu Flach- oder Stabmaterial, ist zu einer die Soft-Reduktion zur
möglichst seigerungsfreien, über den Querschnitt gleichmäßigen Durcherstarrung
bis zur Kernzone 2 begünstigenden Raumform ausgestaltet. Die Raumform geht
mit benachbarten kongruenten Flächenbereichen 11, 11'; 12, 12' des Profils innerhalb
der Ecke 1, 1', 1'', 1''' mit einer stetigen Krümmung 10, 10', 10'', 10''' ineinander
über.
Zur Definition des Begriffes
Ecke" ist aus dem Sprach-Brockhaus, 1953, Seite
150 zu entnehmen, daß dieser eine hervorstehende Spitze bzw. einen Knick in der
Umgrenzung eines Körpers bedeutet.
Durch die erfindungsgemäße Profilierung vermeidet der Strang eine Ausbildung
von seitlichen Ecken oder Kanten, die voreilend zur Abkühlung und damit zur
Ausbildung vom Rest des Brammenquerschnitts abweichender Gefügeausbildungen
führen würden.
Das Format weist deutlich ein Gießprofßl zwischen rund und rechteckig, d.h. annähernd
ein Oval aus. Bei diesem gehen alle Seiten mit Radien bzw. kurvenförmig
ineinander über. Das Verhältnis Breite/Dicke (B/D) ist bspw. >1 <10, bevorzugt 1,3
bis 2,5.
Die Darstellung des Querschnitts des Gießprofils in Fig. 1 zeigt darüber hinaus,
daß es eine die Soft-Reduktion zur möglichst seigerungsfreien, über den Querschnitt
gleichmäßigen Durcherstarrung bis zur Kernzone 2 begünstigende Raumform
besitzt, und daß das Profil in der Enderstarrungszone durch Dickenreduktion
gemäß der weiteren Darstellung in den Fig. 2 und 3 mittig gut verdichtet werden
kann. Auch kann das infolge seiner erfindungsgemäßen Profilform gleichmäßig
warme Gießprofil ohne Einfluß auf die Oberfläche gut verformt werden.
Fig. 2 zeigt im Schnitt gemäß Ebene II-II in Fig. 1 drei Zustandsgrößen, nämlich
einen noch flüssige Schmelze enthaltenden Kern 2, umgeben von einem Zweiphasengebiet
Flüssig/Fest 4 innerhalb einer bereits erstarrten Strangschale 3.
Das Zweiphasengebiet 4 läuft in der Spitze aus zwischen dem Liquidus-Punkt 12
und dem Solidus-Punkt 13.
Figur 2 zeigt weiterhin zwei Quetschrollen 5, 5' bei der Soft-Reduktion durch Abquetschen
des Zweiphasengebietes 12-13 und dem davon umschlossenen Rest
eines flüssigen Kerns 2.
Figur 3 zeigt im Schnitt der Schnittebene I-I in Fig. 2 das durch die Quetschrollen
5, 5' reduzierte Strangprofil 7, welches nach Reduktion durch die Quetschwalzen
5, 5' aus dem ursprünglichen, in gestrichelten Linien gezeigten Kokillenprofil 6
hervorgeht. Dabei werden die Vorteile von Rund- und Rechteckquerschnitt im
neuen Oval-Querschnitt am besten miteinander kombiniert. Es können dabei mit
geringer Soft-Reduktion 0,1 bis 20% Seigerungen wie beim Rechteck- bzw.
Flachquerschnitt beseitigt werden. Die markanten Eckenausbildungen rechteckiger
oder ähnlicher Querschnitte mit allen vorhandenen Nachteilen, bspw. einer
zentralen Seigerungszone, ist beim gezeigten Gießprofil vermieden.
Bei der Soft-Reduktion gemäß Fig. 2 und 3 wird das Zweiphasengebiet 4 zwischen
dem Liquiduspunkt 12 und dem Solidus-Punkt 13 verdichtet, dabei wird die
Restschmelze 2 aus dem schon erstarrten Gebiet 3 zurück in die Schmelze des
flüssigen Stahls gedrückt. Auf diese Weise wird verhindert, daß Schmelzenreste
ohne Nachspeisung in abgeschlossenen Kammern erstarren und Hohlräume wie
Lunker, Porosität und Seigerungen bilden können.
Bei der gezeigten Soft-Reduktion werden die Ober- und Unterseiten des Stranges
aufeinandergedrückt. Die Verformung der dadurch stärker heraustretenden Seitenbögen
14, 14' ist vergleichsweise gering. Eine Längung des Stranges findet
nicht statt. Das Maß der Dickenminderung setzt sich bis in die Mitte des Stranges
fort. Daraus ergibt sich eine vergleichsweise große Volumenänderung in der Mitte,
was die angestrebte Verdichtung des Kerns zur Folge hat. Die erfindungsgemäße
Querschnittsform führt dazu, daß die Dickenänderung nicht nur im Rollspalt stattfindet,
wie dies bei einem Rechteckquerschnitt zu erwarten ist, sondern daß sie
über eine größere Länge erfolgt, was im Inneren zu weniger Verformung führt,
dennoch aber eine große Flüssigvolumen-Verschiebung verursacht.
Dabei sieht eine Ausgestaltung des Verfahrens vor, daß der Strang im Bereich der
Soft-Reduktion einer Verminderung seiner Dicke zwischen Ober- und Unterseite
um 0 bis 10% durch Abquetschen seines Zweiphasengebietes 4 unterzogen wird.