DE971445C - Verfahren zur Loeschung des Erdschlusslichtbogens in Drehstromanlagen - Google Patents
Verfahren zur Loeschung des Erdschlusslichtbogens in DrehstromanlagenInfo
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Classifications
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- H02—GENERATION; CONVERSION OR DISTRIBUTION OF ELECTRIC POWER
- H02H—EMERGENCY PROTECTIVE CIRCUIT ARRANGEMENTS
- H02H9/00—Emergency protective circuit arrangements for limiting excess current or voltage without disconnection
- H02H9/08—Limitation or suppression of earth fault currents, e.g. Petersen coil
Landscapes
- Testing Of Short-Circuits, Discontinuities, Leakage, Or Incorrect Line Connections (AREA)
Description
Bei der bekannten klassischen Methode der Kompensation des kapazitiven Erdschlußstromes
wird dieser mit Hilfe einer Resonanzspule nach Petersen durch einen um i8o° entgegengesetzten
induktiven Strom' aufgehoben.
Die grundsätzliche Schaltung einer solchen Kompensationsanordnung ist in Fig. ι wiedergegeben.
Es ist angenommen, daß die Phase T eines Drehstromsystems, das an die in Stern geschaltete
Wicklung eines Transformators angeschlossen ist, durch einen Erdschluß mit der Erde B verbunden
wird. Dadurch ist die Kapazität der Phase T gegen Erde überbrückt. Der Sternpunkt O des Transformators
nimmt Sternpunkt—Erdspannung an, die gleich der Phasenspannung 0-T ist. Über die
Erdschlußstelle fließt der kapazitive Strom der nicht erdgeschlossenen gesunden Phasen. Der Verlauf
dieses Stromes ist in der Zeichnung durch Pfeile angedeutet; er findet über die Transformatorwicklung
seinen Rückschluß.
Um die unerwünschte Wirkung dieses kapazitiven Erdschlußstromes, ζ. Β. Schrittspannungen, Zerstörung
durch thermische Wirkung und Rückzündungserscheinungen, zu beseitigen, wurde bei
der Erdschlußresonanzspule eine Induktivität L zwischen dem Sternpunkt O des Transformators
und Erde B angeschlossen, die infolge der im Erdschlußfalle anstehenden Sternpunkt—Erdspannung
einen induktiven Strom über die Erdschlußstelle schickt. Dieser induktive Strom, welcher um i8o°
dem kapazitiven Erdschlußstrom nacheilt und von etwa der gleichen Größe ist wie letzterer, kompensiert
diesen, d. h., die Erdschlußstelle wird stromlos. In Fig. 2 ist dieser Stromverlauf, der seinen
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Rückschluß über die Spule findet, mit entgegengesetzten Pfeilen an der Erdschlußstelle angedeutet.
In einem Diagramm der Erdschlußkompensation ist obiger Vorgang vektoriell dargestellt. Darin
bedeutet:
E-UE die Sternpunkterdspannung,
E-IEbap den kapazitiven Erdschlußstrom,
E-/sp ind den induktiven Spulenstrom an der
' ' Erdschlußstelle.
Die in Richtung E-UE bei JEkap, E und Isp.ind. ge~
zeichneten Vektoren deuten die ohmschen Komponenten der Ströme an.
Der Verwendung der Resonanzspule ist aber namentlich in ausgedehnten Netzen für hohe und
höchste Spannungen eine Grenze gesetzt. Daher geht man vielfach dazu über, Drehstromnetze mit
starr geerdetem Sternpunkt zu betreiben. In dicht besiedelten Gebieten ergeben sich jedoch bei einem
Betrieb mit starrer Sternpunkterdung gewisse Schwierigkeiten, die sich vor allem durch das Auftreten
großer Schrittspannungen äußern. Hinzu kommt, daß bei der Hochspannungsfernübertragung
über Gebiete mit schlechter Erdungsmöglichkeit der Maste gleichfalls Schwierigkeiten bei der Beherrschung
der Erdschlußfrage auftreten.
Auch ist bereits eine Isolationsüberwachungsund Erdschlußanzeigeeinrichtung für Drehstromanlagen
bekannt, bei der eine der drei Phasen und ein weiterer Punkt über Widerstände verbunden
und an Erde gelegt sind, wobei der in der gemeinsamen Erdleitung fließende Strom zur Anzeige benutzt
wird. Es wird nicht der Sternpunkt, sondern lediglich zwei der drei Phasen über gleiche oder
verschieden große Widerstände beliebiger Phase in einem gemeinsamen Punkt verbunden und an Erde
gelegt. Diese Einrichtung kann lediglich durch einen Zeigerausschlag kenntlich machen, daß ein
Isolationsfehler bzw. ein Erdschluß im Drehstromnetz vorliegt, jedoch ist die Einrichtung nicht dazu
bestimmt, und auch nicht geeignet, einen Erdschlußstrom zum Verschwinden zu bringen.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Löschung des Erdschlußlichtbogens in Drehstromanlagen.
Erfindungsgemäß wird ein kapazitiver Erdschlußstrom durch Zuschalten einer Kapazität
und einer der Sternpunkterdspannung entgegengerichteten Zusatzspannung an der erdschlußbehafteten
Phase von der Erdschlußstelle fortgeleitet. Durch die Zusatzspannung einer Phase in Verbindung
mit einer Kapazität zwischen dem Endpunkt der Zusatzspannung und Erde wird der kapazitive
Neutralpunkt beliebig längs der Phase, vom Sternpunkt des Drehstromsystems aus betrachtet, im
positiven oder negativen Sinne verschoben. Eine Resonanzspule wird somit nicht verwendet. Hinzu
kommt, daß die Beseitigung des kapazitiven und ohmschen Stromes an der Erdschlußstelle ohne
Verwendung der Resonanzspule eine weitere günstige Wirkung mit sich bringt, und zwar wird die
Schwingungsfähigkeit bzw. Schwingungsneigung von erdschlußbehafteten Netzgebilden vermindert.
Im folgenden soll das Verfahren erläutert werden. Unter der Annahme, die Phase R eines Dreh- 6g
stramsystems sei erdgeschlossen (s. Fig. 3), fließt über die Erdschlußstelle RE der vektoriell sich
addierende Erdschluß strom der beiden gesunden Phasen 5 und T. Es ist der Erdschlußstrom
In =
J TE
IStF. "Η Im — Iß·
I R'E
. Dieser Erdschlußstrom soll von der Erdschlußstelle in der unangenehmen Verbindung R-E entfernt
werden. Es ist also notwendig, die Potentialdifferenz zwischen R und E zu beseitigen. Dies
geschieht am zweckmäßigsten durch die Verwendung der Zusatzspannung R-R' dadurch, daß die
Transformatorwicklung des Schenkels R verlängert wird. Zwischen dem Endpunkt R' der Wicklung
und Erde wird die Kapazität Cu als Umlenkkapazität eingebaut. Die Umlenkkapazität Cu in Verbindung
mit der Zusatzspannung R-R' bewirkt, daß der kapazitive Strom, der zuvor über die Verbindung
R-E floß, seinen Weg über R-R'-Cu-E nimmt. Es wird also der kapazitive Erdschlußstrom in
dem System umgelenkt. Diese Stromumlenkung hebt das Potential zwischen R und E auf. Es gibt
nunmehr die Beziehung:
In Fig. 4 ist die Prinzipschaltung zur Umlenkung des kapazitiven Erdschlußstromes analog zu
der Kompensation des kapazitiven Erdschlußstromes mittels Resonanzspule wiedergegeben. Aus
dem Vektordiagramm Fig. 5 kann entnommen werden, daß entgegengesetzte kapazitive Ströme sich
an der Erdschlußstelle aufheben, während im vorliegenden Falle zwei entgegengesetzte Spannungen
entgegengesetzte kapazitive Ströme erzeugen, die sich an dem vorhandenen Erdschlußpunkt zu O
aufheben bzw. durch die Art ihrer Hintereinanderschaltung einen anderen Verlauf des kapitiven Erdschlußstromes
erzwingen.
Das Prinzip der Umlenkung des kapazitiven Erdschlußstromes hat den Vorteil, kein schwingungsfähiges
Gebilde zu benutzen. Eine Erläuterung ist durch ein mechanisches Modell möglich.
Ein normales Drehstromsystem kann durch ein no mechanisches Modell veranschaulicht werden, das
in Fig. 6 wiedergegeben ist.
Es rotieren drei im Winkel von 1200 gegeneinander
versetzte Arme um einen Mittelpunkt. An den Enden der Arme befinden sich flache Gewichte,
die die Kapazitäten der einzelnen Phasen gegenüber Erde darstellen. Eine Mittellinie £ gibt das
Nullpotential wieder. Durchläuft ein Arm die Mittellinie, so bedeutet dies, daß die betroffene
Phase das Potential Null gegenüber der Mittellinie iao besitzt. Dieses kommt sichtbar zum Ausdruck dadurch,
daß dieser Arm die Mittellinie überdeckt. Befindet sich ein Arm in senkrechter Stellung zur
Mittellinie, so hat das Gewicht den größten Abstand von der Mittellinie, besitzt also dieser gegen- iss
über das höchste Potential. Oberhalb der Mittel-
linie befindet sich der Bereich positiven Potentials, unterhalb derselben der Bereich negativen Potentials.
In Fig. 7 ist der Erdschlußfall eines unkompensierten
Netzes wiedergegeben. Der Drehpunkt des Systems befindet sich am Endpunkt der erdgeschlossenen
Phase. Die Wirkung der überbrückten erdgeschlossenen Kapazität ist Null. Die Größe des
kapazitiven Erdschlußstromes wird durch die Entfernung der Kapazitäten von der Mittellinie wiedergegeben.
Der resultierende Erdschlußstrom ist Null in der Stellung, in der die Kapazitäten von der
Mittellinie nach dem Plus- und Minusbereich den gleichen Abstand haben.
In Fig. 8 ist der gleiche Erdschlußfall wie in Fig. 7 wiedergegeben. An einem zusätzlichen
Hebelarm über die erdgeschlossene Phase hinaus ist jedoch ein Gewicht angebracht, das um den
Drehpunkt gegenüber der nicht erdgeschlossenen Phasen das Gleichgewicht des Systems herstellt.
Diese Änderung am Modell gibt den Fall der Erdschlußstromumlenkung durch eine zusätzliche
Spannung wieder. Die zusätzliche Spannung wird durch den Hebelarm R-E, und die Umlenkkapazität
wird durch das Gewicht E dargestellt.
A. Grundsätzliche Ausbildung der Apparatur für die Erdschlußstromumlenkung
In Fig. 9 ist schematisch ein Drehstromsystem dargestellt mit den Phasen R, S und Γ. Die Phase T
soll, wie mit dem großen Pfeil angedeutet, erdgeschlossen sein. Der Verlauf des Erdschluß stromes
über die Erdschlußstelle ist mit den gestrichelten Pfeilen angedeutet; der Erdschluß strom fließt von
der Erdschlußstelle über die Kondensatoren Cs und C1. zum Transformator und findet von dort
über die Phase T den Rückschluß zur Erdschlußstelle. Der kapazitive Erdschlußstrom soll nun um
die Erdschlußstelle so umgelenkt werden, daß zwisehen der Phase T und der Erdschlußstelle kein
kapazitiver Strom fließt. Dieses kann durch die in Fig. 9 dargestellte Apparatur erreicht werden. Die
zwischen den Phasen R, S und T liegenden drei Einphasen-Erdungsspannungswandler erhalten drei
Erdschlußrelais, welche im normalen Betrieb den Kontakt geöffnet halten. Tritt nun der Erdschluß
in PhaseT ein, so bricht die Spannung des Einphasen-Erdungsspannungswandlers,
der zwischen Phase T und Erde liegt, primärseitig zusammen.
Dadurch fällt der Kontakt des Erdschlußrelais 1 ab. Das Relais gibt einen Gleichstromimpuls auf
die Spule des Schalters 2, welcher sich unverzögert schließt.
Zwischen die Phase T und den Sternpunkt des Transformators wird der Spartransformator 3 eingeschaltet,
welcher mit Hilfe seines zusätzlichen Potentials zwischen T und der Kapazität Cu einen
Strom über die Kapazität Cu schickt. Dieser Strom ist jedoch der kapazitive Erdschlußstrom, welcher
ursprünglich über die Erdschluß stelle floß, d. h., durch diese Maßnahme erhält die Phase T gegen
Erde das Potential Null. Demzufolge liegt kein Grund vor, daß zwischen der Erdschlußstelle der
Phase T und Erde ein Strom fließt. Der Stromverlauf des kapazitiven Stromes ist durch die voll
ausgezeichneten Pfeile wiedergegeben. Es ist daraus festzustellen, daß der Erdschlußstrom nun
nicht mehr die Erdschlußstelle passiert. Er wird umgelenkt. Handelt es sich nur um einen kurzzeitigen
Erdschluß, so kann die Apparatur durch Betätigung des Druckknopfes 4 wiederum ausgeschaltet
werden. In diesem Falle würde der Spannungswandler zwischen Phase T und Erde seine
normale Leitererdspannung annehmen.
Besteht der Erdschluß in Phase T noch weiterhin als satter Erdschluß, so würde das Relais 1
noch weiter in abgefallenem Zustand bleiben und wiederum nach Loslassen des Druckknopfes 4 die
Einschaltung des Schalters 2 bewirken.
Ist Normalbetrieb vorhanden und soll beispielsweise wie bei wichtigen Anlagen, bei denen eine
Abschaltung nicht möglich ist, an einer Phase eine Reparatur (z. B. Auswechseln von Isolatoren)
durchgeführt werden, so ist dies unter Verwendung der Erdschlußstromumlenkung gleichfalls
möglich. Es würde in diesem Falle künstlich der Schalter 2 eingelegt werden, wodurch die Phase T
gegenüber Erde spannungslos wird. Sicherheitshalber wäre es dann erforderlich, beiderseits der
Reparaturstelle die Phase T mit Hilfe von Trennschaltern zu erden, damit das Personal ungefährdet
arbeiten kann. Im Falle der notwendigen Unterbrechung der Phase T wäre vor und hinter dem
Trennschalter für eine Überbrückung der Reparaturstelle zu sorgen.
B. Die Verschiebung des neutralen Punktes in Drehstromsystemen zum Zwecke der ioo°/oigen
Erdschlußüberwachung
Erdschlußüberwachung
In Drehstromsystemen, gleichgültig ob diese mit starr geerdetem, induktiv geerdetem oder freiem
Sternpunkt betrieben werden, werden die drei Phasen elektrisch möglichst symmetrisch ausgelegt.
Dadurch vermeidet man im störungsfreien normalen Betrieb bei freiem Sternpunkt unerwünschte
Sternpunkt-Erdspannungen, bei starr geerdetem Sternpunkt Nullpunktströme nach Erde und bei
induktiv geerdetem Sternpunkt Resonanzerscheinungen zwischen Erdschlußspule und Erdkapazität
des Drehstromsystems.
Diese Ausbildung von Drehstromsystemen bringt es mit sich, daß bei Erdschlüssen im Sternpunkt
oder in der Nähe desselben ein geeigneter Indikator fehlt, der in Form einer Potentialdifferenz zur
Erdschlußanzeige herangezogen werden kann. Um Erdschlüsse in einem Drehstromsystem ioo°/oig
zu erfassen, d. h. über den gesamten Bereich der Wicklung, wurde nach einem früheren Vorschlag
eine künstliche Spannung gegenüber Erde auf den Sternpunkt gedrückt; d. h., durch diese Zusatzspannung
hatte jeder Punkt der Wicklung ein Potential gegenüber Erde.
Diese Verlagerung ermöglichte die Ausbildung eines iootyoigen Erdschlußschutzes, der hauptsächlich
bei Generatoren, die auf Transformatoren in Block arbeiten, benutzt wird. Die Anwendung
dieses Verfahrens ist jedoch begrenzt. "Bei größerer
Kapazität des Drehstromsystems gegenüber Erde fließt dauernd ein erheblicher kapazitiver Erdschlußstrom,
der durch die Verlagerungsspannung getrieben wird. Der zur Begrenzung des Erdschlußstromes
im Erdschlußfalle notwendige ohmsche Widerstand, der in Reihe mit der Verlagerungsspannung
angeordnet werden muß, erhält zwangläufig Werte, die unterhalb des kapazitiven
ίο Widerstandes liegen. Bei Klemmenerdschlüssen ergibt
sich dadurch eine erhebliche Leistungsaufnahme des Widerstandes, was zu einer kostspieligen
Apparatur führt, die das Ziel der ioo°/oigen Erfassung
von Erdschlüssen in Drehstromnetzen f ragwürdig erscheinen läßt.
Um eine wirtschaftlich und technisch günstige Lösung der ioo°/oigen Erdschlußüberwachung zu
ermöglichen, ist es notwendig, einen außerhalb des Drehstromsystems liegenden Neutralpunkt zu
so finden, der nicht wie bei der erwähnten Verlagerung künstlich erzwungen wird. Hierzu werden nachstehend
zwei Verfahren angegeben:
i. In Fig. ίο ist eine in Stern geschaltete Drehstromwicklung
dargestellt, welche an ein Drehstromnetz mit den Phasen R, S und T angeschlossen
ist. Jede dieser Phasen hat die gleiche Kapazität gegen Erde, was bei Kabelnetzen und gut verdrillten
Freileitungsnetzen praktisch auch der Fall ist. Parallel zu den Punkten R-O ist ein Spartransformator
angeschlossen, der seine größte Spannung zwischen den Klemmen R und K besitzt. Zwischen K
und Erde E ist eine Kapazität Cu eingeschaltet. Unter Einwirkung der Spannung Q-K fließt ein
kapazitiver Strom, der seinen Rückschluß über die Erde E und die Kapazitäten der drei Phasen gegen
Erde findet. Es ergibt sich die Beziehung: Spannung .(Ov—K) -Kapazität Cu gleich
Spannung (Ov—O) -Kapazität (C^+C5 +C7-).
Dabei ist Ov der spannungslose Punkt oder neutrale
Punkt des Drehstromsystems. Das dargestellte Amperemeter A führt keinen Strom, da zwischen
Ov und E keine Potentialdifferenz ist. Eine bestimmte
Festlegung des Punktes Ov läßt sich beliebig
durch entsprechende Dimensionierung von Cu bzw. Variation der Spannung Ov — K erreichen.
2. Bei Freileitungsnetzen, die nicht ausreichend
verdrillt sind, weisen Drehstromsysteme vielfach im störungsfreien Betrieb keine gleiche Phasen—
Erdspannungen auf. Eine Kontrolle des Drehstromsystems selbst zeigt, daß der eigentliche Neutralpunkt
außerhalb des symmetrischen Sternpunktes liegt. In Fig. 11 ist ein Drehstromf reileitungssystem
angedeutet, in dem die Phasen 5 und T näher an
Erde liegen als die Phase R. Während die Phase R die Kapazität C% gegenüber Erde be'sitzt, ist die
Kapazität der Phasen J? und T um den Wert Cs
bzw. Ct größer.
Um einen gewünschten Neutralpunkt Ov zu erhalten,
ist es unter Ausnutzung der natürlichen Netzunsymmetrie möglich, die Kapazität Cu kleiner
zu dimensionieren. Will man auf die Kapazität Cu
vollständig verzichten, so kann man entsprechende zusätzliche Kapazitäten zwischen den Phasen S und
Erde und T und Erde anordnen. Dieses Verfahren 6j bekommt besondere Bedeutung, sofern ein vom
Sternpunkt des Netzes verschobener Neutralpunkt gewünscht wird und kein Sternpunkt zum Anschluß
eines Spartransformators vorhanden ist.
Mechanisch läßt sich die Verwendung von Umlenkkapazitäten in Verbindung mit der Schaffung
eines verlagerten' Neutralpunktes gleichfalls demonstrieren. In Fig. 12 dreht sich das Modell um
den Punkt Ov. Dieser ist gegenüber dem Sternpunkt
entgegen der Richtung einer Phase verlagert. Um 7£ das System mechanisch zu balancieren, ist ein
Hebelarm und ein Gewicht zusätzlich angebracht. Der Hebelarm entspricht der zusätzlichen Umlenkspannung
und das Gewicht der Umlenkkapazität C, d. h., ein normales Drehstromsystem kann elektrisch
ausbalanciert werden, so daß der Verlagerungspunkt Ov das Potential Null gegenüber der Mittellinie
oder der Erde besitzt.
In Fig. 13 wird das Modell zu dem Punkt Ov
durch Anbringung zweier zusätzlicher Gewichte an den Phasen ausbalanciert, die dem Punkt Ov am
nächsten liegen. Elektrisch läßt sich dieses durch Vergrößerung der Kapazitäten dieser Phasen
gegenüber Erde erreichen.
90 C. Die praktische Anwendung des verlagerten
Neutralpunktes
a) ioo%iger Generator-Erdschlußschutz bei Generator—Transformator in Blockbetrieb
In Fig. 14 ist die Schaltung nach der bisher übliehen
Weise wiedergegeben, allerdings in der Vereinfachung, daß an Stelle eines dreiphasigen Nullpunkt-Verlagerungstransformators
ein Spartransformator angewandt wurde, der dem- Sternpunkt des Generators entgegen der Phase R die Spannung
O — Ov aufdrückt. Zwischen dem Verlagerungspunkt
Ov und Erde Eist ein Einphasentransformator
angeschlossen, der sekundärseitig mit EisenwasserstofFwiderständen belastet ist. Die Verlagerungsspannung
O — Ov bewirkt einen Stromfluß
über die Primärwicklung des Einphasen-Transformators nach Erde E und über die Kapazitäten C^,
Cs, CT, ferner über die Generatorwicklung zum
Punkt O. Die Auslegung des Einphasen-Transformators in Verbindung mit den daran angeschlossenen
Eisenwasserstoffwiderständen muß nun derart erfolgen, daß bei einem Erdschluß des Sternpunktes
O oder in den diesem Punkt benachbarten Windungen des Generators "der künstlich fließende
Erdschlußstrom größer ist als der Strom, der im störungsfreien Normalbetrieb durch die Kondensatoren
Cfl, C5, CT fließt.
Bei niedrigen Kapazitätswerten von C^, C5 und
C1- treten keine Schwierigkeiten auf. Sind jedoch
zwischen Generator und Transformator längere iao Kabelverbindungen vorhanden, so wird die Dimensionierung
des Einphasen-Transformators und der Widerstände recht umfangreich, wodurch erhebliche
Kosten entstehen.
Bei Anwendung einer Umlenkkapazität nach Fig. 15 lassen sich die Kosten erheblich herab-
drücken. Da der Verlagerungspunkt Ov tatsächlich
durch die Umlenkkapazität Cu zu einem Neutralpunkt wird, kann an Stelle eines Einphasen-Transf
ormators ein Spannungswandler verwendet werden.
b) ioo°/oiger Generator-Erdschlußschutz bei parallel auf Sammelschienen arbeitenden
Generatoren mit angeschlossenem Netz
Bei der Verwendung der üblichen Verlagerung erhält die Spannungsspule des wattmetrischen Erdschlußrelais
eine Spannung, die durch die Spannungsregenerierungseinrichtung noch zusätzlich verstärkt wird. Unsymmetrieströme in der Stromwandlergruppe,
an die die Stromspule des wattmetrischen Erdschlußrelais angeschlossen ist, können
Fehlauslösungen des Schutzes bewirken. Das Auftreten unerwünschter Unsymmetrieströme tritt
bisweilen beim Zuschalten größerer Transformatoreinheiten auf.
In dem Schaltbild Fig. 16 ist unter Verwendung
von Umlenkkapazitäten Cu der Verlagerungspunkt Ov im Normalbetrieb neutralisiert. Die Umlenkkapazität
für das Netz ist an der Sammelschiene angeordnet. Dort befindet sich auch die gemeinsame
Erdschlußstromerzeugung zur Betätigung des wattmetrischen Erdschlußrelais. Bei dem rechten Generator
ist eine zusätzliche Umlenkkapazität vorgesehen, die mit Rücksicht auf das Generatorkabel
notwendig ist. Dadurch ist der Schutz vor der Synchronisierung einwandfrei ioo°/oig, weil bereits
vor dem Synchronisieren der Verlagerungspunkt Ov neutralisiert ist.
Bei dem linken Generator wurde keine Umlenkkapazität vorgesehen, da bei blanker Schienenverbindung
zwischen Generator und Generatorleistungsschalter der erforderliche Umlenkstrom nur sehr
gering ist. Die Systemverlagerung vor der Synchronisierung wird in diesem Falle durch eine Belastung
des Spannungswandlers mittels Widerständen erzwungen.
c) ioo°/oiger Generator-Erdschlußschutz in sin 99-Schaltung bei parallel auf ein umkompensiertes
Netz arbeitenden Generatoren
Bisher wurden Generator-Erdschlußschutzeinrichtungen in sin^-Schaltung nur mit o.o%igem
Schutzumfang ausgebildet. Die Anwendung des Verfahrens der Bildung eines Neutralpunktes erfolgt
nunmehr durch die Ausbildung von 100%'igem Generator-Erdschlußschutz in sin 99-Schaltung nach
Fig. 17. Die Umlenkkapazitäten werden in gleicher Weise angewandt wie bei b). Die weitere Ausstattung
des Schutzes entspricht der bisher üblichen bei 90°/oigem sin^-Schutz, lediglich mit dem
Unterschied, daß die Spannungswandler für den Spannungspfad des Erdschlußrelais zwischen dem
Neutralpunkt Ov und Erde E angeschlossen werden.
d) Anwendung des verlagerten Neutralpunktes bei Drehstromnetzen mit Erdschlußspule
Bei Drehstromnetzen mit verlagertem Neutralpunkt ist die Anwendung der Erdschlußkompensation
mit Hilfe von Resonanzspulen in ähnlicher Weise wie bei Netzen mit nicht verlagertem Neutralpunkt
möglich. Es ist jedoch darauf zu achten, daß entsprechend dem Schaltbild Fig. 18 die Erdschlußspule
zwischen dem Neutralpunkt Ov und Erde angeschlossen wird. Bei Erdschlüssen in den
Phasen T und S, sofern die Verlagerung entgegen der Phase R erfolgt ist, liegt eine niedrigere Spannung
an den Klemmen der Petersen-Spule als bei Erdschluß in Phase R. Da die Größe des kapazitiven
Erdschluß stromes von der treibenden Spannung Ov — E abhängt, paßt sich die Spule organisch
den Erfordernissen an und kompensiert den über die Erdschlußstelle fließenden Strom.
In Fig. 19 ist das Verhalten der Erdschlußspule bei Erdschlüssen in der Phase R bei I und bei Erdschluß
der Phase 5 bei II wiedergegeben. Das Vektordiagramm Fig. 20 für den Erdschluß bei I zeigt,
daß sich der zusätzliche kapazitive Strom der Umlenkkapazität Cu in gleicher Richtung zu dem kapazitiven
Erdschlußstrom addiert, welcher von den Phasen S und T herrührt.
Bei Erdschluß II zwischen S und Erde (Fig. 21)
addiert sich der zusätzliche kapazitive Strom an der Erdschlußstelle, herrührend von der Umlenkkapazität,
vektoriell zu dem kapazitiven Erdschlußstrom, welcher durch die Kapazität der Phasen R
und T gegen Erde entsteht.
Der Punkt Ov ist verschiebbar angeordnet. Je
weiter er sich von O dem Punkt K nähert, vergrößert sich dadurch zwangläufig die erforderliche
Umlenkkapazität Cu, welche notwendig ist, um den Punkt Ov zu neutralisieren. Dadurch wird zwangläufig
der notwendige Spulenstrom zur Kompensation des kapazitiven Erdschlußstromes erhöht.
Außerdem ändert sich der Spulenstrom bei den Erdschlüssen in den Phasen R und 6". Die entsprechenden
Kurven sind in Fig. 22 angedeutet.
In vertretbaren Grenzen bewegt sich, wie durch die gestrichelt gezeichnete Ordinate angedeutet ist,
die Größe der Erdschlußspule zwischen O — Ov, sofern
der Spannungsbereich zwischen O — Ov in der
Größenordnung von 15% der Phasenspannung O—R gehalten wird.
e) ioo'/oiige Erdschlußüberwachung von Niederspannungsnetzen
mit freiem Sternpunkt. Kapazitive und ohmsche Stromumlenkung bei Erdschlüssen
Erdschlußproblemen bei Niederspannungsnetzen mit freiem Sternpunkt wurde bisher nur wenig Beachtung
geschenkt. In den meisten Fällen ist lediglich eine Erdschlußsignalisierung vorhanden, die
vom Betriebspersonal beobachtet wird und nach deren Ansprechen unter Berücksichtigung der Betriebsverhältnisse
die Erdschluß suche vorgenommen wird. Dabei ist die Gefahr vorhanden, daß der Erdschluß infolge der Zerstörwirkung des Erdschlußstromes
an der Erdschlußstelle zu einem Kurzschluß wird, der unangenehme Betriebsausfälle
mit sich bringen kann.
Es ist naheliegend, die Zerstörwirkung des Erdschlußstromes an der Erdschlußstelle aufzuheben.
Die über die Erdschluß stelle fließenden kapazitiven und ohmschen Erdschlußströme werden am zweck-
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mäßigsten umgeleitet. In Fig. 23 ist hierzu die grundsätzliche Schaltung wiedergegeben. Erfährt
z. B. die Phase 5 einen Erdschluß, so ist es notwendig, über einen einpoligen Schalter eine Verbindung
zwischen s' und die an Erde angeschlossene Kapazität und den parallel dazu liegenden
ohmschen Widerstand herzustellen. Es erfolgt die Umlenkung sowohl des kapazitiven als auch des
ohmschen Anteils. Es kann nun'der Betrieb so lange ungestört weitergeführt werden, wie dieses bis zur
nächsten Reparaturschicht erforderlich ist. Durch die zwischen K und E angeschlossene Kombination
einer Kapazität und eines ohmschen Widerstandes wird der Neutralpunkt Ov des Netzes außerhalb des
eigentlichen Drehstromsternes gelegt, so wird die ioo%ige Erdschlußüberwachung des Netzes ermöglicht.
Die Erdschlußsignalisierung übernimmt ein Erdschlußrelais, das an einem Spannungswandler,
der zwischen Ov und Erde liegt, angeschlossen
ist. Ein parallel zum Erdschlußrelais angeklemmtes Voltmeter ermöglicht die Beobachtung des Neutralpunktes
Ov gegenüber Erde.
Da bei Erdschluß der Phase R im besonderen durch den zwischen K und E liegenden kapazitiven
und ohmschen Widerstand der Erdschlußstrom höher ist als bei den Erdschlüssen der Phasen 51
und T, ist die Spannung R—r" größer gewählt als
die Spannung S—s' bzw. T—t'. Diese höhere Spannung R—r" ermöglicht bei Erdschluß von R eine
vollständige Erdschlußstromumlenkung.
Claims (8)
1. Verfahren zur Löschung des Erdschlußlichtbogens in Drehstromanlagen, dadurch gekennzeichnet,
daß ein kapazitiver Erdschlußstrom durch Zuschalten einer Kapazität und einer der Sternpunkterdspannung entgegengerichteten
Zusatzspannung an der erdschlußbehafteten Phase von der Erdschlußstelle fortgeleitet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß durch die Zusatzspannung einer Phase in Verbindung mit einer Kapazität.
zwischen dem Endpunkt der Zusatzspannung
4-5 und Erde der kapazitive Neutralpunkt beliebig längs der Phase, vom Sternpunkt des Drehstromsystems
aus betrachtet, im positiven oder negativen Sinne verschoben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei Erdschluß einer Phase
eines Drehstromnetzes der kapazitive Erdschlußstrom durch Zuschalten eines Kondensators über
eine Zusatzspannung entgegen der Sternpunkterdspannung umgelenkt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch
gekennzeichnet, daß ein außerhalb des Drehstromsystems liegender kapazitiver Neutralpunkt
geschaffen wird, von dem aus das Drehstromnetz gegen Erdschlüsse überwacht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem freien Sternpunkt
des Drehstromsystems und Erde ein Spartransformator in Reihe mit einem Kondensator
eingeschaltet ist und im Erdschluß falle eine besondere Anzapfung des Spartransformators mit
der erdschlußbehafteten Phase durch einen Schalter verbunden wird, so daß der kapazitive
Erdschlußstrom um die Erdschlußstelle umgelenkt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß im erdschlußfreien, normalen
Betrieb die Erdschlußstrom-Umlenkeinrichtung benutzt wird, um nach Wahl eine Phase zum Zweck von Reparaturarbeiten gegenüber
Erde spannungslos zu machen, wobei vor und*binter der Reparatursteile die Phase zusätzlich
mit einem geeigneten Trennschalter geerdet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zur Kompensation des
kapazitiven Erdschlußstromes eine Resonanzspule zwischen dem kapazitiven Neutralpunkt
des Netzes und Erde angeschlossen wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, gekennzeichnet
durch Schaffung eines gegenüber Erde potentiallosen, verlagerten Neutralpunktes in
Drehstromnetzen mit freiem Sternpunkt durch Umlenkung des kapazitiven uod ohmschen Verlagerungsstromes.
90
In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschriften Nr. 722 348, 730 966, 178;
»Relaisbuch« v. Walter, Frank'sche Verlagsbuchhandlung
Stuttgart, 4. Auflage, 1951, S. 225, 2. Absatz und Abb. 151 sowie S. 226;
Zeitschrift »Der Maschinenschaden«, 1950, Aufsatz von Moormann;
ETZ 64 (1943), S. 313 bis 316.
Hierzu 4 Blatt Zeichnungen
©809 715/31 1.59
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEL11741A DE971445C (de) | 1952-03-05 | 1952-03-05 | Verfahren zur Loeschung des Erdschlusslichtbogens in Drehstromanlagen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEL11741A DE971445C (de) | 1952-03-05 | 1952-03-05 | Verfahren zur Loeschung des Erdschlusslichtbogens in Drehstromanlagen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE971445C true DE971445C (de) | 1959-01-29 |
Family
ID=7258948
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEL11741A Expired DE971445C (de) | 1952-03-05 | 1952-03-05 | Verfahren zur Loeschung des Erdschlusslichtbogens in Drehstromanlagen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE971445C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2011039552A3 (en) * | 2009-09-30 | 2012-04-05 | Protecta Elektronikai Kft. | Method for minimizing neutral point voltage of a three-phase electric network |
Citations (3)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE722348C (de) * | 1939-02-09 | 1942-07-08 | Walther Bender Dipl Ing | Isolationsueberwachungs- und Erdschlussanzeigeeinrichtung fuer Drehstromanlagen |
| DE730966C (de) * | 1940-02-01 | 1943-01-29 | Walther Bender Dipl Ing | Isolationsueberwachungs- und Erdschlussanzeigeeinrichtung fuer Drehstromanlagen |
| DE741178C (de) * | 1937-10-06 | 1943-11-05 | Walther Bender Dipl Ing | Isolationsueberwachungs- und Erdschlussanzeigeeinrichtung fuer Drehstromanlagen |
-
1952
- 1952-03-05 DE DEL11741A patent/DE971445C/de not_active Expired
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