GEBIET DER ERFINDUNG
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Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das
Zwischenzelladhäsionsmolekül ICAM-1 und dessen Fähigkeit zur Bindung
an den Leukozytenadhäsionsrezeptor Mac-1. Die Erfindung steht
in Beziehung mit der Verwendung der Fähigkeit von ICAM-1 zur
Bindung an Mac-1 zur Behandlung von Entzündung, die sich bei
einem Säugersubjekt aus dem spezifischen Abwehrsystem ergibt.
BESCHREIBUNG DES VERWANDTEN STANDES DER TECHNIK
I. Zelluläre Adhäsion
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Das Immunsystem ist verantwortlich für den Schutz eines
Tieres gegen fremde Eindringlinge wie Bakterien, Viren usw.
Eine ausgezeichnete Übersicht über das Abwehrsystem wird von
Eisen, H. W. gegeben [in: Microbiology, 3. Auflage, Harper &
Row, Philadelphia, PA, (1980) S. 290-295 und 381-418]. Die
Fähigkeit des Immunsystems zum Schützen eines Tieres gegen
fremde Eindriglinge ist weitgehend von der Anwesenheit und
Funktionsfähigkeit von als Leukozyten bekannten Blutzellen
abhängig.
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Bei der Antwort des Immunsystems auf Infektionserreger
ist ein primäres Ereignis die Rekrutierung oder Anziehung von
zirkulierenden Neutrophilen zur Entzündungsstelle hin. Im
Hinblick auf die Extravasation zur peripheren Wundstelle
stellt die Adhäsion an das Endothel einen unerlässlichen
vorangehenden physikalischen Schritt dar. Die Lokalisierung der
Neutrophilen wurde auf molekularer Ebene untersucht, um
sowohl die Folge von Ereignissen, welche den Austritt der
Neutrophilen aus dem Blutstrom fördern, als auch die verwandten,
diese Wechselwirkung koordinierenden Proteine an der
Oberfläche der Neutrophilen und der Endothelzellen zu definieren.
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Es wurde festgestellt, dass die Fähigkeit der
Leukozyten, ein Tier oder einen Menschen zu schützen, die Adhäsion
der Zellen des Immunsystems an zelluläre und extrazelluläre
Substrate erfordert. Beispielsweise müssen Leukozyten fähig
sein, sich an Endothelzellen anzuheften, so dass sie von der
Zirkulation zu Stellen fortschreitender Entzündung wandern
können. Ausserdem müssen sie sich an Antigen präsentierenden
Zellen anheften, damit eine normale Immunantwort stattfinden
kann. Sie müssen auch fähig sein, sich an geeignete
Zielzellen anzuheften, damit die Lyse von mit Viren infizierten
Zellen oder von Tumorzellen stattfinden kann. Ausserdem müssen
Leukozyten fähig sein, sich an verschiedene aktivierte
Proteine (wie beispielsweise ic3b - die aktivierte Form der
dritten Komplement-Komponente) anzuheften, damit sie
Mikroben- und Zellentrümmer wirksam phagozytieren und beseitigen
können. Somit ist die Leukozytenadhäsion für ein normal
funktionierendes Abwehrsystem des Wirtsorganismus erforderlich.
Die Hemmung dieses Abwehrsystems ist in Fällen wie solche
einer Transplantation erwünscht, weil der Wirtsorganismus das
transplantierte Gewebe als fremd "sieht" und eine gegen
dieses Gewebe gerichete Immunantwort startet. Die
Leukozytenadhäsion ist deshalb auch an der Abstossung von
transplantierten Geweben und Organen beteiligt. Einsicht in die
Leukozytenadhäsion erlaubt somit, entweder die Fähigkeit eines
Tieres zur Bekämpfung von Infektion zu erhöhen oder die
Fähigkeit eines Tieres zur Abstossung von transplantiertem Gewebe
zu unterdrücken.
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An der Leukozytenoberfläche sitzende Moleküle, die an
der Vermittlung der Leukozytenadhäsion beteiligt sind, wurden
unter Verwendung der Hybridomtechnologie identifiziert. Kurz
ausgedrückt, es wurden gegen humane T-Zellen [Davignon D. et
al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 78: 4535-4539 (1981)] und
gegen Mäuse-Milzzellen [Springer T. A. et al., Eur. J. Immunol.
9: 301-306 (1979)] gerichtete monoklonale Antikörper
identifiziert, welche sich an die Oberflächen von Leukozyten anheften
und die im vorstehenden beschriebenen, mit der Adhäsion in
Beziehung stehenden Funktionen hemmen [Springer T. A. et al.,
Fed. Proc. 44: 2660-2663 (1985)]. Die von diesen Antikörpern
erkannten Moleküle umfassen einen Satz von
Leukozytenadhäs
ionsrezeptoren, der als "Familie von der Lymphozytenfunktion
assoziierten Antigenen vom Typus 1" (oder als LFA-1-Familie,
mit LFA für "Lymphocyte Function-Associated Antigen") bekannt
sind.
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Die LFA-1-Familie von Adhäsionsrezeptormolekülen umfasst
drei in hohem Masse verwandte Zelloberflächen-Glykoproteine:
"LFA-1" (CD11a/CD18), Mac-1 (CD11b/CD18) und p150,95 (CD11c/
CD18). Diese Glykoproteine sind Mitglieder einer Familie von
Proteinen, den Leukozyten-Integrinen, die bei den
Adhäsionsfunktionen im Immunsystem eine kritische Rolle spielen
[Springer T. A. et al., Ann. Rev. Immunol. 5: 223-252 (1987)].
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Während LFA-1 an den Oberflächen der meisten Leukozyten
gefunden wird [Springer T. A. et al., Immunol. Rev. 68: 111-135
(1982)], werden Mac-1 und p150,95 hauptsächlich auf
Makrophagen, Granulozyten und anderen grossen granularen Lymphozyten
gefunden [Springer T. A, et al., Immunol. Rev. 68: 111-135
(1982); Keizer G. D. et al., Eur. J. Immunol. 15: 1142-1147
(1985)].
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Die LFA-1-Familie von Adhäsionsrezeptorproteinen besteht
aus Heterodimeren, welche eine gemeinsame β-Kette aufweisen,
die mit einmaligen α-Ketten nicht-kovalent assoziiert ist. Es
wurde festgestellt, dass sich die α-Untereinheiten der
Familie voneinander unterscheiden, und sie werden jeweils mit
CD11a, CD11b und CD11c bezeichnet. Die glykosylierten
α-Untereinheiten weisen jeweilige Molekulargewichte von etwa 175
kd, 160 kd und 150 kd auf. Im Gegensatz dazu wurde
festgestellt, dass die (mit CD18 bezeichnete) β-Untereinheit der
LFA-1-Familie von Adhäsionsrezeptoren sich selbst identisch
bleibt und ein Molekulargewicht von 95 kd aufweist [Sanchez-
Madrid F. et al., J. Exper. Med. 158: 1785-1803 (1983); Keizer
G. D. et al., Eur. J. Immunol. 15: 1142-1147 (1985); Springer
T. A. et al., Fed. Proc. 44: 2660-2663 (1985); Sanchez-Madrid
F. et al., J. Exper. Med. 158: 586-602 (1983)].
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Obwohl die α-Untereinheiten der Glykoproteine
untereinander nicht die den β-Untereinheiten eigene weitgehende
Homologie aufweisen, zeigte eine nähere Analyse auf, dass sie
untereinander grössere Ähnlichkeiten aufweisen. Übersichten
zu den Ähnlichkeiten der α- und β-Untereinheiten der Familie
von Glykoprotein-Adhäsionsmolekülen untereinander werden von
Sanchez-Madrid F. et al. [J. Exper. Med. 158: 586-602 (1983);
J. Exper. Med. 158: 1785-1803 (1983)] und von Miller L. J. et
al. [J. Immunol. 138: 2381-2383 (1987)] gegeben.
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Die Bedeutung der LFA-1-Familie von Rezeptoren wurde
anfänglich in Untersuchungen erkannt, welche die Fähigkeit
von monoklonalen Antikörpern (die zur Bindung sowohl an die
spezifischen α-Untereinheiten als auch an die gemeinsame β-
Untereinheit fähig waren) zur Hemmung der adhäsionsabhängigen
Leukozytenfunktionen aufzeigten [Sanchez-Madrid F. et al.,
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 79: 7489-7493 (1982); Beller D. I.
et al., J. Exper. Med. 156: 1000-1009 (1982)].
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Die Bedeutung der Leukozyten-Integrine wurde durch die
Entdeckung eines klinischen Syndroms, des LAD-Syndroms (mit
LAD für "Leukocyte Adhesion Deficiency") bestätigt, welches
durch angeborenes Fehlen oder angeborene Defizienz der
gemeinsamen β-Kette (CD18) gekennzeichnet ist und sich in
verminderter Eiterbildung, abnormaler Wundheilung und schwerer
Empfindlichkeit auf pyrogene Infektionen [Anderson D. C. et
al., Fed. Proc. 44: 2671-2677 (1985); Anderson D. C. et al., J.
Infect. Dis. 152: 668-689 (1985); Anderson D. C. et al., Ann.
Rev. Med. 38: 175-194 (1987); Amaout M. A. et al., J. Clin.
Invest. 74: 1291-1300 (1984)] wie auch in vitro in
Abnormitäten von adhäsionsabhängigen Leukozytenfunktionen [Anderson
D. C. et al., Ann. Rev. Med. 38: 175-194 (1987); Todd R. F. et
al., Hem. Onc. Clinics N. A. 2: 13-31 (1988)] äussert.
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Leukozyten von LAD-Patienten weisen in vitro Mängel auf,
die denen ähnlich sind, welche beobachtet werden, wenn
Leukozyten normaler Individuen mit einem gegen Mitglieder der LFA-
1-Familie spezifischen Antikörper antagonistisch behandelt
wurden. Es wurde festgestellt, dass LAD-Patienten unfähig
sind, eine normale Immunantwort aufzubauen. Es wurde
festgestellt, dass dieser Mangel auf eine Unfähigkeit der
Leukozyten der LAD-Patienten, sich an zelluläre und extrazelluläre
Substrate anzuheften, zurückzuführen ist [Anderson D. C. et
al., Fed. Proc. 44: 2671-2677 (1985); Anderson D. C. et al., J.
Infect. Dis. 152: 668-689 (1985)]. Diese Untersuchungen zeigen
auf, dass Entzündungsreaktionen gemildert werden, wenn
Leukozyten wegen des Fehlens funktioneller Adhäsionsmoleküle an
ihrer Zelloberfläche unfähig sind, sich auf normale Weise
anzuheften.
II. Von den Leukozytenadhäsionsproteinen
der LFA-1-Familie
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Die drei Leukozytenadhäsionsproteine Mac-1, p150,95 und
LFA-1 unterscheiden sich voneinander in ihrer Funktion und
ihrer Expression auf Populations-Untermengen von Leukozyten.
Mac-1 und p150,95 werden auf Neutrophilen und Monozyten
exprimiert [Springer T. A. et al., in: Biochemistry of
Macrophages (CIBA Symposium 118), Pitman, London (1986) S. 102-126].
Im Laufe der Differenzierung der Blut-Monozyten zu
Gewebe-Makrophagen wird die Expression von p150,95 stark erhöht und
diejenige von Mac-1 vermindert [Schwarting R. et al., Blood
65: 974-983 (1985); Hogg N. et al., Eur. J. Immunol. 16: 240-
248 (1986)]. p150,95 wird auch auf gewissen Typen von
aktivierten T- und B-Lymphozyten exprimiert, jedoch auf diesen
Zellen nicht im Blut exprimiert [Kaligaris-Cappio F. et al.,
Blood 66: 1035-1042 (1985); Miller L. J. et al., J. Immunol.
137: 2891-2900 (1986); Keizer G. D. et al., J. Immunol.
138: 3130-3136 (1987)].
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LFA-1 ist auf allen Leukozyten ausser einer Untermenge
von Makrophagen vorhanden. Untersuchungen über die
Blockierung von monoklonalen Antikörper haben aufgezeigt, dass LFA-1
bei der von T-Lymphozyten vermittelten Tötung, den Antworten
von T-Helfer-Lymphozyten, der natürlichen Tötung und der von
Antikörpern abhängigen Tötung eine wichtige Rolle spielt
[Springer T. A. et al., Ann. Rev. Immunol. 5: 223-252 (1987)].
Die Adhäsion an die Zielzelle ist ein Schritt, der von
Antikörpern gegen LFA-1 blockiert wird. Funktionsuntersuchungen
haben nahegelegt, dass LFA-1 mit mehreren Liganden, von denen
eines ICAM-1 ist, in Wechselwirkung steht [Rothlein R. M. et
al., J. Immunol. 137: 1270-1274 (1986)].
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Bei zirkulierenden Neutrophilen und Monozyten werden
Mac-1 und p150,95 in einem intrazellulären vesikulären
Kompartiment exprimiert, das durch Entzündungsvermittler zur
Zelloberfläche mobilisiert wird [Todd R. F. et al., J. Clin.
Invest. 74: 1280-1290 (1984); Springer T. A. et al., in:
Biochemistry of Macrophages (CIBA Symposium 118), Pitman, London
(1986) S. 102-126; Lanier L. L. et al., Eur. J. Immunol.
15: 713-718 (1985); Yancey K. B. et al., J. Immunol. 135: 465-
470 (1985)]. Diese Mobilisierung korreliert mit einer
erhöhten Adhäsionsfähigkeit [Anderson D. C. et al., Ann. Rev. Med.
38: 175-194 (1987)]. Eine Botschaft bezüglich der
α-Untereinheit von Mac-1 wurde in Blut-Monozyten und PMA-induzierten
Myeloidzellinien, jedoch nicht in Zellen der T- oder
B-Abstammung detektiert, was mit der Expression von Mac-1-Protein
an der Oberfläche korreliert.
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Es wurde festgestellt, dass einige zytotoxische Klone
von T-Lymphozyten (CTL-Klone, mit CTL für "cytotoxic T
lymphocytes") einander ähnliche Mengen an p150,95 und LFA-1
exprimieren. Gegen α-Untereinheiten von LFA-1 und p150,95
gerichtete monoklonale Antikörper hemmen die Tötung durch
solche CTL-Klone in einander ähnlichem Ausmass, und ihre
Hemmwirkungen sind additiv [Keizer G. D. et al., J. Immunol.
138: 3130-3136 (1987)]. Ausserdem wurde aufgezeigt, dass gegen
α-Untereinheiten von p150,95 gerichtete Antikörper die
Adhäsion von Monozyten an das Endothel hemmen [Keizer G. D. et al.,
Eur. J. Immunol. 17: 1317-1322 (1987)].
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Gegen Mac-1 oder p150,95 gerichtete monoklonale
Antikörper hemmen die Aggregation von Neutrophilen und ihre Adhäsion
an Endothelzellen, mit Protein beschichteten Oberflächen,
Bakterien, Protozoen-Parasiten und Pilzen [Harlan J. M. et
al., Blood 66: 167-178 (1985); Springer T. A. et al., in:
Biochemistry of Macrophages (CIBA Symposium 118), Pitman, London
(1986) S. 102-126; Dana N. et al., J. Immunol. 137: 3259-3263
(1986); Bullock W. D. et al., J. Exper. Med. 165: 195-210
(1987); Mosser D. M. et al., J. Immunol. 135: 2785-2789
(1985)].
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Mac-1 (CD11b/CD18) ist ein
Leukozytenadhäsions-Glykoprotein, von dem aufgezeigt wurde, dass es zusätzlich zu seiner
Rolle bei den Adhäsionswechselwirkungen zwischen Zelle und
Zelle und zwischen Zelle und Substrat sich an zahlreiche
Liganden bindet, darunter iC3b [Beller D. I. et al., J. Exper.
Med. 156: 1000-1009 (1982)], Fibrinogen [Altieri D. C. et al.,
J. Cell. Biol. 107: 1893-1900 (1988); Wright S. D. et al.,
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 85: 7734-7738 (1988)] und Faktor X
[Altieri D. C. et al., J. Biol. Chem. 863: 7007-7015 (1988)].
Es wurde aufgezeigt, dass in Tensiden lösliches Mac-1 und
p150,95 zur Bindung an iC3b-Sepharose fähig sind [Micklem
K. J. et al., Biochem. J. 231: 233-236 (1985)].
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Die α-Untereinheit von Mac-1 ist ein Transmembran-
Protein von 1137 Resten mit einer langen extrazellulären
Domäne (1092 Reste) und einem zytoplasmischen Schwanz aus 19
Aminosäuren. Die extrazelluläre Domäne umfasst 3
vermeintliche zweiwertige Kationen bindende Sequenzen und 19
potentielle N-Glykosylierungsstellen. Die Aminosäuresequenz der α-
Untereinheit von Mac-1 zeigt auf, dass letztere ein Mitglied
der Integrin-Superfamilie ist; die α-Untereinheit von Mac-1
weist mit der α-Untereinheit des
Leukozytenadhäsion-Glykoproteins p150,95 eine Identität von 63% und mit den
α-Untereinheiten des Plättchen-Glykoproteins IIb/IIIa der
extrazellulären Matrix-Rezeptoren, des Fibronectin-Rezeptors und des
Vitronectin-Rezeptors eine Identität von 25% auf. Die
vermeintlichen zweiwertige Kationen bindenden Stellen der
α-Untereinheit von Mac-1 und die angrenzenden Bereiche weisen
einen hohen Grad an Identität sowohl mit der α-Untereinheit
von p150,95 (87%ige Identität auf Ebene der Aminosäuren) als
auch mit dem restlichen Teil der α-Untereinheiten von
Integrin (38%) auf. Die α-Untereinheit von Mac-1 umfasst, wie
auch die α-Untereinheit von p150,95, im extrazellulären
Bereich eine Domäne von 187 Aminosäuren, die bei den anderen
Integrinen nicht vorhanden ist. Diese inserierte oder "I"-
Domäne ist den A-Domänen des von-Willebrand-Faktors homolog,
die ihrerseits Domänen Faktor B und C2 der
C3-Bindungsproteine homolog sind. Diese Erkenntnisse lenken die Aufmerksamkeit
auf diesen Bereich von Mac-1 als potentielle Bindungsstelle
für iC3b.
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Die funktionelle Rolle von Mac-1 wurde anfänglich
veranschaulicht durch die Fähigkeit von gegen die α-Untereinheit
von Mac-1 gerichteten monoklonalen Antikörpern (MAK) zur
Blockierung der Rosettenbildung von iC3b präsentierenden
Erythrozyten um Makrophagen und polymorphonuclearen Leukozyten
[Beller D. I. et al., J. Exper. Med. 156: 1000-1009 (1982)],
womit nachgewiesen wurde, dass Mac-1 vom Komplementrezeptor
Typus drei (CR3) nicht unterscheidbar ist. Später wurde die
Beteiligung von Mac-1 an Entzündungsprozessen durch die
Hemmung der Aggregation von Neutrophilen und ihrer Adhäsion an
Endothelzellen mittels spezifisch gegen die α-Untereinheit
und die β-Untereinheit von Mac-1 gerichteter monoklonaler
Antikörper nachgewiesen [Anderson D. C. et al., J. Immunol.
137: 15-27 (1986); Dana N. et al., J. Immunol. 137: 3259-3263
(1986); Vedder N. B. et al., J. Clin. Invest. 81: 672-682
(1988)]. Untersuchungen neueren Datums über die Kartierung
von Epitopen haben nahegelegt, dass die an den Bindung von
iC3b beteiligten Stellen von denen verschieden sind, die an
der Aggregation von Neutrophilen und ihrer Adhäsion an mit
Protein beschichtetem Kunststoff beteiligt sind [Anderson
D. C. et al., J. Immunol. 137: 15-27 (1986); Dana N. et al., J.
Immunol. 137: 3259-3263 (1986); Rosen H. et al., J. Exper.
Med. 166: 1685-1701 (1987)]. Demzufolge erscheint Mac-1 als
ein mehrwertiger Rezeptor mit mindestens zwei voneinander
unabhängigen, an der Adhäsion beteiligten Funktionen.
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Die Expression der funktionellen Aktivität von Mac-1
wird während der Differenzierung und Aktivierung der
Leukozyten reguliert. Die Differenzierung und Reifung der
myelomonozytischen Zellinien zeitigt eine erhöhte Expression von Mac-1
[Miller L. J. et al., J. Immunol. 137: 2891-2900 (1986)],
wäh
rend die Differenzierung der Blut-Monozyten zu
Gewebe-Makrophagen mit einer starken Verminderung der Menge von Mac-1 an
allen Zelloberflächen einhergeht [Hogg N. et al., Eur. J.
Immunol. 16: 230-248 (1986)]. Die Expression von Mac-1 an der
Oberfläche von zirkulierenden Neutrophilen und Monozyten wird
durch Entzündungsstimuli aufwärts reguliert; Mac-1 ist in
einem intrazellulären vesikulärem Kompartiment gelagert, das
durch Chemoattraktoren schnell zur Zelloberfläche mobilisiert
wird [Todd R. F. et al., J. Clin. Invest. 74: 1280-1290 (1984);
Miller L. J. et al., J. Clin. Invest. 80: 535-544 (1987)].
Obwohl die erhöhte Expression von Mac-1 zu einer erhöhten
Adhäsionsfähigkeit führen kann, können nach der Zellaktivierung
stattfindende qualitative Änderungen bei der Regulierung der
Bindung von Liganden ebenfalls eine wichtige Rolle spielen
[Detmers P. A. et al., J. Cell. Biol. 105: 1137-1145 (1987)].
Sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Änderungen
können bei der Regulierung der Bindung von Leukozyten an
post-kapillärem Endothel an Entzündungsstellen eine wichtige
Rolle spielen.
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Es wurde über die N-terminale Sequenz der α-
Untereinheiten von murinem und humanem Mac-1 [Miller L. J. et
al., J. Immunol. 138: 2381-2383 (1987); Springer T. A. et al.,
Nature 314: 540-542 (1985)] und über einen murinen genomischen
Klon, der einen kurzen N-terminalen Exon codiert [Sastre L.
et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 83: 5644-5648 (1986)]
berichtet.
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Somit erfordert, kurz ausgedrückt, die Fähigkeit der
Leukozyten zur Wahrung der Gesundheit und Lebensfähigkeit
eines Tieres, dass sie fähig sind, sich an andere Zellen (wie
Endotheltellen) und Proteine (wie iC3b) anzuheften. Es wurde
festgestellt, dass diese Adhäsion Kontakte erfordert, an
denen spezifische, an der Leukozytenoberfläche der Leukozyten
befindliche Rezeptormoleküle beteiligt sind. Es wurde
festgestellt, dass diese Zelloberflächen-Rezeptormoleküle in hohem
Masse miteinander verwandt sind. Menschen, bei deren
Leukozyten diese Zelloberflächen-Rezeptormoleküle fehlen, weisen
chronische und wiederkehrende Infektionen auf, wie auch
andere klinische Symptome.
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Da die Leukozytenadhäsion am Prozess beteiligt ist,
durch den fremdes Gewebe identifiziert und verworfen wird,
ist auf dem Gebiet der Organtransplantation,
Gewebeverpflanzung, Allergie und Onkologie eine umfassende Kenntnis dieses
Prozesses von bedeutendem Wert.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
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Die vorliegende Erfindung steht in Beziehung mit dem
Zelladhäsionsmolekül ICAM-1 sowie mit dem Leukozytenzellen-
Adhäsionsrezeptor-Molekül Mac-1 und der Verwendung von
funktionellen Derivaten von ICAM-1 bei der Behandlung von
Entzündung, die sich bei einem Säugersubjekt aus dem spezifischen
Abwehrsystem ergibt.
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In vorgängigen Untersuchungen mittels Mutanten von ICAM-
1 mit Deletion von Domänen und Substitution von Aminosäuren
wurden die Bindungsstellen von LFA-1 und des humanen
Rhinovirus bei der ersten NH&sub2;-terminalen Ig-ähnlichen Domäne geortet
[Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254 (1990)]. Es wurde
festgestellt, dass sich das Leukozyten-Integrin Mac-1, das
mit LFA-1 eng verwandt ist, ebenfalls an ICAM-1 bindet [Smith
C. W. et al., J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989)].
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Die vorliegende Erfindung stammt zum Teil von einer
Lokalisierung der Bindungsstelle von Mac-1 auf ICAM-1. Auf
unerwartete Weise wurde in der dritten NH&sub2;-terminalen
Ig-ähnlichen Domäne ein eigenständiger Bindungsbereich gefunden und
festgestellt, dass zwei in dieser Domäne gelegene
Glykosylierungsstellen die Fähigkeit von ICAM-1 zur Adhäsion an Mac-1
dramatisch verändern.
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Im einzelnen steht die Erfindung in Beziehung mit der
Verwendung eines funktionellen Derivats von ICAM-1,
insbesondere eines löslichen funktionellen Derivats, das zur Bindung
an Mac-1 im wesentlichen unfähig ist, jedoch zur Bindung an
LFA-1 im wesentlichen fähig ist.
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Die Erfindung umfasst insbesondere diejenigen unter den
im vorstehenden beschriebenen funktionellen Derivaten von
ICAM-1, welche die Domäne 1 von ICAM-1 enthalten.
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Die Erfindung stellt die Verwendung eines
Entzündungshemmers zur Verfügung, der dadurch gekennzeichnet ist, dass
er fähig ist, Entzündung zu behandeln, die sich aus einer
Reaktion des spezifischen Abwehrsystems ergibt, jedoch im
wesentlichen unfähig ist, eine Entzündung zu unterdrücken,
die sich aus einer Reaktion des nicht-spezifischen
Abwehrsystems ergibt.
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Die Erfindung stellt die Verwendung eines
Entzündungshemmers zur Verfügung, der ein funktionelles Derivat und
insbesondere ein lösliches Derivat von ICAM-1 ist, welches zur
Bindung an Mac-1 im wesentlichen unfähig ist, jedoch zur
Bindung an LFA-1 im wesentlichen fähig ist.
KURZE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
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Fig. 1 veranschaulicht die Adhäsion von LFA-1- und Mac-1-COS-
Zellen an gereinigtes ICAM-1.
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Fig. 2 veranschaulicht eine Kenlinie der Adhäsionsantwort
von ICAM-1&spplus;-L-Zellen an gereinigtes Mac-1 in
Abhängigkeit von der Dosis.
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Fig. 3 veranschaulicht einen Vergleich der Avidität von ICAM-
1&spplus;-L-Zellen gegenüber gereinigtem Mac-1 und LFA-1.
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Fig. 4 veranschaulicht die Temperaturabhängigkeit der
Adhäsion von ICAM-1&spplus;-Zellen an gereinigtes Mac-1 und
LFA-1.
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Fig. 5 veranschaulicht die Adhäsion von Endothelzellen der
humanen Nabelschnurvene (HUVEC-Zellen) an
gereinigtes Mac-1.
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Fig. 6 veranschaulicht Untersuchungen mit monoklonalen
Antikörpern über die Hemmung der Adhäsion von ICAM-1&spplus;-
Zellen an gereinigtes Mac-1 und LFA-1.
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Fig. 7 veranschaulicht die Bindung von Mutanten von ICAM-1
mit Deletion von Domänen an LFA-1 und Mac-1. Die
Wertangaben sind Durchschnittswerte aus drei
voneinander unabhängigen Untersuchungen, und die
Fehlerbalken stellen Standardabweichungen dar.
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Fig. 8 veranschaulicht die Wirkung des Inhibitors der
Glucosidase des endoplasmatischen Retikulums,
Deoxymannojirimycin, auf die Adhäsion von ICAM-1&spplus;-Zellen an
Mac-1.
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Fig. 9 veranschaulicht die Wirkung der
Seitenketten-Glykosylierung auf die Adhäsion von ICAM-1&spplus;-Zellen an
gereinigtes Mac-1.
BESCHREIBUNG DER BEVORZUGTEN AUSBILDUNGEN
1. Behandlung von Entzündung
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Die vorliegende Erfindung steht in Beziehung mit der
Verwendung eines "funktionellen Derivats" von ICAM-1.
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Die Adhäsionsfähigkeit der zirkulierenden Neutrophilen
und Monozyten ergibt sich aus Wechselwirkungen, an denen das
Mac-1-Rezeptormolekül beteiligt ist. Da zelluläre Adhäsion
erforderlich ist, um solchen Zellen zu ermöglichen, zu
Entzündungsstellen zu wandern und/oder verschiedene zur
Entzündung beitragenden Effektorfunktionen auszuüben, führen
Wirkstoffe, die eine solche zelluläre Adhäsion hemmen, zu einer
Verminderung oder Unterdrückung der Entzündung. Das Mac-1-
Rezeptormolekül sitzt auf der Zelloberfläche von Neutrophilen
und Monozyten. Die Adhäsion dieser Zellen an
Kunststoffoberflächen oder an einlagige Schichten von Endothelzellen wird
vom Mac-1-Rezeptormolekül vermittelt. Zudem wurde
festgestellt, dass die Fähigkeit der Monozyten zur Phagozytose von
Fremdstoffen vom Mac-1-Rezeptormolekül vermittelt wird. Das
Rezeptormolekül wurde auch wegen seiner Rolle bei der
Chemokinese und Chemotaxis der Monozyten herangezogen.
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Wirkstoffe, die mit der Fähigkeit des
Mac-1-Rezeptormoleküls zur Bindung an seinen Liganden der natürlichen Bindung
interferieren, sind deshalb fähig, alle die im vorstehenden
beschriebenen, von Mac-1 abhängigen Funktionen zu
beeinträchtigen.
-
Im Sinne des vorliegenden Textes ist zu verstehen, dass
ein "Antagonist der zellulären Adhäsion" sich auf jedes
Molekül bezieht, das fähig ist, den Prozess der Adhäsion zwischen
Zelle und Zelle oder zwischen Zelle und Substrat zu hemmen.
Es ist möglich festzustellen, ob eine gewisse Verbindung ein
Antagonist ist, indem man die Adhäsion von Monozyten an
Endothelzellen bestimmt (ein Assay ausführt). Geeignete
Bestimmungen der zellulären Adhäsion sind offenbart [beispielsweise
Keizer G. D. et al., Eur. J. Immunol. 17: 1317-1322 (1987)].
Antagonisten der zellulären Adhäsion sind bei der Behandlung
von Entzündung als Gegenmittel gegen Entzündung verwendbar.
Im Sinne des vorliegenden Textes ist zu verstehen, dass der
Terminus "Entzündung" Reaktionen des spezifischen und des
nicht-spezifischen Abwehrsystems umfasst.
-
Eine "Reaktion des nicht-spezifischen Abwehrsystems" ist
eine Antwort, die von des immunologischen Gedächtnisses
unfähigen Leukozyten vermittelt wird. Derartige Zellen umfassen
Neutrophile und Makrophagen. Im Sinne des vorliegenden Textes
wird gesagt, dass sich Entzündung aus einer Antwort des
nicht-spezifischen Abwehrsystems ergibt, wenn die Entzündung
von einer Reaktion des nicht-spezifischen Abwehrsystems
verursacht oder vermittelt wird oder damit assoziiert ist.
Beispiele einer Entzündung, die sich zumindest teilweise aus
einer Reaktion des nicht-spezifischen Abwehrsystems ergibt,
umfassen Entzündungen, die assoziiert sind mit Zuständen wie:
Erwachsenen-Atemnot-Syndrom (ARDS, steht für "Adult
Respiratory Distress Syndrome") oder sekundär zu Septikämie oder
Trauma auftretendem Multiplen-Organschaden-Syndrom;
Reperfusionsschaden von Myokard- oder anderem Gewebe; akuter
Glomerulonephritis; reaktiver Arthritis; Dermatosen mit
Komponenten akuter Entzündung; akuter purulenter Meningitis oder
anderen entzündungsbedingten Störungen des zentralen
Nervensystems; thermischem Schaden; Hämodialyse; Leukapheresis;
Colitis ulcerosa; Crohn-Krankheit; nekrotisierender
Enterocoli
tis; der Granulozyten-Transfusion assoziierten Syndromen; und
von Zytokin induzierter Toxizität.
-
Im Gegensatz dazu ist eine "Reaktion des spezifischen
Abwehrsystems" eine Reaktion, die von ein immunologisches
Gedächtnis aufweisenden Leukozyten vermittelt wird. Es wird
gesagt, dass sich Entzündung aus einer Reaktion des
spezifischen Abwehrsystems ergibt, wenn die Entzündung von einer
Reaktion des spezifischen Abwehrsystems verursacht oder
vermittelt wird oder damit assoziiert ist. Beispiele einer
Entzündung, die sich aus einer Reaktion des spezifischen
Abwehrsystems ergibt, umfassen die Antwort auf Antigene wie das
Röteln-Virus, Autoimmun-Krankheiten, von T-Zellen vermittelte
Überempfindlichkeits-Antwort des verzögerten Typus (wie sie
beispielsweise bei Individuen mit "positivem" Befund beim
Mantaux-Test anzutreffen ist), usw.
II. Zelluläre Adhäsion
A. Die CD11/CD18-Familie
-
Die CD11/CD18-Familie steht strukturell und genetisch in
Beziehung mit der grösseren Integrin-Familie von
Oberflächenrezeptoren, welche die Embryogenese, die Adhäsion an
extrazelluläre Substrate und die Zelldifferenzierung beherrschen
[Hynes R. O., Cell 48: 549-554 (1987); Kishimoto T. K. et al.,
Adv. Immunol. 46: 149-182 (1989); Kishimoto T. K. et al., Cell
48: 681-690 (1987); Ruoslahti E. et al., Science 238: 491-197
(1987).
-
Es wurde festgestellt, dass die Moleküle dieser Familie
und ihre zellulären Liganden bei einer Entzündung
Wechselwirkungen zwischen Zelle und Zelle vermitteln. Es wurde
festgestellt, dass diese Proteine bei den Adhäsionsfunktionen im
Immunsystem eine kritische Rolle spielen [Kishimoto T. K. et
al., Adv. Immunol. 46: 149-182 (1989)]: Gegen LFA-1 gerichtete
monoklonale Antikörper blockieren die Adhäsion von Leukozyten
an Endothelzellen [Dustin M. L. et al., J. Cell. Biol.
107: 321-331 (1988); Smith C. W. et al., J. Clin. Invest.
83: 2008-2017 (1989)] und hemmen die Konjugatenbildung, die
zur antigenspezifischen Tötung von CTL-Zellen [Kishimoto T. K.
et al., Adv. Immunol. 46: 149-182 (1989)], zur Proliferation
der T-Zellen [Davignon D. et al., J. Immunol. 127: 590-595
(1981)] und zur Tötung der NK-Zellen [Krensky A. M. et al., J.
Immunol. 131: 611-616 (1983)] erforderlich ist; Gegen Mac-1
gerichtete monoklonale Antikörper blockieren die Bindung von
mit iC3b beschichteten Teilchen [Beller D. I. et al., J.
Exper. Med. 156: 1000-1009 (1982)], die Adhäsion von
Myeloidzellen an Endothelzellen [Lo S. K. et al., J. Immunol.
143(10): 3325-3329 (1989); Smith C. W. et al., J. Clin. Invest.
83: 2008-2017 (1989)], die homotypische Aggregation und die
Chemotaxis von Neutrophilen [Anderson D. C. et al., J.
Immunol. 137: 15-27 (1986)]; Gegen p150,95 gerichtete monoklonale
Antikörper blockieren die Adhäsion von Monozyten an
Endothelzellen [Anderson D. C. et al., J. Immunol. 137: 15-27 (1986);
Keizer G. D. et al., Eur. J. Immunol. 17: 1317-1322 (1987)] und
die Bildung von Konjugaten der CTL-Zellen mit den Zielzellen
[Keizer G. D. et al., J. Immunol. 138: 3130-3136 (1987)].
-
Es wurde festgestellt, dass LFA-1 die Adhäsion von
Leukozyten an nicht-stimulierten oder stimulierten
Endothelzellen vermittelt [Dustin M. L. et al., J. Cell. Biol. 107: 321-
331 (1988); Smith C. W. et al., J. Clin. Invest. 83: 2008-2017
(1989)], während festgestellt wurde, dass Mac-1 die Adhäsion
von Neutrophilen und Monozyten an das entzündete Endothel
vermittelt [Luscinkas F. W. et al., J. Immunol. 142(7): 2257-
2263 (1989)].
B. ICAM-1
-
ICAM-1 (CD54) ist ein Zelloberflächen-Adhäsionsrezeptor,
das ein Mitglied der Immunglobulinprotein-Superfamilie ist
[Rothlein R. M. et al., J. Immunol. 137: 1270-1274 (1986);
Staunton D. E. et al., Cell 52: 925-933 (1988)]. Es wird in
einer Vielfalt von hämatopoetischen und
nicht-hämatopoeti
schen Zellen exprimiert und wird von einer Vielfalt von
Entzündungsvermittlern aufwärts reguliert [Dustin M. L. et al.,
J. Immunol. 137: 256-264 (1986)]. ICAM-1 ist ein Glykoprotein
von 90'000-110'000 Mr mit einem niedrigen Niveau von
RNA-Botschaft und mässiger Oberflächenexpression auf
nichtstimulierten Endothelzellen; LPS, IL-1 und TNF bewirken eine
starke Aufwärtsregulation der mRNA und Oberflächenexpression von
ICAM-1 mit einer Spitzenexpression bei etwa 18-24 Stunden
[Dustin M. L. et al., J. Cell. Biol. 107: 321-331 (1988);
Staunton D. E. et al., Cell 52: 925-933 (1988)]. ICAM-1 hat
fünf extrazelluläre Domänen (die als Domänen 1, 2, 3, 4 und 5
oder D1, D2, D3, D4 und D5 bezeichnet werden) und eine
intrazelluläre oder zytoplasmische Domäne. Die Strukturen und die
Sequenz der Domänen sind von Staunton D. E. et al. [Cell
52: 925-933 (1988)] offenbart.
-
Ursprünglich wurde ICAM-1 als Gegenrezeptor zu LFA-1
definiert [Springer T. A. et al., Ann. Rev. Immunol. 5: 223-252
(1987); Marlin S. D., Cell 51: 813-819 (1987); Simmons D. et
al., Nature 331: 624-627 (1988); Staunton D. E., Nature 339: 61-
64 (1989); Staunton D. E. et al., Cell 52: 925-933 (1988)]. Zum
Teil ist die Wechselwirkung zwischen LFA-1 und ICAM-1 für die
Lymphozytenadhäsion [Dustin M. L. et al., J. Cell. Biol.
107: 321-331 (1988); Mentzer S. J. et al., J. Cell. Physiol.
126: 285-290 (1986)], die Monozytenadhäsion [Amaout M. A. et
al., J. Cell. Physiol. 137: 305 (1988); Mentzer S. J. et al.,
J. Cell. Physiol. 130: 410-415 (1987); te Velde A. A. et al.,
Immunology 61: 261-267 (1987)1 und die Neutrophilenadhäsion
[Lo S. K. et al., J. Immunol. 143(10): 3325-3329 (1989); Smith
C. W. et al., J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989)] an
Endothelzellen verantwortlich.
C. Die Prozesse der zellulären Adhäsion
-
Obwohl Untersuchungen über die Blockierung durch
monoklonale Antikörper eine Rolle von Mac-1 bei der Adhäsion von
Neutrophilen sowohl an nicht-stimulierte wie an durch Cytokin
stimulierte Endothelzellen überzeugend bewiesen haben [Lo
S. K. et al., J. Exp. Med. 169: 1779-1793 (1989); Lo S. K. et
al., J. Immunol. 143 (10): 3325-3329 (1989); Luscinkas F. W. et
al., J. Immunol. 142(7): 2257-2263 (1989); Smith C. W. et al.,
J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989)], bleibt die
Identifizierung der Gegenrezeptor(en) auf der
Endothelzellenoberfläche weniger gesichert. ICAM-1 und ICAM-2 sind zwei Kandidaten
als Liganden für das Mac-1-Adhäsionsmolekül.
-
Mit den Resultaten, die mit der vorliegenden Erfindung
erreicht wurden, wurde es nun möglich nachzuweisen, dass mit
ICAM-1 oder Mac-1 transfizierte COS-Zellen sich an gereinigte
Mac-1- oder ICAM-1-Substrate anheften, und dass ein gegen
ICAM-1 gerichteter monoklonaler Antikörper die Adhäsion von
Neutrophilen an Endothelzellen [Smith C. W. et al., J. Clin.
Invest. 83: 2008-2017 (1989)] oder an ICAM-1 enthaltenden
ebenen Membranen hemmt [Smith C. W. et al., J. Clin. Invest.
83: 2008-2017 (1989)]. In Übereinstimmung mit der vorliegenden
Erfindung erfolgt somit die von LFA-1 abhängige Adhäsion an
Endothelzellen über ICAM-1 [Dustin M. L. et al., J. Cell.
Biol. 107: 321-331 (1988); Smith C. W. et al., J. Clin. Invest.
83: 2008-2017 (1989)] und ICAM-2. Zudem deckt die vorliegende
Erfindung auf, dass ICAM-1 ein Gegenrezeptor zu Mac-1 ist.
III. Produktion von ICAM-1, Mac-1
und deren funktionellen Derivaten
-
Die Nucleinsäure- und Proteinsequenzen der α- und
β-Untereinheiten des Mac-1-Rezeptormoleküls sind jeweils in den
US-Patentanmeldungen mit den Seriennummern 07/321,239 und
07/019,440 offenbart. Die Nucleinsäure- und Proteinsequenzen
von ICAM-1 sind von Staunton D. E. et al. offenbart [Cell
52: 925-933 (1988); wobei diese Literaturstelle durch deren
Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird]. Diese
Offenbarungen ermöglichen die Verwendung einer Technologie der
rekombinanten DNA zur Produktion von ICAM-1, Mac-1 und deren
funktionelle Derivate.
-
Die Gegenmittel gegen Entzündung und die antiviralen
Mittel der vorliegenden Erfindung können erhalten werden: mit
natürlichen Prozessen (wie beispielsweise, indem ein Tier,
eine Pflanze, Pilze, Bakterien usw. dazu induziert werden,
einen Nicht-Immunglobulin-Antagonisten von ICAM-1 zu
produzieren, oder indem ein Tier dazu induziert wird, zur Bindung
an ICAM-1 fähige polyklonale Antikörper zu produzieren); mit
synthetischen Verfahren (wie beispielsweise, indem das
Merrifield-Verfahren der Polypeptid-Synthese verwendet wird, um
ICAM-1, Mac-1 oder funktionelle Derivate des einen oder
anderen, oder als Protein (entweder als Immunglobulin oder als
Nicht-Immunglobulin) beschaffene Antagonisten von ICAM-1 oder
Mac-1 zu synthetisieren); mit der Hybridomtechnologie (wie
beispielsweise, indem zur Bindung an ICAM-1 fähige
monoklonale Antikörper produziert werden); oder mit rekombinanter
Technologie (wie beispielsweise, indem die erfindungsgemässen
Gegenmittel gegen Entzündung in verschiedenen Wirtsorganismen
(d. h. in Hefe, Bakterien, Pilzen, kultivierten Säugerzellen
usw.) oder aus rekombinanten Plasmiden oder viralen Vektoren
produziert werden) [Kishimoto T. K. et al., Cell 48: 681-690
(1987)]. Die Wahl der zu verwendeten Methode ist von Faktoren
wie Bequemlichkeit, gewünschte Ausbeute usw. abhängig. Zur Produktion
eines bestimmten Gegenmittels gegen Entzündung ist es nicht notwendig,
nur eines der im vorstehenden angegebenen Verfahren, Prozesse oder
Technologien zu verwenden; die im vorstehenden angegebenen Verfahren,
Prozesse oder Technologien können kombiniert werden, um zu einem bestimmten
Gegenmittel gegen Entzündung zu kommen.
-
Beispiele von biologischen Aktivitäten umfassen die Fähigkeit zur
Bindung an ein Mitglied der LFA-Familie von Glykoproteinen, die Fähigkeit
zur kompetitiven Hemmung der Bindung des Anti-ICAM-1-Antikörpers an ICAM-
1, oder die Fähigkeit zur kompetitiven Hemmung der Bindung eines LFA-1-,
Mac-1- oder p150,95-Moleküls an ICAM-1 usw.
-
Ein "funktionelles Derivat" von Mac-1 ist eine Verbindung, die vom
Mac-1-Heterodimer, von der α-Untereinheit von Mac-1, oder von einem
Fragment des Mac-1-Heterodimers derivatisierbar ist und zudem fähig ist, sich
an ICAM-1 oder an ein Fragment davon zu binden.
-
Der Terminus "funktionelles Derivat" ist so zu verstehen, dass er
die "Fragmente", "Varianten", "Analoga" oder "chemischen Derivate" eines
Moleküls umfasst. Ein "Fragment" eines Moleküls wie ICAM-1 oder Mac-1 ist
so zu verstehen, dass es jegliche Polypeptid-Untermenge des Moleküls
bezeichnet. Bevorzugt werden Fragmente von ICAM-1, die eine ICAM-1-
Aktivität aufweisen und löslich (d. h. nicht membrangebunden) sind.
-
Eine "Variante" eines Moleküls wie ICAM-1 oder Mac-1 ist so zu
verstehen, dass sie sich auf ein Molekül bezieht, das in bezug auf die
Struktur und die Funktion entweder dem ganzen Molekül oder einem Fragment
davon im wesentlichen ähnlich ist. Ein "Analogon" eines Moleküls wie
ICAM-1 oder Mac-1 ist so zu verstehen, dass es sich auf ein Molekül
bezieht, das in bezug auf seine Funktion entweder dem ganzen Molekül oder
einem Fragment davon im wesentlichen ähnlich ist.
-
Ein Molekül wird als einem anderen Molekül "im wesentlichen
ähnlich" bezeichnet, wenn die beiden Moleküle im wesentlichen ähnliche
Strukturen aufweisen oder wenn die beiden Moleküle eine ähnliche
biologische Aktivität aufweisen. Somit werden zwei Moleküle, wenn sie eine
ähnliche biologische Aktivität aufweisen, als Varianten im Sinne des
vorliegenden Textes betrachtet, auch wenn die Struktur des einen Moleküls beim
anderen nicht vorgefunden wird oder die Sequenz von Aminosäureresten
nicht identisch ist.
-
Im Sinne des vorliegenden Textes wird ein Molekül als "chemisches
Derivat" eines anderen Moleküls bezeichnet, wenn es zusätzliche chemische
Molekülteile enthält, die nicht normalerweise Teil des Moleküls sind.
Solche Molekülteile können die Löslichkeit, die Absorption, die
biologische Halbwertszeit usw. des Moleküls verbessern. Die Molekülteile können
andererseits die Toxizität des Moleküls abschwächen, irgendwelche
unerwünschte Nebeneffekte des Moleküls beseitigen oder vermindern, usw. Zur
Vermittlung solcher Wirkungen fähige Molekülteile sind in Remington's
Pharmaceutical Sciences (1980) offenbart. "Toxin-derivatisierte" Moleküle
stellen eine spezielle Klasse der "chemischen Derivate" dar. Ein
"toxinderivatisiertes" Molekül ist ein Molekül (wie ICAM-1 oder eines seiner
funktionellen Derivate), welches einen toxischen Molekülteil enthält. Die
Bindung eines solchen Moleküls an eine Zelle bringt den Toxin-Molekülteil
ganz in die Nähe der Zelle und bewirkt dadurch den Zelltod. Es ist
jegliches geeignetes Toxin-Molekülteil verwendbar; bevorzugt wird jedoch die
Verwendung von Toxinen wie beispielsweise Ricintoxin, Diphterietoxin,
radioisotopischen Toxinen, membrankanalbildenden Toxinen, usw. Verfahren
zur Kupplung solcher Molekülteile mit einem Molekül sind wohlbekannter
Stand der Technik.
-
Eine "peptidomimetische Verbindung" von ICAM-1 ist ein
funktionelles Derivat von ICAM-1, dessen tertiäre Struktur der tertiären Struktur
von ICAM-1 im wesentlichen ähnlich ist. Auf gleiche Weise ist eine
"peptidomimetische Verbindung" von Mac-1 ein funktionelles Derivat von Mac-1,
dessen tertiäre Struktur der tertiären Struktur von Mac-1 im
wesentlichen ähnlich ist.
-
Es ist ferner beabsichtigt, in den Schutzbereich der vorliegenden
Erfindung solche funktionelle Derivate von ICAM-1 aufzunehmen, denen
gewisse Aminosäurereste fehlen oder die veränderte Aminosäurereste
enthalten, solange solche Derivate die Fähigkeit aufweisen, die zelluläre
Adhäsion zu erhöhen oder zu hemmen. Solche funktionelle Derivate können mit
chemischen oder rekombinanten Mitteln produziert werden.
-
Funktionelle Derivate mit bis zu etwa 100 Resten können auf
geeignete Weise durch Synthese in vitro hergestellt werden. Gewünschtenfalls
können solche Fragmente modifiziert werden, indem gezielt ausgewählte
Aminosäurereste des gereinigten oder rohen Proteins mit einem organischen
Derivatisierungsmittel umgesetzt werden, das fähig ist, mit ausgewählten
Seitenketten oder terminalen Resten zu reagieren. Die sich daraus
ergebenden kovalenten Derivate sind zur Identifizierung von Resten
verwendbar, die aufgrund ihrer biologischen Aktivität wichtig sind.
Cysteinylreste werden in den meisten Fällen mit α-Haloacetaten (und entsprechenden
Aminen) wie chloressigsäure oder chloracetamid umgesetzt, was zu
Carboxymethyl- oder Carboxyamidomethyl-Derivaten führt. Cysteinylreste werden
auch durch Umsetzung mit Bromtrifluoraceton,
α-Brom-β-(5-imidazoyl)propionsäure, Chloracetylphosphat, N-Alkylmaleinimiden, 3-Nitro-2-
pyridyldisulfid, Methyl-2-pyridyldisulfid, p-Chlorquecksilber(II)benzoat,
2-Chlorquecksilber-(II)-4-nitrophenol oder Chlor-7-nitrobenzo-2-oxa-1,3-
diazol derivatisiert.
-
Histidylreste werden durch Umsetzung mit Diethylprocarbonat bei
einem pH-Wert von 5,5-7,0 derivatisiert, weil dieses Agens für die
Histidylseitenkette ziemlich spezifisch ist. p-Bromphenacylbromid ist auch
verwendbar; die Umsetzung erfolgt vorzugsweise in 0,1 M Natriumcacodylat
bei einem pH-Wert von 6,0.
-
Lysinyl- und aminoterminale Reste werden mit Bernsteinsäureanhydrid
oder Anhydride anderer Carbonsäuren umgesetzt. Eine Derivatisierung mit
diesen Agenzien bewirkt eine Umkehr der Ladung der Lysinylreste. Andere
geeignete Agenzien zur Derivatisierung von α-Amino enthaltenden Resten
umfassen Imidoester wie Methylpicolinimidat; Pyridoxalphosphat;
Pyridoxal; Chlorborhydrid; Trinitrobenzolsulfonsäure; o-Methylisoharnstoff;
2,4-Pentandion; und eine von Transaminase katalysierte Reaktion mit
Glyoxylat.
-
Arginylreste werden durch Umsetzung mit einem oder mehreren
herkömmlichen Agenzien modifiziert, unter anderen mit Phenylglyoxal, 2,3-
Butandion, 1,2-Cyclohexandion und Ninhydrin. Die Derivatisierung von
Argininresten erfordert wegen des hohen pKa-Werts der
Guanidin-Funktionsgruppe eine Durchführung der Umsetzung unter alkalinen
Bedingungen. Zudem können diese Agenzien mit den Gruppen des
Lysins wie auch mit der epsilon-Aminogruppe des Arginins
reagieren.
-
Die spezifische Modifizierung von Tyrosylresten wurde
als solche eingehend untersucht, wobei ein besonderes
Interesse der Einführung spektraler Marker in die Tyrosylreste durch
Umsetzung mit aromatischen Diazoniumverbindungen oder mit
Tetranitromethan gewidmet wurde. In den meisten Fällen werden
N-Acetylimidazol und Tetranitromethan zur jeweiligen Bildung
von o-Acetyltyrosyl-Spezies bzw. 3-Nitro-Derivaten verwendet.
Zur Herstellung von markierten Proteinen zur Verwendung in
Radioimmunbestimmungen (Radioimmunassays) werden Tyrosylreste
mit ¹²&sup5;I oder ¹³¹I iodiert, wozu sich die Methode mit dem
Chloramin T eignet.
-
Carboxy-Seitengruppen (Aspartyl oder Glutamyl) werden
durch Umsetzung mit Carbodiimiden (R'-N-C-N-R') wie
1-Cyclohexyl-3-(2-morpholinyl-4-ethyl)carbodiimid oder 1-Ethyl-3-(4-
azonia-4,4-dimethylpentyl)carbodiimid selektiv modifiziert.
Zudem werden Aspartyl- und Glutamylreste durch Umsetzung mit
Ammoniumionen zu Asparaginyl- und Glutaminylresten
konvertiert.
-
Eine Derivatisierung mit bifunktionellen Agenzien ist
verwendbar zur Vernetzung eines Moleküls eines funktionellen
Derivats von ICAM-1 oder Mac-1 an eine in Wasser unlösliche
Trägermatrix oder -oberfläche zur Verwendung im Verfahren zur
Spaltung eines Fusionspolypeptids von funktionellen Derivaten
von ICAM-1 oder Mac-1 zwecks Freisetzung und Wiedergewinnung
des gespaltenen Polypeptids. Üblicherweise verwendete
Vernetzungsmittel umfassen beispielsweise 1,1-bis(Diazoacetyl)-2-
phenylethan, Glutaraldehyd, N-Hydroxysuccinimidester
beispielsweise als Ester der 4-Azidosalicylsäure,
homobifunktionelle Imidoester einschliesslich Disuccinimidylester wie
3,3'-Dithio-bis(succinimidylpropionat) und bifunktionelle
Maleinimide wie bis-N-Maleinimido-1,8-octan.
Derivatisierungsagenzien wie
Methyl-3-[(p-azidophenyl)dithio]propionimidat ergeben photoaktivierbare Zwischenstoffe, die fähig sind,
in Gegenwart von Licht eine Vernetzung zu bilden. Wahlweise
werden zur Immobilisierung von Proteinen reaktionsfähige, in
Wasser unlösliche Matrizen wie mit Cyanogenbromid aktivierte
Kohlenhydrate und die in den Patenten US-3969287, US-3691016,
US-4195128, US-4247642, US-4229537 und US 4330440
beschriebenen reaktionsfähigen Substrate verwendet.
-
Glutaminyl- und Asparaginylreste werden oft zu den
entsprechenden Glutamyl- und Aspartylresten deamidiert.
Wahlweise werden diese Reste unter mild sauren Bedingungen
deamidiert. Beide Formen dieser Reste fallen unter den
Schutzumfang dieser Erfindung.
-
Andere Modifizierungen umfassen die Hydroxylierung von
Prolin und Lysin, die Phosphorylierung von Hydroxylgruppen
von Seryl- oder Threonylresten, die Methylierung der α-
Aminogruppen der Seitenketten von Lysin, Arginin und Histidin
[Creighton T. E., Proteins: Structure and Molecule Properties,
W. H. Freeman & Co., San Francisco, Seiten 79-86 (1983)], die
Acetylierung des N-terminalen Amins und, in einigen Fällen,
die Amidierung der C-terminalen Carboxyreste.
-
Funktionelle Derivate von ICAM-1 oder Mac-1 mit
veränderten Aminosäuresequenzen sind auch durch Mutationen in der
ICAM-1 oder Mac-1 codierenden DNA herstellbar. Zu diesem
Zweck können chemische oder Strahlungsmutagene verwendet
werden. Chemische Mutagene umfassen Basen-Analoga (wie
beispielsweise 5-Bromuracil oder 2-Aminopurin);
Deaminierungsagenzien (wie beispielsweise salpetrige Säure, Hydroxylamin
usw.); Alkylierungsagenzien (wie beispielsweise
Methylmethansulfonat, Nitrosoguanidin usw.); oder Interkalierungsagenzien
(wie beispielsweise Acridinorange, Ethidiumbromid, Psoralen
usw.). Strahlungsinduzierte Mutation kann durch Mittel wie
ultraviolettes Licht, Gammastrahlen, Röntgenstrahlen usw.
verursacht werden. Techniken zur Anwendung von Mutagenese auf
Nucleinsäuremoleküle sind in Miller J. H. [in: Experiments in
Molecular Biology, Cold Spring Harbor Laboratory, Cold Spring
Harbor, NY (1972)] und Silhavy T. J. et al [in: Experiments
with Gene Fusion, Cold Spring Harbor Laboratory, Cold Spring
Harbor, NY (1984)] zu finden.
-
Solche Agenzien sind zur zufallsmässigen Mutierung von
ICAM-1 oder Mac-1 codierenden DNA verwendbar. Das mutierte
Gen lässt man dann ein ICAM-1- oder Mac-1-Protein
exprimieren, und das Protein wird auf seine Fähigkeit zur Bindung an
Mac-1 (oder ICAM-1) bestimmt (einem Assay unterzogen).
Derivate von ICAM-1, die zur Bindung an Mac-1 fähig sind, bilden
eine erste Klasse von "funktionellen Derivaten". Derivate
von Mac-1, die zur Bindung an ICAM-1 fähig sind, bilden eine
zweite Klasse von "funktionellen Derivaten".
-
Wahlweise und vorzugsweise ist zur Erzeugung von
spezifischen Mutationen an gewünschten Stellen der das ICAM-1-
oder Mac-1-Molekül codierenden Nucleinsäure
stellenspezifische Mutagenese verwendbar, was eine das "funktionelle
Derivat" codierende DNA erzeugt, worauf man die DNA in einer
Kultur rekombinanter Zellen exprimieren lässt. Die funktionellen
Derivate weisen typisch die gleiche qualitative biologische
Aktivität auf wie das natürlich vorkommende Analogon. In
bezug auf solche Merkmale können sie sich jedoch von den normal
hergestellten ICAM-1- oder Mac-1-Molekülen wesentlich
unterscheiden.
-
Während die Einführungsstelle für eine Abänderung einer
Aminosäuresequenz vorbestimmt ist, braucht die Mutation nicht
selber vorbestimmt zu sein. So kann beispielsweise zur
Optimierung der Durchführung einer Mutation an einer gewissen
Stelle eine zufallsmässige Mutagenese am Zielcodon oder am
Zielbereich durchgeführt werden, und die exprimierten
funktionellen Derivate von ICAM-1 oder Mac-1 werden dann einem
Ausleseverfahren (Screening) nach der optimalen Kombination
der gewünschten Aktivität unterzogen. Techniken zur Erzeugung
von Substitutions-Mutationen an vorbestimmten Stellen in
einer DNA von bekannter Sequenz sind wohlbekannt,
beispielsweise handelt es sich um die stellenspezifische Mutagenese.
-
Die Herstellung eines funktionellen Derivatmoleküls von
ICAM-1 oder Mac-1 nach der im vorstehenden dargelegten
Technik erfolgt vorzugsweise durch stellenspezifische Mutagenese
von DNA, die ein bereits früher hergestelltes funktionelles
Derivat oder eine ungeänderte Version des Proteins codiert.
Stellenspezifische Mutagenese ermöglicht die Produktion von
funktionellen Derivaten durch Verwendung von spezifischen
Oligonucleotidsequenzen, welche die DNA-Sequenz der
gewünschten Mutation wie auch eine Anzahl von benachbarten
Nucleotiden codieren, welche Anzahl genügt, um zu einer
Primer-Sequenz von genügender Grösse und Sequenzkomplexität zu führen,
um ein stabiles Duplex beiderseits der durchgangenen
Deletionsnahtstelle zu bilden.
-
Kurz ausgedrückt, Prozeduren zur stellenspezifischen
Mutagenese führen im allgemeinen zur Synthese eines
synthetischen Oligonucleotids, das eine gewünschte und definierte
DNA-Sequenz enthält. Typisch bevorzugt wird ein Primer mit
einer Länge von etwa 20 bis 25 Nucleotiden und mit etwa 5 bis
10 Resten beiderseits der Nahtstelle der Sequenz in Änderung.
Methoden zur Synthetisierung solcher Oligonucleotiden werden
von Itakura K. et al. [Ann. Rev. Biochem. 53: 323-356 (1984)],
von Adelman et al. [DNA 2: 183 (1983)] und von Crea et al.
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 75: 5765 (1978)] offenbart.
-
Ein Nucleinsäuremolekül, das ICAM-1, Mac-1 oder ein
funktionelles Derivat des einen oder des anderen codiert, wird im
allgemeinen auf einen doppelsträngigen Vektor wie M13, φX174
usw. subkloniert, dessen einzelne Stränge voneinander
trennbar sind [Messing et al., Third Cleveland Symposium on
Macromolecules and Recombinant DNA, Herausgeber Walton A.,
Elsevier, Amsterdam (1981)]. Diese Phagen sind im Handel leicht
erhältlich, und deren Verwendung ist den einschlägigen
Fachleuten allgemein wohlbekannt. Wahlweise sind, um einsträngige
DNA zu erhalten, Plasmid-Vektoren verwendbar, die einen
Einstrangphagen-Replikationsursprung enthalten [Veira et al.,
Meth. Enzymol. 153: 3 (1987)].
-
Ein einzelner Strang des Vektors wird dann in Gegenwart
des synthetischen Oligonucleotids inkubiert. Da die DNA des
Oligonucleotids einstellbar definiert ist, ist es möglich,
ein Oligonucleotid zu konstruieren, das zur Basenpaarung mit
einem beliebigen Bereich der ICAM-1 oder Mac-1 codierenden
Nucleinsäure fähig ist. Nachdem die Basenpaarung zwischen dem
Oligonucleotid und dem einsträngigen Plasmid erfolgt ist, ist
es möglich, unter Verwendung von DNA-Polymerase das
Oligonucleotid zu erstrecken, um ein doppelsträngiges DNA-Molekül zu
erzeugen, das dann durch DNA-Ligase zusammengefügt werden
kann. Wird nun dieses doppelsträngige DNA-Molekül in eine
Zelle (vorzugsweise in eine JM101-Zelle) eingeführt, so
ergibt eine semi-konservative DNA-Replikation die Herstellung
von Tochtermolekülen, bei denen die DNA-Sequenz des
Oligonucleotidfragments in die ICAM-1 oder Mac-1 codierenden
Sequenzen eingeführt wurde.
-
Somit wird nach seiner Bildung der Heteroduplex-Vektor
zur Transformation von geeigneten Zellen wie JM101-Zellen
verwendet, und es werden Klone selektioniert, welche die
mutierte Sequenzanordnung tragende rekombinante Vektoren
umfassen.
-
Nachdem ein solcher Klon selektioniert wurde, kann der
Bereich des mutierten Proteins daraus entfernt und in einen
zur Produktion von Protein geeigneten Vektor gezetzt werden,
welcher im allgemeinen ein Expressionsvektor desjenigen Typus
ist, der zur Transformation eines geeigneten Wirtsorganismus
verwendbar ist.
-
Wenn es folglich erwünscht ist, eine Punktmutation und
eine exogene DNA-Sequenz an einer spezifischen Stelle der
ICAM-1 oder Mac-1 codierenden Sequenz einzuführen oder eine
Deletion von in einer solchen Sequenz normalerweise
vorhandenen Nucleotiden zu erzeugen, wäre ein Oligonucleotidfragment
zu entwerfen, welches die Mutation oder Sequenz enthalten
(oder entbehren) würde, und dann mit der im vorstehenden
beschriebenen Prozedur fortzufahren. Zur Einführung einer
derartigen Mutation oder exogenen DNA-Sequenz in einen
bestimmten Bereich der die Mac-1-Untereinheit codierenden
Nucleinsäure ist es nötig, die Mutation oder exogene DNA-Sequenz mit
flankierenden DNA-Sequenzen einzurahmen, die der DNA-Sequenz
des Bereiches, dessen Mutagenese gewünscht wird, komplementär
sind [Jenkins F. et al., Bioessays 5: 244-247 (1986); Doerfler
W., Angew. Chem. Int. Ed. Engl. 23: 919-931 (1984); Kaina B.,
Biol. Zentralbl. 99: 513-531 (1980); Kunkel T. A., Proc. Natl.
Acad. Sci. USA 82: 488-492 (1985); Nisbet I. T. et al., Gene
Anal. Tech. 2: 23-29 (1985); Hines J. C. et al., Gene 11: 207-
218 (1980); Messing J. et al., Nucl. Acid. Res. 9: 309
(1981)].
-
Mutationen können auch durch andere Anwendungen der
Technologie der rekombinanten DNA produziert werden.
Beispielsweise kann die Nucleotidsequenz eines ICAM-1 oder Mac-1
codierenden Nucleinsäuremoleküls abgesucht werden, um von
Restriktions-Endonucleasen erkennbare Oligonucleotidstellen
zu identifizieren. Solche Endonucleasen sind dann zur
spezifischen Spaltung der Nucleinsäuresequenz an der erkannten
Stelle verwendbar. Durch Verwendung einer Restriktions-
Endonuclease, welche zwei in der ICAM-1 oder Mac-1
codierenden Sequenz befindlichen Stellen erkennt (und an diesen
Stellen spaltet), ist es möglich, ein Fragment dieser Sequenz zu
excisieren. Wahlweise ist es möglich, zu diesem Zweck zwei
verschiedene Endonucleasen zu verwenden. Durch Inkubation der
gespaltenen Moleküle in Gegenwart von DNA-Ligase ist es
möglich, die ICAM-1 oder Mac-1 codierenden Sequenzen zur Bildung
einer einzigen Sequenz (der das excisierte Fragment fehlt)
wieder zusammenzufügen. Wenn in den ICAM-1 oder Mac-1
codierenden Sequenzen keine geeigneten Erkennungsstellen für die
Restriktions-Endonuclease existieren, können derartige
Stellen nach den im vorstehenden beschriebenen Prozeduren zur
stellenspezifischen Mutagenese in die Sequenzen eingeführt
werden.
-
Wahlweise können Mutationen eingeführt werden, indem die
ICAM-1 oder Mac-1 codierende Sequenz gespalten wird und die
freien Termini mit einer Exonuclease "weggeknabbert" werden.
Mit einer derartigen Behandlung ist es möglich, nicht nur
Deletionen, sondern auch Leseraster- und andere Arten von
Mutationen einzuführen. Die Technik ist zudem fähig,
neuartige Restriktions-Endonuclease-Stellen in die Codiersequenz
einzufügen. Verfahren zur Verwendung von Restriktions-
Endonucleasen, DNA-Ligasen und Exonucleasen sind
beispielsweise von Maniatis T. et al. offenbart [in: Molecular
Cloning: A Laboratory Manual, Cold Spring Harbor Laboratory,
Cold Spring Harbor, NY (1982)].
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Techniken der rekombinanten DNA sind auch verwendbar, um
Fusionsproteine herzustellen, die aus dem ICAM-1- oder Mac-1-
Protein (oder einem funktionellen Derivat davon) und einem
neuartigen Polypeptid zusammengesetzt sind. Dieses neuartige
Polypeptid ist nicht auf ein bestimmtes Polypeptid beschränkt
und kann entweder eine einzelne Aminosäure oder jedwelche
Menge oder Permutation von Aminosäuren umfassen. Derartige
Fusionsmoleküle können hergestellt werden durch Ligation
einer das neuartige Polypeptid codierenden DNA-Sequenz mit
einer ICAM-1 oder Mac-1 (oder ein funktionelles Derivat davon)
codierenden DNA-Sequenz auf eine Weise, die keine Leseraster-
Mutation einführt. Beispiele von bevorzugten, mit einem ICAM-
1-Gen oder einem Gen einer Mac-1-Untereinheit (oder einem
funktionellen Derivat davon) fusionierbaren Polypeptiden,
umfassen eukaryotische oder prokaryotische Signalsequenzen
[Gilbert W. et al., US-4411994; Casadaban M. et al., Proc.
Natl. Acad. Sci. USA 76: 4530-4533 (1979)] oder Polypeptide,
welche die Stabilität, die biologische Halbwertszeit oder die
Wirksamkeit von ICAM-1 oder Mac-1 (oder eines funktionellen
Derivats davon) erhöhen (oder herabsetzen). Besonders
bevorzugt wird ein Fusionsprotein eines ICAM-1- oder
Mac-1-Moleküls oder eines funktionellen Derivats von ICAM-1 mit einem
Immunglobulin (oder einem Fragment davon). Eine
ausgezeichnete Übersicht zur Methodologie der Genfusionen wird von
Silhavy T. J. et al [in: Experiments with Gene Fusion, Cold Spring
Harbor Laboratory, Cold Spring Harbor, NY (1984)] gegeben.
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Unter Verwendung der im vorstehenden beschriebenen
Verfahren können Varianten von ICAM-1 oder Mac-1 hergestellt
werden. Derartige Varianten umfassen beispielsweise
Deletionen oder Insertionen oder Substitutionen von Resten innerhalb
der Aminosäuresequenz von ICAM-1 oder Mac-1. Deletionen einer
Aminosäuresequenz liegen im allgemeinen im Bereich von etwa 1
bis 30 Resten, vorzugsweise von 1 bis 10 Resten, und
typischerweise aneinander. Insertionen einer Aminosäuresequenz
umfassen Fusionen am endständigen Amino und/oder Carboxy von
einem Rest bis zu Polypeptiden von im wesentlichen
unbeschränkter Länge, wie auch Intrasequenz-Insertionen von
einzelnen oder mehrfachen Aminosäureresten.
Intrasequenz-Insertionen (d. h. Insertionen innerhalb der vollständigen ICAM-1-
oder Mac-1-Molekülsequenz) können im allgemeinen im Bereich
von etwa 1 bis 10 Resten, vorzugsweise von 1 bis 5 Resten
liegen. Ein Beispiel einer endständigen Insertion umfasst die
Fusion einer Signalsequenz, ob heterolog oder homolog zur
Wirtszelle, an den N-Terminus des Moleküls, um die Sekretion
des funktionellen Derivats durch die rekombinanten
Wirtsorganismen zu erleichtern. Zur Erreichung der endgültigen
Konstruktion kann auch jedwelche Kombination von Deletionen,
Insertionen und Substitutionen erfolgen, vorausgesetzt, die
endgültigen Konstruktion weist die gewünschte Aktivität auf.
Offensichtlich dürfen die Mutationen, welche an der den
Varianten codierende DNA vorgenommen werden, die Sequenz nicht
aus dem Leseraster herausbringen und, vorzugsweise, keine
komplementären Bereiche erzeugen, die eine sekundäre mRNA-
Struktur produzieren könnten (vgl. EP-A-0075444).
-
Unter Verwendung der im vorstehenden beschriebenen
Verfahren ist es möglich, funktionelle Derivate zu produzieren,
bei denen zumindest ein im ICAM-1- oder Mac-1-Molekül
enthaltener Aminosäurerest, und vorzugsweise nur einer, entfernt
und durch einen an seiner Stelle eingefügten anderen Rest
ersetzt wurde. Wenn es gilt, die kennzeichnenden
Eigenschaften des ICAM-1- oder Mac-1-Moleküls fein zu modulieren,
erfolgen derartige Substitutionen vorzugsweise in
Übereinstimmung mit der Tabelle 1.
Tabelle 1
Ursprünglicher Rest Substitutionsbeispiele
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Ala Gly; Ser
-
Arg Lys
-
Asn Gln; His
-
Asp Glu
-
Cys Ser
-
Gln Asn
-
Glu Asp
-
Gly Ala; Pro
-
His Asn; Gln
-
Ile Leu; Val
-
Leu Ile; Val
-
Lys Arg; Gln; Glu
-
Met Leu; Tyr; Ile
-
Phe Met; Leu; Tyr
-
Ser Thr
-
Thr Ser
-
Trp Tyr
-
Tyr Trp; Phe
-
Val Ile; Leu
-
Wesentliche Änderungen der funktionellen oder
immunologischen Identität werden erreicht, indem Substitutionen
ausgewählt werden, die weniger konservativ sind als diejenigen
der Tabelle 1, d. h. durch die Auswahl von Resten, die sich in
ihrer Wirkung auf die Erhaltung (a) der Struktur des
Polypeptid-Kettenrückgrats im Bereich der Substitution,
beispielsweise als Faltblatt oder Helixkonformation, (b) der Ladung
oder Hydrophobizität des Moleküls an der Zielstelle, oder (c)
des Hauptteils der Seitenkette bedeutender unterscheiden. Die
im allgemeinen zu erwartenden Substitutionen sind solche, bei
denen (a) Glycin und/oder Prolin durch eine andere Aminosäure
ersetzt wird oder eine Deletion oder Insertion erfährt; (b)
ein hydrophiler Rest, beispielsweise Seryl oder Threonyl,
anstelle eines hydrophoben Rests, beispielsweise Leucyl,
Isoleucyl, Phenylalanyl, Valyl oder Alanyl gesetzt oder durch
diesen ersetzt wird; (c) ein Cysteinrest anstelle eines
beliebigen anderen Rests gesetzt oder durch diesen ersetzt
wird; (d) ein Rest mit einer elektropositiven Seitenkette,
beispielsweise Lysyl, Arginyl oder Histidyl, anstelle eines
Rests mit einer elektronegativen Ladung, beispielsweise
Glutamyl oder Aspartyl, gesetzt oder durch diesen ersetzt wird;
oder (e) ein Rest mit einer voluminösen Seitenkette,
beispielsweise Phenylalanin, anstelle eines Rests, der keine
derartige Seitenkette aufweist, beispielsweise Glycin,
gesetzt oder durch diesen ersetzt wird.
-
Von den meisten Deletionen oder Insertionen, und
insbesondere Substitutionen, wird nicht erwartet, dass sie
grundlegende Änderungen der kennzeichnenden Eigenschaften des
ICAM-1- oder Mac-1-Moleküls herbeiführen. Wenn es jedoch
schwierig ist, die genaue Wirkung der Substitution, Deletion
oder Insertion vor deren Durchführung vorauszusagen, ist es
einer fachkundigen Person naheliegend, dass die Wirkung mit
einem routinemässigen Ausleseverfahren (Screening Assay)
feststellbar ist. Beispielsweise wird ein funktionelles
Derivat typisch hergestellt durch stellenspezifische Mutagenese
der natürlichen, das ICAM-1- oder Mac-1-Molekül codierenden
Nucleinsäure, Expression der Nucleinsäure-Variante in einer
Kultur von rekombinanten Zellen und gegebenenfalls Reinigung
der Zellkultur beispielsweise durch Immunaffinitätsadsorption
auf einer Anti-ICAM-1-Molekül-Antikörper-Säule (zur
Absorption des funktionellen Derivats durch dessen Bindung an
mindestens ein verbleibendes Immunepitop).
-
Die Aktivität des Zellenlysats oder des gereinigten
funktionellen Derivats des ICAM-1-Moleküls wird dann einem
geeigneten Ausleseverfahren (Screening Assay) in bezug auf
die gewünschte kennzeichnende Eigenschaft unterzogen.
Beispielsweise wird eine Änderung des kennzeichnenden
immunologischen Eigenschaft des funktionellen Derivats, wie die
Affinität für einen bestimmten Antikörper, mit einem
Immun-Bestimmung (Immunoassay) vom kompetitiven Typus gemessen.
Änderungen der immunmodulierenden Aktivität werden mit der
geeigneten Bestimmung (Assay) gemessen. Änderungen solcher
Eigenschaften von Proteinen wie Redox- oder thermische Stabilität,
biologische Halbwertszeit, Hydrophobizität, Empfindlichkeit
auf proteolytischen Abbau oder Tendenz zur Aggregation mit
Trägern oder zu Multimeren werden mit Verfahren (Assay)
bestimmt, die einer fachkundigen Person wohlbekannt sind.
IV. Produktion von Antikörpern, die fähig sind,
die Bindung von ICAM-1 an Mac-1 zu beeinträchtigen
-
Als Antwort auf eine Immunisierung mit Fragmenten von
erfindungsgemässen ICAM-1-Molekülen können Antikörper
(insbesondere monoklonale Antikörper) hervorgerufen werden. Solche
Antikörper können zur Identifikation von Antikörpern, die
spezifisch zur Hemmung der Fähigkeit von ICAM-1 zur Bindung
an Mac-1 fähig sind, herangezogen werden. Diese Antikörper
sind zur Vermeidung oder Verminderung einer solchen Bindung
und somit zur Behandlung von Entzündungsreaktionen des
nichtspezifischen Abwehrsystems verwendbar. Zudem sind solche
Antikörper zur Vermeidung oder Verminderung der Bindung von
Viren (insbesondere von Rhinoviren des Hauptserotypus) an
ICAM-1 verwendbar.
-
Obschon zum Erhalt solcher monoklonaler Antikörper
jedwelches Verfahren verwendbar ist, ist vorzuziehen,
monoklonale Antikörper, die sich an ICAM-1 binden, zu erhalten, indem
nach den von Rothlein R. M. et al. [J. Immunol. 137: 1270-1274
(1986)] beschriebenen Abläufen und Programmen BALB/C-Mäuse
immunisiert werden mit mononuclearen Zellen, die mit dem
Epstein-Barr-Virus transformiert sind, aus peripherem Blut von
LFA-1-defizienten Individuen. Derartige Zellen sind von
Springer T. A. et al. [J. Exper. Med. 160: 1901-1918 (1984)]
offenbart.
-
Bei einem bevorzugten Verfahren zur Erzeugung und
Detektion von Antikörpern, die zur Bindung an ICAM-1 fähig sind,
werden Mäuse mit durch Immunaffinitätsadsorption gereinigtes
ICAM-1 immunisiert. Die Milzzellen der Tiere werden entfernt,
mit nicht-sekretierenden Myelomzellen fusioniert und zur
Entwicklung zu Antikörper produzierenden Hybridomzellen
gebracht. Die Antikörper werden dann in bezug auf die Hemmung
der Adhäsion von ICAM-1&spplus;-L-Zellen an gereinigtes Mac-1 und
LFA-1 untersucht, wie es in Fig. 6 gezeigt wird. Damit werden
monoklonale Antikörper identifiziert, welche die Bindung von
LFA-1 und Mac-1 an ICAM-1 unterschiedlich hemmen.
V. Entzündungshemmende Verwendungen der
erfindungsgemässen Moleküle
A. ICAM-1 und Mac-1 sowie deren funktionelle Derivate
-
ICAM-1 ist ein Bindungspartner sowohl von LFA-1 wie auch
von Mac-1. Als solche können ICAM-1 oder dessen funktionelle
Derivate bei der Behandlung von Krankheiten austauschbar mit
zur Bindung an ICAM-1 oder an LFA-1 fähigen Antikörpern
verwendet werden. Somit können derartige Moleküle in löslich
gemachter Form verwendet werden, um eine von der
Wechselwirkung zwischen Mac-1 exprimierenden Zellen und ICAM-1
exprimierenden Zellen verursachte Entzündung zu hemmen.
Gleicherweise können Mac-1 oder dessen funktionellen Derivate
(vorzugsweise löslich gemachte Formen von Mac-1) austauschbar mit
zur Bindung an ICAM-1 fähigen Antikörpern verwendet werden,
um eine von der Wechselwirkung zwischen ICAM-1 exprimierenden
Zellen und Mac-1 exprimierenden Zellen verursachte Entzündung
zu hemmen. Eine solche Entzündung wird im allgemeinen durch
eine Reaktion des nicht-spezifischen Abwehrsystems
vermittelt. Gleicherweise können derartige Derivate auch verwendet
werden, um eine von der Wechselwirkung zwischen ICAM-1
exprimierenden Zellen und LFA-1 exprimierenden Zellen verursachte
Entzündung zu hemmen. Eine solche Entzündung wird im
allgemeinen durch eine Reaktion des spezifischen Abwehrsystems
vermittelt.
-
Die vorliegende Erfindung offenbart, dass die Stellen
der Wechselwirkung zwischen ICAM-1 und LFA-1 von denjenigen
Stellen von ICAM-1 dissoziiert sind, die mit Mac-1 in
Wechselwirkung stehen. So können neuartige funktionelle Derivate
von ICAM-1 erzeugt werden, die im wesentlichen zur exklusiven
Bindung entweder an den einen oder an den anderen von Mac-1
und LFA-1 fähig sind, jedoch zur wahlweisen Bindung an den
einen oder anderen von Mac-1 und LFA-1 nicht fähig sind. Auch
können Derivate von ICAM-1 erzeugt werden, die im
wesentlichen zur Bindung an Mac-1 und an LFA-1 nicht fähig sind,
jedoch zur Bindung an humanen Rhinovirus fähig sind.
-
Somit ist ein bevorzugtes lösliches Derivat von ICAM-1
ein Molekül, das im wesentlichen zur Bindung an das LFA-1
einer LFA-1 exprimierenden Zelle fähig ist, jedoch im
wesentlichen zur Bindung an Mac-1 nicht fähig ist. Beispiele
solcher Moleküle umfassen ICAM-1-Moleküle, welche Domäne 1,
Domänen 1 und 2, Domänen 1, 2 und 4 aufweisen, denen jedoch die
Domäne 3 fehlt. Zusätzliche Beispiele umfassen
ICAM-1-Derivate, welche die Domäne 3 aufweisen, jedoch eine Mutation in
der Domäne 3 enthalten, welche bewirkt, dass das Molekül zur
Bindung an Mac-1 im wesentlichen unfähig ist. Besonders
bevorzugte Mutationen der Domäne 3 sind Mutationen im ICAM-1-
Rest 229-231 oder 254-256. Derartige Mutationen bewirken,
dass ICAM-1 zur Bindung an Mac-1 im wesentlichen unfähig ist.
Derartige Derivate sind in Fällen erwünscht, bei denen
angestrebt wird, Entzündungsreaktionen des spezifischen
Abwehrsystems zu behandeln, ohne die Entzündungsreaktionen des
nichtspezifischen Abwehrsystems zu beeinträchtigen.
-
Gleicherweise ermöglicht die vorliegende Erfindung,
neuartige funktionelle Derivate von ICAM-1 herzustellen, die im
wesentlichen zur Bindung an das Mac-1 einer Mac-1
exprimie
renden Zelle fähig sind, jedoch im wesentlichen zur Bindung
an LFA-1 nicht fähig sind. Beispiele solcher Moleküle
umfassen ICAM-1-Moleküle, denen die Domäne 1 von ICAM-1 fehlt, und
solche, welche Domänen 1, 2, 3, 4 und 5 von ICAM-1 aufweisen,
jedoch eine Mutation in den Domänen 1 oder 2 von ICAM-1
enthalten. Besonders bevorzugte Mutationen sind diejenigen, die
in dem bzw. den ICAM-1-Resten E34, Q58ED oder Q73 der Domäne
1 von ICAM-1 stattfinden. Unter den bevorzugten funktionellen
Derivaten von ICAM-1, denen die Domäne 1 fehlt, sind
diejenigen anzutreffen, welche die Domänen 3 und 4 von ICAM-1
enthalten. Derartige Derivate sind in Fällen erwünscht, bei
denen angestrebt wird, Entzündungsreaktionen des
nichtspezifischen Abwehrsystems zu behandeln, ohne die
Entzündungsreaktionen des spezifischen Abwehrsystems zu beeinträchtigen.
-
Ein zweiter Weg zum Erhalt eines Derivats von ICAM-1,
das verwendbar ist, um Entzündungsreaktionen des
nichtspezifischen Abwehrsystems zu behandeln, ohne die
Entzündungsreaktionen des spezifischen Abwehrsystems zu beeinträchtigen,
besteht in der Erhöhung der relativen Fähigkeit des Derivats
zur Bindung an Mac-1 eher als an LFA-1. Ein Mittel zur
Erreichung dieses Ziels besteht darin, ein funktionelles Derivat
von ICAM-1 zu produzieren, dem eine oder mehrere
Glykosylierungsstellen fehlen. Ein derartiges Derivat ist fähig, eine
erhöhte Fähigkeit zur Bindung an Mac-1 aufzuweisen. Zu diesem
Zweck am meisten bevorzugt ist der Verlust einer
Glykosylierungsstelle am ICAM-1-Rest N269, N240 oder N358 von ICAM-1.
-
Im Sinne des vorliegenden Textes wird ein funktionelles
Derivat eines Moleküls als zur Bindung an ein anderes Molekül
"im wesentlichen fähig" bezeichnet, wenn seine Fähigkeit zur
Bindung an dieses Molekül etwa die gleiche ist wie die
Fähigkeit eines natürlichen Vorläufers dieses Derivats zur Bindung
an dasselbe Molekül. Somit wird beispielsweise ein
funktionelles Derivat von ICAM-1 als zur Bindung an Mac-1 (oder an
LFA-1) "im wesentlichen fähig" bezeichnet, wenn das Derivat
etwa die gleiche Fähigkeit zur Bindung an Mac-1 (oder LFA-1)
aufweist wie ICAM-1 selbst.
-
Die im vorstehenden erwähnten löslich gemachten Derivate
sind Derivate, die nicht an eine Membran einer Zelle gebunden
sind. Derartige Derivate können gestutzte Moleküle umfassen,
denen eine transmembrane Domäne fehlt. Wahlweise können sie
mutante Formen der natürlichen Moleküle umfassen, denen, auch
wenn sie eine transmembrane Domäne aufweisen, die Fähigkeit
zur Bindung (oder zur stabilen Bindung) an die Membran einer
Zelle fehlt. Die Domänenstruktur von ICAM-1, lösliche
Derivate von ICAM-1 und deren Herstellung sind von Marlin S. D. et
al., [Nature 344: 70-72 (1990)] offenbart.
-
In der Veröffentlichung von Diamond M. S. et al. [J.
Cell. Biol. 111: 3129-3139 (1990)] wird offenbart, dass Mac-1
mit ICAM-1 in Wechselwirkung steht und dass Mac-1 mit einem
Gegenrezeptor an der Endothelzellenoberfläche in
Wechselwirkung steht. Daraus wird der Schluss gezogen, dass ICAM-1 ein
Gegenrezeptor für Mac-1 ist und dass Mac-1 und LFA-1 nicht
auf identische Weise mit ICAM-1 in Wechselwirkung stehen.
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Spezifische Mutationen in ICAM-1, die zu einer
veränderten Fähigkeit des ICAM-1-Moleküls zur Bindung an LFA-1
führen, sind in EP-A-0365837 offenbart. Es wird darin gelehrt,
dass ICAM-1 ein Bindungspartner von LFA-1 ist und dass
funktionelle Derivate von ICAM-1, welche die Domäne 1 enthalten,
einschliesslich mutierter Varianten davon bei der Behandlung
von Entzündungen, die sich aus einer Antwort des
nichtspezifischen Abwehrsystems ergeben, verwendbar sind.
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EP-A-0362531 offenbart die Verwendung eines
Rezeptorproteins des humanem Rhinovirus (HRV), das sich an HRV binden
kann, bei der Behandlung von rhinoviralen Infektionen. Es
wird beschrieben, dass das Rezeptorprotein (HRR) des humanem
Rhinovirus und ICAM ein und dasselbe Molekül sind und dass
HRR bei der Behandlung von rhinoviralen Infektionen oder zur
Behandlung von Entzündungen verwendbar ist.
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EP-A-0314863 offenbart die Verwendung von ICAM-1 und
dessen funktionellen Derivaten zur Behandlung von Entzündung,
die vom nicht-spezifischen Abwehrsystem eines Säugersubjekts
verursacht werden.
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ICAM-1 oder dessen funktionelle Derivate sind auf
gleiche Weise verwendbar wie Anti-Mac-1-Antikörper, um die
Immunogenität von therapeutischen oder diagnostischen Mitteln zu
vermindern. Ebenfalls sind Mac-1 oder dessen funktionelle
Derivate auf gleiche Weise als Anti-ICAM-1-Antikörper
verwendbar, um die Immunogenität von therapeutischen oder
diagnostischen Mitteln zu vermindern.
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ICAM-1 oder Mac-1 oder deren jeweilige funktionelle
Derivate sind verwendbar, um die Metastasierung oder Wucherung
von Tumorzellen, welche an deren Oberfläche entweder Mac-1
oder ICAM-1 exprimieren, zu blockieren. Zur Erreichung eines
solches Zieles ist eine Vielfalt von Methoden verwendbar.
Beispielsweise erfordert die Migration gewisser Zellen eine
Bindung zwischen LFA-1 und ICAM-1. Einem Patienten können
Toxin-derivatisierte Moleküle, die zur Bindung sowohl an
ICAM-1 wie an Mac-1 fähig sind, verabreicht werden. Wenn sich
solche Toxin-derivatisierte Moleküle an Tumorzellen binden,
die ein ICAM-1- oder Mac-1α-Mitglied der LFA-1-Familie von
Molekülen exprimieren, tötet die Anwesenheit des Toxins die
Tumorzelle, wodurch die Wucherung des Tumors gehemmt wird.
B. Zur Bindung an ICAM-1 fähiger Antikörper
-
Monoklonale und polyklonale Antikörper, die zur Bindung
an ICAM-1 fähig sind und dadurch die Bindung von ICAM-1 an
Mac-1 unterdrücken, eignen sich in hohem Masse bei einem
Säugersubjekt als Gegenmittel gegen Entzündung. Für eine
derartige Verwendung werden monoklonale Antikörper besonders
bevorzugt. Auf bedeutsame Weise unterscheiden sich solche
Mittel von allgemeinen Gegenmitteln gegen Entzündung darin, dass
sie fähig sind, die Adhäsion selektiv zu hemmen, und dass sie
keine anderen, bei herkömmlichen Mitteln vorkommenden
Nebenwirkungen wie Nephrotoxizität aufweisen. Derartige
monoklonale Antikörper sind zur Behandlung von Entzündung, die sich
aus einer Reaktion des nicht-spezifischen Abwehrsystems
ergibt, verwendbar.
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Da LAD-Patienten, denen LFA-1 fehlt, keine
Entzündungsantwort aufbauen, wird gemeint, dass ein Antagonismus des
natürlichen LFA-1-Ligandes, ICAM-1, ebenfalls eine
Entzündungsantwort hemmt. Die Fähigkeit von Anti-ICAM-1-Antikörpern
zur Hemmung von Entzündung liefert die Basis für deren
therapeutische Verwendung bei der Behandlung von
Chronischentzündungskrankheiten und Autoimmunkrankheiten wie Lupus
erythematosus, autoimmuner Thyroiditis, experimenteller allergischer
Encephalomyelitis (EAE), multipler Sklerose, einigen Formen
von Diabetes, dem Reynaud-Syndrom, rheumatoider Arthritis
usw. Solche Antikörper sind auch als Therapie bei der
Behandlung von Psoriasis verwendbar. Im allgemeinen sind die zur
Bindung an ICAM-1 fähigen monoklonalen Antikörper bei der
Behandlung von solchen Krankheiten verwendbar, die
gegenwärtig durch Steroidtherapie behandelt werden können.
-
Bei der vorliegenden Erfindung von besonderem Interesse
sind Anti-ICAM-1-Antikörper (oder Antikörper gegen deren
funktionelle Derivate), die zur Hemmung oder Vermeidung der
Bindung von ICAM-1 an Mac-1 im wesentlichen fähig, jedoch zur
Hemmung oder Vermeidung der Bindung von ICAM-1 an LFA-1 im
wesentlichen unfähig sind. Derartige Antikörper sind zur
Behandlung von Entzündung des nicht-spezifischen Abwehrsystems
verwendbar, ohne die Reaktionen des spezifischen
Abwehrsystems zu beeinträchtigen. Ein Beispiel eines solchen Anti-
ICAM-1-Antikörpers ist der monoklonale Antikörper CBRIC1/1.
Eine Hybridomzellinie, welchen diesen monoklonalen Antikörper
sekretiert, wurde am 14. November 1990 bei der American Type
Culture Collection hinterlegt und erhielt die
ATCC-Zugriffsnummer HB10597.
-
Wie im vorstehenden angegeben, sind sowohl polyklonale
als auch monoklonale Antikörper erfindungsgemäss verwendbar.
Besonders bevorzugt sind Antikörper, die durch rekombinante
oder andere Technologie in Menschen produziert werden oder
"humanisiert" sind (d. h. in Menschen nicht-immunogen sind).
Solche Antikörper sind Äquivalente der im vorliegenden
offenbarten monoklonalen und polyklonalen Antikörper, sind jedoch
weniger immunogen und den Patienten besser verträglich.
-
Humanisierte Antikörper können beispielsweise produziert
werden, indem ein immunogener Teil eines Antikörpers durch
einen entsprechenden, jedoch nicht-immunogenen Teil ersetzt
wird (d. h. ein chimärer Antikörper gebildet wird) [Robinson
R. R. et al., Internationale Patentanmeldungsveröffentlichung
WO-A PCT/US86/02269; Akira K. et al., EP-A-0184187; Taniguchi
M., EP-A-0171496; Morrison S. L. et al., EP-A-0173494;
Neuberger M. S. et al., WO-A-86/01533; Cabilly et al., EP-A-0125023;
Better M. et al., Science 240: 1041-1043 (1988); Liu A. Y et
al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84: 3439-3443 (1987); Liu A. Y
et al., J. Immunol. 139: 3521-3526 (1987); Sun L. K. et al.,
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84: 214-218 (1987); Nishimura Y. et
al., Canc. Res. 47: 999-1005 (1987); Wood C. R. et al., Nature
314: 446-449 (1985); Shaw et al., J. Natl. Cancer Inst.
80: 1553-1559 (1988); wobei alle diese Literaturstellen durch
deren Zitat in das Vorliegende aufgenommen werden].
Allgemeine Übersichten über "humanisierte" chimäre Antikörper werden
von Morrison S. L. [Science 229: 1202-1207 (1985)] und von Oi
V. T. et al. [BioTechniques 4: 214 (1986)) gegeben, wobei diese
Literaturstellen durch deren Zitat in das Vorliegende
aufgenommen werden.
-
Andererseits können geeignete "humanisierte" Antikörper
durch CDR- oder CEA-Substitution produziert werden [Jones
P. T. et al., Nature 321: 552-525 (1986); Verhoeyan et al.,
Science 239: 1534 (1988); Beidler C. B. et al., J. Immunol.
141: 4053-4060 (1988)].
VI. Verabreichung der erfindungsgemässen Moleküle
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Da Mac-1 auf Zellen exprimiert wird, die zur Bindung an
Endothelgewebe fähig sind, liefert die Verabreichung eines
funktionellen Derivats von ICAM-1 an einen Patienten ein
Mittel zur bildlichen Darstellung oder Sichtbarmachung von
Endothelgewebe. Zudem ergeben solchen Prozeduren eine
diagnostische Information bezüglich der Menge und Verteilung der
auf dem sichtbargemachten Gewebe sitzenden Bindungsliganden
des Rezeptormoleküls für Mac-1 oder von ICAM-1.
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Bei einer Verwendung dieser Art werden die verabreichten
erfindungsgemässen Moleküle durch Verwendung von
Radioisotopen, Affinitätsmarkern (wie Biotin, Avidin usw.),
fluoreszierenden Markern, paramagnetischen Atomen usw. detektierbar
markiert. Prozeduren zur Erreichung von Markierungen dieser
Art sind im Stand der Technik wohlbekannt. Die Antikörper
(oder Fragmente davon) können durch die Verwendung von
Radioisotopen, Enzym-Markern, fluoreszierenden Markern,
paramagnetischen Markern, elektronendichten Markern usw. detektierbar
markiert werden. Die Verabreichung von solcherart markierten
Molekülen an ein Individuum identifiziert Entzündungsstellen.
Solche detektierbare Markierungen sind auch zur Bestimmung
(Assay) des Status des Immunsystems eines Patienten
verwendbar. Klinische Anwendungen von Antikörpern zur bildlichen
Darstellung zu Diagnosezwecken werden von Grossman H. B.,
Urol. Clin. North Amer. 13: 465-474 (1986), Unger E. C. et al.,
Invest. Radiol. 20: 693-700 (1985) und Khaw B. A. et al.,
Science 209: 295-297 (1980) rezensiert.
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Die Fähigkeit von Monozyten zur spontanen Migration zu
Entzündungsstellen ist von Mac-1 abhängig [Keizer G. D. et
al., Eur. J. Immunol. 17: 1317-1322 (1987)]. Eine solche
Migration kann durch die Verabreichung von ICAM-1 oder von
funktionellen Derivaten von ICAM-1 an einen Patienten gehemmt
werden.
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Gleicherweise wurde festgestellt, dass die Fähigkeit von
Monozytoidzellen zur Adhäsion an Endothelzellen und die
Fähigkeit von Monozytoidzellen, sich der Chemotaxis, der
Chemokinese oder der Phagocytose zu unterziehen, von Mac-1
abhängig ist [Keizer G. D. et al., Eur. J. Immunol. 17: 1317-1322
(1987)]. Jeder der erfindungsgemässen Entzündungshemmer ist
zur Hemmung solcher Aktivitäten verwendbar.
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Die erfindungsgemässen Moleküle werden als "im
wesentlichen frei von natürlichen Verunreinigungen" bezeichnet, wenn
die Zusammensetzungen, welche sie enthalten, im wesentlichen
frei von Stoffen sind, mit denen diese Produkte normalerweise
und natürlicherweise auftreten.
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Die vorliegende Erfindung erstreckt sich auf Antikörper
und biologisch wirksame Fragmente davon (ob polyklonal oder
monoklonal), die zur Bindung an ICAM-1 fähig sind. Solche
Antikörper sind entweder von einem Tier oder durch
Gewebekultivierung oder noch durch Mittel der rekombinanten DNA
produzierbar.
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Wenn ein Patient mit funktionellen Derivaten von ICAM-1
versorgt wird, werden solche Moleküle vorzugsweise in einer
Dosis verabreicht, die im Bereich von 1 pg/kg bis 10 mg/kg
(Körpergewicht des Patienten) liegt, obwohl auch eine niedere
oder höhere Dosis verabreicht werden kann.
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Die erfindungsgemässen Moleküle können den Patienten
intravenös, intramuskulär, subkutan, enteral oder parenteral
verabreicht werden. Wenn solche Moleküle durch Injektion
verabreicht werden, kann die Verabreichung als kontinuierliche
Infusion oder als einzelner oder mehrfacher Bolus erfolgen.
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Die erfindungsgemässen Entzündungshemmer sind dazu
bestimmt, Empfänger-Subjekten in einer zur Unterdrückung der
Entzündung ausreichenden Menge verabreicht zu werden. Eine
Menge wird als zur "Unterdrückung" der Entzündung ausreichend
bezeichnet, wenn die Dosierung, der Verabreichungsweg usw.
des Mittels genügen, um die Entzündung zu vermindern oder zu
vermeiden.
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Die erfindungsgemässen Entzündungshemmer können
(insbesondere einem Empfänger eines Organtransplantates oder eines
verpflanzten Gewebes) entweder einzeln oder in Kombination
mit einem oder mehreren zusätzlichen Immunsuppressiva
verabreicht werden. Die Verabreichung einer oder mehrerer solcher
Verbindungen kann entweder zu "prophylaktischen" oder zu
"therapeutischen" Zwecken erfolgen. Wenn die Verabreichung
prophylaktisch erfolgt, wird bzw. werden die Verbindung(en)
vor jeglicher Entzündungsantwort oder jeglichem
Entzündungssymptom verabreicht. Die prophylaktische Verabreichung der
Verbindung(en) dient zur Vermeidung oder Verminderung
jegli
cher nachfolgenden Entzündungsantwort. Wenn die Verabreichung
therapeutisch erfolgt, wird bzw. werden die Verbindung(en)
bei (oder kurz nach) dem Einsetzen eines Symptoms einer
tatsächlichen Entzündung verabreicht. Die therapeutische
Verabreichung der Verbindung(en) dient zur Verminderung der
tatsächlichen Entzündung. Die erfindungsgemässen
Entzündungshemmer können somit entweder vor dem Einsetzen einer Entzündung
(um dadurch eine zu erwartende Entzündung zu unterdrücken)
oder nach dem Anfang einer Entzündung verabreicht werden.
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Eine Zusammensetzung wird als "pharmazeutisch annehmbar"
bezeichnet, wenn deren Verabreichung von einem Empfänger-
Patienten tolerierbar ist. Man sagt von einer solchen
Zusammensetzung, dass sie "in einer therapeutisch wirksamen Menge"
verabreicht wird, wenn die verabreichte Menge physiologisch
signifikant ist. Ein Mittel ist physiologisch signifikant,
wenn seine Anwesenheit zu einer nachweisbaren Änderung der
Physiologie des Empfänger-Patienten führt.
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Die erfindungsgemässen Moleküle können nach bekannten
Verfahren formuliert werden, um pharmazeutisch verwendbare
Zusammensetzungen herzustellen, wobei diese Stoffe oder deren
funktionelle Derivate in einem Gemisch mit einer
pharmazeutisch annehmbaren Trägersubstanz kombiniert sind. Geeignete
Trägersubstanzen und deren Formulierung, einschliesslich
anderer menschlicher Proteine wie beispielsweise menschlichen
Serumalbumins, sind beispielsweise in Remington's
Pharmaceutical Sciences [16. Ausgabe, Herausgeber Osol A., Mack,
Easton PA (1980)] beschrieben. Um eine für eine wirksame
Verabreichung geeignete pharmazeutisch annehmbare Zusammensetzung
zu bilden, sollen derartige Zusammensetzungen eine wirksame
Menge an Anti-ICAM-1-Antikörper oder an ICAM-1- oder Mac-1-
Molekül oder an funktionellem Derivaten davon zusammen mit
einer geeigneten Menge Trägersubstanz enthalten.
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Zusätzliche pharmazeutische Methoden können angewandt
werden, um die Wirkungsdauer zu steuern. Zusammensetzungen
mit regulierter Abgabe können durch Verwendung von Polymeren
zum Komplexieren oder Absorbieren der erfindungsgemässen
the
rapeutischen Agenzien erhalten werden. Die gesteuerte
Freigabe kann durch Auswahl der geeigneten Makromoleküle
(beispielsweise Polyester, Polyaminosäuren, Polyvinylpyrrolidon,
Ethylenvinylacetat, Methylcellulose, Carboxymethylcellulose
oder Protaminsulfat) und der Konzentration der Makromoleküle
wie auch der Inkorporierungsmethoden im Hinblick auf die
Steuerung der Abgabe erreicht werden. Eine andere mögliche
Methode zur Steuerung der Wirkungsdauer durch
Zusammensetzungen mit gesteuerter Abgabe besteht darin, Anti-ICAM-1-
Antikörper oder ICAM-1-Moleküle oder deren funktionelle
Derivate in Partikeln aus Polymerstoff wie Polyester,
Polyaminosäuren, Hydrogele, Poly(milchsäure) oder Ethylen-Vinylacetat-
Copolymere einzubringen. Wahlweise ist es möglich, statt
diese Mittel in polymere Partikeln einzubringen, diese Stoffe in
Mikrokapseln einzuschliessen, die beispielsweise durch
Koazervationstechniken oder durch Grenzflächenpolymerisation
hergestellt werden, beispielsweise in Hydroxymethylcellulose-
oder Gelatine-Mikrokapseln bzw.
Poly(methylmethacrylat)-Mikrokapseln, oder in kolloidale Medikamentabgabesysteme wie
beispielsweise Liposome, Albuminmikrokugeln, Mikroemulsionen,
Nanopartikeln und Nanokapseln, oder in Makroemulsionen.
Derartige Techniken sind in Remington's Phannaceutical Sciences
(1980) offenbart.
-
Da nun die Erfindung allgemein beschrieben wurde, wird
sie beim Lesen der nachstehenden Beispiele, die zur
Veranschaulichung gegeben werden und die vorliegende Erfindung
nicht einzuschränken beabsichtigen, ausser wenn dies
ausdrücklich angegeben ist, noch besser verständlich werden.
Beispiel 1
Verfahren zur Untersuchung der Wechselwirkung
zwischen Mac-1 und ICAM-1
-
Untersuchungen jüngeren Datums durch Smith C. W. et al.
[J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989); J. Clin. Invest.
82: 1746-1756 (1988); wobei diese Literaturstellen durch deren
Zitat in das Vorliegende aufgenommen werden] haben den
Erfindern nahegelegt, dass LFA-1 und Mac-1 bei der Adhäsion von
Neutrophilen an Endothelzellen zusammenwirken könnten;
nichtstimulierte Neutrophile binden sich primär über Oberflächen-
LFA-1, während mit fMLP aktivierte Neutrophile sich meist
über Mac-1 anheften. Mac-1 und LFA-1 können beide mit ICAM-1
in Wechselwirkung stehen, da ein monoklonaler Anti-ICAM-1-
Antikörper die von CD18 abhängige und von fMLP stimulierte
Adhäsion von Neutrophilen an nicht-stimulierten
Endothelzellen vollständig blockiert [Smith C. W. et al., J. Clin.
Invest. 82: 1746-1756 (1988)]. Da monoklonale Antikörper gegen
LFA-1 und Mac-1 auch die Anhaftung von Neutrophilen an ICAM-1
enthaltenden planaren Membranen unterdrücken [Smith C. W. et
al., J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989)], unterstützten die
Arbeiten von Smith et al. die Schlussfolgerung, dass die
Adhäsion von Neutrophilen an Endothelzellen teilweise von der
Bindung zwischen ICAM-1 und LFA-1 sowie zwischen ICAM-1 und
Mac-1 abhängig ist.
-
Im Gegensatz dazu haben Lo S. K. et al. [J. Immunol.
143(10): 3325-3329 (1989)] offenbart, dass, wenn sich mit
Phorbolester stimulierte Neutrophile an Endothelzellen
anheften, nur LFA-1 mit ICAM-1 in Wechselwirkung steht, während
sowohl Mac-1 als auch LFA-1 daran mitbeteiligt sind. Zudem
haben sie festgestellt, dass bei auf ICAM-1-Substratplatten
aufgetragenen Makrophagen nur LFA-1 vom Spitzenbereich der
Zelloberfläche herabmoduliert wurde. Diese Resultate
unterstützen die Schlussfolgerung, dass Mac-1 sich nicht an ICAM-1
bindet, sondern eher mit einem nicht charakterisierten
Endothelzellenoberflächenrezeptor in Wechselwirkung steht.
-
Zur Auflösung dieses Paradoxons wurden Untersuchungen
über die gegenseitige Adhäsion durchgeführt, wobei durch
Immunaffinität gereinigtes Mac-1 und ICAM-1 sowie ICAM-1, Mac-1
und LFA-1 exprimierende transfizierte Zellen verwendet
wurden.
Monoklonale Antikörper
-
Die nachstehenden murinen monoklonalen Antikörper gegen
humane Antigene stammten von Aszites: LPM19c (Anti-CD11b,
IgG2a) [Uciechowski P. et al., in: Leukocyte Typing IV: White
Cell Differentiation Antigens, Herausgeber Knapp W. et al.,
Oxford University Press, Oxford, Seiten 543-551 (1989)];
W6/32 (Anti-HLA A, B, C, IgG2a) [Barnstable C. J. et al., Cell
14: 9-20 (1978)]; TS1/22 (Anti-CD11a, IgG1) [Sanchez-Madrid F.
et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 79: 7489-7493 (1982)];
YFC51.1 (Anti-CD18, Ratten-IgG2b) [Uciechowski P. et al., in:
Leukocyte Typing IV: White Cell Differentiation Antigens,
Herausgeber Knapp W. et al., Oxford University Press, Oxford,
Seiten 543-551 (1989)]; CBRIC2/1 und CBRIC2/2 (Anti-ICAM-2,
IgG2a) und TS2/16 (Anti-CD29, IgGI) [Sanchez-Madrid F. et
al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 79: 7489-7493 (1982)]. Die
nachstehenden monoklonalen Anti-ICAM-1-Antikörper wurden als
gereinigtes IgG verwendet: CL203 [Maio M. et al., J. Immunol.
143: 181-188 (1989)], LB-2 [Clark E. A. et al., Hum. Immunol.
16: 100-113 (1986)], 84H10 [Makgoba M. W. et al., Nature
331: 86-88 (1988)].
-
RR1/1 Fab&sub2; [Rothlein R. M. et al., J. Immunol. 137: 1270-
1274 (1986)] wurde durch Pepsin-Digestion nach einer Protein-
A-Affinitätschromatographie hergestellt [Parham P. in:
Immunological Methods in Biomedical Sciences, Herausgeber Weir
D. M. et al., Blackwell, Oxford (1983)]. R6.5 (IgG2a) [Smith
C. W. et al., J. Clin. Invest. 82: 1746-1756 (1988)], IgG und
Fab stammten von Boehringer Ingelheim Pharmaceuticals,
Ridgefield CT.
-
Monoklonale Antikörper CBRIC1/1, CBRIC1/2, CBRIC1/3,
CBRIC1/4 (monoklonale Anti-ICAM-1-Antikörper), M1/42 (Anti-H-
2, Ratten-IgG2a) [Springer T. A. in: Monoclonal Antibodies,
Herausgeber Kennett R. H. et al., Plenum Press, New York,
Seiten 185-217 (1980)] und X63 (nichtbindender Antikörper, IgG1)
wurden als Gewebekulturüberstand verwendet. Verwendet wurden
für Hemmungsbestimmungen (Assays) Aszites-Fluide in 1/400-
Verdünnungen, gereinigtes IgG zu 20-25 ug/ml, Fab&sub2; zu 20
ug/ml, Fab zu 50 ug/ml, und Gewebekulturüberstände zu 1/2.
Mit Protein A gereinigtes TS1/18 (Anti-CD18, IgG1) [Sanchez-
Madrid F. et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 79: 7489-7493
(1982)] und LM2/1 (Anti-CD11b, IgGI) [Miller L. J. et al., J.
Immunol. 137: 2891-2900 (1986)] wurden iodiert und für
Stellendichtemessungen verwendet, wie von Dustin M. L. et al.
[Nature 341: 619-624 (1989); wobei diese Literaturstelle durch
deren Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird] beschrieben
wird; TS1/18 erkennt nur das intakte α/β-Heterodimer.
Proteinreinigung: Mac-1, LFA-1 und ICAM-1
-
Mac-1 wurde aus Leukozytlysaten gereinigt, wobei eine
Modifizierung der Prozedur von Dustin M. L. et al. [Nature
341: 619-624 (1989)] und [Miller L. J. et al., J. Immunol.
138: 2381-2383 (1987)] verwendet wurde, wobei diese beiden
Literaturstellen durch deren Zitat in das Vorliegende
aufgenommen werden.
-
Kurz ausgedrückt, um 500 ug des gereinigten
funktionellen Heterodimers zu erhalten wurden 10 g tiefgefrorene
Leukozyten aus peripherem Blut in 200 ml Lysepuffer (100 mM Tris-
HCl pH-Wert 8,0 + 150 mM NaCl + 2 mM MgCl&sub2; + 1% Triton-X-100
+ 5 mM Iodacetamid + 0,025% NaN3 + 1 mM
Phenylmethylsulfonylfluorid + 1 mM Diisopropylfluorphosphat + 0,2 TIU/ml
Aprotinin) während einer Stunde bei 4ºC unter leichter Rührung
aufgelöst. Das sich ergebende Lysat wurde während zwei
Stunden bei 4ºC unter 10000 g zentrifugiert; der Überstand wurde
dekantiert und dann während einer Stunde unter 100000 g
(Ti45, Beckman) ultrazentrifugiert.
-
Das geklärte Lysat wurde mit an Sepharose CL-4B
gekoppeltem humanem IgG vorbereitet; pro ml Lysat wurden 40 ul
einer 1 : 1-Aufschlämmung von IgG-Sepharose zugesetzt und über
Nacht bei 4ºC gerollt. Die Sepharose wurde pelletisiert und
das vorbereitete Lysat dann über eine LM2/2-(Anti-CD11b;
IgG1)-Immunaffinitätsäule (Bettvolumen 6 ml, 3 mg/ml LM2/1)
geführt. Dies wurde vorbereitet, indem mit Protein A
gereinigtes LM2/1 an mit Cyanogenbromid aktivierte Sepharose
gebunden wurde [March S. C et al., Anal. Biochem. 60: 149-152
(1974)].
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Die Säule wurde mit 10 Bettvolumen von 50 mM Tris-HCl
pH-Wert 8,0 + 150 mM NaCl + 2 mM MgCl&sub2; + 0,1% Triton X-100
vorequilibriert und das vorbereitete Lysat wurde bei 10 ml
pro Stunde eingegeben. Die Säule wurde bei 20 ml pro Stunde
in Aufeinanderfolge mit 10 Bettvolumen von 50 mM Tris-HCl pH-
Wert 8,0 + 150 mM NaCl + 2 mM MgCl&sub2; + 1%
n-Octyl-β-D-glucopyranosid in Röhrchen mit Neutralisierungspuffer (10 Vol.-%
1 M Tris-HCl pH-Wert 7,4) ausgewaschen. Die Peak-Fraktionen
wurden vereinigt, aufgeteilt und während 3-6 Monaten bei
-80ºC gelagert, ohne einen Aktivitätsverlust zu erleiden.
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LFA-1 wurde durch Immunaffinitätschromatographie
gereinigt, wie es von Dustin M. L. et al. [Nature 341: 619-624
(1989)] beschrieben wurde, ausser dass ein Ersatz durch
Lysate von Leukozyten aus peripherem Blut stattfand.
-
ICAM-1 wurde durch Immunaffinitätschromatographie
gereinigt, wie es von Marlin S. D. et al., [Cell 51: 813-819 (1987)]
beschrieben wurde.
SDS-PAGE
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Proteinproben wurden auf 5% β-Mercaptoethanol
enthaltenden reduzierenden 7-10%igen
Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gelen [Laemmli U. K., Nature 227: 680-685 (1970)]
angesetzt und mittels Silber gefärbt, wie es von Morrissey
J. H. [Anal. Biochem., 117: 307-310 (1981)] beschrieben wird.
Gewebekultur, Transfektion und Zellvorbereitung
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COS-Zellen wurden auf zur Gewebekultur behandelten 10-
oder 15-cm-Platten (Falcon) in RPMI 1640 mit 10% fetalem
Kälberserum + 5 mM Glutamin + 50 ug/ml Gentamycin gezüchtet.
Die Zellen wurden bei etwa 50-60% Konfluenz in 10-cm-Platten
mit 4-6 ug mit CsCl gereinigter [Maniatis T. et al. in:
Molecular Cloning: A Laboratory Manual, Cold Spring Harbor
Laboratory, Cold Spring Harbor, NY (1982); wobei diese
Literaturstelle durch deren Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird]
ICAM-1-DNA [Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254 (1990)]
transfiziert oder nach der DEAE-Dextran-Methode [Aruffo A. et
al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84: 8573-8577 (1987); Kingston
R. E. in: Curent Protocols in Molecular Biology, Greene
Publishing Associates, Seiten 9.0.1-9.9.6 (1987)] während vier
Stunden bei 37ºC mit 6 ug Mac-1 oder LFA α plus 6 ug β cDNA
[Hibbs M. L. et al., J. Clin. Invest. 85: 674-681 (1990);
Larson R. S. et al., Cell Reg. 1: 359-367 (1990)] cotransfiziert.
Nach 72 Stunden wurden die Zellen vor den funktionellen
Bestimmungen (Assays) mit PBS (Phosphat-gepufferter Salzlösung)
und 5 mM EDTA während 5 Minuten bei 37ºC aus den
Gewebekulturplatten eluiert.
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Stabile ICAM-1&spplus;-L-Zellen wurden erzeugt, wie es von Chen
C. A. et al., [BioTechniques 6(7): 632-637 (1988); wobei diese
Literaturstelle durch deren Zitat in das Vorliegende
aufgenommen wird] beschrieben wird. Kurz ausgedrückt, es wurden
murine L-Zellen (tk-) auf 6-cm-Gewebekulturschalen gesetzt
und während zwei Tagen bis 10-20% Konfluenz wachsengelassen.
ICAM-1-cDNA im Plasmid CDM8 [Staunton D. E. et al., Cell
61: 243-254 (1990)] (10 ug) und ein einen Selektions-Marker
der Thymidin-Kinase enthaltendes Plasmid (100 mg) wurden mit
0,2 ml CaCl&sub2; + 0,2 ml 50 mM N-N-bis-2-Aminoethansulfonsäure +
280 mM NaCl + 1,5 mM Na&sub2;HPO&sub4; pH-Wert 6,95 gemischt und
während 10-20 Minuten bei Raumtemperatur inkubiert. Die
Calciumphosphat-DNA-Lösung (0,4 ml) wurde den auf den Platten
aufgetragenen Zellen tropfenweise zugesetzt, und es wurde bei 35ºC
in einem Inkubator mit 3% CO&sub2; inkubiert. Vierundzwanzig
Stunden später wurden die Zellen mit regulärem DMEM-Medium
gewaschen und es wurde bei 37ºC in einem Inkubator mit 5%
CO&sub2; wachsengelassen bis zum 3. Tag, an welchem die
HAT-Selektion (100 uM Hypoxanthin + 400 nM Aminopterin + 16 uM
Thymidin) eingeleitet wurde.
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Zellen mit hoher ICAM-1-Expressionsrate wurden nach
Entnahme einzelner Kolonien mit einem Klonierungszylinder durch
Flusszytometrie identifiziert. ICAM-1&spplus;-L-Zellen wurden in
einem Selektionsmedium gehalten, das aus DMEM mit 10% durch
Hitze inaktiviertem fetalem Kälberserum + 5 mM Glutamin + 50
ug/ml Gentamycin bestand und mit HAT ergänzt war. Nicht
transfizierte L-Zellen wurden in DMEM ohne HAT gehalten.
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Endothelzellen der humanen Nabelschnurvene (HUVEC, steht
für "Human Umbilical Vein Endothelial Cell") wurden bis zu
einer niedrigen Durchgangszahl (2-5) auf Gewebekulturplatten
kultiviert, die vorgängig überzogen waren mit Fibronectin (50
ug/ml) in M199-Medium, das mit 20% durch Hitze inaktiviertem
fetalem Kälberserum + 100 ug/ml Heparin + 100 ug/ml
Gentamycin [Dustin M. L. et al., J. Cell. Biol. 107: 321-331 (1988)]
ergänzt war.
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Eine Behandlung mit LPS erfolgte durch Zugabe von 1
ug/ml Lipopolysaccharid aus E. Coli (Endotoxin) 24 Stunden
vor der Zellenernte. Cytokin-Stimulation erfolgte durch
Zugabe von 5 U/ml rIL-1β (Genentech, CA).
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Zur Elution von HUVEC-Zellen für die
Zweifarbenfluoreszenz-Untersuchungen wurden Zellen während 5 bis 10 Minuten
bei 37ºC mit PBS + 5 mM EDTA behandelt.
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Neutrophile wurden durch Dextran-Sedimentation aus dem
Vollblut von gesunden Freiwilligen isoliert.
Ficoll-Gradientenzentrifugation und hypotonische Lyse erfolgten wie von
English D. et al. [J. Immunol. Methods 5: 249 (1974)]
beschrieben. Vor den experimentellen Manipulation wurden die
Neutrophilen bei Raumtemperatur in Hanks Ausgeglichener
Salzlösung + 10 mM HEPES pH-Wert 7,3 + 0,5% humanem Serumalbumin
(HHHSA) gelagert.
Zellkoniugations-Untersuchungen
-
Eine Zweifarbenfluoreszenz-Zellkonjugations-Bestimmung
(Assay) erfolgte durch Modifizierung des Protokolls von Luce
G. G. et al. [BioTechniques 3: 270-272 (1985); wobei diese
Li
teraturstelle durch deren Zitat in das Vorliegende
aufgenommen wird].
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Kurz ausgedrückt, 10&sup8; Neutrophile wurden zweimal mit
HHHSA gewaschen, in 10 ml einer filtrierten (0,2 um) 40-
ug/ml-Lösung von Hydroethidin (HE, Polysciences) in HHHSA
wieder suspendiert und während 35 Minuten bei 37ºC unter
schonender Schwenkbewegung der Probe inkubiert. HUVEC-Zellen
(2 · 10&sup7;) wurden aus T150 cm Flaschen mit PBS + 5 mM EDTA
eluiert, dreimal in RPMI 1640 + 20 mM HEPES pH-Wert 7,3 + 5%
inaktiviertem fetalem Kälberserum (RPMTHFS) gewaschen, in 10
ml einer 200-uM-Lösung von Sulfofluoresceindiacetat (SFDA,
Molecular Probes) wieder suspendiert, und ebenfalls während
30 Minuten bei 37ºC inkubiert. Daraufhin wurden die Zellen
viermal in RPMI 1640 + 10 mM HEPES pH-Wert 7,3 + 0,5% HSA +
5% durch Hitze inaktiviertem humanem Serum gewaschen und wie
folgt wieder suspendiert: Neutrophile 1 · 10&sup7; Zellen/ml;
HUVEC-Zellen 2 · 10&sup6; Zellen/ml. Die Bestimmung erfolgte in
Gegenwart von durch Hitze inaktiviertem humanem Serum (5%)
zur Vermeidung einer Vernetzung der Fc-Rezeptoren mit den
monoklonalen Antikörpern. Die geeigneten Antikörper wurden
beiden Typen von Zellen zugesetzt, und es wurde während 25
Minuten bei Raumtemperatur vorinkubiert.
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Neutrophile (150 ul) und HUVEC-Zellen (250 ul) wurden
auf eine 24-Mulden-Platte (Falcon) aufgetragen, und es wurde
folgendes Untersuchungsprotokoll verwendet (alle Inkubationen
erfolgten bei 37ºC unter Schütteln bei 75 U/min auf einem
Drehschüttelgerät (New Brunswick Scientific, NJ)): fünf
Minuten Vorinkubation, Zugabe von 1 · 10&sup7; M fMLP, zehn Minuten
Inkubation. Konjugate wurde nach dreimaligem Pipettieren der
Lösung wiedergewonnen (kleinere Aggregate können sich
niederschlagen) und quantitativ erfasst als Prozentsatz von HUVEC-
Zellen, die in Zweifarben-Konjugaten durch Flusszytometrie
entweder mit einem EPICS V (Coulter, Hialeah, FL) oder einem
FACScan (Becton Dickinson) gefunden wurden.
Bindung von Zellen an gereinigte Proteine
-
Gereinigtes Mac-1 oder LFA-1 wurde je nach dem
Proteingehalt (mittels SDS-PAGE und Radioimmunbestimmung
(Radioimmunassay) [Dustin M. L. et al., Nature 341: 619-624 (1989)]
geschätzt) in 20 mM Tris pH-Wert 7,4 + 150 mM NaCl + 2 mM MgCl&sub2;
mit einer Konzentration an Octylglukosid-Tensid im Bereich
von 0,1% bis 0,01% von 1/8 bis 1/120 verdünnt und
aufgetragen, bei 35-mm-Petrischalen auf die gesamte Oberfläche, bei
60-mm-Petrischalen als abgegrenzter 40-ul-Fleck, oder bei 96-
Mulden-Platten (Linbro-Itertek) mit 50 ul in jeder Mulde,
während 90 Minuten bei Raumtemperatur [Staunton D. E., Nature
339: 61-64 (1989)]. Danach wurden die Platten und Schalen
durch dreimaliges Waschen mit PBS + 2 mM MgCl&sub2; + 0,5% HSA
(PBSMH) und anschliessende Inkubation darin während 2 Stunden
bei 37ºC abgestoppt. Zur Bestimmung (Assay) der
COS-Zelladhäsion an Mac-1 wurden niedrigere Stellendichten von Mac-1
verwendet (< 500 Stellen/um²), um eine Hintergrund-Zellbindung
zu vermeiden, die auf die Expression eines auf der
Oberflächen der COS-Zellen sitzenden endogenen Liganden für Mac-1
zurückzuführen ist; diese Stellendichte ermöglichte die
Adhäsion der ICAM-1 exprimierenden COS-Zellen, unterstützte
jedoch nicht die Bindung von COS-Zellen, die allein mit dem
Vektor transfiziert worden waren.
-
Zur Bestimmung (Assay) auf der 96-Mulden-Platte wurden
nicht-stimulierte sowie während 18 Stunden mit IL-1β oder
während 24 Stunden mit LPS stimulierte HWEC-Zellen mit PBS +
5 mM EDTA aus den Gewebekulturplatten eluiert, zweimal in
HHHSA gewaschen, bis auf 10&sup6; Zellen/ml wieder suspendiert,
während 1 Stunde bei 37ºC mit 50 uCi/ml Cr markiert [Sanchez-
Madrid F. et al., J. Exp. Med. 158: 1785-1803 (1983)], zweimal
in HHHSA gewaschen, zweimal in PBSMH + 0,2% Glucose
gewaschen, und gleichzeitig mit den mit Mac-1 überzogenen Platten
während 25 Minuten bei Raumtemperatur mit geeigneten
Antikörpern vorinkubiert. Jeder Mulde wurden HUVEC-Zellen (50 ul zu
10&sup6; Zellen/ml) zugesetzt, und die Bindungsbestimmung (Assay)
wurde während 1 Stunde bei Raumtemperatur durchgeführt.
Nichtgebundene Zellen wurden mittels einer Starkaufsaug-
Waschprozedur unter Verwendung einer Nadel der Grösse "26-
gauge" entfernt [Dustin M. L. et al., Nature 341: 619-624
(1989)]. Gebundene Zellen wurden mit 0,2 M NaOH oder PBS + 25
mM EDTA eluiert und mittels Gammaemission quantitativ
erfasst. Für L-Zellen wurde das gleiche Protokoll verwendet,
ausser dass der Bindungspuffer ersetzt wurde durch RPMI 1640
+ 20 mM HEPES pH-Wert 7,3 + 5% FCS + 0,1% HSA, die Zellen
während 5 Minuten auf Mac-1-Substraten bei 300 U/min
zentrifugiert wurden, die Inkubation bei 37ºC erfolgte und nur zwei
Aufsaug-Waschungen durchgeführt wurden.
-
Zur Bestimmung (Assay) in den 35-mm- und
60-mm-Petrischalen wurden transfizierte COS-Zellen oder L-Zellen mit PBS
+ 5 mM EDTA oder mit RPMI + 10 mM EDTA aus den
Gewebekulturplatten eluiert. Die COS-Zellen wurden zweimal in HHHSA
gewaschen, in HHHSA bis auf 8 · 10&sup5; Zellen/ml wieder suspendiert,
und während 1 Stunde mit 50 uCi/ml Cr markiert
[Sanchez-Madrid F. et al., J. Exp. Med. 158: 1785-1803 (1983)].
Überschüssiger Marker wurde weggewaschen, und die Zellen wurden
in PBS + 1,5 mM MgCl&sub2; + 0,5 mM CaCl&sub2; + 0,2% Glucose + 0,5%
HSA bis auf 8 · 10&sup5; Zellen/ml wieder suspendiert. L-Zellen
wurden dreimal mit PBS + 2 mM MgCl&sub2; + 5% FCS + 0,1% HSA
gewaschen. Die Zellen wurden während 30 Minuten bei
Raumtemperatur mit geeigneten Antikörpern vorinkubiert, in
Petrischalen angesetzt und während 50 Minuten bei 37ºC inkubiert.
Nichtgebundene COS-Zellen oder L-Zellen wurden durch drei
aufeinanderfolgende Waschungen mit 1 ml Bindungspuffer
entfernt, der auf die Platte gegeben und dann vorsichtig darauf
gewirbelt wurde. Bei Untersuchungen mit COS-Zellen wurden die
Platten nach dem Waschen zur Feststellung von gebundenen
Zellen gesichtet und qualitativ beurteilt, und die anhaftende
Population wurde mit 1 ml PBS + 25 mM EDTA (15 Minuten bei
37ºC) eluiert und mittels Gammaemission quantitativ erfasst.
Bei Untersuchungen mit L-Zellen wurden die gebundenen Zellen
nach dem Waschen quantitativ erfasst, indem für jede
Untersu
chungsstelle die Zellenanzahl in 4-5 Feldern eines
Hochleistungs-Lichtmikroskops gesichtet und gezählt wurde. Diese
Anzahl wurde durch die Anzahl der angesetzten Zellen pro Feld
dividiert, was den Prozentsatz der Zellenbindungen ergab.
Flusszytometrie
-
Es wurden 0,5-1,0 · 10&sup5; Zellen in 50 ul HHHSA auf
V-Boden-Mikrotiterplatten aufgetragen, die 50 ul
Antikörper-Überstände oder 50 ul einer 1/200-Verdünnung von
Antikörper-Aszites enthielt. Die Platte wurde mit Klebeband versiegelt und
auf einem Dynatech Plattenschüttler während 45 Minuten bei
4ºC geschüttelt. Die Zellen wurden zu Kuchen verdichtet (2000
U/min. 2 Minuten, 4ºC), dreimal mit HHHSA (150 ul) gewaschen
und in 100 ul einer 1/20-Verdünnung in HHHSA von gereinigten
mit FITC konjugierten Ziegen-Anti-Maus-IgG-(leichte Kette +
schwere Kette)-Antiseren (Zymed, CA) wieder suspendiert. Die
Platte wurde wieder versiegelt und während 30 Minuten bei 4ºC
geschüttelt. Die Zellen wurden zweimal in HHHSA und einmal in
PBS + 5% FCS gewaschen und in 200 ul PBS + 2,5% FCS + 1%
Paraformaldehyd wieder suspendiert. Die Proben wurden auf
einem EPICS V Flusszytometer analysiert.
Reagenzien
-
Alle chemischen Reagenzien waren von höchster Reinheit
und wurden bei Sigma Chemical Co. (St. Louis, MO) eingekauft
mit Ausnahme der folgenden: rIL-1β (Genentech, CA), HE
(Polysciences, Warrington, PA), SFDA (Molecular Probes), Na&sub2;&sup5;¹CrO&sub4;
und Na¹²&sup5;I (Amersham, IL), Dextran-500 (Pharmacia, Schweden),
fetaler Kälberserum (Flow Laboratories oder JR Scientific),
Endothelzellen-Wachstumfaktor (Chemicon International, Los
Angeles, CA), HSA (Alpha Corporation, Los Angeles, CA), FITC-
Ziegen-Anti-Maus-Antikörper (Zymed, CA), Protein A
(Pharmacia, Schweden), Iodogen (Pierce), Triton X-100 (DuPont,
Wilmington, DE), CsCl (BRL), Hypoxanthin (GIBCO, NY).
Beispiel 2
Adhäsion von Mac-1- und LFA-1-Transfektanten
an gereinigtes ICAM-1
-
Den Untersuchungen von Smith C. W. et al., [J. Clin.
Invest. 83: 2008-2017 (1989)], die den Erfindern nahegelegt
hatten, dass auf Neutrophilen sitzendes Mac-1 sich an ICAM-1
bindet, erwächst eine Komplikation durch die Anwesenheit
einer Vielfalt von Adhäsionsrezeptoren auf den Neutrophilen,
d. h. die Neutrophilen exprimieren nennenswerte Mengen sowohl
von LFA-1 wie auch von Mac-1. Die im vorstehenden
beschriebenen Methoden verwendeten eine Zellbindungsbestimmung (Assay)
mit Transfektanten durch gereinigtes Protein, bei welcher
jedes der Liganden-Paare unabhängig voneinander auf seine
Adhäsion untersucht wurde [Larson R. S. et al., Cell Reg.
1: 359-367 (1990); wobei diese Literaturstelle durch deren
Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird].
-
Mit den cDNAs für die gemeinsame β-Untereinheit und die
α-Untereinheit entweder von Mac-1 oder von LFA-1
cotransfizierte COS-Zellen wurden einer Bestimmung (Assay) der
Bindung an gereinigtes ICAM-1 unterzogen, welch letzteres
unter Verwendung der im vorstehenden beschriebenen Methoden
auf ein Kunststoffsubstrat aufgetragen war. Die durch
Immunfluoreszenz-Flusszytometrie bestimmte Oberflächenexpression
betrug im Durchschnitt 30% für ICAM-1 und 40% für Mac-1.
Mac-1 oder LFA-1 exprimierende transfizierte COS-Zellen
banden sich an gereinigtes ICAM-1 (Fig. 1), während die mit der
β-Kette allein transfizierten Zellen sich nicht banden. Die
Adhäsion war spezifisch, da gegen LFA-1, Mac-1 und ICAM-1
gerichtete monoklonale Antikörper die Bindung unterdrückten,
während ein als Referenz genommener, das Affen-Homologon des
CD29 bindender monoklonaler Antikörper die Bindung nicht
unterdrückte.
-
In Fig. 1 wurden COS-Zellen, die mit cDNAs für die
Mac-1- oder LFA-1-α-Ketten und die gemeinsame β-Kette
cotransfiziert waren, mit &sup5;¹Cr markiert, und dann wurden sowohl
die Zellen als auch die mit ICAM-1 überzogenen Substrate mit
monoklonalen Antikörpern gegen folgendes vorbehandelt:
Referenz (TS2/16), LFA-1 (TS1/22), Mac-1 (LPM19c) und ICAM-1
(R6.5 und RR1/1). Anschliessend wurden die Zellen zum
Absetzen in mit ICAM-1 überzogenen 35-mm-Petrischalen während 1
Stunde bei 37ºC stehengelassen. Die Platten wurden mittels
Pipettierung viermal gewaschen, und gebundene Zellen wurden
entfernt und mittels Gammaemission quantitativ erfasst. Vor
der Markierung mit &sup5;¹Cr wurde ein kleiner Prozentsatz der
Zellen mit monoklonalen Antikörpern gegen LFA-1 (TS1/22) oder
Mac-1 (LM2/1) gefärbt, und der Prozentsatz von positiven
Zellen wurde durch Flusszytometrie bestimmt. Die Wertangaben
wurden in bezug auf die Oberflächenexpression normiert, indem
der Prozentsatz von gebundenen Zellen durch den Prozentsatz
von positiven Zellen dividiert wurde. Ohne diese Normierung
waren COS-Zellen, die mit der β-Kette allein, mit Mac-1 und
mit LFA-1 transfiziert waren, in bezug auf die Expression bei
7%, 30% bzw. 40% der Zellen positiv. Die Wertangaben waren
Durchschnittswerte aus drei separaten Untersuchungen, und die
Fehlerbalken stellen die Standardfehler des
Durchschnittswertes dar.
-
Die Adhäsion von Mac-1-Transfektanten war schwächer (44
Bindung im Vergleich zu 75% bei LFA-1-Transfektanten) und
fand bei 37ºC statt, jedoch nicht bei 23ºC, während sich mit
LFA-1 transfizierte COS-Zellen bei 23ºC an ICAM-1 banden.
Beispiel 3
Immunaffinitätsreinigung von funktionellem Mac-1
-
Zur Gewinnung von zusätzlichen Beweisen einer
Wechselwirkung zwischen Mac-1 und ICAM-1 wurde die im vorstehenden
beschriebene gegenseitige Bestimmung (Assay) verwendet, um
festzustellen, ob sich ICAM-1 tragende Zellen an gereinigtes
Mac-1 binden. Mac-1 wurde gereinigt, wie es im vorstehenden
beschrieben wird, wobei eine modifizierte Form desjenigen
Vorgehens verwendet wurde, das verwendet worden war, um LFA-1
in einer Form zu erhalten, die funktionell war und bei
welcher die α- und β-Ketten nicht-kovalent assoziiert blieben
[Dustin M. L. et al., Nature 341: 619-624 (1989)].
-
Leukozyten aus peripherem Blut wurden in Gegenwart von
Mg²&spplus; in Triton X-100 lysiert, und der Mac-1-α/β-Komplex
wurde, wie im vorstehenden beschrieben, an eine Affinitätsäule
mit monoklonalem Antikörper gegen LM2/1 gebunden. Triton X-
100 wurde gegen das dialysierbare Tensid Octyl-β-Glucosid
ausgewechselt. Die Elutionsbedingungen bei einer Variation
von Salz, Konzentration an zweiwertigem Kation und pH-Wert
wurden untersucht und in bezug auf die Ausbeute und die
Fähigkeit zur Wiederfällung des Heterodimers optimisiert. Der
optimale Puffer enthielt 50 mM Triethylamin pH-Wert 10,0, 300
mM NaCl und 2 mM Mg²&spplus;. Nach dieser Prozedur erhaltenes Mac-1
war im wesentlichen rein, und es migrierte beim reduzierenden
SDS-PAGE als zwei Bänder mit jeweiligen Mr von 160000 und
95000, im Übereinstimmung mit früheren Beobachtungen [Miller
L. J. et al., J. Immunol. 138: 2381-2383 (1987)]. Immunfällung
des gereinigten Stoffes mit dem monoklonalen
Anti-β-Antikörper TS1/18 ergab das Heterodimer, was aufzeigte, dass die
beiden Ketten nach der Elution assoziiert blieben. Dieser
Stoff hatte die Aktivität des Komplementrezeptors Typus drei,
da er sich spezifisch an iC3b präsentierenden Erythrozyten
band, nicht jedoch an Erythrozyten, die nur mit
Anti-Forsmann-Antikörper [Diamond M. S. et al. in: Leukocyte Typing IV,
Herausgeber Knapp W. et al., Oxford University Press, Oxford,
Seiten 570-574 (1989); wobei diese Literaturstelle durch
deren Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird]. Etwa 500 ug
intaktes Mac-1 wurden aus 10 g Leukozyten gewonnen.
Beispiel 4
Adhäsion von mit ICAM-1-cDNA transfizierten Zellen
an gereinigtes Mac-1 und LFA-1
-
Um zu untersuchen, ob ICAM-1 tragende Zellen mit Mac-1
in Wechselwirkung stehen, wurden COS-Zellen mit der cDNA von
ICAM-1 transfiziert und dann zum Absetzen auf mit Mac-1
überzogenen Substraten stehengelassen, wie es im vorstehenden
beschrieben wird. Für die Oberflächenexpression von ICAM-1 auf
transfizierten COS-Zellen ergaben sich Durchschnittswerte von
50-60%, während mit Vektoren allein transfizierte COS-Zellen
keine Expression aufwiesen. Bestimmt wurde dies durch Analyse
der Fluoreszenzintensität von entweder mit dem Vektor allein
oder mit ICAM-1-cDNA transfizierten COS-Zellen oder von
nicht-transfizierten oder mit ICAM-1-cDNA transfizierten L-
Zellen. Die Zellen wurden mit monoklonalem Antikörper gegen
ICAM-1-(RR1/1) + FITC-Ziegen-Anti-Maus-IgG inkubiert und der
Flusszytometrie unterzogen. ICAM-1 exprimierende COS-Zellen
hefteten sich an gereinigtes Mac-1, während mit dem Vektor
allein transfizierte Zellen sich nicht anhefteten. Um dies
nachzuweisen wurden COS-Zellen mit ICAM-1-cDNA oder mit dem
Vektor allein transfiziert und dann zum Absetzen auf einem
Fleck von gereinigtem Mac-1 in einer 35-mm-Petrischale
während 50 Minuten bei 37ºC stehengelassen. Die Zellen und die
Schalen wurden während 20 Minuten mit monoklonalem Antikörper
gegen Referenz (TS2/16), Mac-1 (LPM19c) bzw. ICAM-1 (R6.5 und
RR1/1) vorbehandelt. Nach der Inkubation wurden die Platten
dreimal mit einer Pasteur-Pipette gewaschen, um
nichtgebundene Zellen zu entfernen. Die Bindung war spezifisch, da sie
durch monoklonale Antikörper gegen Mac-1-α (LPM19c) bzw.
ICAM-1 (R6.5 und RR1/1) vollständig blockiert wurde.
-
Um eine mehr quantitative Evaluation der Stärke der
Wechselwirkung zwischen Mac-1 und ICAM-1 zu erreichen wurde
eine Analyse der Dosis-Antwort durchgeführt. Wegen der
Variation zwischen Untersuchungen über den Prozentsatz von ICAM-1
exprimierenden COS-Zellen und über die
Zwischenzellheterogenität beim Expressionspegel für ICAM-1 wurde humanes ICAM-1
in murinen L-Zellen exprimierende stabile Transfektanten
erzeugt, wie es von Chen C. A. et al. [in: BioTechniques
6(7): 632-637 (1988); wobei diese Literaturstelle durch deren
Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird] beschrieben wird.
-
Es wurden Kolonien selektioniert, bei welchen 100% der
L-Zellen hohe Mengen an humanem ICAM-1 exprimierten. Titrier-
Untersuchungen wurden durchgeführt, bei denen sich ICAM-1&spplus;-L-
Zellen an Substrate banden, die in einem breiten
Dichtebereich mit Mac-1-Stellen überzogen waren (Fig. 2).
-
In Fig. 2 sind ICAM-1&spplus;-L-Zellen oder
(nicht-transfizierte) ICAM-1&supmin;-L-Zellen mit &sup5;¹Cr markiert. Bei Antikörper-
Blockierungsexperimenten wurden sowohl die 96-Mulden-Platten
als auch die Zellen mit den folgenden monoklonalen
Antikörpern vorbehandelt: gegen Referenz (M1/42), Mac-1 (LPM19c) und
ICAM-1 (R6.5). Die Zellen wurden in die mit Mac-1 überzogenen
Mulden angesetzt und während 45 Minuten bei 37ºC inkubiert.
Nichtgebundene Zellen wurden nach vier Waschungen durch
Aufsaugen mit einer feinen Nadel ("26-gauge") entfernt.
Gebundene Zellen wurden mit 0,2 N NaOH entfernt und mittels
Gammaemission quantitativ erfasst. Parallel dazu wurden
Stellendichten bestimmt und durch Radioimmunbestimmung
(Radioimmunassay) mit ¹²&sup5;I-LM2/1 quantitativ erfasst. Alle
Untersuchungen wurden dreifach ausgeführt, und die dargestellten
Wertangaben sind Durchschnittswerte aus drei separaten
Untersuchungen. Die Fehlerbalken stellen Standardabweichungen dar.
-
ICAM-1 exprimierende L-Zellen hefteten sich auf
dosisabhängige Weise an Mac-1 mit einem Schwellenwert von etwa 250
Stellen/pm², bevor eine signifikante Adhäsion feststellbar
wurde. Die Adhäsion war spezifisch, da mit monoklonalem
Antikörper gegen Mac-1 α (LPM19c) vorbehandelte Platten, mit
monoklonalem Antikörper gegen ICAM-1 (RR1/1 und R6.5)
vorbehandelte Zellen sowie nicht-transfizierte L-Zellen sich nicht
anhefteten.
-
An mit LFA-1 und mit Mac-1 überzogenen Substraten wurden
parallele Untersuchungen durchgeführt, um im Hinblick auf die
Verwendung eines Waschungsprotokolls von geringerer Schärfe
den Unterschied in der relativen Avidität festzustellen (Fig.
3). Die Menge an substratgebundenes Mac-1 und LFA-1 wurde mit
einem monoklonalen Antikörper gegen die gemeinsame
β-Untereinheit durch Radioimmunbestimmung (Radioimmunassay)
bestimmt.
-
Der prozentuale Bindungsanteil wurde auf folgende Weise
bestimmt: ICAM-1&spplus;-L-Zellen wurden während 50 Minuten bei 37ºC
in 60-mm-Petrischalen angesetzt, die mit einem Fleck von Mac-
1 (Fig. 3, leere Kreise) und von LFA-1 (Fig. 3, volle Kreise)
versehen waren. Nichtgebundene Zellen wurden durch drei
aufeinanderfolgende Waschungen mit einer Pasteur-Pipette
entfernt. Gebundene Zellen wurden quantitativ erfasst, indem für
jede Experimentstelle die Zellenanzahl in 4-5 Feldern eines
Hochleistungs-Lichtmikroskops gesichtet und gezählt wurde.
Diese Anzahl wurde durch die Anzahl der angesetzten Zellen
pro Feld dividiert, was den Prozentsatz der Zellenbindungen
ergab. Die Bindung ausserhalb der mit Integrin überzogenen
Flecken variierte im Bereich von 1-3%. Die Stellendichte
wurde unter Verwendung von ¹²&sup5;I-TS1/18 (Anti-CD18) bestimmt.
Gezeigt wird eine von zwei repräsentativen Untersuchungen,
und die Fehlerbalken stellen Standardabweichungen dar.
-
ICAM-1&spplus;-L-Zellen hefteten sich mit etwas höherer
Avidität an LFA-1-Substrate, was sich daraus ergibt, dass die
Bindungs-Isotherme für gereinigtes Mac-1 zu höheren
Stellendichten hin versetzt wurde. Die Bindung von ICAM-1&spplus;-L-Zellen an
Mac-1 war temperaturempfindlicher als die Bindung an LFA-1
(Fig. 4). In Fig. 4 wurden die ICAM-1&spplus;-L-Zellen bei der
angegebenen Temperatur während 10 Minuten vorinkubiert und dann
in 60-mm-Petrischalen mit Flecken von Mac-1 und von LFA-1
angesetzt. Die Schalen wurden bei der geeigneten Temperatur
während 50 Minuten inkubiert, dreimal mit einer
Pasteur-Pipette gewaschen und bei hoher Vergrösserung auf anhaftende
Zellen gesichtet und gezählt. Die Stellendichte für LFA-1
betrug 803 Stellen/um² und für Mac-1 738 Stellen/um², wie es
sich aus der Radioimmunbestimmung (Radioimmunassay) unter
Verwendung von ¹²&sup5;I-TS1/18 (Anti-CD18) ergab. Der Prozentsatz
der Bindungen wurde bestimmt, wie es im vorstehenden
beschrieben wurde. Gezeigt wird in Fig. 4 eine von zwei
repräsentativen Untersuchungen, und die Fehlerbalken stellen
Standardabweichungen dar. Der Asteriskus weist darauf hin, dass
ICAM-1-Transfektanten bei 4ºC keine Bindung mit gereinigtem
Mac-1 eingingen.
-
Trotz der äquivalenten Stellendichten von LFA-1 und Mac-
1 auf dem Substrat hefteten sich die Zellen bei
Raumtemperatur stark an LFA-1 aber nur schwach an Mac-1, während es bei
37ºC in der quantitativen Adhäsion einen nur kleinen oder gar
keinen Unterschied gab.
Beispiel 5
Adhäsion von HUVEC-Zellen an gereinigtes Mac-1
-
Zur Bestätigung, dass stimulierte HUVEC-Zellen sich in
von ICAM-1 abhängiger Weise an Mac-1 anhefteten, wurde deren
Fähigkeit zur Bindung von Mac-1-Substraten untersucht. Wenn
HUVEC-Zellen während 18-24 Stunden mit IL-1β oder LPS
stimuliert werden, wurde festgestellt, dass sie sich an
gereinigtes Mac-1 unter scharfen Waschbedingugen binden (Fig. 5).
-
In Fig. 5 wurden HUVEC-Zellen, die nicht-stimuliert oder
mit IL-1β (5 ug/ml, 18 Stunden) oder LPS (1 ug/ml, 24
Stunden) stimuliert worden waren, mit &sup5;¹Cr markiert, auf mit Mac-
1 überzogenen 96-Mulden-Platten angesetzt und während 1
Stunde inkubiert. Nichtgebundene Zellen wurden unter scharfen
Waschbedingugen durch Aufsaugen mit einer feinen Nadel
gewaschen; gebundene Zellen wurden wiedergewonnen und mittels
Gammaemission quantitativ erfasst. Antikörper-Blockierung
erfolgte durch Vorinkubation der Zellen und Platten während
25 Minuten bei Raumtemperatur mit den folgenden monoklonalen
Antikörpern: gegen Referenz (W6/32), Mac-1 (LPM19c) und ICAM-
1 (R6.5 und RR1/1). Die Untersuchungen wurden dreifach
ausgeführt, und die vorgestellten Wertangaben sind
Durchschnittswerte aus drei separaten Untersuchungen. Die Fehlerbalken
stellen Standardabweichungen dar.
-
Die Adhäsion war spezifisch und primär von ICAM-1
abhängig, da sie von einem monoklonalen Antikörper gegen ICAM-1
(82% in bezug auf LPS, 66% in bezug auf IL-1β) und gegen
Mac-1 α (> 95% in beiden Fällen), nicht jedoch von einem
monoklonalen Referenz-Antikörper gehemmt wurde.
Nicht-stimu
lierte HUVEC-Zellen, die niedrige Mengen von ICAM-1
exprimierten [Dustin M. L. et al., J. Immunol. 137: 245-254 (1986)],
hefteten sich bei dieser Waschungsstärke nicht signifikant an
gereinigtes Mac-1 an.
Beispiel 6
Unterschiede zwischen monoklonalen Antikörpern gegen ICAM-1
beim Blockieren der Adhäsion an Mac-1 und LFA-1
-
Die im vorstehenden beschriebenen gegenseitigen
Adhäsionsbestimmungen (Assays) zeigten auf, dass sowohl Mac-1 als
auch LFA-1 fähig waren, sich an ICAM-1 zu binden. Dieses
Resultat liess die Frage aufkommen, welche auf ICAM-1
befindlichen Epitope an den Wechselwirkungen mit LFA-1 und Mac-1
mitbeteiligt waren. Zur Klärung dieser Frage wurde ICAM-1 von
ICAM-1&spplus;-Zellen als Ligand für Mac-1 untersucht.
-
Zu diesem Zwecke wurden ICAM-1&spplus;-Zellen während 20
Minuten bei 4ºC mit sättigenden Konzentrationen der angegebenen
monoklonalen Antikörpern gegen ICAM-1 vorbehandelt. Die
Zellen wurden dann in eine mit Flecken von Mac-1 oder von LFA-1
versehene 60-mm-Petrischale angesetzt und während 50 Minuten
bei 37ºC inkubiert. Nichtgebundene Zellen wurden durch drei
Waschungen unter Verwendung einer Pasteur-Pipette entfernt.
Der Prozentsatz von gebundenen Zellen wurde bestimmt, wie es
im vorstehenden beschrieben wurde (Fig. 6). Die Wertangaben
sind Durchschnittswerte aus zwei separaten Untersuchungen,
und die Fehlerbalken stellen Standardabweichungen dar.
-
Von den Ergebnissen in bezug auf die Blockierung von
monoklonalen Antikörpern (Fig. 6) werden Unterschiede in
bezug auf die auf ICAM-1 befindlichen Stellen der
Wechselwirkung mit LFA-1 und Mac-1 nahegelegt. Nur einer der
monoklonalen Antikörper (R6.5) war fähig, die Bindung von mit ICAM-1
transfizierten L-Zellen an mit Mac-1 und mit LFA-1
überzogenen Substraten signifikant zu hemmen, während andere (RR1/1,
LB-2, 84H10, CBRIC1/4), welche die Bindungsfunktion zwischen
LFA-1 und ICAM-1 blockieren [Lo S. K. et al., J. Immunol.
143(10):
3325-3329 (1989); Makgoba M. W. et al., Nature 331: 86-
88 (1988); Marlin S. D. et al., Cell 51: 813-819 (1987);
Rothlein R. M. et al., J. Immunol. 137: 1270-1274 (1986); Smith
C. W. et al., J. Clin. Invest. 82: 1746-1756 (1988)], die
Bindung an Mac-1 nicht herabsetzten.
-
Ausserdem blockierte ein neuer monoklonaler Antikörper
(CBRIC1/4) teilweise die Adhäsion zwischen Mac-1 und ICAM-1.
-
Es gibt zusätzliche Beweise dafür, dass Mac-1 und LFA-1
nicht auf identische Weise mit ICAM-1 in Wechselwirkung
stehen. Larson R. S. et al. [Cell Reg. 1: 359-367 (1990); wobei
diese Literaturstelle durch deren Zitat in das Vorliegende
aufgenommen wird] haben aufgezeigt, dass wenn sich Mac-1- und
LFA-1-exprimierende COS-Zellen-Transfektanten an mit ICAM-1
überzogenen Substraten anheften und unter scharfen
Waschbedingugen durch Aufsaugen mit einer feinen Nadel gewaschen
werden [Dustin M. L. et al., Nature 341: 619-624 (1989)], nur
LFA-1&spplus;-Zellen haften bleiben. Die im vorstehenden
beschriebenen Untersuchungen zeigen jedoch auf, dass, wenn die Zellen
sanfter gewaschen werden, sowohl mit Mac-1 wie auch mit LFA-1
transfizierte COS-Zellen gebunden bleiben. Somit scheint die
Wechselwirkung zwischen LFA-1 und ICAM-1 gegen Scherkräfte
widerstandsfähiger zu sein. Dieses Phänomen ist zum Teil mit
einem Unterschied in der Bindungs-Avidität erklärbar. Wenn
parallele Adhäsions-Bestimmungen (Assays) mit
ICAM-1&spplus;-L-Zellen bei ihrer Bindung entweder an Mac-1 oder an LFA-1
durchgeführt werden, wird gefunden, dass eine geringere Menge an
LFA-1 als an Mac-1 benötigt wird, um die Zelladhäsion zu
erreichen. Ein diesbezüglicher Vorbehalt besteht darin, dass,
obwohl ein monoklonaler Antikörper gegen die gemeinsame β-
Untereinheit verwendet wird, um die Dichte von Mac-1 und von
LFA-1 quantitativ zu erfassen, und obwohl der monoklonale
Antikörper mit assoziierten aber nicht freien
β-Untereinheiten reagiert [Kishimoto T. K. et al., Cell 50: 193-202 (1987)],
nicht bestimmt wurde, welches der Prozentsatz des Proteins
ist, das sich auf dem Kunststoff in einer zur Bindung an
ICAM-1 fähigen aktiven Konformation befindet.
Beispiel 7
Wirkung der chemotaktischen Stimulation von
Neutrophilen auf deren Koniugation mit HUVEC-Zellen
-
Die chemotaktische Stimulation von Neutrophilen ergab
eine signifikante Erhöhung deren Konjugation mit HUVEC-Zellen
über der Basislinie der Konjugatenbildung bei
nichtstimulierten Neutrophilen (Tabelle 2). Nach der Stimulation ergab
sich eine drei- bis vierfache Erhöhung der Anzahl von mit
Neutrophilen konjugierten HUVEC-Zellen. Als TS1/22, ein
monoklonaler Anti-LFA-1-α-Antikörper, zugegeben wurde, ergab
sich eine leichte, jedoch statistisch nicht signifikante
Hemmung der Konjugatenbildung. Als ein monoklonaler Anti-Mac-1-
α-Antikörper zugegeben wurde, ergab sich eine signifikante
Hemmung (73%) der Konjugaten von stimulierten Zellen. Die
höchste Hemmung (88% bis 98%) ergab sich mit einer
Kombination von monoklonalen Anti-LFA-1-Antikörpern und monoklonalen
Anti-Mac-1-Antikörpern oder einem Antikörper gegen die
gemeinsame β-Kette. Fragmente R6.5 Fab und RR1/1 Fab&sub2;
verminderten die Konjugatenbildung um 48, 3%. Da diese Hemmung
grösser war als die, welche sich aus dem Antikörper gegen
LFA-1 für sich allein ergab, zeigen die Resultate auf, dass
sowohl LFA-1 als auch Mac-1 mit ICAM-1 in Wechselwirkung
stehen. Dass die von CD18 abhängige Adhäsion nicht allein durch
monoklonale Antikörper gegen ICAM-1 gehemmt werden konnte,
zeigte auf, dass LFA-1 und/oder Mac-1 mit zusätzlichen
Liganden in Wechselwirkung stehen. Für LFA-1 kommt ICAM-2 stark in
Frage, da sich jedoch Mac-1 anscheinend nicht an ICAM-2
bindet, dürften andere
Endothelzellenoberflächengegenrezeptor(en) mitbeteiligt sein.
-
In Tabelle 2 wurden mit HE rotgefärbte Neutrophile (1,5
· 10&sup6;) und mit SFDA grüngefärbte HUVEC-Zellen (6 · 10&sup5;)
erneut suspendiert und separat mit den folgenden monoklonalen
Antikörpern vorbehandelt. gegen Referenz (W6/32), ICAM-2
(CBRIC2/1), LFA-1 (TS1/22), Mac-1 (LPM19c), CD18 (YFC51.1)
und ICAM-1 (R6.5 Fab und RR1/1 Fab&sub2;). Die Zellen wurden in
24-Mulden-Platten gemischt und bei 37ºC vorinkubiert. Es
wurde fMLP (10&supmin;&sup7; M) zugegeben, und die Zellen wurden während
zehn Minuten bei 37ºC bei 75 U/min geschüttelt. Die
resultierenden Suspensionen wurden sofort durch Flusszytometrie
analysiert. Die Wertangaben sind als Prozentsatz von
HUVEC-Zellen, die in heterotypischen Konjugaten mit Neutrophilen
gefunden wurden, ausgedrückt, und die Hemmung der Konjugation
von stimulierten Neutrophilen ist relativ zur Basislinie der
Konjugaten ohne Stimulation durch fMLP ausgedrückt.
Signifikanzwerte wurde unter Verwendung einer Untersuchung von
gepoolten T bestimmt. NS bedeutet, dass sich die Werte von den
Referenzwerten statistisch unterschieden (p > 0,05). In
Klammern gesetzte Werte bezeichnen die Standardabweichungen.
Tabelle 2 Konjugatenbildung zwischen mit fMLP stimulierten Neutrophilen
und während 24 Stunden mit LPS kultivierten HWEC-Zellen
Beispiel 8
Schlussfolgerungen zur Wechselwirkung
zwischen Mac-1 und ICAM-1
-
Dass Mac-1 wie LFA-1 [Marlin S. D. et al., Cell 51: 813-
819 (1987)] ein Gegenrezeptor für ICAM-1 ist, beweisen die im
vorstehenden beschriebenen Untersuchungen, indem sie
aufzeigen, dass gereinigtes Mac-1 die Zelladhäsion in Abhängigkeit
von ICAM-1 vermittelte und gegengleich gereinigtes ICAM-1 die
Zelladhäsion in Abhängigkeit von Mac-1 vermittelte.
-
Mit spezifischen cDNAs von möglichen Gegenrezeptoren
transfizierte Zellen wurden verwendet, um Komplikationen zu
vermeiden, die mit zusätzlichen
Rezeptor-Ligand-Wechselwirkungen einherkommen. Die Resultate zeigen auf, dass ICAM-1&spplus;-
Transfektanten und Mac-1&spplus;-Transfektanten gereinigtes Mac-1
bzw. ICAM-1 binden. Um die Möglichkeit auszuschliessen, dass
diese Resultate ein Artefakt des Untersuchungssystems seien,
wurde eine von Mac-1 und ICAM-1 abhängige Adhäsion zwischen
stimulierten Endothelzellen und gereinigtem Mac-1
nachgewiesen.
-
Ebenfalls wurde eine Wechselwirkung zwischen Mac-1 und
ICAM-1 im Zellen-Zellen-Kontext aufgezeigt, da sich Mac-1&spplus;-
stimulierte Neutrophile aus peripherem Blut mit ICAM-1&spplus;-
HUVEC-Zellen auf eine Weise konjugierten, die von
monoklonalen Antikörpern gegen Mac-1 und gegen ICAM-1 gehemmt wurde.
-
Die Bindung von ICAM-1 sowohl an Mac-1 wie auch an LFA-1
zeigte auf, dass sich ein Immunglobulin-ähnliches Molekül an
mehr als ein einzelnes Integrin anheften könnte. Die
Wechselwirkungen zwischen den beiden nahverwandten Leukozyten-
Integrinen und ICAM-1 sind jedoch einander nicht identisch.
-
Ein anderes Merkmal, welches die Wechselwirkung mit LFA-
1 und mit Mac-1 unterscheidet, ist die auffallende Wirkung
der Temperatur auf die Adhäsion. Während sich
ICAM-1&spplus;-L-Zellen und -COS-Zellen bei Raumtemperatur stark an gereinigtes,
auf Feststoffphase vorliegendes LFA-1 binden (Fig. 4),
besteht für eine signifikante Adhäsion am gereinigtes Mac-1
eine strenge Forderung nach einer Temperatur von 37ºC (Fig.
4). Die Wechselwirkung von ICAM-1 tragenden Zellen mit
gereinigtem Mac-1 erweist sich auch als stärker energieabhängig
als die Wechselwirkung mit LFA-1 [Staunton D. E., Nature
339: 61-64 (1989)]. Die Abhängigkeit der Wechselwirkung
zwischen Mac-1 und ICAM-1 von der Temperatur und der Energie
kann auf eine Forderung nach grösserer ICAM-1-Aggregatbildung
an der Zelloberfläche oder auf die Notwendigkeit einer
näheren Positionierung der Zellen am Substrat zurückzuführen
sein. In Übereinstimmung mit der stärkeren Wechselwirkung mit
LFA-1 ist zu bemerken, das ICAM-1-exprimierende transfizierte
Zellen sich auf mit LFA-1 überzogenen Substraten mehr
ausbreiten und verflachen als auf mit Mac-1 überzogenen
Substraten.
-
Die Bindung von Mac-1 an ICAM-1 beweist unmittelbar,
dass Mac-1 mit einem Gegenrezeptor an der
Endothelzellenoberfläche in Wechselwirkung steht. Diese Feststellung erklärt
frühere Untersuchungen, welche aufgezeigt hatten, dass die
Adhäsion von Neutrophilen an Endothelzellen von monoklonalen
Antikörpern gegen Mac-1 gehemmt wird [Anderson D. C. et al.,
J. Immunol. 137: 15-27 (1986); Harlan J. M. et al., Blood
66: 167-178 (1985); Zimmermann G. A. et al., J. Clin. Invest.
81: 531-537 (1988)], und dass die von Mac-1 und LFA-1
abhängige Adhäsion zwischen mit fMLP stimulierten Neutrophilen und
nicht-stimulierten Endothelzellen [Smith C. W. et al., J.
Clin. Invest. 82: 1746-1756 (1988)] oder ICAM-1 enthaltenden
planaren Membranen [Smith C. W. et al., J. Clin. Invest.
83: 2008-2017 (1989)] von einem monoklonalen Antikörper gegen
ICAM-1 (R6.5) vollständig blockiert wird.
-
Im Gegensatz dazu wurde berichtet, dass ICAM-1 kein
Ligand für Mac-1 ist [Lo S. K. et al., J. Immunol. 143(10): 3325-
3329 (1989)]. Bei dieser Untersuchung heften sich mit
Phorbolester stimulierte Neutrophile an nicht-stimulierte
Endothelzellen in einer von LFA-1, Mac-1 und ICAM-1 abhängigen Weise,
welche Resultate mit denen, die im vorstehenden dargelegt
werden, übereinstimmen. Diese Forschergruppe kam jedoch zur
Schlussfolgerung, dass nur LFA-1 mit ICAM-1 in Wechselwirkung
steht, weil sich die Hemmung durch monoklonale Antikörper
gegen LFA-1 und gegen ICAM-1 (LB-2, 84H10) nicht additiv
verhielt, während sich die Hemmung durch monoklonale Antikörper
gegen Mac-1 und gegen ICAM-1 additiv verhielt. Die
Unterschiede bei den früheren Berichten erklären sich zum Teil
durch die Disparitäten bei der Selektion der monoklonalen
Antikörper; im vorliegenden wird dargelegt, dass der
monoklonale Antikörper R6.5 die Wechselwirkungen sowohl von Mac-1
als auch von LFA-1 mit ICAM-1 blockierte, während die
monoklonalen Antikörper LB-2 und 84H10 nur die Bindung zwischen
LFA-1
und ICAM-1 gehemmt haben (Fig. 6).
-
Die im vorliegenden vorgestellten Ergebnisse in bezug
auf die Blockierung durch monoklonale Antikörper stimmen
überein mit Mutagenese-Untersuchungen, welche dazu führen,
Epitope von monoklonalen Antikörpern auf unterschiedliche
Bereiche des ICAM-1-Moleküls abzubilden [Staunton D. E. et
al., Cell 61: 243-254 (1990)]. RR1/1 und LB-2 werden auf den
ersten N-terminalen Immunglobulin-Bereich abgebildet, während
R6.5 auf den zweiten Bereich abgebildet wird. Die Ergebnisse
stimmen auch überein mit Untersuchungen in vivo [Barton R. W.
et al., J. Immunol. 143: 1278-1282 (1989)], welche nach einer
Vorbehandlung mit monoklonalen Antikörpern gegen CD18 (R3.3)
oder gegen ICAM-1 (R6.5), nicht jedoch mit monoklonalem
Antikörper gegen LFA-1 (R3.1), eine Herabsetzung der Infiltration
von Granulozyten in mit Phorbolester entzündeter
Kaninchenlunge aufzeigen. Diese Feststellungen zeigen auf, dass
stimulierte Neutrophile einen von der Bindung zwischen Mac-1 und
ICAM-1 abhängigen Weg zur Adhäsion verwenden können, um die
Adhäsion in vivo an entzündetes Endothel zu vermitteln.
-
Die im vorliegenden präsentierten Untersuchungen stimmen
überein mit der möglichen Existenz von Gegenrezeptoren für
Mac-1 an der Oberfläche von nicht-stimulierten [Lo S. K. et
al., J. Immunol. 143(10): 3325-3329 (1989)] und stimulierten
Endothelzellen, die von ICAM-1 verschieden sind. Bei den im
vorliegenden verwendeten Untersuchungen (Assays) kann ICAM-1
von Endothelzellen nicht für sich allein die gesamte von Mac-
1 abhängige Adhäsion von Neutrophilen erklären. Die Adhäsion
von stimulierten HUVEC-Zellen an gereinigtes Mac-1 unter
scharfen Waschbedingungen wurde nur zum Teil (66-82%) durch
monoklonalen Antikörper gegen ICAM-1 blockiert (Fig. 5).
Zudem gab es wenig Adhäsion von nicht-stimulierten HUVEC-Zellen
an Mac-1 unter diesen scharfen Waschbedingungen, jedoch gab
es eine signifikante von ICAM-1 nicht abhängige Adhäsion an
gereinigtes Mac-1, wenn unter weniger scharfen
Waschbedingungen gewaschen wurde. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu
einem Bericht, der aufzeigte, dass die Adhäsion von mit fMLP
stimulierten Neutrophilen an nicht-stimulierten
Endothelzellen zu 84% durch einen monoklonalen Antikörper gegen ICAM-1
blockiert wurde [Smith C. W. et al., J. Clin. Invest. 82: 1746-
1756 (1988)]. Diese Diskrepanz ist durch Unterschiede bei den
Gewebekulturbedingungen von nicht-behandelten HUVEC-Zellen
erklärbar, die einen zweiten Liganden für Mac-1 induzieren
könnten.
-
Somit beschreibt die vorliegende Erfindung die
Verwendung von mehrfachen Zellbindungsuntersuchungen (Assays), von
gereinigtem Mac-1 und ICAM-1 und von mit cDNAs für Mac-1 und
ICAM-1 transfizierten Zellinien zwecks Untersuchung der
Wechselwirkung von ICAM-1 mit Mac-1. Stimulierte HUVEC-Zellen,
die eine hohe Oberflächendichte von ICAM-1 exprimieren,
binden sich an durch Immunaffinität gereinigtes Mac-1, das auf
künstlichen Substraten adsorbiert ist, auf eine Weise, von
der festgestellt wurde, dass sie von monoklonalen Antikörpern
gegen Mac-1 und gegen ICAM-1 gehemmt wird. Humanes ICAM-1
exprimierende transfizierte Mäuse-L-Zellen oder Affen-COS-
Zellen binden sich an gereinigtes Mac-1 auf eine spezifische
und von der Dosis abhängige Weise; im Vergleich zu LFA-1
wurde festgestellt, dass die Anhaftung an Mac-1
temperaturempfindlicher ist, eine geringere Avidität aufweist und von
einer anderen Reihe von monoklonalen Antikörpern gegen ICAM-1
blockiert wird. In einer reziproken Bestimmung (Assay)
hefteten sich mit den cDNAs für die α-Kette und die β-Kette von
Mac-1 oder LFA-1 cotransfizierte COS-Zellen an durch
Immunaffinität gereinigte ICAM-1-Substrate; Diese Adhäsion wurde
durch monoklonale Antikörper gegen ICAM-1 und Mac-1 oder LFA-
1 blockiert.
Zweifarbenfluoreszenz-Zellkonjugations-Untersuchungen zeigten auf, dass mit fMLP stimulierte Neutrophile
sich an während 24 Stunden mit LPS stimulierte HUVEC-Zellen
auf eine von ICAM-1, Mac-1 und LFA-1 abhängige Weise banden.
Da sowohl zelluläres wie auch gereinigtes Mac-1 sowohl mit
zellulärem wie auch mit gereinigtem ICAM-1 in Wechselwirkung
stand, wurde der Schluss gezogen, dass ICAM-1 ein
Gegenrezeptor für Mac-1 ist und dieser Rezeptor zum Teil für die
Adhäs
ion zwischen stimulierten Neutrophilen und stimulierten
Endothelzellen verantwortlich ist.
-
Die im vorstehenden beschriebenen Untersuchungen zeigen
auf, dass ICAM-1 ein Gegenrezeptor nicht nur für LFA-1,
sondern auch für Mac-1 ist. Die Untersuchungen zur Bindung
zwischen Zellen erbringen den Nachweis, dass Mac-1 von
Neutrophilen mit dem auf HUVEC-Zellen exprimierten ICAM-1 in
Wechselwirkung steht. Diese Feststellungen zeigen auch auf, dass
Mac-1 neben ICAM-1 mit zumindest einem an der Oberfläche von
Endothelzellen sitzenden zusätzlichen zellulären Liganden in
Wechselwirkung steht.
Beispiel 9
Ortung der Mac-1-Bindungsstelle
-
Auf unerwartete Weise wird von den im vorstehenden
vorgetragenen Ergebnissen in bezug auf die Blockierung durch
monoklonale Antikörper nahegelegt, dass sich Mac-1 und LFA-1
in keine gemeinsame Bindungsstelle auf ICAM-1 teilen. Zur
Untersuchung dieser Frage wurden Mutagenese-Untersuchungen
durch Substitution von Aminosäuren und durch Deletion von
Domänen durchgeführt.
-
Von Oligonucleotiden gesteuerte Mutagenese erfolgte wie
von Kunkel T. A. [Proc. Natl. Acad. Sci. USA 82: 488-492
(1985)] beschrieben und gemäss Peterson et al. [Nature
329: 842-846 (1987)] modifiziert, und wurde verwendet, um
Substitutionen mit ICAM-1-Deletion zu erzeugen [Staunton D. E. et
al., Cell 61: 243-254 (1990); wobei diese Literaturstelle
durch deren Zitat in das Vorliegende aufgenommen wird].
-
COS-Zellen wurden bei 50% Konfluenz nach der
DEAE-Dextran-Methode [Kingston R. E. in: Curent Protocols in Molecular
Biology, Greene Publishing Associates, Seiten 9.0.1-9.9.6
(1987)] transfiziert, wobei 6 ug des Vektors allein oder
eines die natürlich vorkommende (sogenannte wilde) oder eine
mutierte Form von ICAM-1 enthaltenden Vektors verwendet
wurden. COS-Zellen wurden 1 Tag (Tag 3) vor der Untersuchung
(Assay) unter Verwendung von Trypsin-EDTA suspendiert und
erneut angesetzt. Für Untersuchungen (Assays) über die Bindung
an gereinigtes Mac-1 oder LFA-1 oder zur
Immunfluoreszenzfärbung wurden die transfizierten Zellen mit
Phosphat-gepufferter Salzlösung (PBS) + 5 mM EDTA (5 Minuten, 37ºC) eluiert
und dreimal in PBS + 1 mM MgCl&sub2; + 0,5 mM CaCl&sub2; + 0,2%
Glucose + 0,5% humanem Serumalbumin gewaschen.
-
Indirekte Immunfluoreszenzfärbung erfolgte unter
Verwendung der monoklonalen Antikörper RR1/1 [Rothlein R. M. et al.,
J. Immunol. 137: 1270-1274 (1986)], R6.5 [Rothlein R. M. et
al., J. Immunol. 141: 1665-1669 (1988)] und CL203 [Maio M. et
al., J. Immunol. 143: 181-188 (1989)]. COS-Zellen (5 · 10&sup5;)
wurden in 50-mm-Petrischalen angesetzt, die mit abgegrenzten
Flecken von durch Immunaffinität gereinigtem Mac-1 und LFA-1
versehen waren, und während 45 Minuten bei 37ºC zum Anheften
stehengelassen. Nichtgebundene Zellen wurden durch vier
Waschungen unter Verwendung einer Transfer-Pipette entfernt,
die Platten wurden codiert, und gebundene Zellen wurden von
drei voneinander unabhängigen Beobachtern gezählt. Die
Bindung von ICAM-1-Mutanten an LFA-1 und Mac-1 wurde bezüglich
der Bindung an mit einem insertionslosen Vektor (Simulanten)
transfizierten COS-Zellen korrigiert und in bezug auf den
Prozentsatz von COS-Zellen, die sich mit dem monoklonalen
Antikörper RR1/1 oder CL203 (in Abhängigkeit von der
Deletion) färbten sowie auf den Prozentsatz von mit dem natürlich
vorkommenden (sogenannten wilden) Typus erhaltenen Bindungen
normiert:
-
Zum Aufzeigen der Wirkung der Substitution von
Aminosäuren auf die Bindung von ICAM-1 an LFA-1 und Mac-1 wurden
derartige Mutanten konstruiert, wie es von Staunton D. E. et al.,
[Cell 61: 243-254 (1990)] beschrieben wird. Die
Bindungsunter
suchung (Assay), die Immunfluoreszenz und die
Datenverarbeitung erfolgten, wie es in Fig. 7 beschrieben wird. Mutanten,
deren Bezeichnung kursiv geschrieben und unterstrichen steht,
exprimieren nicht alle Epitope von monoklonalen Antikörpern
in den Domänen 1 und 2 [Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254
(1990)]. Mutanten in der Domäne 1, deren Bezeichnung in
Fettschrift geschrieben steht, entsprechen denen, welche die
Bindung an LFA-1 um mehr als 75% herabsetzen. Mutanten in der
Domäne 3, deren Bezeichnung in Fettschrift geschrieben steht,
entsprechen denen, welche eine signifikante Wirkung auf die
Bindung an Mac-1 (p < 0,05) aufweisen.
-
Der Inhibitor der Glucosidase des endoplasmatischen
Retikulums, Deoxymannojirimycin, wurde auf seine Wirkung auf
die Adhäsion von ICAM-1&spplus;-L-Zellen und -COS-Zellen an
gereinigtes Mac-1 untersucht (Fig. 8). Dieser Inhibitor blockiert
eine komplexe Addition von Kohlenhydraten im Golgi-Apparat,
somit behalten Proteine mit N-vebundenen Stellen eine hohe
Endo-H-empfindliche Mannose-Glykosylierung. Zellen wurden
während drei Tagen mit 40 ug/ml Deoxymannojirimycin
(CalBiochem) behandelt und dann mittels Flusszytometrie auf die
Oberflächenexpression und auf die Adhäsion untersucht.
Beispiel 10
Die Mac-1-Bindungsstelle auf ICAM-1
-
Bei den im vorstehenden beschriebenen Transfektanten-
Untersuchungen wurde auf unerwartete Weise beobachtet, dass
unter den monoklonalen Antikörpern gegen ICAM-1 das Schema
der Hemmung in bezug auf LFA-1 und Mac-1 verschieden ist;
Vier monoklonale Antikörper gegen ICAM-1, welche die
Wechselwirkung zwischen LFA-1 und ICAM-1 blockierten,
beeinträchtigten die Bindung an Mac-1 nicht, ein monoklonaler Antikörper,
welcher die Anhaftung an Mac-1 herabsetzte, verminderte die
Anhaftung an LFA-1 nicht, und nur ein einzelner monoklonaler
Antikörper blockierte die Adhäsion sowohl an Mac-1 als auch
an LFA-1.
-
Bereits früher wurde, durch Verwendung von ICAM-1-Formen
mit Domänen-Deletionen, die LFA-1-Bindungsstelle auf ICAM-1
bei den zwei ersten N-terminalen Ig-ähnlichen Domänen
geortet. Bei den Untersuchungen, über die im vorliegenden
berichtet wird, wurde die Mac-1-Bindungsstelle auf ICAM-1 geortet.
In der Tabelle 3 ist die Bindung von Mutanten mit
Substitution von Aminosäuren an LFA-1 und Mac-1 dargestellt. Die
Wertangaben sind Durchschnittswerte aus 2-3 voneinander
unabhängigen Untersuchungen, und die in Klammern gesetzte Werte
stellen Standardabweichungen dar.
-
Zur Identifikation der Bindungsstelle wurden
ICAM-1-Formen mit Domänen-Deletionen, die durch von Oligonucleotiden
gesteuerte Mutagenese erzeugt wurden [Staunton D. E. et al.
Cell 52: 925-933 (1988)], in COS-Zellen transfiziert, auf die
positive Expression durch Immunfluoreszenz untersucht und
bezüglich der Anhaftung an abgegrenzte Flecken von
gereinigtem Mac-1 und LFA-1 untersucht (Fig. 7).
-
Das Ergebnis bestätigte, dass die Fähigkeit zur Bindung
an gereinigtes LFA-1 nach einer Deletion von Ig-ähnlichen
Domänen D3-D5 oder nach der Deletion des zytoplasmischen
Schwanzes beibehalten wird. Die Resultate für Mac-1 waren
jedoch ganz andere. Die Adhäsion an Mac-1 wurde nur dann
beibehalten, wenn D3 vorhanden war. Sowohl die D3-D4-D5-Mutanten
wie auch die D3-Mutanten verloren (> 95%) ihre Fähigkeit zur
Bindung von gereinigtem Mac-1. Der Verlust der
zytoplasmischen Domäne oder die Positionierung der fünf Ig-ähnlichen
extrazellulären Domänen von ICAM-1 auf einen
Phosphoinositolglycan-Schwanz hatte keine signifikante Wirkung auf die
Adhäsion an Mac-1, und die Deletion von D4 und D5 setzte die
Bindung an Mac-1 nur in geringem Masse herab.
-
Um zu bestätigen, dass D1 von ICAM-1 zu dessen
Wechselwirkung mit Mac-1 nicht erforderlich ist, wurden Mutanten von
ICAM-1 mit Substitution von Aminosäuren [Staunton D. E. et al.
Cell 52: 925-933 (1988)] auf deren Fähigkeit zur Anhaftung an
Mac-1 untersucht. Diese Mutanten wurden in der Schleife
gemacht, welche unter Bezugnahme auf die Strukturerwartungen
für Ig-artige Moleküle die β-Stränge verbindet; es wird die
Hypothese aufgestellt, dass bei Mitgliedern der
Ig-Superfamilie die Schleife als Stelle des Kontaktes zwischen Molekülen
fungiert [Williams et al., Ann. Rev. Immunol. 6: 381-405
(1988)]. Die beiden einzelnen Aminosäuresubstitutionsmutanten
in D1, welche die Bindung an LFA-1 am stärksten unterdrücken,
ohne die Domänenkonformation zu ändern, nämlich E34/A und
Q73/H, setzen die Adhäsion an gereinigtes Mac-1 nicht herab
(Tabelle 3). Drei andere Mutanten, nämlich R13 G/EA,
Q58EDS/AKDI und D60S/KL, welche die Konformation von D1 und
D2 aufbrachen, wie es aus dem Verlust von drei verschiedenen
Epitopen von monoklonalen Antikörpern hervorgeht [Staunton
D. E. et al. Cell 52: 925-933 (1988)], unterdrückten alle die
Bindung an LFA-1, aber hatten keine Wirkung auf die Bindung
an Mac-1. Diese Resultate zeigen auf, dass D1 bei der
Adhäsion an Mac-1 kaum eine Rolle spielt, und erklärt, warum
monoklonale Antikörper, die auf ICAM-1 bei D1 andocken (RR1/1,
LB-2, 84H10) [Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254 (1990);
wobei diese Literaturstelle durch deren Zitat in das
Vorliegende aufgenommen wird] die Bindung von ICAM-1 des natürlich
vorkommenden (sogenannten wilden) Typus an Mac-1 nicht
blockieren, obwohl sie die Adhäsion an LFA-1 zu verschiedenen
Graden herabsetzen [Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254
(1990)].
-
Es wurde festgestellt, dass der monoklonale Antikörper
R6.5 gegen ICAM-1, welcher ein Epitop in D2 erkennt [Staunton
D. E. et al., Cell 61: 243-254 (1990)], die Adhäsion von ICAM-1
des natürlich vorkommenden (sogenannten wilden) Typus an Mac-
1 um etwa 90% herabsetzt. D2 auf ICAM-1 stellt jedoch
vermutlich keine Hauptstelle der Adhäsion an Mac-1 dar. Der
Mutant N103/K, bei dem die Konformation von D1 und D2 so
gründlich aufgebrochen wird, dass die Bindung von RR1/1, LB-2 und
R6.5 signifikant vermindert wird [Staunton D. E. et al., Cell
61: 243-254 (1990)], hatte auf die Bindung an Mac-1 keine
Wirkung, obwohl er die Bindung an LFA-1 beseitigt. Der Mutant
E111 GG/KGS, der das R6.5-Epitop ganz ausschaltet, vermindert
auch nicht die Adhäsion an Mac-1. Alle anderen Mutanten mit
Substitution von Aminosäuren in D2 verursachten keine
nennenswerten Änderungen der Adhäsion sowohl an Mac-1 als auch
an LFA-1 (Tabelle 3).
-
Die Untersuchungen mit Domänen-Deletionen zeigen auf,
dass D3 zur Bindung von ICAM-1 an Mac-1 erforderlich ist. Zur
Bestätigung und Weiterführung dieser Feststellung wurden
Mutanten mit Substitution von Aminosäuren in D3 auf deren
Wirkung auf die Adhäsion an Mac-1 untersucht. Drei Mutanten
hatten dramatische Wirkungen auf die Adhäsion an Mac-1.
D229QR/HLE beseitigte vollständig die Bindung an Mac-1,
während E254DE/KEK sie um etwa ein Vierfaches herabsetzte. Diese
Wirkung wurde nicht durch niedrige Oberflächenwerte
verursacht, da sowohl D229QR/HLE als auch E254DE/KEK gleich wie
beim natürlich vorkommenden (sogenannten wilden) Typus
ausgedrückt werden [Staunton D. E. et al., Cell 61: 243-254 (1990)]
und die Bindung an LFA-1 beibehalten wird. Auf unerwartete
Weise wurde von N240DS/KNA und N269QSQE/IQAEQ, nämlich
Mutanten, welche potentielle N-verbundene Glykosylierungsstellen
entfernen, die Bindung erhöht. Ein Vorbehalt ist bezüglich
der Mutationen in D3 angebracht, da, weil mehr als ein
monoklonaler Antikörper fehlt, dessen Epitop dort andockt, nicht
mit Sicherheit bekannt sein kann, ob nicht gewisse dieser
Mutationen die Konformation des Moleküls ganz wesentlich
aufbrechen. Alle Mutationen in D3 unterstützen jedoch die
Adhäsion an LFA-1, und bei dem einen monoklonalen Antikörper
CBRIC1/1, der zum Teil auf D3 andockt, wird dessen Epitop auf
den ICAM-1-Molekülen bei den Mutationen D229, E254 und N269
beibehalten.
-
Zwischen den Mutationen, welche die Bindung an LFA-1
blockieren, und denen, welche die Bindung an Mac-1 hemmen,
wurde ein Vergleich angestellt. Die Mutanten E34/A und
D229QR/HLE bewirkten Änderungen an analogen Stellen der Ig-
ähnlichen Domänen von D1 und D3 in den Schleifen zwischen den
β-Strängen C und D [Williams et al., Ann. Rev. Immunol.
6: 381-405 (1988)]. In der ersten Domäne sowohl von humanem
ICAM-1 als auch von murinem ICAM-1 [Horley et al., EMBO J.
8: 1889-2896 (1989)] und humanem ICAM-2 zeigt sich eine starke
Beibehaltung der Peptidsequenz in Nähe des E34-Rests, der als
Kontaktstelle zwischen LFA-1 und ICAM-1 vorgeschlagen wird
[Staunton D. E. et al. Cell 52: 925-933 (1988)]. Dieser
kritische Rest in D1 fluchtet mit dem (zwischen humanem und
murinem ICAM-1) beibehaltenen Q230-Rest in D3, der einen Teil der
Mutation D229QR/HLE darstellt, welche die Bindung an Mac-1
aufhebt.
-
Die Mutationen N240DS/KNA und N269QSQE/IQAEQ erhöhten um
ein Zwei- bis Fünffaches die Adhäsion von ICAM-1 an Mac-1.
Diese Effekte erschienen ausschliesslich mit Mac-1, und es
erhöhte keine bisher gemachte Mutation die Adhäsion an LFA-1.
Die Peptide NDS und NQS stellen zwei von acht Konsensus-
Sequenzen für die N-verbundene Glykosylierung in ICAM-1 dar
[Staunton D. E. et al. Cell 52: 925-933 (1988)]; diese
Sequenzen erscheinen alle zwischen D2 und D5. Es ist bekannt, dass
ICAM-1 stark glykosyliert ist [Dustin M. L. et al., J.
Immunol. 137: 245-254 (1986)], und es wurden durch enzymatische
Digestion mit N-Glykanase zumindest sieben Stellen aufgezeigt
[Tomassini et al., J. Biol. Chem. 264(3): 1656-1662 (1989)].
Den Strukturerwartungen entsprechend liegen die N240- und
N269-Glykosylierungsstellen demselben β-Faltblatt gegenüber
wie D229 und E254, und ein sperriger oder stark geladener
Zuckerrest kann die Bindung an Mac-1 sterisch hemmen oder
chemisch abstossen.
-
Weil diese beiden Mutationen (N240DS/KNA und
N269QSQE/IQAEQ) in ICAM-1, welche potentielle N-verbundene
Glykosylierungsstellen ausschalten, auch die Bindung von COS-
Zellen an gereinigtes Mac-1 erhöhen, wird die Hypothese
aufgestellt, dass der Umfang der Glykosylierung auf ICAM-1 die
Adhäsion an Mac-1 regulieren könnte. Um dies zu überprüfen
wurde die Fähigkeit eines Inhibitors der glykolytischen
Verarbeitung, Deoxymannojirimycin, und eines
Deglykosylierungsenzyms, Neuraminidase, zur Änderung der Adhäsion von ICAM-1
exprimierenden L-Zellen an gereinigtes Mac-1 untersucht (Fig.
9). Das Deoxymannojirimycin hemmt das dem Golgi-Apparat
assoziierte Enzym Mannosidase I und verhindert in kultivierten
Zellen die Verarbeitung von höherer Mannose zu
Oligosacchariden von komplexem Typus [Fuhrman et al., Nature 307: 755-758
(1984)]. Die Neuraminidase spaltet die terminalen Sialinreste
auf N- und O-verbundenen Kohlenhydraten. Wie aufgezeigt
weisen ICAM-1 tragende L-Zellen, die während drei Tagen mit
Deoxymannojirimycin behandelt werden, im Vergleich zu
unbehandelten oder mit Neuraminidase behandelten ICAM-1 tragenden
Zellen eine erhöhte Bindung an gereinigtes Mac-1 auf. Als
Referenz dienende nicht-transfizierte L-Zellen weisen bei der
Behandlung mit dem Inhibitor oder dem Enzym keine Änderung
der Bindung auf. Es wird der Schluss gezogen, dass die
Modifikation der Seitenketten in den Golgi-Apparaten (Konversion
von höherer Mannose zu Zuckern von komplexem Typus) die
Wechselwirkung von ICAM-1 mit Mac-1 beeinträchtigen kann.
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Die im vorliegenden dargelegten Untersuchungen mit
Deletion von Domänen und Substitution von Aminosäuren zeigen auf,
dass sich LFA-1 und Mac-1 an ICAM-1 bei jeweiligen Stellen in
D1 bzw. D3 in getrennten, einander nicht-überlappenden
Bereichen binden. Die Entwicklung dieser Bindungsstellen könnte
sich aus der Duplikation von Ig-ähnlichen (Tandern-artig)
hintereinanderliegenden Domänen ergeben haben. Sequenzvergleiche
zeigen auf, dass D1 und D2 von ICAM-1 zusammen betrachtet
mehr Homologie zu D3 und D4 von ICAM-1 oder zu D1 und D2 von
ICAM-2 aufweisen als zu den einzelnen Domänen innerhalb eines
(Tandern-artig) hintereinanderliegenden Paares (nämlich D1
gegenüber D2 oder D1 gegenüber D4). Dieses Phänomen der
Duplikation von (Tandern-artig) hintereinanderliegenden Domänen
ist bei Mitgliedern der Ig-Familie (wie bei NCAM oder VCAM-1)
oft anzutreffen, obschon die Erklärung dafür bislang nicht
klar war. Von Mitgliedern der Ig-Superfamilie wurde im
allgemeinen gemeint, dass sie eine einzige Bindungsstelle
aufweisen, die üblicherweise in Nähe des NH&sub2;-Endes liegt und mit
einem einzelnen Liganden in Wechselwirkung steht. Die
vorliegenden Ergebnisse zeigen auf, dass zusätzliche Ig-ähnliche
Domänen diese Funktionen ausüben können; somit kann die
Duplikation von (Tandern-artig) hintereinanderliegenden Domänen
einen Evolutionsmechanismus darstellen, der zu zusätzlichen
Bindungsstellen geführt hat, wobei sich diese Stellen in
ICAM-1 genug auseinanderentwickelt haben, um auf die Bindung
verschiedener Integrine spezialisiert zu werden.
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Da die Resultate zur Mutagenese und zur Blockierung von
monoklonalen Antikörpern mit Nachdruck nahelegen, dass Mac-1
und LFA-1 sich an ICAM-1 in verschiedenen Bereichen des
Moleküls binden, können je ein auf derselben Zelloberfläche
sitzendes LFA-1-Molekül und ein Mac-1-Molekül fähig sein, sich
an ein einziges selbes ICAM-1-Molekül zu binden. Eine solche
Bindung wäre in Übereinstimmung mit der beobachteten
Zusammenwirkung von auf Neutrophilen sitzenden Mac-1 und LFA-1 bei
deren Adhäsions-Wechselwirkung mit ICAM-1 von Endothelzellen
[Smith C. W. et al., J. Clin. Invest. 83: 2008-2017 (1989);
wobei diese Literaturstelle durch deren Zitat in das
Vorliegende aufgenommen wird]. Ein derartiger Mechanismus aus zwei
miteinander verwandten Integrinen, die sich gleichzeitig an
dieselbe Gegenstruktur binden, wäre allgemeinener anwendbar,
beispielsweise auf Fibronectin und dessen Wechselwirkung mit
Mitgliedern der VLA-Subfamilie: im 80-kd-Zellbindungsfragment
bindet sich VLA-4 an das CS-1-Fragment, während sich VLA-5 an
die RGD-Sequenz anheftet [Hemler M. E., Ann. Rev. Immunol.
8: 365-400 (1990)].
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Obgleich die Erfindung im Zusammenhang mit spezifischen
Ausbildungen davon beschrieben wurde, sollte verstanden
werden, dass weitere Änderungen möglich sind, und mit dieser
Anmeldung beabsichtigt wird, jegliche Varianten, Verwendungen
oder Anpassungen der Erfindung zu erfassen, die sich generell
an die Prinzipien der Erfindung halten und solche
Abweichungen von der vorliegenden Offenbarung miteinbeziehen, die auf
dem Fachgebiet der Erfindung bekannt und gebräuchlich sind
und auf die im vorstehenden dargelegten wesentlichen Merkmale
anwendbar sind, wie es im nachstehenden aus dem
Geltungsbereich der angefügten Ansprüche hervorgeht.
Tabelle 3 Zusammenfassung der Adhäsion von
ICAM-1 mit Mutanten durch Substitution von Aminosäuren
an gereinigtes Mac-1 und LFA-1