DE628893C - Verfahren zum Betrieb von Kraftmaschinen unter Verwendung von Butan oder anderen schweren Kohlenwasserstoffen und Kraftmaschinenanlage - Google Patents

Verfahren zum Betrieb von Kraftmaschinen unter Verwendung von Butan oder anderen schweren Kohlenwasserstoffen und Kraftmaschinenanlage

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DE628893C
DE628893C DEZ22089D DEZ0022089D DE628893C DE 628893 C DE628893 C DE 628893C DE Z22089 D DEZ22089 D DE Z22089D DE Z0022089 D DEZ0022089 D DE Z0022089D DE 628893 C DE628893 C DE 628893C
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Description

  • Verfahren zum Betrieb von Kraftmaschinen unter Verwendung von Butan oder anderen schweren Kohlenwasserstoff en und Kraftmaschinenanlage Den Gegenstand der Erfindung bildet die Verwendung von schweren Kohlenwasserstoffgasen und anderen ähnliche Eigenschaften aufweisenden Dämpfen in thermischen Anlagen mit dem Zweck, einerseits sich dem idealen Kreisprozeß mehr zu nähern, als es bei Wasserdampf möglich ist, und dadurch einen höheren thermischen Wirkungsgrad zu erhalten, anderseits die Abmessungen der Maschinen derart zu verringern, daß die Gestehungskosten einer derartigen Anlage erheblich geringer sind als bisher.
  • Das hier besonders in Betracht kommende Gas, das in theoretischer Hinsicht gemäß seines Verhaltens den an dasselbe zu stellenden Anforderungen gut entspricht, ist das Butan. Seine chemische Formel ist C4Hlo. Bei einem Druck von 76o mm Quecksilbersäule ist das Butan von ungefähr +o° C ab gasförmig. Die kritische Temperatur ist i5i°C bei 37,5Atm. abs. Die obigen Werte gelten für chemisch reines Butan. Bei dem im Handel vorkommenden Butan liegt der Siedepunkt bei Atmosphärendruck bei ungefähr -5° C, seine kritische Temperatur ist ungefähr i4o° C bei einem Druck von etwa q.o Atm. abs.
  • Bei den verschiedenen Temperaturen sind seine Dichten ganz erheblich größer als bei Wasserdampf, infolgedessen dieser bedeutend größere Durchgangsquerschnitte erfordert als Butan. Macht sein Verhalten das Butan in wärmetheoretischer Hinsicht in erster Linie erfindungsgemäß geeignet zum Energieträger in thermischen Anlagen, so besitzt dasselbe fernerhin Eigenschaften, die es auch in praktischer Hinsicht empfehlen; es ist da hauptsächlich seine chemische Beständigkeit, sein Vorkommen im Handel in chemisch gleichbleibender Zusammensetzung, seine Eigenschaft, als technische Baustoffe in Frage kommende Metalle nicht anzugreifen, und insbesondere sein häufiges Vorkommen in genügender Menge und der dementsprechend niedrige Preis zu erwähnen.
  • Wenn auch das Butan als der zur Zeit geeignetste Energieträger im Sinne der vorliegenden Erfindung angesehen wird, so ist dieselbe doch nicht darauf beschränkt, sondern umfaßt alle Gase und Dämpfe, deren Eigenschaften denen des Butans ähnlich sind.
  • Es ist schon vorgeschlagen, Butan für Kraftmaschinenanlagen zu verwenden, allerdings nur zur Ausnutzung von Wärmequellen, deren Temperatur ioo° C nicht übersteigt. Hierbei erfolgt die Verdampfung der Flüssigkeit in einem besonderen Verdampfer unter Druck, die Entspannung des gesättigten Dampfes in- einer Arbeit leistenden Dampfmaschine, die Verflüssigung des aus der Dampfmaschine entweichenden Abdampfes in einem Kondensator und schließlich die Wiedereinspeisung des verflüssigten Betriebsstoffes in den Verdampfer. Nach der Erfindung gelangt das Treibmittel unter mindestens kritischem Druck und einer die kritische übersteigenden Temperatur in den Kreislauf. Die adiabatische Entspannung von Butandampf von kritischem Druck und Temperaturen von auch nur wenigen Graden über der kritischen liegenden Temperaturen führt stets zur Überhitzung des entspannten Dampfes. Die überhitzungswärme ist theoretisch ganz, praktisch bis auf einen ganz kleinen Bruchteil rückgewinnbär. Unter Voraussetzung dieser Rückgewinnung läßt sich das reduzierte T-s-Diagramm zeichnen (vgl. Abb. a). Ebenso lassen sich die theoretisch möglichen Wirkungsgrade ohne weiteres errechnen. Nimmt man eine gleichbleibende Kondensatortemperatur an (Kondensationsdruck gleichbleibend) und zeichnet ein Wirkungsgraddiagramm (Wirkungsgrade als Ordinate, Temperaturen als Abszisse), wobei der Dampf bis zur kritischen Temperatur als gesättigt angenommen sei und hierauf der Anfangsdruck gleich dem kritischen Druck bleiben möge, so weist die Wirkungsgradkurve einen sogenannten singulären Punkt auf, und zwar entsprechend einem niedrigen Wirkungsgrad im kritischen Punkt selbst (also bei Dampf von genau kritischem Druck und kritischer Temperatur). Läßt man dann den Druck gleichbleibend (gleich dem kritischen Druck) und überhitzt auch nur um i° C, so steigt die Wirkungsgradkurve in die Höhe und dann stetig weiter, wem auch weniger als die Carnotsch@e Wirkungsgradkurve (vgl. Abb.3). Geht man auf hohe Überhitzungstemperaturen bei kritischem oder höher als kritischem Druck, so sind thermische Gesamtwirkungsgrade (effektive Wirkungsgrade) bis zu 4o'/" und darüber bereits bei weniger als Soo° C Überhitzungstemperatur möglich.
  • Im nachstehenden wird als Beispiel eine Kraftmaschinenanlage beschrieben, in welcher als Energieträger das Butan verwendet wird, und zwar ist, um die Anwendung des Erfindungsgegenstandes in möglichst vielgestaltiger Form zu zeigen, dem Beispiel eine Zweistoffkraftanlage mit Zwischendampfentnahme zugrunde gelegt. Der Butankreislauf kommt hierbei im Niederdruckteil der Zweistoffmaschine zur Anwendung. Dabei wird Hauptwert darauf gelegt, daß der Niederdruckteil des Turbinensatzes durch Verwendung von Butandampf sehr viel kleinere Schaufellängen besitzen wird als ein entsprechender Wasserdampfniederdruckteil. Diese Anordnung hat sinngemäß insbesondere Bedeutung für Anlagen mit Zwischendampfentnahme, aber auch für den Umbau von Großturbinensätzen bei bestehender Kesselanlage. In der Zeichnung (Abt. i) ist eine solche Anlage planmäßig dargestellt.
  • In einem Dampfkessel i wird Wasserdampf vom Druck P1 erzeugt und im Überhitzer 2 auf die Temperatur t1° überhitzt. Dieser Wasserdampf wird im Hochdruckteil einer Dampfturbine mit Zwischendampf entnahme 3" unter Abgabe von mechanischer Leistung auf die Spannung P2 entspannt. Ein Teil dieses Dampfes von der Spannung P2 kann durch die Leitung 4. zwecks unmittelbarer Verwendung für Gebrauchszwecke, z. B. zur Heizung, abgeführt werden. Der übrigbleibende Teil wird durch die Leitung 5 dem Kondensator 6 als Wärmeaustauschvorrichtung zugeführt. Die von dem Wasserdampf hier abgegebene Wärme dient zur Verdampfung des Butans. Das, Kondensat des Wasserdampfes wird durch die Pumpe 7 dem Dampfkessel i durch die Leitung 8 wieder zugeführt. Fehlt die Dampfentnahme, so vollführt demnach das Wasser einen vollständigen und, von geringen Undichtigkeitsverlusten abgesehen, verlustlosen Kreislauf.
  • Der in dem Kondensator 6 erzeugte Butandarripf wird durch die vorgesehene Überhitzvorrichtung überhitzt. Der Druck entspricht dem Wasserdampfdruck P2; seine Temperatur hat einen kleinen, zur Wärmeübertragung nötigen Abfall erlitten. Der Butandampf wird durch die Leitung gi dem auf derselben Welle wie der Hochdruckteil 3a sitzenden Niederdruckteil 3b zugeführt, in welcher er bis auf die im Butankondensator io herrschende Spannung entspannt und dann kondensiert -wird. Das Kondensat wird von der Pumpe 11 durch die Leitung 12 dem Wärmeaustauscher 13 und von .hier dem Wasserdampfkondensator 6 zugeführt.
  • Der Wärmeaustauscher 13 ist ein Vorwärmer des flüssigen Butans. Die Erwärmung erfolgt durch Wärmwasser von dem hinter dem Kessel i angeordneten Wärmeaufnehmer 1q. aus durch die Leitungen 16 vermittels der Pumpe 15.
  • Nimrrit man für die oben beschriebene Anlage beispielsweise an, daß in der Hochdruckstufe der Turbine 311 die Spannung des zugeführten Wasserdampfes von P1 = 4.o Atm. auf P2 = 5 Atm. fällt, so wird mit diesem' Wasserdampf von der 5 Atm. Druck entsprechenden Temperatur von ungefähr 151 ° C ein Butandampf von etwas mehr als 14o° C mit dem entsprechenden Druck von 4o Atrn. erzeugt. Es sind dies die kritische Temperatur (plus etwa i bis 2° C) und der kritische Druck des Butandampfes. Die Entspannung desselben erfolgt in dem Niederdruckteil der Turbine 3b, deren Abmessungen infolge der erheblich größeren Dichte des Butandampfes gegenüber Wasserdampf nicht größer sind als diejenige des Wasserdampfhochdruckteiles. Es zeigt also die Butanturbine im Vergleich zu den Niederdruckteil einer Wasserdampfturbine erheblich geringere Abmessungen, demnach eine vereinfachte Bauart und bedeutend geringeres Gewicht. Da das thermodynamische Verhalten des Butandampfes bei einer Entspannung von beispielsweise 4o Atm. auf 2,9 Atm. (insbesondere unter Berücksichtigung der Rückgewinnung der Überhitzungswärme am Ende der Entspannung) sieh mehr derjenigen eines idealen Gases nähert als Wasserdampf, so nähert sich der vom Butandampf durchlaufene Kreisprozeß sehr stark dem idealen Kreisprozeß, was gegenüber den bekannten Wasserdampfkraftanlagen eine Erhöhung des thermischen Wirkungsgrades zur Folge hat.
  • Bei einer Temperatur von 2o° C im Innern des Kondensators io beträgt der Druck des Butandampfes noch ungefähr 2,9 Atm.; der Kondensator arbeitet also unter Überdruck und bedarf folglich keiner Luftpumpe.
  • Der Wärmeaustauscher 6 kann so ausgebildet werden, daß sowohl die Temperatur als auch der Druck bis über die kritischen Werte hinaus gesteigert werden können, um so das nutzbare Temperaturgefälle zu erhöhen und einen Höchstwert des thermischen Wirkungsgrades zu erzielen.
  • Die Anwendung des für den Niederdruckteil einer Zweistoffmaschine geschilderten Kreislaufs kann selbstverständlich auch in Einstoffanlagen erfolgen. Bei solchen Anlagen und entsprechend hoher Überhitzung sind Wirkungsgrade bis praktisch über 40 % zu erwarten.
  • Aus dem Vorstehenden geht weiter hervor, daß zur Ausbeutung von Wärmequellen mit verhältnismäßig niedriger Temperatur und Druck, deren Verwertung durch Wasserdampfkraftanlagen infolge der sich ergebenden allzu großen Maschinenabmessungen praktisch teuer wäre, mit. großem Vorteil Butankraftanlagen Verwendung finden, die nicht nur erträgliche Maschinenabmessungen ergeben, sondern auch einen hohen thermischen Wirkungsgrad aufweisen, selbstverständlich unter Anwendung der Rückgewinnung der Überhitzungswärme am Ende der Entspannung.
  • Wie aus dem T-s-Diagramm (Abb. 2) hervorgeht, führt die adiabatische Entspannung von gesättigtem Butandampf auch von geringer Temperatur stets zu einer Überhitzung des Dampfes. Diese Rückgewinnung ist theoretisch eine ioo °/Qige. Im genannten Diagramm kommt diese .Rückgewinnung unter Verwendung des reduzierten Diagramms dadurch zur Geltung, daß der Ast des flüssigen Zustandes statt wie ursprünglich sehr schräg, weniger schräg ansteigt. Die im reduzierten T-s-Diagramm die gewonnene Arbeit kennzeichnende Fläche schmiegt sich näher an das Carnotsche Rechteck an und weicht flächenmäßig weniger von demselben ab. Der zwischen den angenommenen Temperaturgrenzen mögliche Wirkungsgrad ist besser als derjenige ohne Wärmerückgewinnung und ist auch besser als unter Verwendung von Wasserdampf zwischen den gleichen Temperaturen, außerdem arbeitet die Maschine thermodynamisch günstiger wegen völliger Beseitigung der Dampffeuchtigkeit im Niederdruckteil.
  • Ausbeutungsfähige Wärmequellen sind äußerst zahlreich. Erfindungsgemäß wird beispielsweise das `warme Wasser heißer Quellen einem Wärmeumformer zugeführt, in welchem Butan verdampft wird, welcher Butandampf sodann in Turbinen, Kolbenmaschinen u. a. mechanische Arbeit leistet und auf dem Weg durch eine Wärmerückgewinnungsanlage und einen Oberflächenkondensator wieder zum Ausgangspunkt zurückgeführt wird. Die Maschinen einer Wasserdampfkraftanlage würden in einem solchen Falle infolge der geringen Druckunterschiede derartig große Abmessungen erhalten müssen, daß sie praktisch unausführbar wären.
  • Bei Salinen werden die Dampfschwaden, die von den offenen Verdampfungsgefäßen aufsteigen, zur Verdampfung von Butan verwendet, das in Kraftmaschinen die thermische Energie in mechanische Arbeit umsetzt.

Claims (2)

  1. PATENTANSPRÜCHE: i. Verfahren zum Betrieb von Kraftmaschinen unter Verwendung von Butan oder anderen schweren Kohlenwasser-Stoffen, deren Eigenschaften denen des Butans ähnlich sind, dadurch gekennzeichnet, daß das Treibmittel den Kreisprozeß teilweise unter mindestens kritischem Druck und einer die kritische übersteigenden Temperatur durchläuft.
  2. 2. Kraftmaschinenanlage nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß das Verfahren zum Betriebe des nachgeschalteten Teils einer Zweistoffkraftanlage dient.
DEZ22089D 1934-11-13 1934-11-13 Verfahren zum Betrieb von Kraftmaschinen unter Verwendung von Butan oder anderen schweren Kohlenwasserstoffen und Kraftmaschinenanlage Expired DE628893C (de)

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Cited By (3)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE1175694B (de) * 1961-09-28 1964-08-13 Ulrich Senger Anlage zur Speicherung von Energie in Dampfkraftwerken
DE1253724B (de) * 1961-09-28 1967-11-09 Ulrich Senger Zwei-Stoff-Prozess fuer den Abdampfteil grosser Kondensations-Turbinen
EP0175429A1 (de) * 1984-09-12 1986-03-26 Houston Industries, Inc. Dampferzeugungsanlage für eine übergelagerte Turbine und eine Prozesskammer, wie z.B. eine Kohlevergasungsanlage

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* Cited by examiner, † Cited by third party
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DE1175694B (de) * 1961-09-28 1964-08-13 Ulrich Senger Anlage zur Speicherung von Energie in Dampfkraftwerken
DE1253724B (de) * 1961-09-28 1967-11-09 Ulrich Senger Zwei-Stoff-Prozess fuer den Abdampfteil grosser Kondensations-Turbinen
EP0175429A1 (de) * 1984-09-12 1986-03-26 Houston Industries, Inc. Dampferzeugungsanlage für eine übergelagerte Turbine und eine Prozesskammer, wie z.B. eine Kohlevergasungsanlage

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