DE4223385C2 - Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines Kraftfahrzeugs - Google Patents
Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines KraftfahrzeugsInfo
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Description
Es sind Fahrdynamikregelungskonzepte bekannt und vorgeschlagen
worden, bei denen durch Bremsschlupferzeugung oder -änderung an den
Rädern oder durch Hinterachslenkwinkeländerung Giermomente künstlich
erzeugt werden, die zur Verringerung oder Kompensation von zu großen
Giermomenten dienen, wobei diese durch µ-Split-Bremsungen, Kurven
bremsung oder andere Einflüsse bedingt sind.
Aus der DE 36 08 420 A1 ist eine Vorrichtung zur Bestimmung der Be
wegung eines Fahrzeuges bekannt. Hierzu werden u. a. die Gierge
schwindigkeit, der Lenkwinkel und die Fahrzeuggeschwindigkeit gemes
sen.
In Abhängigkeit des Lenkwinkels und der Fahrzeuggeschwindigkeit wer
den Schätzwerte für die Giergeschwindigkeit und die Gierbeschleuni
gung ermittelt. In Abhängigkeit der gemessenen Giergeschwindigkeit
und der Fahrzeuggeschwindigkeit wird unter Berücksichtigung der
Querbeschleunigung der Vorderräder und der Querbeschleunigung der
Hinterräder ein Istwert für die Gierbeschleunigung ermittelt. Dar
über hinaus werden in Abhängigkeit der Giergeschwindigkeit, des
Lenkwinkels und der Fahrzeuggeschwindigkeit Zustandssignale ermit
telt, die angeben, ob für das Fahrzeug ein stationärer Zustand, eine
Geradeausfahrt oder ein Übergangszustand vorliegt. Zur Einstellung
bzw. Korrektur des Fahrverhaltens des Fährzeuges werden die Gierrate
oder die Gierbeschleunigung des Fahrzeuges als Bewegungsvariablen
verwendet. Die Auswahl der jeweils Verwendeten Bewegungsvariable er
folgt in Abhängigkeit der o. g. Zustandssignale. Im Falle des Über
gangszustandes wird die Gierbeschleunigung und im Falle des statio
nären Bewegungszustandes die Gierrate als Bewegungsvariable verwen
det. Der Einsatz der Größen Giergeschwindigkeit, Lenkwinkel und
Fahrzeuggeschwindigkeit zur Erkennung einer Rückwärtsfahrt ist die
ser Schrift nicht zu entnehmen.
Die zum Stand der Technik gehörenden Regelungskonzepte beruhen auf
modellgestützten Regelungen. Diese Regelungen haben den Nachteil,
daß die hierfür verwendeten Modellgleichungen bei Rückwärtsfahrt ih
re Gültigkeit verlieren.
Vor diesem Hintergrund ergibt sich folgende Aufgabe: Es soll ein
Verfahren bereitgestellt werden, mit dessen Hilfe auf einfache Art
und Weise eine Rückwärtsfahrt sicher erkannt werden kann. Diese Auf
gabe wird durch Verfahren mit den Merkmalen der Ansprüche 1 oder 3 gelöst.
Stellt man nämlich dem Regelungskonzept eine Information über eine
vorliegende Rückwärtsfahrt zur Verfügung, so können im Falle einer
Rückwärtsfahrt die verwendeten Modellgleichungen angepaßt werden und
es kann somit nicht mehr der Fall eintreten, daß die für die Rege
lung verwendeten Modellgleichungen ungültig sind.
Das Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt ver
wendet nur solche Sensoren, die auch für die Fahrdynamikregelung
verwendet werden, d. h. der zusätzliche Aufwand ist gering. Es ist so
zugeschnitten, daß es bei vorübergehenden instationären Vorgängen
oder unklaren Situationen zu keiner Fehlerkennung kommt.
Ausgangspunkt für die Gewinnung des Schätzalgorithmus ist das Güte
kriterium
J(θt) = u2(θt) + k1 . v2(θt) + k2 . w2(θt),
mit
u(θt) = (θt . (wm - w) . . . Meßfehler,
wm . . . Modellgierwinkelgeschwindigkeit
w . . . gemessene Gierwinkelgeschwin digkeit
v(θt) = θt - θt-1 . . . Änderung,
w(θt) = θt - θa . . . Abweichung vom Anziehungswert,
θt . . . Aktueller Schätzwert,
θt-1 . . . Schätzwert zum vergangenen Rechenzyklus,
θa . . . Anziehungswert (vorzugsweise 0),
k1 . . . Gewichtungsfaktoren für alten Schätzwert, z. B. 0,4
k2 . . . Gewichtungsfaktor für Anziehungswert, z. B. 0,05
u(θt) = (θt . (wm - w) . . . Meßfehler,
wm . . . Modellgierwinkelgeschwindigkeit
w . . . gemessene Gierwinkelgeschwin digkeit
v(θt) = θt - θt-1 . . . Änderung,
w(θt) = θt - θa . . . Abweichung vom Anziehungswert,
θt . . . Aktueller Schätzwert,
θt-1 . . . Schätzwert zum vergangenen Rechenzyklus,
θa . . . Anziehungswert (vorzugsweise 0),
k1 . . . Gewichtungsfaktoren für alten Schätzwert, z. B. 0,4
k2 . . . Gewichtungsfaktor für Anziehungswert, z. B. 0,05
Die Minimierung von J(θt) bezüglich θt ergibt
d. h.,
wm . (θt . wm - w) + K1 . (θt - θt-1) + k2 . (θt - θa) = 0.
wm . (θt . wm - w) + K1 . (θt - θt-1) + k2 . (θt - θa) = 0.
Nach Auflösen nach θt bekommt man
An dieser Gleichung kann erkannt werden, daß der Meßfehler eine
starke Gewichtung bekommt, wenn |wm| groß ist. Bei kleinem |wm|
hingegen tendiert θt mehr gegen den Anziehungswert θa. Mit Hilfe
des Wertes θt wird Vorwärts- oder Rückwärtsfahrt erkannt. Das
Vorwärtsfahrt-Signal LV wird erzeugt, wenn
θt < θv oder Vf < VRmax, z. B. θv = 0.2.
VRmax ist die maximal erreichbare Geschwindigkeit bei Rückwärts
fahrt. Das Rückwärtsfahrt-Signal LR wird erzeugt, wenn
θt < -θr, (z. B. θr = 0.2.) und LV nicht vorhanden
ist.
In allen anderen Fällen werden LV und LR nicht verändert.
Bei Fahrzeugstillstand (VF < Vmin) wird θt = 0 gesetzt und es
wird keines der Signale LV oder LR erzeugt.
Die Empfindlichkeit der Erkennung läßt sich insgesamt durch k1
beeinflussen. k1 muß genügend groß gewählt werden, um bei kurzzeiti
gen instationären Fahrzuständen eine Fehlerkennung zu vermeiden. k2
legt die Stärke der Anziehung von θt an θa fest. Es muß genügend
groß sein um eine Fehlerkennung bei langanhaltenden Fehlern wie
Sensor-offsets zu vermeiden.
Die erfindungsgemäße Rückwärtsfahrterkennung stellt praktisch einen
Vergleich zwischen einer aus Fahrzeuggeschwindigkeit und Lenkwinkel
berechneten Modellgierwinkelgeschwindigkeit (Wm = VF × δ/R)
und der gemessenen oder geschätzten Gierwinkelgeschwindigkeit W
unter Verwendung eines einfachen least-squares-Schätzers dar.
Das Verfahren wird anhand der Fig. 1 der Zeichnung
erläutert, welche schematisch ein Ausführungsbeispiel
der verwendeten Vorrichtung angibt.
Einem Block 1 werden über Eingangsklemmen dem gemessenen Lenkwinkel
δ und der z. B. aus den Radgeschwindigkeiten ermittelten Fahrzeug
geschwindigkeit VF entsprechende Signale sowie ein dem Radstand R
des Fahrzeugs entsprechendes Signal zugeführt. Dieser Block 1
erzeugt eine Modellgierwinkelgeschwindigkeit Wm = VF × δ/R
(nach Ackermann).
Sowohl die gemessene oder geschätzte Gierwinkelgeschwindigkeit w als
auch das Wm werden einem Block 2 zugeführt, dem zusätzlich noch
konstante Werte K1, K2 und θa eingegeben werden. K1 kann z. B. 0,4
und K2 0,05 sein. θa ist vorzugsweise 0. Dort wird mit der oben
angegebene Beziehung θt der Augenblickswert für θ berechnet, der
dann Vergleichern 3 und 4 zugeführt wird. Vergleicher 3 erzeugt ein
Signal sobald θt einen Vergleichswert θv (z. B. 0,2) übersteigt.
Dieses Signal läßt an Klemme 6 ein Vorwärtsfahrtsignal Lv ent
stehen. Das LV-Signal bleibt erhalten, bis einweiterer Ver
gleicher 10 ein Signal abgibt. Der Vergleicher 10 gibt ein Signal
ab, wenn die Fahrzeuggeschwindigkeit VF kleiner einer Abbruch
geschwindigkeit Vmin ist (= Fahrzeugstillstand). Der Vergleicher 4
gibt an das UND-Gatter 7 ein Signal ab, wenn θt einen Wert von
z. B. -0,2 unterschreitet. Dadurch kann, falls Lv
nicht bereits gesetzt war, das Rückwärtsfahrtsignal LR gesetzt
werden. Auch dieses Signal bleibt erhalten, bis der Vergleicher 10
ein Signal abgibt.
Man kann zusätzlich auch noch im Vergleicher 10 den Vergleich
anstellen, ob VF größer als die maximal mögliche Rückfahrgeschwin
digkeit VRmax und dieses Signal zusätzlich oder anstelle des
Vergleichs von θt mit θv zur Bildung des Vorwärtsfahrsignals
LV nutzen. Dies ist durch die gestrichelte Leitung 11 angedeutet.
Claims (7)
1. Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines Kraftfahrzeugs,
dadurch gekennzeichnet, daß die Giergeschwindigkeit W bestimmt wird
und aus den Größen Lenkwinkel δ und Fahrzeuggeschwindigkeit VF
unter Einbeziehung des Radstands R eine Modellgierwinkelgeschwindig
keit Wm ermittelt wird, daß mit Hilfe der Größen W und Wm sowie
der Konstanten K1, K2 und θa eine Größe θt zum Zeitpunkt t nach
Maßgabe der Beziehung
gewonnen wird, wobei θt-1 die Größe zum vorhergehenden Rechen zyklus ist und ein Vorwärtsfahrsignal LV erzeugt wird, wenn θt < θv und/oder VF < VRmax wird, wobei θv ein vorgegebener positiver Verlgeichwert und VRmax die maximal mögliche Rückfahr geschwindigkeit ist und daß
ein Rückwärtsfahrsignal LR erzeugt wird, wenn bei nicht vorhande nem Vorwärtsfahrsignal LVθt < -θr wird, wobei θv ein vor gegebener positiver Vergleichswert ist, und daß das Rückwärtsfahr signal LR bei Auftreten des Vorwärtsfahrsignals LV unterdrückt wird.
gewonnen wird, wobei θt-1 die Größe zum vorhergehenden Rechen zyklus ist und ein Vorwärtsfahrsignal LV erzeugt wird, wenn θt < θv und/oder VF < VRmax wird, wobei θv ein vorgegebener positiver Verlgeichwert und VRmax die maximal mögliche Rückfahr geschwindigkeit ist und daß
ein Rückwärtsfahrsignal LR erzeugt wird, wenn bei nicht vorhande nem Vorwärtsfahrsignal LVθt < -θr wird, wobei θv ein vor gegebener positiver Vergleichswert ist, und daß das Rückwärtsfahr signal LR bei Auftreten des Vorwärtsfahrsignals LV unterdrückt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei Fahr
zeugstillstand die Signale LV und LR verschwinden und θt = 0
gesetzt wird.
3. Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines Kraftfahr
zeuges, dadurch gekennzeichnet,
daß die Giergeschwindigkeit (W) des Fahrzeuges gemessen wird,
daß aus den gemessenen Größen Lenkwinkel (δ) und Fahrzeugge schwindigkeit (vF) eine Modellgiergeschwindigkeit (Wm) ermit telt wird,
daß ein Parameter θt für die Erkennung der Vorwärtsfahrt oder der Rückwärtsfahrt durch einen Vergleich zwischen der gemesse nen Giergeschwindigkeit und der Modellgiergeschwindigkeit un ter Verwendung eines least-squares-Schätzers ermittelt wird, und
daß bei Vorwärtsfahrt ein Vorwärtsfahrsignal (LV) und bei Rückwärtsfahrt ein Rückwärtsfahrsignal (LR) erzeugt wird.
daß die Giergeschwindigkeit (W) des Fahrzeuges gemessen wird,
daß aus den gemessenen Größen Lenkwinkel (δ) und Fahrzeugge schwindigkeit (vF) eine Modellgiergeschwindigkeit (Wm) ermit telt wird,
daß ein Parameter θt für die Erkennung der Vorwärtsfahrt oder der Rückwärtsfahrt durch einen Vergleich zwischen der gemesse nen Giergeschwindigkeit und der Modellgiergeschwindigkeit un ter Verwendung eines least-squares-Schätzers ermittelt wird, und
daß bei Vorwärtsfahrt ein Vorwärtsfahrsignal (LV) und bei Rückwärtsfahrt ein Rückwärtsfahrsignal (LR) erzeugt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der Parameter θt zum Zeitpunkt t nach Maßgabe der Bezie
hung
ermittelt wird,
wobei K1, K2 und θa Konstanten sind und θt-1 die Größe zum vorhergehenden Rechenzyklus ist.
ermittelt wird,
wobei K1, K2 und θa Konstanten sind und θt-1 die Größe zum vorhergehenden Rechenzyklus ist.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet,
daß das Vorwärtsfahrsignal (LV) erzeugt wird, wenn θt größer
als eine vorgegebene Vergleichsgröße ist.
6. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet,
daß das Rückwärtsfahrsignal (LR) erzeugt wird, wenn bei nicht
vorhandenem Vorwärtsfahrsignal (LV)θt kleiner als eine Vorge
gebene Vergleichsgröße ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekenn
zeichnet,
daß bei der Ermittlung der Modellgiergeschwindigkeit der
Radstand (R) des Fahrzeuges einbezogen wird.
Priority Applications (4)
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| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
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| DE4223385A DE4223385C2 (de) | 1992-07-16 | 1992-07-16 | Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines Kraftfahrzeugs |
Publications (2)
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| DE4223385A1 DE4223385A1 (de) | 1994-01-20 |
| DE4223385C2 true DE4223385C2 (de) | 2001-02-22 |
Family
ID=6463337
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE4223385A Expired - Lifetime DE4223385C2 (de) | 1992-07-16 | 1992-07-16 | Verfahren zum Erkennen der Rückwärtsfahrt eines Kraftfahrzeugs |
Country Status (4)
| Country | Link |
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| US (1) | US5436831A (de) |
| JP (1) | JP3285257B2 (de) |
| DE (1) | DE4223385C2 (de) |
| FR (1) | FR2693800B1 (de) |
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