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Hallenbauart. Um den Winddruck auf die Außenständer eiserner Hallen
gleichmäßig zu verteilen, ist schon vorgeschlagen worden, die wagerecht verschiebbar
oder schwingbar gelagerten Dachbinder mit senkrechten Druckflächen zu versehen,
die sich unter Zwischenschaltung von Beilagen gegen entsprechende Druckflächen der
Ständer anlegen, so daß die Außenständer mit den Dachbindern nur auf Druck gekuppelt
sind. Diese Übertragung eines Teiles des Winddruckes auf den voin Winde abgelegenen
äußeren Ständer kann nun gemäß der Erfindung, ohne Beilagen oder sonstige den jeweilig
herrschenden Verhältnissen Rechnung tragende besondere Teile verwenden zu müssen,
auch dadurch erreicht werden, daß die Außenstänrler an ihrem Fuß oder ihre den Dachbinder
tragenden oberen Teile auf den unteren so gelagert sind, <laß bei seitlicher
Beanspruchung mit der Richtung dieser Beanspruchung wechselnd auf der einen Seite
der Halle Einspannung, auf der anderen Gelenkwirkung vorhanden ist.
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Diese Wirkung tritt z. B. ein, wenn die mit den Dachbindern gelenkig
verbundenen Oberteile der Außenständer arn-Innenstiel gelenkig finit den Unterteilen
verbunden sind und sich mit Druckflächen auf gleichartige Druckflächen am Außenstiel
des Unterteiles stützen.
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Die Verwendung von ausschaltbaren Gelenken, d. i. von Gelenken, die
nur in gewissen Belasungsfällen als solche wirken, ist an sich bekannt; sie werden
insbesondere bei Bogenträgern mit Kämpfergelenken angeordnet. Dabei erzeugen aber
die Windlasten in den Kämpfergelenken wagerechte Auflagerkräfte, d. h. es beteiligt
sich auch der windseitige Ständer an der Aufnahme des Windes. Im Gegensatz hierzu
erzeugen bei der Hallenbauart nach der Erfindung lotrechte Lasten nur lotrechte
Auflagerkräfte, während wagerechte oder schiefe Windkräfte nur in einem der beiden
Auflager, und zwar in dein vom Winde abgewendeten wagerechte Auflagerkräfte erzeugen.
Zufolge dieser Kräfteverteilung werden die Ständer stets unabhängig von der Windrichtung
gleichmäßig beansprucht, während eine gleichmäßige Beanspruchung der Ständer bei
der bekannten Bauart nur dann vorhanden wäre, wenn während der in Betracht kommenden
Zeiträume der Winddruck auf die gegenüberliegenden Hallenwände gleichmäßig verteilt
wäre, was bekanntlich nicht der Fall ist. Ein besonderer Vorteil der Bauart nach
der Erfindung ist auch darin zu erblicken, daß sie auf inehrschiffige Hallen mit
dem gleichen Erfolge anwendbar ist, wobei die günstige Übertragung des Winddruckes
auf den letzten Ständer im Windschatten unter völliger Entlastung der Innenständer
vom Winddruck mittels Gleitlagern erzielt wird.
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Bei der in Abb. i schematisch dargestellten Ausführungsform einer
zweischiffigen eisernen Halle sind die Außenständer zweiteilig; ihre oberen Teile
a sind auf die unteren Teile i schwingbar aufgesetzt. Die Trennungsflächen der beiden
Außenständerteile sind symmetrisch und geneigt angeordnet, und beide Ständerteile
sind längs der Trennungsfuge mit Druckplatten 3 versehen. Das Gelenk 4., welches
den Ständeroberteil mit dem Unterteil verbindet, ist am Innenstiel der Ständer angeordnet,
mit zur Längsachse der Halle paralleler Drehachse. Bei dieser :?nordnung «erden
zweckmäßig die Dachlinder 5 mit dein Oberteil 2 des Außenständers gelenkig verbunden,
während die am Zwischenständer 6 ruhenden Dachbinderenden verschiebbar auf diesem
Zwischenständer gelagert sind Lind-in irgendwelcher Weise miteinander gekuppelt
sein oder einfach stumpf gestoßen sein können. Natürlich kann auch der Zwischenständer
im ganzen oder auch
nur sein oberer Teil um eine wagerechte Achse
schwingbar angeordnet sein.
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Der auf das Dach ausgeübte Winddruck wird bei dieser Anordnung auf
den vom Wind abgelegenen Außenständer übertragen, indem dessen Druckplatten 3 sich
aufeinanderpressen, während die Druckplatten des auf der Windseite befindlichen
Ständers klaffen. Der Ständer im Windschatten wirkt daher wie ein ununterbrochener
Ständer, der windseitig gelegene Ständer dagegen ist zerlegt in einen unteren fest
eingespannten Ständer i, welcher den auf ihn entfallenden Winddruck in die Gründung
überträgt, während der Oberteile den auf ihn entfallenden Winddruck unten durch
das Gelenk auf den unteren Teil i und oben auf den Binder, und durch diesen auf
den Ständer im Windschatten überträgt.
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Eine weitere Ausführungsform der Erfindung zeigt Abb. 2. Hier wird
die Übertragung des Winddruckes auf den vom Winde abgelegenen Außenständer durch
nachgiebige Lagerung der Außenständer erzielt. Zu diesem Zweck sind die inneren
Ankerschrauben 6 satt einbetoniert, während die äußeren Ankerschrauben 7 in lotrechten,
rohrförmigen Ausnehmungen 9 der Gründung stecken.
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Bei Winddruck erhalten die äußeren Anker 7 des windseitigen Ständers
und die inneren Anker 6 des Ständers im Windschatten Zugspannungen. Die ersteren
werden ihrer Zugbeanspruchung entsprechend gedehnt, die letzteren sind, an einer
Längenänderung durch die sie umschließende Betonmasse verhindert.
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Hierdurch erhält der windseitige Ständer eine größere Nachgiebigkeit
als der Ständer im Windschatten und infolgedessen eine kleinere Belastung durch
den Winddruck als hei der üblichen Ausführung, während anderseits ein größerer-Teil
des Winddruckes auf den Ständer im Windschatten übertragen wird.
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Um die Nachgiebigkeit des Außenständers noch zu erhöhen, kann die
äußere Ankerschraube 7, wie in Abb. 3 veranschaulicht, eine größere Länge als sonst
üblich erhalten, so daß dieser Schraubenbolzen 7, der an seinem oberen Ende an dem
Außenständer befestigt ist, über die Gründung nach aufwärts ragt. Da die Ankerdehnung
der Länge der Ankerschraube verhältnisgleich ist, wird hierdurch die Nachgiebigkeit
des windseitigen Ständers erhöht und er in höherem Maße entlastet Die Dachbinder
können bei dieser Bauart wie dargestellt auf den Ständer wagerecht verschiebbar
mit senkrechten Druckflächen oder gelenkig gelagert sein.
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Die gewünschte Nachgiebigkeit der Außenständer oder eines Teiles von
ihnen kann schließlich auch, wie in Abb. q. dargestellt, dadurch erzielt werden,
daß Teile des Innen= Stiels nur gegen Zug, aber nicht gegen Druck wirksam ausgestaltet
werden. Zu diesem Zweck kann beispielsweise der oberste, in Abb. q. gestrichelt
angedeutete Stab io des Innenstiels der Außenständer schlaff werden, so daß der
obere Teil des windseitigen Ständers dem Winddruck nachgeben kann, während der Ständer
im Windschatten zufolge Spannung des Gliedes io den Winddruck voll aufnehmen kann.