DE2633113C2 - Verfahren zur Vermeidung von Gefahren, die bei Störfällen an wassergekühlten Kernreaktoren entstehen - Google Patents
Verfahren zur Vermeidung von Gefahren, die bei Störfällen an wassergekühlten Kernreaktoren entstehenInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Vermeidung von Gefahren, die bei Stoerfaellen an wassergekuehlten oder an Kernreaktoren, bei denen die Notkuehlung mit Wasser vorgenommen wird, durch Wasserstoffdruckaufbau und/oder durch Bildung eines explosiven Gasgemisches entstehen. Nach Massgabe einer stoerfallbedingten Freisetzung von Wasserstoffgas wird dieses mit einem bei Stoerfallbedingungen ausreichend Sauerstoff anbietenden Mittel kontrolliert in Kontakt gebracht und der Wasserstoff wird mit Hilfe dieses Mittels in einer nichtkettenreaktionsartigen Reaktion, die als Rueckreaktion gemeinsam mit der Wasserstoffbildungsreaktion (Hinreaktion) einen Kreisprozess darstellt, zumindest bis zum Unterschreiten der Zuendgrenze eines Wasserstoff-Sauerstoff-Knallgasgemisches verbraucht. Der Vorteil des hier beschriebenen Verfahrens zur Wasserstoff-Rekombination liegt in einem sicheren, inhaerenten Druckabbau durch den stets gebunden bereitgehaltenen Sauerstoff. Der Normalbetrieb wird durch das Verfahren nicht gestoert. ...U.S.W
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Vermeidung von Gefahren, die bei Störfällen an wassergekühlten
Kernreaktoren oder an Kernreaktoren, bei denen die Notkühlung mit Wasser vorgenommen wird, durch
Wasserstoffdruckaufbau und/oder durch Bildung eines explosiven Gasgemisches entstehen, bei welchem der
Wasserstoff mit Hilfe von Sauerstoff zu Wasser rekombiniert wird.
Bei Normalbetrieb wird in einem wassergekühlten Kernreaktor der radiolytisch entstehende Wasserstoff
durch sogenannte Rekombinatoren mittels Katalysatoren mit elementarem Sauerstoff rekombiniert. Der Katalysator
besteht üblicherweise aus einem keramischen Trägermaterial mit aktivem Edelmetall. Die Katalysatoren
arbeiten im Temperaturbereich von etwa 315°—5650C. Es sind auch sogenannte Flammen-Rekombinatoren
bekanntgeworden. Bei diesen Rekombinatoren wird nach einem gekühlten, porösen Brenner,
der als Flammensperre dient, der Wasserstoff mit dem Sauerstoff verbrannt Diese Rekombinatoren sind so
ausgelegt daß sie den unter Betriebsbedingungen anfallenden
Wasserstoff laufend binden.
In einem 1000 MWc-Siedewasser-Reaktor fällt ein Abgas von ca. 5,66 m3'Min. (200 cfm) an. Ungefähr 85
bis 90% dieses Abgases stammt aus der radiolytischen
ίο Zersetzung des Wassers zu Wasserstoff und Sauerstoff
und 10 bis 15% aus Wasserdampf und Luft als »In-Leakage«.
Der Wasserstoffanfall wird bedeutend größer nach Ausfall der Kühlung, d. h. wenn sich die Brennstabhüllen
weit oberhalb der Betriebstemperatur erhitzen. In diesem Fall kommt es zu einer chemischen Reaktion zwischen
der metallischen Hülle und dem Wasserdampf. Dabei wird das Hüllmetall oxidiert und elementarer
Wasserstoff wird freigesetzt. Dieser Vorgang ist nicht nur auf die Hüllen aus Zirkonlegierungen, z. B. Zirkaloy
2 oder Zirkaloy 4, beschränkt Die Reaktion setzt praktisch zwischen sämtlichen technischen Legierungen
bzw. Hüllmaterialien und Wasser bei höheren Temperaturen ein.
Die chemische Reaktion zwischen Wasser und dem gesamten Hüllmaterial z. B. eines etwa 3500 MW,h-Druckwasser-Reaktors
(wie des Kernkraftwerks Biblis/ Rhein) liefert nach vollständiger Reaktion etwa 1270 kg
H2 bzw. 14 000 Nm3H2. Aber bereits bis zum Zeitpunkt
des Niederschmelzens des Kerns beim Versagen der Reaktornotkühlung müßte man mit einer Wasserstofffreisetzung
zwischen 25 und 50% dieser Menge rechnen. Die Wasserstofifreisetzungsrate hängt von der
Temperatur ab. So errechnet sich die Freisetzungsrate bei angenommener konstanter Temperatur von 1500° K
(= 1227° C) für 6200 m2 Brennstaboberfläche (= Heizfläche
eines Reaktors des Typs KKW Bib'.is) mit 887 Nm3 Wasserstoff pro 100 see.
Die Rekombinatoren für den Normalbetrieb sind für solche Freisetzungsraten nicht ausgelegt Die Rekombinatoren
für diese Fälle würden zur Bindung des Wasserstoffs zusätzlich kontrolliert zugeführten Sauerstoff benötigen.
Diese Wasserstoffmengen würden zu einem erhöhten Druckaufbau führen und stellen eine zusätzliche
Gefahrenquelle dar. Es ist nämlich nicht auszuschließen, daß es in Teilräumen des Reaktorgehäuses zur Bildung
eines Explosionsgemisches — Knallgases — kommt. Der Gefahr der Knallgasbildung durch den freigesetzten
Wasserstoff kann man durch eine Inertisierung (d. h.
durch Füllen mit inertem Gas) der gefährdeten Räume begegnen. Dadurch wird der Reaktorbetrieb jedoch
komplizierter und der Druckaufbau nicht verhindert.
Eine Kernreaktoranlage mit einem insbesondere wassergekühlten Kernreaktor und einer Schutzhülle, die aktivitätsführende
Komponenten einschließt, und einer vorzugsweise in der Schutzhülle angeordneten Rekombinationseinrichtung
zum Verbinden von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser ist aus der DE-OS 22 39 952
bekanntgeworden. Bei der dort beschriebenen Rekombinationsanlage handelt es sich um eine Kammer mit
einer Heizeinrichtung, durch die in der Schutzhülle vorhandener Wasserstoff auf eine zum Verbinden mit Sauerstoff
ausreichende Temperatur erhitzt wird. In dieser Rekombinationsanlage wird also die gesamte Gasmenge,
die durch sie hindurch gepumpt wird, aufgeheizt. Es werden Temperaturen benötigt, die hoch genug sind,
um die Bildung von Wasserdampf zu ermöglichen. Es wurde gefunden, daß eine Aufheizung des Gases auf
mindestens etwa 620° C erforderlich ist Bei dem dort
beschriebenen Ausführungsbeispiel wurde vorausgesetzt, daß die Atmosphäre innerhalb der Schutzhülle
Luft ist, so daß ausreichend Sauerstoff vorhanden ist. Es
sei auch möglich, eine Atmosphäre mit inertem Gas zu verwenden. In diesem Falle müsse Sauerstoff von einer
Hilfsquelle zur Verfügung gestellt werden, so daß Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasserdampf rekombiniert
werden können.
Die Nachteile des in der DE-OS 22 39 952 beschriebenen Verfahrens sind unter anderem darin zu sehen, daß
die Lagerung des gasförmigen Sauerstoffs, der zur vollständigen Bindung von eventuell freigesetztem Wasserstoff
benötigt wird, nicht innerhalb der Reaktorschutzhülle erfolgen kann, und daß die Lagerung von beispielsweise
große Mengen Sauerstoff außerhalb der Schutzhülle und die Zuleitung in das Innere der Schutzhülle ein
Risikoproblem darstellen. Die gesamts Atmosphäre innerhalb
der Hülle, die den entstandenen Wasserstoff enthält, durch eine Kammer mit einer Heizeinrichtung
zu pumpen, in welcher die wasserstoffhaltige Atmosphäre
auf über 6200C erhitzt wird, ist zu einer möglichst
raschen und vollständigen Entfernung des Wasserstoffs keine sichere Lösung des Problems.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, mit welchem die Gefahren mit
Sicherheit vermieden werden können, die bei Störfällen an wassergekühlten Kernreaktoren oder an Kernreaktoren
mit Wasser-Notkühlung (z. B. gasgekühlten Reaktoren) durch auf chemischen Reaktionen beruhende
Freisetzung großer Mengen Wasserstoff, insbesondere durch Wasserstoffdruckaufbau und/oder durch Bildung
eines explosiven Gasgemisches entstehen können.
Die Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst,
daß nach Maßgabe der störfallbedingten Freisetzung von Wasserstoffgas dieses mit einem bei Störfallbedingungen
ausreichend Sauerstoff anbietenden, festen Mittel kontrolliert in Kontakt gebracht wird und der Wasserstoff
mit Hilfe dieses Mittels in einer nichtkettenreaktionsartigen Reaktion zumindest bis zum Unterschreiten
der Zündgrenze eines Wasserstoff-Sauerstoff-Knallgasgemisches verbraucht wird.
Als Sauerstoff anbietendes Mittel wird ein Metalloxid oder ein Gemisch von Metalloxiden verwendet, dessen
(deren) freie Bildungsenthalpie(n) kleiner ist (sind) als die des Wassers.
Die bei einem solchen Störfall im Reaktorkern verlaufende Reaktion, z. B.
Zr + 2 H2O = ZrO2 + 2 H2
wird mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens durch die Wasserstoff verbrauchende Reaktion
2 H2 + 2 MeO = 2 Me + 2 H2O
(Me = zweiwertiges Metall)
(Me = zweiwertiges Metall)
zu einer Art Kreisprozeß ergänzt. Die Voraussetzung für den Ablauf dieses Vorganges ist, daß das Oxid durch
den freigesetzten Wasserstoff unter den auftretenden Bedingungen reduziert werden kann. Dazu bieten sich
einige Metalloxide an.
Besonders geeignet erscheint Kupferoxid. Es ist bekannt, daß das im sogenannten Kupferturm hergestellte
Kupferoxid bereits bei 120—200°C reduziert wird. Neben
den Oxiden die direkt zu Metall reduziert werden, wie z. B. CuO oder CdO kommen noch höhere Oxide
einiger Metalle in Betracht, die sich leicht zu einem niedrigeren Oxid reduzieren lassen, wie z. B. MnO2
(-Mn3O4), Fe2O3 (-FeO).
Hierdurch wird quasi dem bei einem Reaktorstörfall entstehenden elementaren Wasserstoff Sauerstoff zu
seiner Rückbildung zu Wasser »dosiert« angeboten. Das Angebot über z. B. CuO erfordert nur ein relativ
kleines Volumen. So wären z. B. zur Bindung von 1270 kg H2 (siehe oben KKW Biblis) nur ca. 50 to CuO
ίο erforderlich. Diese CuO-Menge nimmt bei einer Schüttdichte
von 50% der theoretischen Dichte von 6,4 g/cm3 nur etwa 16 m3 ein.
Um eine innige Kontaktierung zwischen dem sauerstoffabgebenden
Stoff (z. B. CuO) und Wasserstoff zu ermöglichen, ist es erforderlich, die sauerstoffabgebenden
Mittel möglichst mit großer Oberfläche, d. h. pulverisiert, bereitzustellen. Bei einem Unfall sollte der aus
der Bruchstelle ausströmende Wasserstoff sofort mit dem sauerstoffabgebenden Mittel in Kontakt kommen.
Um das zu erreichen, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. In einem Fall kann das Druckgefäß und der
Primärkreislauf mit einer doppelwandigen Umhüllung umgeben werden. In die doppelwandige Umhüllung wäre
z. B. CuO unter erhöhtem Gasdruck einzubringen.
Beim Bruch eines Primärteiles (Reaktor-Druck-Behälter und Primärkühlkreis) würde zugleich auch die doppelwandige
Umhüllung zerstört werden und das ausströmende Wasserstoff-Gas und das CuO-Pulver in enge
Berührung kommen. Das Pulver würde zugleich als Trockenlöschmittel wirken, so daß im Teilraum des Gehäuses
in dem die Bruchstelle entstand, keine gefährliche explosive Reaktion stattfinden könnte. Die doppelwandige
Umhüllung müßte nicht notwendigerweise an die Primärteile direkt angeschlossen sein.
Nach einer anderen Variante läßt sich die Vorratshaltung von sauerstoffabgebender Substanz in einer Art
Trockenlöschpulver-Behälter in den entsprechenden Teilräumen des Reaktors einbringen. Das Herausschleudern
des Pulvers könnte durch den Druckanstieg in den Teilräumen des Reaktors ausgelöst werden. Die
Vorratsbehälter könnten den Raumgrößen angepaßt werden.
Um eine sofortige Oxidation des Wasserstoffs zu bewerkstelligen, müßte die sauerstoffabgebende Substanz
auf entsprechende Reaktionstemperatur gehalten werden; bei CuO etwa 200° C.
In einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden zusätzlich zum Inkontaktbringen des Wasserstoffs mit dem Sauerstoff anbietenden Mittel
dem entstehenden Wasserstoff aus einem Vorratsbehälter ein Inertgas aus der Gruppe Stickstoff, Helium, Argon,
Kohlendioxid zugemischt. Zudem kann dem Sauerstoff anbietenden Mittel und/oder dem Inertgas eine
Löschsubstanz mit antikatalytischer bzw. Inhibitions-Wirkung zugesetzt werden.
Bei entsprechender Auslegung der doppelwandigen Umhüllung bzw. der Vorratsbehälter für die Sauerstoff
anbietenden Mittel könnten die Umhüllung bzw. der Behälter zusätzlich mit unter Druck stehendem Inertgas
(N2, He, Ar, CO2) gefüllt werden. Dadurch würde man
bei einem Bruch eine durch Inertisierung verbessernde Wirkung erreichen und es würde keine ständige Inertisierung
ganzer Räume erforderlich sein.
Der Vorteil des hier beschriebenen Verfahrens zur Wasserstoff-Rekombination liegt in einem sicheren, inhärenten
Druckabbau durch den stets gebunden bereitgehaltenen Sauerstoff. Der Normalbetrieb wird durch
das Verfahren nicht gestört.
Claims (8)
1. Verfahren zur Vermeidung von Gefahren, die bei Störfallen an wassergekühlten Kernreaktoren
oder an Kernreaktoren, bei denen die Notkühlung mit Wasser vorgenommen wird, durch Wasserstoffdruckaufbau
und/oder durch Bildung eines explosiven Gasgemisches entstehen, bei welchem der Wasserstoff
mit Hilfe von Sauerstoff zu Wasser rekombiniert wird, dadurch gekennzeichnet, daß
nach Maßgabe der störfallbedingten Freisetzung von Wasserstoffgas dieses mit einem bei Störfallbedingungen
ausreichend Sauerstoff anbietenden, festen Mittel kontrolliert in Kontakt gebracht wird
und der Wasserstoff mit Hilfe dieses Mittels in einer nichtkettenreaktionsartigen Reaktion zumindest bis
zum Unterschreiten der Zündgrenze eines Wasserstoff-Sauerstoff-Knallgasgemisches
verbraucht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Sauerstoff anbietendes Mittel ein
Metalloxid oder ein Gemisch von Metalloxiden verwendet wird, dessen (deren) freie Bildungsenthalpie(n)
kleiner ist (sind) als die des Wassers.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Metalloxid Kupferoxid (CuO) verwendet
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Metalloxid Mangandioxid (MnO2)
verwendet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Metalloxid Eisen(IIl)-oxid (Fe2O3)
verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Metalloxid Cadmiumoxid (CdO)
verwendet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich zum Inkontaktbringen des
Wasserstoffs mit dem Sauerstoff anbietenden Mittel dem entstehenden Wasserstoff aus einem Vorratsbehälter
ein Inertgas aus der Gruppe Stickstoff, Helium, Argon, Kohlendioxid zugemischt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 1 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem Sauerstoff anbietenden Mittel
und/oder dem Inertgas eine Löschsubstanz mit antikatalytischer bzw. Inhibitions-Wirkung zugesetzt
wird.
Priority Applications (3)
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