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Zurichtung von Leder Die Verwendung von Polyacrylsäureestern in Form
von wäßrigen Dispersionen ist bekannt. Sie werden eingesetzt zum Grundieren von
Leder, wobei die physikalischen Echtheitswerte der Zurichtung schleeht sind, so
daß die Leder anschließend mit einer reibfestenÄppretur, z.B. auf Basis Kasein oder
Nitrozellulose, versehen werden müssen. Auch die Verwendung von Polyacrylsäureestern
in Form von Lösungen in org. Lösungsmitteln, ggf. in Kombination mit Polyisocyanaten,
ist bekannt. Solche Beschichtungen ergeben bei den üblichen Auftragsmengen Lederoberflächen
mit der zu erwartenden Fülle und Abdeckung.
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Auch die Verwendung von Nitrozellulose bei der Lederzurichtung ist
Stand der Technik. Die Nitrozellulose muß durch erhebliche Zusätze von üblichen
Weichmachern weich gemacht werden, um die Knickechtheitswerte von damit ausgerüsteten
Ledern auf ein akzeptierbares Niveau zu bringen. Da jedoch die Knickechtheit und
Zügigkeit von Collodiumzurichtungen auch nach Zusatz von Weichmachern immer noch
als mäßig zu beurteilen ist, können in der Praxis nur sehr dünne Aufträge auf das
Leder erfolgen, in der Regel als Schlußappretur für wässrig grundierte Leder.
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Die Abdeckung der Leder ist auch bei relativ hohen Auftrag mengen
als mittelmäßig zu bezeichnen.
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Ebenfalls Stand der Technik ist die Verwendung von Polyurethanen zum
Beschichten von Leder. So verwendet man organische Lösungen von Polyestern oder
Polyesteiurethanen zusammen mit Polyisocyanaten z.B. zur Herstellung von Lackleder.
Werden dabei zur Erzielung einer guten Wirkung relativ niedermolekulare Polyurethane
mit guter Löslichkeit in Form von konzentrierten Aufträgen auf das Leder gebracht,
beansprucht die Vernetzungsreaktion mit den isocyanatgruppenhaltigen Härtern eine
so lange Zeit, daß erst nach mehreren Stunden trockene, stapelfähige Leder vorliegen.
Ein guter Abschluß und eine gute Fülle des Leders werden dann erhalten, wenn man
so viel Substanz auf das Leder aufbringt, daß Schichtdicken von 20-300/u erreicht
werden.
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Durch solche dicken Schichten vernetzter Folyurethane wird der Ledercharakter
nicht unerheblich verändert. Die Leder werden erhärtet und im Griff plastikartig.
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Auch der Zusatz von Nitrozellulose zu solchen Systemen ist bekannt.
Hierdurch wird der Verlauf gefördert, die Flexibilität der erhaltenen Filme nimmt
jedoch stark ab. Abschluß und Fülle der Lederbeschichtung wird dabei praktisch nicht
verbessert.
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Es wurde nun überraschend gefunden, daß man Lederbeschichtungen erbält,
die in relativ geringen Mengen aufgetragen eine hervorragende Abdeckung und vorzügliche
Echtheiten des Leder3 ergeben, ohne daß der natUrlidhe., weiche, geschmeidige Ledergriff
verloren geht, wenn man zur Zurichtung der Leder Lösungen in organischen Lösungsmitteln
spezieller Kombinationen aus Polyurethanen, Nitrozellulose, Polyacrylatharzen und
gegebenenfalls Polyisoeyanaten verwendet.
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Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit die Verwendung von
Lösungen in organischen Lösungsmitteln von Kombinationen aus:
a)
Polyurethanen und/ode. Polyharstoffen mit endständigen Hydroxyl- bzw. Aminogruppen
ode endständigen Isocyanatgruppen des Molekulargewichtsbereichs 1 000 bis 200 000,
hergestellt durch Umsetzung von endständigenHydroxyl- oder Aminogruppen aufweisenden
Verbindungen des Molekulargewichts 500 bis 20 000 mit Polyisocyanaten' gegebenenfalls
unter Mitverwendung von Kettenverlängerungsmitteln mit einem Molekulargewicht von
unter 500, b) 20 bis 1 000 Gewichtsprozent, bezogen auf die Polyurethane bzw. Polyharnstoffe
an ggf. Weichmacher enthaltenlerNitrozellulose, c) 10 bis 1 000 Gewichtsprozent,
bezogen auf die Polyurethane bzw. Polyharnstoffe an Polyacrylatharzen des Molekulargewichtsbereichs
15 000 bis 5d0 000, d) ggf. Polyisocyanaten und e) ggf. den üblichen Hilfsstoffen
wie Beschleunigern, Stabilisatoren, usw.
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zur Zurichtung von Ledern.
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Die Herstellung der unter a) genannten Polyurethane bzw. Polyharnstoffe
erfolgt nach den bekannten Verfahren der Polyurethanchemie, durch Umsetzung von
endständige Hydroxyl- bzw. -Aminogruppen aufweisenden höhermolekularen Verbindungen
mit Polyisocyanaten, gegebenenfalls in Gegenwart von niedermolekularen Kettenverlängerungsmitteln.
Dabei können die Mengenverhältnisse der Reaktionspartner entweder so gewählt werden,
daß endständige Hydroxyl- bzw. Aminogruppen aufweisende Polyaddukte erhalten werden,
oder auch so , daß isocyanatendständige Polyaddukte erhalten werden. Die in den
erfindungsgemaß zu verwendenden Kombinationen eingesetzten Polyurethane bzw. Polyharnstoffe
weisen
Molekulargewichte vo 1 000 bis 200 000 auf. Bevorzugt .werden
entweder endständige Hydroxyl- bzw. Aminogruppen aufweisende Polyaddukte des Molekulargeichtsbereichs
5 000 bis 200 000, insbesondere 15 000 bis 80 000, oder endständige Isocyanatgruppen
aufweisende Polyaddukte des Molekulargewichtsbereichs 1 00Ö bis 50 000, insbesondere
2 000 bis 20 000, eingesetzt.
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Bei der Herstellung der Polyurethane bzw. Polyharnstoffe können beliebige,
mindestens zwei Hydroxyl- und/oder Aminogruppen aufweisende Verbindungen des Molekulargewichtsbereichs
500 bis 20 000, bevorzugt 1 000 bis 3 000, eingesetzt werden. Beispiele für derartige
Verbindungen sind die in der Polyurethanchemie bekannten Polyester, Polyesteramine,
Polyäther, Polythioäther, Polyacetale, welche gegebenenfalls bereits Urethangruppierungen
enthalten, oder auch endständige Hydroxyl- oder Aminogruppen aufweisende Polysiloxane.
Bevorzugt werden Polyester aus aliphatischen Diolen und aliphatischen Dicarbonsäuren,
wie z.B.
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Polyester aus Adipinsäure und einem Glycol, wie Athylenglycol, Diäthylenglycol,
Hexamethylendiol, 2,2-Dimethylpropandiol-1,3, usw., eingesetzt.
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Als Polyisocyänatkomponente können die in der Polyurethanchemie bekannten
Polyisocyanate, wie z.B. Toluylendiisocyanate, 4,4'-DBeocyanatodiphenylmethan, Hexamethylendiisocyanat
usw., eingesetzt werden.
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Als gegebenenfalls mitzuverwendende Kettenverlängerungsmittel mit
einem Molekulargewicht unter 500 können beliebige, mindestens zwei Hydroxyl- und/oder
Aminogruppen aufweisende Verbindungen eingesetzt werden. Bevorzugte Kettenverlängerungsmittel
sind Xthylenglycol, Diäthylenglycol, Tetramethylendiol, Hexamethylendiol oder auch
höherfunktionelle Alkohole wie rimethylolpropan.
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Polyurethane, das heißt Polyaddukte aus Polyisocyanaten und mehrwertigen
Hydroxylverbindungen, werden bei der Herstellung der erfindungsgemäß zu verwendenden
Kombinationen gegenüber den Polyharnstoffen bevorzugt.
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Als unter b) genannte Nitroverbindungen sind die handelsüblichen Collodiumwollen
einzusetzen. Der Viskositätsgrad der Wollen kann von niedrigmolekular bis zu hochmolekular
reichen.
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Die in handelsüblichen Collodiumchips enthaltenen Weichmacher wirken
sich dabei nicht störend aus.
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Bei den unter c) genannten Acrylatharzen handelt es sich um Mischpolymerisate
des Molekulargewichtsbereichs 15 000 bis 500 000, vorzugsweise 25 000 bis 100 000,
die zu mehr als fünfzig Gewichtsprozent aus Estern der Methacrylsäure bzw. Acrylsäure,
mit einwertigen aliphatischen Alkoholen, au&ebaut sind.
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Derartige Ester sind insbesondere die Ester der genannten Säuren mit
aliphatischen einwertigen Alkoholen, mit 1 bis 12, vorzugsweise 1 bis 4 Kohlenstoffatomen,
wie z.B. Acrylsäuremethylester, Acrylsäureäthylester, Acrylsäurepropylester, Acrylsäurebutylester,
Methacrylsäureisobutylester, Methacrylsäureäthylester, Methacrylsäurebutylester
usw. Außer diesen genannten Estern können bei der Herstellung der Acrylatharze Komonomere,
wie z.B. Acrylsäure bzw. Methacrylsäure in Mengen von 0,2 bis 10 Gewichtsprozent,
Acrylnitril in Mengen bis etwa 20 Gewichtsprozent, Hydroxyl--oder Amidgruppen aufweisende
Ester der genannten Säuren in Mengen bis zu 10 Gewichtsprozent, sowie außerdem Vinylverbindungen
wie Vinylacetat, Styrol oder Vinylhalogenide, mitverwendet werden.
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Bei den gegebenenfalls mit einzusetzenden unter d) genannten Polyisocyanaten
handelt es sich um die in der Polyurethanchemie bekannten Verbindungen, insbesondere
Jedoch solche mit niederem Dampfdruck, wie z.B. Dimerisations- und rimerisationsprodukte
von
mehrfunktionellen al-ßhatischeb und/oder aromatischen Isocyanaten wie Toluylendiisocyanat
oder Toluylendiisocyanat mit Hexamethylendiisocyanat, das Additbrsprodukt von drei
Mol 2,4-Toluylendiisocyanat an ein Mol Trimethylolpropan, Tri-(4-Isocyanatophenyl>iiophosphorsäureester,das
aus Hexamethylendiiaoeyanat und Wasser zugängliche Biurettriisocyanat oder auch
technische Polyisocyanatgemische, wie sie bei der Phosgenierung von Anilin-Formaldehyd-Kondensaten
erhalten werden.
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Bei den unter e) genannten Hilfsmitteln handelt es sich um Katalysatoren,
wie z.B. die NCO/OH-Reaktion beschleunigende tertiäre Amine, Blei- oder Zinnverbindungen
usw., die Glanzwirkung verändernde F5llmittel, wie z.B. Kieselsäure, Aluminiumsilkate,
Talkum, Kieselgur, Metallsalze von Fettsäuren usw., sowie die üblichen Verlauf-,
Netzwirkung, Haftung usw. günstig beeinflussenden Zusatzstoffe.
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Die unter b) genannte Nitrozellulose wird in Mengen von 20 bis 1 000,
vorzugsweise 30 bis 200 Gewichtsprozent, bezogen auf die Polyurethane bzw. Polyharnstoffe,
eingesetzt.
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Die unter c) genannten Acrylatharze werden in Mengen von 10 bis 1
000 Gewichtsprozent, vorzugsweise 20 bis 300 Gewichtsprozent bezogen auf die Polyurethane
bzw. PolyharnstoIfe, eingesetzt, Geeignete Lösungsmittel für die Komponenten a)
bis e) sind insbesondere beliebige, keine gegenüber Isocyanatgruppen reaktionfähige
Gruppen aufweisende Lösungsmittel, wie Aceton, Methyläthylketon, Methylisobutylketon,
Diisobutylketon, Tetrahydrofuran, Essigsäureäthylester, Essigsäurebutylester, Methyl-
bzw. thylglycolacetat, Dimethylformamid, Methylen-, Äthylen- und Propylenchlorid,
aromatische Kohlenwasserstoffe usw.
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Die Menge an Lösungsmitteln wird im allgemeinen so gewählt, daß die
Lösungen rührbar sind und keine Tendenz zur Ausbildung von Gel-Klümpchen zeigen.
Unter "Lösung" werden in diesem Zusammenhang bevorzugt Kolloidanteile enthaltende
flüssige organische
Systeme verstanden, in denen unlösliche Komponenten,
wie z.B. Füllstoffe dispergiert enthalten sein können. Auch bei Abwesenheit unlöslicher
Komponenten können gelegentlich Trübungen auftreten, die die guten Eigenschaften
der Zurichtung ~ jedoch nicht beeinträchtigen.
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Die Beschichtung, bzw. Zurichtung von Synthese oder Naturleder erfolgt
bei ausschließlicher Verwendung der beschriebenen Kombinatlonen entweder In einem
oder mehreren Aufträgen. In letzterem Fall sind die ersten Aufträge als Grundierungen
anzusehen und können dann dem vorliegenden zu beschichtenden Material hinsichtlich
Fülle und Abschlußwirkung wie auch hinsichtlich Weichheit angepaßt werden. Dies
kann durch Variation der Ponzentration der anzuwendenden Lösung oder durch Variation
des Verhältnisses der weicheren Acrylatkomponente 7,u der härteren Nitrocellulosekomponente
geschehen.
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Als Grundierung angewandt bietet die beanspruchte Kombination eine
sehr gute Haftfestigkeit anderer Polyurethan-Beschichtungen.
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Neben den erfindungsgemäß zu verwendenden Kombinationen Können auch
wäßrige Zurichtmittel mitveiwendet-werden. So können bei spielsweise die beschriebenen
Zubereitungen auf in üblicher Weise narbenverfestigend grundierte Leder aufgebracht
werden.Die Kombinationen können auch als Schutzschicht auf nichtpigmentierten gefarbten,
sogenannten Anilinledern, die ggf. mit Polymerisatdispersionen als Grundierungen
behandelt werden, aufgebracht werdeli, wobei sie vor allem die Wasserfestigkeit
und die Schmutzresistenz dieser sehr empfindlichen Lederart verbessern.
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Der Griff der Beschichtungen mit den beanspruchten Kombinationen kann
beliebig durch Mitverwendung natürlicher, halbsynthetischer oder synthetischer nieder-
oder hochmolekularer Verbindungen, wie z.B. Caprolactam, natürliebeoder synthetsche
Wachse, Naturharze, in organischen Lösungsmittela lösliche Polymerisate, Silikonöle
und Alkohole mit einer längeren Kohlenwasserstoffkette, mit einer Kettenlänge von
8-20C-Atomen, beeinflußt werden. Verlauf, Netzwirkung und Haftung der beanspruchten
Kombinationen können außer durch den Verdünnungsgrad und durch Zusätze von in organischen
Lösungsmitteln löslichen Netzinitteln, wie z.B. Silikonöle, durch die Art der LUsungsmittel,
d.h. durch deren Lösevermögen, Siedepunkt, Verdunstungszeit, beeinflußt werden.
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fler Auftrag der erfindungsgemäß zu verwendenden Zubereitungen erfolgt
nach den in der Praxis üblichen Auftragemethoden für organisch gelöste Substanzen
mittels Ltlftspritzpistole, Airless-Spritzpistole, Gießauftrag durch eine Gießmaschine,
durch Auftragswalzen oder Rakeln oder auch nach dem Umkehrverfahren. Ein Bügeln
zwischen den Aufträgen und am Schluß mit Fotations- oder hydraulischen Pressen bei
dafür üblichen Temperaturen verbessert die Glätte und den Abschluß der Leder. Die
Trocknung der einzelnen Aufträge kann bei normaler oder bis zu einer 150°C erhöhten
Temperatur in Trockenkammern oder Trockenkanälen erfolgen. Die Auftragsmengen für
Beschichtungen mit den beanspruchten Zubereitungen liegen ae nach SaugPähigkeit
des Leders und je nach gewünschtem Effekt normalerweise zwischen 5 und 50 gr 2 pro
m Herstellung der Ausgangskomponenten Herstellung der Ausgangskomponenten a) A 1
710 Gew.-Teile eines Polymischesters aus Adipinsäure und 1,6-Hexandiol/2,2-Dimethylpropandiol-(1,3),
Glykolverhältnis 22:12, Molekulargeiwcht 2 000.
| 30 Gew.-Teile 01113 cit3 Cm3 3 |
| HO»CH2-Si-O- -Si-0- -S12-0112-0H |
| CH3 CH3 120113 |
| 12 |
220 Gew.-Teile Diphenylmethan-4,4'-diisocyanat 40 Gew.-Teile 1,4- Butandiol A 2
936 Gew. -Teile einer Polyestermischung aus gleichen Teilen eines Polyesters aus
Adipinsäure und Xthylenglycol und eines Polyesters aus Adipinsäure und Diäthylc-nglyc'ol,
Molekulargewicht jeweils 2 000.
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68 Gew.-Teile 2,4- und 2,6-Toluylendiisocyanat,Isomerengemisch 65:32
4 Gew. -Teile Trimethylolpropan A 3 1 000 Gew.-Telle eines Polyesters aus Adipinsäure
und 1,6-Hexandiol, Molekulargewicht 7 000.
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73 Gew.-Teile 2,4-und 2,6-Toluylendiisocyanat 4 Gew.-Teile Trimethylolpropan
Die Umsetzung der Reaktionskomponenten kann nach den beiden nach stehend beschriebenen
Verfahren durchgeführt werden: a) Einstufenverfahren (für A 1) hin wasserfreies
Gemisch des Polyesters und Organosiloxans sowie Glykols wird mit dem Diisocyanat
so umgesetzt, daß die Reaktionstemp.ratur möglichst 16000 nicht überschreitet (ein
bis drei Stunden), bis der Gehalt an freiem Isocyanat unter 0,3% liegt. Das Polyurethan-wird
nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur granuliert und gelöst.
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T) Zweistufenverfahren (für A 2 und A 3) Man setzt zuerst Polyester
und Polyisocyanat bei Temperaturen bis etwa 1400C um und anschließend das Verlängerullgsmittel.
Sonst verfährt man wie unter a).
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1000 Gew.-Teile Polyurethan-Granulat A 1, A 2 oder A 3 werden unter
reinem Stickstoff allmählich in 9 000 Gew. -Teilen Methyläthylketon gerührt. Die
Lösung kann in einem V2A- oder Porzellankessel vorgenommen werden. Nach zwei-, bis
vierstündigem Rühren unter Rückflußkochen bildet sich eine einheitliche "Losung"
der schwach verzweigten und/oder vernetzten Polyurethane A 1 bis A 3.
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Herstellung der Ausgangskomponenten c ) Obgleich prinzipiell viele
Lösungsmittel wie Aceton, Methyläthylketon, Benzol usw. geeignet sind,wird bevorzugt
Athylacetat als Lösungsmittel verwendet. Die radikalische Polymerisation der Monomeren
kann mit verschiedensten Aktivatoren, wie Peroxyden, etwa Benzoylperoxid oder auch
Azoverbindungen, eingeleitet werden. Hier sei z.B Azodiisobutyronitril als Aktivator
verwendet.
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Prinzipiell löst man die Monomeren im Lösungsmittel, fUgt den Aktivator
hinzu und erwärmt unter Rühren auf die Polymerisationstemperatur, bevorzugt 65-8500.
Nach ca, 10 h wird abgekühlt und die entstandene Polymerisatlösung ggf. auf den
gewünschten Feststoffgehalt verdünnt bzw. direkt der Verwendung zugeführt.
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Die in den folgenden Beispielen verwendeten Acrylpolymeren haben folgende
Zusammensetzung: Beispiel Nr.: Acrylsäure Oxypropylme thacrylat Äthylacrylat Butylacrylat
Vinylacetat Durchsclmittliches Molekulargewicht ( 10³)
| 1 23 4 5 |
| 1 | 4 | - | 2,5 | 3 |
| 4 - 3 2,5 3 |
| 35 96 67 95 94 |
| i0 |
| - - 20 - - |
| 0 70 55 95 80 |
Beispiel 1 Ein mit Anilinfarbstoff im Paß vorgefärbtes Rind- oder Kalbnarbenleder
mit Chromgerbung wird mit einem Grundierungsansatz aus 150 Gew.-Teilen einer für
Lederzurichtungen handelsüblichen wäßrigen Polymerisatdispersion mit 40% eines Mischpolymerisates
aus Butadien und Acrylnitril, 30 Gew.-Teilen eines handelsüblichen weichgemachten
Daseinglanzes und 820 Gew.-Teilen Wasser durch Plüsch- oder Spritzauftrag grundiert.
Auf das so grundierte "Anilinleder" wird der nachsteaend aufgeführte Appreturansatz
durch Spritz- oder Gießauftrag aufgebracht: 60 Gew.-Teile einer 20%igen Lösung des
Polyurethanes | A2 in Äthylacetat
100 Gew.-Teile einer 10%igen
Lösung von handelsüblicher Collodiumwolle in Äthylacetat, die als 6%ige Lösung in
Butylacetat 98/100%ig eine Viscosität von 5000 c. P. hat 60 Gew:-Teile einer 20%igen
Lösung von Polyacrylsäureester in Äthylacetat gemäß Herstellungsbeispiel 1 765 Gew.-Teile
eines Verdünnergemische aus thylacetat, Butylacetat, Cyclohexanon und Toluol 15
Gew.-Teile einer 75%igen Lösung eines noch Diisocyanatgruppen enthaltenden Umsetzungsproduktes
aus Trimethylolpropan und Diisocyanatotoluol.
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Nach einigen Minuten Trocknung resultiert eine seidenglänzende Beschichtung,
die das natürliche aussehen des gefärbten .I.eders nicht beeinträchtigt, die jedoch
dessen Empfindlichkeit gegen Nässe und Schmutz beseitigt. Das in der beschriebenen
Weise be handelte Anilinleder besitzt hervorragende Echtheitseigenschaften, vor
allem hinsichtlich der Reib- und Stoßechtheit.
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Beispiel 2 Ein in üblicher Weise gegerbtes und gefärbtes Lammfelleder
für Handschuhzwecke wird mit folgender Flotte, in einem Spritzauftrag zugerichtet.
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70 Gew.-Teile einer 30%igen Lösung in Äthylacetat eines Polyurethans
, das nach Beispiel Al hergestellt worden ist.
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100 Gew.-Teile einer pigmentierten Collodiumlösung in Butylacetat
lut einem Festgehalt von 13% Nitrocellulose, die als 14%ige Lösung in Butylacetat
98/100%ig eine Viscosität von 5000 c.P. hat.
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70 Gew.-Teile einer 2Q'tigen Lösung eines Polyacrylsäureesters in
Athylacatat gemäß Hrestellungs-385 Gew.-Teile Äthylacetat beispiel 2 350 Gew.-Teile
Butylacetat 25 Gew.-Teile einer 50%igen Lösung eines i socyanatgruppenhaltigen Härters
vom Typ des Handelsproduktes Desmodur KL der Farbenfabriken Bayer.
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Man erhält auf diese Weise ein weiches, geschmejaiges, sich samtartig
anfühlendes Leder mit gleichmäßiger Farbe, das schmutzabweisend ist und auch beim
starken Verdehnen des so zugerichteten keine keine Risse der Zurichtschicht aufweist.
Bei einem abschließenden Abbügeln des Leders wird die Glätte noch weiter verbessert.
Wird die Zurichtung ohne Polyacrylsäureester, also nur mit dem Polyurethan, der
Nitrocellulose und dem Härter vorgenommen, resultiert ein Leder, das deutlich weniger
und vor allem unegaler abgedeckt ist und statt des samtartigen weichen Ledergriffes
einen härteren, weniger natürlich wirkenden Griff aufweist.
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Beispiel 3 Ein nachgegerbtes, mit 280er Papier geschliffenes Chromrindleder
wird in üblicher Weise mit einer gut eindringenden, netzu.ngsmittelenthaltenden
Dispersion von Polymerisatbindern narben-.
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festigend imprägniert, getrocknet und mit 400er Schleifpapier azchgeschliffen.
Dieses Leder wird mit folgender Flotte in einem Gieß- oder Spritzauftrag grundiert:
300
Gew.-Teile einer 10%igen Lösung des Polyurethanes A3 in Butylacetat 100 Gew.-Teile
einer pigmentierten, 15% Collodiumwolle enthaltenden Nitrocelluloselösung in Butylacetat/Methyläthylketon
(1:1), die als 22%ige Lösung in Butylacetat 98/100%ig eine Viscosität von 5000 c.P.
hat.
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50 Gew.-Teile einer 30%igen Lösung eines Polycrylsäureesters in Äthylacetat.gemäß
Herstellungsbei-250 Gew.-Teile Äthylacetat spiel 3.
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100 Gew.-Teile Butylacetat 100 Gew.-Teile Toluol Nach dem Trocknen
wird in einer hydraulischen Presse bei 70°C und 200 atü gebügelt oder ein Porennarben
geprägt und anschließend nach Beispiel 1 der Offenlegungsschrift 1 494 845 appretiert.
Das resultierende Leder weist oine Fulle und Egalität auf, die bei Verwendung gleicher
Nengen anderer bisher üblichen Grundierungen nicht in dem gleichen Maße zu erzielen
sind. dahei bleibt das Leder weich und ge8chmeidig.Falls bei der angegebenen Grundierung
der Zusatz der Lösung des Polyacrylsäureesters unterbleibt, ist die Fülle und die
Abdeckung der Lederoberfläche wesentlich verschlechtert. Die Appreturflotte dringt
in dosem Fall deutlich stärker in das darm ungenügend abgeschlosstne Leder ein,
so daß unegal beschichtete und im.Griff merklich härtere Leder resultieren.
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Beispiel 4 Ein für die Fabrikation von Lackleder für Damenschuhe gegerbtes
Leder wird mit 80er Papier geschliffen. Als Grundierungsauftrag wird folgende Flotte
mittels Gießmaschine. aufgebracht: 160 Gew.-teile einer 25%igen Polyurethanlösung
gemäß A3 in Äthylacetat
200 Gew. -Teile einer pigmentierten Collodiumlösung
in Butylacetat mit einem Pestgehalt von 10%, die-als 10%ige Lösung in Butylacetat
98/100%ig eine Viscosität von 5000 c.P. hat.
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270 Gew.-Teile einer 15%igen Lösung eines Polyacrylsäureesters in
Äthylacetat gemäß Herstellungsbei-370 Gew.-Teile Methyläthylketon spiel 4 Nach dem
Trocknen kann das Leder bereits nach 1-2 Stunden bei 70°C und 200 atü gebügelt werden.
Die Fertigstellung zu Knautschlackleder erfolgt durch einen Gießauftrag einer Lackledersurichtflotte,
wie sie z.B. von den Farbenfabriken Bayer empSohlen wird. Nach dem Trocknen des
Lackauftrages wird das Leder in trockenem Zustand in einem Faß mehrere Stunden gewillt,
so daß ein Knautschlackleder entsteht. Die Oberflächenrihe und Fülle der so lackierten
Leder ist ungewöhnlich gut, der Griff weich, die Haftfestigkeit der Lackierung auf
dieser Grundierung und dr gesamten Zurichtung hervorragend. Fülle, Glanz und Weichheit
der Lackleder werden merklich reduziert, wenn die Grundierung ohne -Zusatz des Polyacrylsäureesters
vorgenommen wird.
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Beispiel 5 Bin faßgefärbtes, leicht nachgegerbtes Chromziegenleder
für Be.-kleidungszwecke wird mit den nachstehenden Kombinationen zugerichtet, wobei
sich die beiden nacheinanderfolgenden Aufträge durch Variationen der Verhältnisse
zwischen Polyurethan, Nitrocellulose und Polycrylsäureester in ihrer Härte unterscheiden.
Der erste Auftrag, der mehr Polyacrylsäuro.
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äthylester enthält, ist weicher eingestellt als der zweite, der als
abschließende Schicht die Echtheitseigenschaften noch verbessert.
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1. Auftrag 60 Gew.-Teile einer 15%igen Polyurethanlösung, gemäß A2
in Äthylacetat
40 Gew.-Teile einer pigmentierten Nitrocelluloselösung
in Äthylacetat mit einem Festgehalt von 13% Collodium, welches als 25%ige Lösung
in Butylacetat 98/100%ig eine Viscosität von 5000 c.P. aufweist.
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120 Gew.-Teile einer 15%igen Lösung eines Polyacrylsäureesters in
Äthylacetat gemäß Her-700 Gew.-Teile Methyläthylketon stellungsbeispiel 80 Gew.-Teile
Äthylglykolacetat 1 Spritzauftrag, trocknen, bügeln bei 90°C/50 atü.
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2.Auftrag 125 Gew.-Teile der Polyurethanlösung des 1.Auftrages.
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75 Gew.-Teile einer farblosen Lösung obigen Collodiums in Äthylacetat
mit einem Festgehalt von 13%.
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30 Gew.-Teile einer 20%igen Polyacrylsäureesterlösung in Äthylacetat
gemäß Herstellungsbeispiel 5.
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200 Gew.-Teile Äthylacetat 300 Gew.-Teile Butylacetat 200 Gew.-Teile
Toluol 50 Gew.-Teile Äthylglykolacetat 20 Gew.-Teile eines handelsüblichen isocyanatgruppenhaltigen
Härters (Bayugenhärter 0 der Farbenfabriken Bayer AG) 1 Spritzauftrag, trocknen,
nach Wunsch millen im Faß, schlußbügeln bei 70°C/ 100 atü.
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Die auf diese Weise beschichten Bekleidungsleder zeichnen sich durch
gute Fülle und Egalität und hohe Kratz£estigkeit aus, sie sind farbecht und wasserabstoßend.
Der Griff ist dabei tuchartig weich und angenehm glatt.
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Die in den vorangegangenen Beispielen hergestellten Zurichtungen zeichnen
sich neben einem sehr weichen Griff, bei vorzüglichem optischen Aussehen durch hervorragende
Echtheiten bei der Knickbeanspruchung aus und verleihen dem Leder sehr gute Beständigkeit
in Trageversuchen gegen irreversible Beeinträchtigung der Eigenschaften durch Verschmutzung,
so daß das Leder pflegeleichte Eigenschaften erhält. Darüberhinaus erlaubt die erindungsgemäße
Art der Zurichtung durch die enorme Füllwirkung und De-kkraft die Verwendung geringer
Auftragsmengen, so daß durch den geringeren Substanzverbrauch Kosten eingespart
werden.