DE1549397B2 - Verfahren zur automatischen steuerung chemischer anlagen - Google Patents
Verfahren zur automatischen steuerung chemischer anlagenInfo
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Description
3 4
geordnete Rechner eines Zweirechnersystems die seinem Massenspeicher, einem Trommel- oder Schei-Steuerung
der Verfahrensabläufe durchführt, wirkt benspeicher, verbunden; so Rechner 1 mit seinem
sich der Nachteil des beschriebenen Systems als Ver- Massenspeicher 3 und Rechner 2 mit seinem Massenlust
der Steuerfunktionen aus, was bei dieser Art der speicher 4. Die Datenkanäle 5 und 6 der beiden Rech-Prozesse
mindestens einem Produktionsstopp gleich- 5 ner treffen sich in der Datenfluß weiche 7, in die auch
kommt. der Datenkanal 8 mündet. In dieser Datenflußweiche Die Vorteile der Zweirechnersysteme, die in der erfolgt die Umschaltung der Wege für Informationen
Weiterführung der chemischen Prozesse beim Ausfall und Befehle.
eines Rechners bestehen, zu erhalten und gleichzeitig An dem Datenkanal 8 sind der Leitstand und die
die Nachteile der bisher bekannten Zweirechner- 10 Chemieanlage angeschlossen. Er teilt sich dort in
systeme bei der Anwendung auf diskontinuierliche verschiedene Kanalzweige 10 bis 17 auf. Dabei führt
Prozesse zu vermeiden, ist die Aufgabe der vorliegen- der Zweig 10 zur Anzeige- und Bedienungstafel im
den Erfindung. Leitstand, der Zweig 11 zum Schreibdruckwerk oder Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch ge- zur Schreibmaschine. Die Zweige 12 bis 14 sind Einlöst,
daß vorzugsweise zwei gleiche, mit je einem 15 gänge für analoge Meßwerte, für Rückmeldungen
Massen- und Arbeitsspeicher ausgerüstete Rechner über die Ventilstellungen und für die Meßimpulse
parallel betrieben werden, über eine Datenflußweiche der Volumenzähler. Der Zweig 15 ist Ein- und Ausmit
der chemischen Anlage verbunden sind und jeder gang für die direkte digitale Regelung und die Zweige
Rechner das gleiche Arbeitsprogramm besitzt, wel- 16 und 17 sind Ausgänge für die Ventilsteuerung,
ches entsprechend dem zu betreibenden chemischen 20 wobei über den Zweig 16 nur »Öffnen«/»Schließen«-
Verfahren in Arbeitsprogrammphasen gegliedert ist, Befehle laufen, während der Zweig 17 Analogausdie
in ihrer Gesamtheit das Arbeitsprogramm bilden, gänge für die kontinuierlich zu verstellenden Heizwobei
der chemische Prozeß in Verfahrensschritte und Kühlmittelventile (siehe auch F i g. 2, Position 41
aufgeteilt ist, mehrere Verfahrensschritte zu Verfah- und 43) der jeweiligen Reaktionsbehälter besitzt. Die
rensphasen so zusammengefaßt sind, daß sie dem Ab- 25 Pfeile an allen Datenkanälen zeigen an, in welcher
lauf und den Sicherheitsanforderungen des Prozesses Richtung die Informationen bzw. die Befehle fließen,
gerecht werden und für das Arbeitsprogramm der In die Arbeitsspeicher der Rechner wurde eingege-Rechner
geeignet sind, daß weiterhin wesentliche Ar- ben, daß nur ein Rechner, beispielsweise der Rechbeitsschritte
zu Beginn der Verfahrensphasen stehen, ner 1, als Arbeitsrechner dominiert und die gesamte
jede dieser Verfahrensphasen ohne Schaden für den 30 Regelung, Steuerung und Optimierung des chemischen
chemischen Prozeß wiederholbar ist, die Summe aller Prozesses durchführt und auch die wichtigen Infor-Verfahrensphasen
dem Arbeitsprogramm der Rech- mationen schließlich im Massenspeicher abspeichert,
ner entspricht, der eine Rechner (Arbeitsrechner) die während der andere Rechner als Reserverechner Ie-Anlage
aktiv steuert und regelt, der andere (Reserve- diglich den Prozeß verfolgt, indem er vom Arbeitsrechner) von dem ersten alle Daten über den Pro- 35 rechner über den Datenkanal 5, die Datenflußweiche7
zeßablauf übermittelt bekommt und beim Ausfall des und den Datenkanal 6 die notwendigen Informatio-Arbeitsrechners
zur störungsfreien Weiterführung des nen erhält und seinerseits ebenfalls die wichtigen InProzesses
den Prozeß aktiv übernimmt, indem er die f ormationen in seinem Massenspeicher speichert,
letzte nicht vollständig abgearbeitete Arbeitspro- Der Arbeitsrechner steuert auch die Datenflußgrammphase und somit die ihr entsprechende Ver- 40 weiche, und zwar so, daß einerseits seine Befehle fahrensphase von Beginn an wiederholt. über die Kanäle 5 und 8 in die Chemieanlage, die In-Im Gegensatz zum Stand der Technik werden bei formationen aber an den Leitstand gehen und Rückdem erfindungsgemäßen Verfahren zur automatischen meidungen sowie Meßdaten von der Chemieanlage Steuerung und Regelung vor allem diskontinuierlicher oder sonstige Informationen von dem Leitstand in chemischer Prozesse zwei vollkommen gleiche Rech- 45 den Arbeitsrechner gelangen, und daß andererseits ner verwendet, die zusätzlich zum Arbeitsspeicher mit der Reserverechner über die Kanäle 5 und 6 Inforje einem Massenspeicher ausgerüstet sind und parallel mationen und Daten von dem Arbeitsrechner empbetrieben, so daß jeder der beiden Rechner gleich- fängt.
letzte nicht vollständig abgearbeitete Arbeitspro- Der Arbeitsrechner steuert auch die Datenflußgrammphase und somit die ihr entsprechende Ver- 40 weiche, und zwar so, daß einerseits seine Befehle fahrensphase von Beginn an wiederholt. über die Kanäle 5 und 8 in die Chemieanlage, die In-Im Gegensatz zum Stand der Technik werden bei formationen aber an den Leitstand gehen und Rückdem erfindungsgemäßen Verfahren zur automatischen meidungen sowie Meßdaten von der Chemieanlage Steuerung und Regelung vor allem diskontinuierlicher oder sonstige Informationen von dem Leitstand in chemischer Prozesse zwei vollkommen gleiche Rech- 45 den Arbeitsrechner gelangen, und daß andererseits ner verwendet, die zusätzlich zum Arbeitsspeicher mit der Reserverechner über die Kanäle 5 und 6 Inforje einem Massenspeicher ausgerüstet sind und parallel mationen und Daten von dem Arbeitsrechner empbetrieben, so daß jeder der beiden Rechner gleich- fängt.
zeitig mit den D. D. C.-Aufgaben auch die Steuerungs- Im Normalfall, wenn Rechner 1 als Arbeitsrechner
funktionen erfüllen kann und einen vollständigen Er- 50 voll in Betrieb ist, stellt die Datenflußweiche keine
satz für den anderen Rechner darstellt. direkte Verbindung von der Chemieanlage und dem
Die Abbildungen zeigen eine Ausführungsform des Leitstand zum Reserverechner 2 her. Die Betriebs-
erfindungsgemäßen Verfahrens am Beispiel einer dis- fähigkeit des Arbeitsrechners bzw. des jeweils aktiven
kontinuierlichen Polymerisationsanlage für Polyvinyl- Rechners wird von dem am Datenkanal 8 liegenden
Chloridherstellung. 55 Systemüberwachungselement 9 in Bruchteilen von
F ig. 1 zeigt in Form eines Blockschaltbildes die Sekunden ständig überprüft. Tritt am Arbeitsrechner
Anordnung der Rechner zueinander, zur Chemiean- — Rechner 1 — eine Störung auf, so schaltet das
lage und zum Leitstand; Systemüberwachungselement 9 in der Datenfluß-
Fig. 2 gibt schematisch eine Anlagenreihe einer weiche 7 den Datenkanal 8 mit dem Datenkanal 6
Chemieanlage wieder, die aus einer Dosiereinheit, 60 zusammen, so daß der Reserverechner—Rechner2—
einem Ansatzbehälter und mehreren, unabhängig von- nun als aktiver Rechner voll in Aktion tritt, d. h.
einander betriebenen Reaktionsbehältern besteht; nicht nur die Regelung, der gesamten Chemieanlage,
F i g. 3 zeigt den Verlauf der geregelten Tempera- sondern auch die Steuerungsaufgabe und die Ab-
tür für die Polymerisation des Vinylchlorids in einem speicherung wichtiger Daten übernimmt.
Reaktionsbehälter. 65 Die lückenlose Übernahme der Funktion des Rech-
j Wie aus F i g. 1 zu erkennen ist, arbeiten die Pro- ners 1 durch den Rechner 2 ist deshalb möglich, weil
! zeßrechner 1 und 2 parallel. Jeder Rechner ist durch beide Rechner in ihrem Massenspeicher jeweils voll-
! Verbindungsleitungen — Datenkanäle genannt — mit ständig das ganze Arbeitsprogramm zur Verfügung
5 6
haben und weil die Arbeitsspeicher der beiden Rech- ragt der Temperaturfühler 46 in den Behälter tief
ner in ihren Teilbereichen mit jeweils den gleichen hinein. In der Fig. 2 ist der Rührer mit Ablaßlei-Arbeitsprogrammabschnitten
aus dem Massenspeicher tung und Ablaßventil nicht bezeichnet, die Zuf ühgeladen sind und auch die für die Regelung notwen- rungsleitung für Stickstoff und die Stoppflüssigkeit
digen Meßwerte in gleicher Weise aufgenommen s sind weggelassen.
haben. Das heißt, der Reserverechner — Rechner 2 — Die F i g. 3 zeigt den Verlauf der Temperatur im
verfolgt aufgrund der ständigen Information durch Reaktionsbehälter. Der Rechner beginnt zum Zeit-
den Arbeitsrechner, die in den verschiedenen Reak- punkt t0 mit der Temperaturregelung, indem er über
toren ablaufenden Prozesse und hat damit zu jedem Servomotoren das Heizmittelventil ganz öffnet, um
Zeitpunkt ein vollständiges Bild aller Vorgänge in io den ständig gerührten Ansatz möglichst schnell auf
der Chemieanlage. die Polymerisationstemperatur — in Fi g. 3 mit T50,,
Im vorliegenden Beispiel besteht diese Anlage aus bezeichnet — zu bringen. Die Behältermanteltempe-10
Reihen mit je 8 Polymerisationsreaktoren. Die ratur T0 — in F i g. 3 strichpunktiert gezeichnet —
F i g. 2 stellt eine solche Reihe mit 6 Reaktionsbe- nimmt schnell die Temperatur des Heizmediums an.
haltern dar. Aus den Einsatzstoffen A bis E muß bei- 15 Die Ansatztemperatur T, gemessen mit dem Fühler
spielsweise ein Polymerisationsansatz im Ansatzbe- 46, — in F i g. 3 durchzogen gezeichnet — folgt rehälter
21 hergestellt werden, der dann in einem von lativ träge. Ihr eilt jedoch der DruckP — in Fig. 3
den 6 hier gezeichneten Polymerisationsbehältern 22 gestrichelt gezeichnet — voraus. Da sämtliche Einbis
27 geleitet wird und dort bei der Reaktionstempe- satzstoffe in flüssiger Phase vorliegen, entspricht der
ratur von 40 bis 80° C und dem Reaktionsdruck von 20 Druck P, dem Dampfdruck der heißesten Teilvolu-6
bis 12 ata in der Zeit von 8 bis 34 Stunden poly- mina des Ansatzes. Hat nun der Druck den WertPso;,
merisiert. den Dampfdruck entsprechend der Polymerisations-
Im folgenden sei der allgemeine Ablauf der Steue- temperatur Tsoll zum Zeitpunkt tt erreicht, schließt
rung eines Polymerisationsansatzes skizziert: der Rechner das Heizmittelventil 41 so weit und öff-
Ist der Ansatzbehälter 21 leer und sein Auslaß- 25 net das Kühlmittelventil so weit, daß sich in dem Beventil
28 geschlossen, so läßt der Rechner ent- hältermantel 38 eine konstante Temperatur T0 einsprechend
der verlangten Produkttype nach der in stellt, die um einen vorher gewählten Betrag, z. B.
seinem Massenspeicher vorhandenen Rezeptur durch 7° C, unter dem Wert der Polymerisationstemperatur
Öffnen einzelner Ventile 29 A bis 29£ die flüssigen TsoU liegt; denn die exotherme Polymerisationsreak-Einsatzstoffe
A bis E in den Ansatzbehälter 21 laufen. 30 tion ist bereits angesprungen, und es ist für die
Die jeweiligen Mengen werden durch die entsprechen- späteren Eigenschaften des Produktes ungünstig,
den Volumenzähler 30Λ bis 30£, die Zählimpulse an wenn ein Teilvolumen oder der ganze Ansatz überden
Rechner geben, ermittelt und das jeweilige Ven- hitzt wird, wie das beispielsweise beim Uberschwintil
29 4 bis 29£ nach der vorgegebenen Menge wieder gen der Ansatztemperatur über die gewünschte Polygeschlossen.
Der Ansatz wird nun im Ansatzbehälter 35 merisationstemperatur TsoU der Fall wäre,
durch Rühren homogenisiert. Nachdem der Ansatz zum Zeitpunkt t2 die PoIy-
durch Rühren homogenisiert. Nachdem der Ansatz zum Zeitpunkt t2 die PoIy-
Dadurch, daß der Rechner alle Informationen von merisationstemperatur Tsoll angenommen hat, setzt
der Anlage erhält, weiß er, welcher Polymerisations- der dritte Teil des Temperaturregelprogrammes ein,
behälter 22 bis 27 leer ist, gespült wurde, die Druck- indem der Rechner durch weiteres Schließen des
probe bestanden hat und nun aufnahmebereit für den 40 Heizmittelventils 41 und weiteres Öffnen des Kühlnächsten Ansatz ist. Nehmen wir an, das wäre der mittelventils 43 nach der Art eines Kaskadenreglers
Polymerisationsbehälter 27. Der Rechner öffnet die die Ansatztemperatur T auf dem Wert Tson hält, wo-Ventile
28 und 37, und der Einsatz gelangt in den bei zur Abführung der Polymerisationswärme die BeBehälter.
Der Rechner erhält die Meldung »Ansatz- hältermanteltemperatur T0 entsprechend der strichbehälter
leer«, schließt die Ventile 28 und 37 und be- 45 punktierten Kurve absinkt.
ginnt mit der Regelung des Polymerisationsablaufes Alle Reaktionsbehälter der Anlage werden unab-
im Polymerisationsbehälter 27. hängig voneinander und nach dem soeben am Beispiel
Die Produktgüte wird wesentlich von der genauen des Behälters 27 beschriebenen Programm gesteuert
Einhaltung der vorgegebenen Polymerisationstempe- und geregelt. Das ist deswegen möglich, weil der Ar-
ratur bestimmt. Deshalb wurde ein Temperaturregel- 50 beitsspeicher des Rechners in voneinander unabhän-
programm für diesen exothermen Polymerisations- gige und gleiche Arbeitsbereiche aufgeteilt ist, wobei
prozeß ausgearbeitet. Diese Temperatur-Regelung jedem Reaktionsbehälter ein solcher Bereich zuge-
läßt sich nur mit einem Digitalrechner vorteilhaft ordnet ist.
durchführen, nicht dagegen oder aber nur sehr schwer Der ganze chemische Prozeß — im oben beschrie-
mit konventionellen Reglern. 55 benen Fall die Polymerisation — ist entsprechend
Der Polymerisationsbehälter 27 ist mit einem Heiz-/ seinem Ablauf und seinen Sicherheitsanforderungen
Kühlmantel 38 ausgerüstet. Das Heiz-/Kühlmedium in einzelne Arbeitsschritte aufgeteilt, die in Form von
wird durch eine Umlaufpumpe 39 so schnell umge- Befehlen und Rückmeldeabfragungen, in Form von
wälzt, daß zwischen Ein- und Auslaufstutzen kein Meßergebnissen und Zählimpulsen dem Rechner eingroßes
Temperaturgefälle entsteht. Über die Leitung 60 programmiert bzw. eingegeben werden. Sollte der
40 mit dem stetig verstellbaren Ventil 41 kann dem Rechner den ganzen Prozeßablauf bzw. die ganzen
Heiz-/Kühlmantel 38 ein Heizmedium und über die Prozeßabläufe der vielen angeschlossenen Reaktions-Leitung
42 mit dem ebenfalls stetig verstellbaren behälter aus seinem Arbeitsspeicher — einem Kern-Ventil
43 ein Kühlmedium zugeführt werden. Der speicher — steuern und regeln, so müßte dieser Spei-Ablauf
des Heiz- bzw. des Kühlmediums erfolgt über 65 eher sehr groß sein, was entweder technisch nicht
einen Überlauf, der durch 44 symbolisiert ist. An möglich ist oder die Wirtschaftlichkeit der Anlage in
den Behälter 27 ist ein Druckaufnehmer 45 ange- Frage stellen würde. Es ist bekannt, hierfür den Arschlossen;
zur Messung der Temperatur des Ansatzes beitsspeicher nur mäßig groß auszulegen und dem
Rechner einen Massenspeicher als Scheiben- oder mieden oder falsche Befehle annulliert, die der deTrommelspeicher
zuzufügen. fekte Rechner unmittelbar vor seiner Außerbetrieb-
Mehrere Arbeitsschritte des chemischen Prozesses nähme gemacht haben kann. Nur in Grenzfällen kann
sind zu größeren Einheiten, im folgenden Phasen ge- die kurz vor dem Ausfall in Abarbeitung befindliche
nannt, zusammengefaßt, und die Summe aller Phasen, S Phase nicht wiederholt werden, nämlich dann nicht,
das Arbeitsprogramm, ist im Massenspeicher ge- wenn die Phasengrenze gerade erreicht wurde und der
speichert. Der Rechner übernimmt durch einen ent- Befehl zur Umladung des entsprechenden Arbeitssprechenden
Abfragebefehl eine Phase aus dem Speicherbereiches an den Reserverechner gegeben
Massenspeicher in den Arbeitsspeicher, arbeitet diese wurde.
Phase ab, gibt sie in den Massenspeicher zurück und io Auf diesen Teil des erfindungsgemäßen Verfahrens
übernimmt die nächste Phase vom Massenspeicher in muß bei der Einteilung des chemischen Prozesses in
den Arbeitsspeicher, um diese nun abzuarbeiten. die einzelnen Phasen Rücksicht genommen werden,
Während der Polymerisation speichert der Rechner nämlich diese müssen von jedem Arbeitsschritt aus
die für die Produktqualität und deren Überprüfung wiederholbar sein, und am Ende einer Phase muß
notwendigen Daten im Massenspeicher ab, um ent- 15 ein relativ unwichtiger Befehl stehen, damit, wenn bei
weder in einem bestimmten zeitlichen Rhythmus, Phasenwechsel der aktive Rechner ausfällt und dieser
z. B. alle 24 Stunden, oder auf Abruf mittels des letzte Befehl der vorangegangenen Phase verfälscht
Schreibdruckwerkes ein Protokoll auszudrucken. So wird oder untergeht, der jeweilige Prozeßablauf nicht
wird jedem Ansatz eine Chargennummer gegeben. Es gestört oder fehlgeleitet wird.
werden die tatsächlichen Mengen der verwendeten 20 Für die Wiederholbarkeit ist die richtige Phasen-Einsatzstoffe
registriert; es wird festgehalten, in wel- einteilung wichtig. Beispielsweise sei in groben Zügen
chem Polymerisationsbehälter der Ansatz polymeri- das Arbeitsprogramm vor dem Beschicken eines
siert wird; es wird der Anfang und später das Ende Reaktionsbehälters mit einem neuen Ansatz wiederder
Polymerisation uhrzeitmäßig registriert, und es gegeben. Es erfolgt eine Prüfung des Polymerisationswerden sämtliche Unregelmäßigkeiten für das Proto- 25 behälters auf Überdruck, dann eine Absaugung des
koll gespeichert, damit man später den Fehler ermit- Prüf gases mit Hilfe einer Vakuumanlage und nach
teln kann, wenn das Produkt nicht entsprechend den erfüllten Prüfbedingungen meldet der Rechner,
seiner Spezifikation ausgefallen ist. daß der Polymerisationsbehälter zur Aufnahme eines
Wie oben beschrieben, sind bei dem erfindungsge- neuen Ansatzes bereit ist. Ist im Ansatzbehälter ein
mäßen Verfahren zwei gleichartige Rechner parallel 30 Ansatz vorbereitet, werden die entsprechenden Ven-
geschaltet, wobei einer als Arbeitsrechner die Chemie- tile geöffnet und der Ansatz fließt in den Polymeri-
anlage aktiv regelt und steuert, der andere Rechner sationsbehälter. Dies dauert je nach Produkttyp
den Prozeßablauf mit verfolgt und hierzu wichtige 20 Minuten bis 3 Stunden. Die Phasengrenze muß
Informationen aus der Chemieanlage von dem Ar- hier zwischen der Meldung »Polymerisationskessel
beitsrechner mitgeteilt bekommt. Diese speichert er 35 zur Aufnahme eines neuen Ansatzes bereit« und dem
ebenso wie der Arbeitsrechner auf den vorgesehenen Befehl »Rufe Ansatz vom Ansatzbehälter ab« liegen.
Plätzen im Arbeits- oder Massenspeicher ab. Wäre hier keine Phasengrenze und würde der Arbeits-
Hat nun der Arbeitsrechner eine Phase in einem rechner während der Zeit ausfallen, während der AnArbeitsbereich
— beispielsweise für den Prozeß in satz in den Polymerisationsbehälter läuft, so würde
einem Reaktionsbehälter — abgearbeitet, so meldet 4° der Reserverechner, der immer bei Phasenbeginn
er dies dem Reserverechner. Dieser gibt die gerade einsetzt, anfangen mit dem Befehl »Öffne Vakuumvom
Arbeitsrechner abgearbeitete Phase aus seinem ventil« zwecks Absaugen des Prüfgases. Dieser PoIy-Arbeitsspeicherbereich
an seinen Massenspeicher zu- merisationskessel würde so für lange Zeit ausfallen,
rück und lädt die nächste Phase in den Bereich seines da es geraume Zeit dauert, bis die ganze Menge des
Arbeitsspeichers. Hat er das gemacht, meldet er dies 45 schon in den Behälter gelaufenen Ansatzes verdampft
dem Arbeitsrechner, der nun seinerseits erst die ab- und über die Vakuumpumpe weggefördert worden
gearbeitete Phase in den Massenspeicher zurückgibt, ist, ganz abgesehen davon, daß der wertvolle Ansatz
die nächste in seinen Arbeitsspeicherbereich über- verloren geht und die von der Vakuumpumpe abgenimmt
und sie dann unverzüglich abarbeitet, wäh- gebenen Gase eine Gefährdung darstellen,
rend der Reserverechner bei Phasenbeginn verharrt, 50 Liegt die Phasengrenze hingegen — wie angegees sei denn, Zeitabläufe sind in Gang zu setzen oder ben — richtig, würde bei der Übernahme durch den Informationen zu speichern. Hat nun der Arbeits- Reserverechner und bei damit verbundenen erneutem rechner diese Phase wieder abgearbeitet, lädt auf die Phasenbeginn sich im Prozeßablauf nichts ändern, entsprechende Meldung hin — wie oben beschrie- denn der erste Befehl dieser Phase wäre dann »Öffne ben — erst wieder der Reserverechner seinen Arbeits- 55 Einlaßventil des Polymerisationsbehälters und Ausspeicherbereich auf die nun folgende Phase um, mel- laßventil des Ansatzbehälters« und die entsprechende det dies dem Arbeitsrechner, der dann auch seinen Frage »Ist das Einlaßventil des Polymerisationsbe-Arbeitsspeicherbereich umlädt und die neue Phase hälters und Auslaßventil des Ansatzbehälters offen«, abzuarbeiten beginnt. Da diese Frage bejaht wird, ist der Prozeßablauf
rend der Reserverechner bei Phasenbeginn verharrt, 50 Liegt die Phasengrenze hingegen — wie angegees sei denn, Zeitabläufe sind in Gang zu setzen oder ben — richtig, würde bei der Übernahme durch den Informationen zu speichern. Hat nun der Arbeits- Reserverechner und bei damit verbundenen erneutem rechner diese Phase wieder abgearbeitet, lädt auf die Phasenbeginn sich im Prozeßablauf nichts ändern, entsprechende Meldung hin — wie oben beschrie- denn der erste Befehl dieser Phase wäre dann »Öffne ben — erst wieder der Reserverechner seinen Arbeits- 55 Einlaßventil des Polymerisationsbehälters und Ausspeicherbereich auf die nun folgende Phase um, mel- laßventil des Ansatzbehälters« und die entsprechende det dies dem Arbeitsrechner, der dann auch seinen Frage »Ist das Einlaßventil des Polymerisationsbe-Arbeitsspeicherbereich umlädt und die neue Phase hälters und Auslaßventil des Ansatzbehälters offen«, abzuarbeiten beginnt. Da diese Frage bejaht wird, ist der Prozeßablauf
Fällt nun der Arbeitsrechner während des Ab- 60 wieder an der gleichen Stelle wie vor dem Ausfall des
arbeitens einer Phase bei irgendeinem Arbeitsschritt Arbeitsrechners. Er steht nun vor der Frage »Ist der
aus, so schaltet das Systemüberwachungselement 9 Ansatzbehälter leer«. Erst wenn diese Frage bejaht
die Datenflußweiche 7 um, so daß nun der Reserve- wird, läuft der Prozeß weiter ab.
rechner die ganze Chemieanlage aktiv steuert und War nun ein Rechner ausgefallen, womit etwa alle
regelt. Er fängt hiermit in jedem Falle, also für je- 65 2000 bis 3000 Betriebsstunden, d. h. 4 mal im lahr,
den einzelnen Reaktionsbehälter für alle anderen von zu rechnen ist, und ist er repariert, wird er wieder
ihm übernommenen Anlageteile bei Beginn der je- zugeschaltet. Durch Abfragen des aktiven Rechners
weiligen Phase neu an. Dadurch werden Fehler ver- nimmt der neu zugeschaltete Rechner in alle Bereiche
seines Arbeitsspeichers die Phase auf, die in dem jeweiligen Reaktor gerade abgearbeitet wird. Ferner
läßt er sich alle wichtigen Informationen übermitteln, die zur Zeit im aktiven Rechner gespeichert sind und
speichert sie selbst je nach ihrer Zuordnung an die vorgesehenen Plätze in seinem Arbeits- und/oder
Massenspeicher ab. Hat er so ein vollständiges Bild der Prozeßabläufe und der sonstigen, von dem Rechner
kontrollierten Vorgänge in der Chemieanlage erhalten, dann erst wird unterschieden, ob der Arbeitsrechner
oder Reserverechner wieder zugeschaltet wurde.
Ist der Arbeitsrechner zugeschaltet worden, so macht er die ihm einprogrammierte Vorrangigkeit
geltend, steuert die Datenflußweiche um und übernimmt selbst wieder die aktive Regelung und Steuerung
der Chemieanlage. Den Reserverechner schaltet
er so wieder in den Reservezustand, von wo aus dieser, wie beschrieben, den Prozeßablauf verfolgt.
Ist der Reserverechner wieder zugeschaltet worden, geht er, nachdem er ein vollständiges Bild der Vorgänge
in der Chemieanlage erhalten hat, in den Reservezustand, verfolgt das Geschehen in der Anlage
und ist jederzeit bereit, die volle aktive Führung der ganzen Chemieanlage zu übernehmen, einschließlich
aller Optimierungsrechnungen und der Registrierung, also auch der Funktionen, die bei den herkömmlichen
Zweirechnersystemen bei Ausfall eines Rechners wegfallen,
weil dort der eine in Funktion bleibende Rechner nur noch D. D. C.-Funktionen ausüben kann.
Hierdurch ist mit relativ geringem Mehraufwand für die Rechner und für die Programmierungsarbeit ein
wesentlich sicheres und immer optimal arbeitendes Rechnersystem geschaffen worden.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (5)
1. Verfahren zur automatischen Steuerung und schließend die Heizmittelzufuhr drosselt, die
Regelung von diskontinuierlichen chemischen 5 Kühlmittelzufuhr gleichzeitig so weit öffnet, daß
Prozessen mit Hilfe von digitalen Prozeßrechnern, die Behältermanteltemperatur einen bestimmten
dadurch gekennzeichnet, daß Vorzugs- Wert erhält, welcher um einen gewählten Betrag
weise zwei gleiche, mit je einem Massen- und unter der Reaktionssolltemperatur liegt und, nachArbeitsspeicher
ausgerüstete Rechner parallel be- dem die Temperatur im Innern des Behälters den
trieben werden, über eine Datenflußweiche mit io Reaktionssollwert erreicht hat, diesen Wert durch
der chemischen Anlage verbunden sind und jeder weitere Drosselung der Heizmittelzufuhr und entRechner
das gleiche Arbeitsprogramm besitzt, sprechende Freigabe der Kühlmittelzufuhr konweiches
entsprechend dem zu betreibenden ehe- stant hält, indem er, der Rechner, als Kaskadenmischen
Verfahren in Arbeitsprogrammphasen regler wirkt.
gegliedert ist, die in ihrer Gesamtheit das Arbeits- 15
programm bilden, wobei der chemische Prozeß
in Verfahrensschritte aufgeteilt ist, mehrere Verfahrensschritte zu Verfahrensphasen so zusammengefaßt
sind, daß sie dem Ablauf und den Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automa-Sicherheitsanforderungen
des Prozesses gerecht 20 tischen Steuerung und Regelung diskontinuierlicher, werden und für das Arbeitsprogramm der Rech- chemischer Prozesse mit Hilfe digitaler Prozeßrechner
geeignet sind, daß weiterhin wesentliche Ar- ner.
beitsschritte zu Beginn der Verfahrensphasen In der chemischen Verfahrenstechnik ist man seit
stehen, jede dieser Verfahrensphasen ohne Scha- je her bestrebt, die Prozesse zu automatisieren. Anden
für den chemischen Prozeß wiederholbar ist, 25 fänglich hat man möglichst viele Betriebsbedingungen
die Summe aller Verfahrensphasen dem Arbeits- durch Regler auf den jeweils vorgegebenen Sollwerprogramm
der Rechner entspricht, der eine Rech- ten gehalten. Die Regelkreise waren meist unabhänner
(Arbeitsrechner) die Anlage aktiv steuert und gig voneinander und sollten sich auch möglichst nicht
regelt, der andere (Reserverechner) von dem gegenseitig beeinflussen. Sie konnten folglich auch
ersten alle Daten über den Prozeßablauf über- 30 nicht das Prozeßergebnis — das chemische Promittelt
bekommt und beim Ausfall des Arbeits- dukt — analysieren und auf Grund der Analysenwerte
rechners zur störungsfreien Weiterführung des den Prozeß optimieren, indem beispielsweise die
Prozesses den Prozeß aktiv übernimmt, indem er Sollwerte in bestimmter Weise bei den entsprechendie
letzte nicht vollständig abgearbeitete Arbeits- den Reglern automatisch geändert wurden. Hierzu
programmphase und somit die ihr entsprechende 35 war immer noch das Bedienungspersonal in seiner
Verfahrensphase von Beginn an wiederholt. unpräzisen und unsteten Arbeitsweise notwendig.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch ge- Um den unsicheren Faktor Mensch von seiner die
kennzeichnet, daß der nach einem Ausfall wieder- Produktgüte bestimmenden Funktion im chemischen
eingeschaltete Rechner den prozeßführenden Prozeßablauf — bei kontinuierlichen oder diskonti-Rechner
abfragt, wodurch er ein vollständiges 40 nuierlichen Prozessen — zu entbinden, hat man in
Bild der Prozeßabläufe erhält, und anschließend letzter Zeit elektronische Rechenanlagen — im foldiejenige
Funktion übernimmt, die er vor dem genden kurz Rechner genannt —, besonders die nach
Ausfall gehabt hatte, nämlich die des Reserve- dem Digitalsystem arbeitenden Prozeßrechner, eingerechners
oder die des Arbeitsrechners. setzt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch 45 Um den gesamten Aufgabenbereich möglichst
gekennzeichnet, daß der zu einem Rechner ge- sicher bewältigen zu können, hat man verschiedenthörende
Arbeitsspeicher für jeden Reaktionsbe- Hch zwei Rechner hintereinandergeschaltet, wobei
halter einer chemischen Anlage, die aus mehreren ein Rechner zur direkten digitalen Regelung und
parallel betriebenen Reihen unabhängig vonein- Steuerung (D. D. C. = Direct Digital Control) und
ander arbeitender Reaktionsbehälter besteht, je 50 der zweite Rechner zu übergeordneten Aufgaben, wie
einen Arbeitsbereich besitzt, diese Arbeitsbereiche Optimierung, Steuerung oder Datenverarbeitung hereinander
gleich sind und unabhängig voneinander angezogen wird. Für die übergeordneten Aufgaben
den Prozeßablauf in den ihnen zugeordneten Re- muß er mit mindestens einem Massenspeicher ausgeaktionsbehältern
steuern und regeln. rüstet sein. Fällt der Optimierungsrechner aus, so
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch 55 wird die Anlage von dem D. D. C.-Rechner unbeeingekennzeichnet,
daß die Rechner für jeden Re- flußt weitergefahren. Fällt dagegen der D. D. C. Rechaktionsbehälter
und jede in diesem gefahrene ner aus, und das kann bei diesen komplizierten elek-Charge
die wichtigsten ausgewählten Prozeßdaten tronischen Rechenanlagen alle 2000 bis 3000 Bein
ihren Massenspeichern abspeichern und daß triebsstunden vorkommen, so muß der Optimierungsder
aktive Rechner entweder nach Aufforderung 60 rechner die Regelung der Chemieanlage als D. D. C-
oder in bestimmten zeitlichen Abständen diese Rechner übernehmen und damit seine eigenen AufDaten
über Schreibwerke ausdruckt. gaben wesentlich oder gänzlich vernachlässigen.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch Der Nachteil eines solchen Zweirechnersystems
gekennzeichnet, daß zur Temperaturführung einer besteht also in der gegebenen Wahrscheinlichkeit, die
exothermen Reaktion in flüssiger Phase mit einer 65 Optimierung und die Datenverarbeitung während der
hohen Starttemperatur der aktive Rechner zum Prozeßführung vollständig oder zumindest zu wesent-Starten
der chemischen Reaktion im jeweiligen liehen Teilen zu verlieren.
Reaktionsbehälter den Behälter durch Öffnen der Da bei den diskontinuierlichen Prozessen der über-
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