DE10018213A1 - Verfahren zur Fraktionierung von öl-und lecithinhaltigen nativen Rohstoffen - Google Patents
Verfahren zur Fraktionierung von öl-und lecithinhaltigen nativen RohstoffenInfo
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Abstract
Bei einem Verfahren zur Fraktionierung von öl- und lecithinhaltigen nativen Rohstoffen, aus einem nativen Rohstoff als Ausgangsstoff, wird dieser zerkleinert, sofern er nicht bereits in zerkleinerter oder flüssiger Form vorliegt, mit Wasser und Lösemittel und ggf. Hilfsstoffen vermischt, unter Druck homogenisiert und zentrifugal entölt/entfettet und dabei im wesentlichen in eine Ölfraktion sowie eine Nicht-Ölfraktion aufgeteilt. Daraufhin wird aus der Nicht-Ölfraktion durch Zugabe von weiterem Wasser und/oder polarem Lösemittel und/oder von Hilfsstoffen in einem oder in mehreren Schritten eine Phase aus vorzugsweise polaren Ölbegleitstoffen, insbesondere Lecithine enthaltend, wenigstens einfach oder mehrfach zentrifugal extrahiert.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Dieses Verfahren zielt auf die Gewinnung von Triglyceriden mit unpolaren Ölbegleit
stoffen wie Vitaminen, Farbstoffen, Terpenen und Anteilen von Sterolen . . . und minde
stens einer weiteren Fraktion aus polaren Ölbegleitstoffen (Lipoiden, insbesondere den
Polarlipiden (Phosphorlipiden oder allg. Lecithinen) aus natürlichen fetthaltigen Zellen
ab. Dieses Verfahren soll derart schonend verlaufen, daß weitere Wertfraktionen wie
die Proteine in ihrer Mehrheit nicht irreversibel zerstört werden. Ein wesentliches Ziel
dabei ist, aus einem entölten, d. h. deutlich an Triglyceriden reduziertem, nativem Zwi
schenprodukt Lecithin zu gewinnen.
Um Phosphorlipide (Lecithine, Kephaline, Phospholidylsäure etc., allg. Polarlipide
oder im nicht streng wissenschaftlichen Sinn auch Lecithine) zu gewinnen, ist entwe
der der Rohstoff so zu entölen, daß im extrahierten Rohöl das Lecithin enthalten ist,
aus dem es dann mit Hilfe von "Degumming"-Verfahren abgetrennt wird (z. B. Soja)
oder aber es ist zuerst nur das Öl/Fett ohne Lecithin zu extrahieren und anschließend
aus der entölten und getrockneten Feststoffsubstanz das Lecithin zu extrahieren (z. B.
Ei)
Als Verfahren hierzu sind solche bekannt, die auf dem Prinzip der Lösemittelextrakti
on, z. B. mit Hexan, basieren. Aus der Miscella oder aus der Rohölphase werden die
Lecithine ggf. sauer oder basisch (physikalischer oder chemischer Degumming-
Prozess), abgetrennt. Der entölte und lecithinfreie Feststoff ist nach der Lösemittelex
traktion verändert, d. h. die Proteinlöslichkeit hat abgenommen, der native Anteil ist
deutlich reduziert.
Andere Extraktionsverfahren basieren auf der Unlöslichkeit von Lecithinen in Azeton.
Damit werden zur Ölextraktion azetonhaltige Extraktionslösemittel verwendet, um Öl-
bzw. fettfreie, aber lecithinhaltige Zwischenprodukte herzustellen, aus denen dann,
nach einer Trocknung, mittels Ethanol-Benzol-Gemischen oder Ethanol-Petroläther
die Lecithine extrahiert werden.
Dabei gilt der Grundsatz, je polarer das Lösemittel bei der Lösemittelextraktion ist,
also je polarer die Miscella ist, desto mehr Lipoide, zu denen die Phospholipide (Le
cithine) zählen, werden extrahiert. (Schorlemmer: Handbuch der Lebensmittelchemie,
Teil: Heimann: Fette und Lipoide, S. 419, 5. Z. v. u.)
Ein weiteres Verfahren zur Gewinnung von lecithinhaltigen Ölen ist das Preßverfah
ren, bei dem ebenso wie bei den Extraktionsverfahren für das Rohöl die "Degum
ming"-Prozesse Anwendung finden.
Es ist ferner ein Verfahren zur Gewinnung von nicht-wasserlöslichen, nativen Pro
dukten aus nativen Stoffgemengen mit Hilfe der Zentrifugalkraft bekannt (Patent EP 0 776 356 B1),
das sog. FRIOLEX-Verfahren, bei dem unter Zugabe von wässrigen Al
koholen aus nativen Rohstoffbrei in einem Schritt zentrifugal eine Ölphase gewonnen
wird. Das Verfahren basiert auf der Emulsionsbrechung mittels Alkohol (Methanol,
Ethanole, Propanole oder Buthanole). Oberhalb einer freien wässrigen Phase, in der
die spezifisch schweren Feststoffe suspendiert sind, kann eine Ölphase (nicht wasser
lösliches natives Produkt) abgeschleudert werden, wobei zwischen beiden Phasen eine
scharfe Trennlinie (Spiegel) ausgebildet wird. Ferner wird bei diesem Verfahren der
Rohstoffbrei, bevor er in das Zentrifugalfeld gebracht wird, gerührt und geknetet und
für einige Zeit, zur Einstellung des Verteilungsgleichgewichtes, bei erhöhter Tempe
ratur gehalten. Erhöhte Temperatur heißt hier beispielsweise 50-80°C, jedenfalls un
terhalb der Alkohol-Siedetemperatur.
Für die Gewinnung von Eilecithinen werden technologisch im wesentlichen zwei Ver
fahren angewendet:
- a) Ölextraktion mittels Aceton, anschließende Feststofftrocknung, Lecithinextraktion aus der Feststoffphase mittels reinem Alkohol
- b) Öl-Lecithin-Extraktion mittels reinem Alkohol aus getrocknetem Eipulver und an schließende Azetonausfällung der Lecithine aus der Ölphase
Beiden Verfahren ist gemeinsam, daß eine Trocknungsstufe integriert ist, wodurch
eine Schädigung der Proteine erfolgt.
Die Alkohol- bzw. Acetonkonzentrationen liegen hier bei über 80%. Es handelt sich
um Lösemittelextraktionsverfahren in beiden Stufen (ÖL- und Lecithingewinnung)
Zusammenfassend existieren somit im wesentlichen folgende Verfahren zur Ölabtren
nung:
- 1. Pressverfahren
- 2. Lösemittelextraktionsverfahren
- 3. CO2-Extraktion
- 4. FRIOLEX
Zur Lecithingewinnung aus Saatenölen dient im wesentlichen das Degumming-
Verfahren.
Als Verfahren zur Lecithingewinnung aus Eigelb sind im wesentlichen bekannt:
- 1. Öl- und Lecithinabtrennung mit anschließender Lecithinausfällung
- 2. Ölabtrennung mit acetonhaltigen Extraktionslösemitteln mit anschließender Lecit hingewinnung aus dem getrockneten Feststoff.
Es entstehen dabei die folgenden Probleme bei der Lecithinabtrennung:
- 1. Rest-Triglyceridgehalt (Fett- oder Ölgehalt im Lecithin)
- 2. Proteindenaturierung
- 3. FFA-angereicherte Phosphatide bei Waterdegumming von FFA-reichen Ölen.
Die Erfindung löst sich von dem vorstehend beschrieben Stand der Technik und geht
einen anderen Weg, insbesondere um ein gut beherrschbares Verfahren zur Gewin
nung von TG angereicherter Lecithinfraktion zu schaffen, ohne die Proteine nachhaltig
zu zerstören
Die Erfindung löst diese Aufgabe durch den Gegenstand des Anspruches 1.
Die schafft ein Verfahren zur Fraktionierung von Öl- und lecithinhaltigen nativen Roh
stoffen, insbesondere Verfahren zur Gewinnung von im wesentlichen reinen Fraktio
nen und/oder Extrakten, vorzugsweise Polarlipiden, Ölen/Fetten und/oder nativen
Proteinen, aus einem nativen Rohstoff als Ausgangsstoff, welcher zerkleinert wird,
sofern er nicht bereits in zerkleinerter oder flüssiger Form vorliegt, mit Wasser und
Lösemittel und ggf. Hilfsstoffen vermischt wird, unter Druck homogenisiert und zen
trifugal entölt/entfettet und dabei im wesentlichen in eine Ölfraktion sowie eine Nicht-
Ölfraktion aufgeteilt wird. Daraufhin wird aus der Nicht-Öl-Fraktion durch Zugabe
von weiteren Wasser und/oder polarem Lösemittel und/oder von Hilfsstoffen in einem
oder in mehreren Schritten eine Phase aus vorzugsweise polaren Ölbegleitstoffen, insbesondere
Lecithine enthaltend, wenigstens einfach oder mehrfach zentrifugal extra
hiert wird.
Dabei enthält der Rückstand die nativen Proteine und ggf. wenigstens eine weitere
Fraktion aus den übrigen Stoffen wie Stärke oder Zellulose.
Als Rohstoffe eignen sich insbesondere Ei, Kakao, Raps, Öl-/fetthaltige Mikroorga
nismen (Biomasse), Leguminosen (Lupine, Soja . . .) und/oder Fisch.
Es bietet sich an, Rohstoffe in Form von Obst oder Gemüse mit einer Schale vor dem
Zerkleinern zu schälen.
Es ist ferner vorteilhaft, daß der zerkleinerte und mit Wasser/Lösemittel versetzte Roh
stoffbrei vorzugsweise unmittelbar vor der zentrifugalen Ölabtrennung bei Über- oder
Unterdruck homogenisiert wird (Überdruck beim Homogenisieren 100 bis 1000 bar,
vorzugsweise 150 bis 350 bar; Unterdruck beim Homogenisieren weniger als 100 mbar).
Bevorzugt erfolgt als erste Fraktionierungsstufe unmittelbar nach dem Homogenisie
ren, ohne Verweilzeit die Abtrennung von Fetten/Ölen, d. h. den Triglyceriden und an
deren unpolaren Stoffen wie Vitaminen, Farbstoffen und Anteilen von Sterolen. Hier
bei wird die Temperatur hierbei so gering wie möglich gehalten, d. h. gerade so hoch,
daß das Öl/Fett flüssig ist (Kakao vorzugsweise ca. 35-40°C) oder fließfähig ist (Ei
vorzugsweise ca. 25-30°C).
Als (polare) Lösemittel eignen sich insbesondere kurzkettige Alkohole wie Methanol.
Ethanole, Propanole, Butanole in der Konzentration von 10 bis 40 Gew.-% der wässri
gen Phase zur Triglycerid-Abtrennung.
Als Hilfsstoffe finden Elektrolyte wie Salze oder Säuren Verwendung.
Die Abtrennung der Öl/Fettfraktion (Triglyceride) erfolgt vorzugsweise ein- oder
mehrstufig im Zentrifugalfeld.
Es ist ferner vorteilhaft, wenn bei einem mehrstufigen Abtrennen der Öl/Fettfraktion
(Triglyceride) der Feststoff nach dem ersten Entölen direkt in die zweite Separations
stufe überführt wird.
Es bietet sich ferner an, daß entöltem Feststoff Wasser und/oder Alkohol zugesetzt
werden, oder Alkohol entzogen und Wasser zugesetzt wird, so daß die Konzentration
von Alkohol in der wässrigen Phase 0 bis 60% beträgt.
Bevorzugt ist die Menge an zugebener Flüssigkeit so hoch, daß sich eine freie Wasser-
Alkoholphase einstellt, mittels der die Polarlipide extrahiert werden.
Vorzugsweise wird der Zwischenproduktbrei auf weniger als 60°C, insbesondere ma
ximal auf bis zu 58°C erwärmt.
Bevorzugt werden ferner die Polarlipide ein oder mehrstufig extrahiert, und zwar ins
besondere im Gegenstrom.
Es bietet sich ferner an, daß das Extraktionsmittel vom Lecithinextrakt verdampft und
kondensiert wird.
Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezug auf die Zeichnung anhand von Ausfüh
rungsbeispielen näher beschrieben. Es zeigt:
Es zeigt:
Fig. 1 ein Flußdiagramm zur Veranschaulichung eines Verfahrens zur Gewin
nung von phosphorlipidhaltigen Fraktionen;
Fig. 2 ein Flußdiagramm zur Veranschaulichung eines Verfahrens zur Fraktio
nierung von Öl- und lecithinhaltigen nativen Rohmaterialien aus Eigelb;
Fig. 3 eine erste Fraktionierungsstufe zur Abtrennung von Ölen und anderen
unpolaren Stoffen;
Fig. 4 eine Fraktionierungsstufe zur Rohölreinigung;
Fig. 5 eine zweite Fraktionierungsstufe zur Gewinnung von Lecithin und nati
ven Proteinen;
Fig. 6 in Tabellenform und in einer Darstellung als Tortendiagrammn die Er
gebnisse eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Fraktionierung von
Eigelb.
Zunächst soll nachfolgend ein Verfahren zur Fraktionierung von Eigelb beschrieben
werden, mit dem auf schonende Weise Triglycerid, eine proteinreiche Lecithinfraktion
und eine proteinarme Lecithinfraktion gewonnen werden können.
Die Erfindung löst sich von dem bekannten Friolex-Verfahren.,
Das Verfahren bzw. der Prozeß kann im wesentlichen in zwei Prozeßstufen unterteilt
werden:
Im ersten Schritt werden Tryglyceride abgetrennt. Da im Eigelb ein Großteil der Lipi
de in der Proteinmatrix als sogenanntes Lipoprotein gebunden vorliegt, muß durch
eine geeignete Vorbehandlung ein möglichst großer Teil des Öls freigesetzt, d. h. durch
Zentrifugation gewinnbar gemacht werden, ohne die funktionellen Eigenschaften der
entölten Phase deutlich zu verändern.
Hierbei spielt die Konditionierung des Eigelbes vor der Dosierung des Alkohols eine
wichtige Rolle. Durch Homogenisation des Eigelbes kann ein Teil des gebundenen
Wassers freigesetzt werden. Dies ist deutlich an durchgeführten Schleuderproben zu
erkennen. Der Homogenisierdruck sollte hierbei zwischen 100 und 600 bar liegen. Die
Verwendung von bereits pasteurisiertem Eigelb führt hierbei zu signifikant schlechteren
Ausbeuten an Triglyceriden. Durch Temperaturveränderungen und durch Verände
rung der Alkoholkonzentration kann der Anteil an Cholesterol und Polarlipiden in der
Triglyceridfraktion beeinflußt werden. Auch durch die Zugabe von geeigneten Elek
trolyten kann die Zusammensetzung und Menge dieser Fraktion beeinflußt werden.
Durch die Verwendung eines Homogenisators unmittelbar vor der Abtrennung der
Triglyceridfraktion im Dekanter konnte die Ausbeute an Triglycerid so gesteigert wer
den, daß kein nennenswerter Anteil an freiem Öl in der Protein/Lecithinphase mehr
gefunden wurde. Eine zweite Stufe zur Abtrennung von Triglyceriden wird somit
überflüssig. Die Gründe für diesen Effekt sind noch nicht vollständig geklärt. Neben
der Verringerung der Viskosität könnte eine temporäre, also reversible physikalische
Veränderung der Protein-Lipidmatrix in der Tertiärstruktur durch die Scherkräfte des
Homogenisators hierbei eine wichtige Rolle spielen.
Konkret wird folgende Verfahrensweise für Eigelb beschrieben, für die sich eine über
raschend gute Abtrennung der Öl- und auch der Lecithinfraktion einstellte:
- 1. Das Eigelb wird homogenisiert. Hier erfolgt ein Zerstören der Zellen. Das Ziel ist,
eine homogene Verteilung aller Komponenten zu erreichen, d. h. ein homogenes
polydisperses Stoffsystem zu schaffen (Protein, Öl, Lipoproteine, kontinuierliche
Phase Wasser . . . .), so daß, wenn wässriger oder reiner Alkohol zugegeben wird,
dieser sich augenblicklich gleich, d. h. auch homogen, verteilen kann, ohne daß lo
kale irreversible Proteindenaturierungen verursacht werden. Die Temperatur ist da
bei so gering wie möglich zu halten, damit möglichst wenig Lecithin in der Ölpha
se gelöst ist. Der Druck sollte vorzugsweise max. 600 bar betragen, um die Quarti
är- und Tertiärstruktur der Proteine, jedoch nicht die Primär- und Sekundärstruktur
zu zerstören. Die Konzentration des Alkoholes lag bei den besten Ergebnissen unter
30%, konkret bei 28%. Eine zu geringe Alkoholkonzentration führt zu großer Pro
teinquellung, so daß die freien, spezifisch kleineren Fettkügelchen im Protein zu
sehr eingeschlossen sind. Der Anteil an Fetten, die in Form von Lipoproteinen ge
bunden sind, wird hier, da er für die Freisetzung der Lecithine nicht störend ist,
nicht weiter betrachtet.
Grundsätzlich gilt, je höher die Alkoholkonzentration, umso stärker ist die Protein kontraktion, aber um so unpolarer ist die wässrige Phase und umso mehr Lecithine sind in der Ölphase gelöst. Es ist daher in wenigen Vorversuchen (Schleudertest) für jeden Rohstoff die geeignete Konzentration und Temperatur zu herauszufinden. - 2. Nach dem Mischen mit wässrigem Alkohol, unter Berücksichtigung der natürli
chen Feuchte des Rohstoffes auf eine entsprechende Endkonzentration in der wäss
rigen Phase von ca. 25-30%, wird die Dispersion erneut homogenisiert. Dabei wer
den die kontraktierten Eiweißmoleküle und die Fetttröpfchen gegeneinander ge
schert. Damit wird die Zwischenschicht zwischen beiden, die an der Oberfläche der
Fettkügelchen vorhandene Lecithinschicht, gestört. Das Öl hat also leichter die
Möglichkeit, als "freie Phase" in der Dispersion zu sein. Um das Gleichgewicht in
dieser Öl in Wasser-Emulsion wieder herzustellen, könnten einerseits die Lecithi
ne die Fettkügelchen wieder neu umlagern, oder aber, die Öltröpfchen koagulieren
zu größeren Tropfen. Hierfür ist die zusätzliche Kraft des Zentrifugalfeldes nötig.
Die nun größeren Öltropfen können dann koleszieren, d. h. eine abtrennbare konti
nuierliche Phase bilden.
Diese Verfahrensweise mittels Homogenisator ist für den Fachmann ungewöhn lich, da hier die Öltröpfchen feinst zerkleinert werden. Üblicherweise zerkleinert man Öltröpfchen nicht, bevor man sie abtrennt, weil durch die größere innere Oberfläche der Emulsionsgrad steigt. Ganz im Gegenteil, man rührt oder knetet vorsichtig, damit das Öl koagulieren kann. Bei diesem Malaxierprozeß ist Wärme hilfreich, um u. a. auch die Viskosität zu senken.
Der überraschende Effekt, daß durch die Druckerhöhung auf ca. 300 bar im Homo genisator auch mehr Öl abgetrennt werden kann, ist also mit den Wechselwirkungen zwischen den Proteinen, Lecithinen und dem Öl (eigentlich die unpolare Li pidphase) mit der Solvatschicht erklärbar. - 3. Die Ölabtrennung muß also so erfolgen, daß die infolge der Scherung gestörten
Oberflächenspannungen bzw. allg. der Oberflächenzustand der Tröpfchen in sein
ursprüngliches Gleichgewicht kommt. Das heißt, der homogenisierte Brei muß
unmittelbar in die Zentrifuge eingeführt werden, und dort, unterstützt durch günsti
ge apparative, insbesondere auch geometrische Verhältnisse, getrennt werden in
Lipide und polare Lipoide mit Protein, Wasser und Alkohol. Die Viskositätsabsen
kung ist nicht in dem Maße nötig wie bei der FRIOLEX-Ölgewinnung ohne Ho
mogenisator. Wichtig ist die unmittelbare Überführung des homogenisierten Breis
in das Zentrifugalfeld, um die Koaleszenz zu unterstützen.
Nach einer ein- oder zweistufigen Ölabtrennung vorzugsweise im Dekanter (Sepa ratoren wurden hierfür auch erfolgreich genutzt), sind idealerweise alle freien Ölanteile (Lipide und unpolare Lipoide) abgetrennt, so daß auch durch eine nach trägliche Verringerung der Alkoholkonzentration durch Wasser in der Proteinphase keine Öltröpfchen in der freien Wasser-Alkoholphase zu finden sind, obwohl die Polarität des Gemisches zugenommen hat und damit wieder mehr Lecithin in die ser Phase gebunden ist und damit das Öl "freigebenen" wird. Normalerweise wird das Öl in diesem Lecithin-Protein-Alkohol-Gemisch dann frei, wenn die Alkohol konzentration vermindert wird; d. h. die Öllöslichkeit in der Lecithinphase ab nimmt. Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß nach dem doppelten Homogeni sieren und dem Zentrifugieren kein freies Öl mehr abschleuderbar war, wenn auch die Alkoholkonzentration nur bei 15% lag. - 4. Das Cholesterol hat eine größere Affinität zur Lecithinphase als zum Öl, daher ist, bezogen auf die Lipid bzw. Lipoidmenge, der Cholesterolanteil in der Lecithin phase höher als in der Ölphase. Um den absoluten Cholesteringehalt in der Lecit hinphase abzusenken, ist also so viel wie möglich vom Öl daraus zu entfernen, daß nur noch des reine Lecithin mit dem unvermeidbaren Anteil Cholesterin darin im Protein verbleibt. Durch pH-Verschiebung, Temperaturen (als auch durch die Ver wendung von Salzen - in Hinblick auf das Flockungsverhalten der Proteine ent sprechend der Hofmeisterschen Ionenreihe -) kann auf die Triglycerid-, Lecithin- und auf die Löslichkeit lipoider Stoffe, u. a. die Cholesterinverteilung, Einfluß ge nommen werden.
- 5. Aus der so gewonnenen nahezu vollständig von ungebundenem triglyceridfreien
Protein/Lecithinfraktion können in einem zweiten Verfahrensschritt unterschiedli
che Lecithinfraktionen gewonnen werden.
Lecithine sind hydierbar. Durch Waschung mit Wasser oder wässrigem Alkohol werden Proteine und Lecithine in Lösung gebracht und mittels Dekanter oder Sepa rator geklärt.
Soll eine möglichst reine Lecithinfraktion gewonnen werden sollte die Abtrennung bei einem geeigneten pH- Wert und niedriger Temperatur mittels Separator durch geführt werden. Die hier beschriebene Auswaschung der Lecithine kann in einem mehrstufigen Prozeß im Gleich- oder Gegenstromverfahren durchgeführt werden.
Wird zusätzlich eine eine Klassierung der Proteine gewünscht, sollte die Trennung bei den geeigneten Prozeßparametern mittels Dekanter durchgeführt werden. Hier bei werden die gelösten Komponenten zusammen mit den leichteren Feststoffen (gelöste Proteine) in einer Phase gewonnen.
Die so gewonnenen Lecithin und Proteinfraktionen können in einem geeigneten Verfahren weiter konzentriert werden. Eine Eindampfung in Dünnschichtverdamp fern erscheint sinnvoll.
Prinzipiell sind zwei unterschiedliche Verfahren möglich- a) das eben beschrieben wässrig-alkoholische Waschverfahren, das voraussetzt, daß keine Fette mehr enthalten sind
- b) Das "Nachschärfen" von Alkohol auf ca. 45-59% so, daß eine leichte Phase mit dem Gros der Lecithine und geringen Anteilen an Proteinen von einer schweren Phase aus unlöslichen, kompaktierten Proteinen mit geringeren Anteilen an Le cithinen zentrifugal abgetrennt werden kann und beide Phasen anschließend poliert werden wobei jeweils eine neue Protein und Lecithinfraktion entsteht
Folgende Produkte können nach dem so beschriebenen Verfahren gewonnen werden:
- 1. Verfahrensschritt: Entölung
- 1. Triglycerid
- 2. Entölte Protein/Lecithinfraktion mit
Gesamtfettgehalt < 50% (vom Ausgangsmaterial)
Triglyceridgehalt < 20% (vom Ausgangsmaterial)
Cholesterolgehalt < 55% (vom Ausgangsmaterial)
- 2. Verfahrensschritt: Lecithinfraktionierung
- 1. Proteinarmes Lecithin mit:
Gesamtfettgehalt
Triglyceridgehalt
Proteingehalt - 2. Proteinreiches Lecithin mit:
Gesamtfettgehalt
Triglyceridgehalt
Proteingehalt
- 1. Proteinarmes Lecithin mit:
Claims (22)
1. Verfahren zur Fraktionierung von Öl- und lecithinhaltigen nativen Rohstoffen, ins
besondere Verfahren zur Gewinnung von im wesentlichen reinen Fraktionen
und/oder Extrakten, vorzugsweise Polarlipiden, Ölen/Fetten und/oder nativen Pro
teinen, aus einem nativen Rohstoff als Ausgangsstoff, welcher
- a) zerkleinert wird, sofern er nicht bereits in zerkleinerter oder flüssiger Form vorliegt,
- b) mit Wasser und Lösemittel und ggf. Hilfsstoffen vermischt wird,
- c) unter Druck homogenisiert wird,
- d) zentrifugal entölt/entfettet und dabei im wesentlichen in eine Ölfraktion sowie eine Nicht-Ölfraktion aufgeteilt wird,
- e) woraufhin aus der Nicht-Öl-Fraktion durch Zugabe von weiteren Wasser und/oder polarem Lösemittel und/oder von Hilfsstoffen in einem oder in mehre ren Schritten eine Phase aus vorzugsweise polaren Ölbegleitstoffen, insbeson dere Lecithine enthaltend, wenigstens einfach oder mehrfach zentrifugal extra hiert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Rückstand die nati
ven Proteine und ggf. wenigstens eine weitere Fraktion aus den übrigen Stoffen
wie Stärke oder Zellulose enthält.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, daß als Rohstoff Ei, Kakao, Raps, öl-/fett
haltige Mikroorganismen (Biomasse), Leguminosen (Lupine, Soja . . .) und/oder
Fisch verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
Rohstoffe in Form von Obst oder Gemüse mit einer Schale vor dem Zerkleinern
geschält werden.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der zerkleinerte und mit Wasser/Lösemittel versetzte Rohstoffbrei vor der zentrifu
galen Ölabtrennung bei Überdruck homogenisiert wird.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Überdruck beim Homogenisieren 100 bis 1000 bar, vorzugsweise 150 bis 350 bar
beträgt.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der zerkleinerte und mit Wasser/Lösemittel versetze Rohstoffbrei vor der zentrifu
galen Ölabtrennung bei Unterdruck homogenisiert wird.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Unterdruck beim Homogenisieren weniger als 100 mbar beträgt.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Rohstoffbrei unmittelbar vor der zentrifugalen Ölabtrennung homogenisiert
wird.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
als erste Fraktionierungsstufe unmittelbar nach dem Homogenisieren, ohne Ver
weilzeit die Abtrennung von Fetten/Ölen, d. h. den Triglyceriden und anderen un
polaren Stoffen wie Vitaminen, Farbstoffen und Anteilen von Sterolen erfolgt.
11. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Temperatur gerade so hoch gehalten wird, daß das Öl/Fett flüssig ist (Kakao
vorzugsweise ca. 35-40°C) oder fließfähig ist (Ei vorzugsweise ca. 25-30°C).
12. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
als (polare) Lösemittel kurzkettige Alkohole wie Methanol. Ethanole, Propanole,
Butanole in der Konzentration von 10 bis 40 Gew.-% der wässrigen Phase zur
Triglycerid-Abtrennung verwendet werden.
13. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
als Hilfstoffe Elektrolyte wie Salze oder Säuren verwendet werden.
14. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Abtrennung der Öl/Fettfraktion (Triglyceride) ein- oder mehrstufig im Zentri
fugalfeld erfolgt.
15. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
bei einem mehrstufigen Abtrennen der Öl/Fettfraktion (Triglyceride) der Feststoff
nach dem ersten Entölen direkt in die zweite Separationsstufe überführt wird.
16. Verfahren nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, daß dem
entölten Feststoff Wasser und/oder Alkohol zugesetzt werden, oder Alkohol entzo
gen und Wasser zugesetzt wird, so daß die Konzentration von Alkohol in der wäss
rigen Phase 0 bis 60% beträgt.
17. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Menge an zugegebener Flüssigkeit so hoch ist, daß sich eine freie Wasser-Al
koholphase einstellt, mittels der die Polarlipide extrahiert werden.
18. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Zwischenproduktbrei auf weniger als 60°C erwärmt wird.
19. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Zwischenproduktbrei auf bis zu 58°C erwärmt wird.
20. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Polarlipide ein oder mehrstufig extrahiert werden.
21. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Polarlipide ein oder mehrstufig im Gegenstrom extrahiert werden.
22. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
das Extraktionsmittel vom Lecithinextrakt verdampft und kondensiert wird.
Priority Applications (19)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE10018213A DE10018213A1 (de) | 2000-04-12 | 2000-04-12 | Verfahren zur Fraktionierung von öl-und lecithinhaltigen nativen Rohstoffen |
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