Bremseinrichtung an Schienenfahrzeugen für Zahnrad- und Adhäsionsbetrieb Die Erfindung betrifft eine Bremseinrichtung an Schienenfahrzeugen für gemischten Zahnrad- und Adhäsionsbestrieb, mit einem von einem Bremszylin der betätigten Bremsgestänge für die Adhäsions- und die Zahnradbremse.
Da die Bremsung von solchen Schienenfahrzeu gen mittels der Zahnradbremse unangenehme Geräu sche und Schwingungen erzeugt und die Bremsaggre gate der Zahnradbremse einer starken Abnützung unterworfen sind, ist man bestrebt, den Einsatz der Zahnradbremse nur auf Notbremsungen und auf sehr steile Gefällstrecken zu beschränken, während auf flacheren Zahnstangenabschnitten und bei normalen Betriebsbremsungen nur die Adhäsionsbremse in Funktion treten soll.
Es ist bereits bekannt, diese Aufgabe dadurch zu lösen, dass man die Adhäsions- und die Zahnrad bremse mit separaten Bremsaggregaten ausrüstet. Bei Druckluftbremsen wurden dann die Steuerorgane derart eingestellt, dass das Steuerventil der Adhä sionsbremse auf kleinere Druckverminderungen in der Bremsleitung anspricht und die Bremsung einlei tet, während das trägere Steuerventil der Zahnrad bremse erst auf grössere Druckverminderungen an spricht und die Zahnradbremsung auslöst. Diese Bauart ist jedoch verhältnismässig teuer und kompli ziert und führt oft auch aus Platzgründen zu Schwie rigkeiten, da zwei Bremszylinder vorgesehen werden müssen. Bei Vakuumbremsen tritt diese Schwierig keit noch in stärkerem Masse auf, da solche Bremsen grössere Bremszylinder benötigen.
Die Erfindung bezweckt, die genannte Aufgabe mit einfacheren mechanischen Mitteln unter Verwen dung von nur einem Bremszylinder zu lösen. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass das Bremsgestänge der Adhäsionsbremse einen verschiebbaren Anlenkpunkt aufweist, der unter der Vorspannung einer Feder steht, so dass er nur eine Verschiebung erfährt, wenn eine vorbestimmte Bremskraft im Adhäsionsbremsge stänge überschritten wird, und dass das Zahnrad bremsgestänge derart am Adhäsionsbremsgestänge angelenkt ist, dass es von letzerem erst bei der Ver schiebung des Anlenkpunktes betätigt wird.
Vorzugsweise wird die Vorspannung der Feder derart eingestellt, dass sie etwa 90 0/o der durch das Adhäsionsbremsgestänge auf den Anlenkpunkt aus geübten maximalen Kraft beträgt. Auf diese Weise kommt die Zahnradbremse erst zur Wirkung, wenn die Bremskraft der Adhäsionsbremse etwa 90 0/o der vollen Bremskraft überschreitet.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes dargestellt. Sie zeigt schema tisch das Bremsgestänge einer Adhäsions- und Zahn radbremse in verschiedenen Bremsstellungen.
Der Druckluft- oder Vakuumbremszylinder 1 ent hält einen verschiebbaren Kolben 2, der mit einer Kolbenstange 3 verbunden ist. Diese ist gelenkig mit dem einen Ende einer Stange 4 verbunden, deren an deres Ende gelenkig mit der Stange 5 in Verbindung steht, die auf den Bremsklotz 6a der Adhäsions bremse wirkt, d. h. auf das Laufrad 7a. Der auf das Laufrad 7b wirkende Bremsklotz 6b ist über die Stangen 8, 9, 10 mit der Stange 4 verbunden. Die Stange 9 ist mit ihrem oberen Ende im Anlenkpunkt 11 gelagert. Der Anlenkpunkt 11 sitzt am Ende einer Stange 12, die unter der Vorspannung einer Feder 13 steht. Die Stange 12 ist in der Stirnwand des Gehäu ses 14 axial verschiebbar gelagert.
Sie wird jedoch nur verschoben, wenn auf den Anlenkpunkt 11 eine Kraft wirkt, die grösser ist als die Gegenkraft der vor gespannten Feder 13. Die Feder 13 wird mittels der Mutter 15 derart vorgespannt, dass ihre Federkraft etwa 90 % derjenigen Kraft beträgt, welche die Stange 9 bei Vollbremsung auf den Anlenkpunkt 11 ausübt.
Die Kolbenstange 3 ist ferner gelenkig mit einem auf einer schwenkbaren Welle 16 befestigten Arm 17 verbunden. Auf der Welle 16 sitzt ferner ein Arm 18, der mit einem an seinem Ende angeordneten Zapfen 19 in ein Gleitstück mit einem Längsschlitz 20 ein- greift. Dieses Gleitstück sitzt -am Ende einer Stange 21, die auf den Bremsklotz 22 des Zahnrades 23 wirkt.
Die Kolbenstange 3 ist in bekannter Weise mit einer Handbremse 24 verbunden. Mit 25 sind Ge stängesteller bezeichnet, welche die Gestängeleerwege beider Bremsen konstant halten.
In der Zeichnung wurde das Bremsgestänge in drei verschiedenen Stellungen gezeichnet, wobei die Gelenkpunkte, die sich beim Betätigen der Bremse verschieben, mit<I>a, b</I> und c bezeichnet sind. Es be deuten: a = Stellung bei gelöster Bremse, b = Stellung bei 90 % wirksamer Adhäsions bremse und Wirkungsbeginn der Zahnradbremse, c = Stellung bei Vollwirkung beider Bremsen. Die Wirkungsweise der Bremseinrichtung ist fol gende: Wenn sich der Kolben 2 aus der Stellung a (gelöste Bremse) in die Stellung b bewegt, wird das Bremsgestänge 3, 4, 5, 8, 9, 10 entsprechend verstellt und die beiden Bremsklötze 6a, 6b der Adhäsions bremse werden beim Erreichen der Stellung b mit einer Kraft gegen die Räder 6a, 6b gedrückt, die etwa 90 % der bei Vollbremsung erreichten Kraft beträgt.
Der Anlenkpunkt 11 der Stange 9 bleibt in Ruhe, d. h. in der Stellung<I>a, b.</I> Der Arm 18 bewegt sich dabei derart, dass der Zapfen 19 sich im Schlitz 20 von a nach b um Abstand Sz bewegt. Die Stange 21 und der Bremsklotz 22 der Zahnradbremse werden somit nicht betätigt.
Wird nun aber für Vollbremsung der Kolben 2 und mit ihm das Bremsgestänge in die Stellung c ver schoben, so übertrifft die von der Stange 9 auf den Anlenkpunkt 11 ausgeübte Kraft, die Kraft der Feder 13. Der Anlenkpunkt 11 verschiebt sich dadurch um die Strecke SA in die Stellung c. Gleichzeitig ver schiebt sich der Arm 18 mit dem Zapfen 19 in die Stellung c. Dadurch wird auch die Stange 21 bewegt und der Bremsklotz 22 an das Zahnrad 23 gepresst. Im Bereiche zwischen 90 % des Anteils der Adhä sionsbremse und Vollbremsung werden somit die Adhäsionsbremse und die Zahnradbremse betätigt.
Durch die beschriebene Vorspannung der Feder 13 kann somit erreicht werden, dass die Adhäsions bremse über einen beträchtlich grösseren Bereich allein wirksam ist, als dies bei Verwendung einer nicht vorgespannten Feder möglich wäre. Das gleiche Prinzip lässt sich selbstverständlich auch anwenden, wenn die Adhäsionsräder mit Scheibenbremsen und das Zahnrad mit einer Bandbremse ausgerüstet ist.