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Verfahren zur Herstellung von Zubereitungen desinfizierend oder therapeutisch wirkender
Mittel
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Zubereitungen solcher desinfizierender oder therapeutisch wirkender Mittel, welche im Munde zerkaut werden sollen. Für diese Zwecke wurden bisher Tabletten, Pillen oder Pastillen verwendet, zu deren Herstellung die gepulverten und nötigenfalls mit Füllmitteln, Bindemitteln oder Auflockerungs-bzw. Quellmitteln gemischten Stoffe entweder durch Überführung in eine bildsame Masse in die gewünschte Gestalt gebracht oder in bestimmte Formen ge- presst werden. Diese Zubereitungen werden häug auch mit Überzugsschichten aus Zucker, Schokolade Gelatine . dgl. versehen.
Ferner ist es bekannt, in Eigelb-Emulsion eingebettete Heilmittel zu Bonbons in der Weise zu verarbeiten, dass mit Kalkwasser bereitete Eigelb-Emulsionen benutzt werden, in denen neben phosphorsaurem Kalzium feinste Kieselsäure verteilt ist. Durch die Bonbonform soll erreicht werden, dass die Arzneimittel nicht einfach heruntergeschluckt, sondern längere Zeit im Munde durchgespeichelt und verdaut werden. Schliesslich ist vorgeschlagen worden, zur Herstellung medikamentöser Backwaren fein zerkleinertes Backwerk mit medikamentösen Zusätzen zu vermengen und mit oder ohne Bindemittel in Formen zu verpressen.
Der allgemeine Nachteil dieser Darreichungsformen besteht darin, dass die künstlichen Formstücke - denn um solche handelt es sich-beim Zerkauen im Munde leicht in Teilchen zerbröseln, die bei Verwendung von festen Füllmitteln häufig kantige, die Schleimhäute reizende Oberflächen besitzen, sich entweder schwer einspeicheln lassen oder aber, sofern es sich um bei Körpertemperatur schmelzende Massen handelt, im Munde weich und schmierig werden.
Die vorliegende Erfindung beseitigt diese Nachteile und führt zu neuartigen Zubereitungen, welche die Aufnahme der wirksamen Stoffe durch den bei der Aufnahme fester Nahrung natürlichen
Kauvorgang bewirken und dabei gleichzeitig angenehm wirken.
Das Verfahren gemäss der Erfindung besteht im wesentlichen darin, dass Pflanzensamen mit des- infizieren oder therapeutisch wirksamen Stoffen, z. B. durch Tränkung mit Lösungen der wirk-. samen Stoffe oder durch Aufbringen einer die wirksamen Stoffe ent'en Jen Überzugsschichte, beladen werden,''coei Mtttel von grosser therapeutischer Breite, also solche Mittel zur Anwendung gelangen, bei welchen zwischen der wirksamen Dosis und einer bereits schädlichen Dosis ein weiter Spielraum besteht.
Als für die Aufnahme der wirksamen Mittel geeignete Pflanzensamen sind beispielsweise Haselnusskerne, Mandelkerne, Erdnusskerne und vor allem geschälte oder von Natur aus schalenlose Kürbiskerne zu nennen. Vorzugsweise werden solche Pflanzensamen einer Vorbehandlung unterworfen, die in einer Trocknung und zweckmässig in einer Röstung zur Ausbildung von Aromastoffen besteht, wobei diese Vorbehandlung im Vakuum oder unter Druck oder unter abwechselnder Einwirkung von Unterdruck und Überdruck vorgenommen werden können. Auch poröse Getreidekörner, die in an sich bekannter Weise durch Erhitzen unter stärkerem Druck bei entsprechendem Feuchtigkeitsgehalt und plötzlicher Druckentlastung erhalten werden, wie z. B.
Puffweizen, Puffmais und Puffreis, sind als Grundkörper für die Herstellung der desinfektorisch oder therapeutisch wirkenden Mittel im Rahmen des Verfahrens gemäss der Erfindung geeignet.
Die Pflanzensamen können ferner auch vor der Aufbringung der wirksamen Stoffe oberflächlich oder zur Gänze entölt oder entfettet werden, um das Eindringen der Tränkungsflüssigkeit oder die Verankerung der Überzugsschichte zu erleichtern. Ferner kann auch die Stärke aus den Pflanzensamen zur Gänze oder teilweise entfernt werden.
Im folgenden werden einige Beispiele für die Herstellung verschiedenartiger Mittel nach dem Verfahren gemäss der Erfindung gegeben :
1. Schalenlose Kürbiskeme werden, allenfalls nach einer oberflächlichen Entölung mit Hilfe von Lösungsmitteln, getrocknet, bis zur Ent- wicklung von Aromastoffen schwach geröstet und mit einem Colaextrakt oder einer schwachen Koffeinlösung getränkt, nochmals getrocknet und mit einer Zuckerschichte überzogen. Der Genuss solcher präparierter Kerne besitzt eine anregende
Wirkung und führt gleichzeitig zu einer leichten
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Sättigung und damit zur Behebung von Übermüdungserscheinungen durch Magenleere.
2. Pflanzenkerne, z. B. die in Beispiel 1 erwähnten schalenlosen Kürbiskerne, werden mit Pflanzenauszügen, die eine desinfizierende und erfrischende Wirkung besitzen, wie Pfefferminzoder Fichtennadelextrakte, und z. B. Lösungen von Formaldehyd abspaltenden Verbindungen, wie Formaldehyd-Milchzucker, welche den Atem desodorisieren, getränkt, getrocknet und mit einer Zuckerschichte oder einer Schichte aus Pflanzenschleim u. dgl. überzogen.
3. Beruhigungsmittel, z. B. Extractum valerianae, Valeriansäuremethylester Land ähnlich wirkende Mittel werden in Wasser oder in flüchtigen organischen Lösungsmitteln gelöst.
Mit diesen Lösungen wird Puffweizen, Puffmais oder Puffreis getränkt. Die getränkten Samen werden in an sich bekannter Weise mit einer Schutzschichte versehen. Man erhält in dieser Weise angenehm zu nehmende Beruhigungsmittel, wobei der rasche Eintritt der Wirkung durch die notwendige Zerkauung des als Grundkörper dienenden Pflanzensamen befördert wird.
4. Pflanzenkerne der genannten Arten werden mit einer Überzugsschichte, z. B. aus Zucker und Pflanzenschleim oder aus Pflanzengummis, wie Karayagummi, oder Gelatine, in welche synthetische oder natürliche Vitamine, wie Aneurin oder Ascorbinsäure oder Vitamin D oder mehrere Vitamine oder natürliche vitaminhaltige Stoffe, eingebettet oder gelöst sind, und hernach noch mit einer im Organismus löslichen Schutzschichte, z. B. aus Zucker, Hartfett usw., überzogen. Den
Schichten können Geschmacks-und Riechstoffe zugesetzt sein. Man erhält in dieser Weise ein geschmacklich besonders angenehm einzu- nehmendes vitaminisiertes Mittel, das durch das
Zerkauen, zu dem die eigenartige Struktur der
Pflanzensamen zwingt, und durch die leichte
Einspeichelung besonders wirksam ist.
Allen Mitteln, die nach dem Verfahren der Er- findung erhalten werden, ist gemeinsam, dass ihre
Einnahme zu einer längeren und intensiven Tätigkeit der Kauwerkzeuge zwingt und dermassen die wirksamen Mittel zum Teil schon im Munde leicht aufgenommen werden, der Brei auch für die Aufnahme der wirksamen Stoffe durch Magen oder Darm eine besonders geeignete Zustandsform darstellt. Sie sind ferner angenehm zu nehmen, besitzen einen hohen Genusswert, rufen eine gewisse Sättigung hervor und üben durch die Zufuhr des zerkauten Schrotbreies der Pflanzensamen einen günstigen Einfluss auf den Stoffwechsel und (ì ; e Verdauungsorgane aus, so dass sie auch in dieser P"hung gesundheitsfördernd wirken.
PATENTANSPRÜCHE : !. Verfahren Zur Herstellung von Zube-
EMI2.1
dadurch gekennzeichnet, dass Pflanzensamen mit wirksamen Stoffen von grosser therapeutischer Breite, z. B. durch Tränkung mit Lösungen der wirksamen Stoffe oder durch Aufbringen einer die wirksamen Stoffe enthaltenden Überzugsschichte, beladen werden.