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Verfahren und Einrichtung zum Feststellen von Richtung und Form der elektrischen Achse des
Herzens.
Hinsichtlich ihrer klinischen Auswertung ist die Elektrokardiographie im weitesten Sinne, d. h. die Beobachtung und Messung der durch die rhythmische Tätigkeit des Herzens im ledendigen Organismus erzeugten bioelektrisehen Aktionsspannungen keineswegs damit erschöpft, dass man den zeitlichen Verlauf des von zwei oder von drei Stellen der Körperoberfläche, vorzugsweise von den Extremitäten abgenommenen Aktionsspannungen verfolgt, um aus Form und Verlauf der so gewonnenen Kardiogramme einen Überblick zu gewinnen über den funktionellen Ablauf der Herztätigkeit in ihren einzelnen Phasen sowie über Regelmässigkeiten oder etwaige Unregelmässigkeiten im Herzrhythmus, sondern zu einer erschöpfenden kardiographischen Untersuchung gehört heute die gleichzeitige Beobachtung von mehreren Ableitungen, deren Spannungsvektoren räumlich, d. h.
relativ zum Herzen verschiedene Lagen haben. In dieser Hinsicht haben sich die folgenden von Einthoven eingeführten drei Ableitungen, die das Herz ringförmig umgeben, allgemein eingebürgert : Ableitung I : Querableitung : Rechter Arm-linker Arm.
Ableitung 11 : Schrägableitung : Rechter Arm-linkes Bein.
Ableitnng III : Längsableitung : Linker Arm-linkes Bein.
Ausser diesen sind noch zahlreiche andere Ableitungen möglich, von denen hier nur die Ableitung von verschiedenen Stellen der Brustwand genannt seien.
Die durch die Einthovenschen drei Ableitungen geschaffenen Verhältnisse lassen sich übersichtlich so darstellen, dass man die drei Ableitungsstellen an den Extremitäten als Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks betrachtet, in dessen Mittelpunkt sich das Herz befindet. Da der Aktivierungsvorgang der Herzmuskulatur während jeder Kontraktion von der Basis zur Spitze fortschreitet, weist das Herz eine bestimmte elektrische Achse auf, nämlich die Verbindungslinie zwischen den Punkten stärkster bioelektrischer Potentialdifferenz, deren Richtung mit der anatomichen Achse ungefähr übereinstimmt.
Aus dem Einthovenschen Ableitungsdreieck ist bekanntlich zu entnehmen, welche Grösse die von den einzelnen Ableitungen gewonnenen Aktionsspannungen relativ zueinander haben müssen, denn man braucht nur einen in Richtung der Herzachse liegenden Spannungsvektor, dessen Länge am einfachsten die maximal auftretende Potentialdifferenz während der sogenannten Initialzacke (al, a2 und as) darstellen mag, auf die drei Seiten das Ableitungsdreiecks zu projizieren (Ai, A2 und Ars). Bei normaler Herzlage, wie sie etwa der Fig. 1 enspricht, verläuft die elektrische Achse des Herzens ungefähr parallel zu Ableitung 11, während Ableitung 111 die schwächste Spannungskomponente liefert. Dreht man den Spannungsvektor innerhalb des Dreiecks, dann ändern sich auch die Grössenverhältnisse und unter Umständen auch die Polaritäten der einzelnen Ableitungen.
Man erkennt, dass die Mehrfachkardiographie auf Grund dieses einfachen geometrischen Schemas ein eindeutiges Bild von der anatomischen Lage des Herzens liefert, was aus Röntgendurchleuchtungen nicht immer einwan'. frei hervorgeht.
Für den untersuchenden Arzt ist es ziemlich unbequem und umständlich, die vektorielle Addition bestimmter, zeitlich zusammenfallender Momentanwerte in den drei Einthovenschen Ableitungen auf Grund des Schemas der Fig. 1 für jeden Patienten gesondert vornehmen zu müssen. Um diese Aufgabe auf rein apparativem Wege zu lösen, ist der Vorschlag gemacht worden, zwei Ableitungen in einem
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rechtwinkeligen Koordinatensystem, z. B. mit den beiden Lotplattenpaaren einer Braunschen Kathodenstrahlröhre, zur Darstellung zu bringen, so dass unter Berücksichtigung der Phasenverschiebung zwischen den einzelnen Aktionsspannungen eine Art Lissajousfigur entsteht, aus deren Hauptachse sich auf die anatomische Orientierung des Herzens gewisse Schlüsse ziehen lassen.
Soll die Analogie mit dem Einthovenschen Ableitungsdreieck möglichst weit getrieben werden, dann muss man die Koordinaten des Schreibsystems entsprechend den Winkeln des gleichseitigen Ableitungsdreiecks gegeneinander neigen.
Dieser an sich bestehend einfachen Methode haftet ein schwerwiegender Nachteil an, der einer allgemeingültigen Auswertung der erzeugten Lissajousfiguren im Wege steht. Um dies zu erkennen, sei folgender-Fall genauer betrachtet : Die Strahlablenkung erfolgte in zwei aufeinander senkrecht stehenden Koordinaten durch die Ableitungen I und 11. In dem durch die Fig. 2 dargestellten Fall eines sogenannten Situs inversus ist die Aktionsspannung in Ableitung 11 offenbar gleich Null, während Ableitung I und Ill gleich gross sind.
Hat man die Anschlussverhältnisse wie oben gewählt, dann ist Ableitung Ill überhaupt ausgeschaltet, in Ableitung 11 ist keine Aktionsspannung vorhanden und für die Strahlablenkung bleibt nur Ableitung I übrig. Man erkennt, dass der Strahl nur in der der Ableitung L entsprechenden Koordinate abgelenkt wird, die mit der Richtung der gesuchten Achse des Herzvektors direkt nichts zu tun hat. Hieran ändert sich auch nichts, wenn man statt rechtwinkeliger Koordinaten unter 600 zueinander orientierte Koordinaten bzw. Ablenksysteme einführen wollte.
Eine sichere Erfassung der Herzlage ist unter den beschriebenen Umständen unmöglich.
Um auch in dem gewählten Sonderfall eine Lissajousfigur zu erhalten, muss man offenbar die beiden Lotplattenpaare mit den Ableitungen I und 111 verbinden. Daraus geht aber deutlich hervor, dass die vorgeschlagene Methode nicht absolut zuverlässig, sondern der Willkür des untersuchenden Arztes unterworfen ist, dem es freisteht, welche von den drei Einthovenschen Ableitungen er zur Diagnose heranziehen will. Es braucht nicht weiter ausgeführt zu werden, dass der klinische Wert einer Untersuchungsmethode, die nicht in allen Fällen absolut objektive Ergebnisse zeitigt, ziemlich beschränkt ist. Wenn die Verhältnisse nicht so einfach liegen, wie in dem hier durchgesprochenen Sonderfall, können sogar schwerwiegende Fehldiagnosen vorkommen.
Auf Grund des im folgenden beschriebenen Erfindungsprinzips wird dieser Nachteil von Grund auf beseitigt, indem zur Erfassung des elektrischen Herzvektors alle drei Ableitungen in gleicher Weise herangezogen werden, so dass willkürlich Kombinationen ausgeschlossen sind. Das neue Verfahren arbeitet entsprechend den drei. Einthovenschen Ableitungen mit drei, unter 600 gegeneinander verdrehten Koordinaten oder mit andern Worten : Der Kathodenstrahl wird von sämtlichen drei Aktionsspannungen gleichzeitig in drei, unter 600 zueinander liegenden Richtungen abgelenkt.
Im oberen Teil der Fig. 3 a ist eine Kathodenstrahlröhre gezeigt, die zur Ausübung des erfindunggemässen Verfahrens mit drei Ablenkplattensätzen P1, P2 und Pg ausgerüstet ist.-Alle drei zwischen diesen Plattensätzen entstehenden Ablenkfelder werden von dem Kathodenstrahl E nacheinander durchsetzt. Die resultierende Strahlablenkung S auf dem Röhrenschirm F entsteht infolgedessen durch vektorielle Addition der Momentwerte der an den drei Ablenksystemen liegenden Aktions- spannungen.
Nun ist die einwandfreie Erfassung der bioelektrischen Aktionsspannungen mit einer Braunschen Kathodenstrahlröhre bekanntlich nur-unter Zuhilfenahme von Röhrenverstärkern möglich, welche die in der Grössenordnung von 1 Millivolt liegenden Herzaktionsspannungen auf die zur Ablenkung eines Elektronenstrahls erforderlichen Beträge verstärken.
Hiebei macht sich in der Praxis oftmals die Schwierigkeit bemerkbar, dass die hochempfindlichen Verstärker, deren Eingangsgitter frei an dem gewissermassen als Antenne wirkenden Patienten liegen, äusserst anfällig sind gegenüber von aussen in die Apparatur einfallenden Störungen, wie sie nicht allein aus der Atmosphäre, sondern auch vom 50 Periodennetz sowie von vielen elektrischen Apparaten und Maschinen stammen, beispielsweise von Hochfrequenzheilgeräten, von Diathermie-oder von Röntgenapparaten u. dgl : Erdung der Anlage bietet keinen absolut sicheren Schutz, vielmehr können durch eine Erdverbindung, die ja einen festen Bezugspunkt im Störungsfeld festlegt, unter Umständen besonders starke Störspannungen in die Apparatur hereingebracht werden, welche die Registrierungen und Messungen oftmals bis zur Unkenntlichkeit entstellen.
Um diese Störungen zu beseitigen, war man früher darauf angewiesen, die Registrierung und Beobachtung der Aktionsspannungen in elektrostatisch abgeschirmten Räumen, in sogenannten Faradaykäfigen vorzunehmen oder, wenn ein ganzer Schutzraum nicht zur Verfügung stand, wenigstens den Patienten durch metallische oder durch metalldurch1lochtene Decken abzuschirmen. Leider bieten diese Massnahmen in der Praxis grosse Schwierigkeiten und sind nur unter grossem Aufwand durchzuführen, ganz abgesehen davon, dass Abschirmdecken nur als Behelfsmittel gelten können. Um jede Belästigung des Patienten, die sich in schweren Krankheitsfällen ganz verbietet, zu vermeiden, ist man auf rein elektrisch wirkende Verfahren und Methoden zur Störungselimination angewiesen.
Zu Zwecken der normalen Einfach-und Mehrfachkardiographie ist vorgeschlagen worden, die erwähnten Störungen, die sich von den eigentlichen Herzaktionsspannungen dadurch unterscheiden, dass sie an allen drei Ecken des Ableitungsdreiecks gleichphasig angreifen, während durch die Herz-
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tätigkeit Potentialunterschiede entstehen, durch Differential-oder Gegentaktverstärkung zu eliminieren.
Damit auch bei Dreifachkardiographie in jeder der drei Ableitungen eine Differentialwirkung erhalten wird, ist eine Schaltung entwickelt worden, welche an Stelle von sechs Einzelverstärkern, die paarweise zu drei Gegentaktverstärkern zusammengeschlossen sind, mit nur drei einzelnen Verstärkern arbeitet, deren Eingänge und Ausgänge in Stern geschaltet sind. Da auch die hier beschriebene Methode zur Erfassung der Herzachse um so vollkommener und sicherer wirkt, je weniger störungsanfällig sie ist, bietet die Sternschaltung offenbar auch hier grosse Vorteile. In den Fig. 3 bund 3 a ist die sternförmige Anordnung der Verstärkereingänge und Ausgänge schematisch gezeigt.
Zunächst werden der Fig. 3 b folgend die drei Einthovenschen Ableitungen bzw. die drei Ecken R, L und B des Ableitungsdreieeks mit den Gittern der Eingangsröhre in den drei Verstärkern Vr, Vl und Vb verbunden, während die Kathoden dieser drei Verstärker zu dem gemeinsamen Sternpunkt E führen. Analog geschieht auch die Verbindung der drei Anodenwiderstände Wr, Wl und Wb mit den Anoden der einzelnen Endröhren sternförmig, wie aus dem unteren Teil der Fig. 3 a zu ersehen ist. Die Anodenanschlüsse der drei Verstärker bilden die Eckpunkte des Ausgangssterns, und von da gehen die drei entsprechenden Anodenwiderstände zu dem gemeinsamen Sternpunkt, der zur Anodenspannung Ea führt.
Die drei Ablenksysteme der oben beschriebenen Kathodenstrahlröhre liegen zwischen je zwei Endpunkten des Ausgangssterns und bilden die drei Seiten eines, dem Einthovenschen Ableitungsdreieck analogen Ausgangsdreiecks. Damit unterliegt jedes einzelne System dem Differentialprinzip, so dass es den Strahl nur auf Grund von Potentialdifferenzen, die zufolge der Herztätigkeit zwischen den Eckpunkten des Ein- gangsdreieeks entstehen und die sich proportional verstärkt auf das Ausgangsdreieek übertragen, ablenkt, nicht aber auf Grund der erwähnten gleichphasigen Störspannungen.
Um die durch die erfindungsgemässe Anordnung nach Fig. 3 bedingten Strahlbeeinflussungen zu übersehen, werde der in Fig. 4 dargestellte allgemeine Fall behandelt, dass der Vektor der Herzspannung A unter dem Winkel a gegen die Horizontale bzw. gegen die Richtung der Ableitung 1 liege.
Die aus den einzelnen Ableitungskomponenten, die, wie oben erwähnt, durch Projektion von A auf die einzelnen Seiten des gleichseitigen Dreiecks erhalten werden, resultierende Strahlablenkung erhält man dann, indem man die Ableitungsvektoren. au, A2 und A3 vektoriell unter Winkeln von 60 addiert.
Diese geometrische Zusammensetzung liefert nun auf die aus Fig. 4 ersichtliche Weise den resultierenden Vektor S, der mit der Horizontalen bzw. mit der Ableitung 1 den Winkel x einschliesst : Für die praktische Verwertung des erfindungsgemässen Verfahrens ist es nun von grösster Wichtigkeit, die Grösse dieses Winkels x, den die tatsächliche Strahlablenkung auf dem Röhrenschirm wirklich umgibt, zu erfassen.
Aus dieser Darstellung sieht man deutlich, dass die beiden Vektoren A und S parallel laufen, d. h. der Winkel x muss gleich dem Winkel a sein : Der auf dem Schirm der Oszillographenröhre erscheinende Ableitungsvektor S gibt also genau die Richtung der gesuchten Herzachse. Die exakte analytische Betrachtung der Verhältnisse liefert den Beweis, dass dieses Gesetz, das an Hand der Fig. 4 rein zeichnerisch bewiesen ist, für alle beliebigen Winkel n, d. h. für alle denkbaren Fälle Gültigkeit hat.
Gleichzeitig sieht man, dass die Länge des resultierenden Vektors S von der Länge des ursprünglich gegebenen Herzvektors A verschieden ist. Auf analytischem Wege ergibt sich indessen, dass die beiden, Vektoren unabhängig vom Winkel a in dem konstanten Grössenverhältnis von < S'/. = 1-5 stehen, was gegebenenfalls bei einer Eichung der Apparatur berücksichtigt werden kann.
Ein weiterer Vorzug des neuen Verfahrens gegenüber der oben beschriebenen, mit nur zwei Ableitungen und zweiAblenkungsrichtungen arbeitendenLissajousmethode, ist neben seiner universellen Anwendungsmöglichkeit und Wirksamkeit darin zu erblicken, dass die Richtung des beobachteten Herzvektors S vollständig unabhängig ist von etwaigen Phasenverschiebungen zwischen den einzelnen Aktionsspannungen.
Während nämlich die Hauptachse einer normalen, d. h. in nur zwei Koordinaten eingeschriebenen Lissajousfigur bekanntlich von den Phasenbeziehungen, unter denen die beiden Ablenkungsspannungen zueinander stehen, abhängig ist, ist das bei der neuen Methode nicht der Fall, da dieselbe auf dem Einthovenschen Gesetz fusst, wonach die absolute Summe der drei Ableitungvektoren immer gleich Null sein muss. Auf Grund dieser allgemeinen Beziehung werden alle Phasenverschiebungen, wie sie zwischen den einzelnen Aktionsspannungen durch Leitungsverzögerung u. dgl. auftreten, vollkommen eliminiert. Die Richtung des nach dem neuen Verfahren gewonnenen Herzvektors ist vollständig unabhängig von irgendwelchen Phasenverschiebungen, wie es die wirklichen Verhältnisse auch fordern.
Es würde zu weit führen, den exakten mathematischen Beweis an dieser Stelle zu erbringen, so dass der vorstehende Hinweis genügen muss.
Für die klinische Diagnose sagt dieses, dem neuen Verfahren eigentümliche physikalische Grundgesetz aus, dass der Vektor S als gerade Linie erscheinen muss, vorausgesetzt freilich, dass der Herzvektor während der Herzkontraktion seine einmal festliegende Richtung unverändert beibehält. Nun ist diese Voraussetzung anatomisch durchaus nicht unbedingt erfüllt, denn die Bahnen, auf denen die die Aktionsspannungen erzeugende Erregungswelle oder Reizleitung fortschreitet, sind bekanntlich nicht geradlinig, sondern haben auf Grund der anatomischen Struktur der Herzmuskulatur und des spezifischen Reizleitungssystems einen gekrümmten Verlauf.
Wenn sich die Richtung der Strahlablenkung während der Initialzacke aber ändert oder dreht, erscheint auf dem Leuchtschirm keine Gerade, sondern eine gekrümmte Linie, die den räumlichen Verlauf der Erregungsausbreitung im
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Herzen widerspiegelt. Diese physikalisch eindeutig begründete Erscheinung gibt dem Arzt eine neue Möglichkeit an Hand, Schädigungen in dem Ablauf der Erregungsausbreitung auf einfachste Weise zu erkennen, was mit allen bisher bekanntgewordenen Untersuchungsmethoden nicht möglich ist.
Um gleichzeitig mit der Feststellung von Richtung und Form der elektrischen Herzachse auch den zeitlichen Verlauf der Herzaktionsspannungen in allen drei Ableitungen verfolgen und zu Untersuchungszwecken heranziehen zu können, verbindet man zweckmässig die neue Methode mit der normalen Dreifachschreibung, indem man dem Schaltschema der Fig. 3 a entsprechend den drei Ablenksystemen ? i, Fs und P ; ; drei getrennte Oszillographenröhren oder die Systeme einer entsprechender Dreistrahlröhre parallel schaltet.
Beim Bau der in Fig. 3 a gezeigten Kathodenstrahlröhre ist darauf zu achten, dass alle drei Ablenksysteme gleiche Ablenkempfindlichkeit haben. Da die Systeme in Richtung des Strahles verschoben sind, muss man infolgedessen entweder verschiedene Plattenlängen oder verschiedene Plattenabstände wählen, um die verschiedenen geometrischen Übersetzungen des Strahlhebels bis zum Röhrenschirm auszugleichen. Zur Kontrolle der richtigen Gesamtabgleichung, wozu auch gleiche Empfindlichkeit der drei benutzten Verstärker gehört, ist in Fig. 3 b die Taste T vorgesehen, die eine schwache Hilfsspannung e kurzzeitig zwischen den Sternpunkt E und Erde zu legen erlaubt.
Beim Drücken und beim Loslassen dieser Kontrolltaste darf sich der Strahl nicht aus seiner Ruhelage bewegen, da in keiner Dreieckseite eine Potentialdifferenz entsteht, sondern da nur das Gesamtpotential des Eingangs-und Ausgangsdreiacks gleichmässig gehoben und gesenkt wird.
Ein überaus einfaches Plattensystem, das unter Ausnutzung des Erfindungsprinzips von vornherein in allen drei Ablenkungsrichtungen unbedingt gleiche Empfindlichkeit aufweist, ist in Fig. 5 im Schnitt dargestellt. Es setzt sich aus drei einzelnen Platten Pr, Pl und Pb zusammen, die in Form eines gleichseitigen Dreieckes angeordnet und unmittelbar mit den entsprechenden Eckpunkten des Anodenwiderstandssterns verbunden sind. Solange die Strahlablenkung innerhalb der Platten klein gegen die Plattenabstände bleibt, was praktisch in Anbetracht des grossen Strahlhebels immer der Fall sein wird, ist die Wirkung des neuen Dreiplattensystems die gleiche wie der getrennten Plattenpaare in Fig. 3 a.
Erst wenn der Strahl soweit aus seiner Mittellage abgelenkt wird, dass er in die Randzonen des Ablenkfeldes gerät, machen sich Störungen durch Feldverzerrungen bemerkbar. Hinsichtlich seiner Wirkung bzw. seiner vektoriellen Strahlablenkung weist das Dreiplattensystem gegenüber der oben beschriebenen Oszillographenröhre keine Besonderheiten auf, so dass darüber nichts weiter gesagt zu werden braucht.
Am Beispiel der Kathodenstrahlröhre lässt sich die praktische Ausführung und Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens am einfachsten und anschaulichsten zeigen, doch sei betont, dass sich das Verfahren grundsätzlich natürlich auch mit beliebigen andern Oszillographen durchführen lässt, wie von der Erzeugung normaler Lissajousfiguren allgemein bekannt ist.
Es sei noch bemerkt, dass sich die hier beschriebene Methode auch mit Hilfe nur eines einzigen Verstärkers in die Praxis umsetzen lässt, dessenEingang undAusgang in synchronem, schnellem Rhythmus auf die Eckpunkte des Ableitungsdreiecks und des Ausgangssterns bzw. Dreiecks umgeschaltet werden.
Um nun ausser der Lage und Drehung der Herzachse auch die einzelnen Aktionsspannungen bzw. Herztonkurven mit der gleichen Einrichtung aufnehmen zu können, können Mittel vorgesehen werden, um die einzelnen verstärkten Herzaktionsspannungen einem besonderen Ablenkungssystem zuzuführen, so dass auf. einer bewegten lichtempfindlichen Schicht, z. B. einem photographischen Film oder Bromsilberpapierstreifen, eine normale elektrokardiographische Aufnehme entsteht. Wenn eine Aufzeichnung der Herzachse auf der gleichen photographischen Schicht aufgenommen werden soll, wird das genannte Ablenkungssystem abgeschaltet, und die drei von den Eckpunkten des Einthovensehen Dreiecks abgenommenen Aktionsspannungen werden einer zweiten dreifachen Ablenkungsanordnung gemäss der Erfindung zugeführt.
Dadurch ist der Arzt in der Lage, sowohl die Augenblickswerte der Herzaktionsspannungen als auch ihren funktionellen Zusammenhang auf ein und demselben Bildstreifen in einfacher Weise und unter Benutzung eines einzigen Aufnahmegerätes zu erkennen.
In Fig. 6 ist zu diesem Zweck eine mit einer Kathodenstrahlröhre versehene elektrokardiographische Anordnung ähnlich der in Fig. 3 dargestellten vorgesehen, wobei aber ein DreifachAblenkungssystem mit drei Ablenkungsplatten 30,30'und 30"ähnlich Fig. 5 verwendet wird. Als Zusatz zu dem Dreifach-Ablenkungssystem ist ein Paar paralleler Ablenkungsplatten 31 und 32 für
EMI4.1
bezeichnet, die, vorzugsweise wie bei 36 angeordnet, mechanisch miteinander gekuppelt sind. Die Sohaltungsanordnung 33 besteht aus einem Paar beweglicher Kontakte 34, 35, die mit vier Paaren von festen Kontakten 1-1, 2-2, 3-3, und 4-4 zusammenarbeiten, die einerseits mit den Anoden 12, 12'und 12" und anderseits in der gezeichneten Weise mit den Ablenkungsplatten 31 und 32 verbunden sind.
Die Schaltanordnung 37 ist mit drei beweglichen Kontakten 38, 39 und 40 versehen, die mit zwei Sätzen von festen Kontakten 1-1-1 und 2-2-2 zusammenarbeiten und einerseits mit den Anoden 12, 12'und 12" und anderseits mit den Ablenkungsplatten 30, 30'und 30"in der dargestellten Weise verbunden sind. In den mit 1-1, 2-2 und 3-3 bezeichneten Stellungen des Schalters 33 werden die Aktionsspannungen I, 11 und III nacheinander mit den Ablenkungsplatten 31 und 32 verbunden
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so dass normale elektrokardiographische Aufzeichnungen, wie in Fig. 1 mit a"a, und a, bezeichnet, auf einem bewegten lichtempfindlichen Streifen oder Film 42 aufgezeichnet werden können.
Gleich- zeitig werden die Platten 30,30'und 30", wie bei 18 angedeutet, durch die Stellungen der Kontakte 38,
39 und 40 des Schalters 37 geerdet. Wenn die Kontakte 34 und 35 in die Stellung 4-4 bewegt und geerdet sind, bewegen sich die Kontakte 38, 39 und 40 in Stellung 2-2-2, wobei die verstärkten Aktionsspannungen dem Dreifach-Ablenkungssystem 30,30'und 30"zugeführt werden und eine Aufzeichnung auf dem Fluoreszenzschirm entsteht, die die Lage und Drehung der elektrischen Achse des Herzens in der vorbeschriebenen Weise darstellt. Wenn eine photographische Aufzeichnung gewünscht wird, muss der Aufzeichnungsstreifen 42 stillgesetzt und mit Hilfe eines photographischen Verschlusses in der üblichen Weise belichtet werden.
Mit Hilfe der beschriebenen Anordnung können aber auch beliebige andere Aufnahmen auf dem Bildschirm oder dem Schreibstreifen gemacht werden.
An Stelle der elektrostatischen Ablenkung des Kathodenstrahlenbündels können auch Mittel zur Ablenkung mit Hilfe magnetischer Felder benutzt werden. So können die elektrostatischen Ablenkungsplatten 31 und 32 durch ein Paar von Feldspulen ersetzt werden, die in an sich bekannter Weise ausserhalb der Röhre anzuordnen sind. Ebenso können an Stelle der Ablenkungsplatten 30,30' und 30"drei Feldspulen 40, 40'und 40"vorgesehen werden, deren Achsen 600 gegeneinander geneigt sind, wobei die Spulen in Sternschaltung miteinander verbunden sind. Der gemeinsame Sternpunkt ist mit dem positiven Pol der Anodenspannungsquelle verbunden, und die offenen Enden sind an die Anoden der Verstärker angeschlossen, wie in Fig. 7 dargestellt.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Feststellung von Richtung und Form der elektrischen Achse des Herzens, dadurch gekennzeichnet, dass drei miteinander korrespondierende, z. B. auf Grund des Einthovenschen Dreieckschemas gewonnene Ablsitungsspannungen auf oszillographischem Wege vektoriell zusammengesetzt werden.