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Kartoffelanbauverfahren.
Die Erfindung betrifft ein Kartoffelanbau-Verfahren, das eine wesentliche Steigerung des mengen- mässigen Ertrages der einzelnen Pflanzen und gegebenenfalls auch eine Vorverlegung der Ernte eines
Teiles der Knollen gestattet.
Es ist im Weinbau bekannt, Ableger zur Vermehrung der Weinstöcke dadurch zu ziehen, dass
Triebe teilweise mit Erde bedeckt werden. Diese Triebe bleiben bis zur Bewurzelung in Verbindung mit dem Mutterstock und werden von diesem ernährt ; erst dann werden sie von diesem abgetrennt und als selbständige Stöcke weiterverwendet. Dieses Verfahren wurde auch in der Rosenzucht angewendet.
Beim Kartoffelanbau handelt es sich um ein grundsätzlich anderes Problem, nämlich nicht um die Vermehrung der Pflanzenindividuen, sondern um die Steigerung des Knollenertrages der vorhandenen
Individuen. Bei der Kartoffelpflanze als einjährigem Kraut kommt ja eine Vermehrung wie bei den mehrjährigen, stockbildenden Reben oder Rosen nicht in Betracht.
Der Erfindungsgegenstand betrifft eine Ausgestaltung des an sich bekannten Verfahrens, die
Knollenbildung durch Verlängerung des unterirdischen Stengels zu steigern.
Die Methode, lange unterirdische Stengel durch tiefen Anbau zu züchten, hat sich nicht als zweck- mässig erwiesen, weil die Knollen die zur Entwicklung notwendige Luft und Wärme in unzulänglichem
Masse erhalten und die so angebauten Kartoffeln deshalb nur kleine Knollen hervorbringen können. Auch das sonst allgemein verbreitete Anbauverfahren, bei welchem die Kartoffeln seicht in den Boden gesetzt werden und durch hohes Anhäufeln das eigentliche Zuchtgebiet der Kartoffel gebildet wird, hat den Nachteil, dass die so bestellte Erde vielfach in einer Weise austrocknet, dass die bereits entwickelten Wurzeln und Sprossen verdorren.
Es ist bekannt, dass das mengenmässige Ergebnis der Kartoffelernte in hohem Masse von der Länge des unterirdischen Stengels abhängig ist. Langjährige Beobachtungen und planmässig durchgeführte Versuche, einen möglichst langen unterirdischen Stengel zu züchten, haben zu dem überraschenden Ergebnis geführt, dass bei rechtzeitigem Einsenken der bereits emporgewachsenen, jungen, zarten Stengel von seicht in den gefurchten Boden eingesetzten Kartoffeln der mit Erde beschüttete Stengel rapid wächst, sich bewurzelt und auf jedem unterirdischen Stengelknoten sich Triebe und dann Knollen in grosser Zahl bilden, wodurch eine erhebliche Steigerung der Fechsung erreicht wird, die selbst bis 60% betragen kann.
Dabei ist es gleichgültig, ob der emporgewachsene junge Stengel am unteren Ende mit Erde beschüttet wird und die Stengelspitze ins Freie ragt, oder der unmittelbar aus der Erde tretende Teil des Stengels frei bleibt und nur das obere Ende mit dem Rest des Erdkammes bedeckt wird. Immer kommt es nur darauf an, dass das Einsenken nicht zu spät erfolgt, denn nur die jungen, unterirdischen Stengel können Wurzel fassen und Früchte bringen.
Das den Gegenstand dieser Erfindung bildende neuartige Einsenken des emporgewachsenen Stengels vermeidet sowohl die ungünstigen Vorbedingungen, die dem Wachstum tief in den Boden eingesetzter Kartoffeln hindernd entgegenstehen, als auch die Nachteile, die der Methode des Häufelns anhaften.
Der Vorgang, der zu beobachten ist, um zu einer unter den gegebenen Boden-und Witterungsverhältnissen möglichst hohen Steigerung des Ertrages zu gelangen, lässt sich dahin zusammenfassen, dass zunächst das Kartoffelfeld im Herbst in üblicher Weise tief geackert und im Frühjahr aufgelockert wird, um dann in normalem Abstand von etwa 60 cm in einer solchen Richtung ausgefurcht zu werden,
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dass die Furchen den Regen nicht ableiten sondern, auffangen. Die Kartoffel wird dann in die vorteilhaft mit Locheisen eingeschnittenen Nester des noch feuchten, aufgelockerten Furchengrundes gedrückt und mit vom seitlichen Erdkamm abgezogener Erde reichlich so bedeckt, dass die Furche zum grösseren
Teil erhalten bleibt und die Erdoberfläche ganz locker und mürbe geworden ist.
Nach dem Aufkeimen wird der Boden wieder aufgelockert, wobei darauf zu achten ist, dass beim Hacken die Furchen erhalten bleiben.
Kurz vor dem Zeitpunkt, in welchem bei den gewöhnlichen Anbaumethoden das Anhäufeln erfolgt, werden die jungen, zarten, emporgewachsenen Kartoffelstengel in die Furche umgelegt und mit dem Rest des seinerzeit aufgeworfenen Erdkammes derart bedeckt, dass vom Stengelende einige Zentimeter ausserhalb der Erde bleiben.
Wird das Einsenken erst im Zeitpunkt vorgeschritteneren Wachstums vorgenommen, dann bleibt in diesem Fall der untere Stengelteil ausserhalb der Erde und nur das Ende des Stengels samt Spitze wird mit Erde bedeckt. Diese Umkehrung in der Beschüttungsmethode ist notwendig, weil der gegen die Spitze gelagerte Stengelteil der jüngere, daher für die Bewurzelung und Knollenbildung auch besser geeignete ist. An den Blätterknoten des ausserhalb der Erde verbliebenen Stengelteiles bilden sich neue oberirdisch Stengel. Wurde die Einsenkungsarbeit richtig vorgenommen, dann ist die Oberfläche wieder vollständig locker, der eingesenkt und mit Erde beschüttete Stengel beendet seine Entwicklung schnell und bleibt nur um weniges niedriger, als wenn er nicht eingesenkt worden wäre.
Bei der Kartoffelanbaumethode mit eingesenktem Stengel gemäss dieser Erfindung ist es möglich, die an der Hauptwurzel gebildeten Knollen als"heurige Kartoffeln"zu ernten, während die am eingesenkten Stengel befindlichen Knollen, die sich erst später entwickeln, weiter ausreifen können.
Die Entwicklung der am eingesenkten Stengel in Bildung begriffenen Kartoffeln kann selbst bis zu 10-14 Tagen beschleunigt werden, wenn das ins Freie ragende Ende des Stengels gestutzt wird, bevor er sein Wachstum beendet hat.
Diese planmässige Massnahme, die die Vorverlegung des Zeitpunktes der Reife der Frühkartoffeln um etwa 14 Tage bezweckt, kann auch bei anderen Anbauverfahren mit dem gleichen günstigen Erfolg zur Anwendung gelangen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Kartoffelanbauverfahren, gekennzeichnet durch die Übertragung des zur Vermehrung von Wein- oder Rosenstöcken durch Ableger bekannten Verfahrens, Triebe teilweise mit Erde zu bedecken, auf die Steigerung des Knollenertrages vorhandener Kartoffelpflanzen, indem deren über die Erdoberfläche hinausgewachse Stengel durch Umlegen in die Erdfurche eingesenkt und derart zum Teil mit Erde bedeckt werden, dass entweder der unmittelbar aus der Erde ragende untere Stengelteil beschüttet wird und die Stengelspitze frei bleibt oder umgekehrt das Stengelende samt Spitze bedeckt wird und der untere Stengelteil frei bleibt.