AT120384B - Verfahren zur Herstellung von Körperfarben. - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Körperfarben.

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AT120384B
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Kolloidchemie Studiengesellsch
Johannes Benedict Carpzow
Robert Lenzmann
Martin March
Hermann Sanders
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  Verfahren zur Herstellung von Körperfarben. 



   Die Erfindung gründet sich auf die Beobachtung, dass die im frischen, d. h. naturfeuehten Salzoder Süsswassersehliek in Mengen von etwa 20 bis 70% enthaltenen Kolloidstoffe nicht, wie vielfach in der Literatur angegeben, aus Ton, d. h. aus normalen gesättigten Silikaten, sondern im frischen, d. h. naturfeuchten oder unter   Luftabschluss   nur soweit getrockneten Zustande, dass ihre kolloidale Struktur im wesentlichen erhalten geblieben ist, aus ungesättigten und somit hochaktiven Siliziumverbindungen bestehen, welche die Fähigkeit besitzen, mit zahlreichen chemischen Stoffen Verbindungen von besonderen Eigenschaften einzugehen, die teils auf physikalischem Wege durch Absorption oder Adsorption, teils aber auch auf chemischem Wege entstehen.

   Beim Trocknen an der Luft gehen diese ungesättigten Siliziumverbindungen unter Aufnahme von Sauerstoff allmählich und dauernd in Kieselsäure bzw. Silikate über, die als reaktionsträge Stoffe bekannt sind. Die ungesättigte Natur der kolloidalen Siliziumverbindungen des   Schlicks   äussert sieh unter anderem in ihren stark reduzierenden Eigenschaften. 



  So vermögen dieselben unter anderem z. B. Küpenfarbstoffe in ihre Leukoverbindungen überzuführen, und zahlreiche Metallverbindungen zu reduzieren, wobei sie sich mit dem Metallradikal zu Metallsilikaten verbinden. Diese Fähigkeit der ungesättigten kolloidalen Bestandteile des Schlicks, mit zahlreichen Metallsalzen Silikate zu bilden, ergibt in Verbindung mit der Adsorptionsfähigkeit dieser kolloidalen Bestandteile für organische Verbindungen und Farbstoffe Körperfarben mit besonderen technischen Eigenschaften, wie grosse Brillanz und Deekkraft sowie gutes Haftvermögen. Man nimmt zweckmässig die Reaktion zwischen Schlick und Farbstoffen bei Gegenwart von Salzen solcher Metalle vor, welche Silikate zu bilden vermögen. Metallsalze dieser Art sind beispielsweise die Salze des   Aluminiums.   Magnesiums, Kalzium.

   Sie können entweder den Farbstoffen oder dem   aufgeschlämmten   Schlick oder der Mischung der beiden zugefügt werden. Zur Vollendung der Reaktion ist es hiebei vielfach   zweckmässig,   die Reaktion bei Temperaturen bis zu 100  C vor sich gehen zu lassen, wobei es sich in manchen Fällen empfiehlt, unter vermindertem Druck zu arbeiten. 



   Anstatt die Reaktion zwischen Schlick und bereits vorher fertig gebildeten Farbstoffen bei Gegenwart von Metallsalzen, welche mit Siliziumverbindungen Silikate zu bilden vermögen, vor sich gehen zu lassen, kann man neuartige Körperfarben auch in der Weise herstellen, dass man eine an sich bekannte Bildung von Farbstoffen oder Körperfarben bei Gegenwart von Schlick bzw. der genannten daraus abgeschiedenen Kolloidstoffe vor sich gehen lässt, wobei auffallenderweise Produkte erhalten werden, die nicht identisch mit denen sind, die durch einfache Adsorption von bereits vorher fertig gebildeten Farbstoffen oder Farben durch Schlick od. dgl. entstehen, sich vielmehr vor jenen vielfach durch andere Nuancen, grössere Ausgiebigkeit und andere wertvolle Eigenschaften auszeichnen. 



   Da diese Reaktionsfähigkeit des   Schlicks   vorwiegend nur den im rohen Schlick enthaltenen kolloidalen   Siliziumverbindungen   im mehr oder minder   naturfeuchten   Zustande zukommt, und, wie weiter gefunden wurde, diese Fähigkeit beim Trocknen derselben an der Luft sowie bei höheren Temperaturen dauernd verloren geht, wobei sie aus dem kolloidalen in den amorphen reaktionsträgen Zustand übergehen, so empfiehlt es sich, den rohen Schlick zunächst in der Weise aufzubereiten, dass man aus demselben die amorphen und hartkristallinischen Bestandteile durch   Schlämmen,

     Ausschleudern oder Absetzenlassen abscheidet und hierauf die gesammelten kolloidalen Sehlickbestandteile entweder im feuchten 

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 neten Zustande unter Vermeidung der Bildung amorpher reaktionsträge Silikate zur weiteren Verarbeitung gemäss der Erfindung bringt. 



   Es hat sich weiter gezeigt, dass die Reaktionsfähigkeit der naturfeuchten kolloidalen Bestandteile des Schlicks noch dadurch merklich gesteigert werden kann, dass man entweder den rohen Schlick oder   zweckmässiger   die daraus abgeschiedenen kolloidalen Bestandteile desselben einige Tage in   aufgesehlämm-   tem Zustande möglichst unter Luftabschluss sich selbst überlässt. Hiebei vermehren sich die vorhandenen anaeroben Bakterien derart, dass sie die Oberhand über die aeroben Bakterien gewinnen und somit eine Verminderung des Sauerstoffgehaltes sowie eine weitere Zerkleinerung der kolloidalen Substanzteilchen bewirken, womit eine Erhöhung der Aktivität und Reaktionsfähigkeit des Schlicks hinsichtlich seiner reduzierenden Eigenschaften und seiner Adsorptionskraft erreicht wird.

   Es ist anzunehmen, dass die Entstehung der ungesättigten Siliziumverbindungen des   Schlicks   überhaupt oder doch vorwiegend auf die Tätigkeit der in dem Schlick in grosser Menge vorhandenen Mikroorganismen zurückzuführen ist. Diese künstliche Aktivierung oder Steigerung der Reaktionsfähigkeit der kolloidalen Schliekbestandteile kann durch ein Versetzen der   Aussclùämmung   mit geeigneten Bakteriennährstoffen und eventuelle Hinzugabe anaerober Bakterienkulturen noch beschleunigt und begünstigt. werden. 



   Das neue Verfahren bietet somit mannigfache Ausführungsmöglichkeiten, von denen nachstehend einige typische Beispiele angeführt werden, wobei unter "Schlick" durchweg die durch Schlämmen und   und Sedimentierung   aus rohem Schlick gewonnenen kolloidalen Bestandteile desselben verstanden sein sollen. 



   Beispiel 1 : 3 kg Fuchsin werden in   300 l Wasser   gelöst, die Lösung mit 8 leg Alaun versetzt und hierauf mit 100 leg naturfeuchtem plastischem Schlick (mit etwa   60%   Wassergehalt) verrührt. Das Gemisch wird dann etwa 1 Stunde lang auf   80-100  C   erhitzt und nach Befreiung vom Wasser durch Dekantieren oder Zentrifugieren im Vakuum getrocknet und   schliesslich   gepulvert. 



    Beispiel 2 : Eine Lösung von 5 Teilen Ferrozyankalium in 1000 Teilen Wasser wird mit 200 Teilen   Schlick vermischt und nach einstündigem Rühren unter Luftabschluss mit einer entsprechenden Menge   einer wässerigen Ferrosulfatlösung versetzt. Nach   weiterem Rühren lässt man Wasserstoffsuperoxyd zufliessen bis zur dunklen Bläuung. Man erhält auf diese Weise eine blaue Körperfarbe, die durch Glühen auf   200-3000   C unter Zuleiten von Ammoniak in Rot übergeht. 



   Beispiel 3 : 10 Teile Rohanilin oder eine Mischung von 5 Teilen Anilin mit 5 Teilen Tolu'din werden im Vakuum mit 200 Teilen   Schlick innigst vermischt   und dann bis zum Krümlichwerden getrocknet. 



  Diese Masse wird dann entweder 12 bis 24 Stunden der Luft ausgesetzt oder mit andern Oxydationsmitteln oxydiert. Es bilden sich dabei blaurote bis weinrote Farben. 



   Beispiel 4 : 10 bis 20 Teile Titanoxyd oder Titandioxyd werden mit Wasser   angeschlämmt   und dann mit 200 Teilen Schlick innig vermischt. Nach einigen Stunden wird die Masse vom Wasser befreit. 



  Man erhält auf diese Weise gelbe bis grüne Farbkörper. Setzt man dem Schlick noch   wasserlösliche   Aluminiumsalze zu, so erhält man nach erfolgtem Glühen des erhaltenen Produktes unter Luftabschluss bzw. in einer reduzierenden Atmosphäre bei Temperaturen von etwa 600  C violette Farbkörper. 



   PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Körperfarben, dadurch gekennzeichnet, dass man Schlick oder die daraus durch   Abschlämmen   od. dgl. abgeschiedenen Kolloidstoffe im   naturfeuchten   bzw. noch reaktionsfähigen Zustande in innige Berührung mit fertig gebildeten organischen oder anorganischen Farbstoffen bei Gegenwart von solchen Metallsalzen, welche mit Siliziumverbindungen Silikate zu bilden vermögen, bringt.

Claims (1)

  1. 2. Abänderung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man die Bildung organischer oder anorganischer Farbstoffe aus ihren Ausgangsprodukten bei Gegenwart von Schlick oder den daraus abgeschiedenen Kolloidstoffen im naturfeuchten bzw. noch reaktionsfähigen Zustand vor sich gehen lässt.
    3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass man hiebei unter Luftabschluss bzw. im Vakuum arbeitet.
    4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass man den Schlick oder die daraus abgeschiedenen Kolloidstoffe vor dem Vermischen mit den Farbstoffen oder den zur Bildung von solchen führenden Ausgangsstoffen einige Zeit in aufgeschlämmtem Zustand unter Luftabschluss, gegebenenfalls unter Zusatz von Bakteriennährstoffen und anaeroben Bakterienkulturen sich selbst überlässt.
    5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass man den Schlick bzw. die daraus abgeschiedenen und eventuell noch künstlich aktivieren Kolloidstoffe unter Luftabschluss bei Temperaturen unter 80 C nur so weit trocknet, dass die kolloidale Struktur und der ungesättigte Zustand derselben im wesentlichen erhalten geblieben sind.
AT120384D 1928-06-05 1928-06-05 Verfahren zur Herstellung von Körperfarben. AT120384B (de)

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