B e s c h r e i b u n g
Material mit hoher Bandlücke und Dielektrizitätskonstante
Die Erfindung betrifft ein Material mit hoher Bandlücke und Dielektrizitätskonstante.
Aus dem Stand der Technik ist bekannt, SiO2 als Gatematerial für einen Transistor zu verwenden. SiO2 weist eine vergleichsweise niedrige Dielektrizitätskonstante von nur K = 3,9 bei einer optischen Bandlücke von etwa 9 eV auf.
Mit weiter fortschreitender Miniaturisierung mikroelektronischer Bauelemente ist es ein Ansatz, die Schichtdicke des Gates auf weniger als 1 nm zu reduzieren. Nachteilig werden im Falle von SiO2 als Gatematerial bei derartigen Schichtdicken die Leckströme in Transistoren sehr groß. In der Isolationsschicht sollten aber nur geringe Leckströme vorliegen.
Alternativ können Materialien mit höherer Dielektrizi- tätskonstante verwendet werden.
Aus dem Stand der Technik sind Oxide, z. B. HfO2, ZrO2 oder REScO3 (mit RE=Dy, Gd, La) bekannt. Diese weisen eine Dielektrizitätskonstante von etwa K = 20-25 bei einer optischen Bandlücke von > 5 eV auf.
Eine Dielektrizitätskonstante von K = 25 ist für die
Anforderungen insbesondere an das Gateoxid eines Tran-
sistors in Bezug auf hohe Ladungsträgerbeweglichkeit jedoch nicht ausreichend. Beispielsweise reduziert eine Hf02-lsolationsschicht die Ladungsträgerbeweglichkeit im Silizium auf Grund weicher Phononen um den Faktor zwei. Diese sind eine materialspezifische Eigenschaft und koppeln an die Ladungsträger im Transistorkanal an.
Ebenfalls bekannt sind Titanate, z. B. (Ba, Sr)TiO3, zur Erzeugung von DRAM.
Diese Materialien weisen sehr hohe Dielektrizitäts- konstanten von K = 300-10000 bei Raumtemperatur auf.
Nachteilig zeigen diese Materialien aber optische Bandlücken von < 4 eV.
Aus Schlom und Haeni ist bekannt (Schlom, D.G., Haeni, J.H. (2002) . A thermodynamically approach to selecting alternative gate materials. MRS Bulletin 198-204) , dass Titanate in direktem Kontakt mit Silizium thermodyna- misch instabil sind. Bei Temperaturen großer Raumtemperatur, insbesondere von bis zu 1000 0C, die bei der Erzeugung moderner MOSFET angewendet werden, erfolgt nachteilig eine Legierungsbildung zwischen den Titana- ten und dem Silizium. Weiterhin ist bei diesen Materialien die Bandlücke von etwa 3,5 eV zu gering, um ausreichend niedrige Leckstrδme zu gewährleisten. Titanate werden daher als Gatematerial als ungeeignet angesehen.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Material für ein
Halbleiter-Bauelement, insbesondere ein geeignetes Gatematerial bereit zu stellen, das gegenüber SiO2 eine signifikant erhöhte Dielektrizitätskonstante von K > 5 und eine optische Bandlücke von > 4 eV aufweist.
Die Aufgabe wird durch ein Material gemäß Hauptanspruch gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den darauf jeweils rückbezogenen Patentansprüchen.
Erfindungsgemäß umfasst das Material mindestens zwei Verbindungen, von denen die erste eine Dielektrizitätskonstante K > 5 und die zweite eine optische Bandlücke > 4 eV bei Raumtemperatur aufweist . Auf diese Weise wird vorteilhaft gewährleistet, dass das Material sowohl eine hohe Dielektrizitätskonstante von K > 5 als auch eine im Vergleich zum Stand der
Technik erhöhte optische Bandlücke > 4 eV aufweist. Das Material kann insbesondere zur Bildung eines Gate verwendet werden.
Das Material umfasst vorteilhaft mindestens eine Ver- bindung aus jeweils der Gruppe der Scandate und Titana- te.
Durch Wahl mindestens einer Verbindung aus je einer dieser Gruppen wird besonders vorteilhaft bewirkt, dass das Material eine Dielektrizitätskonstante von etwa K > 40 durch die Verbindung ausgewählt, aus den Titanaten aufweist . Darüber hinaus weist das Material durch das Scandat eine optische Bandlücke > 4 eV auf.
Als Titanat kann BaTiO3 und/oder SrTiO3 vorgesehen sein. Es ist möglich, beide Verbindungen in dem erfin- dungsgemäßen Material neben einer weiteren Verbindung aus der Gruppe der Scandate vorzusehen.
Als Scandat kann z. B. GdScO3 vorgesehen sein. Weitere Seltenerde Elemente wie Pr, Nd, Sm, Eu, Tb, Dy, Ho, Er,
Tm, Yb oder Lu an Stelle von Gd können ebenfalls vorgesehen werden.
Sofern das Material zur Bildung des Gate eines Transistors verwendet wird, können die mindestens zwei Verbin- düngen des Materials homogen verteilt das Gate bilden. Mit diesem Begriff ist auch ein Gate umfasst, in dem die Verbindungen mehrfach alternierend auf dem Substrat zur Bildung des Gate aufgebracht vorliegen.
Die einzelnen alternierenden Schichten weisen dabei be- sonders vorteilhaft jeweils eine Schichtdicke von
< 3 nm auf. Bei mehrfacher Auftragung auf das Substrat wird somit ein Gate gebildet, dessen Dicke von der Anzahl der einzelnen Schichten und deren Schichtdicken abhängt. Durch die mehr- oder vielfach alternierenden Schichten liegen die mindestens zwei Verbindungen des erfindungsgemäßen Materials homogen verteilt bzw. durchmischt im Gate vor.
Es ist aber auch denkbar, die Verbindungen vorab zu homogenisieren und sodann durch geeignete Verfahren auf einem Substrat aufzubringen oder abzuscheiden.
Alternativ zu dieser Vorgehensweise können die mindestens zwei Verbindungen zur Erzeugung einer funktionellen Schicht auch jeweils nur einmal nacheinander auf einem geeigneten Substrat aufgebracht werden. In diesem Fall liegen die Verbindungen nicht homogen verteilt vor, bilden aber in Abhängigkeit von der gewählten Schichtdicke und der Verbindungen eine einzige funktionelle Schicht, wie z. B. ein Gate.
Durch die offenbarten Vorgehensweisen wird demnach vorteilhaft bewirkt, dass auf dem Substrat aus z. B. Silizium, eine Schichtenfolge aus wenigstens zwei Verbindungen angeordnet ist, in der vorteilhaft die Eigen- Schäften einer großen Dielektrizitätskonstante mit K > 5 mit einer optischen Bandlücke > 4 eV verbunden sind.
Sofern als Titanat BaTiO3 und/oder SrTiO3 und als Scan- dat GdScO3 vorgesehen ist, wird vorteilhaft ein Gatematerial bereitgestellt, welches eine Dielektrizitäts- konstante -von wenigstens K = 60 und eine optische Bandlücke > 5,5 eV aufweist.
Besonders vorteilhaft ist durch das erfindungsgemäße Material bzw. Gateoxid ein Material mit thermodynami- scher Stabilität auf einem Halbleiter-Substrat, z. B. Silizium, und damit Kompatibilität mit der CMOS- Technologie gewährleistet.
Ein Verfahren zur Herstellung eines Gateoxids sieht vor, auf einem Substrat aus insbesondere Silizium zunächst das Scandat und darauf das Titanat je mindestens einmal abzuscheiden. Dadurch wird vorteilhaft gewährleistet, dass keine Elemente des Titanats in das Silizium-Substrat diffundieren.
Im Weiteren wird die Erfindung an Hand eines Ausführungsbeispiels und der beigefügten Figuren näher be- schrieben.
Fig. 1 zeigt ein RBS-Spektrum einer 100 nm dicken Schicht, welche auf Silizium mittels gepulster Laserde-
Position hergestellt wurde. Die Abscheidetemperatur betrug etwa 400 0C. Rutherfordrückstreuungsexperimente (RBS) ermöglichen die Analyse bezüglich der Elementverteilung und der Schichtdicke. Die Schicht besteht aus BaTiO3 und GdScO3. Die beiden Verbindungen wurden wechselseitig je 20 mal zur Bildung von GdScO3- und BaTiO3- Schichten auf das Siliziumsubstrat abgeschieden, so dass eine homogene Verteilung beider Verbindungen in der Schicht auf dem Substrat vorliegt. Die einzelnen Schichten sind dünner als 3 nm, um eine möglichst gute Durchmischung der Verbindungen zu gewährleisten.
Die Signale der einzelnen Elemente sind durch Symbole zugeordnet . Die Stöchiometrie dieser Schicht wurde über einen Vergleich mit einer Simulation, welche als durch- gezogene Kurve dargestellt ist, ermittelt. Es ergibt sich eine Zusammensetzung von (BaTiO3) 0.7(GdScO3) 0.3 •
Diese Schicht wurde nachfolgend mit Gold-Kontakten zur elektrischen Charakterisierung versehen. Eine Kapazitätsmessung wurde bei 1 MHz Betriebsfrequenz durchge- führt (Fig. 2) .
In Fig. 2 ist die gemessene Kapazität der Schicht gegen die angelegte Spannung aufgetragen. Bei negativen Spannungen von - 3 V lässt sich aus der Kapazität eine Dielektrizitätskonstante ermitteln. Auf Silizium erhält man eine Dielektrizitätskonstante von etwa K = 40, während man bei gut kristallin gewachsenem Material auf einem elektrisch leitfähigen Substrat SrTiO3(IOO) bedeckt mit dem Elektrodenmaterial SrRuO3 eine Dielektrizitätskonstante von etwa κ= 60 ermittelt.
Als Substrat kann wie dargestellt Silizium vorgesehen sein. In diesem Fall, wird mit einer GdScO3-Schicht auf Silizium begonnen. Anschließend wird hierauf die Ba- TiO3-Schicht abgeschieden. Durch diese Maßnahme wird vorteilhaft bewirkt, dass keine Reaktion zwischen dem Titanat und dem Silizium erfolgt und die Bandlücke auf einem hohen Wert von 5,5 eV dauerhaft eingestellt wird.
Weiterhin wird vorteilhaft bewirkt, dass die Diffusion von Elementen aus der BaTiO3-Schicht in das Silizium- Substrat vollständig verhindert wird. Dadurch können im Gegensatz zum Stand der Technik Ti-haltige Materialien zur Bildung eines Gate eingesetzt werden.
Um einen hysteresefreien Verlauf in der Kapazitätsmessung (Fig. 2) zu erhalten, wird ein Tempervorgang bei 500 0C in einer Forminggas Atmosphäre mit 80 % N2 und 20 % H2 durchgeführt. Die Schicht hält eine angelegte Spannung von 20 V aus, was einer Durchbruchfeidstärke von 2 MV/cm entspricht. Dies ist als unterer Wert der Durchbruchfeidstärke anzusehen.
Die Erfindung ist hierauf nicht beschränkt . Es ist möglich, die beiden Verbindungen nicht 3 Nanometer dünn und mehrfach alternierend wie oben beschrieben, sondern nacheinander und sofort in der erwünschten Schichtdicke auf dem Substrat anzuordnen, so dass das Gate aus einem Schichtsystem aus nur zwei Einzelschichten besteht.
Auch dies führt dazu, ein Gate mit verbesserten Eigenschaften in Bezug auf die beiden Eigenschaften Dielektrizitätskonstante und optische Bandlücke zu bilden. Das Gate ist dann vorzugsweise durch ein unmittelbar
auf dem Substrat angeordnetes Scandat und einem hierauf angeordneten Titanat gebildet.