Leichtgewichtstruktur aus Glas oder Glaskeramik
Die Erfindung betrifft eine Leichtgewichtstruktur mit einer Mehrzahl von Rohren aus Glas oder Glaskeramik, vorzugsweise aus einem ΪJullausdehnungsmaterial, die an ihrer Außenoberfläche miteinander verbunden sind.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung einer derartigen Leichtgewichtsstruktur.
Eine Leichtgewichtsstruktur gemäß der Eingangs genannten Art ist aus der US-A-4917934 bekannt. Es handelt sich hierbei um
einen Teleskopspiegelrohling, der mit einem stützenden Netz¬ werkkern abgestützt ist, der aus gesinterten Keramikstegen besteht. Bei den gesinterten Stegen kann es sich um einschich¬ tige, durch Tape-Casting oder Extrudieren hergestellte Streifen oder ein Laminat aus einer Mehrzahl von Streifen handeln. Es können auf hexagonale Rohre verwendet sein, die durch Extrudie¬ ren hergestellt sind. Aus den Streifen oder Rohren wird eine Hohlstruktur gebildet, wobei die Rohre an ihren Außenoberflä¬ chen durch Glasfritte miteinander gebondet werden und zusätz¬ lich zumindest an ihrem einen Ende eine Querplatte aufgebondet wird. Die Rohre bestehen hierbei aus einem niedrigdehnenden Material mit einem thermischen Ausdehnungskoeffizienten zwi¬ schen —10 x ICTVK und +10 x 10"7/K über den Temperaturbereich von 0-300 0C.
Mit der vorbekannten Konstruktion lässt sich zwar grundsätzlich eine Leichtgewichtkonstruktion realisieren, die etwa zur Her¬ stellung von Spiegelteleskopen geeignet ist, doch ist die Her¬ stellung durch Tape-Casting oder mit Hilfe von keramisch herge¬ stellten Rohren aufwändig und führt in vielen Fällen nicht zu einer ausreichend hohen Festigkeit der Leichtgewichtsstruktur. Auch sind die herstellbaren Geometrien stark limitiert. Porosi¬ tätsfreie und fehlerfreie transluzente Materialien sind so nicht darestellbar.
Aus der DE-A-2119771 ist ferner eine Struktur bekannt, die aus gezogenen Glasrohren hergestellt wird, die an den Enden ver¬ schlossen werden. Die Glasrohre werden eng aneinander anliegend in eine Form eingebracht und durch eine aufgelegte Stahlplatte fixiert. Bei Aufheizen auf etwa 950 bis 1090 0C blähen sich die erweichten außen aneinander stoßenden Glasrohre auf unter Wir-
kung des Gasinnendrucks auf und verbinden sich an ihren Außenseiten. Während des Aufheizens werden die Glasrohre teilweise keramisiert. Auf diese Weise wird ein Wärmetauscher hergestellt, der eine Vielzahl von Längskanälen aufweist und über lange Zeiten bei hohen Temperaturen belastbar sein soll.
Das Herstellverfahren ist jedoch außerordentlich aufwändig und führt in Folge des Aufblähens der Rohre beim Aufheizen zu geo¬ metrisch unbestimmten Formänderungen.
Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, eine verbesser¬ te Leichtgewichtsstruktur zu schaffen, die auf einfache und zuverlässige Weise herstellbar ist, eine hohe Festigkeit und Stabilität aufweist und für Präzisionsanwendungen geeignet ist.
Ferner soll ein geeignetes Verfahren zur Herstellung einer solchen Leichtgewichtsstruktur angegeben werden.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Leichtgewichts¬ struktur mit einer Mehrzahl von Rohren aus Glas oder Glaskera¬ mik, vorzugsweise aus einem Nullausdehnungsmaterial gelöst, die an ihren Außenoberflächen durch ein Bondingmaterial aus Glas oder Glaskeramik miteinander verbunden sind.
Hinsichtlich des Verfahren wird die Aufgabe ferner durch ein Verfahren zum Herstellen einer Leichtgewichtsstruktur mit fol¬ genden Schritten gelöst:
Herstellen einer Mehrzahl von Rohren aus Glas oder Glaskeramik, vorzugsweise aus einem Nullausdehnungs- material,
Positionieren der Rohre nebeneinander in einer Anord¬ nung, in der die Außenoberflächen jeweils an benach¬ barte Rohre angrenzen,
Einbringen von Bondingmaterial zwischen die benach¬ barten Rohre und
Aufheizen auf eine Temperatur, bei der sich das Bon¬ dingmaterial mit den Rohren verbindet.
Die Aufgabe der Erfindung wird auf diese Weise vollkommen ge¬ löst.
Unter einem Nullausdehnungsmaterial wird im Sinne dieser Anmel¬ dung ein Material verstanden, dessen thermischer Ausdehnungsko¬ effizient im Anwendungstemperaturbereich von z.B. 0 bis 50 0C kleiner als + l«10~β/K ist. Im engeren Sinne wird hierunter ein Material verstanden, dessen thermischer Ausdehnungskoeffizient im Anwendungstemperaturbereiσh von 0 bis 50 °C kleiner als ± 0,5«10"Vκ ist, insbesondere kleiner als ± 0,l-10"6/K ist, insbe¬ sondere kleiner als i 0,05-10"VK ist, insbesondere kleiner als + 0,02-10"7κ ist.
Ein derartiges Nullausdehnungsmaterial, das von der Anmelderin hergestellt und vertrieben wird, ist die Lithium- Aluminosilikat-Glaskeramik (LAS-Glaskeramik) Zerodur®. Diese Glaskeramik wird durch eine geeignete Wärmebehandlung des Aus¬ gangsglases teilweise kristallisiert, wodurch sich in einem gewissen Temperaturbereich eine thermische Ausdehnung von nahe Null erzielen lässt. Weitere bekannte LAS-Glaskeramiken sind etwa CERAN®, Clearceram® und ROBAX®. Ein weiteres Nullausdeh-
nungsmaterial wird von der Firma Corning unter der Marke ULE® vertrieben. Hierbei handelt es sich um mit TiO2 dotiertes Quarzglas, das in einem Soot-Verfahren hergestellt ist.
Indem erfindungsgemäß Rohre aus Glas oder Glaskeramik, die vorzugsweise aus Nullausdehnungsmaterial bestehen, durch ein Bondingmaterial aus Glas oder Glaskeramik miteinander verbunden werden, lassen sich hochfeste, präzise Leichtgewichtsstrukturen mit einem definierten thermischen Ausdehnungskoeffizienten (CTA) von nahe null herstellen, die ein geringes Gewicht auf¬ weisen.
Die Rohre sind vorteilhaft als schmelztechnologisch hergestell¬ te Rohre, insbesondere als gezogene Rohre, ausgebildet und durch eine Wärmebehandlung keramisiert.
Auf diese Weise lassen sich die Rohre mit präziser Geometrie und hoher Festigkeit herstellen und zu Rohren mit Nullausdeh¬ nungscharakteristik verarbeiten. Es ergeben sich nahezu poren¬ freie transparente und damit leicht auf Qualitätsanforderungen prüfbare Rohre mit hoher Festigkeit. Auch sind verschiedene Geometrien leicht herstellbar.
Aus Glas oder Glaskeramik bestehende Rohre können nach bekann¬ ten Ziehverfahren hergestellt sein, mit denen sich nahtlose Rohre mit hoher Festigkeit ergeben.
Das Bondingmaterial besteht vorzugsweise aus gesinterter oder geschmolzener Glasfritte oder Glaskeramikfritte.
So wird eine haltbare und beständige Verbindung der Rohre ge¬ währleistet.
In vorteilhafter Weiterbildung der Erfindung besteht das Bon¬ dingmaterial aus dem gleichen Material wie die Rohre.
Auf diese Weise wird eine Leichtgewichtsstruktur mit insgesamt sehr niedriger thermischer Ausdehnung erzielt. Auch ergibt sich eine besonders gute Verbindung der Rohre.
Hierbei kann das Bondingmaterial aus bereits keramisiertem Nullausdehnungsmaterial bestehen oder aus einem Nullausdeh¬ nungsmaterial, das erst bei dem Bondingprozess, also bevorzugt bei dem Sinterschritt keramisiert wird. Da es sich bei der Keramisierung um einen exothermen Prozess handelt, ergibt sich so bei der Keramisierung während des Sinterprozesses tenden¬ ziell eine bessere Verbindung der Rohre.
Ferner kann das Bondingmaterial aus einem herkömmlichen Pb- Borat Compositglas vorzugsweise mit ausdehnungssenkenden iner¬ ten Füllstoffen bestehen. Auch ausdehnungsangepasste bleifreie Bi-Zn-Borat Compositgläser oder phosphatbasierte Glaslote las¬ sen sich verwenden.
Die Rohre können einen kreisförmigen, dreiecksförmigen, quadra¬ tischen, rechteckförmigen, sechseckförmigen, achteckförmigen oder allgemein polygonförmigen oder bspw. ellipsenförmigen Querschnitt aufweisen.
Je nach Anwendungsfall lässt sich so die Stabilität der Leicht¬ gewichtsstruktur in Axialrichtung oder gegenüber in Querrich¬ tung dazu wirkenden Kräften vorteilhaft anpassen.
Ferner können die Rohre eine Besσhichtung, insbesondere eine Außenbeschichtung aufweisen, wodurch gleichfalls die Festigkeit gesteigert werden kann.
Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung sind die Rohre zumindest an einem Ende mit einer Deckplatte verbunden. Diese Verbindung kann bspw. wiederum mittels Glasfritte oder derglei¬ chen realisiert werden.
Durch Verbindung mit einer gemeinsamen Deckplatte wird die Gesamtfestigkeit der Leichtgewichtsstruktur erhöht. Außerdem kann die Deckplatte etwa zur Ausbildung einer ebenen oder ge¬ krümmten Fläche, wie etwa einer Spiegelfläche genutzt werden.
Die Rohre werden bevorzugt in einem Ziehverfahren hergestellt, insbesondere durch Glasrohrziehen im Danner-Verfahren, im A- Zug-Verfahren oder im Wiederziehverfahren aus Preformen.
Soweit es sich um Glaskeramikrohre handelt, so können diese vor oder nach dem Bonden keramisiert werden.
Gemäß einer weiteren Variante der Erfindung wird die Keramisie- rung der Rohre mit dem Bondevorgang gemeinsam durchgeführt wird. So kann nämlich eine hohe zur Keramisierung notwendige Temperatur gleichzeitig zur Herstellung der Verbindung der benachbarten Außenoberflächen benutzt werden. Die Glasrohre erweichen während der Temperaturbehandlung zum Keramisieren und
können mit dem Bondingmaterial, wie etwa Glasfritte, an ihren Außenoberflächen der Keramisierungsbehandlung miteinander ver¬ bunden werden.
Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nach¬ stehend noch zu erläuternden Merkmale der Erfindung nicht nur in den jeweils angegebenen Kombinationen sondern auch in ande¬ ren Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die Zeichnung. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer ersten erfin¬ dungsgemäßen Leichtgewichtsstruktur im Querschnitt,
Fig. 2 einen Längsschnitt durch eine weitere erfindungsgemä¬ ße Leichtgewichtsstruktur in schematischer Darstel¬ lung und
Fig. 3 eine Abwandlung der Leichtgewichtsstruktur gemäß Fig.
1.
In Fig. 1 ist eine erste erfindungsgemäße Leichgewichtsstruktur schematisch dargestellt und insgesamt mit 10 bezeichnet.
Die Leichtgewichtsstruktur 10 besteht aus einer Vielzahl von Rohren 12, die parallel zueinander angeordnet sind und an ihren Außenoberflächen mit mittels eines Bondingmaterials aus Glas oder Glaskeramik durch Sintern miteinander verbunden sind.
Dabei ist die Anordnung so getroffen, dass die Rohre 12 jeweils mit ihren einander zugewandten Außenoberflächen eng aneinander anliegen, jeweils unter Zwischenlage des Bondingmaterials 14.
Fig. 2 zeigt eine Leichtgewichtsstruktur 10a, bei der die pa¬ rallel zueinander anderdneten Rohre 12 zusätzlich an beiden Enden durch eine Deckplatte 18 bzw. 20 abgeschlossen sind. Insgesamt entsteht so eine kompakte, äußerst stabile Leichtge¬ wichtsstruktur, die bspw. zur Herstellung eines Spiegeltele¬ skops verwendet werden kann.
In Fig. 3 ist eine Variante der Leichtgewichtsstruktur mit der Ziffer 10b bezeichnet.
Hierbei weisen die Rohren 12 einen hexagonalen Querschnitt auf. Es versteht sich, dass natürlich beliebige Querschnitte der Rohre 12 denkbar sind. Jedoch sind grundsätzlich kreisförmige Querschnitte bevorzugt. Da sich solche Rohre mit besonders hoher Präzision und mit relativ geringen Kosten herstellen lassen.
Beispiel 1
Es werden gemäß Fig. 2 zwei Deckplatten 20, 22 aus Zerodur® mit einer Dicke von 20 mm und dazwischen als „Abstandshalter" Rohre 12 aus Zerodur® verwendet. Die Rohre 12 sind bereits kerami- siert. Eine Halterung der Rohre 12 an den Deckplatten erfolgt durch Sacklöcher in den Platten 20, 22, eine Verbindung dazwi¬ schen bei 14 und an den Enden bei 16 und 18 mittels Glasfritte aus Zerodur® Grünglas, das durch Sintern bei einer Temperatur
von etwa 850 0C für 60 Minuten gebondet wird. Dabei erfolgt gleichzeitig eine Teilkeramisierung der Glasfritte.
Beispiel 2
Es werden gemäß Fig. 2 zwei Deckplatten 20, 22 aus Zerodur® mit einer Dicke von 20 mm und dazwischen als „Abstandshalter" Rohre 12 aus Zerodur® verwendet. Die Rohre 12 sind bereits kerami- siert. Eine Halterung der Rohre 12 an den Deckplatten erfolgt durch Sacklöcher in den Platten 20, 22, eine Verbindung dazwi¬ schen bei 14 und an den Enden bei 16 und 18 mittels Glasfritte aus Zerodur® Grünglas, das durch Sintern bei einer Temperatur von etwa 900 0C für 30 Minuten gebondet wird. Dabei erfolgt gleichzeitig eine Keramisierung der Glasfritte.
Beispiel 3
Es werden gemäß Fig. 2 zwei Deckplatten 20, 22 aus Zerodur® mit einer Dicke von 20 mm und dazwischen als „Abstandshalter" Rohre 12 aus Zerodur® verwendet. Die Rohre 12 sind bereits kerami- siert. Eine Halterung der Rohre 12 an den Deckplatten erfolgt durch Sacklöcher in den Platten 20, 22, eine Verbindung dazwi¬ schen bei 14 und an den Enden bei 16 und 18 mittels Glasfritte aus ROBAX® Grünglas, das durch Sintern bei einer Temperatur von etwa 860 0C für 90 Minuten gebondet wird. Dabei erfolgt gleich¬ zeitig eine Keramisierung der Glasfritte.
Durch eine geeignete Steuerung des Sintervorgangs lässt sich der Prozess so steuern, dass das Bondingmaterial die gleichen Kristallphasen (überwiegend Hochquarzmischkristall bei Zero¬ dur®) und Kristallitgrößenverteilung wie die zuvor kristalli-
sierten Rohre aus Zerodur® erhalten. So lässt sich der Sinter- prozess derart steuern, dass auch das Bondingmaterial die ge¬ wünschte Nullausdehnungscharakteristik erhält.
Als Anwendungsgebiete für die erfindungsgemäßen Leichtgewicht¬ strukturen kommen insbesondere in Frage: Astronomische Spiegel, Spiegel und Prismen für industrielle Anwendungen, Präzisionsan¬ wendungen in der Messtechnik, also insgesamt Anwendungen bei denen es auf hohe Präzision und Festigkeit bei niedriger ther¬ mischer Ausdehnung bei geringem Gewicht ankommt.