Verglasungseinheit mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften mit temperaturabhängigem Schaltverhalten
Die Erfindung betrifft eine Verglasungseinheit mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften, deren Verwendung sowie ein Verfahren zu deren Steuerung.
Verglasungseinheiten mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften sind als solche bekannt. Sie umfassen Verbundscheiben, welche mit Funktionselementen ausgestattet sind, deren optische Eigenschaften durch eine angelegte elektrische Spannung verändert werden können. Das Anlegen der elektrischen Spannung erfolgt über eine Steuereinheit, welche an zwei Flächenelektroden des Funktionselements angeschlossen ist, zwischen denen sich die aktive Schicht des Funktionselements befindet. Ein Beispiel für solche Funktionselemente sind SPD-Funktionselemente (suspended particle device), die beispielsweise aus EP 0876608 B1 und WO 2011033313 A1 bekannt sind. Durch die angelegte Spannung lässt sich die Transmission von sichtbarem Licht durch SPD-Funktionselemente steuern. Ein weiteres Beispiel sind PDLC-Funktionselemente (polymer dispersed liquid crystal), die beispielsweise aus DE 102008026339 A1 bekannt sind. Die aktive Schicht enthält dabei Flüssigkristalle, welche in eine Polymermatrix eingelagert sind. Wird keine Spannung angelegt, so sind die Flüssigkristalle ungeordnet ausgerichtet, was zu einer starken Streuung des durch die aktive Schicht tretenden Lichts führt. Wird an die Flächenelektroden eine Spannung angelegt, so richten sich die Flüssigkristalle in einer gemeinsamen Richtung aus und die Transmission von Licht durch die aktive Schicht wird erhöht. Das PDLC- Funktionselement wirkt weniger durch eine Herabsetzung der Gesamttransmission als durch eine Erhöhung der Streuung, wodurch die freie Durchsicht verhindert oder ein Blendschutz gewährleistet werden kann. Außerdem sind elektrochrome Funktionselemente bekannt, beispielsweise aus US 20120026573 A1 , WO 2010147494 A1 und EP 1862849 A1 und WO 2012007334 A1, bei denen eine Transmissionsänderung durch elektrochemische Prozesse erfolgt, welche durch die angelegte elektrische Spannung induziert wird.
Solche Verglasungseinheiten können beispielsweise als Fahrzeugscheiben verwendet werden, deren Lichttransmissionsverhalten dann elektrisch gesteuert werden kann. Sie können beispielsweise als Dachscheiben verwendet werden, um Sonneneinstrahlung zu verringern oder störende Reflexionen abzumindern. Solche Dachscheiben sind beispielsweise aus DE 10043141 A1 und EP 3456913 A1 bekannt. Ebenfalls wurden Windschutzscheiben vorgeschlagen, bei denen durch ein schaltbares Funktionselement eine elektrisch steuerbare Sonnenblende realisiert ist, um die herkömmliche mechanisch
klappbare Sonnenblende in Kraftfahrzeugen zu ersetzen. Windschutzscheiben mit elektrisch steuerbaren Sonnenblenden sind beispielsweise bekannt aus DE 102013001334 A1 , DE 102005049081 B3, DE 102005007427 A1 und DE 102007027296 A1 .
Es ist ebenfalls bekannt, solche Verglasungseinheit beziehungsweise die schaltbaren Funktionselemente mit mehreren Segmenten zu versehen, deren optische Eigenschaften unabhängig voneinander geschaltet werden können. So kann ein Bereich des Funktionselements selektiv abgedunkelt oder mit einer hohen Lichtstreuung versehen werden, während andere Bereiche transparent bleiben. Verglasungseinheiten mit unabhängigen Segmenten und ein Verfahren zu ihrer Herstellung sind beispielsweise aus WO 2014072137 A1 bekannt. Weiter sei auf WO 2017157626 A1 verwiesen.
Durch das Anlegen einer elektrischen Spannung auf die einzelnen Segmente können die optischen Eigenschaften gesteuert werden. Somit sind auch Animationsschemata möglich bei denen Segmente beispielsweise hintereinander, zufällig durcheinander oder von den äußeren Segmenten zu den inneren Segmenten abgedunkelt bzw. opak oder transparent geschaltet werden können. Die optischen Eigenschaften des Funktionselementes sind allerdings temperaturabhängig. So können beispielsweise hohe Temperaturen, beispielsweise höher 50 °C, dazu führen, dass der elektrische Widerstand der Flächenelektroden stark ansteigt. Wird dann eine elektrische Spannung an bestimmte Segmente bei hohen Temperaturen angelegt, führt dies in der Folge zur Erzeugung elektrischer Felder in der Nähe von eigentlich ausgeschalteten Segmenten. Die Segmente wechseln dann nicht durch das gezielte Anlegen einer Spannung ihren optischen Zustand, sondern aufgrund des elektrischen Feldes.
Ein anderes optisches Problem tritt auf, wenn das Funktionselement unter besonders niedrigen Temperaturen, beispielsweise niedriger als 0 °C, betrieben wird. In diesem Fall kann die Schaltzeit des Funktionselementes stark erhöht sein. Liegt die Dauer zwischen zwei optischen Zuständen bei üblicherweise unter einer Sekunde, kann es bei niedrigen Temperaturen zu einer Dauer von mehreren Minuten kommen bis von einem optischen Zustand vollständig in den anderen gewechselt wurde. Für den unwissenden Benutzer des Funktionselementes drängt sich dadurch die Vermutung auf, dass das Funktionselement nicht richtig funktioniert. Eine Lösung für dieses Problem ist in WO 2019111235 A1 offenbart. Mittels einer Heizbeschichtung, welche das Funktionselement bei zu niedrigen Temperaturen erwärmt, kann die Dauer des Schaltens konstant gehalten werden. Allerdings erfordert diese Lösung den Einsatz einer Heizbeschichtung, welche elektrisch betrieben werden muss. Es
muss also zusätzlich Platz verfügbar sein und eine weitere elektrische Versorgung gewährleistet sein. WO 9837453 A1 offenbart ein elektrochromes Element, bei dem eine temperaturabhängige elektrische Spannung an das elektrochrome Element angelegt wird, um eine möglichst schnelle Umfärbung zu ermöglichen. Mittels eines Temperaturfühlers, welcher vorzugsweise direkt im elektrochromen Funktionselement misst, wird die Temperatur ermittelt. Die temperaturabhängige Spannung wird mittels einertemperaturunabhängigen und vorzugsweise linearen Spannungsrampe an das elektrochrome Funktionselement angelegt, um eine Umfärbung des Funktionselementes zu erzielen.
Es besteht der Bedarf an Verglasungseinheiten bei denen das Schaltverhalten ihrer elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften verbessert wird. Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine solche verbesserte Verglasungseinheit und ein Verfahren zu ihrer Steuerung bereitzustellen.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Verglasungseinheit mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften. Die Verglasungseinheit umfasst: eine Verbundscheibe mit einem Funktionselement, welches elektrisch steuerbare optische Eigenschaften aufweist und eine Steuereinheit, welche mit dem Funktionselement elektrisch verbunden ist.
Die Steuereinheit weist einen Datensatz oder eine programmierte Funktion auf, welche oder welcher jeder Temperatur in einem vorher festgelegten Temperaturbereich eine Spannungsrampe zuordnet. Die Steuereinheit ist außerdem geeignet die Temperatur des Funktionselementes zu ermitteln, eine Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur aus dem Datensatz zu wählen oder mittels der programmierten Funktion zu berechnen und die elektrische Spannung mit der gewählten oder berechneten Spannungsrampe an das Funktionselement anzulegen.
Die Aufgabe wird außerdem gelöst durch ein Verfahren zur Steuerung einer Verglasungseinheit mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass durch die Steuereinheit
(a) die Temperatur des Funktionselementes ermittelt wird,
(b) eine Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur aus dem Datensatz gewählt oder mittels der programmierten Funktion berechnet wird und
(c) eine elektrische Spannung mit der gewählten oder berechneten Spannungsrampe an das Funktionselement angelegt wird.
Die Verglasungseinheit und das Verfahren werden im Folgenden gemeinsam vorgestellt, wobei sich Erläuterungen und bevorzugte Ausgestaltungen gleichermaßen auf Verglasungseinheit und Verfahren beziehen. Sind bevorzugte Merkmale im Zusammenhang mit dem Verfahren beschrieben, so ergibt sich daraus, dass auch die Verglasungseinheit bevorzugt entsprechend ausgelegt und geeignet ist. Sind umgekehrt bevorzugte Merkmale im Zusammenhang mit der Verglasungseinheit beschrieben, so ergibt sich daraus, dass auch das Verfahren bevorzugt entsprechend durchgeführt wird. Die Verglasungseinheit ist dafür vorgesehen, in einem Fahrzeug oder Gebäude eingesetzt zu werden. Die Verbundscheibe ist dafür vorgesehen, in einer Fensteröffnung (insbesondere einer Fensteröffnung eines Fahrzeugs, alternativ aber auch einer Fensteröffnung eines Gebäudes oder eines Raums) den Innenraum gegenüber der äußeren Umgebung abzutrennen.
Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass das Schaltverhalten typischer elektrisch steuerbarer Funktionselemente temperaturabhängig ist. Durch die Ermittlung der Temperatur und der Auswahl einer Spannungsrampe aus einem Datensatz oder Berechnung einer Spannungsrampe mittels einer programmierten Funktion kann das Schaltverhalten an die Temperatur angepasst werden. Da die Zeit, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, temperaturabhängig ist, können in Abhängigkeit von der Temperatur des Funktionselementes mehrere Minuten vergehen bis zwischen zwei Schaltzuständen gewechselt wurde, es kann aber auch weniger als eine Sekunde dauern. Erfindungsgemäß kann durch die Verglasungseinheit die Spannungsrampe, mit der stufenweise eine Spannung an das Funktionselement angelegt wird, in Abhängigkeit von der Temperatur des Funktionselementes berechnet oder ausgewählt werden, wodurch die Dauer, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, beschleunigt oder verlangsamt werden kann.
Der „festgelegte Temperaturbereich“ ist das Temperaturintervall, welches auf dem Datensatz hinterlegt ist oder den Definitionsbereich der programmierten Funktion ausmacht und welches vor der Nutzung des Funktionselementes festgelegt sein muss.
Der festgelegte Temperaturbereich erstreckt sich vorzugsweise von -30 °C bis 120 °C, besonders bevorzugt von -25 °C bis 100 °C und insbesondere von -20 °C bis 100 °C. In diesen Temperaturbereichen ist die erforderliche Zeit, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, für die verschiedenen Temperaturen besonders unterschiedlich. Außerdem handelt es sich um gewöhnliche Temperaturbereiche, die in natürlicher Umgebung (also nicht reine Laborbedingungen oder Ausnahmebedingungen) auftreten.
Im Sinne der Erfindung ist mit „dem Anlegen einer elektrischen Spannung“ auch gemeint, dass von einem Schaltzustand bei dem eine elektrische Spannung durch die Steuereinheit angelegt ist zu einem spannungsfreien Schaltzustand gewechselt werden kann. Der spannungsfreie Zustand beschreibt auch den Zustand der Gleichgewichtsspannung bei beispielsweise elektrochromen Funktionselementen. Spannungsfrei bedeutet also viel mehr, dass keine Spannung durch eine Spannungsquelle angelegt wird.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfasst das Funktionselement zumindest zwei Schaltzustände mit unterschiedlichen optischen Eigenschaften und für den Wechsel zwischen zwei Schaltzuständen wird eine temperaturabhängige Schaltzeit benötigt. Folglich existiert in jedem beliebigen Temperaturbereich eine Temperatur mit einer Zeit tmax, die der längstmöglichen, benötigten Schaltzeit entspricht.
Wobei von der Steuereinheit jede anhand der ermittelten Temperatur gewählte oder berechnete Spannungsrampe zu einer Schaltzeit tschait, die größer oder gleich tmax ist, führt, sodass sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung an das Funktionselement die Schaltzeit tschait ergibt.
Mit anderen Worten ausgedrückt, existiert in jedem beliebigen Temperaturbereich eine Temperatur mit einer temperaturabhängigen Schaltgeschwindigkeit vmin, die die kleinste Schaltgeschwindigkeit innerhalb des Temperaturbereiches ist. Die Steuereinheit weist einen Datensatz oder eine programmierte Funktion auf, welcher oder welche jeder Temperatur in einem vorher festgelegten Temperaturbereich eine Spannungsrampe zuordnet, welche zu einer Schaltgeschwindigkeit vschait, die kleiner oder gleich vmin ist, führt. Dabei wird mittels der Steuereinheit
(a) die Temperatur des Funktionselementes ermittelt,
(b) die Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur so aus dem Datensatz gewählt oder mit der programmierten Funktion berechnet, dass sich beim Anlegen
einer elektrischen Spannung an das Funktionselement die Schaltgeschwindigkeit vschait ergibt und
(c) die elektrische Spannung an das Funktionselement mit der Spannungsrampe angelegt, sodass zwischen den zumindest zwei Schaltzuständen gewechselt wird.
Mit dem Ausdruck „beliebigen Temperaturbereich“ ist im Sinne der Erfindung gemeint, dass vorzugsweise für jedes betrachtete Temperaturintervall mindestens eine Temperatur existiert, für die der Wechsel zwischen zwei Schaltzuständen die Zeit tmax erfordert bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen (Spannungsrampe, Druck, Luftfeuchtigkeit etc.). Es spielt also keine Rolle, ob die Temperaturen beispielsweise von -20 °C bis 50 °C oder ob die Temperaturen von 0 °C bis 100 °C im beliebigen Temperaturbereich betrachtet werden. Jeder dieser beiden Temperaturbereiche besitzt zumindest eine Temperatur für die tmax gilt. Mit beliebigem Temperaturbereich ist zudem ein Temperaturbereich gemeint, welcher sich über mindestens 1 °C, bevorzugt mindestens 2 °C, insbesondere mindestens 5 °C, erstreckt. Der beliebige Temperaturbereich hat also mindestens eine Breite von 1 °C. Ein Temperaturbereich über mindestens 1 °C kann also beispielsweise von 150 °C bis 151 °C gehen oder beispielsweise von -50 °C bis -51 °C. Es ist eben nicht ausschließlich der Bereich von 0 °C bis 1 °C gemeint.
Mit Temperaturen (Temperaturwerten) können auch nicht ganze Zahlen gemeint sein. Vorzugsweise können Temperaturen (Temperaturwerten) in einem Temperaturbereich reelle Zahlen mit bis zu 10 Nachkommastellen sein, besonders bevorzugt bis zu 5 Nachkommastellen, insbesondere bis zu 2 Nachkommastellen.
In Abhängigkeit der Temperatur des Funktionselementes kann die benötigte Schaltzeit zwischen zwei Schaltzuständen von unter einer Sekunde bis zu mehreren Minuten betragen. Für einen Benutzer einer Verglasungseinheit mit einem solchem Funktionselement ist dieses variable Schaltverhalten unerwünscht. Dem fachfremden Benutzer drängt sich bei dieser temperaturabhängigen Schaltzeit des Funktionselementes schnell der Eindruck auf, dass die Verglasungseinheit nicht ordnungsgemäß funktioniert. Dieser Eindruck kann das Anwendererlebnis verschlechtern. Dieses Problem kann dadurch gelöst werden, dass die Steuereinheit einen Datensatz oder eine programmierte Funktion aufweist und die Temperatur durch die Steuereinheit ermittelt wird. Der Datensatz ordnet jeder Temperatur in einem zuvor festgelegten Temperaturbereich eine Spannungsrampe zu. Die programmierte Funktion umfasst eine Definitionsmenge, welche zumindest durch den festgelegten
Temperaturbereich abgebildet ist, und berechnet mittels der Temperatur eine Spannungsrampe (Spannungsrampe befindet sich in der Zielmenge). Soll nun zwischen zwei Schaltzuständen gewechselt werden, wird die elektrische Spannung, die zum Schalten benötigt wird, mit einer aus dem Datensatz gewählten oder mittels der programmierten Funktion berechneten Spannungsrampe angelegt. Die Spannungsrampe wird dabei entsprechend der ermittelten Temperatur so gewählt, dass zwischen den zwei Schaltzuständen mit der Schaltgeschwindigkeit vschait gewechselt wird. Es versteht sich, dass die Dauer, um von dem einen Schaltzustand in den anderen Schaltzustand der beiden Schaltzustände zu wechseln, dabei der Dauer tmax oder einer längeren Dauer entspricht. Die Zeit, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, wird also für zumindest die meisten Schaltvorgänge, also alle die eine technisch notwendige Schaltzeit von kleiner tmax haben, künstlich verlängert.
Unter elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften werden im Sinne der Erfindung insbesondere solche Eigenschaften verstanden, die stufenlos steuerbar sind. Mit Schaltzuständen zwischen denen das Funktionselement wechseln kann, werden dabei im Sinne der Erfindung die Schaltzustände bezeichnet, die auf einer Skala von einem Schaltzustand mit minimaler Änderung der optischen Eigenschaften (Schaltzustand 0 % oder minimaler Schaltzustand) bis zu einem Schaltzustand der maximalen Änderung der optischen Eigenschaften (Schaltzustand 100 % oder maximaler Schaltzustand) liegen können. Durch geeignete Wahl der Spannung sind dazwischen stufenlos alle Schaltzustände realisierbar. Ein Schaltzustand von 20 % entspricht beispielsweise einer Änderung der optischen Eigenschaften um 20 % der maximalen Änderung. Die besagten optischen Eigenschaften betreffen insbesondere die Lichttransmission und/oder das Streuverhalten. Die Schaltzeit, um zwischen den Schaltzuständen zu wechseln, kann abhängig von der prozentualen Änderung der optischen Eigenschaften sein. Die Differenz der Änderung ist vorzugsweise direkt proportional zu der Schaltzeit, sodass beispielsweise eine Änderung des Schaltzustandes von 0 % zu einem Schaltzustand von 80 % vorzugsweise vier Mal so lange dauert, wie eine Änderung des Schaltzustandes von 0 % zu einem Schaltzustand von 20 %. Die Schaltzeit, um zwischen den Schaltzuständen zu wechseln, kann jedoch auch unabhängig von der prozentualen Änderung der optischen Eigenschaften sein.
Grundsätzlich ist es aber auch denkbar, dass die elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften nur zwischen zwei diskreten Schaltzuständen geschaltet werden können. Dann existieren nur zwei Schaltzustände nämlich 0% und 100%. Ebenso ist es denkbar, dass
die elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften zwischen mehr als zwei diskreten Schaltzuständen geschaltet werden können.
An das Funktionselement kann eine Wechselspannung oder eine Gleichspannung angelegt werden. Ist das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement oder ein SPD- Funktionselement wird eine Wechselspannung an das Funktionselement angelegt. Ist das Funktionselement ein elektrochromes Funktionselement wird eine Gleichspannung an das Funktionselement angelegt.
Handelt es sich beim Funktionselement um ein elektrochromes Funktionselement, dann ist im Sinne der Erfindung mit der Spannungsrampe die lineare Spannungsänderung über die Zeit gemeint mit einer Einheit V s-1.
Handelt es sich hingegen beim Funktionselement um ein PDLC- oder ein SPD- Funktionselement dann ist die Spannungsrampe nicht linear und wird mittels einer Umkehrfunktion, welche sich aus den gewünschten optischen Eigenschaften des Schaltzustandes ergibt, ermittelt. Da zwischen der elektrischen Spannung, also dem Effektivwert der Wechselspannung, und den optischen Eigenschaften des Funktionselements eine nichtlineare Kohärenz vorliegt, wird eine Umkehrfunktion zur Bestimmung der Spannungsrampe verwendet. Die Umkehrfunktion kann insbesondere die inverse Funktion der Charakteristik der Einstellung des Schaltzustandes des Funktionselements sein. Anders ausgedrückt: zum Erreichen eines bestimmten Schaltzustandes wird die Spannung (der Effektivwert der Wechselspannung) an das Funktionselement stufenweise angelegt, wobei die Spannung mit jeder Stufe entweder erniedrigt wird oder erhöht wird in Abhängigkeit vom Typ des Funktionselementes und davon, ob ein transparenter Schaltzustand oder ein Schaltzustand niedrigerer Transparenz erzielt werden soll. Die stufenweise Erhöhung der Spannung erfolgt vorzugsweise nicht linear mittels der Umkehrfunktion. Die Umkehrfunktion ist temperaturabhängig, sodass wenn die Spannungsrampe nicht linear ist, diese vorzugsweise Bestandteil der programmierten Funktion ist. Alternativ sind alle Spannungswerte, die stufenweise bis zu der endgültigen Spannung angelegt werden, auf dem Datensatz für alle Temperaturen innerhalb eines festgelegten Temperaturbereiches gespeichert. Jede Spannungswertänderung erfolgt dabei innerhalb eines bestimmten Zeitraums von vorzugsweise höchstens einer Sekunde.
Die programmierte Funktion beinhaltet die Spannungsrampe als Funktion der Temperatur, des aktuellen Schaltzustandes und des angesteuerten Schaltzustandes. So kann von der
Steuereinheit in Abhängigkeit der ermittelten Temperatur (beispielsweise 60 °C) die erforderliche Spannungsrampe für vschait bzw. tschait ermittelt werden und an das Funktionselement angelegt werden.
Im Datensatz ist, wenn die Spannungsrampe linear ist, vorzugsweise jedem Temperatur- Wert ein Spannungsrampen-Wert zugeordnet. Der Datensatz kann beispielsweise dadurch erstellt werden, dass einzelne Punkte durch Messungen bekannt sind, zwischen denen (beispielsweise linear) interpoliert wird. Grundsätzlich ist es aber auch möglich, dass der Datensatz tabellenartig vorliegt, wobei bestimmten Temperaturzonen (beispielsweise 1 °C bis 2 °C) oder diskreten Temperatur- Werten (beispielsweise exakt 1 ,0 °C) jeweils eine Spannungsrampe zugeordnet wird. Letzteres ist weniger bevorzugt, da es deutlich aufwendiger ist für alle Temperaturen Messwerte zu ermitteln.
Die temperaturabhängige Schaltzeit kann höher sein, wenn von einem Schaltzustand mit höherer Transparenz oder Lichttransmissionsgrad in einen Schaltzustand mit niedrigerer Transparenz oder Lichttransmissionsgrad geschaltet wird (abnehmender Schaltzustand), statt, wenn von einem Schaltzustand mit niedrigerer Transparenz oder Lichttransmissionsgrad in einen Schaltzustand mit höherer Transparenz oder Lichttransmissionsgrad geschaltet wird (zunehmender Schaltzustand). Das bedeutet, dass beispielsweise das Schalten eines Schaltzustandes mit 40% Transparenz zu einem Schaltzustand mit 70% Transparenz eine geringere Schaltzeit benötigt als das Schalten in die umgekehrte Richtung. Die Schaltzeit kann also abhängig von der Richtung der angesteuerten Schaltzustände sein. Die Spannungsrampe wird daher vorzugsweise jeweils so gewählt, dass sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung an das Funktionselement die Schaltzeit tschait sowohl für den Wechsel in einen abnehmenden Schaltzustand als auch für den Wechsel in einen zunehmenden Schaltzustand ergibt. Der Datensatz hat also vorzugsweise jeder Temperatur in einem vorher festgelegten Temperaturbereich unterschiedliche Spannungsrampen zugeordnet. Weist die Steuereinheit eine programmierte Funktion auf, umfasst die programmierte Funktion vorzugsweise eine Funktion für den Wechsel in einen zunehmenden Schaltzustand und eine Funktion für den Wechsel in einen abnehmenden Schaltzustand.
T ypischerweise ist die temperaturabhängige, notwendige Schaltzeit tmax bei T emperaturen von weniger als 10 °C deutlich gegenüber der Schaltzeit bei Temperaturen von mehr als 10 °C verlängert. Die Grenztemperatur liegt bei gebräuchlichen Funktionselementen typischerweise
bei etwa 10 °C. Temperaturen, die niedriger als 10 °C sind, treten insbesondere saisonal und wetterbedingt auf. Die Zeit tmax liegt typischerweise bei Temperaturen von 20 °C bei 0,5 s oder weniger. Bei Temperaturen von -10 °C liegt die Zeit tmax typischerweise hingegen bei 5 s oder mehr. Diese zeitliche Differenz für unterschiedliche Temperaturen kann mit sinkender Temperatur und je nach Funktionselement größer werden. Vorzugsweise weisen die zumindest zwei Schaltzustände daher bei niedrigeren Temperaturen eine längere benötigte Zeit auf, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, als bei höheren Temperaturen.
Vorzugsweise ist das Funktionselement in mindestens zwei getrennte Segmente aufgeteilt und jedes Segment ist elektrisch mit der Steuereinheit verbunden, sodass für jedes Segment unabhängig voneinander die elektrische Spannung mit der Spannungsrampe angelegt werden kann. Das Funktionselement kann auch in mehr als zwei getrennte Segmente aufgeteilt sein. Das Funktionselement ist besonders bevorzugt in 3 oder mehr getrennte Segmente, ganz besonders bevorzugt in 5 oder mehr und insbesondere in 10 oder mehr getrennte Segmente aufgeteilt. Die Aufteilung in verschiedene Segmente ermöglicht eine bedarfsangepasste Steuerung des Funktionselements. Durch die unabhängig voneinander steuerbaren Segmente kann der Benutzer festlegen, welche Bereiche der Verglasungseinheit transparent sein sollen und welche abgedunkelt, opak oder mit einer hohen Lichtstreuung (Transluzenz) versehen werden sollen. Falls die Verglasungseinheit beispielsweise als Dachscheibe in einem Fahrzeug verwendet wird, kann in Abhängigkeit vom Sonnenstand eine übermäßige Erwärmung des Fahrzeuginnenraums durch selektives Steuern der einzelnen Segmente vermieden werden. Es ist auch möglich, dass jedem Fahrzeuginsassen, also beispielsweise dem Fahrer, dem Beifahrer, dem linken und dem rechten hinteren Insassen, jeweils ein über ihm befindliches Segment zugeordnet ist.
In einer besonderen Ausführungsform der Erfindung wird das Funktionselement mit einem Animationsschema angefahren, wobei zunächst an ein erstes Segment der mindestens zwei getrennten Segmente die elektrische Spannung angelegt wird und erst nach der Schaltzeit tschäit an ein weiteres Segment der mindestens zwei getrennten Segmente ebenfalls die elektrische Spannung angelegt wird. Das weitere Segment wechselt also erst nach Abschluss des Schaltvorgangs des ersten Segmentes in einen anderen Schaltzustand. Vorzugsweise wird an das weitere Segment sofort nach Abschluss des vorherigen Schaltvorgangs eine elektrische Spannung angelegt. Mit „sofort“ ist in diesem Zusammenhang vorzugsweise eine Zeit von 1 s oder weniger, besonders bevorzugt 0,5 s oder weniger und insbesondere 0,1 s oder weniger gemeint. Dabei wechseln die mindestens zwei getrennten Segmente
vorzugsweise in den gleichen Schaltzustand. Es sind auch andere Animationsschema möglich. Ist das Funktionselement in mehr als zwei Segmente aufgeteilt, können auf die zuvor beschriebene Art und Weise aneinander angrenzende Segmente nacheinander geschaltet werden, wobei „schalten“ den Wechsel von einem Schaltzustand in einen anderen Schaltzustand bedeutet. Es können aber auch zuerst äußere Segmente und dann nacheinander angrenzende innere Segmente geschaltet werden. Es versteht sich, dass ebenso die umgekehrte Reihenfolge möglich ist.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das Funktionselement mit einem anderen Animationsschema verwendet, wobei für alle Segmente der mindestens zwei Segmente gleichzeitig eine Spannung angelegt wird, sodass alle Segmente der mindestens zwei Segmente gleichzeitig in einen gewünschten Schaltzustand wechseln. Alternativ wird an alle Segmente der mindestens zwei Segmente geringfügig zeitversetzt, vorzugsweise um höchstens 5 Sekunden und besonders bevorzugt höchstens 1 Sekunde, nacheinander eine elektrische Spannung zum Wechsel des Schaltzustandes angelegt.
Die Steuereinheit ist dafür vorgesehen und geeignet, die optischen Eigenschaften des Funktionselements zu steuern. Die Steuereinheit ist elektrisch leitend einerseits mit dem Funktionselement bzw. gegebenenfalls den einzelnen Segmenten des Funktionselementes und andererseits mit einer Spannungsquelle verbunden. Die Steuereinheit beinhaltet die erforderlichen elektrischen und/oder elektronischen Bauteile, um in Abhängigkeit von einem Schaltzustand die erforderliche Spannung an die Flächenelektroden anzulegen. Der Schaltzustand kann dabei vom Benutzer vorgegeben werden (beispielsweise durch Bedienung eines Schalters, einer Taste oder eines Dreh- oder Schiebereglers), durch Sensoren ermittelt werden und/oder übereine digitale Schnittstelle vom zentralen Steuergerät des Fahrzeugs (falls die Verbundscheibe eine Fahrzeugscheibe ist, üblicherweise LIN-Bus oder CAN-Bus) übermittelt werden. Die Schalter, Tasten, Dreh- oder Schieberegler können beispielsweise in den Armaturen des Fahrzeugs integriert sein, falls die Verbundscheibe eine Fahrzeugscheibe ist. Es können aber auch Berührungsschaltflächen direkt in die Verbundscheibe integriert sein, beispielsweise kapazitive oder resistive Schaltflächen. Alternativ kann das Funktionselement auch durch kontaktfreie Verfahren, beispielsweise durch das Erkennen von Gesten, oder in Abhängigkeit des durch eine Kamera und geeignete Auswerteelektronik festgestellten Zustands von Pupille oder Augenlid gesteuert werden. Die Steuereinheit kann beispielsweise elektronische Prozessoren, Spannungswandler, Transistoren, Kondensatoren, Dioden und andere Bauteile umfassen.
Die Spannung, welche an das Funktionselement angelegt wird, ist eine Wechselspannung, wenn das Funktionselement ein SPD-Funktionselement oder ein PDLC-Funktionselement ist. Handelt es sich um ein elektrochromes Funktionselement, wird an das Funktionselement eine Gleichspannung angelegt.
Es kann Fälle geben in denen das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement oder SPD- Funktionselement ist, die Spannungsquelle aber eine Gleichspannungsquelle ist. Diese Situation tritt beispielweise in einem Fahrzeug auf, wenn die Verbundscheibe eine Fahrzeugscheibe ist und an die Bordspannung angeschlossen ist. Die Steuereinheit ist dabei bevorzugt an die Bordelektrik angeschlossen, woher sie ihrerseits die elektrische Spannung und optional die Information über den einzustellenden Schaltzustand bezieht. Die Steuereinheit ist dann mit mindestens einem Wechselrichter ausgestattet, um die Gleichspannung in die Wechselspannung zu wandeln. In einer ersten Ausgestaltung weist die Steuereinheit einen einzelnen Wechselrichter auf, der gegebenenfalls zur separaten Ansteuerung der Segmente des Funktionselementes einen Ausgangspol des Wechselrichters mit mehreren unabhängigen Ausgängen aufweist, wobei jedes Segment an einen der Ausgänge angeschlossen ist. Jedes Segment oder das Funktionselement als Ganzes ist also einem Ausgang des Wechselrichters zugeordnet und damit elektrisch verbunden. Die einzelnen Ausgänge sind typischerweise durch Schalter realisiert, wobei der Wechselrichter eine Spannung erzeugt, welche anschließend geschaltet wird. Diese Schalter können direkt im Wechselrichter integriert sein. Alternativ ist es aber auch möglich, dass der Wechselrichter selbst streng genommen nur einen einzigen Ausgang aufweist, an welchen dann externe Schalter angeschlossen sind, um die Spannung auf die Segmente des Funktionselementes zu verteilen. Im Sinne der Erfindung werden auch solche extern angeschlossenen Schalter als Ausgänge des Wechselrichters betrachtet. In einer zweiten Ausgestaltung und für den Fall, dass das Funktionselement mindestens zwei Segmente aufweist, umfasst die Steuereinheit mehrere Wechselrichter, wobei zur separaten Ansteuerung der Segmente jedes Segment an einen eigenen Wechselrichter angeschlossen ist. Jedes Segment ist also mit einem Wechselrichter elektrisch verbunden. Die erste Ausgestaltung hat den Vorteil, dass sie kostengünstiger und platzsparender ist. Sie hat allerdings den Nachteil, dass, falls das Funktionselement in mindestens zwei Segmente aufgeteilt ist, die Segmente lediglich gleichsam digital optisch steuerbar sind. Die Segmente können nicht mit unterschiedlichen endlichen Schaltzuständen versehen werden (gleichsam unabhängig „dimmbar“ sein), was bei der zweiten Ausgestaltung problemlos möglich ist.
Der oder die Wechselrichter können derart betrieben werden, dass eine echte Wechselspannung erzeugt wird, inklusive deren negativer Anteile bezogen auf die Versorgungsspannung des Steuergerätes. Da im Falle einer Gleichspannungsquelle, wie beispielsweise im Falle eines Fahrzeugs, allerdings keine negativen Potentiale zur Verfügung stehen, ist diese Lösung technisch vergleichsweise aufwändig. Es ist alternativ möglich und häufig bevorzugt, die Wechselspannung gleichsam zu simulieren. Dabei ist die Steuereinheit mit zwei Wechselrichtern ausgestattet, wobei das Funktionselement mit beiden Wechselrichtern elektrisch verbunden ist. Die Potentiale der Wechselrichter werden mit einer veränderlichen Funktion moduliert, beispielsweise einer Sinusfunktion, wobei die Potentiale eines ersten Wechselrichters in Phase sind und das Potential eines zweiten Wechselrichters dazu phasenverschoben ist, insbesondere mit einer Phasenverschiebung von 180°. Das Signal des ersten Wechselrichters ist dann dem Signal des zweiten Wechselrichters gegenüber invertiert. So wird eine zeitlich veränderliche, periodische Potentialdifferenz erzeugt, mit abwechselnd relativ positiven und relativ negativen Beiträgen, was einer Wechselspannung entspricht. Falls das Funktionselement in mindestens zwei Segmente aufgeteilt ist, wird jedes Segment mit zwei unterschiedlichen Wechselrichtern elektrisch verbunden, um für jedes Segment eine Wechselspannung modulieren zu können. Mit „unterschiedlichen Wechselrichtern“ ist dabei nicht gemeint, dass die jeweiligen Wechselrichter nicht auch an mehrere Segmente angeschlossen sein können.
Die Bordspannung von Fahrzeugen (beispielsweise 12 bis 14 V) ist typischerweise nicht ausreichend, um das Funktionselement vollständig optisch zu steuern. Aus diesem Grund ist die Steuereinheit, unabhängig davon ob das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement, ein SPD-Funktionselement oder ein elektrochromes Funktionselement ist, darüber hinaus bevorzugt mit einem Gleichspannungswandler ausgestattet, der geeignet ist, die bereitgestellte Speisespannung (Primärspannung) zu erhöhen, das heißt in eine höhere Sekundärspannung zu wandeln (beispielsweise 65 V). Die Steuereinheit ist an die Gleichspannungsquelle angeschlossen und wird von dieser mit einer Primärspannung versorgt. Die Primärspannung wird durch den Gleichspannungswandler in die höhere Sekundärspannung gewandelt. Die Sekundärspannung beträgt in einer vorteilhaften Ausgestaltung von 5 V bis 70 V, die Wechselspannung von 5 V bis 50 V. Handelt es sich bei dem Funktionselement nicht um ein elektrochromes Funktionselement wird die Sekundärspannung durch einen Wechselrichter in eine Wechselspannung gewandelt (beispielsweise 48 V).
Erfindungsgemäß wird die Temperatur des Funktionselementes ermittelt, um die Spannungsrampe mit der eine elektrische Spannung angelegt wird, anhand dieser Temperatur auszuwählen oder zu berechnen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Verbundscheibe insgesamt eine homogene Temperatur aufweist, also die Temperatur des Funktionselements mit der Temperatur anderer Bereiche der Verbundscheibe übereinstimmt, was typischerweise zumindest näherungsweise der Fall ist. Die Ermittlung der Temperatur der Verbundscheibe entspricht demnach zumindest näherungsweise der Ermittlung der Temperatur des Funktionselementes.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Verbundscheibe mit einem Temperatursensor ausgestattet. Der Temperatursensor ist derart mit der Steuereinheit verbunden, dass die Steuereinheit die Temperatur der Verbundscheibe und damit des Funktionselementes mittels des Temperatursensors ermitteln kann. Das Messsignal des Temperatursensors wird also an die Steuereinheit übermittelt und dort ausgewertet, sodass die Steuereinheit die Temperatur der Verbundscheibe mittels des Temperatursensors ermittelt. Der Temperatursensor kann in der Verbundscheibe integriert sein. Alternativ kann der Temperatursensor äußerlich an der Verbundscheibe befestigt oder dieser zugeordnet sein. Bevorzugt ist der Temperatursensor dabei an einer dem Innenraum (beispielsweise dem Fahrzeuginnenraum) zugewandten Oberfläche der Verbundscheibe befestigt. Der Temperatursensor kann auch in der Steuereinheit selbst angeordnet sein oder in einem Befestigungselement, mit dem die Steuereinheit an der Verbundscheibe befestigt ist. Grundsätzlich kann auch ein Temperatursensor verwendet werden, der nicht direkt an der Verbundscheibe befestigt oder in diese integriert ist, sondern die T emperatur auf Distanz misst, beispielsweise ein I R-Sensor, der in der Umgebung der Verbundscheibe angeordnet und auf diese gerichtet ist.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist die Steuereinheit geeignet, die elektrische Impedanz des Funktionselementes zu ermitteln und daraus die Temperatur des Funktionselements zu ermitteln. Dies ist möglich, da die Impedanz (das Äquivalent des klassischen ohmschen Widerstands bei Wechselspannungen) temperaturabhängig ist. Insbesondere besteht zwischen dem Realteil der elektrischen Impedanz und der Temperatur des Funktionselementes ein injektiver Zusammenhang. Auf diese Weise kann jeder Impedanz eine Temperatur zugeordnet werden. Insbesondere ist der Realteil der Impedanz als Funktion der Temperatur mit steigender Temperatur streng monoton fallend. Die Ausgestaltung hat den Vorteil, dass auf einen Temperatursensor verzichtet werden kann, der als weiteres Bauteil
integriert werden muss und daher den Aufbau verkompliziert und die Herstellungskosten erhöht. Das Verfahren wird derart ausgeführt, dass die Steuereinheit die Impedanz des Funktionselementes ermittelt und daraus die Temperatur ermittelt beziehungsweise abschätzt. Dazu wird insbesondere eine Spannung angelegt und der daraus resultierende Stromfluss ermittelt. Die Impedanz kann berechnet werden als Quotient aus der Spannung und dem Stromfluss. In der Steuereinheit sind Impedanzdaten, beispielsweise eine Impedanzkurve oder -tabelle, hinterlegt, welche die Temperaturabhängigkeit der Impedanz (genauer gesagt des Realteils der Impedanz) beschreibt (Impedanz als Funktion der Temperatur oder Temperatur als Funktion der Impedanz). Durch einen Abgleich des Betrags der gemessenen Impedanz mit den Impedanzdaten kann die Steuereinheit die Temperatur näherungsweise ermitteln.
Bei der Ermittlung der Impedanz sind wiederum verschiedene Ausführungen möglich, insbesondere hinsichtlich der Messung der Leistungsaufnahme. Wenn die Steuereinheit mindestens einen Wechselrichter umfasst, der eine eingehende Gleichspannung in eine ausgehende Wechselspannung wandelt, so dass der Ausgangsstrom des Wechselrichters gemessen werden. Problematisch dabei ist, dass sich der so ermittelte Strom („Scheinstrom“ oder auch „Gesamtstrom“) aus zwei Anteilen zusammensetzt, nämlich dem Blindstrom (bildlich ausgedrückt hervorgerufen durch das „Hin- und Herschieben“ von Elektronen infolge der Wechselspannung und des kapazitiv wirkenden Funktionselementes) und dem Wirkstrom (hervorgerufen durch parasitäre Verluste in den Zuleitungen sowie in dem Funktionselement). Für die Ermittlung der Impedanz (genauer gesagt deren Realteil) ist aber lediglich der Wirkstrom entscheidend. Der Wirkanteil des gemessenen Stromes (Wirkstrom) muss dann durch die Steuereinheit aus dem Gesamtstrom herausgerechnet werden, beispielsweise durch Ermittlung der Phasenverschiebung zwischen Spannung und Scheinstrom.
Ist das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement oder ein SPD-Funktionselement kann in einer besonders bevorzugten Variante die Impedanz aus einer Messung der Stromaufnahme des Wechselrichters ermittelt werden. Die Steuereinheit ist zu dieser Ermittlung geeignet. Da hier nur Gleichspannungen vorliegen, verschwindet jeglicher Blindstrom im zeitlichen Mittel, sofern er nicht ohnehin von den Zwischenkreiskondensatoren im Wechselrichter abgefangen wurde. Der gemessene Strom kann unter Berücksichtigung eines Verlustfaktors im Wechselrichter entsprechend direkt zur Ermittlung der Impedanz zugrunde gelegt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Strommessung zur
Fehlererkennung (Kurzschluss und Überlast) häufig ohnehin vorhanden ist und auf zusätzlichen Bauteilaufwand verzichtet werden kann.
Als weitere Möglichkeit, um die Temperatur des Funktionselementes zu ermitteln, kann ein Abschätzungsalgorithmus verwendet werden. Der Abschätzungsalgorithmus befindet sich vorzugsweise auf der Steuereinheit und wird dort ausgeführt. Die Temperatur des Funktionselementes wird anhand von einem oder mehreren gemessenen Signalen abgeschätzt. Die Signale zur Temperaturabschätzung können Messdaten vorzugsweise zu der Innentemperatur, der Außentemperatur, der Wärmestrahlung (Infrarotstrahlen-, sekundäre Wärme- und/oder Ultraviolett-Strahlen) und/oder der Fahrtgeschwindigkeit sein, falls die Verbundscheibe als Fahrzeugscheibe in einem Fahrzeug verwendet wird. Die Signale können über ohnehin typischerweise in Fahrzeugen befindliche Sensoren gemessen werden und an die Steuereinheit übertragen werden. Alternativ können auch speziell zum Zwecke der Temperaturabschätzung Sensoren in der Umgebung der Verbundscheibe angeordnet sein. In jedem Fall sind die Sensoren mit der Steuereinheit verbunden. Mittels des Abschätzungsalgorithmus lässt sich die Temperatur anhand der gemessenen Signale abschätzen. Die Temperatur ist dabei eine Funktion von einem oder mehreren Signalen; die Signale sind also die Definitionsmenge und die Temperatur die Zielmenge. Die Temperatur des Funktionselementes lässt sich mittels des Abschätzungsalgorithmus unabhängig davon, ob das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement, SPD-Funktionselement oder elektrochromes Funktionselement ist, ermitteln.
In einer bevorzugten Ausgestaltung ist das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement (polymer dispersed liquid crystal). Das PDLC-Funktionselement enthält Flüssigkristalle, welche in eine Polymermatrix eingelagert sind. Wird an das PDLC-Funktionselement keine Spannung angelegt, so sind die Flüssigkristalle ungeordnet ausgerichtet, was zu einer starken Streuung des durch die aktive Schicht tretenden Lichts (Transluzenz) führt. Wird das Funktionselement eine Spannung angelegt, so richten sich die Flüssigkristalle in einer gemeinsamen Richtung aus und die T ransmission von Licht durch das Funktionselement wird erhöht (Transparenz). Es kann allerdings auch sein, dass die Flüssigkristalle in einem spannungsfreien Zustand geordnet vorliegen und die Flüssigkristalle entsprechend ungeordnet vorliegen, wenn eine Spannung angelegt wird. Es können aber auch andere Funktionselemente verwendet werden, deren Veränderlichkeit der optischen Eigenschaften auf Flüssigkristallen basiert, beispielsweise PNLC-Funktionselemente (polymer networked liquid crystal). Wird im Zusammenhang des Funktionselementes als PDLC-Funktionselement
von dem Anlegen einer Spannung gesprochen, dann ist im Sinne der Erfindung immer eine Wechselspannung (der Effektivwert der Wechselspannung nicht die Momentanspannung) gemeint.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung ist das Funktionselement ein SPD- Funktionselement (suspended particle device). Dabei enthält das SPD-Funktionselement suspendierte Partikel. Die suspendierten Partikel verändern durch die Absorption von Licht mittels Anlegen einer Spannung den optischen Zustand des Funktionselementes. SPD- Funktionselemente weisen also Schaltzustände mit transparenten und opaken optischen Eigenschaften sowie Zwischenstufen zwischen Transparenz und Opazität auf. Wird im Zusammenhang des Funktionselementes als SPD-Funktionselement von dem Anlegen einer Spannung gesprochen, dann ist im Sinne der Erfindung immer eine Wechselspannung (der Effektivwert der Wechselspannung nicht die Momentanspannung) gemeint.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung ist das Funktionselement ein elektrochromes Funktionselement. In diesem Fall ist die Transmission von sichtbarem Licht durch das Funktionselement abhängig vom Einlagerungsgrad von Ionen. Die Ionen werden beispielsweise durch eine lonenspeicherschicht freigesetzt und in eine elektrochrome Schicht eingelagert. Die Transmission kann durch die an das Funktionselement angelegte Spannung, welche eine Wanderung der Ionen hervorruft, beeinflusst werden. Geeignete elektrochrome Schichten enthalten vorzugsweise zumindest Wolframoxid oder Vanadiumoxid. Ist das Funktionselement ein elektrochromes Funktionselement, wird die Steuereinheit vorzugsweise nicht mit einem Wechselrichter ausgestattet und es wird eine Gleichspannung an das Funktionselement angelegt. Ein Gleichspannungswandler zum Erreichen von Spannungen im Bereich von 1 V bis 50 V und vorzugsweise 10 V bis 42 V, kann aber je nach Notwendigkeit ein Bestandteil der Steuereinheit sein.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das Funktionselement ein SPD- Funktionselement oder ein PDLC-Funktionselement. Die Schaltgeschwindigkeit des Funktionselementes lässt sich deutlich besser mit der Spannungsrampe beeinflussen, wenn das Funktionselement mittels Wechselspannung betrieben wird. Insbesondere ist das Funktionselement ein PDLC-Funktionselement. Es hat sich in experimentellen Studien gezeigt, dass die technische Wirkung der Erfindung sich besonders vorteilhaft für PDLC- Funktionselemente entfaltet.
Die erwähnten regelbaren Funktionselemente und deren Funktionsweise sind dem Fachmann an sich bekannt, sodass an dieser Stelle auf eine ausführliche Beschreibung verzichtet werden kann.
Vorzugsweise umfasst die Verbundscheibe mindestens eine Außenscheibe und eine Innenscheibe, die über eine thermoplastische Zwischenschicht miteinander verbunden sind.
Mit der Innenscheibe wird im Sinne der Erfindung die dem Innenraum zugewandte Scheibe bezeichnet. Mit der Außenscheibe wird die der äußeren Umgebung zugewandte Scheibe bezeichnet. Die Außenscheibe und die Innenscheibe weisen jeweils eine außenseitige und eine innenraumseitige Oberfläche auf und eine dazwischen verlaufende, umlaufende Seitenkantenfläche. Mit der außenseitigen Oberfläche der Innenscheibe und der Außenscheibe wird im Sinne der Erfindung diejenige Hauptfläche bezeichnet, welche dafür vorgesehen ist, in Einbaulage der äußeren Umgebung zugewandt zu sein. Mit der innenraumseitigen Oberfläche der Innenscheibe und der Außenscheibe wird im Sinne der Erfindung diejenige Hauptfläche bezeichnet, welche dafür vorgesehen ist, in Einbaulage dem Innenraum zugewandt zu sein. Die innenraumseitige Oberfläche der Außenscheibe und die außenseitige Oberfläche der Innenscheibe sind also einander zugewandt und durch die thermoplastische Zwischenschicht miteinander verbunden.
Die thermoplastische Zwischenschicht dient der Verbindung der Innenscheibe und der Außenscheibe, wie es bei Verbundscheiben üblich ist. Typischerweise werden thermoplastische Folien verwendet und die Zwischenschicht aus diesen ausgebildet. In einer bevorzugten Ausgestaltung ist die Zwischenschicht zumindest aus einer ersten thermoplastischen Schicht und einer zweiten thermoplastischen Schicht gebildet, zwischen denen das Funktionselement angeordnet ist. Das Funktionselement ist dann über einen Bereich der ersten thermoplastischen Schicht mit der Außenscheibe und über einen Bereich der zweiten thermoplastischen Schicht mit der Innenscheibe verbunden. Bevorzugt ragen die thermoplastischen Schichten umlaufend über das Funktionselement hinaus. Dort wo die thermoplastischen Schichten direkten Kontakt miteinander haben und nicht durch das Funktionselement voneinander getrennt sind, können sie beim Laminieren derart verschmelzen, dass die ursprünglichen Schichten unter Umständen nicht mehr erkennbar sind und stattdessen eine homogene Zwischenschicht vorliegt.
Eine thermoplastische Schicht kann beispielsweise durch eine einzige thermoplastische Folie ausgebildet werden. Eine thermoplastische Schicht kann auch aus Abschnitten unterschiedlicher thermoplastischer Folien gebildet werden, deren Seitenkanten aneinandergesetzt sind.
In einer bevorzugten Ausgestaltung ist das Funktionselement, genauer die Seitenkanten des Funktionselements umlaufend von einer dritten thermoplastischen Schicht umgeben. Die dritte thermoplastische Schicht ist rahmenartig ausgebildet mit einer Aussparung, in welche das Funktionselement eingelegt wird. Die dritte thermoplastische Schicht kann durch eine thermoplastische Folie gebildet werden, in welche die Aussparung durch Ausschneiden eingebracht worden ist. Alternativ kann die dritte thermoplastische Schicht auch aus mehreren Folienabschnitten um das Funktionselement zusammengesetzt werden. Die Zwischenschicht ist dann aus insgesamt mindestens drei flächig aufeinander angeordneten thermoplastischen Schichten gebildet, wobei die mittlere Schicht eine Aussparung ausweist, in der das Funktionselement angeordnet ist. Bei der Herstellung wird die dritte thermoplastische Schicht zwischen der ersten und der zweiten thermoplastischen Schicht angeordnet, wobei die Seitenkanten aller thermoplastischen Schichten bevorzugt in Deckung befindlich sind. Die dritte thermoplastische Schicht weist bevorzugt etwa die gleiche Dicke auf wie das Funktionselement. Dadurch wird der lokale Dickenunterschied, der durch das örtlich begrenzte Funktionselement eingebracht wird, kompensiert, so dass Glasbruch beim Laminieren vermieden werden kann und ein verbessertes optisches Erscheinungsbild entsteht.
Die Schichten der Zwischenschicht sind bevorzugt aus demselben Material ausgebildet, können prinzipiell aber auch aus unterschiedlichen Materialien ausgebildet sein. Die Schichten beziehungsweise Folien der Zwischenschicht sind bevorzugt auf Basis von Polyvinylbutyral (PVB), Ethylenvinylacetat (EVA), oder Polyurethan (PU). Das bedeutet, dass die Schicht beziehungsweise Folie mehrheitlich das besagte Material enthält (Anteil von größer als 50 Gew.-%) und daneben optional weitere Bestandteile enthalten kann, beispielsweise Weichmacher, Stabilisatoren, UV- oder IR-Absorber. Die Dicke jeder thermoplastischen Schicht beträgt bevorzugt von 0,2 mm bis 2 mm, besonders bevorzugt von 0,3 mm bis 1 mm. Beispielsweise können Folien mit den Standarddicken von 0,38 mm oder 0,76 mm verwendet werden.
Die Außenscheibe und die Innenscheibe sind bevorzugt aus Glas gefertigt sind, besonders bevorzugt aus Kalk-Natron-Glas, wie es für Fensterscheiben üblich ist. Die Scheiben können aber auch aus anderen Glassorten gefertigt sein, beispielsweise Quarzglas, Borosilikatglas oder Alumosilikatglas, oder aus starren klaren Kunststoffen, beispielsweise Polycarbonat oder Polymethylmethacrylat. Die Scheiben können klar sein oder auch getönt oder gefärbt. Je nach Anwendungsfall können dem Grad der Tönung oder Färbung Grenzen gesetzt sein: so muss mitunter eine vorgeschriebene Lichttransmission gewährleistet sein, beispielsweise eine Lichttransmission von mindestens 70 % im Haupt-Durchsichtbereich A gemäß der Regelung Nr. 43 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UN/ECE) (ECE-R43, „Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Sicherheitsverglasungswerkstoffe und ihres Einbaus in Fahrzeuge“).
Die Außenscheibe, die Innenscheibe und/oder die Zwischenschicht können geeignete, an sich bekannte Beschichtungen aufweisen, beispielsweise Antireflexbeschichtungen, Antihaftbeschichtungen, Antikratzbeschichtungen, photokatalytische Beschichtungen, UV- absorbierende oder reflektierende Beschichtungen oder IR-absorbierende oder - reflektierende Beschichtungen wie Sonnenschutzbeschichtungen oder Low-E- Beschichtungen.
Die Dicke der Außenscheibe und der Innenscheibe kann breit variieren und so den Erfordernissen im Einzelfall angepasst werden. Die Außenscheibe und die Innenscheibe weisen bevorzugt Dicken von 0,5 mm bis 5 mm auf, besonders bevorzugt von 1 mm bis 3 mm.
Die Verbundscheibe kann mit einem opaken Abdeckdruck ausgestattet sein, insbesondere in einem umlaufenden Randbereich, wie es im Fahrzeugbereich insbesondere für Windschutzscheiben, Heckscheiben und Dachscheiben üblich ist. Der Abdeckdruck ist typischerweise aus einer Emaille gebildet, enthaltend Glasfritten und ein Pigment, insbesondere Schwarzpigment. Die Druckfarbe wird typischerweise im Siebdruckverfahren aufgebracht und eingebrannt. Ein solcher Abdeckdruck ist auf mindestens einer der Scheibenoberflächen aufgebracht, bevorzugt der innenraumseitigen Oberfläche der Außenscheibe und/oder der Innenscheibe. Der Abdeckdruck umgibt bevorzugt einen zentralen Durchsichtbereich rahmenartig und dient insbesondere dem Schutz des Klebstoffs, durch den die Verbundscheibe mit der Fahrzeugskarosserie verbunden ist, vor UV-Strahlung.
Ist die Steuereinheit an der innenraumseitigen Oberfläche der Innenscheibe angebracht, dann bevorzugt im opaken Bereich des Abdeckdrucks.
Die erfindungsgemäße Verbundscheibe enthält das Funktionselement mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften, das vorzugsweise zwischen der Außenscheibe und der Innenscheibe angeordnet, also in die Zwischenschicht eingelagert ist. Das Funktionselement ist besonders bevorzugt zwischen mindestens zwei Schichten von thermoplastischem Material der Zwischenschicht angeordnet, wobei es durch die erste Schicht mit der Außenscheibe und durch die zweite Schicht mit der Innenscheibe verbunden ist. Alternativ kann das Funktionselement aber auch direkt auf der zur Zwischenschicht hingewandten Oberfläche der Außenscheibe oder der Innenscheibe angeordnet sein. Bevorzugt ist die Seitenkante des Funktionselements vollständig von der Zwischenschicht umgeben, so dass sich das Funktionselement nicht bis zur Seitenkante der Verbundscheibe erstreckt und somit keinen Kontakt zur umgebenden Atmosphäre hat.
Ist der Temperatursensor in der Verbundscheibe integriert, ist damit im Sinne der Erfindung gemeint, dass der Temperatursensor zwischen der Außenscheibe und der Innenscheibe einlaminiert ist. Der Temperatursensor ist vorzugsweise in die Zwischenschicht eingelagert und besonders bevorzugt zwischen mindestens zwei Schichten von thermoplastischen Material der Zwischenschicht angeordnet. Vorzugsweise ist der Temperatursensor dabei angrenzend zum Funktionselement angeordnet, sodass der Temperatursensor 2 cm oder weniger, besonders bevorzugt 1 cm oder weniger vom Funktionselement entfernt ist.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst das Funktionselement mindestens eine aktive Schicht und eine erste sowie eine zweite Flächenelektrode, die beidseitig der aktiven Schicht angeordnet sind, so dass die aktive Schicht zwischen der ersten und der zweiten Flächenelektrode angeordnet ist. Die Flächenelektroden und die aktive Schicht sind typischerweise im Wesentlichen parallel zu den Oberflächen der Außenscheibe und der Innenscheibe angeordnet. Die aktive Schicht weist die veränderlichen optischen Eigenschaften auf, die durch die über die Flächenelektroden an die aktive Schicht angelegte elektrische Spannung gesteuert werden können. Die aktive Schicht umfasst also vorzugsweise im Falle des PDLC-Funktionselementes zumindest die Flüssigkristalle in einer Polymermatrix, im Falle des SPD-Funktionselementes zumindest die suspendierten Partikel und im Falle des elektrochromen Funktionselementes zumindest die lonenspeicherschicht und die elektrochrome Schicht.
Die erste Flächenelektrode weist vorzugsweise mindestens zwei Elektrodensegmente auf, welche durch eine Isolierungslinie voneinander getrennt sind. Unter der Isolierungslinie wird ein linienartiger Bereich verstanden, in dem das Material der Flächenelektrode nicht vorhanden ist, sodass die angrenzenden Segmente stofflich voneinander getrennt sind und daher elektrisch voneinander isoliert sind. Damit ist gemeint, dass keine direkte elektrische Verbindung zwischen den Elektrodensegmenten besteht, wobei die Elektrodensegmente allerdings über die mit ihnen in Kontakt befindliche aktive Schicht indirekt in gewissem Maße elektrisch leitend miteinander verbunden sein können. Die erste Flächenelektrode kann durch mehrere Isolierungslinien in mehrere Segmente aufgeteilt sein. Jedes Elektrodensegment steht für ein Segment des Funktionselementes. Die Anzahl der Elektrodensegmente ist entsprechend der gewünschten Anzahl der Segmente des Funktionselementes frei wählbar. In einer bevorzugten Ausgestaltung verlaufen die Isolierungslinien im Wesentlichen parallel zueinander und erstrecken sich von einer Seitenkante der Flächenelektrode zur gegenüberliegenden Seitenkante. Es sind aber auch beliebige andere geometrische Formen denkbar. Die Verwendung von Isolierungslinien zur Ausbildung von Elektrodensegmenten des Funktionselements ist eine kostengünstige und einfache Methode, um Segmente des Funktionselementes herzustellen. Die zweite Flächenelektrode und die aktive Schicht bilden bevorzugt jeweils eine zusammenhängende, vollständige Schicht.
Die Isolierungslinien weisen beispielsweise eine Breite von 5 pm bis 500 pm, insbesondere 20 pm bis 200 pm auf. Sie werden bevorzugt mittels Laserstrahlung in die Flächenelektrode eingebracht. Die Breite der Segmente, also der Abstand benachbarten Isolierungslinien kann vom Fachmann gemäß den Anforderungen im Einzelfall geeignet gewählt werden.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist die zweite Flächenelektrode parallel zu der ersten Flächenelektrode verlaufende Isolierungslinien auf, sodass sowohl die erste als auch die zweite Flächenelektrode mindestens zwei Elektrodensegmente aufweisen, die in Durchsicht durch die Verbundscheibe deckungsgleich angeordnet sind. Durch diese Anordnung können sogenannte „Cross-talk“-Effekte zwischen den Segmenten des Funktionselementes verhindert werden. „Cross-talk“-Effekte beschreiben eine Änderung des Schaltzustandes von Segmenten, die eigentlich spannungsfrei sein sollten, aber aufgrund von benachbarten Segmenten, an die eine Spannung angelegt wurde, ihren Schaltzustand verändern. Grundsätzlich ist es aber auch denkbar, dass die zweite Flächenelektrode in geringerem Maße segmentiert ist als die erste Flächenelektrode, also weniger
Isolierungslinien und Elektrodensegmente aufweist, sodass mindestens einem Elektrodensegment der zweiten Flächenelektrode mehrere Elektrodensegmente der ersten Flächenelektrode zugeordnet sind. Auf diese Weise können Kosten gespart werden.
Die Elektrodensegmente der ersten Flächenelektrode sind unabhängig voneinander elektrisch mit der Steuereinheit verbunden, so dass an jedes Elektrodensegment (unabhängig von den anderen Elektrodensegmenten) ein erstes (im Falle einer Wechselspannung zeitlich veränderliches) elektrisches Potential angelegt werden kann. Die zweite Flächenelektrode ist ebenfalls elektrisch mit der Steuereinheit verbunden, so dass an die zweite Flächenelektrode insgesamt ein zweites elektrisches Potential angelegt werden kann. Es wird also die elektrische Spannung mit der Spannungsrampe zwischen jedem Elektrodensegment und der zweiten Flächenelektrode angelegt. Falls die zweite Flächenelektrode ebenfalls in Elektrodensegmente aufgeteilt ist, ist jedes Elektrodensegment der zweiten Flächenelektrode ebenfalls unabhängig voneinander elektrisch mit der Steuereinheit verbunden. Sind das erste und das zweite Potential identisch, so liegt im jeweiligen Segment keine Spannung zwischen den Elektroden an (Schaltzustand 0%). Sind das erste und das zweite Potential unterschiedlich, so liegt im jeweiligen Segment eine Spannung zwischen den Elektroden an, wodurch ein endlicher Schaltzustand erzeugt wird. Für elektrochrome Funktionselemente, kann sich auch in einem Schaltzustand von 0 % eine Gleichgewichtsspannung einstellen, sodass das erste Potentiale und zweite Potential nicht identisch sind. Da bei dieser Gleichgewichtsspannung aber fast kein elektrischer Strom fließt, ändert sich der Schaltzustand erst mit dem Anlegen einer Spannung von einer Spannungsquelle.
Die Flächenelektroden sind bevorzugt transparent, was im Sinne der Erfindung bedeutet, dass sie eine Lichttransmission im sichtbaren Spektral be re ich von mindestens 50% aufweisen, bevorzugt mindestens 70%, besonders bevorzugt mindestens 80%. Die Flächenelektroden enthalten bevorzugt zumindest ein Metall, eine Metalllegierung oder ein transparentes leitfähiges Oxid (transparent conducting oxide, TCO). Die Flächenelektroden können beispielsweise auf Basis von Silber, Gold, Kupfer, Nickel, Chrom, Wolfram, Indium- Zinnoxid (ITO), Gallium-dotiertem oder Aluminium-dotiertem Zinkoxid und/oder Fluordotiertem oder Antimon-dotiertem Zinnoxid ausgebildet sein, bevorzugt auf Basis von Silber oder ITO. Die Flächenelektroden weisen bevorzugt eine Dicke von 10 nm bis 2 pm auf, besonders bevorzugt von 20 nm bis 1 pm, ganz besonders bevorzugt von 30 nm bis 500 nm.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung umfasst das Funktionselement außer der aktiven Schicht und der ersten und der zweiten Flächenelektrode zwei Trägerfolien, wobei die aktive Schicht und die Flächenelektroden bevorzugt zwischen den Trägerfolien angeordnet sind. Die Trägerfolien sind bevorzugt aus thermoplastischem Material ausgebildet, beispielsweise auf Basis von Polyethylenterephthalat (PET), Polypropylen, Polyvinylchlorid, fluorinierte Ethylen- Propylen, Polyvinylfluorid oder Ethylen-Tetrafluorethylen, besonders bevorzugt auf Basis von PET. Die Dicke der Trägerfolien beträgt bevorzugt von 10 pm bis 200 pm. Solche Funktionselemente können vorteilhaft als Mehrschichtfolien bereitgestellt werden, insbesondere käuflich erworben werden, in der gewünschten Größe und Form zurechtgeschnitten werden und dann in die Verbundscheibe einlaminiert werden, bevorzugt über jeweils eine thermoplastische Schicht mit der Außenscheibe und der Innenscheibe. Es ist möglich, die erste und/oder die zweite Flächenelektrode durch Laserstrahlung zu segmentieren, auch wenn sie in einer solche Mehrschichtfolie eingelagert ist. Durch die Laserbearbeitung kann eine dünne, optisch unauffällige Isolierungslinie erzeugt werden, ohne die typischerweise darüber liegende Trägerfolie zu beschädigen.
Eine umlaufende Seitenkante des Funktionselements kann teilweise oder vollständig versiegelt werden, beispielsweise durch Verschmelzen der Trägerschichten oder durch ein (bevorzugt polymeres) Band. So kann die gegebenenfalls vorhandene aktive Schicht geschützt werden, insbesondere davor, dass Bestandteile der Zwischenschicht (insbesondere Weichmacher) in das Funktionselement hineindiffundieren, was zu einer Degradation des Funktionselements führen kann.
Zur elektrischen Kontaktierung des Funktionselementes, bzw. der Segmente, ist dieses bevorzugt mit sogenannten Flach- oder Folienleitern verbunden, welche sich aus der Zwischenschicht über die Seitenkante der Verbundscheibe hinaus erstrecken. Flachleiter weisen als leitfähigen Kern eine bandartige metallische Schicht auf, welche typischerweise mit Ausnahme der Kontaktflächen von einer polymeren Isolationsummantelung umgeben ist. Optional können sogenannte Sammelleiter (bus bars), beispielsweise Streifen einer elektrisch leitfähigen Folie (beispielsweise Kupferfolie) oder elektrisch leitfähige Aufdrucke, auf den Flächenelektroden angeordnet sein, wobei die Flach- oder Folienleiter mit diesen Sammelleitern verbunden sind. Die Flach- oder Folienleiter sind direkt oder über weitere Leiter an die Steuereinheit angeschlossen.
Die Steuereinheit ist in einer vorteilhaften Ausgestaltung an der innenraumseitigen Oberfläche der Verbundscheibe, vorzugsweise an der von der Zwischenschicht abgewandten Oberfläche der Innenscheibe, befestigt. Die Steuereinheit kann beispielsweise direkt an die Oberfläche der Verbundscheibe angeklebt sein. In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Steuereinheit in ein Befestigungselement eingesetzt, welches wiederum an der innenraumseitigen Oberfläche der Verbundscheibe befestigt ist, bevorzugt über eine Schicht eines Klebstoffs. Solche Befestigungselemente sind im Fahrzeugbereich auch als „Brackets“ bekannt und typischerweise aus Kunststoff gefertigt. Durch die Anbringung der Steuereinheit direkt an der Verbundscheibe wird der elektrische Anschluss derselben erleichtert. Insbesondere sind keine langen Kabel zwischen der Steuereinheit und dem Funktionselement erforderlich.
Alternativ ist es aber auch möglich, dass die Steuereinheit nicht an der Verbundscheibe befestigt ist, sondern beispielsweise im elektrische System des Fahrzeugs integriert ist oder an der Fahrzeugkarosserie befestigt ist, falls die Verbundscheibe eine Fahrzeugscheibe ist. Die Steuereinheit ist bevorzugt im Innenraum des Fahrzeugs derart angeordnet, dass sie nicht sichtbar ist, beispielsweise im Armaturenbrett oder hinter einer Wandverkleidung.
Die Erfindung erstreckt sich außerdem auf ein Computerprogrammprodukt, welches auf der Steuereinheit der erfindungsgemäßen Verglasungseinheit installiert ist und geeignet ist, die Steuereinheit anzuweisen, die Temperatur des Funktionselementes zu ermitteln, wobei die Steuereinheit anschließend die Temperatur des Funktionselementes ermittelt, eine Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur aus dem Datensatz zu wählen oder mittels der programmierten Funktion zu berechnen und die Steuereinheit anzuweisen eine elektrische Spannung mit der Spannungsrampe an das Funktionselement anzulegen, wobei die Steuereinheit anschließend eine elektrische Spannung mit der Spannungsrampe an das Funktionselement anlegt.
Die Erfindung erstreckt sich außerdem auf ein Verfahren zur Steuerung einer Verglasungseinheit mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften, bei welchem eine erfindungsgemäße Verglasungseinheit bereitgestellt wird, wobei
(a) die Steuereinheit von einem Computerprogrammprodukt angewiesen wird, die Temperatur des Funktionselementes zu ermitteln und die Temperatur anschließend ermittelt,
(b) eine Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur vom Computerprogrammprodukt aus dem Datensatz gewählt oder mit der programmierten Funktion berechnet wird und
(c) die Steuereinheit vom Computerprogrammprodukt angewiesen wird, eine elektrische Spannung an das Funktionselement mit der Spannungsrampe anzulegen und die Spannung mit der Spannungsrampe anschließend anlegt.
Die Erfindung umfasst außerdem die Verwendung einer erfindungsgemäßen Verglasungseinheit, insbesondere der Verbundscheibe einer erfindungsgemäßen Verglasungseinheit, in Gebäuden oder in Fortbewegungsmitteln für den Verkehr auf dem Lande, in der Luft oder zu Wasser, bevorzugt als Fensterscheibe eines Fahrzeugs, insbesondere eines Kraftfahrzeugs. Die Verglasungseinheit bzw. die Verbundscheibe kann beispielweise verwendet werden als Windschutzscheibe, Dachscheibe, Rückwandscheibe oder Seitenscheibe.
In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung ist die Verglasungseinheit beziehungsweise die Verbundscheibe eine Windschutzscheibe eines Fahrzeugs. Das Funktionselement wird dabei bevorzugt als elektrisch steuerbare Sonnenblende eingesetzt, welche in einem oberen Bereich der Windschutzscheibe angeordnet ist, während der Großteil der Windschutzscheibe nicht mit dem Funktionselement versehen ist. Die gegebenenfalls vorhandenen Segmente sind bevorzugt im Wesentlichen parallel zur Oberkante der Windschutzscheibe mit wachsendem Abstand zu dieser angeordnet. Durch die unabhängig steuerbaren Segmente kann der Benutzer in Abhängigkeit vom Sonnenstand das Ausmaß des an die Oberkante grenzenden Bereichs bestimmen, der abgedunkelt oder mit einer hohen Lichtstreuung versehen werden soll, um eine Blendwirkung durch die Sonne zu vermeiden.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung ist die Verglasungseinheit beziehungsweise die Verbundscheibe eine Dachscheibe eines Fahrzeugs. Das Funktionselement ist dabei bevorzugt im gesamten Durchsichtbereich der Verbundscheibe angeordnet. In einer typischen Ausgestaltung umfasst dieser Durchsichtbereich die gesamte Verbundscheibe abzüglich eines umlaufenden Randbereichs, der mit einem opaken Abdeckdruck auf mindestens einer der Oberfläche der Verbundscheibe versehen ist. Das Funktionselement erstreckt sich über den gesamten Durchsichtbereich, wobei seine Seitenkanten im Bereich des opaken Abdeckdrucks angeordnet und dadurch für den Betrachter nicht sichtbar sind. Die gegebenenfalls vorhandenen Segmente sind bevorzugt im Wesentlichen parallel zu einer
Vorderkante (Kante, welche der Windschutzscheibe zugewandt ist) der Dachscheibe mit wachsendem Abstand zu dieser angeordnet. Durch die unabhängig steuerbaren Segmente kann der Benutzer festlegen, welche Bereiche der Dachscheibe transparent sein sollen und welche abgedunkelt oder mit einer hohen Lichtstreuung versehen werden sollen, beispielsweise in Abhängigkeit vom Sonnenstand, um eine übermäßige Erwärmung des Fahrzeuginnenraums zu vermeiden. Es ist auch möglich, dass jedem Fahrzeuginsassen, also beispielsweise dem Fahrer, dem Beifahrer, dem linken und dem rechten hinteren Insassen, jeweils ein über ihm befindliches Segment zugeordnet ist.
Die Erfindung wird anhand einer Zeichnung und Ausführungsbeispielen näher erläutert. Die Zeichnung ist eine schematische Darstellung und nicht maßstabsgetreu. Die Zeichnung schränkt die Erfindung in keiner Weise ein. Es zeigen:
Figur 1 eine Draufsicht auf eine Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Verglasungseinheit,
Figur 2 einen Querschnitt durch die Verglasungseinheit aus Figur 1 ,
Figur 3 eine vergrößerte Darstellung des Bereichs Z aus Figur 2,
Figur 4 das Funktionselement aus Figur 1 in einem Schaltbild,
Figur 5A ein Diagramm des „Einschaltens“ mit der Schaltzeit bei 23 °C eines elektrisch steuerbaren, gattungsgemäßen Funktionselements,
Figur 5B ein Diagramm des „Ausschaltens“ mit der Schaltzeit bei 23 °C eines elektrisch steuerbaren, gattungsgemäßen Funktionselements,
Figur 6A ein Diagramm des „Einschaltens“ mit der Schaltzeit bei -20 °C eines elektrisch steuerbaren, gattungsgemäßen Funktionselements und
Figur 6B ein Diagramm des „Ausschaltens“ mit der Schaltzeit bei -20 °C eines elektrisch steuerbaren, gattungsgemäßen Funktionselements und
Figur 7 eine Darstellung des erfindungsgemäßen Verfahrens mit Animationsschema.
Figur 1 , Figur 2, Figur 3 und Figur 4 zeigen je ein Detail einer erfindungsgemäßen Verbundscheibe 100 mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften. Die Figur 1 zeigt eine Draufsicht auf die erfindungsgemäße Verbundscheibe 100, wohingegen die Figur 2 eine Querschnittansicht der in Figur 1 gezeigten Verbundscheibe mit der Schnittlinie X-X‘ zeigt. Die Figur 3 stellt einen vergrößerten Bereich Z der Querschnittansicht aus Figur 2 dar. Die Verbundscheibe 100 ist beispielhaft als Dachscheibe eines Personenkraftwagens vorgesehen, deren Lichttransmission bereichsweise elektrisch gesteuert werden kann. Die Verbundscheibe 100 umfasst eine Außenscheibe 1 und eine Innenscheibe 2, die über eine Zwischenschicht 3 miteinander verbunden sind. Die Außenscheibe 1 und die Innenscheibe 2 bestehen aus Kalk-Natron-Glas, welches optional getönt sein kann. Die Außenscheibe 1 weist beispielsweise eine Dicke von 2,1 mm auf, die Innenscheibe 2 eine Dicke von 1 ,6 mm.
Die Zwischenschicht 3 umfasst insgesamt drei thermoplastischen Schichten 3a, 3b, 3c, die jeweils durch eine thermoplastische Folie mit einer Dicke von 0,38 mm aus PVB ausgebildet sind. Die erste thermoplastische Schicht 3a ist mit der Außenscheibe 1 verbunden, die zweite thermoplastische Schicht 3b mit der Innenscheibe 2. Die dazwischenliegende dritte thermoplastische Schicht 3c weist einen Ausschnitt auf, in welchen ein Funktionselement 4 mit elektrisch steuerbaren optischen Eigenschaften im Wesentlichen passgenau, das heißt an allen Seiten etwa bündig, eingelegt ist. Die dritte thermoplastische Schicht 3c bildet also gleichsam eine Art Passepartout oder Rahmen für das etwa 0,4 mm dicke Funktionselement 4, welches somit rundum in thermoplastisches Material eingekapselt und dadurch geschützt ist. Das Funktionselement 4 ist beispielsweise eine PDLC-Mehrschichtfolie, die von einem trüben, nicht-transparenten (transluzenten) Schaltzustand 0 % in einen klaren, transparenten Schaltzustand 100 % geschaltet werden kann. Das Funktionselement 4 ist eine Mehrschichtfolie, bestehend aus einer aktiven Schicht 5 zwischen einer ersten Flächenelektrode 8 und einer zweiten Flächenelektrode 9 sowie zwei Trägerfolien 6, 7. Die erste Trägerfolie 6 ist mit der ersten Flächenelektrode 8 flächig in Kontakt und die zweite Trägerfolie 7 ist mit der zweiten Flächenelektrode 9 flächig in Kontakt. Die aktive Schicht 5 enthält eine Polymermatrix mit darin dispergierten Flüssigkristallen, die sich in Abhängigkeit der an die Flächenelektroden 8, 9 angelegten elektrischen Spannung (Wechselspannung) ausrichten, wodurch die optischen Eigenschaften geregelt werden können. Die Trägerfolien 6, 7 bestehen aus PET und weisen eine Dicke von beispielsweise 0,125 mm auf. Die Trägerfolien 6, 7 sind mit einer zur aktiven Schicht 5 weisenden Beschichtung aus ITO mit einer Dicke von etwa 100 nm versehen, welche die Flächenelektroden 8, 9 ausbilden. Die Flächenelektroden 8, 9 sind über nicht dargestellte Sammelleiter (beispielweise ausgebildet
aus Streifen einer Kupferfolie) mit elektrischen Kabeln 14 verbunden, welche die elektrische Verbindung zu einer Steuereinheit 10 herstellen.
Diese Steuereinheit 10 ist beispielhaft an der innenraumseitigen, von der Zwischenschicht 3 abgewandten Oberfläche der Innenscheibe 2 angebracht. Dazu ist beispielsweise ein nicht dargestelltes Befestigungselement an die Innenscheibe 2 angeklebt, in welches die Steuereinheit 10 eingesetzt ist. Die Steuereinheit 10 muss aber nicht zwingend direkt an der Verbundscheibe 100 angebracht sein. Sie kann alternativ beispielsweise am Armaturenbrett oder der Fahrzeugkarosserie angebracht sein oder in die Bordelektrik des Fahrzeugs integriert sein.
Die Verbundscheibe 100 weist einen umlaufenden Randbereich auf, welche mit einem opaken Abdeckdruck 13 versehen ist. Diese Abdeckdruck 13 ist typischerweise aus einer schwarzen Emaille ausgebildet. Sie wird als Druckfarbe mit einem Schwarzpigment und Glasfritten im Siebdruckverfahren aufgedruckt und in die Scheibenoberfläche eingebrannt. Der Abdeckdruck 13 ist beispielhaft auf der innenraumseitigen Oberfläche der Außenscheibe 1 und auch auf der innenraumseitigen Oberfläche der Innenscheibe 2 aufgebracht. Die Seitenkanten des Funktionselements 4 sind durch diesen Abdeckdruck 13 verdeckt. Die Steuereinheit 10 ist in diesem opaken Randbereich angeordnet, also auf den Abdeckdruck 13 der Innenscheibe 2 aufgeklebt. Dort stört die Steuereinheit 10 die Durchsicht durch die Verbundscheibe 100 nicht und ist optisch unauffällig. Zudem weist sie einen geringen Abstand zur Seitenkante der Verbundscheibe 100 auf, so dass nur vorteilhaft kurze Kabel 14 zum elektrischen Anschluss des Funktionselements 4 nötig sind.
Die Steuereinheit 10 ist andererseits mit der Bordelektrik des Fahrzeugs verbunden, was in den Figuren 1 und 2 der Einfachheit halber nicht dargestellt ist. Die Steuereinheit 10 ist geeignet, in Abhängigkeit von einem Signal zur Steuerung, welches der Fahrer beispielsweise mit einem Knopfdruck vorgibt, die Spannung mit einer Spannungsrampe an die Flächenelektroden 8, 9 des Funktionselements 4 anzulegen, welche für den gewünschten optischen Zustand des Funktionselements 4 (Schaltzustand) erforderlich ist.
Das Funktionselement 4 weist beispielhaft vier unabhängige Segmente S1 , S2, S3, S4 auf, in denen der Schaltzustand des Funktionselements 4 unabhängig voneinander durch die Steuereinheit 10 eingestellt werden kann. Die Segmente S1 , S2, S3, S4 sind in der Richtung von der Vorderkante zur Hinterkante der Dachscheibe hintereinander angeordnet. Mit der
Vorderkante, ist jene Kante der Dachscheibe gemeint, welche in Einbaulage am nächsten zu der Front des Fahrzeugs angeordnet ist und mit der Hinterkante ist die Kante gemeint, welche in Einbaulage am nächsten zum Heck des Fahrzeugs angeordnet ist. Durch die Segmente S1 , S2, S3, S4 kann der Fahrer des Fahrzeugs (beispielsweise in Abhängigkeit vom Sonnenstand) wählen, statt der gesamten Verbundscheibe 100 nur einen Bereich derselben mit dem transluzenten Zustand zu versehen, während die anderen Bereiche transparent bleiben.
Um die Segmente S1 , S2, S3, S4 auszubilden, ist die erste Flächenelektrode 8 durch drei Isolierungslinien 8' unterbrochen, welche im Wesentlichen parallel zueinander angeordnet sind und sich von einer Seitenkante zur gegenüberliegenden Seitenkante des Funktionselements 4 erstrecken. Die Isolierungslinien 8' sind typischerweise durch Laserbearbeitung in die erste Flächenelektrode 8 eingebracht und teilt diese in vier stofflich voneinander getrennte Elektrodensegmente 8.1 , 8.2, 8.3 und 8.4 auf. Jedes Elektrodensegment 8.1 , 8.2, 8.3 und 8.4 ist unabhängig von den anderen mit der Steuereinheit 10 verbunden. Die Steuereinheit 10 ist geeignet, unabhängig voneinander eine elektrische Spannung zwischen jedem Elektrodensegment 8.1 , 8.2, 8.3 und 8.4 der ersten Flächenelektrode 8 einerseits und der zweiten Flächenelektrode 9 andererseits anzulegen, sodass der dazwischen befindliche Abschnitt der aktiven Schicht 5 mit der erforderlichen Spannung beaufschlagt wird, um einen gewünschten Schaltzustand zu erreichen.
Wie im Ersatzschaltbild der Figur 4 veranschaulicht, ist die Steuereinheit 10 über die Bordelektrik des Fahrzeugs an eine Spannungsquelle 15 angeschlossen. Die Spannungsquelle 15 stellt im Fahrzeugbereich typischerweise eine Gleichspannung im Bereich von 12 V bis 14 V bereit (Bordspannung des Fahrzeugs). Die Steuereinheit 10 ist mit einem Gleichspannungswandler 11 ausgestattet, welcher die Bordspannung (Primärspannung) in eine Gleichspannung mit höherem Betrag wandelt, beispielsweise 65 V (Sekundärspannung). Die Sekundärspannung muss ausreichend hoch sein, um einen Schaltzustand des Funktionselements 4 von 100% zu realisieren. Die Steuereinheit 10 ist darüber hinaus mit einem Wechselrichter 12 ausgestattet, der die Sekundärspannung in eine Wechselspannung wandelt. Ein Pol des Wechselrichters 12 ist mit der zweiten Flächenelektrode 9 verbunden. Für den anderen Pol weist der Wechselrichter 12 mehrere unabhängige Ausgänge auf, wobei jeder Ausgang jeweils mit einem Elektrodensegment 8.1 , 8.2, 8.3 und 8.4 verbunden ist, so dass der Schaltzustand des zugehörigen Segments S1 , S2, S3, S4 unabhängig von den anderen eingestellt werden kann. Bei einem Schaltzustand von
0% weisen die Elektrodensegmente 8.1 , 8.2, 8.3, 8.4 und die zweite Flächenelektrode 9 stets das gleiche elektrische Potential auf, so dass keine Spannung anliegt. Bei einem Schaltzustand größer 0% eines Segments S1 , S2, S3, S4 liegt eine Spannung zwischen dem zugehörigen Elektrodensegment 8.1 , 8.2, 8.3, 8.4 und der zweiten Flächenelektrode 9 an. Infolge der Spannung fließt ein Strom durch den zugehörigen Abschnitt der aktiven Schicht 5.
Die Schaltgeschwindigkeit und damit die Schaltzeit sind temperaturabhängig. Insbesondere niedrigere Temperaturen ab 10 °C führen dazu, dass das Funktionselement 4, bzw. die Segmente S1 , S2, S3, S4 eine niedrigere Schaltgeschwindigkeit aufweisen für den Wechsel zwischen den Schaltzuständen. Bei Temperaturen oberhalb von 10 °C ist eine solche Verzögerung in der Regel nicht vorhanden oder weniger stark ausgeprägt. Es gibt daher in einem beliebigen Temperaturbereich, beispielsweise von -20 °C bis 120 °C, immer mindestens eine Temperatur, die zu der höchsten, benötigen Schaltzeit tmax führt. In diesem Ausführungsbeispiel ist -20 °C diese Temperatur. Die erforderliche Schaltzeit, um zwischen zwei Schaltzuständen zu wechseln, ist also am höchsten, wenn das Funktionselement 4 eine Temperatur von -20 °C aufweist.
Die Schaltgeschwindigkeit wird neben der Temperatur auch über eine Spannungsrampe, mit der die elektrische Spannung an die Segmente S1 , S2, S3, S4 des Funktionselementes 4 angelegt wird, definiert. Diese Abhängigkeit der Schaltgeschwindigkeit wird erfindungsgemäß dadurch ausgenutzt, dass an die Flächenelektroden 8, 9 eine Spannung mit einer Spannungsrampe angelegt wird, wobei die Spannungsrampe in Abhängigkeit von der Temperatur des Funktionselementes 4 ausgewählt wird. Dazu weist ein auf der Steuereinheit 10 gespeichertes Computerprogrammprodukt die Steuereinheit 10 an zunächst die Temperatur der Verbundscheibe 100 beziehungsweise des Funktionselements 4 zu ermitteln. Die Steuereinheit 10 ermittelt die Temperatur und das Computerprogrammprodukt wählt in Abhängigkeit der ermittelten Temperatur eine Spannungsrampe aus einem auf der Steuereinheit 10 gespeicherten Datensatz oder berechnet eine Spannungsrampe mittels einer auf der Steuereinheit 10 programmierten Funktion und weist die Steuereinheit 10 an, eine elektrische Spannung mit der gewählten oder berechneten Spannungsrampe an eines oder mehrere Segmente S1 , S2, S3, S4 des Funktionselementes 4 anzulegen. Die elektrische Spannung wird so gewählt, dass der gewünschte Schaltzustand erreicht wird. Die aus dem Datensatz gewählte oder mittels der programmierten Funktion berechnete Spannungsrampe weist je nach ermittelter Temperatur einen unterschiedlichen Wert oder Werte auf (lineare Spannungsrampe oder nicht lineare Spannungsrampe), sodass die
Schallgeschwindigkeit mit der zwischen den Schaltzuständen gewechselt wird je nach Spannungsrampe größer oder kleiner ist. Die Spannungsrampe ist dabei so gewählt, dass sich die Schaltzeit tschait für alle ermittelten Temperaturen im Temperaturbereich zum Wechseln der Schaltzustände ergibt. Die Schaltzeit tschait ist beispielsweise gleich der höchsten Schaltzeit tmax, die in diesem Beispiel für eine Temperatur des Funktionselementes 4 bei -20 °C erforderlich ist. Mit anderen Worten: die Schaltgeschwindigkeit vschait, mit der zwischen den Schaltzuständen gewechselt wird, ist für alle Temperaturen identisch und für alle Temperaturen außer für -20 °C künstlich verlängert.
Für einige Funktionselemente 4 und Temperaturen kann es allerdings vorkommen, dass die Zeit für die Erhöhung und die Erniedrigung der elektrischen Spannung unterschiedlich lang ist. Die temperaturabhängige Zeit zum Schalten kann also höher sein, wenn von einem Schaltzustand mit höherer Transparenz oder höherem Transmissionsgrad in einen Schaltzustand mit niedrigerer Transparenz oder niedrigerem Transmissionsgrad geschaltet wird (abnehmender Schaltzustand), statt, wenn von einem Schaltzustand mit niedrigerer Transparenz oder niedrigem Transmissionsgrad in einen Schaltzustand mit höherer T ransparenz oder höheren T ransmissionsgrad geschaltet wird (zunehmender Schaltzustand). Die Spannungsrampe wird daher beispielsweise jeweils so gewählt oder berechnet, dass sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung an das Funktionselement 4 die Schaltzeit tschait sowohl für den Wechsel in einen abnehmenden Schaltzustand als auch für den Wechsel in einen zunehmenden Schaltzustand ergibt. Mit anderen Worten der Betrag der Spannungsrampe ist je nach dem, ob in einen abnehmenden oder in einen zunehmenden Schaltzustand gewechselt wird, unterschiedlich. Daraus ergibt sich, dass die Schaltgeschwindigkeit vschait sowohl für den Wechsel in einen zunehmenden Schaltzustand als auch in einen abnehmenden Schaltzustand gleich ist.
Zur Ermittlung der Temperatur kann die Verbundscheibe 100 beispielsweise mit einem Temperatursensor ausgestattet sein, welcher die gemessene Temperatur an die Steuereinheit 10 übermittelt. Auf einen Temperatursensor kann verzichtet werden, wenn die Temperatur des Funktionselements 4 beispielsweise auf Grundlage der Impedanz der aktiven Schicht 5 abgeschätzt wird. Eine angelegte Spannung führt zu einem Stromfluss durch die aktive Schicht 5, dessen Ausmaß von der temperaturabhängigen elektrischen Impedanz abhängt. Wird bei einer angelegten Spannung die Stromaufnahme ermittelt, so kann daraus der Stromfluss beziehungsweise die Impedanz der aktiven Schicht 5 und daraus wiederum die Temperatur näherungsweise ermittelt werden. In der Steuereinheit 10 sind dazu
Impedanzdaten hinterlegt, welche die Impedanz der aktiven Schicht 5 mit der Temperatur verknüpfen.
Figuren 5A, 5B, 6A und 6B zeigen Diagramme des Transmissionsgrades in Abhängigkeit der Zeit für eine gattungsgemäße Verglasungseinheit. Figur 5A und Figur 6A zeigen den Wechsel von einem Schaltzustand mit einem niedrigerem Transmissionsgrad zu einem Schaltzustand mit einem höheren Transmissionsgrad (Einschalten). Figur 5B und Figur 6B zeigen den Wechsel von einem Schaltzustand mit einem höheren Transmissionsgrad zu einem Schaltzustand mit einem niedrigeren Transmissionsgrad (Ausschalten). Der Transmissionsgrad gibt den prozentualen Anteil der Lichttransmission durch die Verbundscheibe an. In Figur 5A und 5B weist die Verbundscheibe bzw. das Funktionselement eine Temperatur von 23 °C auf und in Figur 6A und Figur 6B eine Temperatur von -20 °C. Das Signal den Schaltzustand zu wechseln, kommt für alle Kurven nach 5 s (In den Figuren 5A, 5B, 6A und 6B durch „Schalten“ gekennzeichnet). Bei 23 °C ist der Wechsel zum jeweils anderen Schaltzustand (Einschalten und Ausschalten) nach weniger als 1 s abgeschlossen. Das Schaltverhalten in Figur 6A und Figur 6B bei -20 °C unterscheidet sich von jenem bei 23 °C. Das Einschalten des Funktionselementes, also der Wechsel von einem Schaltzustand mit einem Transmissionsgrad von ca. 20 % zu einem Transmissionsgrad mit ca. 47 %, erfordert eine Schaltzeit von ca. 5 s. Die Schaltzeit hat sich damit im Vergleich zu Figur 5A bei 23 °C mehr als verfünffacht. Der Effekt ist noch deutlicher beim Ausschalten zu beobachten. In diesem Fall sinkt der Transmissionsgrad über einen Zeitraum von 100 s nur um ca. 25 % ab und erreicht innerhalb dieser Zeit einen Transmissionsgrad von ca. 32 %. Da die Messung nach 105 s beendet wurde, wird der angezielte Schaltzustand von 20 % in der Figur 6B nicht erreicht.
Dieses temperaturabhängige Schaltverhalten mit Schaltzeiten, die von unter einer Sekunde bis zu mehreren Minuten dauern, irritiert einen fachfremden Benutzer der Verglasungseinheit und löst möglicherweise die naheliegende Vermutung des Benutzers aus, dass die Verglasungseinheit nicht ordnungsgemäß funktioniert.
Figur 7 zeigt ein Fluss- bzw. Ablaufdiagramm zur Veranschaulichung eines beispielhaften erfindungsgemäßen Verfahrens, wobei beispielsweise das Computerprogrammprodukt nach dem Einstellen des gewünschten Schaltzustandes des Funktionselementes 4 mit den vier Segmenten S1 , S2, S3, S4 in einem ersten Verfahrensschritt die Steuereinheit 10 anweist, die Temperatur des Funktionselementes 4 zu ermitteln. Der gewünschte Schaltzustand ist
beispielsweise ein Schaltzustand mit maximaler Änderung der optischen Eigenschaften, also zum Beispiel der Wechsel von einem minimalen transparenten Schaltzustand zu einem maximalen transparenten Schaltzustand. Die Temperatur wird beispielsweise durch die Steuereinheit 10 Mithilfe des temperaturabhängigen Impedanzverhaltens des Funktionselementes 4 ermittelt. In einem zweiten Verfahrensschritt wird beispielsweise mittels des Computerprogrammproduktes eine Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur aus dem auf der Steuereinheit 10 gespeicherten Datensatz gewählt. In einem dritten Verfahrensschritt wird die Steuereinheit 10 von beispielsweise dem Computerprogrammprodukt angewiesen, die erforderliche Spannung mit der gewählten Spannungsrampe zum Erreichen des gewünschten Schaltzustandes an das erste Segment S1 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 anzulegen. Aus diesen drei Verfahrensschritten resultiert, dass die Schaltzeit, um in den gewünschten Schaltzustand zu wechseln, für das Segment S1 der Schaltzeit tschait entspricht bzw. die Schallgeschwindigkeit für den Wechsel aus dem minimalen Schaltzustand zum maximalen Schaltzustand der Schallgeschwindigkeit vschait entspricht. Mit dem Ablauf der Schaltzeit tschait für das erste Segment S1 wird der gewünschte Schaltzustand erreicht und es wird an das zweite Segment S2 der vier Segmente
51 , S2, S3, S4 eine Spannung mit der gewählten Spannungsrampe angelegt. Mit dem Ablauf der Schaltzeit tschait für das zweite Segment S2 wird dieses Vorgehen mit dem dritten Segment
53 und anschließend mit dem vierten Segment 4 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 wiederholt. Es gilt ebenso für das zweite, das dritte und das vierte Segment S2, S3, S4, dass die Schaltzeit, um in den gewünschten Schaltzustand zu wechseln, für das jeweilige Segment
52, S3, S4 der Schaltzeit tschait entspricht. Die Spannung wird je nach Funktionselement 4 auch nach dem Erreichen des gewünschten Schaltzustandes aufrechtgehalten oder es wird in einen Zustand, in dem keine Spannung durch die Steuereinheit angelegt wird, gewechselt. In dem hier gezeigten Verfahren für eine Verglasungseinheit mit einem PDLC- Funktionselement, wie in den Figuren 1 bis 4 gezeigt, wird beispielsweise die Spannung nach Erreichen des gewünschten Schaltzustandes weiterhin an das jeweilige Segment S1 , S2, S3,
54 angelegt. Im Falle eines elektrochromen Funktionselementes wird nach Erreichen des gewünschten Schaltzustandes in einen Zustand gewechselt, in dem keine Spannung durch die Steuereinheit, also keine äußere Spannung, angelegt wird.
In einer ersten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden nach dem Start zumindest die folgenden Schritte durchgeführt.
Start: [Eingabe eines gewünschten Schaltzustandes für die Segmente S1 , S2, S3, S4]
Das Verfahren wird durch das Auswahlen des gewünschten Schaltzustandes für die vier Segmente S1 , S2, S3, S4 gestartet;
(a): [Temperatur-Ermittlung des Funktionselementes 4]
Die Temperatur des Funktionselementes 4 der Verglasungseinheit wird nach der Anweisung durch das Computerprogrammprodukt durch die Steuereinheit 10 ermittelt;
(b): [Auswahl einer Spannungsrampe anhand der ermittelten Temperatur]
Eine Spannungsrampe wird anhand der ermittelten Temperatur aus (a) aus dem auf der Steuereinheit 10 gespeicherten Datensatz gewählt oder mittels der programmierten Funktion berechnet;
(c1): [Anlegen der Spannung mit der Spannungsrampe an das Segment S1 bis der gewünschte Schaltzustand erreicht wird.]
Es wird eine elektrische Spannung, die zum Erreichen des gewünschten Schaltzustandes notwendig ist, an das erste Segment S1 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 mit der in (b) gewählten Spannungsrampe angelegt. Die elektrische Spannung wird auch nach Erreichen des gewünschten Schaltzustandes weiter angelegt, sodass das erste Segment S1 im gewünschten Schaltzustand verbleibt;
(c2): [Anlegen der Spannung mit der Spannungsrampe an das Segment S2 bis der gewünschte Schaltzustand erreicht wird.]
Nach dem Ablauf der Schaltzeit tschait für das erste Segment S1 wird die elektrische Spannung an das zweite Segment S2 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 mit der in (b) gewählten Spannungsrampe angelegt. Die elektrische Spannung wird auch nach Erreichen des gewünschten Schaltzustandes weiter angelegt, sodass das zweite Segment S2 im gewünschten Schaltzustand verbleibt;
(c3): [Anlegen der Spannung mit der Spannungsrampe an das Segment S3 bis der gewünschte Schaltzustand erreicht wird.]
Nach dem Ablauf der Schaltzeit tschaitfür das zweite Segment S2 wird die elektrische Spannung an das dritte Segment S3 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 mit der in (b) gewählten Spannungsrampe angelegt. Die elektrische Spannung wird auch nach Erreichen des gewünschten Schaltzustandes weiter angelegt, sodass das dritte Segment S3 im gewünschten Schaltzustand verbleibt;
(c4): [Anlegen der Spannung mit der Spannungsrampe an das Segment S4 bis der gewünschte Schaltzustand erreicht wird.]
Nach dem Ablauf der Schaltzeit tschait für das dritte Segment S3 wird die elektrische Spannung an das vierte Segment S4 der vier Segmente S1 , S2, S3, S4 mit der in (b) gewählten Spannungsrampe angelegt. Die elektrische Spannung wird auch nach
Erreichen des gewünschten Schaltzustandes weiter angelegt, sodass das vierte Segment S4 im gewünschten Schaltzustand verbleibt;
Ende: Das Verfahren ist abgeschlossen und wird beendet. Die vier Segmente S1 , S2, S3, S4 werden also nacheinander vom ersten Segment S1 bis zum vierten Segment S4 in den gewünschten Schaltzustand gebracht. Der gewünschte Schaltzustand wird mit Ablauf der Schaltzeit tschait erreicht. Die Reihenfolge kann auch eine andere sein, beispielsweise könnte zuerst das vierte Segment S4 in den gewünschten Schaltzustand gebracht werden, anschließend das dritte Segment S3, dann das zweite Segment S2 und schlussendlich das erste Segment S1. Es sind auch weniger oder mehr Segmente als die vier hier gezeigten Segmente S1, S2, S3, S4 möglich. Das Verfahren lässt sich also auch mit einer anderen Anzahl von Segmenten in gleicher Weise durchführen. Es ist auch möglich, dass die Segmente in unterschiedliche Schaltzustände geschaltet werden.
Bezugszeichenliste
S1, S2, S3, S4 Segmente des Funktionselementes 4
1 Außenscheibe
2 Innenscheibe
3 thermoplastische Zwischenschicht
3a erste Schicht der Zwischenschicht 3
3b zweite Schicht der Zwischenschicht 3
3c dritte Schicht der Zwischenschicht 3
4 Funktionselement
5 aktive Schicht
6 erste Trägerfolie
7 zweite Trägerfolie
8 erste Flächenelektrode
8.1 , 8.2, 8.3, 8.4 Elektrodensegmente der ersten Flächenelektrode 8
8' Isolierungslinie zwischen zwei Elektrodensegmenten 8.1 , 8.2, 8.3, 8.4
9 zweite Flächenelektrode
10 Steuereinheit
11 Gleichspannungswandler
12 Wechselrichter
13 Abdeckdruck
14 elektrische Kabel
15 Spannungsquelle / Gleichspannungsquelle
100 Verbundscheibe
X-X‘ Schnittlinie
Z vergrößerter Bereich