Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung des Übergangs zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine entsprechende Vorrichtung zur Steuerung des Übergangs zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen zur automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs
Ein Fahrzeug kann unterschiedliche Fahrfunktionen aufweisen, die den Fahrer des Fahrzeugs bei der Längsführung des Fahrzeugs unterstützen. Eine beispielhafte Fahrfunktion ist ein Abstands- und Geschwindigkeitsregler (insbesondere Adaptive Cruise Control, ACC), bei dem die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs automatisch in Abhängigkeit von dem Abstand des Fahrzeugs zu einem direkt vor dem Fahrzeug fahrenden Vorder-F ahrzeug und/oder in Abhängigkeit von einer von dem Fahrer festgesetzten Setz-Geschwindigkeit eingestellt wird. Eine weitere beispielhafte Fahrfunktion ist ein Geschwindigkeitsregler, bei dem die
Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs gemäß der Setz-Geschwindigkeit eingestellt, insbesondere geregelt, wird. Eine weitere beispielhafte Fahrfunktion ist ein Abstands- und Geschwindigkeitsregler kombiniert mit einem Querführungsregler, z.B. zum Halten des Fahrzeugs in der aktuell befahrenen Fahrspur. Eine weitere beispielhafte Fahrfunktion ist ein Geschwindigkeits-Begrenzer zur Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit auf die von dem Fahrer festgelegte Setz- Geschwindigkeit oder auf eine von dem Fahrzeug erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung. Eine von dem Fahrzeug erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung kann dabei manuell oder automatisch als Setz- Geschwindigkeit für den Geschwindigkeits-Begrenzer übernommen werden.
Der Fahrer des Fahrzeugs kann je nach Fahrsituation zumindest eine Fahrfunktion aus einer Liste von unterschiedlichen Fahrfunktionen auswählen. Dabei kann es während einer Fahrt des Fahrzeugs zu Wechseln zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen kommen. Das vorliegende Dokument befasst sich mit der technischen Aufgabe, den Komfort des Fahrers des Fahrzeugs beim Wechsel zwischen Fahrfunktionen in sicherer Weise zu erhöhen.
Die Aufgabe wird durch jeden der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen werden u.a. in den abhängigen Ansprüchen beschrieben. Es wird daraufhingewiesen, dass zusätzliche Merkmale eines von einem unabhängigen Patentanspruch abhängigen Patentanspruchs ohne die Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs oder nur in Kombination mit einer Teilmenge der Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs eine eigene und von der Kombination sämtlicher Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs unabhängige Erfindung bilden können, die zum Gegenstand eines unabhängigen Anspruchs, einer Teilungsanmeldung oder einer Nachanmeldung gemacht werden kann. Dies gilt in gleicher Weise für in der Beschreibung beschriebene technische Lehren, die eine von den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche unabhängige Erfindung bilden können.
Gemäß einem Aspekt wird eine Vorrichtung zur Steuerung eines Wechsels zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen zur zumindest teilweise automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs beschrieben. Die unterschiedlichen Fahrfunktionen können sich dabei in Bezug darauf unterscheiden, wie die jeweilige Fahrfunktion in die Längsführung (und ggf. die Querführung) des Fahrzeugs eingreift. Beispielsweise kann eine Fahrfunktion ausgebildet sein, die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs zu begrenzen. Ferner kann eine andere Fahrfunktion ausgebildet sein, die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs gemäß einer bestimmten Sollvorgabe zu regeln. Zur Einstellung bzw. Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit kann dabei eine Setz-Geschwindigkeit verwendet werden, die z.B. manuell von dem Fahrer des Fahrzeugs festgelegt werden kann und/oder die automatisch (z.B. auf Basis einer erkannten Geschwindigkeitsbegrenzung auf der von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahn) von der jeweiligen Fahrfunktion übernommen werden kann.
Je nach Fahrfunktion kann somit die Setz-Geschwindigkeit als Sollvorgabe für einen Geschwindigkeitsregler zur Einstellung der Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs dienen, oder als Begrenzung für die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs dienen.
Ein Wechsel zwischen zwei Fahrfunktionen kann typischerweise zwischen Fahrfunktion aus einer bestimmten Menge von möglichen Fahrfunktionen erfolgen. Die Menge von möglichen Fahrfunktionen kann umfassen,
• einen Abstands- und Geschwindigkeitsregler, der insbesondere ausgebildet ist, die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs derart einzustellen, dass das Fahrzeug einen definierten Setz-Abstand zu einem Vorder-F ahrzeug aufweist, und wenn kein Vorder-F ahrzeug vorhanden ist, dass das Fahrzeug die Setz-Geschwindigkeit aufweist;
• einen reinen Geschwindigkeitsregler, der insbesondere ausgebildet ist, die Fahrgeschwindigkeit mit der Setz-Geschwindigkeit als Sollvorgabe zu
regeln (ohne dabei den Abstand zu einem Vorder-F ahrzeug zu berücksichtigen);
• einen Geschwindigkeits-Begrenzer, der insbesondere ausgebildet ist, zu bewirken, dass die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs (die z.B. manuell durch den Fahrer eingestellt wird) die Setz-Geschwindigkeit nicht überschreitet;
• einen Abstands- und Geschwindigkeitsregler mit kombinierter Querführung, der insbesondere ausgebildet ist, zusätzlich zu der o.g. Längsführung auch eine automatisierte Querführung zu bewirken (z.B. um das Fahrzeug in der aktuellen Fahrspur zu halten);
• eine Fahrfunktion zur Erkennung und zur automatischen oder manuellen Übernahme einer Geschwindigkeitsbegrenzung, die insbesondere eingerichtet ist, die Setz-Geschwindigkeit zur Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs auf Basis einer vorliegenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf der von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahn zu ermitteln und in dem o.g. Geschwindigkeits-Begrenzer zu verwenden; dabei kann die erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung automatisch als Setz-Geschwindigkeit übernommen werden, oder erst nach manueller Bestätigung durch den Fahrer des Fahrzeugs; und/oder
• eine Fahrfunktion zur Berücksichtigung eines vorausliegenden Streckenereignisses, insbesondere einer Kurve oder einer Signalisierungsanlage, bei der Längsführung des Fahrzeugs, wobei die Fahrfunktion insbesondere eingerichtet ist, eine automatische Verzögerung des Fahrzeugs vor einem Streckenereignis zu bewirken.
Die Vorrichtung ist eingerichtet, zu detektieren, dass von einer ersten Fahrfunktion zu einer unterschiedlichen zweiten Fahrfunktion (z.B. jeweils aus der o.g. Menge von möglichen Fahrfunktionen) gewechselt werden soll. Das Fahrzeug umfasst typischerweise eine Benutzerschnittstelle. Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, den Wechsel von der ersten auf die zweite Fahrfunktion auf Basis einer Nutzereingabe über die Benutzerschnittstelle zu detektieren. Dabei
kann die Benutzerschnittstelle ausgebildet sein, es einem Nutzer (insbesondere dem Fahrer) des Fahrzeugs zu ermöglichen, durch Betätigung eines Bedienelements (z.B. einer Wippe) durch die Liste von möglichen Fahrfunktionen zu blättern, um die Nutzereingabe für den Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion zu bewirken. So kann in besonders komfortabler und zuverlässiger Weise ein Wechsel zu einer unterschiedlichen, zweiten Fahrfunktion bewirkt und von der Vorrichtung erkannt werden.
Die Vorrichtung ist ferner eingerichtet, automatisch die Setz-Geschwindigkeit für die zumindest teilweise automatisierte Längsführung aus der ersten Fahrfunktion für die zweite Fahrfunktion zu übernehmen. Durch die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit kann ein besonders komfortabler Übergang zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen ermöglicht werden.
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, zu überprüfen, ob der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion ein Ausnahme-Wechsel aus einer (vordefinierten) Menge von ein oder mehreren Ausnahme-Wechseln ist, bei denen keine automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit für die zweite Fahrfunktion erfolgen soll. Die Menge von Ausnahme-Wechseln kann insbesondere einen Wechsel (von einer beliebigen ersten Fahrfunktion) zu einem Geschwindigkeits-Begrenzer als zweite Fahrfunktion, und/oder einen Wechsel (von einer beliebigen ersten Fahrfunktion) zu einem reinen Geschwindigkeitsregler als zweite Fahrfunktion umfassen (insbesondere dann, wenn zum Zeitpunkt des Wechsels die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs höher als die Setz-Geschwindigkeit der ersten Fahrfunktion ist). Die Menge von Ausnahme-Wechseln kann auf einer Speichereinheit des Fahrzeugs gespeichert sein.
Die Vorrichtung kann ferner eingerichtet sein, die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit zu unterbinden, wenn bestimmt wird, dass der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion ein Ausnahme-Wechsel (aus
der Menge von Ausnahme-Wechseln) ist. Alternativ oder ergänzend kann die Vorrichtung eingerichtet sein, die automatische Übernahme der Setz- Geschwindigkeit, insbesondere nur dann, durchzuführen, wenn bestimmt wird, dass der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion kein Ausnahme-Wechsel (aus der Menge von Ausnahme-Wechseln) ist.
Durch die Berücksichtigung von ein oder mehreren Ausnahme-Wechseln, für die keine automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit erfolgt, können die Fahrsicherheit und der Komfort weiter erhöht werden.
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, zu ermitteln, ob die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs (bei Durchführung des Wechsels von der ersten zu der zweiten Fahrfunktion) größer oder kleiner als die Setz- Geschwindigkeit ist. Der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion kann ggf., insbesondere nur dann, als Ausnahme-Wechsel betrachtet werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit größer oder kleiner als die Setz-Geschwindigkeit ist. Alternativ oder ergänzend kann die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit, insbesondere nur dann, unterbunden werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit größer oder kleiner als die Setz-Geschwindigkeit ist. Durch die Berücksichtigung der aktuellen Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs bei dem Wechsel zwischen den beiden Fahrfunktionen kann der Komfort weiter erhöht werden.
Beispielsweise kann ermittelt werden, dass die zweite Fahrfunktion ein Geschwindigkeits-Begrenzer ist. In diesem Fall kann der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion (d.h. dem Geschwindigkeits-Begrenzer) ggf., insbesondere nur dann, als Ausnahme-Wechsel betrachtet werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit größer als die Setz- Geschwindigkeit ist. Alternativ oder ergänzend kann die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit, insbesondere nur dann, unterbunden werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit größer als die Setz-
Geschwindigkeit ist. Die Vorrichtung kann somit eingerichtet sein, zu bewirken, dass für den Geschwindigkeits-Begrenzer (als zweite Fahrfunktion) kein Wert als Setz-Geschwindigkeit übernommen wird, der kleiner als die aktuelle Fahrgeschwindigkeit ist.
In einem weiteren Beispiel kann ermittelt werden, die zweite Fahrfunktion ein reiner Geschwindigkeitsregler (ohne Abstandsregelung) ist. In diesem Fall kann der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion (d.h. dem reinen Geschwindigkeitsregler) ggf., insbesondere nur dann, als Ausnahme- Wechsel betrachtet werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit kleiner als die Setz-Geschwindigkeit ist. Alternativ oder ergänzend kann die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit, insbesondere nur dann, unterbunden werden, wenn ermittelt wird, dass die aktuelle Fahrgeschwindigkeit kleiner als die Setz-Geschwindigkeit ist. Die Vorrichtung kann somit eingerichtet sein, zu bewirken, dass für den reinen Geschwindigkeitsregler (als zweite Fahrfunktion) kein Wert als Setz- Geschwindigkeit übernommen wird, der größer als die aktuelle Fahrgeschwindigkeit ist.
In einem weiteren Beispiel kann die zweite Fahrfunktion ein Abstands- und Geschwindigkeitsregler sein. In diesem Fall kann ggf. immer eine automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit von der ersten Fahrfunktion erfolgen (unabhängig von der aktuellen Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs).
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs (zum Zeitpunkt des Wechsels zwischen den Fahrfunktionen) als Setz- Geschwindigkeit für die zweite Fahrfunktion zu verwenden, wenn bestimmt wird, dass der Wechsel von der ersten Fahrfunktion zu der zweiten Fahrfunktion ein Ausnahme-Wechsel ist, und/oder wenn bestimmt wird, dass keine automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit erfolgt. So kann der Komfort weiter erhöht werden.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein (Straßen-) Kraftfahrzeug (insbesondere ein Personenkraftwagen oder ein Lastkraftwagen oder ein Bus oder ein Motorrad) beschrieben, das die in diesem Dokument beschriebene Vorrichtung umfasst.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Verfahren zur Steuerung eines Wechsels zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen zur zumindest teilweise automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs beschrieben. Das Verfahren umfasst das Detektieren, dass von einer ersten Fahrfunktion zu einer unterschiedlichen zweiten Fahrfunktion gewechselt werden soll. Des Weiteren umfasst das Verfahren das automatische Übernehmen der Setz-Geschwindigkeit für die zumindest teilweise automatisierte Längsführung aus der ersten Fahrfunktion für die zweite Fahrfunktion. Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Software (SW) Programm beschrieben. Das SW Programm kann eingerichtet werden, um auf einem Prozessor (z.B. auf einem Steuergerät eines Fahrzeugs) ausgeführt zu werden, und um dadurch das in diesem Dokument beschriebene Verfahren auszuführen. Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Speichermedium beschrieben. Das
Speichermedium kann ein SW Programm umfassen, welches eingerichtet ist, um auf einem Prozessor ausgeführt zu werden, und um dadurch das in diesem Dokument beschriebene Verfahren auszuführen. Unter dem Begriff „automatisiertes Fahren“ kann im Rahmen des Dokuments ein Fahren mit automatisierter Längs- oder Querführung oder ein autonomes Fahren mit automatisierter Längs- und Querführung verstanden werden. Bei dem automatisierten Fahren kann es sich beispielsweise um ein zeitlich längeres Fahren auf der Autobahn oder um ein zeitlich begrenztes Fahren im Rahmen des Einparkens oder Rangierens handeln. Der Begriff „automatisiertes Fahren“ umfasst ein automatisiertes Fahren mit einem beliebigen Automatisierungsgrad.
Beispielhafte Automatisiemngsgrade sind ein assistiertes, teilautomatisiertes, hochautomatisiertes oder vollautomatisiertes Fahren. Diese Automatisierungsgrade wurden von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) definiert (siehe B ASt-Publikation „Forschung kompakt“, Ausgabe 11/2012). Beim assistierten Fahren führt der Fahrer dauerhaft die Längs- oder Querführung aus, während das System die jeweils andere Funktion in gewissen Grenzen übernimmt. Beim teilautomatisierten Fahren (TAF) übernimmt das System die Längs- und Querführung für einen gewissen Zeitraum und/oder in spezifischen Situationen, wobei der Fahrer das System wie beim assistierten Fahren dauerhaft überwachen muss. Beim hochautomatisierten Fahren (HAF) übernimmt das System die Längs- und Querführung für einen gewissen Zeitraum, ohne dass der Fahrer das System dauerhaft überwachen muss; der Fahrer muss aber in einer gewissen Zeit in der Lage sein, die Fahrzeugführung zu übernehmen. Beim vollautomatisierten Fahren (VAF) kann das System für einen spezifischen Anwendungsfall das Fahren in allen Situationen automatisch bewältigen; für diesen Anwendungsfall ist kein Fahrer mehr erforderlich. Die vorstehend genannten vier Automatisierungsgrade entsprechen den SAE-Level 1 bis 4 der Norm SAE J3016 (SAE - Society of Automotive Engineering). Beispielsweise entspricht das hochautomatisierte Fahren (HAF) Level 3 der Norm SAE J3016. Ferner ist in der SAE J3016 noch der SAE-Level 5 als höchster Automatisierungsgrad vorgesehen, der in der Definition der BASt nicht enthalten ist. Der SAE-Level 5 entspricht einem fahrerlosen Fahren, bei dem das System während der ganzen Fahrt alle Situationen wie ein menschlicher Fahrer automatisch bewältigen kann; ein Fahrer ist generell nicht mehr erforderlich.
Es ist zu beachten, dass die in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systeme sowohl alleine, als auch in Kombination mit anderen in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systemen verwendet werden können. Des Weiteren können jegliche Aspekte der in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systemen in vielfältiger
Weise miteinander kombiniert werden. Insbesondere können die Merkmale der Ansprüche in vielfältiger Weise miteinander kombiniert werden.
Im Weiteren wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. Dabei zeigen
Figur 1 beispielhafte Komponenten eines Fahrzeugs;
Figur 2a eine beispielhafte Benutzerschnittstelle eines Fahrzeugs;
Figur 2b eine beispielhafte Auswahlliste von unterschiedlichen Fahrfunktionen; und
Figur 3 ein Ablaufdiagramm eines beispielhaften Verfahrens zum Wechseln einer Fahrfunktion zur automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs.
Wie eingangs dargelegt, befasst sich das vorliegende Dokument mit der Erhöhung des Komforts des Fahrers eines Fahrzeugs bei der Auswahl, insbesondere bei dem Wechsel, zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen. In diesem Zusammenhang zeigt Fig. 1 beispielhafte Komponenten eines Fahrzeugs 100. Das Fahrzeug 100 umfasst ein oder mehrere Umfeldsensoren 102 (z.B. einen Radarsensor, einen Lidarsensor, eine Kamera, einen Ultraschall sensor, etc.), die eingerichtet sind, Umfelddaten (d.h. Sensordaten) in Bezug auf das Umfeld des Fahrzeugs 100 zu erfassen. Eine (Steuer-) Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 ist eingerichtet, ein oder mehrere Aktoren 103 zur automatisierten (Längs- und/oder Quer-) Führung des Fahrzeugs 100 in Abhängigkeit von den Umfelddaten zu betreiben, um ein oder mehrere Fahrfunktionen bereitzustellen. Die ein oder mehreren Aktoren 103 können einen Antriebsmotor des Fahrzeugs 100 und/oder ein oder mehrere (Reib- ) Bremsen des Fahrzeugs 100 umfassen.
Eine beispielhafte Fahrfunktion ist ein Abstands- und Geschwindigkeitsregler, der eingerichtet ist, die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 automatisch in Abhängigkeit von dem Abstand des Fahrzeugs 100 zu einem direkt von dem Fahrzeug 100 fahrenden Vorder-F ahrzeug und/oder in Abhängigkeit von einer eingestellten Setz-Geschwindigkeit anzupassen. Eine weitere beispielhafte
Fahrfunktion ist eingerichtet, Streckenereignisse auf der von dem Fahrzeug 100 befahrenen Fahrstrecke bei der Längsführung des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Beispielhafte Streckenereignisse sind Geschwindigkeitsbegrenzungen, Kurven, Signalisierungsanlagen (insbesondere Ampeln), etc.
Das Fahrzeug 100 umfasst eine Benutzerschnittstelle 104 (z.B. am Lenkrad und/oder am Armaturenbrett des Fahrzeugs 100), die es dem Fahrer des Fahrzeugs 100 ermöglicht, Einstellungen an dem Fahrzeug 100 vorzunehmen. Insbesondere kann es dem Fahrer ermöglicht werden, eine Fahrfunktion zur automatisierten Längsführung des Fahrzeugs 100 aus einer Liste von unterschiedlichen Fahrfunktionen zur automatisierten Längsführung auszuwählen, um zu bewirken, dass das Fahrzeug 100 mit der ausgewählten Fahrfunktion betrieben wird.
Fig. 2a zeigt eine beispielhafte Benutzerschnittstelle 104 an einem Armaturenbrett 202 des Fahrzeugs 100. Die Benutzerschnittstelle 104 kann ein oder mehrere Bedien elemente 221 umfassen, z.B. ein Auswahl -Bedienelem ent 223, etwa eine Wippe, das von dem Fahrer des Fahrzeugs 100 betätigt werden kann, um durch eine Liste von Fahrfunktionen zu scrollen bzw. zu blättern, um eine Fahrfunktion auszuwählen. Alternativ oder ergänzend kann mit dem Auswahl-Bedienelement 223 ein Parameter einer Fahrfunktion (z.B. die Setz-Geschwindigkeit) verändert, z.B. erhöht oder reduziert, und/oder eingestellt werden. Des Weiteren kann die Benutzerschnittstelle 104 optional ein Bestätigungs-Bedienelement 222 aufweisen, mit dem eine ausgewählte Fahrfunktion und/oder ein festgelegter Parameter bestätigt werden können. Alternativ kann ggf. automatisch die Auswahl einer Fahrfunktion und/oder die Festlegung eines Parameters nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums (z.B. 2 Sekunden) erfolgen. Die ein oder mehreren Bedien elemente 221 können an dem Lenkrad 220 des Fahrzeugs 100 angeordnet sein.
Des Weiteren kann die Benutzerschnittstelle 104 einen Bildschirm 231 zur Ausgabe von Information, z.B. zur Anzeige der Liste von verfügbaren
Fahrfunktionen und/oder zur Anzeige eines eingestellten Parameterwertes, umfassen. Fig. 2b zeigt eine beispielhafte Liste 200 von unterschiedlichen Fahrfunktionen 201, die auf dem Bildschirm 231 angezeigt werden kann. Der Fahrer des Fahrzeugs 100 kann mit einem Bedienelement 223 durch die Liste 200 scrollen (wie durch den Doppelpfeil angezeigt), um eine bestimmte Fahrfunktion 201 aus der Liste von Fahrfunktionen 201 auszuwählen. In Fig. 2b wird die ausgewählte Fahrfunktion 201 durch eine schraffierte Fläche dargestellt.
Wie bereits weiter oben dargelegt, kann das Fahrzeug 100 eine Mehrzahl von unterschiedlichen Fahrfunktionen 201 umfassen, die den Fahrer des Fahrzeugs 100 bei der Längsführung des Fahrzeugs 100 unterstützen. Diese Fahrfunktionen 201 können dem Fahrer über die Auswahlliste 200 zur Auswahl bereitgestellt werden. Beispielhafte Fahrfunktionen 201 sind,
• ein Abstands- und Geschwindigkeitsregler;
• ein Geschwindigkeitsregler mit einer von dem Fahrer festgelegten Setz- Geschwindigkeit (als Sollvorgabe für den Regler);
• eine Fahrfunktion 201 zur Erkennung von Geschwindigkeitsbegrenzungen mit einer automatischen oder manuellen Übernahme der erkannten Geschwindigkeitsbegrenzung als Setz- Geschwindigkeit;
• ein Geschwindigkeits-Begrenzer mit einer vom Fahrer festgelegten Setz- Geschwindigkeit (als Höchstgeschwindigkeit);
• eine Fahrfunktion 201 mit einer kombinierten automatisierten Längsführung (z.B. durch den Abstands- und Geschwindigkeitsregler) und einer automatisierten Spurführung; und/oder
• eine Fahrfunktion 201 zur automatischen Berücksichtigung von Streckenereignissen (wie z.B. Kurven oder Signalanlagen, insbesondere Ampeln).
Die unterschiedlichen Fahrfunktionen 201 zur Längsführung des Fahrzeugs 100 weisen typischerweise jeweils eine Setz-Geschwindigkeit auf, die von dem Fahrer
manuell festgelegt werden kann und/oder die von dem Fahrzeug 100 automatisch, z.B. aufgrund einer erkannten Geschwindigkeitsbegrenzung, übernommen werden kann. Die (Steuer-) Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 kann eingerichtet sein, bei einem Wechsel der Fahrfunktion 201 durch den Fahrer, die Setz-Geschwindigkeit aus der vorhergehenden Fahrfunktion 201 als Setz-Geschwindigkeit in die neu ausgewählte Fahrfunktion 201 zu übernehmen. So kann der Komfort für den Fahrer des Fahrzeugs 100 erhöht werden, weil bei einem Wechsel der Fahrfunktion keine erneute Festlegung der Setz-Geschwindigkeit durchgeführt werden muss.
Die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit kann standardmäßig für Wechsel zwischen Fahrfunktionen 201 erfolgen. Ferner kann die Vorrichtung 101 eingerichtet sein, zu überprüfen, ob ein Ausnahme-Wechsel zwischen Fahrfunktionen 201 erfolgt, bei dem eine automatische Übernahme der Setz- Geschwindigkeit unterdrückt wird. Zu diesem Zweck kann die Vorrichtung 101 eingerichtet sein, zu überprüfen, ob ein von dem Fahrer durchgeführter Wechsel zwischen Fahrfunktionen 201 zu einer vordefinierten Menge von Ausnahme- Wechseln gehört.
Die Menge von Ausnahme-Wechseln kann als Ausnahme-Wechsel einen Wechsel von einer beliebigen Fahrfunktion 201 zu dem Geschwindigkeits-Begrenzer umfassen, insbesondere dann, wenn die bisher verwendete Setz-Geschwindigkeit kleiner als die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 ist. In diesem Fall kann die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 (ggf. automatisch) als neue Setz-Geschwindigkeit für den Geschwindigkeits-Begrenzer verwendet werden.
Ein weiterer beispielhafter Ausnahme-Wechsel ist der Wechsel von einer beliebigen Fahrfunktion 201 zu dem Geschwindigkeitsregler, insbesondere dann, wenn die bisher verwendete Setz-Geschwindigkeit größer als die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 ist. In diesem Fall kann die aktuelle
Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 (ggf. automatisch) als neue Setz- Geschwindigkeit für den Geschwindigkeitsregler verwendet werden.
Durch die Berücksichtigung einer Menge von Ausnahme-Wechseln, bei denen die automatische Übernahme der Setz-Geschwindigkeit bei einem Wechsel der jeweils aktiven Fahrfunktion 201 unterbunden wird (und ggf. die aktuelle Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs 100 automatisch als neue Setz- Geschwindigkeit übernommen wird), kann der Komfort für den Fahrer des Fahrzeugs 100 weiter erhöht werden.
Fig. 3 zeigt ein Ablaufdiagramm eines beispielhaften (ggf. Computer implementierten) Verfahrens 300 zur Steuerung des Wechsels zwischen unterschiedlichen Fahrfunktionen 201 zur zumindest teilweise automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs 100. Die unterschiedlichen Fahrfunktionen 201 können sich dabei dahingehend unterscheiden, wie die Fahrfunktionen 201 jeweils auf die Längs- und/oder Querführung des Fahrzeugs 100 einwirken.
Das Verfahren 300 umfasst das Detektieren 301, dass von einer ersten Fahrfunktion 201 zu einer unterschiedlichen zweiten Fahrfunktion 201 gewechselt werden soll. Dies kann z.B. auf Basis einer Nutzereingabe über eine Benutzerschnittstelle 104 des Fahrzeugs 100 erkannt werden.
Das Verfahren 300 umfasst ferner das automatische Übernehmen 302 der Setz- Geschwindigkeit für die zumindest teilweise automatisierte Längsführung aus der ersten Fahrfunktion 201 für die zweite Fahrfunktion 201. Insbesondere kann dabei vermieden werden, dass der Nutzer die Setz-Geschwindigkeit für die zweite Fahrfunktion 201 (erneut) über die Benutzerschnittstelle 104 eingeben muss. Vielmehr kann automatisch ein Betrieb der zweiten Fahrfunktion 201 mit der Setz-Geschwindigkeit aus der ersten Fahrfunktion 201 bewirkt werden.
Durch die in diesem Dokument beschriebenen Maßnahmen kann der Komfort beim Wechsel von Fahrfunktionen 201 in sicherer Weise erhöht werden.
Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die gezeigten Ausführungsbeispiele beschränkt. Insbesondere ist zu beachten, dass die Beschreibung und die Figuren nur beispielhaft das Prinzip der vorgeschlagenen Verfahren, Vorrichtungen und Systeme veranschaulichen sollen.