GEWEBE MIT POLYMERSCHICHT MIT EINER RIBLET-STRUKTUR
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Gewebe, umfassend mindestens einen Schussfaden und mindestens einen Kettfaden» wobei das Gewebe an zumindest einer Oberfläche eine Polymerschicht aufweist, wobei der Durchmesser des Schussfadens größer ist als der Durchmesser des Kettfadens, Ebenso betrifft die Erfindung die
Verwendung eines solchen Gewebes, einen Formkörper mit einem entsprechenden Gewebe sowie auch ein Verfahren zur Herstellung eines soichen Gewebes,
Zur Reduzierung des Strömungswidersta ndes , welchen ein flüssiges oder gasförmiges
Medium einem sich in diesem Medium bewegenden Objekt entgegensetzt, werden in der Strömungsmechanik häufig zumindest Teilbereiche der Objektoberfläche aufgeraut, Auch die Natur bedient sich Oberflächen mit gezielter Strukturierung, Beispielsweise ist die Haut eines Haifisches aus einer Vielzahl mikroskopisch kleiner Rillen aufgebaut, die in der Strömungsrichtung des Wassers parallel zueinander beabstandet sind und es somit dem Hai erlauben, hohe Geschwindigkeiten bei minimiertem Energieaufwand zu erzielen,
Topographische Nachbildungen dieser Haifischhaut, auch Riblet-Struktur genannt, auf Basis von Poiymerfolien finden heute Anwendung in der Luftfahrttechnik oder zur
Ausrüstung von Wasserfahrzeugen (siehe beispielsweise CN 1 01 66753 A und KR 201 20001 486 A), In der EP 2 505 853 A2 und EP 201 1 /08741 4 AI wird aber auch die Verwendung einer solchen Mikrostruktur auf Rotorblättern von Windkraftanlagen zur Schallreduzierung beschrieben. Die WO 00/34651 AI weist des Weiteren auf den positiven Effekt der Vermeidung von Eisabwurf an soichen Rotorblattern durch die wasserabweisenden Eigenschaften dieser Oberflächen hin, Die wasserabweisenden und damit auch selbstreinigenden Eigenschaften der Oberflächen können durch eine zusätzliche Hydrophobierung sogar weiter gesteigert werden (siehe beispielsweise US 201 2/01 4281 4 AI ). Insbesondere in Bezug auf die Bekämpfung von (Bio)Fouling können die Eigenschaften von Oberflächen mit Riblet-Struktur ebenfalls erfolgreich genutzt werden. In der WO 201 2/1 1 9965 A2 wird ein Ansatz beschrieben, wie mit Hilfe einer Matrize ein
Fischschuppen- oder Haufischhautmuster in eine Oberfläche eines Verbundsystems geprägt wird, Das dort beschriebene Verbundsystem wird auf Wasserfahrzeuge aufgebracht und verhindert so den Bewuchs des mit Wasser in Kontakt stehenden Rumpfes durch Algen, Pflanzen und Tiere, insbesondere Muscheln und Seepocken (Biofiimbidung), Der mikrobielle Bewuchs der Oberfläche verändert zum einen den Strömungswiderstand des Schiffes als Formkörper im Wasser, überdeckt aber zusätzlich auch die Eigenschaften der Riblet-Struktur, so dass insgesamt ihre oben beschriebenen Eigenschaften maskiert werden, Aus diesem Grund wird in der WO 2012/1 19965 AI beschrieben, dass diesem Verbundsystem zusätzlich auch Biozide wie Fungizide, Algizide, Molluskizide und gegen Muscheln und/oder ankenfußkrebse aktive Verbindungen beigefügt werden können, Durch die Abtötung der sich der Oberfläche nähernden Mikroorganismen kann eine Besiedlung der Oberfläche und damit eine Biofilmbildung minimiert werden, Auf Grund der hohen Wasserlöslichkeit vieler Biozide ist jedoch eine Verkapseiung der den mikrobiellen Bewuchs verhindernden Substanzen in dem Verbundsystem notwendig, beispielsweise durch Polyharnstoff-Poiyurethan, Melaminharz oder Polyacryiat, um ihr Auswaschen zu verhindern, Der in der WO 201 2/1 19965 A2 beschriebene Ansatz ist jedoch in seiner Anwendbarkeit beschränkt. Zum einen ist die Hersteilung der Riblet-Struktur unter Verwendung von Matrizen aufwendig und damit mit hohen Kosten verbunden, Gleichzeitig bedingt dieses Hersteilungsverfahren aber auch, dass die fertigen Verbundsysteme in ihrer Größe limitiert sind, in der ES 2 322 839 AI wird ein ähnlicher Ansatz zur Bekämpfung von (Bio)Fouling beschrieben. Hier wird ein Gewebeüberzug für Schiffsrümpfe oder Flugzeuge offenbart, welcher eine zusätzliche Polymerbeschichtung aufweist, Dabei kann das Gewebe unterschiedliche Strukturierungen aufweisen, In diesem Dokument wird jedoch keine Methode erwähnt, wie eine Riblet-Struktur kostengünstig zugänglich ist,
Das Dokument DE 10 2010 01 1 750 AI betrifft ein Metall- oder Verbundgewebe, welches auf Flugzeuge aufklebbar oder aufspannbar ist, wobei durch die Metaiidrahtanordnung eine Rippenstruktur mit einer Vielzahl von parallel zueinander verlaufenden Rippen ausgebildet werden, so dass eine Haufischhautstruktur gebildet wird, Ein besonderer Vorteil dieses Gewebes besteht in seiner hohen Verschleiß- und Erosionsfestigkeit, so dass eine Anbringung an aerodynamisch stark beanspruchte Oberflächenbereiche eines Flugzeuges wie beispielsweise im Bereich der Flügetvorderkanten, den Höhenieltwerksvorderkanten sowie auch der
Seitenleitwerksvorderanten möglich ist, Das hier verwendete Gewebe wird aus Schuss- und Kettdrähten gebildet» welche den gleichen Durchmesser aufweisen. Dabei bestehen die Drähte aus einer Chrom-Nickel-Stahllegierung oder Titanlegierung, um eine hinreichende Korrosionsfestigkeit sicherzustellen. Dieses Material bedingt, dass diese Gewebe sehr teuer und für weniger stark beanspruchte Flächen der zu schützenden Formkörper sogar zu teuer und damit nicht wirtschaftlich sind,
In der WO 91 /1 7292 AI wird ein Gewebe für den Einsatz als Entwässerungssieb einer Papiermaschine beschrieben. Dieses Gewebe wird durch eine komplizierte Webtechnik unter zwingender Verwendung von drei Schussfäden hergestellt, wobei die Schussfäden einen vom Kettfaden abweichenden Durchmesser aufweisen. Dadurch resultiert eine Struktur, bei der der unterste Schussfaden ein erhöhtes Volumen auf einer Seite des Gewebes aufweist, wodurch sein Abrieb während der Anwendung möglich ist, ohne, dass das Gewebe zerfällt, Aus der Tatsache, dass dieses Gewebe als Sieb Anwendung findet, weist es jedoch eine spezielle Dichtigkeit auf, wobei der Strömungswiderstand des Gewebes vollkommen irrelevant ist. Besonders nachteilig ist vor allem das komplizierte Webverfahren unter Verwendung von drei Schussfäden,
Die US 4,462,916 A beschreibt ein Mantelgewebe eines Fiiterelements, welches hergestellt wird aus einem Schussfaden, welcher einen größeren Durchmesser aufweist als der Kettfaden, Auch dieses Gewebe muss für fluide Medien durchlässig sein, da es bei der Abfilterung von Verunreinigungen aus dem fluiden Medium dient,
Es bestand daher ein großes Interesse daran, eine Oberfläche mit einer Ribiet-Struktur bereitzustellen, welche mindestens einen, vorzugsweise alle der Nachteile des Standes der Technik behebt. Insbesondere lag der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zu Grunde, eine Oberfläche mit Ribiet-Struktur bereitzustellen, weiche einen minimierten Strömungswiderstand, vorzugsweise einen gegenüber den Geweben des Standes der Technik verringerten Strömungswiderstand aufweist und gleichzeitig einfach herzustellen ist, Hierbei sollte die Oberfläche insbesondere kostengünstig herzustellen sein und vorzugsweise keine starke Limitierung in Bezug auf ihre resultierende Größe aufweisen, Es sollte besonders bevorzugt sein, wenn die Oberfläche zur nachträglichen Ausstattung anderer Oberflächen, beispielsweise von Formkörpern wie Schiffsrümpfen, Flugzeugen oder Rotorblättern, verwendet werden kann.
Gelöst werden diese Aufgaben durch die Bereitsteilung eines Gewebes, umfassend mindestens einen Schussfaden und mindestens einen Kettfaden, wobei das Gewebe
an zumindest einer Oberfläche eine Polymerschicht aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser des Schussfadens größer ist als der Durchmesser des Kettfadens,
Insbesondere dadurch» dass es sich erfindungsgemäße um ein Gewebe handelt, können Oberflächen bereitgestellt werden, die einfach und kostengünstig herzusteilen sind und dabei in der Größe der herzustellenden Oberfläche keine starke Limitierung wie die aus dem Stand der Technik bekannten Methoden aufweist, Gleichzeitig werden dem erfindungsgemäßen Gewebe durch die aufgebrachte Polymerschicht zusätzliche Eigenschaften verliehen,
Gewe h T " r ilymerehicht Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter einem Gewebe ein Erzeugnis aus mindestens zwei im Wesentlichen rechtwinklig gekreuzten Fäden verstanden, Es resultiert ein im Wesentlichen flächiges Gebilde, Bevorzugt wird unter dem Ausdruck „Im Wesentlichen rechtwinklig" ein Gebilde verstanden» dessen mindestens zwei Fäden, der Schussfaden und der Kettfaden» in einem Winkel von 90° ± 30°, besonders bevorzugt 90° ± 20°, ganz besonders bevorzugt 90° ± 10° verlaufen, Unter einem Kettfaden wird der Faden verstanden, der in einem Webstuhl in Längsrichtung aufgespannt wird, Im fertigen Gewebe liegt dieser Kettfaden parallel zur Webkante, Der Schussfaden hingegen wird im Webstuhl im Wesentlichen senkrecht zum Kettfaden durch das Webfach gezogen, Durch diese Verkreuzung entsteht die für das Gewebe wesentliche Bindung, Die Herstellung von Geweben ist dem Fachmann bekannt, Ebenso kennt er unterschiedliche Rapporte» das heißt Variationen in der Anzahl von Kett- und Schussfäden» nach der sich die Bindung wiederholt, Es ist jedoch bevorzugt» wenn das erfindungsgemäße Gewebe ein einlagiges Gewebe, das heißt, ein Gewebe aus jeweils nur einem Kett- und einem Schussfadensystem» ist. Im Sinne der vorliegenden Erfindungen wird die Bezeichnung„mindestens ein Faden" im Sinne eines Fadensystems verwendet, Dies bedeutet insbesondere, dass das Gewebe an sich mehrere Fäden der einen und/oder auch der anderen Sorte umfassen kann (dies ist insbesondere auf Grund der limitierten Länge der einzelnen Fäden meist notwendig). Betrachtet man jedoch Fadensysteme, so geht es im Wesentlichen um das Verhältnis der Anzahl der Kettfäden zur Anzahl der Schussfäden zueinander, Bevorzugt umfasst das erfindungsgemäße Gewebe einen Kettfaden und einen Schussfaden als einziges Fadensystem, Hierbei ist es dem Fachmann ebenso bekannt wie er unterschiedliche Kett- und Schussfadensysteme verwendet,
Die Querschnitte des mindestens einen Schussfadens und des mindestens einen Kettfadens können unabhängig voneinander geformt sein, Hierbei sind ebenso asymmetrische Querschnitte umfasst. insbesondere sind auch Querschnitte gezwirnter sowie ungezwirnter Grane umfasst. Unabhängig von der Form des Querschnittes ist der Durchmesser (d) eines Fadens im Sinne der vorliegenden Erfindung immer die längste Strecke» welche durch die Verbindung der am weitesten voneinander liegenden Punkte des Querschnittsumfangs eines Fadens mit einer Geraden gemessen werden kann (siehe dazu Figur 1 a bis d),
Es hat sich überaschenderweise herausgestellt» dass durch die Verwendung von einem Schussfaden mit einem Durchmesser, der größer ist als der Durchmesser des Kettfadens, ein Gewebe herstellen lässi welches eine Ribiet-Struktur aufweist. Die resultierende Struktur weist insbesondere einen geringeren Strömungswiderstand auf als die aus dem Stand der Technik bekannten Gewebe, Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter einer Ribiet-Struktur bevorzugt eine Oberflächengeometrie bezeichnet, welche längsgerichtete Riefen aufweist. Dabei handelt es sich weiterhin bevorzugt um Riefen mit einer Tiefe im Bereich von 1 0 bis 1000 jum, besonders bevorzugt von 250 bis 750 μτη, ganz besonders bevorzugt 400 bis 600 jjm. Der Rillenabstand zweier Rillen zueinander ist bevorzugt 1 0 bis 1000 ηη, besonders bevorzugt 250 bis 750 μπΊ, ganz besonders bevorzugt 200 bis 600 /im. Ebenso bevorzugt weisen diese Riefen eine Länge im Bereich von 1 0 μτη bis 1 0 mm auf,
In einer bevorzugten Ausführungsform ist der Durchmesser des mindestens einen Schussfadens 2 bis 5 mal, besonders bevorzugt 3 bis 5 mal größer als der Durchmesser des mindestens einen Kettfadens, Dabei ist es besonders bevorzugt, dass der Durchmesser aller Schussfäden 2 bis 5 mal, besonders bevorzugt 3 bis 5 mal größer ist als der Durchmesser aller Kettfäden, Somit ist bevorzugt der Durchmesser des Schussfadensystems 2 bis 5 mal besonders bevorzugt 3 bis 5 mal größer als der Durchmesser des Kettfadensystems,
Im Allgemeinen ist es bevorzugt, dass der Querschnitt des mindestens einen Schussfadens im Wesentlichen rund ist. Ebenso ist es bevorzugt, dass der Querschnitt des mindestens einen Kettfadens im Wesentlichen rund ist, Ganz besonders bevorzugt sind der Querschnitt des mindestens einen Schussfadens und des mindestens einen Kettfadens rund. Die Bezeichnung„im Wesentlichen rund" bedeutet hierbei bevorzugt, dass eine Abweichung von der idealen Kreisform möglich ist, aber der tatsächliche
Radius [f) des Fadenquerschnffts an einem bestimmten Punkt um höchstens 25 %, besonders bevorzugt höchstens 1 0 % vom Mittelwert (r) abweicht, welcher den Radius eines idealen Kreises beschreibt (siehe hierzu Figur I d). Es hat sich herausgestellt, dass ein solches Gewebe, bei dem sowohl der mindestens eine Schuss- als auch der mindestens eine Kettfaden eine im Wesentlichen runde Form aufweist eine ibiet- Struktur ausbildet, welche einen besonders geringen Strömungswiderstand aufweist.
Besonders bevorzugt weist der Kettfaden einen Durchmesser von 0, 1 bis 1 mm, besonders bevorzugt von 0,25 bis 0,75 mm, ganz besonders bevorzugt von 0,4 bis 0,6 mm auf. Weiterhin ist es bevorzugt, dass der mindestens eine Schussfaden und der mindestens eine Kettfaden nicht aus Metali bestehen. Besonders bevorzugt umfassen der mindestens eine Schussfaden und der mindestens eine Kettfaden unabhängig voneinander ein Material, welches ausgewählt wird aus der Gruppe, bestehend aus Glasfasern, Polyamiden und Polyestern. Ganz besonders bevorzugt bestehen der mindestens eine Schussfaden und der mindestens eine Kettfaden unabhängig voneinander aus einem Material, weiches ausgewählt wird aus der Gruppe, bestehend aus Glasfasern, Polyamiden und Polyestern.
Je nachdem, aus welchem Material die verwendeten Fäden bestehen, können verformbare oder starre Gewebe resultieren. Je nach Anwendung kann entweder plastische Verformbarkeit oder Starrheit des Gewebes gewünscht sein.
Das erfindungsgemäße Gewebe weist an zumindest einer Oberfläche eine Polymerschicht auf. Bei dem Gewebe handelt es sich, wie oben beschrieben, um ein flächiges Gebilde. Das erfindungsgemäße Gewebe weist die Polymerschicht bevorzugt zumindest an einer der Oberflächen auf, die gebildet wird durch die Aneinanderreihung des mindestens einen Schussfadens beziehungsweise des mindestens einen Kettfadens. Besonders bevorzugt weist das erfindungsgemäße Gewebe an beiden flächigen Oberflächen eine Polymerschicht auf, Es ist bevorzugt, dass die Polymerschicht auf dem Gewebe so ausgebildet ist, dass die Polymerschicht und somit auch das Gewebe im Wesentlichen nicht durchlässig für Wasser ist, Dadurch kann insbesondere das Eindringen von Wasser, beispielsweise Salzwasser, in das System, das heißt die Gewebestruktur, verhindert werden. Ein solches Eindringen könnte zu einer Destabilisierung des Systems führen.
Die Polymerschicht auf dem Gewebe ist bevorzugt nicht in Wasser löslich. Besonders bevorzugt ist die Polymerschicht auch im Wesentlichen nicht in Wasser quellbar. Dies bedeutet, dass die Polymerschicht entweder auf einem Polymer basiert, dessen Löslichkeit in Wasser sehr gering ist oder auf einem Polymer basiert, das in Wasser löslich ist, jedoch so stark chemisch und/oder physikalisch vernetzt ist, dass die Quellung In Wasser im Wesentlichen vermieden wird, Bevorzugt wird die Polymerschicht aus einem Polymer gebildet, weiches einen Polymerisationsgrad von mindestens 1 0 000 aufweist.
Im Sinne der vorliegenden Erfindung wird unter dem Ausdruck„an zumindest einer Oberfläche eine Polymerschicht" verstanden, dass das Gewebe an mindestens einer Oberfläche so von der Polymerschicht überdeckt ist dass die Eigenschaften der den Kett- und den Schussfaden bildenden aterialen von der darüber liegenden Polymerschicht überdeckt werden, Dies bedeutet, dass sie entweder im Wesentlichen vollständig maskiert werden von den Eigenschaften der Polymerschicht oder, dass die Eigenschaften der den Kett- und den Schussfaden bildenden Materialen zusammen mit der Polymerschicht wechselwirken, so dass neue Eigenschaften resultieren. Die reinen Eigenschaften der den Kett- und den Schussfaden bildenden Materialen liegen aber in keinem Fall an der Oberfläche, welche eine Polymerschicht aufweist, mehr vor, Dies bezieht sich ausschließlich auf die Eigenschaffen der den Kett- und den Schussfaden bildenden Materialen und nicht auf die Eigenschaften des resultierenden Gewebes (Riblet- Struktur). Diese Eigenschaften bleiben auch nach der Aufbringung der Polymerschicht erhalten.
Bei der Polymerschicht handelt es sich bevorzugt um eine Polymerschicht mit geringer Oberflächenenergie. Besonders bevorzugt handelt es sich bei der Polymerschicht um eine „easy-fo-clean"-Oberfläche mit den dem Fachmann bekannten Eigenschaffen der Abweisung von Schmutz und Mikroorganismen, Dem Fachmann sind Polymersysteme mit entsprechenden Eigenschaften bekannt. Besonders bevorzugt weist eine „easy-to-clean"-Oberfiäche einen Kontaktwinkel von größer 90° und eine Oberflächenspannung von kleiner 20 mj/m2 auf,
Besonders bevorzugt weist die Polymerschicht einen Kontaktwinkel von größer 70°, bevorzugter größer 80°, ganz besonders bevorzugt größer 90° auf, Dies ist so zu verstehen, dass der Kontaktwinkel der Polymerschicht auf einem planaren Substrat zu messen ist, Würde der Kontaktwinkel auf dem erfindungsgemäßen Gewebe selbst gemessen werden, so würde die Oberflächentopographie ebenfalls Einfluss auf den
Kontaktwinke! nehmen, wodurch der eigentliche Kontakiwinkel der Polymerschicht nicht korrekt bestimmt werden kann, Zur Bestimmung des Kontaktwinkels werden dem Fachmann bekannte Methoden verwendet, insbesondere handelt es sich bei dem angegebenen Kontaktwinke! um den Mittelwert aus mindestens drei statischen Kontaktwinke! von Wasser bei Raumtemperatur gemessen nach der „sessile drop"- Methode mit einem Kontaktwinkeimessgera .
Bevorzugt weist die Polymerschicht eine Oberflächenspannung γ von kleiner als 40 mJ/m2, bevorzugter kleiner als 30 mJ/m2, ganz besonders bevorzugt kleiner als 20 mJ/m2 auf, Die Oberflächenspannung der Polymerschicht wird, wie auch der Kontaktwinkel, durch die Aufbringung der Polymerschicht auf ein planares Substrat und nicht auf dem erfindungsgemäßen Gewebe selbst gemessen, Dem Fachmann sind auch hier Methoden zur Bestimmung der Oberflächenspannung bekannt. Insbesondere kann die Oberflächenspannung auch durch das Vermessen der Oberflächen mittels Kontaktwinkel mit mindestens drei unterschiedlichen Lösungsmitteln, deren Oberflächenspannung bekannt ist, und anschließende Berechnung über bekannte Formeln, vorzugsweise über die Methode nach Zisman, Fowkes, Extended Fowkes, WORK, Schultz oder Oss& Good, erfolgen.
Bevorzugt umfassr die Polymerschicht ein Polymer, welches ausgewählt wird aus der Gruppe, bestehend aus polymeren fluorierten Kohlenwasserstoffen, Polysiloxanen, Poiyolefinen, polymeren Fluorsilanen, Copoiymeren der vorgenannten Polymere, Derivaten der vorgenannten Polymere und poiymere organofunktionaiisierfe Silane.
Besonders bevorzugt umfasst die Polymerschicht ein Polymer, welches ausgewählt wird aus der Gruppe, bestehend aus Polysiloxanen, Copolymere umfassend Polyslloxane und Derivate von Polysiloxanen, Bei den polymeren fluorierten Kohlenwasserstoffen handelt es sich bevorzugt um
Fluorcarbone, Hier ist es weiterhin bevorzugt, dass die Fluorcarbone ausgewählt werden aus der Gruppe, bestehend aus Poiyvinyttetrafluorid, Polyvinylidendifluorid und Poiyvinyrfluorid, Copolymere von Fluorcarbonen sind bevorzugt Perfluofalkoxy-Porymere [PFA) wie beispielsweise Copolymere aus Tetrafluor-Ethylen und Perfiuor-Vinyl-Methyl- Ether, In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung handelt es sich bei den fluorierten Kohlenwasserstoffen nicht um perfluorierte Kohlenwasserstoffe, Durch einen reduzierten Anteil an Fluor-Atomen pro Wiederholungseinheit kann in dieser Ausführungsform die Haftung der Polymerschicht auf dem Gewebe optimiert werden.
Besonders bevorzugt weisen in dieser Ausführungsform die Wiederholungseinheiten der fluorierten Kohlenwasserstoffe ein Verhältnis von Wasserstoff zu Fluor von 1 : 1 auf,
Polysibxane sind erfindungsgemäß bevorzugte Polymere für die Polymerschicht, Durch diese kann insbesondere eine Oberfläche erhalten werden, welche den Hydrophobizitätskriterien der vorliegenden Erfindung gerecht wird, Bei den Polysiloxanen handelt es sich bevorzugt um Polysiloxanharze, d, h, um Polysibxane mit einem entsprechend hohen Verzweigungsgrad oder um lineare Polysiloxane, wie beispielsweise Hydrosif i-Polydimethyisiloxan, welche anschließend vernetzt werden, Copolymere von Polysiloxanen umfassen bevorzugt Polyether- Polysiloxane, Pofymethylsibxan-Poyialkylsibxan oder Polymethylsiloxan-Polyalkylsiloxan-Polyether.
Unter„Derivaten" der genannten Polymere werden insbesondere Polymere versfanden, welche an Seitenketten eine Derivafisierung aufweisen, weiche jedoch keine grundlegenden Eigenschaftsänderungen der Hauptkette des Polymers verursachen, Beispielsweise können solche Derivate der genannten Polymere Seitengruppen aufweisen, die eine Vernetzung mit anderen Seitenketten und/oder der Hauptkette des Polymers bewirken, Dadurch können die mechanischen Eigenschaffen der Polymerschicht verbessert werden, Ebenso können diese Seitenketten die Haftung der Polymerschicht am erfindungsgemäßen Gewebe verbessern, Des Welteren ist es möglich, dass die Derivate Seitengruppen enthalten, welche biozide Eigenschaften aufweisen, so dass die Adhäsion von Mikroorganismen an das erfindungsgemäße Gewebe zusätzlich vermieden werden kann (z.B. rishnan S., Weinman J,, Ober C.K,, Advances in Polymers for Anti-Biofouling Surfaces, Journal of Materials Chemistry 2008, 18, 8405), Auch Kombinationen der vorgenannten Seitengruppen an einem Polymerderivat sind möglich, Unter polymeren organofunktionalisierten Silanen versteht der Fachmann im Allgemeinen Polymere, welche die folgende allgemeine Struktur (I) umfassen:
Damit stellen organofunktionalisierte Silane eine Untergruppe der Derivate und/oder Copolymere der Polysiloxane dar. Hierbei können die Gruppen R' insbesondere funktionale Gruppen sein, welche ausgewählt werden aus der Gruppe» bestehend aus -C6H6, -SH, -NHj, -(CF2)5CF3, =N+Me3Cr, -0-CH2-CH(0)CH: -CH=CH2< -OCiO)CH =CH2 und -OC(0)C(CH3)=CH2. Die Zahlen n, m und p können bevorzugt unabhängig voneinander 1 bis 6 sein und s kann bevorzugt 0 bis 3 sein, R ist bevorzugt H oder -CH3 und q Ist bevorzugt 1 0000.
Werden organofunktionalislerte Silane verwendet, um die Polymerschicht zu bilden, so ist die Verwendung eines Lösungsmittels» Wasser oder Mischungen daraus bevorzugt.
Die Polymerschicht kann noch weitere Bestandteile» welche ausgewählt werden aus der Gruppe, bestehend aus Pigmenten, niedermolekularen Vernetzern, Bioziden» Antioxidantien, UV-Absorbern, Flammschutzmitteln, Elastomer-Modifikatoren, Verarbeltungshilfsmitteln (Gleitmittel), Clarlfiern, Nukleierungsmltteln und Füllstoffen umfassen, Diese weiteren Bestandteile können auch zur anschließenden Härtung/Vernetzung der Polymerschicht dienen, Entsprechende Verfahren in Abhängigkeit von der gewählten Polymerart sind dem Fachmann bekannt,
Die über die Gewebeoberfläche überstehende Polymerschicht (siehe dazu Figur 2) weist eine Schichtdicke XI auf, die es erlaubt dass die Riblet-Struktur des Gewebes auf der mit der Polymerschicht versehenen Oberfläche nicht verloren geht, Besonders bevorzugt weist die überstehende Polymerschicht eine Schichtdicke von 1 00 bis 500 μπη, bevorzugter von 150 bis 450 μηη, ganz besonders bevorzugt von 200 bis 400 jum auf. Es hat sich überraschenderweise herausgestellt, dass die Riblet-Struktur des Gewebes mit der Eigenschaften der Polymerschicht synergistisch zusammenwirkt, Insbesondere kann eine Oberflächen erhalten werden, deren (Bio)Foulngtendenz
geringer ist als die entsprechende Tendenz entweder des Gewebes oder der Polymerschicht alleine,
Die Polymerschicht kann auf unterschiedliche Weise auf das Gewebe aufgebracht werden, Als Schichtdicke der überstehenden Polymerschicht (XI ] wird im Sinne der vorliegenden Erfindung aber immer die Schichtdicke der Polymerschicht über dem Mittelpunkt der Kreuzung des Kett- mit dem Schussfaden bezeichnet (siehe dazu Figur 2a bis 2c), Dabei wird gegebenenfalls in das Gewebe eingedrungenes Polymer der Polymerschicht nicht mit zur Schichtdicke der überstehenden Polymerschicht gerechnet. Diese wird jeweils erst ab dem Ende des oben liegenden Fadens (Kett- bzw, Schussfaden) bis zum Ende der Polymerschicht gemessen,
In einer bevorzugten Äusführungsform kann die Aufbringung der Polymerschicht auf das Gewebe durch Kaschieren mit mindestens einer vorgefertigten Polymerfolie erfolgen. Bevorzugt werden zwei Folien verwendet, so dass sie beidseitig auf das Gewebe kaschiert werden. Dabei können die zwei Folien gleich oder verschieden sein, Insbesondere können auch die Schichtdicken der Folien gleich oder verschieden sein, Die Kaschierung erfolgt bevorzugt durch Erwärmung der Polymerfolie, Die zu verwendenden Temperaturen und Bedingungen dieser Kaschierung hängen von der Ari¬ der Polymerfolie ab und gehören zum Wissen des Fachmanns, Die überstehende Schichtdicke (XI ) der Polymerschicht stimmt im Wesentlichen mit der Schichtdicke der Polymerfolie überein,
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform kann die Aufbringung der Polymerschicht auf das Gewebe durch Imprägnieren mittels einer Polymerdispersion erfolgen, In diesem Fall wird das Gewebe in der Polymerdispersion getränkt, Mittels Einstellung der Viskosität der Polymerdispersion kann hier die resultierende überstehende Schichtdicke (XI ) der Polymerschicht eingestellt werden, Bei dieser Äusführungsform kann auch je nach Menge der Polymerdispersion, in der das Gewebe getränkt wird, eingestellt werden, ob nur eine Oberfläche des Gewebes oder beide Oberflächen mit der Polymerschicht modifiziert werden. Wenn beide Oberflächen des Gewebes eine Polymerschicht aufweisen, so kann deren überstehende Schichtdicke (XI ) gleich oder verschieden sein, Bei dieser Variante ist es möglich, dass das Polymer der Polymerschicht auch tief in das Gewebe eindringt, beziehungsweise es vollkommen durchdringt, Hierbei werden die einzelnen Fäden des Gewebes somit von dem Polymer
der Polymerschicht umhüllt (zur Definition der überstehenden Schichtdicke der Polymerschicht (X ) siehe aber oben),
Durch die Kombination der topographischen Eigenschaften des Gewebes mit den Eigenschaften der Polymerschicht weist das erfindungsgemäße Gewebe insbesondere schmutzabweisende und vereisungshemmende Eigenschaften auf. Des Weitem resultieren UV-stabile, salzwasserstabile, chemisch stabile, thermisch stabile, dauerhafte und korrosionsgeschützte Oberflächen. Gleichzeitig weisen die Oberflächen reibungsmindernde, strömungswlderstandsminimierte Oberflächen auf, wodurch beisplelswiese durch eine Aufbringung des erfindungsgemäßen Gewebes auf ein Rotorblatt einer Windkraftanlage auch die Geräuschbildung minimiert werden kann. Die Beschreibung des Einflusses einer Riblet-Struktur auf ein 3D Strömungsfeld ist bekannt und kann durch diskrete Lösung der Navier-Stokes-Gieichungen mit Hilfe der Finiten- Volumen- ethode erfolgen.
Biozides Gewebe ml Poiymerachlcht In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst die Polymerschicht zusätzlich nanoparfikuiäres Silber.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter dem Ausdruck„partikuläres Silber" bevorzugt elementares Silber in nanopartikulärer Form, Silberoxid in nanoparfikuiarer
Form sowie Mischungen dieser beiden verstanden. Es Ist bekannt, dass partikuläres Silber antimikrobietle Wirksamkeit aufweist (siehe beispielsweise EP 1 964 966 AI ), Durch die Verwendung von partikulärem Silber in der Polymerschicht des erfindungsgemäßen Gewebes kann dieses somit zusätzlich noch mit antimikrobielien Eigenschaften ausgestattet werden, Unter „antimlkrobiellen
Eigenschaften" wird im Sinne der vorliegenden Erfindung eine biozide bzw. biostatische Wirkung gegen Bakterien, Pilze, Algen, Hefen, Viren etc. verstanden. Die bedeutet dass die antimlkrobielle Ausstattung der Polymerschicht in der Lage ist, auf chemischem oder biologischem Weg Schadorganismen zu zerstören, abzuschrecken, unschädliche zu machen, Schädigung durch sie zu verhindern oder sin in anderer Weise zu bekämpfen (Definition aus dem deutschen Biozidgesetz aus dem Jahr 2000). Im Gegensatz zu Standard-Blozlden beruht die antimikrobielle Wirkung des nanopartikulären Silbers nicht auf der Freisetzung eines Wirkstoffs, sondern auf dessen Bereitstellung an der Oberfläche des erfindungsgemäßen Gewebes. Da hier kein
Wirkstoff-Verbrauch stattfindet, handelt es sich bei diesem Konzept um eine nachhaltige Lösung. Zusätzlich werden somit auch keine Biozide beispielsweise in die Weltmeere freigesetzt. Eine solche Freisetzung kann zu einer Akkumulation des Wirkstoffes in der Umweit mit entsprechenden Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht führen, Daher stellt dieses Konzept auch eine umweltfreundliche Methode dar, Des Weiteren kann die Ausbildung von Resistenzen der Mikroorganismen minimiert werden, welche häufig mit der graduellen Abnahme der freigesetzten Wirkstoffkonzentration bei entsprechenden Oberflächen beobachtet werden kann. Da nanopartikuläres Silber seine anfimikrobielle Wirkung durch zahlreiche Wirkprinzipien ausübt wird das Risiko der Resistenzbildung welter vermindert. Einer dieser Mechanismen liegt In der Wechselwirkung des nanopartikulären Silbers im Sinne einer Silber-Partialladung bzw. einer Polarisation mit Struktur-Proteinen von Mikroorganismen (siehe dazu auch EP 1 964 966 AI ).
Durch den Zusatz nanopartikulären Silbers in der Polymerschicht können dieser Schicht aber auch noch weitere Eigenschaften verliehen werden. So nimmt der Zusatz von nanopartikutärem Silber Einfiuss auf die IR- efiexion der Polymerschicht und macht sie auch elektrisch leitfähig,
Bevorzugt weist das nanopartikuläre Silber eine mittlere Korngröße von weniger als 500 nm, bevorzugter weniger 100 nm, noch bevorzugter weniger 50 nm auf. Besonders wirksam ist eine mittlere Partikelgröße von 5 bis 50 nm. in weiteren Ausgestaltungen der vorgesehenen zusätzlichen Ausstattung der Polymerschicht mit nanopartikulärem Silber beträgt seine mittlere Korngröße 5 bis 30 nm, besonders bevorzugt 6 bis 25 nm, insbesondere 7 bis 20 nm, speziell 8 bis 16 nm, noch spezieller 1 0 bis 1 4 nm. Die Partikelgröße wird dabei durch Photonenkorrelationsspektrostopie in wässriger Lösung bestimmt. Diese Teilchengröße ist insbesondere deshalb bevorzugt, da hierdurch eine große Oberfläche zur Verfügung gestellt wird, über welche das nanopartikuläre Silber wirkt. Hierdurch iässt sich die zur antimikrobiellen Ausrüstung der Polymerschicht benötigte Menge an Silber reduzieren.
Die nanopartikulären Silberpartikel können jede beliebige Form annehmen. Bevorzugt ist es jedoch, dass die nanopartikulären Silberpartikel sphärisch, besonders bevorzugt kugelförmig ausgebildet sind. Diese Form ermöglicht eine erleichterte Einarbeitung des
Silbers in die Polymerschicht.
Die Herstellung von nanopctrtikulärem Silber ist an sich bekannt und geeignetes nanopartikuläres Silber kann kommerziell beispielswiese vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie, Deutschland erhalten werden.
Die Menge des nanopartikulären Silbers in der Polymerschicht ist bevorzugt 1 00 ppm, bevorzugter 50 ppm, noch bevorzugter 10 ppm, Insbesondere ist es möglich, solche geringen Mengen an nanopartikulärem Silber in der Polymerschicht zu verwenden, da das Silber fest in dieser Schicht verankert wird. Es wird bei Kontakt mit fluiden Medien, insbesondere Salzwasser, nicht ausgelaugt. Das nanopartikuläre Silber ist über Dipol- Dipol-Wechselwirkungen in dem Polymersysfem der Polymerschicht verankert, wodurch eine unkontrollierte Freisetzung vermieden wird.
Zusätzliche Klebeschicht
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform, welche Insbesondere auch mit der Ausführungsform„biozides Gewebe mit Polymerschicht" kombiniert werden kann, weist das erfindungsgemäße Gewebe eine zusätzliche Klebeschicht auf. Diese Ist entweder auf der Oberfläche des Gewebes aufgebracht, welche keine Polymerschicht aufweist, oder, unter der Voraussetzung, cfass auf beiden Oberflächen des Gewebes eine Polymerschicht vorhanden ist, auf der Oberfläche einer Polymerschicht aufgebracht.
Insbesondere in der Luftfahrtindustrie werden auch bereits heute schon Lackierungen eingesetzt, welche den Widerstand, den die Luft beispielsweise einem Flugzeug entgegensetzt, zu minimieren. Allerdings müssen Flugzeuge regelmäßig gewartet werden, um ihre Hülle auf Beschädigungen wie Mi rocracks zu untersuchen. Dazu muss die Lackierung wieder entfernt („gestrippt") werden. Dies ist zum einen aufwendig und zum anderen auch auf Grund der Verschwendung von Rohstoffen weder nachhaltig noch kostenoptimiert.
Durch die Aufbringung einer Klebeschicht auf eine Oberfläche des erfindungsgemäßen Gewebes kann dieses zum einen einfach auf jede Oberfläche, welche mit dem erfindungsgemäßen Gewebe ausgestattet werden soll, aufgebracht werden. Bevorzugt wird die Klebekraft der Klebeschicht aber so gewählt, dass das erfindungsgemäße Gewebe wieder von der Oberfläche abgelöst werden kann, Damit kann es zum anderen auch wieder einfach abgelöst werden. Es Ist sogar auch möglich, nach dem
Ablösen des erfindungsgemäßen Gewebes von einer Oberfläche» diese nochmals zu verwenden, Auch so können zusätzlich Kosten und Ressourcen eingespart werden,
Die Klebeschicht wird bevorzugt aus einer lösungsmittelfreien Polymerdispersion gebildet. Hierbei können vorzugsweise entweder 1 - oder 2- omponentensysteme zum Einsatz kommen,
Die resultierende Schichtdicke der Klebeschicht ist bevorzugt zwischen 50 und 800 μηη, besonders bevorzugt zwischen 100 und 500 im» ganz besonders bevorzugt zwischen 200 und 300 μητι. Die resultierende Schichtdicke kann auf die Oberfläche des Gewebes beziehungsweise, wenn dieses auf beiden Oberflächen eine Polymerschicht aufweist auf die Polymerschicht aufgerakelt werden, Dabei kann durch das verwendete Rakel und auch die Einstellung der Viskosität der Dispersion die resultierende Schichtdicke der Klebeschicht eingestellt werden, Die Viskosität der Dispersion kann beispielsweise durch den Polymerisationsgrad des verwendeten Polymers variiert werden,
In einer bevorzugten Ausführungsform wird die Klebeschicht aus einem Polymer auf Basis von Silikon gebildet, Besonders bevorzugt handelt es sich dabei um Hydrosiiyl- Siloxane, Diese können unterschiedliche Verzweigungsgrade aufweisen. Besonders bevorzugt weist das Polymer der Klebeschicht einen Polymerisationsgrad von 5000 auf.
Besonders bevorzugt weist die Klebeschicht eine hohe Temperaturstabilität auf, Hierbei ist die Klebeschicht vorzugsweise bis zu 1 50 °C, bevorzugter bis zu 200 °C, noch bevorzugter bis zu 260 °C temperaturstabil.
In einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Formkörper bereitgestellt, auf dem das erfindungsgemäße Gewebe in einer der oben beschriebenen Ausgestaltungen aufgebracht ist, Bevorzugt wird der Formkörper dabei ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus einem Boots-/Schiffrurnpf, einem Rotorblatt und einem Flugzeugrumpf,
Ebenso betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung des erfindungsgemäßen Gewebes in einer der oben beschriebenen Ausgestaltungen zur Ausstattung einer Oberfläche mit schmutzabweisenden, reibungsmindernden, und/oder geräuschmindernden Eigenschaften, Wie bereits oben beschrieben, werden diese Eigenschaften insbesondere durch die iblet-Struktur in Kombination mit der Polymerschicht hervorgerufen,
Wird der Polymerschicht zusätzlich nanopartlkulares Silber beigemischt, so betrifft die vorliegende Erfindung auch die Verwendung des erfindungsgemäßen Gewebes in einer der oben beschriebenen Ausgestaltungen zur Ausstattung einer Oberfläche mit antimikrobiellen, I -reflektierenden und/oder elektrisch leitfähigen Eigenschaften, Insbesondere kann durch das erfindungsgemäße Gewebe das Wachstum von Batterien, wie gram-positiven, und Gram-negativen Bakterien hemmen, bzw, stoppen, wie beispielsweise Chlamydia trachomatis, Citrobacter, Providencia stuartil, Vibrio vulnlflcus, Staphylococcus aureus, Stophylococcus epidermldus, Escheria coli, Pseudomonas maltophilia Serratia marcesens, Bacillus subtllis, Bacillus cloacae, Bacillus allantoldes, Bacillus foecalis alkaligenes, Pneumobacillus, Nitrat-negativer Bacillus, Streptococcus facades, Streptococcus hemolytlcus B, Salmonella typhinurium, Salmonella Paratyphi C, Salmonella rrxxgani, Pseudomonas aeruginosa. Des Weiteren kann das erfindungsgemäße Gewebe auch durch Gehaltseinstellungen an nanopartikulärem Silber konzentrationsabhängig das Wachstum höherer Organismen hemmen, wie Algen, Pilze, filamentöse Pilze {Aspergillus, wie Aspergillus niger, Aureobasldium, Botrytis, Condida Albicans, Ceratostomella, Chaetomium, Cuvularla, Fusarium, Gliocladium viens und Penlcillium-Men), Hefen und Sporen,
Insgesamt werden somit mit der vorliegenden Erfindung ein multifunktionales Gewebe und dessen entsprechende Verwendung bereitgestellt, Je nach Wahl des das erfindungsgemäße Gewebe bildenden Materials kann sich das erfindungsgemäße Gewebe entweder flexibel an die auszustattende Oberfläche anpassen oder aber durch seine Steifigkeit die mechanische Stabilität der auszustattenden Oberfläche unterstützen,
Verfahren In einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung eines Gewebes bereitgestellt, welches die folgenden Schritte umfasst:
(a) Herstellung eines Gewebes durch Verwebung mindestens eines Schussfadens und mindestens eines Kettfadens, wobei der Durchmesser des Schussfadens größer ist als der Durchmesser des Kettfadens; und (b) Aufbringen einer Polymerschicht auf mindestens eine Oberfläche des in
Schritt (a) erhaltenen Gewebes.
Dabei ist es besonders bevorzugt, dass ein erfindungsgemäßes Gewebe mit seinen sämtlichen, zuvor beschriebenen Ausgestaltungen erhalten wird,
In einer Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren dadurch gekennzeichnet dass das Aufbringen der Polymerschicht auf das Gewebe in Schritt (b) durch (bl ) Imprägnierung des Gewebes mit einer Polymerdispersion erfolgt,
Bevorzugt handelt es sich bei der Polymerdispersion um die bereits oben beschriebene Polymerdispersion, Die Viskosität der Polymerdispersion und die dadurch resultierende überstehende Schichtdicke (XI ) der Polymerschicht kann bevorzugt durch den Polymerisationsgrad des Polymers in der Polymerdispersion gesteuert werden. In einer Ausgestaltung kann dieser Polymerdispersion nanopartikuläres Silber zugesetzt werden, Dabei ist es bevorzugt, dass 0,1 bis 10 Vol.-%, besonders bevorzugt 0,5 bis 8 Voi.-%, ganz besonders bevorzugt 1 bis 6 Voi.-% einer nanopartikulären Silberdispersion der Polymerdispersion eingesetzt werden, bezogen auf das Gesamtvolumen der Polymerdispersion, Auf diese Weise kann das oben beschriebene erfindungsgemäße biozide Gewebe mit Polymerschicht erhalten werden,
Bei dieser Ausführungsform ist es bevorzugt, dass das Gewebe in die Polymerdispersion so eingetaucht wird, dass es zumindest vollständig von der Polymerdispersion bedeckt ist. So resultiert ein Gewebe, dass an beiden Oberfläche eine Polymerschicht aufweist, Insbesondere werden durch den Schritt (bl ) im Wesentlichen alle Fäden des Gewebes von einer Polymerschicht umhüllt. Verfahren zur Härtung/Vernetzung der Polymerschicht hängen von der Art des verwendeten Polymers ab und sind dem Fachmann bekannt. Gegebenenfalls können der Polymerdispersion auch weitere Bestandteile, wie bereits oben beschrieben, zugemischt werden,
In einer anderen Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren dadurch gekennzeichnet, dass das Aufbringen der Polymerschicht auf das Gewebe in Schritt (b) durch
(b2) Kaschieren einer Polymerfoüe auf mindestens eine Seite des Gewebes erfolgt.
Das Verfahren der Kaschierung ist dem Fachmann bekannt, Insbesondere wird dazu ein Kalandrier-Verfahren verwendet. Dazu wird eine Polymerfolie bevorzugt unter Erwärmung weiterhin bevorzugt beidseitig auf das Gewebe aufgebracht.
Auch in dieser Ausführungsform ist es möglich, dass der Polymerfolie zunächst nanopartikuläres Silber beigemengt wird, um das oben beschriebene erfindungsgemäße biozide Gewebe mit Polymerschicht zu erhalten. Hierbei wird zunächst ein Polymergranulat mit dem nanopartikularen Silber vermischt und daraus eine entsprechende Polymerfolie hergestellt,
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das erfindungsgemäße Verfahren zusätzlichen den folgenden Schritt:
(c) Aufbringen einer Klebeschicht auf eine Oberfläche des Gewebes oder, unter der Voraussetzung, dass die Polymerschicht auf beiden Oberflächen des Gewebes vorhanden ist, auf die Oberfläche der
Polymerschicht.
Dabei handelt es sich bevorzugt um die zuvor beschriebene Klebeschicht. Besonders bevorzugt erfolgt da Aufbringen der Klebeschicht in diesem Schritt (c) durch Rakeln einer Dispersion. In einer bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die
Schritte (a) und (b) und gegebenenfalls auch (cj in einem kontinuierlichen Prozess durchgeführt. Dies hat insbesondere den Vorteil, dass das Herstellungsverfahren des erfindungsgemäßen Gewebes dadurch einfach und vor allem kostengünstig durchgeführt werden kann. Beschreibung der Bilder
Figur 1 ; Beispielhafte Darstellung unterschiedlicher Formen von Querschnitten von
Kett- und/oder Schussfäden. Der Durchmesser (d) der Querschnitte ist der Betrag der Strecke, welche durch die Verbindung der am weitesten voneinander liegenden Punkte auf der den Querschnittsu.mfang umlaufenden Linie mit einer Geraden gemessen werden kann. Figur 1 a stellt einen elliptischen Querschnitt dar. Figur 1 b stellt einen quadratischen Querschnitt dar. Figur 1 c stellt einen asymmetrischen Querschnitt dar. Figur 1 d stellt einen im Wesentlichen runden Querschnitt dar, wobei„im
Wesentlichen rund" bevorzugt bedeutet, dass der tatsächliche Radius (r'j des Fadenquerschnitts an einem bestimmten Punkt um höchstens 25 % vom Mittelwert (r) abweicht, welcher den Radius eines idealen Kreises beschreibt (gestrichelte Linie). Die Verwendung des Mittelwerts und des
tatsächlichen Radius' dient ausschließlich der Beschreibung der Form des Querschnittes, Als Durchmesser (d) eines solchen im Wesentlichen runden Querschnittes gilt weiterhin der Betrag der Strecke, welche durch die Verbindung der am weitesten voneinander liegenden Punkte auf der den Querschnittsumfang umlaufenden Linie mit einer Geraden gemessen werden kann,
Figur 2: Darstellung des erfindungsgemäßen Gewebes
Figur 2a: Beispielhafte Darstellung des Kaschieren des Gewebes mit der Polymerschicht (P) (die Größendarstellungen sind nicht bindend). Die Polymerschicht (P) hat eine Dicke (X) und wird auf das Gewebe aus dem
Schussfaden (S) (beispielhaft mit eckigem Querschnitt) und dem Kettfaden (K) (beispielhaft hier runder Querschnitt) aufgebracht,
Figur 2b; erfindungsgemäßes Gewebe nach erfolgter Kaschierung der Polymerschicht (P) auf das Gewebe (siehe Figur 2a), Die Polymerschicht (PJ behält im Wesentlichen ihre Schichtdicke (X) bei, woraus eine resultierende überstehende Schichtdicke der an die Gewebetopographie angeschmiegten Polymerschicht (XI ) entsteht.
Figur 2c: erfindungsgemäßes Gewebe nach erfolgter Imprägnierung. Das Gewebe wird hier aus dem Kettfaden (K) und dem Schussfaden (S) (beide mit rundem Querschnitt) gebildet. Auf dieses Gewebe wurde durch das Verfahren der Imprägnierung eine Polymerschicht aufgetragen. Diese resultierende Polymerschicht (P) variiert teilweise in ihrer Schichtdicke. Es ist auch möglich, dass die Polymerschicht (P) durch die Imprägnierung tiefer ins Gewebe eingedrungen ist. Ais Schichtdicke (XI ) der überstehenden Polymerschicht (P) wird jeweils die Schichtdicke über dem Mittelpunkt der Kreuzung des Kett- mit dem Schussfaden bezeichnet.