Fahrzeugbauteil aus Polycarbonat mit angeformter Verbindungseinrichtung
Die Erfindung betrifft ein Bauteil eines Fahrzeugs, das aus Polycarbonat mit einer ersten Komponente und einer zweiten Komponente hergestellt ist.
Aus der DE 197 16 390 C1 ist ein bewegbarer Deckel eines Fahrzeugdaches offenbart, der als Kunststoffspritzteil gebildet ist und randseitig umlaufend einstü- ckig mit einem Dichtungsträger gebildet ist, der zum Anbringen einer Dichtung vorgesehen ist. Eine rahmenartige Versteifung des Deckels ist im Übergangsbereich vom Dichtungsträger zum Deckel als Hohlkammerstruktur geformt, die jedoch Einfallstellen an der Oberfläche des Deckels erzeugen kann, wodurch das optische Erscheinungsbild beeinträchtigen sein kann.
Aus der DE 101 53 067 B4 ist ein bewegbarer Deckel für eine Öffnung eines Fahrzeugdaches bekannt geworden, der eine Deckelplatte aus einem transparenten Kunststoff wie Polycarbonat und eine darauf angebrachte insbesondere transparente Folie hoher Kratzfestigkeit aufweist.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein eingangs genanntes Bauteil zu schaffen, das hinsichtlich einer einfachen Herstellung verbessert ist.
Diese Aufgabe wird bei dem oben genannten Bauteil erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die erste Komponente oder die zweite Komponente eine Verbindungseinrichtung zum Anbringen zumindest eines weiteren Teils enthält oder als solche gebildet ist. Hierdurch wird in besonders einfacher Weise eine einstückig geformte Verbindungseinrichtung bereitgestellt, die insbesondere aus demselben Material wie die entsprechende Komponente gebildet ist.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
Insbesondere ist das Bauteil als Scheibe oder scheibenförmig gebildet. Der Begriff "Scheibe" ist dabei sehr breit zu verstehen und soll jeden eben oder gekrümmt verlaufenden, flächig ausgedehnten Plattenkörper umfassen, von welchem eine Flachseite eine sichtbare Aussenfläche des betreffenden Fahrzeugs bildet, sei es im eigentlichen Karosseriebereich oder im transparenten Aussenhautbereich, der auch als Verscheibung oder "Glazing" bezeichnet wird.
Vorzugsweise ist die Verbindungseinrichtung eine Scharnieranordnung mit insbesondere zumindest zwei voneinander beabstandeten Scharnierteilen. Dabei kann die Verbindungseinrichtung als Clipse oder Profile zum Aufnehmen von Befestigungsteilen, insbesondere eines Keders, die mit weiteren Teilen wie Stoffe oder Platten verbunden sind, vorgesehen sein.
Gemäß einer weiteren Gestaltung ist die Verbindungseinrichtung als Aufnahme- profil für ein Dichtungsprofil gebildet.
Des weiteren kann die Verbindungseinrichtung als Aufnahmeprofil für einen daran festlegbaren Rahmen gebildet sein. Das Aufnahmeprofil kann als beliebige formschlüssige Verbindungseinrichtung gebildet sein, z.B. als wellenförmiges Teil mit einem wellenförmigen Gegenteil des Rahmens oder das Aufnahmeprofil kann mit zumindest einer Verzahnung gebildet sein, an der eine Gegenverzahnung des Rahmens im Eingriff ist.
Die Verbindungseinrichtung kann des weiteren einen insbesondere durch Ultra- schall thermoplastisch umformbaren Nietstift enthalten.
Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele des Bauteils unter Bezugnahme auf die Zeichnung näher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 in einer perspektivischen Draufsicht ein erfindungsgemäßes Bauteil mit einer angeformten Verbindungseinrichtung in Gestalt eines Scharniers;
Fig. 2 in einer perspektivischen Draufsicht ein Bauteil mit einer weiteren Ausführungsform einer Verbindungseinrichtung für einen Keder;
Fig. 3 in einer Schnittansicht die in Fig. 2 dargestellte Verbindungseinrich- tung;
Fig. 4 in einer perspektivischen Draufsicht ein Bauteil mit einer weiteren Ausführungsform einer Verbindungseinrichtung für eine Dichtung;
Fig. 5 in einer Schnittansicht ein Bauteil mit einer weiteren Ausführungsform einer Verbindungseinrichtung für einen Rahmen;
Fig. 6 in einer seitlichen Draufsicht die in Fig. 5 dargestellte Verbindungseinrichtung;
Fig. 7 in einer seitlichen Draufsicht ein Bauteil mit einer weiteren Ausführungsform einer Verbindungseinrichtung für eine Schiene vor deren Anbau; und
Fig. 8 in einer seitlichen Draufsicht das Bauteil der Fig. 7 nach dem Anbau der Schiene durch Ultraschallverformung.
Ein Bauteil 1 eines Fahrzeugs, z. B. ein hinteres Dachelement eines Hardtop- Klappdaches eines Cabriolets (in Fig. 1 ist lediglich ein unterer Randabschnitt dargestellt), ist als Zweikomponenten-Spritzgußteil hergestellt. Die erste Komponente 2 besteht aus Polycarbonat und bildet ein schalenförmiges Außenteil, das zumindest in einem Bereich, z. B. an der Stelle einer Heckscheibe, transparent gebildet ist. Das Dachelement 1 ist über nicht dargestellte Lagereinrichtungen an einem Dachgestänge angebracht, mit dem das Dachelement 1 bzw. das gesamte Klappdach zwischen seiner Offenstellung in einem Ablageraum des Fahrzeugs und seiner Schließstellung über dem Fahrzeuginnenraum in bekannter Weise verstellbar ist.
Eine zweite Komponente 3 des Bauteils bzw. Dachelements 1 ist an die erste Komponente 2 innen- oder unterseitig (bezüglich des hinteren Dachelements 1 bei geschlossenem Dach) zumindest über einen randseitigen rahmen- oder streifenförmigen Bereich angespritzt und bildet eine Verbindungseinrichtung in Gestalt einer Schamieranbindung 4 mit mehreren voneinander beabstandeten Scharnierlagern 5. In die Abstände zwischen den Scharnierlagern 5 greifen Lagerteile 6 eines Bauelements 7 ein. Durch fluchtende Bohrungen 8 in den Scharnierlagern 5 und den Lagerteilen 6 ist zumindest ein Lager- oder Scharnierstift 9 geschoben, so dass das Bauelement 7 mittels der Schamieranbindung 4 an dem Dachele- ment 1 schwenkbar gelagert ist. Das Bauelement 7 ist z. B. eine Abdeckklappe für eine Durchtrittsöffnung des Dachgestänges des Cabriolets. Die Bewegung der Abdeckklappe kann z. B. über eine Federeinrichtung und eine vom Dachgestänge abgeleitete Betätigungseinrichtung erfolgen. Diese einstückig geformte Schar- nieranbindung 4 ermöglicht eine Übertragung oder Aufnahme hoher Lagerkräfte.
Eine derartige Schamieranbindung kann auch an einem aus Polycarbonat hergestellten vorderen Dachelement eines Klappdaches als dem obigen Beispiel vergleichbare Lagerung einer Sonnenblende angebracht sein.
Grundsätzlich kann das Bauelement 7 auch eine Hutablage sein, die mittels der Schamieranbindung 4 am Hinterrand des hinteren Dachelements oder auch am Vorderrand eines Verdeckkastendeckels schwenkbar gelagert sein kann.
Des weiteren können klappbare Handgriffe oder dergleichen über eine derartige Schamieranbindung 4 an einem Fahrzeugteil wie z. B. einem Dachteil angebracht werden.
Gemäß einer abgewandelte Ausführungsform (nicht dargestellt) ist die Schamieranbindung als Schnappverbindung gebildet, bei der jedes Scharnierlager zwei schenkelartig angeordnete schalenartige flexible Greifteile enthält, zwischen die ein zylindrisches Lagerteil des Bauelements eingeschnappt werden kann. Diese Gestaltung kann für ein einfach aufgebautes Spritzgusswerkzeug und für das Entformen des gespritzten Werkstücks vorteilhaft sein.
Durch diese Scharnieranbindungen erübrigen sich Klebe- oder Schraubenverbindungen für ein an dem Dachelement anzubringendes Scharnier oder dergleichen. Damit wird der Herstellungsprozess vereinfacht, da ein ansonsten erforderlicher Montagevorgang des Scharniers an das Dachelement entfällt.
Bei einem weiteren Ausführungsbeispiel (siehe Fig. 2 und 3) sind mittels einer an die Innenseite einer ersten Komponente 10 angespritzten zweiten Komponente 11 Clipse 12, Profile oder dergleichen als Verbindungseinrichtung zur Aufnahme eines Keder 13 eines Himmelstoffs 14 oder eines plattenförmigen Verkleidungselementes gebildet. Die Clipse 12 ragen voneinander beabstandet und abwechselnd beidseitig eines stabförmig gebildeten Aufnahmeraumes von der zweiten Komponente 11 ab. Der Keder 13, der über beabstandete Laschen 15 des Himmelstoffs 14 mit diesem verbunden ist, wird an den flexiblen Clipsen 12 einge- schnappt und legt den Himmelstoff 14 lösbar fest.
Bei einem weiteren Ausführungsbeispiel des Bauteils (siehe Fig. 4) ist eine zweite Komponente 21 an die erste Komponente 20 zumindest über einen Randbereich an deren Unterseite angespritzt und enthält eine seitlich über die erste Kompo- nente 20 hinausragende und z. B. abwärts gekröpfte Verlängerung 22, die mit einem T-förmigen Ende 23 gebildet ist und eine Verbindungseinrichtung zum Aufnehmen einer Dichtung 24 bildet. In alternativer Gestaltung ist die Verlängerung an die erste Komponente20 angeformt. Zusätzlich könnten auch beide Komponenten 20, 21 eine gemeinsame Verlängerung bilden, die als Verbindungseinrich- tung geformt ist und aus einer oberen Hälfte und einer unteren Hälfte besteht.
Bei einem weiteren Ausführungsbeispiel (siehe Fig. 5 und 6) enthält die an eine erste Komponente 30 insbesondere unterseitig angespritzte zweite Komponente 31 eine Verbindungseinrichtung in Gestalt zweier Zahnleisten 32, die sich von- einander beabstandet und parallel zueinander an der Unterseite der zweiten Komponente 31 erstrecken. Die nach unten gerichtete Verzahnung ist zum Eingriff mit zwei zugeordneten und eine entsprechende Verzahnung aufweisenden Stegen 33 eines Rahmens 34 vorgesehen, der an der Unterseite des Bauteils 35
mittels einer zwischen den beiden Stegen 33 angeordneten Kleberaupe 36 befestigt ist. Hiermit wird eine in Längsrichtung der Stege 33 schubsteife Verbindung des Rahmens 34 an dem Bauteil 35 bereitgestellt, wobei der Rahmen 34 zur Versteifung des Bauteils 35 und zur Höhenangleichung an die Einbauumgebung be- festigt wird. Die Befestigung des Rahmens 34 kann grundsätzlich auch mittels Schrauben, Nieten oder dergleichen erfolgen.
Der Rahmen 34 kann aus Kunststoff oder Blech hergestellt sein oder er kann auch ein aus Kunststoff und Blech geformtes Hybridteil sein. Der Rahmen 34 kann zusätzlich Funktionen für eine Verkleidung, Führung oder ähnliche Aufgaben erfüllen.
Ein weiteres Ausführungsbeispiel (siehe Fig. 7 und 8) zeigt ein Bauteil 40 wie z. B. einen Schiebedachdeckel oder ein Dachteil eines Klappdaches mit einer ers- ten Komponente 41 aus Pplycarbonat und einer daran zumindest bereichsweise angespritzten zweiten Komponente 42 aus Polycarbonat oder einem Polycarbo- nat-Blend, wobei die zweite Komponente 42 als Verbindungseinrichtung zumindest einen beim Spritzgießen der zweiten Komponente 42 hergestellten Befestigungsstift 43 mit einem vorderseitig ausgebildeten Nietstift 44 enthält. Zum Be- festigen eines Bauelements 45, z. B. einer Metallschiene einer Führungs- und Lagereinrichtung für das Bauteil 40, wird dieses derart an den Befestigungsstift 43 angesetzt, dass dessen Nietstift 44 durch eine Bohrung 46 der Metallschiene 45 hindurchgreift. Anschließend wird der Nietstift 46 unter Verwendung einer So- notrode 47 mittels Ultraschallschweißen zu einem Nietkopf 48 verformt, der die Metallschiene 45 fest an der zweiten Komponente 42 bzw. dem Bauteil 40 hält.
Bezugszeichenliste
Bauteil 24 Dichtung erste Komponente zweite Komponente 30 erste Komponente
Scharnieranbindung 31 zweite Komponente
Scharnierlager 32 Zahnleiste
Lagerteil 33 Steg
Bauelement 34 Rahmen
Bohrung 35 Bauteil
Lager- oder Scharnierstift 36 Kleberaupe erste Komponente zweite Komponente 40 Bauteil
Clips 41 erste Komponente
Keder 42 zweite Komponente
Himmelstoff 43 Befestigungsstift
Lasche 44 Nietstift
45 Bauelement erste Komponente 46 Bohrung zweite Komponente 47 Sonotrode
Verlängerung 48 Nietkopf
T-förmiges Ende