Beschreibung
Halbleiterchip mit FIB-Schutz
Die vorliegende Erfindung betrifft die Sicherung eines Chips gegen FIB-Angriffe (focused ion beam) , insbesondere zur Verwendung bei Chipkarten.
Die Halbleiterchips, die in Chipkarten, wie z. B. Geldkarten, Telefonkarten und dergleichen, eingesetzt sind, sind Angriffen zur Entschlüsselung der Speicherinhalte des Chips oder deren Funktionen ausgesetzt. Dabei wird häufig die FIB-Tech- nologie eingesetzt, bei der ein fokussierter Ionenstrahl auf den Chip gerichtet wird. Der Aufprall der Ionen trägt die Schichten des Halbleiterchips ab, so dass die Struktur des Chips schichtweise untersucht werden kann. Einen passiven Schutz dagegen bietet eine vollflächige Metalllage.
Polymere mit ausgedehnten π-Systemen sind die Basis für orga- nische Halbleiter. Solche Dielektrika können daher als organische Halbleiter mit einer äußerst geringen Ladungsträgerbeweglichkeit betrachtet werden. Die ohmsche Leitfähigkeit der Dielektrika auf der Basis von Polymeren mit ausgedehnten π- Systemen erhöht sich bei Dotierung um Größenordnungen.
Als Dielektrika mit ausgedehnten π-Systemen werden vor allem Polyaromaten, wie sie beispielsweise in der WO 97/10193 und der WO 98/11149 beschrieben werden, Polyimide, Polybenzoxazo- le, Polyimidazole oder Polyether verwendet. Im Polymer-Back- bone können weitere Heteroatome wie beispielsweise Schwefel auftreten.
Eine Bestrahlung des Dielektrikums mittels Ionen, wie sie bei einer FIB-Analyse durchgeführt wird, führt zu einer lokalen Erhöhung der ohmschen Leitfähigkeit um Größenordnungen. Hierbei wird das Dielektrikum irreversibel dotiert.
In der DE 100 44 837 Cl ist eine Schaltungsanordnung zum De- tektieren eines unerwünschten Angriffs, speziell auch mit FIB, auf eine integrierte Schaltung beschrieben, bei der eine Signalleitung mit einem Taktsignal beaufschlagt wird. Die Si- gnalleitung und ein Leitungspaar, das zur Codierung eines
Bits dient, wobei die Signalleitung und das Leitungspaar zwischen zwei Schaltungsblöcken der integrierten Schaltung verschaltet sind, sind mit einer Detektorschaltung verbunden, die in Abhängigkeit von den Signalen der Signalleitung und von dem Leitungspaar die integrierte Schaltung in ihrem Funktionsablauf ändert.
In EP 1 109 220 A2 und in IBM Technical Disclosure Bulletin 34, 366 (1992) sind Polybenzoxazol beziehungsweise Polyimid als dielektrisches Material zur elektrischen Isolation beziehungsweise Passivierung auf Halbleiterbauelementen angegeben.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Halbleiterchip mit FIB-Schutz anzugeben, der universell einsetzbar ist.
Diese Aufgabe wird mit dem Halbleiterchip mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Ausgestaltungen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Bei einem Halbleiterchip ist eine Leiterstruktur in ein Dielektrikum eingebettet, das die Eigenschaft besitzt, durch Einbringen von Ionen (Dotierung) eine elektrische Leitfähigkeit auszubilden, die für eine schaltungstechnische Verbindung der Leiter ausreicht. Dabei handelt es sich um Dielek- trika, die ausgedehnte π-Systemen besitzen, d. h. viele Aro- maten bzw. Heteroaromaten enthalten. Wenn ein solches Dielektrikum mit Ionen bestrahlt wird, erhöht sich dessen elektrische Leitfähigkeit so, dass die in dem Chip integrierte elektronische Schaltung die auf diese Weise erzeugte elektrische Verbindung zwischen den an das Dielektrikum angrenzenden Lei-
terbahnen feststellen kann. In diesem Fall kann ein FIB- Angriff unterstellt werden.
Es folgt eine genauere Beschreibung von Beispielen des erfindungsgemäßen Halbleiterchips anhand der beigefügten Figuren. Die Figur 1 zeigt ein Schema eines Beispiels eines erfindungsgemäßen Halbleiterchips.
Die Figuren 2 bis 16 zeigen beispielhaft chemische Strukturformeln der verwendeten Dielektrika oder deren Komponenten.
In der Figur 1 ist schematisch ein Ausführungsbeispiel eines Halbleiterchips dargestellt. Es sind elektrische Leiter vorhanden, zwischen denen ein Dielektrikum aus einem organischen Material mit mindestens einem π-System vorhanden ist. Bei dem Beispiel der Figur 1 ist auf einem Halbleiterkörper oder einem Substrat 1, auf bzw. in dem elektronische Schaltungskomponenten integriert sind, eine dielektrische Schicht 2 aus einem solchen Material aufgebracht, in der die Leiter 3 als Leiterbahnen angeordnet sind. Statt dessen können die Leiter, vorzugsweise als Leiterbahnen, über und unter der dielektrischen Schicht angeordnet sein. Beispiele geeigneter dielektrischer Materialien sind in den Figuren 2 bis 16 dargestellt. Besonders bevorzugt sind vernetzte aromatische Kohlenwasserstoffe .
Wenn auf die dielektrische Schicht 2 ein fokussierter Ionenstrahl gerichtet wird, führen die eingebrachten Ionen zu einer Dotierung des dielektrischen Materiales im Bereich der Einstrahlung. Das dielektrische Material wird in der Umgebung der Einstrahlung elektrisch leitend und stellt eine elektrische Verbindung zwischen den angrenzenden Leitern 3 her. Eine geeignete Schaltungslogik in dem Halbleiterchip kann dafür vorgesehen sein, eine Erhöhung der Leitfähigkeit des Materials zwischen den Leiterbahnen zu detektieren, zu melden oder eventuelle Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Die hierfür geeigneten und weiter unten im Einzelnen angegebenen Dielektrika haben die Eigenschaft, dass sie bei Einbringen einer geringen Dosis von Ionen eine irreversible ohm- sche Leitfähigkeit erhalten. Wird die Energiezufuhr so groß, dass die chemische Verbindung an sich zerstört wird, bleibt Graphit übrig. Das trifft bei ausreichend hohen Temperaturen im Vakuum auf alle organischen Materialien zu, es sei denn, sie werden dem Luftsauerstoff ausgesetzt und verbrennen. Damit kann in jedem Fall die Funktionsfähigkeit der integrier- ten Schaltung im Fall eines FIB-Angriffes dauerhaft beeinträchtigt oder zerstört werden.
Als erfindungsgemäß einsetzbare Dielektrika kommen zunächst die chemischen Verbindungen mit der in der Figur 2 darge- stellten Zusammensetzung in Frage. Darin ist Ar jeweils eine aromatische Gruppe, die auch einen oder mehrere inerte Sub- stituenten aufweisen kann. Inert heißt hier, dass der Substi- tuent keine Reaktion eingeht oder sich zumindest auf die Eigenschaften der damit gebildeten Verbindung nicht wesentlich und nachteilig auswirkt und insbesondere in einer nachfolgenden Polymerisation und gegenüber dabei verwendeten Lösungsmitteln inert bleibt. Jedes einzelne R ist unabhängig von den übrigen R Wasserstoff, ein Alkyl oder ein Aryl; L ist eine kovalente Bindung oder eine Gruppe, die ein Ar mit einem an- deren Ar verbindet; n und m sind ganze Zahlen größer als eins; q ist eine positive ganze Zahl.
Als Komponente Ar können auch die Polybenzoxazole oder die Polyimide aus der Figur 6 auftreten. Beispiele für die Grup- pen, die in den unabhängigen π-Systemen π und π2 enthalten sein können, sind in der Figur 7 dargestellt.
Außerdem kommen als Dielektrika Polymere in Frage, die eine Struktur gemäß Figur 3 aufweisen. Darin ist Ar1 ein Reakti- onsrest aus (C≡C-)nAr oder Ar(-C≡C)m; jedes einzelne R ist unabhängig von den übrigen R Wasserstoff, ein Alkyl oder ein Aryl; L ist eine kovalente Bindung oder eine Gruppe, die ein
Ar mit einem anderen Ar verbindet; n und m sind ganze Zahlen größer als eins. Spezielle Strukturformeln, die an die Stelle der Formel der Figur 3 treten, sind in der Figur 5 dargestellt. Die Strukturformel der Figur 3 kann mit der Struktur- formel der Figur 4 zu einem Copolymer verbunden werden. Für die Symbole und Indizes sind wieder dieselben Ersetzungen möglich, wie vorstehend angegeben.
Weitere Beispiele sind Oligomere und Polymere der allgemeinen Formel [A] w [B] z [EG] v. Darin hat die Komponente A die in der Figur 8 angegebene Struktur und die Komponente B die in der Figur 9 angegebene Struktur, und die Komponente EG u fasst eine oder mehrere der in der Figur 10 angegebenen Strukturen. Darin sind R1 und R2 unabhängig voneinander H oder ein sub- stitutionsloser oder einen inerten Substituenten aufweisender aromatischer Rest (zum Beispiel ausgewählt aus den in der Figur 11 aufgeführten Strukturen, wobei Z für eins der folgenden steht: O, S, alkylen, CF2, CH2, 0-CF2, perfluoroalkyl, perfluoroalkoxy oder eine Struktur aus der Figur 12, wobei R3 jeweils unabhängig voneinander H, CH3, CH2CH3, (CH2)2CH3 oder phenyl und Ph phenyl ist) ; Ar1, Ar2 und Ar3 sind unabhängig voneinander ein substitutionsloser oder einen inerten Substituenten aufweisender aromatischer Rest (zum Beispiel ebenfalls ausgewählt aus den in der Figur 11 aufgeführten Struk- turen) , M ist eine Bindung, y ist eine ganze Zahl größer als zwei, p ist die Anzahl der Acetylengruppen in der betreffenden Mer-Einheit, die keine Reaktion eingegangen sind, r ist um eins niedriger als die Anzahl der Acetylengruppen in der betreffenden Mer-Einheit, die eine Reaktion eingegangen sind, p+r=y-l, w und z sind jeweils eine ganze Zahl von 0 bis 1000 und v ist eine ganze Zahl größer als eins.
Weitere Beispiele sind die in der Figur 13 aufgeführten Formeln von Polyphenylenoligomeren und Polyphenylenpolymeren, in denen die Abkürzungen die oben angegebenen Bedeutungen haben und x eine ganze Zahl von 1 bis 1000 ist, sowie die in der Figur 14 aufgeführten Polyphenylenoligomere und Polyphenylen-
polymere, in denen Ar4 aus denselben Strukturen ausgewählt werden kann, die oben zu Ar1, Ar2 und Ar3 angegeben wurden, und x ebenfalls eine ganze Zahl von 1 bis 1000 ist.
Weitere Beispiele sind die in der Figur 15 aufgeführten Poly- phenylenoligomere und Polyphenylenpoly ere, bei denen EG für eine der in der Figur 16 dargestellten Strukturen steht und die Abkürzungen dieselbe Bedeutung wie in den vorhergehenden Beispielen haben.
Eine konkrete Ausgestaltung des Halbleiterchips sieht vor, eine 500 nm dicke Schicht eines Dielektrikums auf der Basis eines Polyaromaten aufzubringen und auszuhärten. In diesem Dielektrikum werden nebeneinander liegende Gräben mit einer Breite von 250 nm, einem Abstand von 200 nm, und einer Länge von 1 mm unter Verwendung einer Hartmaske mittels eines reaktiven Ionenplasmas ausgeätzt. Nach dem Abscheiden einer Startlage aus TiN und Kupfer wird galvanisch verstärkt und überschüssiges Kupfer mittels CMP (chemical mechanical poli- shing) entfernt.
Elektrische Messungen an einem hergestellten Exemplar dieses Ausführungsbeispiels zeigten keine nennenswerte ohmsche Leitung zwischen den Leiterbahnen. Das Dielektrikum wurde in ei- nem FIB-Gerät Galliumionen mit einer Beschleunigungsspannung von 50 keV ausgesetzt. Danach wurde eine Erniedrigung des Widerstandes zwischen den Leiterbahnen beobachtet. Eine Beschleunigungsspannung von 30 keV wäre bereits ausreichend gewesen.
Bezugszeichenliste
1 Substrat
2 Dielektrikum 3 Leiter