DEST009083MA - - Google Patents
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Description
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Tag der Anmeldung: 23. November 1954 Bekanntgemacht am 21. Juni 1956
DEUTSCHES PATENTAMT
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Durchführen von Kernspaltungen in einem
thermischen Kernreaktor unter Aufrechterhaltung eines hohen Konversionsfaktors.
Insbesondere bezieht sich die Erfindung auf ein Verfahren der erwähnten Gattung, bei dem der
Kernbrennstoff in Gestalt einer Lösung oder Suspension spaltbarer Materie in einer Flüssigkeit,
z. B. schwerem Wasser, vorliegt, welche Lösung bzw. Suspension durch den Kernreaktor und durch
einen Wärmeaustauscher zirkuliert.
In der bekannten Technik der Durchführung von Kernspaltungen zwecks Gewinnung thermischer
Energie ist es ein wesentliches Erfordernis, den unwirtschaftlichen Neutronenverlust möglichst ge
ring zu halten, während der Reproduktionsfaktor der Neutronen gleich Eins gehalten, wird.
Es wäre nun zweckmäßig, einen Kernreaktor in der Weise zu betreiben, daß auch der Konversionsfaktor gleich oder größer als Eins bleibt, d. h. daß
während des Betreibens des Reaktors wenigstens ebensoviel durch langsame Neutronen spaltbare
Atome gebildet wie gleichzeitig gespalten werden. Ein solcher Betrieb des Reaktors würde die Möglichkeit
einer länger dauernden Ausnutzung des Kernbrennstoffs mit sich bringen.
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Die Aufrechterhaltung eines hohen Konversionsfaktors macht jedoch bei der bekannten Technik
die immer zunehmende Absorption von Neutronen, z. B. mittels eingeschobener Kadmiumstäbe, notwendig,
da sonst der Reproduktionsfaktor zu sehr ansteigen würde.
Diese Erscheinung läßt sich wie folgt für den Fall, wo natürliches Uran oder mit U235 angereichertes
Uran als Spaltmaterial angewandt
ίο wird, erörtern.
Bei der Spaltung eines Atoms U235 bilden sich durchschnittlich 2·, 5 Neutronen. Davon ist 1 zur
Instandhaltung der Kettenreaktion erforderlich, während etwa 0,2 durch die nicht produktive Absorption
in U235 verlorengeht. Von den verbleibenden, 1,3 Neutronen verschwindet ein Teil durch
Absorption in dem Moderator, dem Reflektor, dem Konstruktionsmaterial des Reaktors und den gebildeten
Spaltprodukten und weiterhin durch Austritt aus dem Reaktor. Der Rest steht für die Erzeugung
von. Pu239 aus U238 zur Verfügung.
Wenn nun während des Betreibens des Reaktors
eine wesentliche Erzeugung von Pu239 aus U238 oder,
mit anderen Worten, eine wesentliche Konversion von U235 in Pu239 stattfindet, so wird die Neutronenproduktion
immer mehr durch die Spaltung von Atomen Pu239 bedingt.
Bei der Spaltung'eines Atoms Pu239 bilden sich
durchschnittlich 3 Neutronen, wovon, 1 zur Instand-
haltung der Kettenreaktion erforderlich ist, während 0,5 durch die nicht produktive Absorption in
Pu239 verlorengeht. Es verbleiben also 1,5 Neutronen pro Spaltung, und es entstehen also nach
Abzug der weiterhin absorbierten Neutronen, wie oben erwähnt, relativ mehr Neutronen. Bei fortschreitender
Konversion sind also immer mehr Neutronen mittels Absorption zu beseitigen, wenn
wenigstens der Reproduktionsfaktor gleich Eins zu . halten ist.
Eine weitere Schwierigkeit, welche insbesondere in den Fällen auftritt, wo als Kernbrennstoff eine
Suspension spaltbarer Materie in einer moderierenden
Flüssigkeit Anwendung findet, ist, daß die Wirksamkeit des Reaktors unter Umständen
stark durch Variationen des Mengenverhältnisses zwischen Moderator und spaltbarer Materie beeinträchtigt
wird. Selbst kleine Variationen, z. B. örtliche Schwankungen dieses Verhältnisses können
eine völlige Entfesselung des Kernprozesses herbeiführen.
Die Erfindung bezweckt die völlige Beseitigung der besagten Schwierigkeiten.
Nach der Erfindung wird der Reaktor derart entworfen und das anfängliche Mengenverhältnis
zwischen Moderator und spaltbarer Materie derart gewählt, daß die Empfindlichkeit der Kernreaktion
für Schwankungen dieses Verhältnisses minimal ist, und weiterhin wird während des Betreibens
des Reaktors der Reaktor dadurch kritisch gehalten, daß man das Mengenverhältnis zwischen
Moderator und spaltbarer Materie allmählich ändert, d. h. allmählich vergrößert oder verringert.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren, läßt sich
eine beträchtliche Konversion der spaltbaren Atome erzielen, ohne daß eine unwirtschaftliche absichtliche
Absorption von Neutronen stattzufinden braucht.
Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens, wie oben gekennzeichnet, findet während
des Betreibens des Reaktors eine allmähliche Zunahme der Empfindlichkeit der Kernreaktion für
Schwankunigen des Mengenverhältnisses zwischen Moderator und spaltbarer Materie statt.
Obwohl der absolute Wert der besagten Empfindlichkeit
immerhin gering ist, gerade weil die Reaktioni bei möglichst geringer Empfindlichkeit angefangen
wird., wäre es unter Umständen vorteil- . haft, in der Weise zu arbeiten, daß diese Empfindlichkeit
während der ganzen Dauer der Reaktion sehr gering bleibt. Dies trifft insbesondere zu in
den Fällen, wo Kernbrennstoffsuspensionen Anwendung finden.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird dieses Ziel dadurch erreicht, daß man während des
Betreibens des Reaktors die spaltbare Materie allmählich
mit einem Stoff verdünnt, welcher Atome enthält, die unter dem Einfluß langsamer Neutronen
in von langsamen Neutronen leicht spaltbare Atome übergehen können,, wobei dieser Ver- go
dünnungs stoff eine geringere Menge von Atomen enthält, die von langsamen Neutronen gespalten
werden können, als die spaltbare Materie, während der Reaktor dadurch kritisch gehalten wird, daß
man das Mengenverhältnis zwischen, Moderator und spaltbarer Materie allmählich vergrößert.
Während des Betreibens eines Kernreaktors nimmt die Menge ,der Spaltprodukte und damit
auch die unerwünschte Absorption der Neutronen allmählich zu. Das Maß der anzuwendenden Änderung
des Mengenverhältnisses zwischen, Moderator und: spaltbarer Materie wird von dieser Erscheinung
mitbestimmt.
Weiterhin folgt aus dieser Betrachtung, daß das erfindungsgemäße Verfahren besonders auch von
Bedeutung ist in den Fällen, wo während des Betreibens des Reaktors eine kontinuierliche Reinigung
des Kernbrennstoffs stattfindet zwecks Entfernung von Spaltprodukten, wie dies z. B. bei
zirkulierenden flüssigen Kernbrennstoffen leicht durchführbar ist.
Ohne die Erfindung darauf beschränken zu . wollen, wird, sie an Hand des folgenden' Beispiels
verdeutlicht.
Es handelt sich um einen homogenen Kernreaktor, in dem eine Suspension von Uranoxyd in
schwerem Wasser als Kernbrennstoff Anwendung findet. Die Menge schweren Wassers ist so gewählt1,
daß der Reaktor als thermischer Reaktor arbeiten kann. Geht man von einer bestimmten Zusammensetzung
des Urans aus, so ist für verschiedene Verhältnisse zwischen den, Mengen schweren
Wassers und Uranoxyds der Radius eines kugelförmigen Reaktors zu berechnen, der noch gerade
kritisch sein kann. Es wurde gefunden, daß, wenn man» eine Änderung des besagten1 Verhältnisses
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vornimmt, für den Reaktor ein gewisser Minimalradius
anzugeben ist, bei dem der Reaktor überhaupt noch kritisch sein kann. Zu diesem Minimalradius
gehört ein bestimmtes Verhältnis schweres Wasser zu Uranoxyd, während überdies· bei diesem
bestimmten Verhältnis die Empfindlichkeit der Kernreaktion für Schwankungen in dem besagten
Verhältnis minimal ist.
In der in der Zeichnung wiedergegebenen
to graphischen Darstellung ist auf die Ordinate das Verhältnis schweres Wasser zu Uranoxyd in
logarithmischer Skala eingetragen und auf die Abszisse der kritische Reaktorradius Rc. Die Kurve ι
bezieht sich auf natürliches Uran mit 0,71 % U235.
Diese Kurve weist das Minimum 4 auf, zu dem der minimale kritische Radius 7 gehört.
Für eine spaltbare Materie, die aus U238 mit 0,71 °/o Pu239 besteht, welche Materie mit natürlichem
Uran übereinstimmt, in dem während des Betreibens des Reaktors eine vollkommene Konversion,
des U23S in Pu239 stattgefunden hat, läßt sich
die Kurve 2 errechnen.
Für U238, das U235 und Pu239 in wechselnden
Verhältnissen enthält, d. h. für die spaltbaren Materien, die nacheinander in einem Reaktor auftreten,
wo eine allmähliche Konversion von U235 in Pu239 stattfindet, erhält man eine Kurvenschar
zwischen den Kurven 1 und 2.
Wenn: nun ein Reaktor in Gang gesetzt wird
unter Anwendung vom natürlichem Uran, während der Reproduktionsfaktor gleich Eins gehalten wird,
was bedeutet, daß auf irgendeinem Punkt der Kurve ι angefangen wird, so würde, wenn wesentliche
Konversion stattfinden würde, der Reaktor immer mehr überkritisch werden, weil der Reaktorradius
dann relativ zu groß sein würde. Nach der bekannten Technik müßte man dann immer mehr
Neutronen wegfangen, was, ganz abgesehen von dem unwirtschaftlichen Neutronenverlust, die Unmöglichkeit
der . Aufrechterhaltung eines hohen Konversiorasfaktors herbeiführen würde.
Nach der Erfindung wird nunmehr der Reaktor kritisch gehalten, d, h., der Reproduktionsfaktor
der Neutronen wird gleich Eins gehalten, dadurch, daß man. das Verhältnis schweres Wasser zu Uranoxyd
allmählich vergrößert oder verkleinert, während von einem Reaktor mit dem obenerwähnten
minimalen kritischen Radius ausgegangen wird. Man geht z.B. von einem Reaktor mit Radius 7
und natürlichem Uran als spaltbarer Materie aus und vergrößert allmählich das Verhältnis'D2 O : U O2,
je nachdem die Konversion fortschreitet. Dies bedeutet, daß besagtes Verhältnis endlich einen Wert
bekommt, welcher mit dem Punkt 5 auf der Kurve 2 übereinstimmt, nämlich wenn die Konversion vollkommen
ist. Weil bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der Reaktor immer kritisch bleibt, ist eine
absichtliche Neutronenabsorption völlig unnötig, während von den Neutronen ein möglichst wirtschaftlicher
Gebrauch gemacht wird,
Die allmähliche Änderung des Verhältnisses D2 O: UO2 kann z.B. dadurch verwirklicht
werden, daß man außerhalb des Reaktors aus der zwecks Energiegewinnung durch den Reaktor und
durch einen Wärmeaustauscher zirkulierenden Suspension Uranoxyd abscheidet oder in ähnlicher
Weise der Suspension Uranoxyd beimischt.
Wie aus, der Figur ersichtlich, nimmt während der Änderung des Verhältnisses D2O :UO2 die Empfindlichkeit
der Reaktion für Schwankungen des Verhältnisses D2OrUO2 allmählich zu. Dieser
Effekt ist aber minimal, gerade weil die Reaktion bei möglichst kleiner Empfindlichkeit angefangen
wird (Punkt 4 auf Kurve 1).
Vorzugsweise wird nach der Erfindung die Empfindlichkeit
der Reaktion bezüglich der erwähnten Schwankungen ständig auf minimalem Wert gehalten,
und zwar 'dadurch, daß man während des Betreibens des Reaktors das Uranoxyd allmählich
mit einem Stoff verdünnt, der Atome enthält, die unter dem Einfluß langsamer Neutronen in Atome
übergehen können, die von langsamen Neutronen leicht spaltbar sind, jedoch eine geringere Menge
von Atomen enthält, die von langsamen· Neutronen gespalten werden können, als das vorhandene Uranoxyd,
während der Reaktor durch allmähliche Vergrößerung des Verhältnisses D2 O : U O2 kritisch
gehalten wird.
Zu einer allmählichen Verdünnung des . Uranoxyds geeignet sind .z. B. Th232 und U238. Praktisch
sehr geeignet ist das Abfallprodukt der Fabriken, die durch Diffusion reines U235 herstellen, welches
Produkt aus U238 mit einem geringeren Gehalt an U235, als das natürliche Uran auiweist, besteht.
Die Kurve 3 zeigt den Zusammenhang zwischen dem Verhältnis D2O : UO2 und dem kritischen
Reaktorradius für spaltbare Materie, die aus U238 mit 0,55% Pu239 besteht, was mit der Endzusammensetzung
natürlichen Urans übereinstimmt, das bei vollkommener Konversion des U235 gleichzeitig
allmählich mit einer Gesamtmenge U238 verdünnt worden ist, welche etwa 30% der ursprünglichen
Menge U238 bildet. Das Minimum 6 dieser Kurve tritt auf bei praktisch gleichem kritischem Radius 7
wie das Minimum 4 in der Kurve 1.
Die Erfindung ermöglicht deshalb die Aufrechterhaltung
einer ständig minimalen Empfindlichkeit der Reaktion unter gleichzeitiger wesentlicher
Konversion durch allmähliche Vergrößerung des Verhältnisses D2O :U02 von 4 bis 6, wobei gleichzeitig
das Uranoxyd mit U238, wie oben erwähnt, verdünnt wird.
In letzterem Falle ist die Größe der anzuwendenden Änderung des Verhältnisses D2 O : U O2 (von
4 bis 6) wesentlich kleiner als in dem vorherbeschriebenen Falle, wo eine Verdünnung des
Uranoxyds nicht stattfindet (von 4 bis 5).
In der Praxis wird eine allmähliche Verdünnung der spaltbaren Materie nicht immer möglich sein.
Geringe Abweichungen von der obenerwähnten Verfahrensweise sind jedoch gestattet, ohne daß der
Effekt der Erfindung verlorengeht. Es ist z. B. als praktisch zu bezeichnen, wenn man Th232 oder U238
nicht kontinuierlich, sondern periodisch zusetzt.
Es wird einleuchten, daß das, was hier an Hand eines einfachen Beispiels dargelegt worden ist, in
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gleichem Maße auch für kompliziertere Fälle zutrifft, z. B. bei Anwendung eines heterogenen
Kernreaktors.
Claims (5)
1. Verfahren zum Durchführen von Kernspaltungen in einem thermischen Reaktor unter
Aufrechterhaltung eines hohen Konversionsfaktors, dadurch gekennzeichnet, daß der
Reaktor derart entworfen wird und das anfängliche Miengenverhältnis zwischen Moderator und
spaltbarer Materie derart gewählt wird, daß die Empfindlichkeit der Kernreaktion für Schwankungen
dieses Verhältnisses -minimal ist, und daß während des Betreibens des Reaktors der
Reaktor dadurch kritisch gehalten wird, daß man das Mengenverhältnis zwischen Moderator
und spaltbarer Materie allmählich ändert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der Kernbrennstoff in Gestalt ewier Lösung oder
Suspension spaltbarer Materie in einer Flüssigkeit vorliegt, welche Lösung bzw. Suspension
durch den Kernreaktor und durch einen Wärmeaustauscher zirkuliert,, dadurch gekennzeichnet,
daß die allmähliche Änderung des Mengenverhältnisses zwischen Moderator und
spaltbarer Materie in der Weise durchgeführt . wird, daß man auißerhalb des Reaktors spaltbare
Materie aus der Lösung bzw. Suspension abscheidet oder der Lösung bzw. Suspension
beimischt.
3. Verfahren mach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
daß als Kernbrennstoff eine Suspension eines Uranoxyds in schwerem
Wasser Anwendung findet.
4. Verfahren nach einem der. Ansprüche 1
bis 3, bei dem der Reaktor während des Betreibens mittels allmählicher Vergrößerung des
Mengenverhältnisses zwischen Moderator und spaltbarer Materie kritisch gehalten wird, dadurch
gekennzeichnet, daß man während des Betreibens des Reaktors die spaltbare Materie
allmählich mit einem Stoff verdünnt, der Atome enthält, die unter dem Einfluß langsamer
Neutronen in von langsamen Neutronen leicht spaltbare Atome übergehen können, wobei
dieser Verdünnuingsstoff eine geringere Menge
von Atomen enthält, die von langsamen Neuitronen gespalten werden können, als die spaltbare
Materie.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Kernbrennstoff
während des Betreibens des Reaktors einer kontinuierlichen Reinigung unterzogen wird, und zwar zwecks Entfernung von Spaltprodukten.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
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