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Gebiet der
Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung gehört
zum Gebiet der gewebekonstruktiven, implantierbaren medizinischen
Vorrichtungen und betrifft aus Kollagenfäden hergestellte prothetische
Vorrichtungen, die benutzt werden, um Gewebe oder Organe zu ersetzen
oder zu reparieren. Solche prothetischen Vorrichtungen sind dafür bestimmt,
lasttragende Gewebe wie beispielsweise ein Band und eine Sehne zu
reparieren. Diese Erfindung beschreibt ein Verfahren zur Verbesserung
der Reißfestigkeit
von Kollagenfäden
und Kollagenfadenkonstrukten durch Spannungsrelaxation.
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TECHNISCHER
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
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Eines
der wichtigsten Merkmale lebender Organismen ist ihr Selbstreparaturvermögen. Dafür haben sich
verschiedene Mechanismen entwickelt, Wundheilung, Kompensationswachstum
und epimorphe Regeneration inbegriffen (J. Gross: Regeneration versus
repair, S. 20–39
(1992), in: L. K: Cohen, R. F. Diegelman und W. J. Lindblad (Hg.):
Wound Healing: Biochemical and Clinical aspects, W. B. Saunders,
Philadelphia). Obwohl alle Gewebe und Organe (möglicherweise mit Ausnahme der
Zähne)
in gewissem Maße
zu Reparaturen fähig sind,
haben Säuger
leider die Fähigkeit,
stark beschädigte
Körperteile
originalgetreu zu regenerieren, verloren (J. Gross, supra (1992)).
Um zu versuchen, diesen Mangelzustand zu überwinden, sind zahlreiche
künstliche Hilfsmittel
mit dem Ziel entwickelt worden, dass die Implantate biologisch inaktiv
sind und dennoch bis ans Lebensende des Empfängers funktionieren. Erfahrungen
mit künstlichen
Hilfsmitteln haben jedoch gezeigt, dass eine biologische Inaktivität offenbar
nicht nur unmöglich
ist, sondern dass die Interaktion zwischen einem Biomaterial und
dem umliegenden lebenden Gewebe sogar zum langfristigen Erfolg des
Implantats beitragen kann (J. Kohn, Med. Dev. Technol., 1: 34–38 (1990)).
Es ist die Wissenschaft der Gewebekonstruktion entstanden, die diese
biologische Gegebenheit ausnutzt.
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In
diesem Forschungsgebiet liegt der Fokus auf Biomaterialien, die
zur Herstellung von biologisch umstrukturierbaren Transplantaten
benutzt werden. Zwei Materialarten werden derzeit von einer Anzahl
von Forschern geprüft:
biologische Bestandteile der extrazellulären Matrix (ECM), wie etwa
Kollagen und Proteoglycan, und synthetische, nicht-biologische Materialen.
Materialien biologischer Abstammung sind insofern vorteilhaft, als
sie Eigenschaften aufweisen, die die Zellanlagerung und -funktion
unterstützen,
wohingegen es sein kann, dass synthetische Materialien nicht in
der gewünschten
Weise mit Zellen interagieren (R. Langer, Science, 260: 920–926 (1993)).
Außerdem
versuchen Forscher, synthetische Materialien durch Ankoppeln von Peptidsequenzen,
die von Zelladhäsionsproteinen
wie etwa den Integrinen erkannt werden, abzuwandeln (J. A. Hubbell,
Ann NY Acad Sci, 665: 253–258
(1992); Lin, H. B. u.a., Biomaterials, 13: 905–914 (1992)).
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Die
ursprüngliche
Theorie, dass die extrazelluläre
Matrix lediglich ein inaktives Trägermaterial ist, worin oder
worauf sich Zellen befinden, wird seit kurzem als falsch angesehen
(Hay, E. D. u.a.: Cell Biology of the Extracellular Matrix, 2. Aufl.
(1991), Plenum Press, New York; Nathan, C., J Cell Biol, 113: 981–986 (1991)). Zellen
interagieren weiterhin mit vielen Bestandteilen der extrazellulären Matrix,
die weiterhin Funktionen als Kleber, Biomaterial, Filter, Rezeptor,
Signal und Text erfüllt
(Nathan, C., supra (1991); Trelstad, R. L., Textbook of Rheumatology,
S. 35–57
(1993), 4. Aufl, W. B. Saunders, Philadelphia). Folglich scheint
es vernünftig
anzunehmen, dass die komplexe Wechselwirkung zwischen den Zellen
und der extrazellulären
Matrix derart ist, dass die Implantate biologischer Abstammung weiterhin
Reize abgeben werden, die eine Umstrukturierung bestimmen, was synthetische
Materialien nicht können,
wenn sie nicht in einem solchen Ausmaß verändert sind, dass sie den natürlichen
Molekülen,
die sie nachzuahmen versuchen, im Wesentlichen gleichen.
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Trotz
des biologischen Ursprungs führt
weit gehende chemische Veränderung
des Kollagens dazu, dass es als "fremd" erkannt wird. Zur
Verbesserung der Leistungsfähigkeit
implantierter Kollagen enthaltender Vorrichtungen auf lange Sicht
ist es wichtig, viele der Eigenschaften des natürlichen kollagenhaltigen Gewebes zu
bewahren. Bei diesem "Gewebekonstruktionsansatz" wird die Prothese
nicht als ein dauerhaftes Implantat ausgelegt, sondern als ein Gerüst oder
eine Vorlage für
eine Regenerierung oder Umstrukturierung. Die Gestaltungsprinzipien
der Gewebekonstruktion erfordern einen isomorphen Gewebeersatz,
wobei der biologische Abbau der Implantatmatrix mit ungefähr der gleichen
funktionellen Rate wie der Gewebeersatz durch den Wirt erfolgt,
so dass ein funktionsfähiges
Analogon des ursprünglichen
Gewebes entsteht (Yannas, I. V., (1995): Regeneration Templates,
S. 1619–1635, In:
Bronzino, J. D. (Hg.): The biomedical Engineering Handbook, CRC
Press, Inc., Boca Raton, Florida.)
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Obwohl
Kollagen des Typs I seit mehr als 50 Jahren als Biomaterial verwendet
wird, haben diese Implantate im Allgemeinen nicht von der Fähigkeit
des Körpers,
ein Implantat umzustrukturieren, Gebrauch gemacht. Im Gegenteil,
die Implantate waren auf Dauerhaftigkeit ausgelegt und das Herstellungsverfahren,
das verwendet wurde, um diese Vorrichtungen herzustellen, benutzte
entweder teilweise abgebautes, enzymextrahiertes Kollagen, das durch
Vernetzen unter Verwendung von Glutaraldehyd oder Chromsalzen stabilisiert wurde
(Chvapil, M.: Industrial uses for collagen. In: D. A. D. Parry und
L. K. Creamer (Hg.): Fibrous proteins: scientific, industrial and
medical aspects, (1979) Academic Press, London; Chvapil, M., Int
Rev Connect Tiss Res, 6: 1 (1972); Stenzel, K. H. u.a., Ann Rev
Biophys Bioeng., 3: 231–253
(1974)), oder baute das Kollagen in nicht-natürliche Polymerstrukturen wie
etwa Filme und Schaumstoffe ein (Burke, J. F., supra (1981); Chvapil, M.,
supra (1979); Chvapil, M. (1973), supra; Rubin, A., J Macromol Sci
Chem., A3: 113–118
(1969); Stenzel, K. H., supra (1974); Yannas, I. V., Science, 215:
174–176
(1982); Yannas, I. V., Proc Natl Acad Sci USA, 86: 933–937 (1989);
Heimbach, D., Ann Surg, 208: 313–320 (1988)). Da Prothesen,
die bei erheblichen Belastungen funktionieren müssen, eine hohe mechanische
Festigkeit erfordern, etwa bei einem Ersatz von Bändern und
Sehne sowie bei einer Bruchoperation, wird nach alternativen Biomaterialien
gesucht.
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Ein
für die
Gewebekonstruktion wichtiger Bereich ist die Entwicklung eines Materials,
um ein geschädigtes
Band oder eine geschädigte
Sehne dauerhaft zu ersetzen. Das am häufigsten ersetzte Band ist
das vordere Kreuzband des Knies infolge einer Schädigung,
die häufig
auf Sportverletzungen, etwa durch Fußballspielen oder Skilaufen,
zurückzuführen ist.
Wenn das vordere Kreuzband einmal gerissen ist, geschieht die Heilung
nicht von allein, wie bei anderen Kniebändern (z.B. dem medialen Seitenband),
vor allem weil eine Auflagerung der gerissenen Bandstümpfe auf
Grund der elastischen Kontraktion unmöglich ist.
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Patellasehnen-Autotransplantate
sind der gegenwärtige
Behandlungsstandard für
den Ersatz des vorderen Kreuzbandes (Markolf KL u.a., Trans ORS
20: 644, 1995). Autotransplantate sind keine gesetzlichen medizinischen
Produkte und unterliegen keinen Herstellungs- und Vermarktungsvorschriften
für Biomaterialen.
Patellasehne für
den chirurgischen Gebrauch ist leicht erhältlich. Da es sich dabei um
Autotransplantatmaterial handelt, besteht nicht die Gefahr einer
immunologischen Abstoßung. Üblicherweise
wird ein Stück
der Patellasehne von einem Drittel ihrer Breite aus demselben Kniegelenk
entnommen und an der vorderen Kreuzposition eingesetzt. Die Befestigung
erfolgt gewöhnlich
durch präzises
Bohren in Oberschenkelknochen und Schienbein, Einsetzen des Transplantats
zwischen beide Knochen und Fixieren der Enden mittels Knochenkleber
in den gebohrten Löchern.
Obwohl das Transplantat als Gerüst
für eine
Gewebeneubildung und biologische Fixierung fungiert, führt das
Gewinnungsverfahren für
den Patienten mit Kreuzbandriss zu einem zusätzlichen Trauma. Zudem ist
die Patellasehne während
des Umstrukturierungsprozesses geschwächt und kann beschädigt werden.
Schließlich
ist bei Patellasehnen-Autotransplantaten die Ausfallrate hoch, da
sie nur langsam revaskularisieren und oft bis zu einem Punkt gedehnt
werden, an dem Kniebelastungen nicht länger möglich sind.
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Nach
dem Ausfall eines Patellasehnen-Autotransplantats erwägen Chirurgen
ein prothetisches Hilfsmittel, um das vordere Kreuzband zu ersetzen.
Fortschritte in der Werkstoffwissenschaft haben zu Transplantaten
geführt,
die sehr stabil und haltbar sind und die natürliche Festigkeit des vorderen
Kreuzbandes sogar übertreffen.
Die Primärstoffe,
die für
das Kreuzband ersetzende Transplantate in Betracht gezogen werden, sind
synthetische Polymere, Kohlenstofffasern und Kollagen.
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Allogene
Materialien (d.h. Kadavertransplantate) vermeiden ein Gewinnungstrauma,
können
jedoch die Gefahr einer Übertragung
von Viruserregern mit sich bringen. Synthetisches Transplantatmaterial,
im Allgemeinen Polyethylenterephthalat (Dacron, sowohl von Howmedica
als auch von Stryker hergestellt) oder Polytetrafluorethylen (Teflon,
von Gore-Tex hergestellt), und Kohlenstofffasertransplantate (DuPont),
kann doppelt so stark wie natürliches
Kreuzbandgewebe sein und bis zu 1 × 107 Zyklen
ohne Ausfall überstehen.
Allerdings können
Prüfstandtests
nicht das innere Milieu des Kniegelenks simulieren. Obwohl diese
Transplantate nunmehr stabil genug sind, um die erforderliche Belastung
zu ertragen, sind diese Materialen nicht biologisch inaktiv und
unterliegen der Ermüdung
und Abnutzung. Probleme einer chronischen Entzündung und Abnutzung bestehen
fort und nehmen mit der Zeit zu, bis eine mechanische Schädigung auftritt,
die eine erneute Operation erfordert. WO 9 614 095 beschreibt Implantate,
Sehnen und andere orthopädische
Strukturen, die aus einem Monofilament oder einem Bündel aus
Kollagenfasern mit einer durch Dehnen oder Vorspannen erzielten
erhöhten
Festigkeit und Elastizität
hergestellt sind.
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Es
sind aus rekonstituierten Kollagenfasern hergestellte Kreuzbandtransplantate
beschrieben worden. Das Patent Nr. 5,171,273 offenbart ein Kollagentransplantat
mit synthetischen Kollagenfasern, die in eine lockere, unvernetzte
Kollagenmatrix eingebettet sind. Das Ausgangsmaterial für die Fasern
war vom bovinen Corium (Dermis) abgelöstes unlösliches Kollagen. Das abgelöste Material
ist eine Suspension von Fragmenten aus natürlich gebändertem, fibrillärem Rinderkollagen
des Typs I, die vermutlich geringe Mengen anderer Gewebeproteine
enthält.
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Das
US-Patent Nr. 5,263,984 offenbarte ein prothetisches Band, das Filamente
aufweist, die aus Fibrillen oder kurzen Stücken natürlicher polymerer Bindegewebe,
wie etwa Kollagen, gebildet sind. Das Ausgangs-Kollagenmaterial
war in diesem Fall ebenfalls unlöslich.
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Es
sind rekonstituierte Kollagenfasern, die in Bündeln (Dunn, F. H. u.a., Am
J Sports Med 20: 507, 1992; Cavallaro, J. F. u.a., Biotech Bioeng
43: 781, 1994) oder Geflechten (Cavallaro, J. F. u.a., supra.; Chvapil,
M. u.a., J. Biomed Mat Res 27: 313, 1993) angeordnet sind, als Kreuzbandersatz
mit Gewebekonstruktionseigenschaften vorgeschlagen worden. Bei kleineren
Tiermodellen, wie etwa am Kaninchen (Dunn, F. H. u.a., supra) und
am Hund (Cavallaro, J. F. u.a., supra) vielversprechende Implantationsstudien
sind bei größeren Modellen,
wie etwa an der Ziege (Chvapil, M., u.a., supra), noch nicht erfolgreich
verlaufen, vielleicht wegen der verhältnismäßig geringen Haftfestigkeit
der Verbundstruktur, trotz der hohen Reißfestigkeit der einzelnen Fasern.
Dieser Verlust an Festigkeit ergibt sich aus ungleichen Spannungen,
Längen
und Orientierungen der Fasern in dem Konstrukt (Zurek W., u.a.,
Textile Res J 57(8): 439, 1987.)
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Wünschenswert
ist eine prothetische Vorrichtung, die aus einem Biomaterial wie
etwa Kollagen hergestellt ist, das der Festigkeit synthetischer
Materialien nahe kommt. Ein weiterführendes Ziel der Forscher ist die
Entwicklung implantierbarer Prothesen, die mit Erfolg verwendet
werden können,
um Säugetier-Gewebe zu
ersetzen oder zu reparieren.
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ZUSAMMENFASSUNG
DER ERFINDUNG
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Die
Erfindung schafft ein Verfahren zur Verbesserung der Reißfestigkeit
von Kollagenfäden
und Konstrukten, die aus Kollagenfäden hergestellt sind, wobei
das Verfahren Folgendes aufweist: Plastifizieren eines Kollagenfadens
oder Kollagenfadenkonstrukts mit einem Plastifizierungsmittel; Aufbringen
einer Zugbelastung auf den Kollagenfaden oder auf das Kollagenkonstrukt,
um den Kollagenfaden zu dehnen, und dann Ermöglichen, daß die Belastung in dem Faden
sich durch Spannungsrelaxation oder durch Kriechen auf weniger als 0,5
Gramm pro Ende vermindert. Außerdem
kann das Verfahren ein Vernetzen des Fadens über die Länge mit einem Vernetzungsmittel
einschließen.
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Kollagenfäden und
aus Kollagenfäden
bestehende Konstrukte mit verbesserter Reißfestigkeit sind als prothetische
Vorrichtung für
eine Implantation geeignet. Prothetische Vorrichtungen, die aus
Kollagenfäden
mit verbesserten Festigkeitseigenschaften bestehen, sind für die Reparatur
von lasttragenden Geweben wie etwa einem Band und einer Sehne bestimmt.
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AUSFÜHRLICHE
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung schafft Verfahren zur Erhöhung der Festigkeit von biokompatiblen
prothetischen Vorrichtungen, welche Kollagenfäden aufweisen und als Implantate,
um geschädigte
Sehnen oder Bänder
und weitere Strukturen zu reparieren, für Bruchoperationen, Blutgefäßersatz,
Vorfallstütze
und Brustwandrekonstruktionen nach einer Verletzung oder Tumorresektion
verwendbar sind. In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Band, das
ersetzt wird, das vordere Kreuzband im Kniegelenk von Säugetieren.
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Die
Vorrichtungen der vorliegenden Erfindung weisen eine Anordnung von
Kollagenfäden
auf, die aus einer Lösung
von Kollagenmolekülen
gebildet sind, welche die chemische und Organisationsstruktur natürlichen
Kollagens nachahmen. In einer bevorzugten Ausführungsform weist die Vorrichtung
Kollagenfäden
auf, die in einem Bündel
angeordnet sind, wobei die Kollagenfäden einer Spannungsrelaxation
vorbehandelt bzw. konditioniert worden sind, um die Reißfestigkeit
der Vorrichtung zu verbessern. Wenn die Vorrichtung einmal implantiert
ist, stellt sie ein Gerüst
dar, das von Wirts-Bindegewebezellen infiltriert und besiedelt werden
kann, welche schließlich
die Vorrichtung um natürliches
Gewebe ergänzen
oder durch natürliches
Gewebe ersetzen, wodurch ihr ermöglicht
wird, ihre natürlichen
Funktionen zu erfüllen.
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Kollagenfäden, die
aus Kollagen bestehen, können
mittels einer beliebigen Anzahl von Verfahren hergestellt werden,
die im Fach der Kollagenfadenbildung bekannt sind. Gemäß der vorliegenden
Erfindung wird vorzugsweise eher eine Säureextraktion als eine Enzymextraktion
angewendet, um die Kollagenlösung
herzustellen. Eine Enzymextraktion (Pepsin) entfernt die Telopeptid-Regionen
von den Enden der Kollagenmoleküle.
Solche Kollagenpräparate
bringen weniger feste Fäden
als säureextrahierte
Präparate
hervor. Genauso ist gezeigt worden, dass pepsinextrahiertes Kollagen
zu Fibroblasten kontrahierte Kollagennetze erzeugt, die zwanzigmal
schwächer
als Netze sind, die aus säureextrahiertem
Kollagen hergestellt sind (Bell, E., INSERM, 177: 13–28 (1989)).
In Säure
löslich
gemachtes Kollagen kann mittels Verfahren und Quellen hergestellt
werden, die dem Fachmann bekannt sind. Quellen für Kollagen sind u.a. Haut und
Sehne. Eine bevorzugte Kollagenzusammensetzung zur Verwendung hierfür wird aus
einer neuen Quelle, der Rinderzehen-Strecksehne, und durch ein neuartiges
Extraktionsverfahren, die beide in dem US-Patent Nr. 5,106,949 offenbart
sind, gewonnen. Obwohl Monomere und Mischungen aus Monomeren und
Kollagenpolymeren höherer
Ordnung, z.B. Dimere bis hin zu Fibrillen, diese eingeschlossen,
bei der Umsetzung der vorliegenden Erfindung verwendet werden können, werden
für viele
Anwendungen Monomere bevorzugt.
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Kollagenlösungen zur
Verwendung bei der vorliegenden Erfindung weisen im Allgemeinen
eine Konzentration von ungefähr
2 bis 10 mg/ml, vorzugsweise von ungefähr 4 bis 6 mg/ml und insbesondere
von ungefähr
4,5 bis 5,5 mg/ml bei einem pH-Wert von ungefähr 2 bis 4 auf. Ein bevorzugtes
Lösungsmittel
für das Kollagen
ist verdünnte
Essigsäure
von ungefähr
0,05 bis 0,1 Vol.-%. Es können
andere herkömmliche
Lösungsmittel
für Kollagen
benutzt werden, solange diese mit einer Fadenbildung und den gewünschten
Eigenschaften des Kollagenfadens vereinbar sind. Außerdem können diese
Kollagenlösungen
gegebenenfalls dem Fachmann bekannte Bestandteile enthalten, welche
die Interaktion zwischen dem Wirt und dem Implantat modifizieren
oder regulieren, wobei die Bestandteile etwa neutrale oder geladene
Polymere einschließlich,
ohne hierauf beschränkt
zu sein, Polyvinylalkohol, Polyethylenglykol, Hyaluronsäure, Wachstumsfaktoren
und anderer extrazellulärer
Matrixkomponenten wie etwa Proteoglycane sind.
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Die
Bildung von Kollagenfäden
unter Verwendung von in Säure
gelöstem
Kollagen des Typs I ist in dem US-Patent Nr. 5,378,469 beschrieben.
Ein bevorzugtes Verfahren zur Herstellung von Kollagenfäden zur Verwendung
bei der vorliegenden Erfindung weist Folgendes auf:
- (a) Spritzen einer kollagenhaltigen Lösung in ein Dehydratisierungsmittel,
wobei das Dehydratisierungsmittel einen höheren osmotischen Druck als
die Kollagenlösung
und einen pH-Wert
von ungefähr
5 bis 9 hat; und
- (b) Halten des Dehydratisierungsmittels unter Bedingungen, die
eine Kollagenfadenbildung ermöglichen.
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Bei
einem weiteren bevorzugten Verfahren zur Herstellung von Kollagenfäden umfasst
das Verfahren ferner das Ausspülen
des gebildeten Fadens aus dem Dehydratisierungsmittel, das zusätzliche
Flexibilität
verleiht. Dieser optionale Schritt ist besonders nützlich bei
Anwendungen, bei denen mit dem Kollagenfaden gestrickt oder gewebt
werden soll. Ein bevorzugtes Spülmittel
ist gereinigtes Wasser. Ein weiteres bevorzugtes Spülmittel
beinhaltet phosphatgepufferte Salzlösung (PBS) mit einer Phosphatkonzentration
von ungefähr 0,001
bis ungefähr
0,02 M und einer Natriumchlorid-(NaCl)Konzentration von ungefähr 0,05
bis ungefähr
0,1 M. Bei Verwendung gepufferter Lösungen wird der pH-Wert des
Spülbades über einem
pH-Wert von ungefähr 5
gehalten, um eine übermäßige Hydratisierung
des Fadens zu vermeiden. Ein bevorzugter pH-Bereich ist zwischen
ungefähr
6 und ungefähr
8.
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Die
Eigenschaften von Kollagenfäden
und -fasern können
auf ähnliche
Weise wie bei anderen Fäden und
Fasern, die in der Textilindustrie verwendet werden, beurteilt werden.
Textilfasern werden im Allgemeinen in Fadenmasse pro Längeneinheit
oder Denier (Masse in Gramm pro 9000 Meter Länge) gemessen. Die Denierzahl,
die typisch zwischen ungefähr
40 und 80 ist, kann im Bereich von ungefähr 15 bis ungefähr 300 variiert
werden, indem die Geschwindigkeit, mit der das Kollagen in das Dehydratisierungsbad
einfließt,
die Strömungsgeschwindigkeit
des Dehydratisierungsbades und/oder die Nadel-(Öffnungs-)Größe verändert werden. Die relative
Reißfestigkeit
eines Fadens wird in Gramm Zugfestigkeit pro Denier gemessen. Wenn
beispielsweise ein Faden mit 50 Denier eine Zugfestigkeit von 220
Gramm aufweist, ist die relative Reißfestigkeit 220/50 = 4,40 Gramm
pro Denier (g/den). Die Grenzlast ist die maximale Last eines Fadens
oder eines Fadenkonstrukts unmittelbar vor einem Bruch bzw. Abreißen, üblicherweise
in Gramm gemessen. Die Reißfestigkeit wird
berechnet, indem die Grenzlast durch die Querschnittsfläche geteilt
wird. Sie wird in Newton pro Quadratmillimeter, auch als Megapascal
(MPa) bezeichnet, oder in Pfund pro Quadratzoll (psi) gemessen.
Gramm pro Denier (g/den) kann ebenfalls als Maß für die Reißfestigkeit benutzt werden.
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Aus
Kollagenfäden
können
mittels Techniken zur Verarbeitung von Fasern, die dem Fachmann
bekannt sind, z.B. durch Stricken und Weben, Konstrukte gebildet
werden. Die meisten Faserverarbeitungstechniken sowohl für Naturfasern,
z.B. Baumwolle, Seide usw., als auch für synthetische Fasern, z.B.
Nylon, Celluloseacetat usw., sollten für die Verarbeitung der hier
geschaffenen Fäden
brauchbar sein, wobei Techniken zur Herstellung von dreidimensionalen
Textilien eingeschlossen sind, siehe z.B. Mohamed, American Scientist, 78,
(1990) 530–541.
Dreidimensionale Kollagenkonstrukte und Verfahren zu ihrer Herstellung
sind in der US-Patentanmeldung mit der laufenden Nr. 08/215,760
offenbart.
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Kollagenfäden werden
bereits verwendet, um geflochtene Konstrukte zu bilden, die zu Garn
gefacht und verstrickt werden, wie in der US-Patentanmeldung mit
der laufenden Nr. 08/216,527 offenbart ist. Die Kollagenfäden können mit
Techniken, die dem Fachmann bekannt sind, verwoben werden, um ein
Gewebekonstrukt herzustellen. Ein gestrickter Schlauch, der aus
einem zweilagigen Garn, mit einer Garnwindung aus einem quervernetzten
Kollagenfaden und einer aus einem unvernetzten Kollagenfaden, besteht,
wird bereits zur Herstellung eines Blutgefäßkonstrukts verwendet, das
ebenfalls in der US-Patentanmeldung mit der laufenden Nr. 08/216,527
beschrieben ist.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
wird ein mehrfädiges
Bündel
gebildet, indem die Fäden
um eine Spannvorrichtung gewickelt werden, die an wenigstens zwei
Punkten, beispielsweise fest an einem Rahmen angebrachte Stifte
aufweist, um eine geschlossene Schleife herzustellen. Nachdem die
geschlossene Schleife von den Stiften abgenommen worden ist, werden
die einander gegenüberliegenden
Seiten der Schleife zusammengebracht, so dass der größte Teil
der Fäden
parallel zueinander ist, um an jedem Ende des Bündels eine Schlaufe zu formen.
Die Schlaufen an jedem Ende des Bündels werden dann gesichert,
und eine der beiden oder beide Schlaufen können dann wahlweise aufgeschnitten
werden, um ein Bündel
aus einzelnen Kollagenfadenabschnitten zu bilden, die ungefähr die gleiche
Länge aufweisen.
Eine Schlaufe oder die Schlaufen am Ende des Konstrukts können benutzt
werden, um das gebündelte
Konstrukt zu fixieren, wenn es in einen Wirt oder Patienten implantiert
oder transplantiert wird. Um mit diesem Verfahren ein 500-lagiges
Bündel zu
formen, wird der Faden 250-mal um die Spannvorrichtung gewickelt.
Außerdem
könnten
Bündel
geformt werden, indem die Enden einzelner Fadenabschnitte, die,
miteinander verglichen, ungefähr
die gleiche Länge aufweisen,
zusammengefasst und ausgerichtet werden, woraufhin die Enden gesichert
werden, um ein gebündeltes
Konstrukt zu bilden. Es können
noch weitere dem Fachmann bekannte Techniken und Quellen verwendet
werden, um ein Fadenbündel
zu formen. Ein Bündel
kann benutzt werden, um ein Multifil-Geflecht aus drei oder mehr
Faserbündeln,
eine zwei oder mehr Bündel
umfassende Spirale oder ein einziges gezwirntes Bündel oder
ungezwirntes Bündel
zu formen. Schließlich
kann auch zumindest eine Schlaufe an einem Ende des Bündels gebildet
werden, um ein Mittel zur Befestigung der Vorrichtung, wenn sie
einem Wirt oder Patienten implantiert wird, zu schaffen.
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Die
theoretische Festigkeit parallel gebündelter, völlig gleicher Kollagenfasern übertrifft
jene eines gezwirnten oder geflochtenen Konstrukts, das die gleiche
Anzahl Fasern enthält,
auf Grund der Tatsache, dass ein gezwirntes oder geflochtenes Konstrukt
Elemente enthält,
die nicht genau zur Achse des Konstrukts ausgerichtet sind. In der
Praxis sind Geflechte und gezwirnte Konstrukte jedoch oftmals fähig, viel
höhere
Zugbelastungen als parallele Bündel
zu ertragen, da es unmöglich
ist, Faserlängen
und Spannungen über
dem Bündel
wirklich gleich zu halten.
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Ein
Ansatz, um gegen den praktischen Verlust an Festigkeit in einem
parallelen Bündel
aus Kollagenfäden
anzugehen, besteht darin, zwei wichtige Eigenschaften des Kollagens
wirksam einzusetzen: Es lässt sich
leicht plastifizieren, und eine auferlegte Spannung lässt leicht
mit der Zeit nach. Die Viskoelastizität Kollagen enthaltender Gewebe
wurde von Fung untersucht, der die Spannungsrelaxation, auch einfach "Relaxation" genannt, als einen
Vorgang definiert, bei dem, wenn ein Gewebe mit einer konstanten,
begrenzten Spannung belastet wird und die Länge konstant gehalten wird,
die entsprechenden Spannungen, die in dem Gewebe herbeigeführt werden,
mit der Zeit abnehmen (Fung, Y. C., (1981) Biomechanics: Mechanical
Properties of Living Tissues. S. 211, Springer-Verlag New York Inc.,
New York.) Folglich werden alle Fasern auf die gleiche Länge gebracht,
indem ein Parallel-Bündel
aus nicht vernetzten Kollagenfasern zuerst plastifiziert und dann gestreckt
oder gereckt wird. Dann, wenn dem zugbeanspruchten Bündel erlaubt
wird, zu entspannen, ist die Wirkung, dass alle Fasern auf ungefähr den gleichen
Spannungsgrad gebracht worden sind. Alternativ könnte dem Konstrukt nach dem
Plastifizieren ein Kriechen (d.h. eine Längenzunahme unter Zugbelastung)
ermöglicht
werden, wodurch das gleiche Ergebnis erzielt wird. Auf der Ultrastrukturebene
haben diese konditionierenden Vorbehandlungen mittels Spannungsrelaxation
und Kriechen zur Folge, dass sich die Kollagenmoleküle in der
Faser zur Faserachse ausrichten; aus dem gleichen Grund ist nämlich das
Faserziehen ein wohl bekanntes Verfahren, um die Zugeigenschaften
zu verbessern (Zurek, supra). Diese konditionierenden Vorbehandlungen
haben den zusätzlichen
Vorteil, dass sie die Bündelelemente
gemeinsam zu einer kohärenteren Einheit
ausrichten, indem sie die Packungsdichte der Fasern erhöhen. Die
Kohärenz
des Konstrukts ermöglicht,
die Last auf nebeneinander liegende Kollagenfäden zu verteilen, was zur Festigkeit
des Konstrukts beiträgt.
Mit der Kohärenz
nimmt die Packungsdichte (auch als "Faservolumen" bezeichnet) zu, und es können mehr
Fasern in einen begrenzten Raum, wie etwa eine Gelenk- oder Knochenröhre, eingepasst
werden, wenn sie als eine Bandprothese implantiert werden. Durch
die Kombination dieser Faktoren wird die Nassfestigkeit eines Kollagenfaserbündel-Konstrukts
deutlich verbessert.
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In
der bevorzugten Ausführungsform
wird ein einzelner Kollagenfaden oder ein Kollagenfadenbündel, das
2- bis 100-lagig ist, mittels im Fach bekannter Bündelungsverfahren
hergestellt. Jeder Faden in dem Bündel hat vorzugsweise ungefähr die gleiche
Länge wie
die anderen in dem Bündel.
Die Fäden
können
jedoch verschiedene Denierzahlen und Zusammensetzungen aufweisen.
Beispielsweise können
die Fäden
so in dem Bündel
verlaufen, dass die Seele des Bündels
aus dünneren
oder eine niedrigere Denierzahl aufweisenden Fäden gebildet ist und die peripheren
Fäden dicker
oder eine höhere
Denierzahl aufweisend sind. Entweder die inneren oder die äußeren Fäden in einem
Bündel
können
so aufgebaut sein, dass sie mit Cytokinen oder Wachstumsfaktoren
beschichtet sind oder dass diese in die Fäden eingelagert sind, um die
Zellverträglichkeit oder
die biologische Umstrukturierung zu verbessern oder zu regulieren.
Außerdem
kann das Bündel
in der Weise modifiziert sein, dass die Enden des Bündels, die
in den Knochen implantiert werden, mit einem knochenstrukturbildenden
Protein oder mit Cytokinen, die die Knochenbildung verbessern, behandelt
sind.
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Das
Bündel
wird dann in einer Vorrichtung angeordnet, die das Bündel an
den Enden in entgegengesetzte Richtungen ziehen kann, um in Längsrichtung
des Bündels
eine Zugbelastung aufzuerlegen. Der Basislinienwert der Reißfestigkeit
für trockene,
nicht vernetzte Bündel
wird durch Ziehen der Bündel über die
Zerreißgrenze
hinaus, wobei die Höchstbelastung
registriert wird, erhalten.
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Das
Verfahren zur Verbesserung der Reißfestigkeit eines Kollagenfadens
oder eines Kollagenfäden umfassenden
Bündels
schließt
das Befestigen der Enden eines Fadenbündels in einer Vorrichtung
oder einem Mittel zum Ziehen des Bündels an seinen Enden in entgegengesetzte
Richtungen ein. Eine bevorzugte Vorrichtung, um das Bündel an
den Enden zu ziehen, ist ein mechanisches Prüfsystem wie etwa das mechanische Prüfsystem
Mini-Bionix 858 (MTS Systems Corp., Eden Prairie, MN). Nachdem die
Enden des Bündels
mit den Klemmbacken des mechanischen Prüfsystems festgeklemmt worden
sind, wird das Bündel
plastifiziert. Plastifizierungsmittel sind vorzugsweise Wasser oder
wässrige
Lösungen
oder Puffer wie etwa phosphatgepufferte physiologische Kochsalzlösung (PBS).
Es sind gepufferte Lösungen
mit niedrigem pH-Wert verwendet worden, um die Kollagenfäden mit
einer höheren
Geschwindigkeit als bei höherem
pH-Wert zu plastifizieren. Plastifizierungsmittel wie etwa Glycerol
oder andere hygroskopische Mittel, die im Fach bekannt sind, können möglicherweise
verwendet werden, jedoch muss, damit die Festigkeit nach der konditionierenden
Vorbehandlung erhalten bleibt, das Plastifizierungsmittel ebenfalls
entfernt werden.
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Wenn
die Bündel
plastifiziert sind, werden sie mittels des mechanischen Prüfsystems
gereckt, um ihnen eine Gesamtverformung von vorzugsweise ungefähr 20 bis
200%, insbesondere von ungefähr
50 bis 100%, zu verleihen. Das Dehnen kann stufenweise oder schrittweise
erfolgen, wobei beim Recken eine elastische Verformung von ungefähr 5 bis
10% aufgetragen wird, und vor einem weiteren Recken ein Entspannen ermöglicht wird,
wobei die Spannung in dem Konstrukt auf ungefähr 0,5 bis 0 Gramm pro Ende
absinkt. Alternativ (wie bei einem Kriechen) kann eine Zugbelastung
aufgebracht und beibehalten werden, während die Länge zunimmt. Vorzugsweise wird
der Spannung in dem Fadenbündel-Konstrukt
ein Entspannen oder Abbauen auf eine Belastung von annähernd Null
ermöglicht.
Je geringer die nach der Relaxation verbleibende Spannung ist, desto
größer wird
die Wirkung der Konditionierung im Hinblick auf eine Erhöhung der
Festigkeit sein.
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Das
mittels Spannungsrelaxation oder durch Kriechen konditionierte Konstrukt
wird vorzugsweise nach der konditionierenden Vorbehandlung vernetzt.
Ein Vernetzen verleiht den Kollagenfäden und Konstrukten, die Kollagen
enthalten, Festigkeit, Stabilität
und eine gewisse Haltbarkeit. Ein Vernetzen wird durch unzählige, dem
Durchschnittsfachmann bekannten Verfahren, einschließlich Lyophilisierung,
UV-Bestrahlung oder Inkontaktbringen des Konstruktes mit einem chemischen
Vernetzungsmittel, ausgeführt.
Im Fach sind verschiedene Arten chemischer Vernetzungsmittel bekannt,
die verwendet werden können,
wie etwa Acyl-Azid,
Hexamethylendiisocyanat, Bis-Imidate, Glyoxal, Polyglycerol-Polyglycidyl-Ether,
Adipylchlorid, Ribose und andere Zucker, Carbodiimide wie etwa Cyananmide
oder 1-Ethyl- 3(3-dimethylaminopropyl)carbodiimid-Hydrochlorid
(EDC), Aldehyde wie etwa Glutaraldehyd oder Formaldehyd und Oxidationsmittel.
Bevorzugte Vernetzungsmittel sind jene, die biokompatibles Material
bilden, das von Wirtszellen umstrukturiert werden kann. Ein bevorzugtes
Vernetzungsmittel ist EDC. Carbodiimide aktivieren Carboxylgruppen
an den Kollagenmolekülen,
die dann synthetische Peptidbindungen mit benachbarten Aminogruppen
bilden, wobei Harnstoff freigesetzt wird. Die EDC und Wasser enthaltende
Vernetzungslösung
kann außerdem
Aceton enthalten. In einer bevorzugten Ausführungsform wird dem Vernetzungsmittel
Sulfo-N-Hydroxysuccinimid zugesetzt (Staros, 1982). Doch brauchen
Vernetzungsmittel nicht auf diese Beispiele beschränkt zu werden,
sondern es können
auch andere dem Fachmann bekannte Vernetzungsmittel und -verfahren
verwendet werden.
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Die
Reißfestigkeitszunahme
von mittels Spannungsrelaxation konditionierten Kollagenfadenbündeln gegenüber nicht
mittels Spannungsrelaxation konditionierten Kollagenfadenbündeln ist
auf die verbesserte Ausrichtung und die Verkleinerung der Gesamtquerschnittsfläche (d.h.
ein Dünnerwerden
der Fasern) zurückzuführen, die
durch das Recken bewirkt werden. Die Reißfestigkeitszunahme von mittels
Spannungsrelaxation konditionierten Kollagenfadenbündeln gegenüber Kontrollen
abgestimmter Denierzahl scheint auf die bessere Lastverteilung zurückzuführen sein,
da Länge,
Spannung und Orientierung innerhalb des Bündels einheitlicher werden.
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Die
hinsichtlich der Festigkeit verbesserten Kollagenfäden der
Erfindung werden vorzugsweise sterilisiert, bevor sie einem Patienten
oder Wirt implantiert oder transplantiert werden. Eine Sterilisierung
kann durch Anwenden von Gammastrahlung mit typisch 2,5 Mrad, Ethylenoxid
oder durch chemisches Sterilisieren erreicht werden. Ein bevorzugtes
Verfahren zum chemischen Sterilisieren des mittels Spannungsrelaxation
behandelten Kollagenkonstrukts ist der Kontakt des Konstrukts mit
verdünnter
Peressigsäurelösung auf
neutralem pH-Wert oder mit einer hohen Salzkonzentration. Verfahren,
um Kollagen zu sterilisieren, sind in dem US-Patent Nr. 5,460,962 beschrieben. Sterilisierungsmittel
und -verfahren werden durch diese Beispiele nicht eingeschränkt, sondern
es können
alternativ andere dem Fachmann bekannte Sterilisierungsmittel und
-verfahren verwendet werden.
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Außerdem können die
Kollagenfäden
mit Agenzien wie etwa pharmazeutischen Mitteln, Wachstumsfaktoren,
Hormonen, anderen Interzellularsubstanzen oder genetischem Material
beschichtet sein. Ein Aufschichten des Agens kann durch Tauchbeschichtung
oder chemische Bindung erzielt werden. Die Schichten können so
gewählt
sein, dass sie die Fähigkeit
des Konstrukts zur biologischen Umstrukturierung beeinflussen, indem
sie das Einwachsen von Wirtszellen fördern oder regulieren. Vor
einem Implantieren in einen Wirt oder Patienten können Zellen
auf den Fasern kultiviert werden, da Kollagen ein natürliches
Substrat ist, um Zellen zu binden.
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Die
folgenden Beispiele werden gegeben, um die Anwendung der vorliegenden
Erfindung besser zur erläutern;
sie dürfen
keineswegs als den Geltungsbereich der vorliegenden Erfindung einschränkend interpretiert
werden. Der Fachmann wird erkennen, dass an den hier beschriebenen
Verfahren verschiedene Modifikationen vorgenommen werden können.
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BEISPIELE
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Beispiel 1: Herstellung
von rekonstituierten Kollagenfäden
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Kollagenfäden wurden
entsprechend dem US-Patent Nr. 5,378,469 gebildet. Die Herstellung
von Kollagenfäden
wird nachstehend kurz beschrieben.
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A. Materialen und Gerätschaften
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- 1. Kollagen: Säureextrahiertes Kollagen, wie
im US-Patent Nr. 5,106,949 beschrieben aufbereitet, wurde bei 4°C in 0,05%-iger
Essigsäure
bei einer Konzentration von 5,0 mg/ml gelagert und vor der Verwendung entgast.
- 2. 140 cm3-Spritze (Becton Dickinson)
- 3. stumpfe Edelstahlnadel, Stärke 18 (Popper & Sons Inc.), mit
Silicon-Führungsrohr
und Brücke
- 4. Spritzenpumpe
- 5. eine 5,4864 Meter (18 Fuß)
lange PVC-Dehydratisierungswanne mit einem Durchmesser von 5,08
Zentimetern (2 Zoll) mit Masterflex-Pumpe und Norprene-Schlauchsystem
- 6. Dehydratisierungsmittel: hergestellt durch Mischen von 1200
g 8000 MW Polyethylenglycol (PEG-8000), 20 g einbasisches Natriumphosphat
(Monohydrat) und 71,6 g zweibasisches Phosophat (wasserfrei) in
ungefähr
4000 ml Wasser. Anschließend
wurde der pH-Wert
mit 1 N NaOH auf ungefähr
7,6 bis 7,8 eingestellt und bis zu einem Endvolumen von 6000 ml
Wasser zugegeben.
- 7. eine 1,8288 Meter (6 Fuß)
lange PVC-Spülwanne
mit einem Durchmesser von 5,08 Zentimetern (2 Zoll)
- 8. Spülmittel:
gereinigtes Wasser.
- 9. Trockenschrank mit Rollen und Warmluftgebläse
- 10. Waagrecht gewickelte Aufnahmespule
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B. Extrudieren
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In
eine Dehydratisierungswanne wurden ungefähr 5000 ml Dehydratisierungsmittel
gegossen, und die Umwälzpumpe
wurde in Gang gesetzt. Die Geschwindigkeit des Dehydratisierungsmittels
wurde auf ungefähr 5
cm/s gehalten, um eine laminare Strömung des Mittels über die
Länge der
Dehydratisierungswanne zu erzeugen.
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In
die Spülwanne
wurden ungefähr
400 ml Spülmittel
gegeben. Etwa 29,4 Zentimeter (12 Fuß) vom stromaufwärtigen Ende
entfernt wurde eine Nadel in dem Dehydratisierungsmittel platziert.
Der Kollagenspritzenzylinder wurde an der Spritzenpumpe angebracht,
die Pumpe auf eine Infusionsrate von ungefähr 2,5 ml/min eingestellt und
die Infusionspumpe in Gang gesetzt.
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Wenn
in der Dehydratisierungswanne genug loser Faden entstanden war,
wurde der Faden von Hand durch die Spülwanne geführt und über der ersten Rolle in dem
Trockenschrank angeordnet. Der Faden befand sich typisch ungefähr drei
Minuten lang in der Spülwanne.
Das Warmluftgebläse
wurde dann auf ungefähr
35 bis 40°C
eingestellt. Dann wurde der Kollagenfaden schrittweise, so wie er
trocknete, vorsichtig im Zickzack über den Rollen angeordnet.
Das freie Ende des gebildeten Fadens wurde auf die Aufnahmespule
gewickelt. Die Geschwindigkeit der Aufnahmespule war so eingestellt,
dass der aus dem Schrank herauskommende Faden bei einer Fingerprobe
trocken war.
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Es
ist ein zusammenhängender
Faden von mehreren Hundert Metern Länge hergestellt worden.
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Beispiel 2: Vergleich
von mittels Spannungsrelaxation konditionierten Bündeln mit
nicht mittels Spannungsrelaxation konditionierten Bündeln mit
einer unterschiedlichen Anzahl von Lagen
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Rekonstituierte
Kollagenfäden
wurden wie im Beispiel 1 beschrieben hergestellt. Fadenbündel aus
10, 50 und 200 Lagen wurden durch Wickeln eines Kollagenfadens um
zwei fest an einem Rahmen angebrachte Stifte hergestellt. An den
Stellen, an denen der Faden um die Stifte gewickelt war, wurden
die Fäden
mit einem Band gesichert, um eine Schlaufe zu bilden. An dem Band
wurden die Schlaufenenden aufgeschnitten, um ein Bündel von
Fäden zu
bilden, wobei jeder Faden ungefähr
die gleiche Länge
wie die anderen hatte. Die Spannungen der einzelnen Fäden waren
bei einem Vergleich über
dem Bündel
unterschiedlich.
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Für eine Prüfung der
Kollagenfadenbündel
wurde ein mechanisches Prüfsystem
Mini-Bionix 858
(MTS Systems Corp., Eden Prairie, MN) verwendet. Die Bündel wurden
in vertikal einander gegenüberliegenden Klemmbacken
befestigt, wobei die obere Klemmbacke nach oben und von der weiter
unten angeordneten ortsfesten Klemmbacke weg zieht. Ausgangswerte
der Reißfestigkeit
für trockene,
nicht vernetzte Bündel
wurden durch Ziehen der Bündel über die Zerreißgrenze
hinaus erhalten. Die Bündel
zerrissen allmählich,
ein Faden nach dem anderen, an vielen Stellen entlang der Messlänge.
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Um
eine Spannungs-Dehnungs-Kurve zu entwickeln wurden Bündel in
den Probenhaltern des mechanischen Prüfsystems befestigt und mit
phosphatgepufferter physiologischer Kochsalzlösung (PBS) durchtränkt. Die
Bündel
wurden schrittweise bis zu einer Gesamt-Formänderung von ungefähr 50% der
Ausgangswerte gedehnt, und es wurde ein Entspannen auf eine Belastung
von null zugelassen. Dann wurden die Bündel in gereinigtem Wasser
gespült
und trocknen gelassen. Alle Bündel
wurden mit 2,5% Glutaraldehyd quervernetzt, mit Wasser gespült und luftgetrocknet.
An den mit PBS plastifizierten Bündeln
wurde eine mechanische Prüfung
mit einer Dehngeschwindigkeit von ungefähr 50%/min durchgeführt, die
Höchstbelastung
wurde registriert.
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Auf
die Denierzahl abgestimmte Kontroll-Konstrukte wurden wie oben beschrieben
hergestellt, um Konstrukte gleicher Denierzahl mit den sich ergebenden,
durch Dehnen konditionierten Konstrukten zu vergleichen. Durch Dehnen
konditionierte (SC) Proben wurden mit nicht durch Dehnen konditionierten
(NSC) Proben und auf die Denierzahl entsprechend der Größe nach
der Vorbehandlung abgestimmten Kontrollen (DMC) verglichen. Die
Daten wurden mittels Student-t-Test mit Signifikanzniveaus von p > 0,05 ("ns" bedeutet nicht signifikant),
p < 0,05, p < 0,01 und p < 0,001 analysiert.
Die Ergebnisse sind in der Tabelle 1 dargestellt.
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Die
Erhöhung
der Reißfestigkeit
der durch Dehnen konditionierten (SC) Bündel gegenüber nicht durch Dehnen konditionierten
(NSC) Bündeln
scheint an der verbesserten Faserausrichtung und der Verkleinerung der
Gesamtquerschnittsfläche
(d.h. dem Dünnerwerden
der Faser) zu liegen, die durch die Dehnungsbehandlung hervorgerufen
worden sind. Die Erhöhung
der Reißfestigkeit
der durch Dehnen konditionierten (SC) Bündel gegenüber den auf die Denierzahl
der Größe nach
der Konditionierung abgestimmten Kontrollen (DMC) scheint an der
verbesserten Lastverteilung zu liegen, wenn Länge, Spannung und Orientierung
innerhalb des Bündels
einheitlicher werden. Die Anwendung dieser Ergebnisse kann die mechanischen
Eigenschaften eines Kollagen enthaltenden Kreuzbandersatzes verbessern
und eine Grundlage für
die Entwicklung weiterer Implantatarten mit verbesserten mechanischen
Eigenschaften bieten.
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Beispiel 3: Vergleich
zwischen konditionierten und nicht konditionierten Kollagenfadenbündeln
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Rekonstituierte
Kollagenfäden
wurden wie im Beispiel 1 beschrieben hergestellt. Es wurden Bündel durch
Wickeln von 20 Lagen (20 Fäden)
eines 50-Denier-Kollagenfadens um einen Rahmen, Sichern der Enden
mit Band und Aufschneiden des Bandes hergestellt. Zuerst wurden
trockene Proben geprüft,
um einen Basislinienwert der Reißfestigkeit des nicht konditionierend
vorbehandelten Konstrukts zu erhalten, dies entspricht der eigentlichen
Trockenfestigkeit der Probe. Die Bündel zerrissen allmählich, ein
Faden nach dem anderen, an vielen Stellen entlang der Messlänge, wobei
dies als Wert für
die Grenzlast (maximale Last vor dem Abreißen) diente.
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Das
Bündel
wurde dann in den pneumatischen Backen-Probenhaltern eines mechanischen
Prüfsystems
Mini-Bionix 858 (MTS Systems Corp., Eden Prairie, MN) befestigt,
und die Proben (ungefähr
50 mm Messlänge)
wurden mit PBS besprüht.
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Das
Bündel
wurde dann bis zur Sättigung
mit gereinigtem Wasser gespült
und bei Raumtemperatur trocknen gelassen. Das Bündel wurde durch Sättigen des
Konstrukts mit 2,5% Glutaraldehyd in PBS quervernetzt, mit gereinigtem
Wasser gespült
und trocknen gelassen. Auf die Mittensubstanz der Messprobe wurde Band
aufgebracht, und sie wurde wieder mit einer ungefähren Messlänge von
50 mm in dem MTS-System befestigt. Die Probe wurde mit PBS plastifiziert
und dann mit einer Dehegeschwindigkeit von ungefähr 50%/Minute auf ein Zerreißen geprüft.
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Nicht
konditionierte Kontrollproben wurden auf völlig gleiche Weise behandelt
und geprüft,
nur dass sie keiner Konditionierung unterzogen wurden.
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Die
Ergebnisse der mechanischen Prüfung
sind in der Tabelle 2 dargestellt, wobei nicht konditionierte Proben
mit konditionierten Proben verglichen werden. Die Querschnittsfläche eines
einzelnen nicht konditionierten, feuchten, vernetzten Fadens betrug
ungefähr
0,006 mm2.
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Verglichen
mit nicht konditionierten Kontrollproben zeigten Konstrukte, die
konditioniert waren, eine Reißfestigkeit,
die viel höher
war, nämlich
ungefähr
doppelt so hoch. Außerdem
weisen mit Spannungsrelaxation behandelte Bündel eine viel höhere Packungsdichte
auf, da die Fäden
dichter zusammengepackt sind.
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Beispiel 4: Große Bündelkonstrukte
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Es
wurden Kollagenfadenbündel
mit insgesamt ungefähr
510 Lagen wie zuvor beschrieben konditioniert. Die Gesamt-Formänderung
bei der Konditionierung betrug durchschnittlich ungefähr 26,7%,
so dass die effektive Denierzahl auf einen Durchschnitt von ungefähr 40,4
pro Ende (20182 insgesamt) in dem Bündel reduziert wurde. Die Kontrollen
wurden ohne Dehnungskonditionierung sowohl trocken als auch mit
PBS angefeuchtet geprüft.
Es wurden Zugtests an mit Glutardialdehyd vernetzten Proben nach
einen Plastifizieren der Fäden
mit PBS ausgeführt.
Die Ergebnisse sind in der Tabelle 3 dargestellt.
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Wie
bei anderen Prüfungen
an ähnlich
bemessenen Materialien trat das Reißen oftmals an den Klemmbacken
auf; deshalb sollten die Festigkeiten als Minimalwerte angesehen
werden.
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Die
Nassreißfestigkeitswerte
dieser großen
Bündel
zeigten im Mittel eine Zunahme von 17,9% nach einem Benetzen mit
gewöhnlicher
PBS und Trocknen. Diese Zunahme ist wahrscheinlich auf eine verbesserte Kohäsion innerhalb
des Bündels
nach einem Benetzen zurückzuführen. Im
Vergleich zu benetzten Kontrollen erhöhte die Dehnungskonditionierung
des Bündels
die Höchstbelastung
nur um etwa 14,2%, erhöhte
jedoch gleichzeitig die Nassreißfestigkeit
um etwa 40,9% – eine
viel größere Spanne.
Im Vergleich zu trockenen Kontrollen bewirkte die Konditionierung
eine deutliche Erhöhung
der Höchstbelastung
(ungefähr
33,3%) und eine noch größere Zunahme
der Nassreißfestigkeit
(ungefähr
64,7%). Die Festigkeitszunahmen sind sowohl auf die Verringerung
der Gesamt-Denierzahl nach der Konditionierung als auch auf die
Erhöhung
der Höchstbelastung
zurückzuführen.
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Es
ist gezeigt worden, dass eine Konditionierung mittels Spannungsrelaxation
die Nassreißfestigkeit von
Kollagenfadenbündeln
bis zu einem Gehalt von 500 Lagen erhöht. Diese Zunahme kann zwei
Faktoren zugeschrieben werden: (1) einer Abnahme der Gesamt-Denierzahl
des Konstrukts, die sich aus der konditionierenden Dehnung bzw.
Formänderung
ergibt, (2) einer Zunahme der Höchstbelastung.
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Obwohl
die vorangehende Erfindung zur Veranschaulichung und als Beispiel
zum Zwecke der Klarheit und des Verständnisses ausführlich beschrieben
worden ist, wird für
den Fachmann offensichtlich sein, dass im Rahmen der beigefügten Ansprüche bestimmte Änderungen
und Modifikationen vorgenommen werden können.