DE4415532C2 - Verfahren zur Erhitzung eines Gutes - Google Patents
Verfahren zur Erhitzung eines GutesInfo
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf die Erhitzung eines Gutes gemäß Patentanspruch 1.
Bei einer ungeregelten Erhitzungsvorrichtung handelt es sich um eine Steuerung. Der Anwender schätzt
die erforderliche Wärmemenge und stellt die Energiezufuhr entsprechend ein. Die im System
enthaltenen Energiespeicher machen das System träge und schwer einschätzbar. Bei einer
Fehleinschätzung der erforderlichen Energiezufuhr wird die gewünschte Temperatur über- oder
unterschritten.
Die geregelte Erhitzungsvorrichtung mit Temperaturfühler hält die Temperatur an der Stelle, an der der
Temperaturfühler angebracht ist, konstant. Die spezifischen thermodynamischen Eigenschaften des
Gutes werden nicht automatisch berücksichtigt. Der Anwender muß eingreifen, um den Erhitzungs- und
Konstanthaltevorgang zu optimieren.
Die geregelte Erhitzungsvorrichtung mit Erhitzungsautomatik erhitzt zunächst mit voller Energiezufuhr
und drosselt danach die Energiezufuhr für die Konstanthaltephase. Auf diese Weise wird der
Erhitzungsvorgang gegenüber dem einfachen Zweipunktregler beschleunigt. Der Anwender muß jedoch
die thermodynamischen Eigenschaften des Gutes schätzen und den Regler entsprechend einstellen.
Die oben beschriebenen Vorgehensweisen beruhen darauf, daß der Mensch als optimaler Regler die Zeit
zum Anheizen selbst aus der durch den täglichen Gebrauch der Erhitzungsvorrichtung gewonnenen
Erfahrung heraus schätzt. Aufgrund dessen muß der Anwender das Verhalten jeder verwendeten
Erhitzungsvorrichtung in Verbindung mit unterschiedlichem Gut zunächst erlernen.
Das in DE 41 15 489 A1 beschriebene Verfahren interpoliert den mit Hilfe einer beweglichen Meßsonde
am Gut gemessenen Kerntemperaturverlauf, um den optimalen Zeitpunkt zur Abschaltung der
Energiezufuhr zu berechnen. Dabei wird vorausgesetzt, daß der Temperaturverlauf nach Abschalten der
Energiezufuhr noch für einen Zeitraum von ca. 10 Minuten in gleicher Weise steigend sein Maximum
erreicht. Das Verfahren geht davon aus, daß lediglich die Last variabel ist, nicht die Wärmeverluste. Bei
der Regelung von Kochplatten ist jedoch beispielsweise ein signifikanter Unterschied feststellbar, ob ein
Topf mit oder ohne geschlossenen Deckel erhitzt wird.
Der Einsatz eines Temperatursensorspießes ist außerdem bei der Herstellung, der Bedienung und der
Pflege aufwendiger als ein fest eingebauter Sensor an der wärmeabgebenden Oberfläche.
Das in DE 35 30 401 A1 beschriebene Verfahren zur automatischen Regelung, das ohne eine Meßsonde
zur Ermittlung der Temperatur des Gutes auskommt, basiert auf den spezifischen Eigenschaften von
Wasser (Latenz) und ist daher nur zur Regelung eines Ankochvorgangs geeignet. Die
Vorgabetemperatur ist hierbei zwangsläufig der Siedepunkt. Häufig ist jedoch das Erreichen des
Siedepunktes nicht erwünscht, beispielsweise zum Schmelzen von Fett oder Pasteurisieren von
Lebensmitteln. Dieses Verfahren optimiert nicht den Ankochvorgang auf kürzestmögliche Dauer und
setzt voraus, daß der Anwender die angemessene Heizleistung abschätzt und dem Regler vorgibt.
Das in DE 37 36 005 A1 beschriebene Verfahren erkennt drei verschiedene Wärmekapazitäten des
Gutes. Den drei Wärmekapazitäten ist jeweils eine Heizstufe zugeordnet. Eine geringe Last wird mit
einer niedrigeren Energiezufuhr aufgeheizt. Das Verfahren optimiert also nicht den zeitlichen Verlauf
des Anheizens, d. h. die Vorgabetemperatur wird nicht in der kürzestmöglichen Zeit erreicht.
Darüber hinaus wird bei diesem Verfahren die am Keramikkochfeld gemessene Temperatur konstant
gehalten. In der Praxis gibt es jedoch einen deutlichen Temperaturunterschied zwischen Kochplatte und
Kochgut im Inneren des Topfes. Laständerungen nach der Anheizphase, in der die Wärmekapazität
identifiziert wurde, werden lediglich durch den Zweipunktregler ausgeregelt, haben jedoch keinen
Einfluß auf die Wahl der Kochstufe. In der Praxis treten erhebliche Laständerungen u. a. durch Öffnen
oder Schließen des Topfdeckels oder durch Hinzufügen von kaltem Wasser auf.
Das in DE 33 42 416 C1 beschriebene Verfahren ist auf das Erreichen und Einhalten des Siedepunktes
bei Dampfdruckgefäßen ausgelegt. Eine andere Temperatur kann beim Anheizen nicht eingestellt
werden. Die Zieltemperatur wird erst nach mehreren Einschaltintervallen erreicht. Die vom Anwender
vorgegebene Temperatur bezieht sich auf das Kochgefäß, nicht auf das Gut. Auch bei diesem Verfahren
wird nach Erreichen der Solltemperatur die Temperatur an der Meßstelle, nicht jedoch die Temperatur
des Gutes konstant gehalten.
Bei der manuellen Steuerung der Kochplatte, ist es schwierig, den richtigen Abschaltzeitpunkt zu
finden, da er von vielen Faktoren, in erster Linie von der Menge des Wassers und der Nudeln abhängt.
Wird zu früh abgeschaltet, kommt das Wasser nicht zum Sieden. Wird dagegen zu spät abgeschaltet,
kommt es zu unnötiger Dampfentwicklung, es wird Energie verschwendet und eventuell kocht das
Wasser über. Häufig ist es bei zu spätem Abschalten sogar erforderlich, den Topf von der Kochplatte zu
entfernen, um das Überkochen zu beenden. Dies beruht auf der Trägheit des Systems, die durch die
Wärmekapazität der Kochplatte bedingt ist. Die in der Kochplatte gespeicherte Wärme wird dann
ungenutzt an die Umgebungsluft abgegeben.
Aus der Schwierigkeit, das oben beschriebene Verfahren manuell durchzuführen, ergab sich die
Aufgabe ein Verfahren zur Erhitzung eines Gutes weiterzubilden, das vom Anwender
keinerlei Abschätzung von Systemparametern abverlangt.
Die Anforderung des Anwenders ist es in der Regel, das Gut in minimaler Zeit bei optimalem
Energieaufwand auf eine bestimmte Temperatur zu erhitzen. Die einzige Vorgabegröße, die dabei nicht
automatisch bestimmt werden kann, ist die Vorgabetemperatur. Sämtliche für die Regelung sonst noch
erforderlichen Parameter wie Wärmekapazität des Gutes, Wärmeverluste der Erhitzungsvorrichtung und
zuzuführende Energie können von der Automatik des Systems selbst ermittelt werden.
Es ergeben sich bei dem vorgestellten Verfahren vor allem folgende Vorteile:
- 1. Energiesparen (kein Wegnehmen des Topfes nötig)
- 2. Systemidentifikation (Automatisches anpassen an unterschiedliche Lasten sowie Lastschwankungen)
- 3. Kompensierung äußerer Einflüsse
- 4. Schutz vor Überhitzen im Leerlauf
- 5. Akzeptanz beim Benutzer durch einfache Bedienung.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 schematische Darstellung der Erhitzungsvorrichtung
- 1. Erhitzungsvorrichtung
- 2. Bedienungselement zur Eingabe der Solltemperatur von 0° bis 150°C
- 3. Temperatursensor an der Kochplatte
- 4. Gut (Nahrungsmittel und Behälter)
- 5. Elektronischer Regler
- 6. Stellglied (Energiezufuhr der Kochplatte)
Fig. 2 schematische Darstellung des Regelkreises
Fig. 3 Erhitzung einer Kochplatte mit leerem Behälter
- 1. Temperatur der Kochplatte (obere Kurve)
- 2. Temperatur im Inneren des Topfes (untere Kurve)
Fig. 4 Erhitzung der Kochplatte mit vollem Behälter
- 1. Temperatur der Kochplatte (obere Kurve)
- 2. Temperatur im Inneren des Topfes (untere Kurve)
Das Verfahren setzt voraus, daß die Übertragungsfunktion der Erhitzungsvorrichtung Pp(s) bekannt ist.
Die Übertragungsfunktion kann für die jeweilige Bauart der Erhitzungsvorrichtung einmalig bei der
Entwicklung ermittelt werden. Das Ergebnis dient danach als fest vorgegebener Wert bei der
Durchführung der adaptiven Regelung zur Vereinfachung des Algorithmus.
Die folgende Formel (Gl. 1) beschreibt die Übertragungsfunktion des Guts Pg(s) im komplexen
Frequenzbereich.
Die Regelung erfolgt nach Fig. 2. Die Solltemperatur Tv(t) wird mit einem linearen Stellglied
kontinuierlich eingestellt. Die Temperatur Tp(t) der Kochplatte wird gemessen. Die Energie ud(t), die
mit dem Stellglied zugeführt wird, ist bekannt und muß daher nicht gemessen werden.
Die Energiezufuhr ist in Fig. 3 im Zeitintervall te < t = < ta dargestellt.
Die folgende Formel (Gl. 2) beschreibt die Übertragungsfunktion Ps(s) der Erhitzungsvorrichtung mit
dem Gut im komplexen Frequenzbereich.
Durch das Einsetzen von Tg(s) aus Formel (Gl. 1) in die Formel (Gl. 2) erhält man nach wenigen
einfachen Rechenschritten die Formel (Gl. 3).
Die Differentialgleichung (Gl. 3) kann u. a. mit der Yule Walker Gleichung oder durch Variation der
Konstanten iterativ gelöst werden.
Nachdem die Übertragungsfunktion des Systems Ps(s) identifiziert ist (siehe Fig. 2), d. h. die
Übertragungsfunktionen der Kochplatte Pp(s) und des Gutes Pg(s) bekannt sind, kann der
Temperaturverlauf des Gutes vorausberechnet werden (Gl. 4). Die Erhitzungsphase beginnt zum
Zeitpunkt te (siehe Fig. 3 und Fig. 4) mit dem Einschalten der Energiezufuhr. Der Abschaltzeitpunkt ta
wird so bestimmt, daß das zu erhitzende Gut die vorgegebene Temperatur Tv(t) erreicht, ohne sie zu
überschreiten.
Nach dem Abschalten der Energiezufuhr erfolgt ein Temperatur-Ausgleich zwischen Kochplatte und
Last, siehe Fig. 3 im Zeitraum t=7 Min - 9 Min. Die Temperatur des Gutes nimmt bis zur
Vorgabetemperatur zu, während die Temperatur der Kochplatte abnimmt. Die Erhitzungsphase endet,
wenn das Gut die Vorgabetemperatur erreicht hat.
Die Regelung nach der Konstanthaltephase erfolgt analog der Erhitzung beim Anheizen. Die
Übertragungsfunktionen werden erneut ermittelt und Lastschwankungen werden berücksichtigt.
Thermische Verluste führen nach der Abschaltung der Energiezufuhr zur Abnahme der Temperatur des
Gutes und müssen durch erneute Energiezufuhr ausgeglichen werden.
Die Energiezufuhr wird wieder eingeschaltet, wenn die vorausberechnete Temperatur des Gutes Tg(t)
die Solltemperatur Tv(t) um einen bestimmten Wert (z. B. 2%) unterschreitet und die gemessene
Temperatur an der wärmeabgebenden Oberfläche die vorausberechnete Temperatur Tp(t) nicht
übersteigt. Durch die letztgenannte Bedingung soll verhindert werden, daß der Regelkreis bei einer
Lastreduzierung übersteuert.
Die Energiezufuhr wird ebenfalls wieder eingeschaltet, wenn die tatsächlich an der wärmeabgebenden
Oberfläche gemessene Temperatur die vorausberechnete Temperatur Tp um einen bestimmten Wert
(z. B. 2%) unterschreitet. Dieser Fall tritt ein, wenn die Last sich vergrößert, beispielsweise durch
Zufügen von Speisen oder Wasser in den Kochbehälter.
Für die Berechnung des Abschaltzeitpunktes gilt das Kapitel "Regelung während des Anheizvorgangs"
entsprechend.
Aus der vorstehenden Beschreibung geht hervor, daß wesentliche Eigenschaften einer
Erhitzungsvorrichtung verbessert worden sind. Die Dauer der Erhitzungsphase wird reduziert. Dies
führt zur Einsparung von Energie und Arbeitszeit.
Eine Erhitzung des Gutes mit einer höheren Temperatur als der gewünschten wird ausgeschlossen. Das
zu erhitzende Gut wird schonender behandelt. Ein unkontrolliertes Aufheizen im Leerlauf, das bei
herkömmlicher Regelung zur Zerstörung der Erhitzungsvorrichtung führt und einen Brand auslöst, ist
unterbunden.
Die Einarbeitungszeit, bis der Anwender das Verhalten der Erhitzungsvorrichtung kennt und durch
kontinuierliche Beobachtung der Regelung von Hand durchführt, entfällt.
Das Verhalten ist allgemein einsetzbar und mit Standard-Bauelementen (u. A. Temperaturfühler,
Mikrocontroller und Digital/Analogwandler) realisierbar.
Im folgenden sind die verwendeten Formelzeichen angegeben.
Pp(s) = Übertragungsfunktion der Erhitzungsvorrichtung
Pg(s) = Übertragungsfunktion des Gutes
Ps(s) = Übertragungsfunktion des Gutes und der Erhitzungsvorrichtung
Tv(t) = Führungsgröße (Solltemperatur)
Tp(t) = Ausgangsgröße (Temperatur der Kochplatte)
Tg(t) = Temperatur des Gutes
ud(t) = Stellgröße
te = Einschaltzeitpunkt
ta = Abschaltzeitpunkt
Pg(s) = Übertragungsfunktion des Gutes
Ps(s) = Übertragungsfunktion des Gutes und der Erhitzungsvorrichtung
Tv(t) = Führungsgröße (Solltemperatur)
Tp(t) = Ausgangsgröße (Temperatur der Kochplatte)
Tg(t) = Temperatur des Gutes
ud(t) = Stellgröße
te = Einschaltzeitpunkt
ta = Abschaltzeitpunkt
Claims (2)
1. Verfahren zur Erhitzung eines Gutes unter Verwendung einer
Erhitzungsvorrichtung mit vorbestimmter Übertragungsfunktion Pp(s) mit folgenden
Verfahrensschritten:
- a. Stufenloses Einstellen der Solltemperatur Tv.
- b. Einschalten einer konstanten Energiezufuhr.
- c. Messen der Temperatur Tp(t) an der Heizfläche mittels eines Temperatursensors.
- d. Berechnung der Systemübertragungsfunktion Pg(s) aus der Übertragungsfunktion Pp(s) der Erhitzungsvorrichtung und dem Temperaturverlauf Tp(t) auf der Heizfläche.
- e. Berechnung des Temperaturverlaufs des Gutes Tg(t), den er bei sofortigem Abschalten der Energiezufuhr nehmen würde.
- f. Wiederholung der Schritte b-d, bis das Maximum des vorausberechneten Temperaturverlaufs des Gutes Tg(t) die Solltemperatur Tv erreicht.
- g. Abschalten der Energiezufuhr.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
in einer Konstanthaltephase jeweils die Verfahrensschritte
b-g wiederholt werden, wenn die
vorausberechnete Temperatur des Gutes Tg(t)
die Solltemperatur Tv(t) um einen bestimmten Wert unterschreitet.
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- 1994-05-03 DE DE19944415532 patent/DE4415532C2/de not_active Expired - Fee Related
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