DE3207635C2 - - Google Patents

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Description

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Behandlung von karnallitischen Mineralien zur Gewinnung des in diesen enthaltenen Kaliumchlorids.
Der Karnallit ist ein Salz mit der Zusammensetzung KCl, MgCl₂, 6 H₂O. Man findet ihn in Verunreinigungsform in mehr oder weniger großer Menge in bestimmten Kali­ lagerstätten. Er kann das Hauptmineral anderer Lager­ stätten darstellen. Andererseits kristallisiert er aus natürlichen Salzlösungen. Er ist stets von einer bestimmten Natriumchloridmenge begleitet.
Zur Behandlung des Karnallits welchen Ursprungs auch immer bringt man ihn in Kontakt mit einer Mutter­ lösung zur Zersetzung des Kristallgefüges. Die Zer­ setzungsmutterlösung hat eine derartige Zusammensetzung an MgCl₂, KCl und NaCl, daß eine Ausfällung von Kalium- und Natriumchlorid innerhalb einer an KCl und NaCl gesättigten Magnesiumchloridlösung stattfindet. Nach der Zersetzung erfaßt man also in fester Form ein allgemein "künstlicher Sylvinit" genanntes Gemisch von Natrium- und Kaliumchlorid. Man behandelt diesen Sylvinit in bekannter Weise durch Flotation oder Auf­ lösung, um das Kaliumchlorid mit einem handelsüblichen Gehalt an KCl zu erhalten.
Wenn sich der Karnallit in Form einer karnalli­ tischen Lagerstätte findet, kann man die Lagerstätte durch die dem Mineral angepaßten Bergbautechniken abbauen und dann das Mineral über Tage durch Zer­ setzung im Kontakt mit einer Mutterlösung behandeln, um den künstlichen Sylvinit zu erhalten. Man hat auch vorgeschlagen, den Karnallit im Grund des Berg­ werks durch Einspritzen einer Mutterlauge solcher Zusammensetzung in die Lagerstätte aufzulösen, daß der Karnallit ohne Zersetzung aufgelöst wird. Die erhaltene Lösung wird dann über Tage gepumpt und danach durch Verdampfung konzentriert, um den Karnallit wieder auskristallisieren zu lassen. Man behandelt dann den ausgeschiedenen Karnallit wie oben beschrieben, um einen künstlichen Sylvinit zu erhalten. Beim Auflösungsverfahren im Bergwerk ist der Verbrauch an Salzlösung erheblich, und folglich ist die zur Verdampfung dieser Salzlösung und zur Wiederaus­ kristallisation des Karnallits erforderliche Energie beträchtlich.
Zur Vermeidung der Verwendung erheblicher Salz­ lösungsmengen, die man anschließend konzentrieren muß, hat man versucht, die Zersetzung des Karnallits im Bergwerk vorzunehmen und den künstlichen Sylvinit direkt aus dem gebildeten Hohlraum abzuziehen. Doch scheidet sich dabei der Sylvinit an den Wänden und am Boden des Hohlraumes ab und entgeht anschließend, von örtlichen Ausnahmen abgesehen, jedem Versuch einer Wiederaufschwemmung oder eines Wiedersuspen­ dierens. Diese Technik ermöglicht also hier nur Gewinnung des Magnesiumchlorids und des Kalium­ chlorids, die sich in der Zersetzungssalzlösung des Karnallits gelöst haben.
Das Kaliumchlorid, das man so gewinnen kann, stellt nur 15 bis 20% der gesamten im behandelten Mineral enthaltenden Menge dar.
Aus der DE-AS 12 32 892 ist ein kombiniertes Zerset­ zungs-Flotationsverfahren zur Herstellung hochwertiger, sulfatischer Kalidüngesalze aus karnallitischen Mischroh­ salzen bekannt, bei dem das Mischrohsalz mit einer außer MgCl₂, KCl und NaCl noch MgSO₄ enthaltenden Zersetzungs­ lösung behandelt wird, wonach diese zusammen mit dem Zersetzungskaliumchloridschlamm einer Zersetzungschlorkalium­ flotation unterworfen wird, bei der Fettamin SP als Flota­ tionsreagens dient und ein Konzentrat erhalten wird, das außer KCl, NaCl und MgCl₂ noch MgSO₄ und CaSO₄ enthält.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Behandlung von karnallitischem Mineral zu ent­ wickeln, das die praktisch vollständige Gewinnung des durch Zersetzung einer karnallitischen Lagerstätte in situ erhaltenen Sylvinits ermöglicht.
Gegenstand der Erfindung, womit diese Aufgabe gelöst wird, ist ein Verfahren zur Behandlung von karnallitischem Mineral, bei dem man das Mineral in Kontakt mit einer Zersetzungssalzlösung bringt, die einen geeigneten Gehalt an MgCl₂, KCl und NaCl aufweist, damit sich eine Ausfällung von künstlichem Sylvinit innerhalb einer an NaCl und KCl gesättigten Magnesiumchloridlösung ergibt, und bei dem man der Zersetzungssalzlösung einen Flotations­ sammler, insbesondere auf Fettaminbasis, zur Gewinnung des Kaliumchlorids zusetzt, mit dem Kennzeichen, daß man der Zersetzungslösung außerdem einen zur Hervorrufung einer Gasabgabe in der Salzlösung geeigneten Zusatzstoff zusetzt.
Ausgestaltungen dieses Verfahrens sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
Man hat tatsächlich festgestellt, daß sich der Sammler am Kaliumchloridkeim festlegt, wenn sich dieser infolge der Zersetzung des karnallitischen Minerals bildet. Man erhält so direkt ein gleichzeitig hydro­ phobes und aerophiles Kaliumchloridkorn. Andererseits legen sich die durch die Gasabgabe gebildeten Blasen vorzugsweise an dem durch den Sammler aerophil gemachten Kaliumchlorid fest und führen es mit NaCl zur Ober­ fläche der Salzlösung.
Dieses Verfahren kann in allen Anlagen angewandt werden, wo man ein karnallitisches Mineral in einer Salz­ lösung zersetzt, um eine Ausfällung von künstlichem Sylvinit zu erhalten. Tatsächlich hat dieses Verfahren den Vorteil, gleichzeitig die Zersetzung des Karnallits und die Abtrennung des Sylvinits zu ermöglichen. Es ist besonders vorteilhaft, wenn man die Zersetzung des Minerals in situ durchführt. Man leitet dann zur Ober­ fläche eine Sylvinittrübe, die Natrium- und Kalium­ chlorid enthält, die im Lauf der Zersetzung ausgeschieden wurden. Es ergibt sich also eine Vorkonzentration des Sylvinits im Hohlraum, und folglich ist der über Tage aufgestiegene Sylvinit angereichert.
Der Kaliumchlorid-Sammler kann jeder zur Flotations­ behandlung des Sylvinits bekannte Sammler sein. Er ist z. B. ein Fettamin oder ein Gemisch von Fettaminen mit C₁₂ bis C₂₀ oder ein Salz dieser Amine oder Amingemische. Dieses Salz ist insbesondere das Chlorhydrat oder das Azetat.
Der zur Hervorrufung einer Gasabgabe in der Salz­ lösung geeignete Zusatzstoff kann ein Bikarbonat, ein Azonitril, ein N-nitrosoabkömmling oder ein Peroxid in justiertem Medium sein. Man verwendet ganz besonders ein industrielles Produkt, das mit den Bestandteilen des Minerals nicht reagiert, wie z. B. Wasserstoff­ peroxid, beispielsweise in Form von mit Sauerstoff angereichertem Wasser. Es ist zu bemerken, daß die Zersetzung des Wasserstoffperoxids durch die starke Ionenkonzentration der Salzlösung begünstigt wird.
Die verwendeten Sammlermengen sind allgemein 200 bis 3000 g je t extrahiertes KCl.
Die Mengen an zur Hervorrufung einer Gasentwicklung in der Salzlösung geeignetem Zusatzstoff sind von einem Zusatzstoff zum anderen variabel. Im Fall des mit Sauer­ stoff angereicherten Wassers betragen sie etwa 10 bis 100 kg H₂O₂ je t extrahiertes KCl.
Falls man die Zersetzung des karnallitischen Minerals in situ durchführt, spritzt man in den Hohlraum ent­ weder getrennt oder in einer gemeinsamen Leitung einer­ seits die Salzlösung und andererseits den Sammler und den zur Hervorrufung einer Gasentwicklung in der Salzlösung geeigneten Zusatzstoff ein.
Der Sammler und die Gasblasen legen sich vorzugsweise am ausgefällten KCl fest und führen es mit NaCl in Schaumform zur Oberfläche der Salzlösung im Hohlraum. Dieser Schaum wird durch den aufsteigenden Salzlösungs­ strom mitgerissen, der durch eine hierfür vorgesehene Leitung nach oben geführt wird. Über Tage trennt man den Schaum von der Salzlösung. Der den künstlichen Sylvinit enthaltende Schaum wird entweder durch ein­ faches Waschen oder durch andere bekannte Verfahren an KCl angereichert, um ein KCl mit handelsüblichem Gehalt zu erhalten.
Ein Teil der vom Schaum abgetrennten Salzlösung kann in den Hohlraum wieder eingespritzt werden, um einen geeigneten aufsteigenden Strom zu sichern. Dieser Umlauf ermöglicht ebenso die Wiedereinspritzung von Mengen des Sammlers oder des zur Hervorrufung einer Gasabgabe geeigneten Zusatzstoffes, die nicht reagiert haben, und damit eine Begrenzung des Reagenzienver­ brauchs.
Die folgenden Beispiele ermöglichen ein besseres Verständnis der Erfindung.
Beispiel 1
Man führt eine Grobzerkleinerung von 100 g Karnallit der mittleren Zusammensetzung:
MgCl₂|31,7%
KCl 24,8%
H₂O 36,0%
NaCl 7,5%
durch und mischt die erhaltenen Bruchstücke mit einer Lösung, die aus 45 cm³ Wasser, 3 cm³ von mit 110 Volumina Sauerstoff angereichertem Wasser und 2 cm³ 1%iger Fettaminazetatlösung zusammengesetzt ist, in einem Behälter. Zur Gewinnung des Sylvinits läßt man mit 500 cm³/h eine an KCl und NaCl gesättigte und 300 g/l MgCl₂ enthaltende Magnesiumsalzlösung zirkulieren. Man hält die Zusammensetzung der zirkulierenden Salzlösung konstant; es bildet sich ein Schaum, den man erfaßt und trocknet.
Man erhält so ein flotiertes getrocknetes Konzen­ trat mit der folgenden Gewichtszusammensetzung:
KCl|18,04 g
NaCl 0,25 g
MgCl₂ 0,72g
Das flotierte Konzentrat hat einen Gehalt von 92,5% KCl. Der getrocknete Rückstand hat die folgende Zusammensetzung:
KCl|3,25 g
NaCl 5,70 g
MgCl₂ 0,19 g
Das Ausbringen der KCl-Gewinnung im Verhältnis zu dem im Mineral vorliegenden KCl ist 72,5%.
Beispiel 2
In einem Block aus karnallitischem Material der Abmessungen 14 cm×19 cm×19 cm bohrte man ein Loch, in das man ein Rohr zum Einspritzen der Zersetzungs­ salzlösung und ein weiteres zur Herausführung der Zersetzungsaufschwemmung einsetzte. Man spritzte in den Hohl­ raum mit 420 cm³/h eine Magnesiumsalzlösung mit der folgenden Zusammensetzung ein:
MgCl₂|252 g/l
KCl 59 g/l
NaCl 56 g/l
der man 18 cm³ einer Lösung zusetzte, die volumenmäßig 6% von mit 110 Volumina Sauerstoff angereichertem Wasser, 20% einer 1%igen Fettaminazetatlösung und 74% Wasser enthielt.
Man brach den Versuch ab, als die Auflösung die Seitenwand des Blocks nach Auflösung von 1,6 kg des Minerals erreichte. Die Bilanz ist die folgende:
Zersetztes Mineral 1600 g, d. h.
MgCl|507,2 g
KCl 396,8 g
NaCl 120,0 g
H₂O 576,0 g
Flotiertes getrocknetes Konzentrat 300 g, d. h.
KCl|254,6 g
NaCl 29,8 g
MgCl₂ 21,3 g
(Kristallisations-) @ H₂O 24,3 g
Gehalt an KCl 77%
Wegwerfmutterlauge @ MgCl₂ 301 g/l
KCl 45 g/l
NaCl 36 g/l
H₂O 888 g/l
Das Ausbringen der KCl-Gewinnung im Verhältnis zum zersetzten Mineral ist 64,2%.
Beispiel 3
In einen Block aus karnallitischem Mineral der Abmessungen 18×18×20 cm bohrt man ein Loch von 3,2 cm Durchmesser bis 1-2 cm vom Boden des Blocks; in dieses Loch setzt man zwei Einspritzrohre, das eine für die Zersetzungslösung und das andere für die Reagenzien, und ein Rohr zur Extraktion der Auf­ schwemmung ein.
Man spritzt mit 3 cm³/h die Lösung der Reagenzien, die aus:
20 cm³ H₂O₂ zu 110 Volumina
35 cm³ 1%ige Fettaminazetatlösung
30 cm³ H₂O
besteht, und mit 400 cm³/h die Zersetzungslösung ein, die aus:
  7 cm³/h H₂O
483 cm³/h Umlaufmutterlauge mit der folgenden Anfangs­ zusammensetzung besteht:
MgCl₂|256 g/l
KCl 59 g/l
NaCl 53 g/l
Die Umlaufmutterlauge ist zur Förderung des Mit­ reißens der Aufschwemmung bestimmt. Man löste 3,7 kg Mineral in diesem Block auf, und der Versuch wurde abge­ brochen, als die Seitenwand erreicht wurde. Man erhielt die folgende Bilanz:
Zersetztes Mineral 3710 g, und zwar
MgCl₂|1176 g
KCl 910 g
NaCl 278 g
H₂O 1336 g
Flotiertes Konzentrat (auf trockenes Salz bezogen) 855 g, und zwar
MgCl₂
40 g (4,7%)
KCl 717 g (83,9%)
NaCl 98 g (11,5%)
Sinkgut (Salz am Boden des Hohlraumes nach dem Versuch)
MgCl₂|1 g
KCl 18 g
NaCl 5 g
Etwa 35 g flotiertes Salz hafteten noch am Dach des Hohlraumes.
Die Mutterlauge hatte nach dem Versuch die folgende Zusammensetzung:
MgCl₂|314 g/l
KCl 45 g/l
NaCl 30 g/l
Das Gewinnungsausbringen an KCl im Verhältnis zum KCl des Minerals war 78%.
Der KCl-Gehalt des Konzentrats war ohne Waschen 83,9%.
Man ließ im Block ungefähr 40% des anfänglich im zersetzten Mineral vorhandenen NaCl, was die Selekti­ vität dieser Technik veranschaulicht.
Der Verbrauch an Reagenzien für diesen Versuch beläuft sich auf:
40 kg H₂O₂/t erzeugtes KCl
2,3 kg Sammler/t erzeugtes KCl.

Claims (6)

1. Verfahren zur Behandlung von karnallitischem Mineral, bei dem man das Mineral in Kontakt mit einer Zersetzungs­ salzlösung bringt, die einen geeigneten Gehalt an MgCl₂, KCl und NaCl aufweist, damit sich eine Aus­ fällung von künstlichem Sylvinit innerhalb einer an NaCl und KCl gesättigten Magnesiumchloridlösung ergibt, und bei dem man der Zersetzungssalzlösung einen Flotations­ sammler, insbesondere auf Fettaminbasis, zur Gewinnung des Kaliumchlorids zusetzt, dadurch gekennzeichnet, daß man der Zersetzungssalzlösung außerdem einen zur Hervorrufung einer Gasabgabe in der Salzlösung geeigneten Zusatzstoff zusetzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als der zur Hervorrufung der Gasabgabe geeignete Zusatzstoff Wasserstoffperoxid verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Flotationssammler in einer Menge von 200 bis 3000 g je t extrahiertes KCl verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Wasserstoffperoxid in einer Menge von 10 bis 100 kg H₂O₂ je t extrahiertes KCl verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Zersetzung des karnallitischen Minerals in situ durch Injektion von Salzlösung, Flotations­ sammler und zur Hervorrufung einer Gasabgabe geeignetem Zusatzstoff in den Lagerstättenhohlraum derart bewirkt, daß der in Form von Schaum ausgefällte künstliche Sylvinit zur Oberfläche der Salzlösung im Hohlraum getrieben wird, und dann den Schaum mittels eines vom Hohlraum zu den Übertageanlagen aufsteigenden Salz­ lösungsstromes fördert, wo man den Schaum von der Salzlösung trennt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man einen Teil der vom Schaum getrennten Salzlösung in den Hohlraum zurückführt.
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