DE19628690A1 - Verfahren und Meßsysteme zur Messung physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden - Google Patents

Verfahren und Meßsysteme zur Messung physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden

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Description

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und Systeme zur Messung physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl, Schmieröl, Hydrauliköl, Bremsflüssigkeiten und Kraftstoffen, wobei sich das Fluid zwischen oder im Wirkungsfeld von mindestens zwei elektrisch leitenden Elektroden befindet.
Im Bereich des Walzölsystems des Hauptbehälters von Walzanlagen sowie im Bereich der Walzgerüste treten von Zeit zu Zeit Verpuffungen und Brände auf, die durch elektrostatische Entladungen ausgelöst werden.
Eine Ausbildung von elektrostatischen Ladungen aufgrund von Reibungseffekten tritt im Walzöl trotz einer Erdung der Walzgerüste und aller beteiligten Komponenten auf, wenn die elektrische Leitfähigkeit des Öls unter einen Mindestwert fällt, so daß ein Ausgleich der elektrischen Ladungen nicht mehr gewährleistet ist.
Um der Gefahr von elektrostatischen Entladungsvorgängen und der damit verbundenen Brandgefahr in Walzwerken entgegenzuwirken, sollte die elektrische Leitfähigkeit des Walzöls laufend überprüft werden. Bei Unterschreitung eines bestimmten Wertes kann man dem Öl ggf. Leitfähigkeitsadditive beimischen.
Auf dem Markt sind Meßgeräte erhältlich, mit denen man nach verschiedenen Verfahren die elektrische Leitfähigkeit von Fluiden bestimmen kann. Vorhandene Leitfähigkeitsmeßgeräte für nicht- oder geringleitende Fluide wie z. B. Öle oder Kraftstoffe sind zur Messung in strömenden Medien (Online-Betrieb) nicht geeignet. Das zu messende Fluid muß sich bei den bekannten Systemen mehrere Minuten im Ruhezustand befinden, damit das Meßgerät einen verläßlichen Wert anzeigt. Die laufende Entnahme von Meßproben ist zeit- und arbeitsaufwendig und mit entsprechenden Kosten verbunden. Ein weiterer Nachteil der Offline-Meßgeräte ist ferner darin zu sehen, daß man nur begrenzt verläßliche Meßwerte der elektrischen Leitfähigkeit erlangen kann, da sich die Leitfähigkeit binnen kurzer Zeit durch viele Einflüsse ändern kann. Bei der Messung eines im Gefahrenbereich liegenden Wertes ist man bestrebt, durch Zugabe von Additiven z. B. in Walzöl diesen wieder zu senken, damit eine reibungslose Produktion gewährleistet werden kann. Da zwischen Probeentnahme und Meßzeitpunkt, bedingt durch die vom Meßgerätehersteller vorgeschriebene Ruhezeit des Öles, nennenswerte Zeitspannen liegen, kann es unter Umständen zur Abstellung der Gefahr elektrostatischer Entladungen bereits zu spät sein.
Dies gilt in besonderem Maße für einen mechanischen Filtervorgang, bei dem aus dem Walzöl der Abrieb des gewalzten Materials herausgefiltert wird und durch das Zerteilen und Verästeln des Ölstromes über die Poren und feinen Kapillaren eines Filtermittels wie Kieselgur große elektrische Ladungsmengen durch Ladungstrennung oder Reibungselektrizität erzeugt werden.
Ein entscheidender Nachteil der auf dem Markt befindlichen Meßgeräte zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden ist darin zu sehen, daß unvermeidbare parasitäre Kapazitäten der bei den Meßgeräten verwendeten Sensoren, ebenso wie Polarisationskapazitäten, große Meßabweichungen bewirken.
Zur Messung von Verschmutzungen von Fluiden sind optische Meßgeräte auf dem Markt, mit denen die Trübung zur Bestimmung des Verschmutzungsgrades der Fluide gemessen wird. Zwischenzeitlich hat man jedoch festgestellt, daß die Trübung kein Maß für den Verschmutzungsgrad von vielen Fluiden wie z. B. Ölen sein kann, da die geometrischen Abmessungen der im Fluid enthaltenen Schmutzpartikel zum Teil kleiner sind als die Wellenlänge des Lichtes, so daß diese kleinsten Schmutzpartikel durch eine auf einer Brechung des Lichtes basierenden Trübungsmessung nicht mehr erfaßt werden.
Die fehlerhafte Funktionsweise der auf dem Markt befindlichen Geräte zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit und des Verschmutzungsgrades von Ölen, Kraftstoffen und dgl. nichtleitenden und gering leitenden Fluiden führt dazu, daß Mittel zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit von Fluiden wie Walzöl, diesen prophylaktisch beigegeben werden und daß beim Filtern von Ölen Filtermittel wie Kieselgur und Bleicherde weit vor oder erst nach ihrer Erschöpfung ausgetauscht werden. Bekannte, auch als Leitfähigkeitsadditive bezeichnete Mittel zur Erhöhung der Leitfähigkeit sind ökologisch und gesundheitlich bedenklich, so daß eine pauschale, vorbeugende Beimischung dieser Mittel hohe Umweltbelastungen und entsorgungstechnische Schwierigkeiten verursacht. Durch eine aufgrund eines verstärkten Einsatzes von Filtermitteln bewirkte hohe Filtratqualität und durch Reaktionen der Leitfähigkeitsadditive mit Filterhilfsmitteln kann die Leitfähigkeit des Öles und der Ölerzeugnisse stark vermindert werden, und infolge der verminderten Leitfähigkeit entstehen hohe elektrische Aufladungen, die zu unkontrollierten Verpuffungen und dem Brand von Maschinen und Anlagen führen können.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein für gering leitende und nichtleitende Fluide wie Walzöl, Schmieröl, Hydrauliköl, Bremsflüssigkeiten und Kraftstoffe bestimmtes Verfahren und nach dem Verfahren arbeitende Meßsysteme zur Online-Messung der elektrischen Leitfähigkeit zur Regelung einer elektrostatische Auf- und Entladungen verhindernden Mindestleitfähigkeit durch eine geregelte Einleitung von Leitfähigkeitsadditiven, der Online-Messung der zeitlichen Änderung der Leitfähigkeit zur Bestimmung des Feinstverschmutzungseintrags und des Verunreinigungsgrades, der Differenzmessung der Leitfähigkeit vor und hinter einem Filter zur Prüfung der Funktion und Güte eines Filtervorganges und gegebenenfalls zur Regelung des Filtervorganges durch eine geregelte Zuführung von Filterhilfsmitteln, zur Online-Messung der Dielektrizitätszahl zum Erfassen polarer Komponenten wie Ölzusatzstoffe oder Wasser sowie zur Online-Messung der Permeabilität zur Bestimmung der Konzentrationen von Eisenpartikeln bzw. ferromagnetischen Abriebpartikeln zu entwickeln.
Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß gelöst durch das Meßverfahren nach Patentanspruch 1 sowie die verschiedenen Meßsysteme nach den Patentansprüchen 3, 4 und 5.
Die erfindungsgemäßen Meßsysteme zur Messung verschiedener physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl sowie die Vorteile der Meßsysteme gegenüber dem Stand der Technik sind nachstehend anhand schematischer Zeichnungen erläutert, die im einzelnen folgendes darstellen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Walzölkreislaufes mit einem Meßsystem zur Bestimmung der Leitfähigkeit des Walzöls,
Fig. 2 eine schematische Längsschnittdarstellung eines Basissensors,
Fig. 3 das Ersatzschaltbild des Basissensors nach Fig. 2, übernommen aus: Oehme, F.: Chemische Sensoren, Vieweg 1991,
Fig. 4 das vereinfachte Ersatzschaltbild des Basissensors,
Fig. 5 einen schematischen Querschnitt des Basissensors nach Fig. 2,
Fig. 6 das Blockschaltbild eines Meßsystems mit dem Basissensor nach den Fig. 2 bis 5 zur Messung verschiedener physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden,
Fig. 7 das Schaltbild eines mit einer Gleichspannung betriebenen Basissensors zur Messung des ohmschen Widerstandes eines Fluids,
Fig. 8 den Verlauf einer bipolar getakteten Gleichspannung zum Betreiben eines Basissensors zur Messung des ohmschen Widerstandes eines Fluids,
Fig. 9 das Blockschaltbild eines Meßsystems zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit eines Fluids,
Fig. 10 das Schaltbild des bei dem Meßsystem nach Fig. 9 eingesetzten Integrators mit Sensor und Analogschalter,
Fig. 11 das Diagramm der getakteten Eingangsspannung und der Ausgangsspannung des Integrators und
Fig. 12 das Blockschaltbild eines Meßsystems zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit und der Dielektrizitätszahl eines Fluids.
Der in Fig. 1 schematisch dargestellte Walzölkreislauf 1 eines Kaltbandwalzwerkes 2 mit einem Schmier- und Kühlöl für den Walzvorgang ist mit einem Meßsystem zur Online- Messung der elektrischen Leitfähigkeit des Walzöls, des Grades der Ölverschmutzung, die hauptsächlich durch den Abrieb der Walzen und des Walzgutes sowie Additive bewirkt wird, sowie der Qualität des Filterprozesses eines in dem Kreislauf angeordneten Ölfilters 3 ausgerüstet.
Das Meßsystem umfaßt zwei gleiche Basissensoren 4, 5. Der Basissensor 4 ist - in Umlaufrichtung a des Walzöls gesehen - in einer Bypassleitung 6a der Hauptleitung 6 des Walzölkreislaufs 1 vor dem Ölfilter 3 und der Basissensor 5 in einer Bypassleitung 6b der Hauptleitung 6 hinter dem Ölfilter 3 eingebaut.
Mit dem hinter dem Ölfilter 3 in der Bypassleitung 6b eingebauten Basissensor 5 wird laufend der Absolutwert der elektrischen Leitfähigkeit des Walzöls zur Ermittlung des Grades der elektrostatischen Aufladung im Hinblick auf die Vermeidung elektrostatischer Entladungen gemessen. Die Meßsignale des Basissensors 5 werden einer Regeleinrichtung 7 übermittelt, die eine Vorrichtung 8 zur Einleitung von Leitfähigkeitsadditiven in den Walzölkreislauf 1 regelt. Durch die Zugabe von Leitfähigkeitsadditiven wird die geforderte Mindestleitfähigkeit des Walzöls von 50 pS/m eingeregelt.
Der durch den Basissensor 5 hinter dem Ölfilter 3 gemessene Absolutwert der elektrischen Leitfähigkeit des Walzöls, der ggf. auf die Öltemperatur bezogen werden muß, ist ferner ein Kriterium für den Verschmutzungsgrad des Öls und damit ausschlaggebend für den Zeitpunkt einer Aufbereitung des verbrauchten und durch einen Filterprozeß nicht mehr zu reinigenden Walzöls durch einen Destillations- bzw. Rektifizierprozeß.
Mittels der Differenzwerte, die sich aus den von dem Basissensor 4 vor dem Ölfilter 3 gemessenen Werten der elektrischen Leitfähigkeit des Walzöls und den von dem Basissensor 5 hinter dem Ölfilter 3 gemessenen Werten der Leitfähigkeit ergeben, wird die Qualität des Filterprozesses bewertet und der Zeitpunkt der erforderlichen Reinigung des Filters bzw. der Erneuerung des Filtermittels festgelegt und die Zufuhr von Filterhilfsmitteln geregelt.
Der zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit κ, der Dielektrizitätszahl εr, der Permeabilität µ und der Viskosität η von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl einsetzbare Basissensor 4 nach Fig. 2 ist in senkrechter Lage in die Bypassleitung 6a der Hauptleitung 6 des Walzölkreislaufes 1 eingebaut, um zu vermeiden, daß sich im Ölkreislauf befindliche Luft im Basissensor ansammelt, die die Meßergebnisse verfälschen würde. Der Basissensor 4 weist eine Außenelektrode 9 auf, die als ein elektrisch leitender metallischer Rohrabschnitt 9a ausgebildet ist, in dem eine elektrisch leitende, vom Fluid umströmte, vorzugsweise stromlinienförmig ausgebildete Innenelektrode 10 angeordnet ist. Die zylindrische Innenelektrode 10 ist in eine mittlere Nutzelektrode 10a sowie eine vordere und eine hintere Schirmelektrode 10b, 10c aufgeteilt. Die Nutzelektrode 10a der Innenelektrode 10 ist durch Isolierungen 11 von den beiden Schirmelektroden 10b, 10c getrennt. Die Innenelektrode 10 ist durch zwei Distanzhalter 12 in dem Basissensor 4 gehalten, wobei die Distanzhalter 12 zwischen der Außenelektrode 9 und den beiden Schirmelektroden 10b, 10b eingebaut sind. Durch diese Anordnung werden inhomogene Randfelder vermieden, die bei einer Ablagerung von elektrisch leitenden Schmutzpartikeln an den Distanzhaltern 12 zu falschen Meßergebnissen führen. Die Innenelektrode 10 ist zur Durchführung von Anschlußleitungen für die Meßelektronik 13 teilweise als Hohlkörper ausgebildet.
Ein in die Außenelektrode 9 des Basissensors 4 eingebauter Temperatursensor 14 dient zur Messung der Temperatur des Walzöls.
Zur Messung der Viskosität des Walzöls kann die Innenelektrode 10 des Basissensors 4 mit einem Drehantrieb ausgestattet werden, dessen Energieverbrauch oder Rotationsgeschwindigkeit eine Meßgröße für die Viskosität des Walzöls darstellt.
Die rohrförmige Außenelektrode 9 weist einen Eintritts- und einen Austrittsstutzen 15, 16 jeweils mit einem Rohranschluß 17 für den Einbau des Basissensors 4 in die Bypassleitung 6a der Hauptleitung 6 des Walzölkreislaufs 1 auf.
Zur Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit κ des Walzöls wird der ohmsche Widerstand Rx des Öls zwischen der Außenelektrode 9 und der Innenelektrode 10 des Basissensors 4 mit dem nachfolgend beschriebenen Meßsystem gemessen.
Das Ersatzschaltbild des Gesamtsensors nach Fig. 3 zeigt, daß der gesuchte Widerstand Rx Bestandteil eines Netzwerks von parasitären Widerständen und Kondensatoren ist. In dem Ersatzschaltbild bedeuten:
Rx gesuchter Widerstand
Cx Kapazität des Sensors
Rp Polarisationswiderstand
Cp Polarisationskapazität
Cd Doppelschichtkapazität
Ck Kabelkapazität
Rk Kabel- und Kontaktwiderstand.
Dieses Ersatzschaltbild läßt sich bei geeigneter Sensorauslegung und unter Verwendung eines geeigneten Sensorsignals erheblich vereinfachen. So können Ck und Rk vernachlässigt werden, wenn die Anschlüsse zur Innen- bzw. Außenelektrode getrennt verlegt werden, der Anschluß der Innenelektrode über ein Koaxialkabel erfolgt und der Außenleiter des Koaxialkabels geeignet angeschlossen wird.
Die Leitfähigkeit nimmt bei Anlegen einer Gleichspannung ab. Dies ist auf die Bildung von Cp, Cd und Rp zurückzuführen. Wird ein Meßsignal mit wechselnder Polarität verwendet, so sind auch diese Komponenten im Ersatzschaltbild zu vernachlässigen. Hierdurch ergibt sich das endgültige Ersatzschaltbild des Basissensors nach Fig. 4.
Mit Hilfe der Grundformeln für homogene Strömungsfelder lassen sich bei einer vorgegebenen Sensorgeometrie der Widerstand Rx bzw. die spezifische Leitfähigkeit κ des in Fig. 5 im Querschnitt dargestellten Sensors 4 mit einer koaxialen Anordnung der Außenelektrode 9 und der Innenelektrode 10 in Form eines Einschichtzylinderkondensators wie folgt berechnen:
Es bedeuten:
ra Innenradius der Außenelektrode
ri Radius der Innenelektrode
l aktive Elektrodenlänge.
Fig. 6 zeigt das Blockschaltbild des neuen Meßsystems mit dem vorbeschriebenen Basissensor zur Messung der spezifischen Leitfähigkeit κ, der Dielektrizitätszahl εr, der ferromagnetischen Permeabilität µ, der Viskosität η, und der Temperatur von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl.
Nachfolgend ist das erfindungsgemäße Meßsystem mit der zugehörigen Elektronik zur Bestimmung des gesuchten Widerstandes Rx und der parasitären Sensorkapazität Cx erläutert. Sind der Widerstand Rx und die Sensorkapazität Cx bekannt, können die spezifische Leitfähigkeit κ sowie die Dielektrizitätszahl εr berechnet werden. Da diese beiden Größen temperaturabhängig sind, ist eine Temperaturmessung erforderlich, die nicht näher erläutert ist.
Zur Bestimmung des Widerstandes Rx und der parasitären Sensorkapazität Cx werden integrierende Meßsysteme benutzt. Diese Meßsysteme zeichnen sich durch eine hohe Störunterdrückung aus und bieten den weiteren Vorteile, daß die mit Hilfe der Integration gewonnenen Meßgrößen leicht in Frequenzen umgewandelt werden können, die sehr genau meßbar sind. Weitere vorteilhafte Eigenschaften von Frequenzen sind eine störungsfreie Fernübertragung des Meßsignals und eine einfache Digitalisierung. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die zu bestimmenden Größen Rx und Cx mit einem Mikrorechner erfaßt werden, wie dies aus dem Blockschaltbild des Meßsystems nach Fig. 6 hervorgeht. Bei diesem Meßsystem ist die Spannungsversorgung getrennt angeordnet, um durch diese verursachte Störungen auf die Meßelektronik auszuschließen.
Das Ersatzschaltbild des Leitfähigkeitssensors reduziert sich auf die Parallelschaltung eines Widerstandes Rx und einer Kapazität Cx. Zur Bestimmung der Leitfähigkeit ist jedoch nur der Widerstand Rx relevant, d. h. die parasitäre Sensorkapazität Cx soll nicht in das Meßergebnis eingehen. Eine Möglichkeit, die Kapazität zu eliminieren, besteht darin, mit einer Gleichspannung zu messen. Für den aufgeladenen Kondensator gilt dann
Das Meßsystem nach Fig. 7 kompensiert nun zwar die Sensorkapazität Cx, läßt aber gleichzeitig andere Störgrößen wirksam werden. Vor allem eine auftretende Polarisation macht eine Widerstandsbestimmung über eine Gleichspannungsmessung unmöglich. Auch würden Offsetgrößen der Operationsverstärker eine weitere Verfälschung des Meßergebnisses bewirken. Um dieses zu verhindern ist es unabdingbar, mit einer Wechselspannung zu arbeiten. Da aber eine reine Sinusspannung den Blindstrom der Sensorkapazität nicht kompensiert, wird diese mitgemessen. Das erfindungsgemäße Verfahren arbeitet mit einer bipolar getakteten Gleichspannung, wobei aber nur in den Zeitabschnitten gemessen wird, in denen die am Sensor anliegende Spannung konstant ist.
Fig. 8 zeigt den Verlauf der bipolar getakteten Gleichspannung mit den eingezeichneten Meßintervallen.
Bei dem in dem vereinfachten Blockschaltbild nach Fig. 9 dargestellten Meßsystem zur Messung der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit eines gering leitenden oder nichtleitenden Fluids wie Walzöl wird auf den Basissensor 4 ein Testsignal in Form einer getakteten Gleichspannung geschaltet, deren Frequenz vom Wert der Leitfähigkeit κ abhängt. Die Ausgangsspannung des Basissensors 4 wird durch den Integrator 18 aufintegriert und das Ausgangssignal des Integrators 18 auf einen Schmitt-Trigger 19 geschaltet, dessen Ausgangssignal wiederum als Testsignal auf den Basissensor 4 geschaltet wird. Die Integration wird bei jeder Änderung des Testsignals auf null gesetzt.
Das Schaltungskonzept für das Meßsystem zur Messung der Leitfähigkeit besteht im Kern aus einer astabilen Kippstufe mit dem Umkehrintegrator 18 und dem nichtinvertierenden Schmitt- Trigger 19, Wobei der durch ein Monoflop 20 gesteuerte Schalter 21 den Integrator 18 während des Polaritätswechsels der Meßspannung deaktiviert und auf die Anfangsbedingung null setzt.
Der bei dem Meßsystem verwendete Integrator mit Operationsverstärker und dem Integrationskondensator Cn ist für die Meßgenauigkeit ausschlaggebend. Da der zu messende Widerstand Rx bei sehr geringen Leitfähigkeiten eines Fluids Werte bis in den Terraohmbereich annehmen kann, sollte der eingesetzte Operationsverstärker einen hohen Eingangswiderstand besitzen. Die Offsetgrößen werden durch das erfindungsgemäße Meßverfahren eliminiert.
Fig. 10 zeigt den aktiven Integrator mit seiner Beschaltung. Der Sensor, bestehend aus der Parallelschaltung von Rx und Cx, bildet die Eingangsimpedanz. In der Rückkopplung befindet sich der Integrationskondensator Cn und parallel dazu der über ein Monoflop gesteuerte Analogschalter S₁.
Wechselt die getaktete Gleichspannung U₁ ihr Vorzeichen, wird der Schalter S₁ geschlossen. Da sich der Integrator dann in direkter Gegenkopplung befindet, springt die Ausgangsspannung U₂ zu diesem Zeitpunkt auf null Volt, und der Integrationskondensator Cn entlädt sich über den Schalter S₁. Die parasitäre Sensorkapazität Cx wird während des Polaritätswechsels von U₁ lediglich umgeladen.
Hat die Meßspannung wieder einen konstanten Wert erreicht, öffnet sich S₁ und der Integrationsprozeß wird gestartet. Da Cx nun bereits aufgeladen ist und damit entsprechend Gleichung (2) ic=0 ist, wird nur noch der über den gesuchten Widerstand Rx fließende Meßstrom iRx aufintegriert.
Die Ausgangsfrequenz der Elekronik ist:
Die Frequenz ist gemäß Gleichung (3) linear von κ abhängig. Die anderen Größen sind konstant. Sie beruhen auf den geometrischen Abmessungen des Sensors sowie auf dem Widerstandsverhältnis R₃/R₂, welches die Schaltschwellen des nicht näher beschriebenen Schmitt-Triggers bestimmt.
Die Berechnung des Integrators gemäß Fig. 10 zeigt, daß mit Kurzschließen des Integrationskondensators während des Polaritätswechsels von Umess die parasitäre Sensorkapazität eliminiert werden kann. Dazu muß der Schalter S₁ mit einem Steuerimpuls konstanter Länge tkurz angesteuert werden.
Analog dem anhand von Fig. 9 erläuterten Meßsystem zur Messung der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit eines gering leitenden oder nichtleitenden Fluids wie Walzöl wird bei einem Meßsystem zur Online-Messung der Dielektrizitätszahl εr eines derartigen Fluids auf einen Basissensor ein Testsignal in Form eines getakteten Gleichstroms geschaltet, dessen Frequenz dem Wert der Dielektrizitätszahl εr proportional ist. Die sich einstellende Ausgangsspannung des auf diese Weise realisierten Integrators wird auf einen Schmitt-Trigger geschaltet, dessen Ausgangssignal in einen Strom umgewandelt wiederum als Testsignal auf den Basissensor geschaltet wird.
Fig. 12 veranschaulicht das Blockschaltbild eines Meßsystems zur Messung der Leitfähigkeit und der Dielektrizitätszahl eines Fluids.
Analog zu den vorbeschriebenen Meßsystemen zur Messung der Leitfähigkeit und der Dielektrizitätszahl von Fluiden wird bei einem Meßsystem zur Online-Messung der Permeabilität µ von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden auf einen Basissensor ein Testsignal in Form einer getakteten Gleichspannung geschaltet, deren Frequenz vom Wert der Permeabilität µ abhängt. Der sich einstellende Strom wird durch den Basissensor in eine Spannung umgewandelt, und die Ausgangsspannung des auf diese Weise realisierten Integrators mit der in den invertierenden Eingangszweig eines über einen ohmschen Widerstand zurückgekoppelten Operationsverstärkers geschalteten Sensorinduktivität wird auf einen Schmitt-Trigger geschaltet, dessen Ausgangsspannung wiederum als Testsignal auf den Basissensor geschaltet wird.
Durch die Messung der Dielektrizitätszahl kann der Wassergehalt beispielsweise von Transformatorölen, Bremsflüssigkeiten und Flugbenzin ermittelt werden. Bremsflüssigkeit kann Wasser aufnehmen, das in der Bremsflüssigkeit Dampfblasen bildet, die die Funktionstüchtigkeit der Bremsanlage in Kraftfahrzeugen beeinträchtigen. Bei Flugzeugen, die Temperaturen bis zu -40°C ausgesetzt sind, kann in der Bremsflüssigkeit enthaltenes Wasser Eiskristalle bilden, die Leitungen und Ventile der Bremsanlage verstopfen und dadurch die Bremsleistung vermindern, so daß bei der Landung der Flugzeuge eine Unfallgefahr entstehen kann. Durch Wasser im Flugbenzin kann z. B. durch Vereisung oder Dampfblasenbildung die Leistung der Flugmotoren vermindert werden. Mithin kommt der Messung der Dielektrizitätszahl des Flugbenzins beim Betanken von Flugzeugen und der laufenden Messung der Dielektrizitätszahl der Bremsflüssigkeit der Bremsanlage von Flugzeugen zur Bestimmung des Wassergehaltes des Flugbenzins bzw. der Bremsflüssigkeit eine erhöhte sicherheitstechnische Bedeutung zu.
Durch eine laufende Messung der Permeabilität des Schmieröls von z. B. Kraftmaschinen, Getrieben und Kraftwerksturbinen kann in dem Öl enthaltener ferromagnetischer Abrieb festgestellt werden, der z. B. von den Turbinenlagern stammt, so daß eine Früherkennung von sich anbahnenden Lagerschäden möglich ist und Beschädigungen der Turbinen, die zu längeren Stillstandszeiten von Teilbereichen eines Kraftwerks führen, durch einen vorzeitigen Austausch der Lager vermieden werden können.
Die vorstehende Beschreibung zeigt, daß das erfindungsgemäße Meßverfahren und die entsprechenden Meßsysteme zur Messung der Leitfähigkeit, der Elektrizitätszahl und der Permeabilität von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl, Schmierölen, Bremsflüssigkeiten und Flugbenzin auf vielen technischen Anwendungsgebieten in der Zukunft eine große Bedeutung erlangen werden.
Bezugszeichenliste
1 Walzölkreislauf
2 Kaltbandwalzwerk
3 Ölfilter
4 Basissensor
5 Basissensor
6 Hauptleitung von 1
6a Bypassleitung von 6
6b Bypassleitung von 6
7 Regeleinrichtung
8 Vorrichtung zur Einleitung von Leitfähigkeitsadditiven von 1
9 Außenelektrode von 4, 5
9a Rohrabschnitt von 9
10 Innenelektrode von 4, 5
10a Nutzelektrode von 10
10b vordere Schirmelektrode von 10
10c hintere Schirmelektrode von 10
11 Isolierung zwischen 10a und 10b bzw. 10c
12 Distanzhalter zwischen 9 und 10b bzw. 10c
13 Meßelektronik von 4
14 Temperatursensor in 9 von 4
15 Eintrittsstutzen von 9
16 Austrittsstutzen von 9
17 Rohranschluß an 15, 16
18 Integrator
19 Schmitt-Trigger
20 Monoflop
21 Schalter
22 Anschlußleitung zwischen 10 und 13
a Umlaufrichtung des Öls in 1

Claims (9)

1. Verfahren zur Messung physikalischer Größen von gering leitenden und nichtleitenden Fluiden wie Walzöl, Schmieröl, Hydrauliköl, Bremsflüssigkeiten und Kraftstoffen, wobei sich das Fluid zwischen mindestens zwei elektrisch leitenden Elektroden befindet, gekennzeichnet durch eine Messung der elektrischen Leitfähigkeit κ zur Regelung einer elektrostatische Auf- und Entladungen verhindernden Mindestleitfähigkeit von Fluiden, insbesondere von Walzöl durch eine geregelte Einleitung von Leitfähigkeitsadditiven und/oder eine Messung der zeitlichen Änderung der Leitfähigkeit zur Bestimmung des Feinstverschmutzeintrags und des Verunreinigungsgrades insbesondere durch elektrisch leitende metallische Abriebpartikel und/oder eine Differenzmessung der Leitfähigkeit vor und hinter einem Filter zur Prüfung der Funktion und Güte eines Filtervorganges und gegebenenfalls zur Regelung des Filtervorganges durch eine geregelte Zuführung von Filterhilfsmitteln und/oder eine Messung der Dielektrizitätszahl εr zum Erfassen polarer Komponenten wie Ölzusatzstoffe oder Wasser und/oder eine Messung der Permeabilität µ zur Bestimmung der Konzentrationen von Eisenpartikeln bzw. ferromagnetischen Abriebpartikeln, wobei die Messungen der verschiedenen physikalischen Größen als Online-Messungen mittels eines gemeinsamen Basissensors durchgeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Messung des Absolutwertes der Leitfähigkeit zur Ermittlung des Grades der Gefahr der elektrostatischen Aufladung im Hinblick auf die Vermeidung elektrostatischer Entladungen.
3. Meßsystem zur Online-Messung der elektrischen Leitfähigkeit κ eines Fluids gemäß dem Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß auf den Basissensor (4) ein Testsignal in Form einer getakteten Gleichspannung oder eines getakteten Gleichstromes geschaltet wird, deren Frequenz vom Wert der Leitfähigkeit κ abhängt, und der sich einstellende Ausgangsstrom oder die Ausgangsspannung aufintegriert wird und das Ausgangssignal des Integrators (18) auf einen Schmitt-Trigger (19) geschaltet wird, dessen Ausgangssignal wiederum als Testsignal auf den Basissensor (4) geschaltet wird, und die Integration bei jeder Änderung des Testsignals (Flanken) auf null gesetzt wird.
4. Meßsystem zur Online-Messung der Dielektrizitätszahl εr eines Fluids gemäß dem Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß auf den Basissensor ein Testsignal in Form eines getakteten Gleichstromes geschaltet wird, dessen Frequenz dem Wert der Dielektrizitätszahl εr proportional ist, und die sich einstellende Ausgangsspannung des so realisierten Integrators auf einen Schmitt-Trigger geschaltet wird, dessen Ausgangssignal in einen Strom umgewandelt wiederum als Testsignal auf den Basissensor geschaltet wird.
5. Meßsystem zur Online-Messung der Permeabilität µ eines Fluids gemäß dem Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß auf den Basissensor ein Testsignal in Form einer getakteten Gleichspannung geschaltet wird, deren Frequenz vom Wert der Permeabilität µ abhängt und der sich einstellende Strom durch den Basissensor in eine Spannung umgewandelt wird und diese Ausgangsspannung des auf diese Weise realisierten Integrators auf einen Schmitt-Trigger geschaltet wird, dessen Ausgangsspannung wiederum als Testsignal auf den Basissensor geschaltet wird.
6. Meßsystem nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß mit Hilfe der Sensorelektronik eine automatische Selbstkalibrierung erfolgt, wobei ein Präzisionswiderstand, ein Präzisionskondensator und/oder eine Präszisionsinduktivität kurzzeitig anstelle des Basissensors in die Elektronik geschaltet wird.
7. Meßsystem nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Basissensor (4) eine als elektrisch leitender Rohrabschnitt (9a) ausgebildete Außenelektrode (9) aufweist, in dem (9a) mindestens eine elektrisch leitende, vom Fluid umströmte Innenelektrode (10) angeordnet ist, die aus mindestens zwei voneinander isolierten, elektrisch leitenden Teilen in Form einer Nutzelektrode (10a) und einer Schirmelektrode (10b, 10c) besteht, die zur Durchführung von Anschlußleitungen zumindest teilweise hohl ausgebildet sind, wobei der für die Messung bestimmte Teil (10a) der Innenelektrode (10) keinen direkten mechanischen Kontakt zu Halterungen (12) der Innenelektrode (10) besitzt und auf die anderen leitenden Bereiche (10b, 10c) der Innenelektrode (10) gleiche, jedoch elektrisch unabhängige Spannungen wie auf den für die Messung bestimmten Bereich (10a) geschaltet werden, wobei die anderen Bereiche (10b, 10c) zur Erzeugung einer geeigneten elektrischen Feldverteilung bestimmt sind und die Funktion von Halterungen übernehmen.
8. Meßsystem nach Anspruch 7, gekennzeichnet durch die Viskositätsmessung eines Fluids über eine Rotation der Innenelektrode (10).
9. Meßsystem nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Sensorsystem als planare Elektrodenanordnung mit nebeneinander liegenden oder konzentrisch angeordneten Elektroden realisiert wird, wobei neben den Nutzelektroden weitere Elektroden zur Schirmung und Formung des elektrischen Feldes dienen.
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