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Verfahren zur Herstellung von Kunstleder hoher Reissfestigkeit und mit glatter Oberfläche
Es ist bekannt, durch Imprägnieren von Faservliesen der verschiedensten Art mit Bindemitteln, wie Natur-oder Synthese-Latex, Polyacrylate, Polykondensations-Kunststoffe usw. ein synthetisches Leder zu erzeugen. Die Reissfestigkeit desselben hängt von der Stärke der verwendeten Fasern ab. Es liegt daher nahe, grobtitrige Fasern zu verwenden. Beim Imprägnieren eines derartigen grobtitrigen Faservlieses er- hält man jedoch Produkte mit einer grobtitrigen offenen Oberfläche. Man hat daher auch schon vorgeschlagen, ein grobtitriges Vlies durch eine Deckschicht aus kurzen dünnen Fasern abzudecken (s. z. B.
Fig. l der USA-Patentschrift Nr. 2, 765, 247). Ein derart abgedecktes grobtitriges Faservlies wird dann in üblicher Weise mit den in der Kunstlederindustrie üblichen Bindemitteln imprägniert und anschliessend ausgehärtet bzw. ausvulkanisiert. Das Endprodukt weist bereits eine dem Naturleder sehr ähnliche Ober- fläche auf.
Es wurde nun gefunden, dass man die Oberfläche derartiger Kunstleder noch weiter verbessern kann, wenn man an Stelle einer Deckschicht aus feinen kurzen Fasern ein sogenanntes"Spinngewebe"aus dün- nen Fasern auflegt und dann in üblicher Weise imprägniert und aufarbeitet. Während bei den bekannten
Verfahren die Fasern der Deckschicht"unidirektional"sind, d. h. eine Ausdehnung in nur einer Dimension aufweisen, handelt es sich bei den Spinngeweben um ein Fasergeflecht. Die Darstellung derartiger Spinngewebe ist bekannt. Man lässt hiezu eine Schmelze oder eine Lösung eines Kunststoffes, wie Polyamid, zwischen zwei elektrisch geladene Drähte fliessen. Beim Durchgang des Tropfens oder des Strahles der Kunststoffschmelze (bzw. - Lösung) bewirkt das elektrische Feld eine Zerteilung unter Bildung eines Spinngewebes.
Dieses lässt man auf ein darunterliegendes grobtitriges Vlies fallen. Anschliessend kann man nadeln (die Technik ist z. B. in "Textile Industries" September 1958, S. 117 beschrieben) und imprägnieren. Die Dicke. der Einzelfäden im Spinngewebe kann durch Variation der Versuchsbedingungen, wie Änderung des elektrischen Feldes, Durchlaufgeschwindigkeit der Schmelze bzw. Losung durch dieses Feld, Schmelztemperatur usw. verändert werden.
Das folgende Beispiel beschreibt eine Ausführungsform zur Herstellung der erfindungsgemässen Produkte :
Der Spinnvorgang findet in einer geschlossenen Kabine statt, die mit angewärmter Frischluft beheizt wird. Versponnen wird eine Lösung aus Polyamid (Ultramid 6 A) in Alkohol-Wasser-Gemisch. Die Lösung enthält 24, 5 Gew.- o Trockensubstanz. Während des Spinnens befindet sich die Lösung in einem elektrisch Deheizten Gefäss, dessen Temperatur auf 700 C eingestellt ist. Die Lösung fliesst unter 0, 15-0, 5 atü Luftdruck durch eine Düse mit 1, 2, 4 oder mehr Bohrungen.
In einer Ebene 30 cm unterhalb der Düse befinden sich zwei dünne Drähte (Sprühdrähte), die positive elektrische Spannung von 40 bis 60 kV gegen die Düse, die Wände der Kabine und das über dem Boden der Kabine angebrachte Transportband haben. Die Lösung tritt in einem Strahl oder in mehreren Strahlen laminar aus der Düse aus. Etwa 10-50 mm unterhalb der Düse entsteht das Gespinst, das einem räumlichen Netzwerk ähnlich sieht. Es wird während des Niederfallens auseinander gezogen, solange es sich oberhalb der Ebene der Sprühdrähte befindet. Unterhalb der Sprühdrahtebene sinkt dieses Gespinst langsam, wobei es in der warmen Luft austrocknet.
Das Gespinst legt sich auf dem horizontalen Transportband als Vlies nieder. Das Band wird längs und quer gleichzeitig bewegt, um ein möglichst grossflächiges Vlies zu erzeugen. Es ist nicht zweckmässig, das beheizte Gefäss, aus dem die Lösung ausläuft, die Querbewegung ausführen zu lassen, sondern das Band, damit das gleichmässige Fallen des Vlieses nicht durch diese Bewegung gestört wird.
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Die auf die beschriebene Weise elektrisch hergestellten Vliese haben zwar geringe Festigkeit, aber sie liefern beim Imprägnieren relativ glatte Oberflächen im Verhältnis zu den herkömmlichen auf der Krempelstrecke hergestellten Vliesen aus Stapelfasern, die allerdings eine hohe Festigkeit besitzen. Es lag daher nahe, beide Eigenschaften durch Übereinanderschichten zu kombinieren. Dies geschieht in der Weise, dass auf ein"Krempel"-Vlies, das auf dem Transportband liegt, ein elektrisches Vlies, direkt"aufgesponnen" wird. Das so gewonnene Kombinationsvlies kann genadelt werden und wird auf die übliche Art imprägniert. Es weist dann eine deutlich glatte Oberfläche auf.