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Mittel zum Verschwelen chemischer Substanzen
Die bekannten selbstschwelenden Räuchermittel enthalten im allgemeinen eine brennbare Substanz, wie Holzmehl, Milchzucker od. dgl., zusammen mit einem sauerstoffabgebenden Stoff, z. B. einem Nitrat, Chromat, Perchlorat od. dgl., und glimmen, an einer Stelle angezündet, mehr oder weniger schnell durch, wobei der zu verräuchernde Stoff in der Glimmzone verdampft und dann ausserhalb der Glimmzone wieder zu feinteiligem Rauch oder Nebel kondensiert. Derartige Räuchermittel haben den Nachteil, dass hitzeempfindliche und schwer verdampfbare Stoffe in der Glimmzone, die mehrere hundert Grad erreicht, grösstenteils zersetzt werden.
Man verteilt deswegen empfindliche Stoffe mit Hilfe besonderer Vorrichtungen im Gasraum, was aber stets einen erheblichen Aufwand an Apparaturen, komprimierten Gasen oder ähnlichen Mitteln erfordert.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Räuchermittel zu schaffen, mit welchem auch thermisch leicht zersetzliche und bzw. oder schwer verdampfbare Substanzen ohne erhebliche Verluste verschwelt werden können.
Es wurde gefunden, dass Räuchermittel, die 1, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza- -cyclooctan der Formel
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5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctanmitteln in der GIimmzone etwa erreicht wird. Ausser durch die niedrige Temperatur wird eine auszu- bringende Substanz noch dadurch geschont, dass sie durch das entstehende Gas schnellstens aus der er- hitzten Reaktionszone entfernt wird.
Es wurde ferner gefunden, dass die Qualität der Räuchermittel nach der Erfindung und der Ablauf der Verräucherungsreaktion durch Zusatz von thermisch zersetzlichen Stickstoffverbindungen, wie Ammonium- salzen und bzw. oder Cyanamid und bzw. oder Harnstoff bzw. dessen Salzen und bzw. oder Verbin- dungen, welche die Gruppierung
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als Strukturelement enthalten, wie Melamin, Guanidin oder vorzugsweise Dicyandiamid, verbessert wird.
Diese Verbindungen erhöhen die Lagerfähigkeit der erfindungsgemässen Räuchermittel. Da sich die Substanzen ausserdem thermisch zersetzen und dabei den pH-Wert in der Reaktionszone erhöhen sowie ein zusätzliches Gasvolumen freigeben, kann man durch Zusatz der oben gekennzeichneten Stickstoffverbindungen die ph-abhängige Zersetzungsreaktion des 1, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza- - cyclooctan regeln und die Ausbildung einer Flamme unterdrücken. Schliesslich vermindern die Substanzen auch den Formaldehydgeruch, der bei der Zersetzung von 1, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso- - 1, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan auftritt.
Ferner wurde gefunden, dass ein Gehalt von schmelzbaren, schwer oder unbrennbaren Halogenverbindungen, die oberhalb 1000 C Halogenwasserstoff abspalten, wie Tetrachlorcyclohexanon, Hexachlorcyclohexan, Polyvinylchlorid, Tetrachlorphthalsäureanhydrid, Magnesiumbromid u. dgl., den pH-Wert in der Reaktionszone und imAerosol senkt und Flammen unterdrückt, ohne die Lagerfähigkeit der Räuchermittel nach der Erfindung zu beeinträchtigen.
Den Räuchermitteln gemäss der Erfindung können auch die üblichen Zusätze, wie Füllstoffe, Salze,
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B.Bei der Verräucherung empfindlicher Substanzen sind die Füllstoffe besonders wichtig, da. man damit die Mischung strecken und so die Verräucherungsreaktion verlangsamen kann. Je nach der Wärmeleitfähigkeit der Füllstoffe kann man die Zone, aus der die zu verräuchernden Substanzen ausgetrieben werden, verbreitern oder einengen.
Bei den erfindungsgemässen Räuchermitteln haben sich saugfähige Füllstoffe dann als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn die zu verräuchernden Substanzen empfindlich sind. Diese Füllstoffe nehmen die leicht schmelzbaren zu verräuchemden Substanzen auf, so dass sie nicht in der Nähe der Reaktionszone wegschmelzen, soferne es sich nicht überhaupt um Substanzen handelt, die bei Zimmertemperatur flüssig sind. Zu diesen Füllstoffen zählen feinteilige Kieselsäuresorten und sonstige Silikate und Oxyde, vor allem diejenigen, die unter den Begriff"helle Verstärkerfullstofie"fallen, iemer Tonerdegel, feinteilige Tone, Kieselgur, sonstige Metalloxyde und auch Holzmehl, Cellulosepulver, Russ, Graphit, feinpulverige Kunststoffe, wie Polyvinylalkohol und ausgehärtete Aminoplaste, usw.
Die erfindungsgemässen selbstschwelenden Räuchermittel können in beliebiger Form angewendet werden, z. B. als Pulver, Granulat, Tablette, Stäbchen oder auf Träger aufgebrachte Schichten usw.
Die Verräucherung lässt sich leicht mit einer Streichholzflamme, einem Heizdraht, einer Heizplatte, einer Zündschnur oder mit Zündpapier einleiten. Stets genügt es, das Räuchermittel an einer Stelle zu zünden und es von dort aus durchreagieren zu lassen.
Für die Anwendung der erfindungsgemässen Räuchermittel sind an sich keine Apparaturen notwendig, aber man kann z. B. ein rieselfähiges Räuchermittel kontinuierlich einer Heizquelle zuführen. Auch kann man das Aerosol durch einen Gasstrom, z. B. mit einem Gebläse, in eine gewünschte Richtung treiben oder die Verräucherung in einer Brennkammer durchführen, die eine kleine Öffnung besitzt, aus der das Aerosol in der gewünschten Richtung ausströmt. Es ist auch möglich, den Aerosolpartikeln durch eine Apparatur zusätzlich eine stärkere elektrostatische Ladung zu geben.
Für die erfindungsgemässen Räuchermittel gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete, z. B. in der Schäd- lingsbekämpfung, im Pflanzenschutz, bei der Desinfektion, bei der Feuerwerkerei, für Signalzwecke usw.
Man kann sie also überall dort anwenden, wo feste oder flüssige Stoffe in Luft bzw. in andern Gasen verteilt werden sollen.
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Beispiel 1 : Aus28Gew.-Teilen l, 2-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan und 72 Gew.-Teilen y-Hexachlorcyclohexan wird ein Pulver hergestellt. Dieses wird an einer Stelle mit einem Streichholz angezündet. Es reagiert ohne Flamme durch und stösst ein dichtes y-Hexachlorcyclohexan-Aerosol aus.
Beispiel 2 : Aus 30 Gew.-Teilen l, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan,
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<tb> 20 <SEP> Gew.-Teilen <SEP> Dicyandiamid, <SEP>
<tb> 20 <SEP> Gew. <SEP> Tei1en <SEP> a-Hexachlorcyclohexan, <SEP>
<tb> 12 <SEP> Gew.-Teilen <SEP> Kieselgur,
<tb> 10 <SEP> Gew.-Teilen <SEP> Talkum <SEP> und
<tb> 8 <SEP> Gew.-Teilen <SEP> Aminoazobenzol-azo-ss-naphthol <SEP> (Sudanrot) <SEP>
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wird ein Pulver hergestellt. Dieses wird an einer Stelle mit einem glimmenden Stück eines KNOWS- imprägnierten Papiers berührt. Es reagiert flammenlos durch und stösst einen intensiv rot gefärbten Rauch aus.
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<tb> :1, <SEP> 0 <SEP> g <SEP> Melamin,.
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1, <SEP> 0 <SEP> g <SEP> Polyvinylchlorid,
<tb> 0, <SEP> 5 <SEP> g <SEP> Tonerdegel,
<tb> 0, <SEP> 1 <SEP> g <SEP> Quellton,
<tb> 0, <SEP> 4 <SEP> g <SEP> Talkum <SEP> und
<tb> 0, <SEP> 5 <SEP> g <SEP> N-Methylcarbaminsäure-phenylester
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wird eine 5, 2 g schwere Tablette gepresst. Die Tablette wird mit einer Kante in eine wässerige Aufschlämmung von 40 Teilen Dextrin, 7 Teilen Borax, 15 Teilen Cellulosepulver, 1 Teil Antimonpentasulfid, 12 Teilen Kaliumpersulfat und 25 Teilen Kaliumbromat getaucht. Dieser Zündsatz wird trocknen gelassen. Die an diesem Zündsatz mit dem Streichholz angezündete Tablette reagiert von dort aus flammenlos durch und stösst einen dichten N-Methylcarbaminsäure-phenylester-haltigen Rauch aus.
Beispiel 4 : Aus 0, 80 g 1, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza-cyc1ooctan,
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<tb> 0, <SEP> 45 <SEP> g <SEP> Dicyandiamid,
<tb> 0, <SEP> 25 <SEP> g <SEP> Polyvinylchlorid,
<tb> 0, <SEP> 95 <SEP> ga-Hexachlorcyclohexan, <SEP>
<tb> 0, <SEP> 40 <SEP> g <SEP> pyrogen <SEP> erzeugter <SEP> Kieselsäure,
<tb> 0, <SEP> 08 <SEP> g <SEP> Quellton,
<tb> 0, <SEP> 17 <SEP> g <SEP> Talkum,
<tb> 0,65 <SEP> g <SEP> N-Methylcarbaminsäure-phenylester <SEP> und
<tb> 0, <SEP> 35 <SEP> g <SEP> y-Hexachlorcyclohexan <SEP>
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wird eine 4, 1 g schwere Tablette gepresst. Die Tablette reagiert, wenn sie an einer Kante mit einem Streichholz angezündet wird und die gebildete Flamme anschliessend ausgeblasen worden ist, flammenlos durch und stösst einen dichten Rauch aus, der die beiden letztgenannten Wirkstoffe enthält.
Beispiel 5 : Aus 15 Teilen l, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-1, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan,
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<tb> 30 <SEP> Teilen <SEP> Dicyandiamid,
<tb> 30 <SEP> Teilen <SEP> Schwefelblüte <SEP> und
<tb> 25 <SEP> Teilen <SEP> N-Trichlormethylthiotetrahydrophthalamid
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wird ein Pulver hergestellt. Dieses wird, wie in Beispiel 2 beschrieben, gezündet. Es reagiert flammenlos durch und aus dem Rauch, der kein Schwefeldioxyd enthält und von Pflanzen gut vertragen wird, schlägt sich auch aus grosser Verdünnung ein Belag nieder, der das Auskeimen von Pilzsporen verhindert.
Beispiel 6 : Aus 30 Teilen l, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-l, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan,
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<tb> 30 <SEP> Teilen <SEP> Dicyandiamid,
<tb> 25 <SEP> Teilen <SEP> Attaclay <SEP> (hochsaugfähiges <SEP> Tonmineral) <SEP> und
<tb> 15 <SEP> Teilen <SEP> N-Diäthyl-n-caprylsäureamid
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wird ein Pulver hergestellt. Das Pulver wird, wie in den Beispielen 2 und 5 beschrieben, gezündet. Der Nebel enthält den an letzter Stelle genannten Wirkstoff und vertreibt Insekten.
Beispiel 7 : Ein Pulver aus
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<tb> 30 <SEP> Teilen <SEP> 1, <SEP> 5-Endomethylen-3, <SEP> 7-dinitroso-1, <SEP> 3, <SEP> 5, <SEP> 7-tetraaza-cyclooctan, <SEP>
<tb> 20 <SEP> Teilen <SEP> Dicyandiamid,
<tb> 10 <SEP> Teilen <SEP> Aluninlumhydroxydgel <SEP> und
<tb> 40 <SEP> Teilen <SEP> 2, <SEP> 2'-Dioxy-3, <SEP> 5, <SEP> 6, <SEP> 3', <SEP> 5', <SEP> 6'-hexachlordiphenylmethan <SEP>
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ergibt, entsprechend den Beispielen 2,5 und 6, einen Rauch, der den an letzter Stelle genannten Wirkstoff enthält.
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Beispiel 8 : Aus 9 Teilen 1. 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-l, 3, 5, 7-tetraaza-cyc1ooctan,
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<tb>
<tb> 55 <SEP> Teilen <SEP> Guanidinnitrat,
<tb> 2 <SEP> Teilen <SEP> Kolophonium,
<tb> 9 <SEP> Teilen <SEP> Holzmehl,
<tb> 3 <SEP> Teilen <SEP> Kaolin,
<tb> 2 <SEP> Teilen <SEP> Quellton,
<tb> 2 <SEP> Teilen <SEP> Talkum <SEP> und
<tb> 18 <SEP> Teilen <SEP> y-Hexachlorcyclohexan
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wird ein Granulat hergestellt. Dieses reagiert, mit dem Streichholz angezündet, flammenlos durch und stösst einen Rauch aus, der y-Hexachlorcyclohexan enthält.
Beispiel 9 : Aus 44 Teilen l, 5-Endomethylen-3, 7-dinitroso-l, 3, 5, 7-tetraaza-cyclooctan,
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<tb> 15 <SEP> Teilen <SEP> Guanidincarbonat,
<tb> 20 <SEP> Teilen <SEP> Magnesiumbromid,
<tb> 10 <SEP> Teilen <SEP> Tonerdegel,
<tb> 20 <SEP> Teilen <SEP> r-Hexachlorcyc1ohexan <SEP> und
<tb> 6 <SEP> Teilen <SEP> Methylcarbaminsäure-phenylester
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wird ein Pulver hergestellt. Dieses reagiert entsprechend Beispiel 1.
PATENTANSPRÜCHE ;
1. Mittel zum. Verschwelen chemischer Substanzen, gekennzeichnet durch einen Gehalt an