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Verfahren zur Blindstromkompensation in tonfrequenzüberlagerten Energieverteilnetzen
Unter den energieverbrauchenden elektrischen Apparaten gibt es bekanntlich solche, die ausser Wirkleistung auch Blindleistung aufnehmen. Dies kommt in einem niedrigen Leistungsfaktor des Netzes zum Ausdruck. Durch die Blindleistung werden die Erzeugungs-, Transport-und Verteilanlagen der Energiebetriebe zusätzlich belastet. Insbesondere sind es die Asynchronmotoren, die wegen ihrer grossen Verbreitung die Anlagen am meisten mit Blindstrom belasten.
Zur Verbesserung des Leistungsfaktors werden statische Kondensatoren in Parallelschaltung an das Netz angeschlossen. Diese entlasten dann am wirksamsten alle Anlageteile von Blindstrom, wenn sie als Blindleistungserzeuger in der Nähe der hauptsächlichsten Blindleistungsverbraucher, also meist im Niederspannungsnetz angeschlossen werden. Wegen der zunehmenden Industrialisierung nimmt auch der Einsatz von Kondensatoren ständig zu.
Eine ebenfalls zunehmende Verbreitung erfahren die Anlagen zur zentralen Fernsteuerung der vielen, im Netz verteilten Tarifapparate, Heisswasserspeicher, Strassenlampen u. dgl. mittels torfrequenter, dem Netz überlagerter Signalströme. Solche Anlagen sind unter den Bezeichnungen tonfrequente Zentralsteueranlagen, Netzfernsteueranlagen, Netzkommandoanlagen, Tonfrequenz-Rundsteueranlagen ("TRA") usw. bekannt.
In Netzen mit überlagerten Tonfrequenzsignalströmen können Kondensatoren den Fernsteuerbetrieb auf verschiedene Weise behindern. Da die Frequenz der Signalströme um ein Mehrfaches höher ist als die Netzfrequenz, nehmen die Kondensatoren verhältnismässig viel Tonfrequenzstrom auf. Hiedurch wird die Sendeanlage zusätzlich belastet. Infolge der erhöhten Signalströme treten aber auch zusätzliche Spannungsverluste in den tonfrequenten Längsreaktanzen zwischen der Sende-und den Empfangsstellen auf. Da die Tonfrequenzankopplung meist im Mittel- oder Hochspannungsnetz stattfindet, werden tonfrequente Spannungsabfälle vor allem durch die Streureaktanzen der Netztransformatoren und die Leitungreaktanzen verursacht. Sinkt dadurch die tonfrequente Signalspannung im Niederspannungsnetz unter den Sollwert, so wird die sichere Funktion der Empfangsgeräte in Frage gestellt.
Es kann aber auch vorkommen, dass die Längsreaktanzen des Netzes und die Querkapazität der Niederspannungskondensatoren bei der Signalfrequenz einen Serieresonanzkreis bilden. Dann entsteht an Stelle einer tonfrequenten Spannungssenkung eine Spannungserhöhung im Niederspannungsnetz, was in vermehrtem Masse zu einer Überlastung der Sendeanlage führen kann.
Es muss nun vermieden werden, dass zwei hervorragende Hilfsmittel der Energieversorgung, nämlich die statischen Kondensatoren einerseits und die tonfrequente Zentralsteuerung anderseits, sich gegenseitig in ihrer weiteren Verbreitung behindern. Es sind zwar verschiedene Mittel bekannt, um störende Einflüsse der Kondensatoren auf die Zentralsteueranlagen zu vermeiden oder zu mildern. Die meisten davon sind aber nur in bestimmten Fällen anwendbar. Die bekannteste und universellste Massnahme besteht darin, dass in Reihe mit jedem Kondensator ein tonfrequenter Sperrkreis oder eine Drosselspule mit ausreichender Tonfrequenzreaktanz vorgeschaltet wird. Die Anschaffung und der Einbau solcher Sperrmittel verteuert jedoch den Einsatz von Kondensatoren, insbesondere, wenn diese aus einer grösseren Anzahl von kleineren Niederspannungskondensatoren bestehen.
Das Bedürfnis nach wirtschaftlicheren Lösungen besteht deshalb nach wie vor und wächst mit der weiteren Verbreitung der tonfrequenten Zentralsteuerung und der Kondensatoren.
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Die vorliegende Erfindung bezweckt, mit möglichst geringem Aufwand den Bedürfnissep der Energieverteilung und der tonfrequenten Netzüberlagerung zugleich zu dienen. Sie betrifft ein Verfahren zur Blindstromkompensation mittels statischer Kondensatoren in tonfrequenzüberlagerten Energieverteilnetzen und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Blindstromkompensation zweiteilig als kombinierte Serie- und Parallelkompensation erfolgt, wobei die zwei Teile so bemessen werden, dass die Seriekompensation bei Nennbelastung eine vorbestimmte Anhebung der Netzspannung bei den Energieverbrauchern und zugleich eine gewisse Erhöhung des Leistungsfaktors bewirkt und dass die Parallelkompensation die restliche Erhöhung des Leistungsfaktors auf einen vorbestimmten Wert und eine Erhöhung der tonfrequenten Netzimpedanz herbeiführt.
An Hand der Fig. 1 - 7 der Zeichnung wird das erfindungsgemässe Verfahren näher erläutert. Es zeigen : Fig. 1 eine bekannte Schaltung eines kompensierten Niederspannungsnetzes, Fig. 2 Resonanzkurven der Schaltung nach der Fig. l, Fig. 3 eine weitere bekannte Schaltung eines kompensierten Niederspannungsnetzes, Fig. 4 ein Beispiel eines nach dem erfindungsgemässen Verfahren kompensierten Verteilnetzes, Fig. 5 und 6 je ein Vektordiagramm zur Schaltung nach der Fig. 4 und Fig. 7 Blindleistungskurven in Funktion der Netzbelastung.
Die Fig. l stellt die bisher üblichste Kompensationsweise dar, nämlich die reine Parallelkompensation mittels Kondensatoren im Niederspannungsnetz. Die Kondensatoren können in der Transformatorenstation aufgestellt oder im Niederspannungsnetz verteilt sein. Ein Verteiltransformator, der die Mittelspannung auf die Niederspannung herabsetzt, ist mit Tr bezeichnet. R stellt eine rein ohmsche Belastung, M eine Motorenbelastung und Qp die Parallelkondensatoren bzw. deren Blindleistung dar.
Mit uN1. uT1, UN2, UT2 sind in den Fig. l - 6 die Netz- und Tonfrequenzspannungen am Anfang und am Ende des betrachteten Netzteiles bezeichnet. Alle diese Grössen stellen relative Spannungen dar, d. h. sie sind in Prozenten der Netz-Nennspannung der betreffenden Stelle ausgedrückt. Damit fällt das Übersetzungsverhältnis des Transformators aus der Betrachtung und die Allgemeingültigkeit der quantitativen Zusammenhänge kommt deutlicher zum Ausdruck. Die Grösse u ist also die relative Netzspannung am Eingang des betrachteten Netzteiles, uN2 die mittlere relative Netzspannung bei den Niederspannungsenergieverbrauchern.
Analog ist uT1 die relative tonfrequente Spannung am Eingang des betrachteten Netzteiles und uT2 die mittlere relative Tonfrequenzspannung im Niederspannungsnetz, d. h. an den Empfangsgeräten (Empfangsspannung). Als spezifische Empfangsspannung uT wird ferner das Verhältnis der relativen Empfangsspannung UT2 zur relativen Tonfrequenzspannung uTl am Eingang des betrachteten Netzteiles bezeichnet.
In der Fig. 2 ist der typische Verlauf der spezifischen Empfangsspannung u'r'bei einer bestimmten Tonfrequenz in Funktion der Blindleistung Qp der ungesperrten Parallelkondensatoren nach der Fig. 1 dargestellt. Die Kurve 1 gilt für einen starken, die Kurve 2 für einen schwachen Anteil der ohmschen Belastung R an der Gesamtlast des betreffenden Teilnetzes nach der Fig. 1. Die Kurve 1 ist charakteristisch für allgemeine Verbrauchernetze mit kompensierten Motoren beim Höchstwert des ohmschen Belastunganteiles. Die Kurve 2 gilt mehr bei schwacher ohmscher Belastung, aber voll eingeschalteten Kondensatoren in solchen Netzen sowie für kompensierte Industrienetze. Beide Kurven lassen bei einem bestimmten Qp-Wert eine Resonanzstelle erkennen, bei der uT ein ausgesprochenes Maximum aufweist.
Die relative Tonfrequenzspannung uT2 im Verbrauchemetz kann in der Nähe des Resonanzpunktes
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grösser als 1 ist. Ist die Blindleistung Qp der Parallelkondensatoren grösser als der rund doppelte Resonanzwert Qpo, so wird die spezifische Empfangsspannung uT kleiner als 1. Beide Zustände, sowohl eine stark überhöhte als auch eine stark abgesenkte spezifische Empfangsspannung uT, sind unerwünscht.
Die Fig. 3 zeigt dasselbe Schaltbild eines Niederspannungsverteilnetzes mit Transformatorenstation und Mittelspannungsspeisung wie die Fig. l, jedoch mit Tonfrequenz-Sperrkreisen Sp in Reihe mit den Parallelkondensatoren Qp. Im Gegensatz zu den Kurven der Fig. 2 würde die spezifische Empfangsspannung uT bei dieser Anordnung nach der Fig. 3 viel flacher, d. h. weniger abhängig von der Blindleistung Qp verlaufen als bei ungesperrten Kondensatoren nach der Fig. 1. Dem steht jedoch als Nachteil der Aufwand für die Anschaffung und den Einbau der Sperrmittel Sp gegenüber.
Die Fig. 4 gibt die Schaltung wieder, die dem erfindungsgemässen Verfahren zugrunde liegt. Die Blindleistung Qp der Parallelkondensatoren ist hier kleiner als bei reiner Parallelkompensation nach den Fig. l und 3. Anderseits ist ausser den Parallelkondensatoren Qp noch ein Seriekondensator mit einer Blindleistung QS vorgesehen, und die Blindleistungen QS und Qp sind so bemessen, dass vor dem Serie-
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kondensator bei Nennlast der gewünschte Leistungsfaktor und überdies eine Erhöhung der tonfrequenten Eingangsimpedanz des betreffenden Netzteiles und an den Verbraucherapparaten eine Anhebung der Netzspannung uN2 in einem vorbestimmten Ausmass erzielt wird.
Mit US ist die relative Spannung am Seriekondensator bezeichnet
Die Vektordiagramme der Fig. 5 und 6 dienen zur Verdeutlichung der Wirkungsweise des Seriekondensators von der Fig. 4 bei Netzfrequenz. Zu diesem Zwecke werden noch folgende weitere netzfrequente Spannungsgrössen definiert. Mit Au wird die relative (d. h. prozentuale) Spannungssenkung bei den Verbrauchern bezeichnet, die eintreten würde, wenn keine Seriekompensation vorhanden wäre. Der relative Spannungsabfall in den Leitungen und im Transformator Tr, der diese Spannungssenkung verursacht, wird mit Auz bezeichnet. Er ist ein Vektor, dessen Richtung im allgemeinen nicht mit derjenigen des Netzspannungsvektors uN2 zusammenfällt und dessen skalarer Wert deshalb grösser ist als Au.
Seine ohmsche Komponente wird mit Auj. und seine induktive Komponente mit Aux bezeichnet.
Aus diesen Definitionen ergeben sich folgende Vektorgleichungen :
Wenn kein Seriekondensator vorhanden ist (Fig. 1 und 3), gilt nur die Beziehung : uN2 + z = UN1'. (s. Fig. 5)
Wenn dagegen ein Seriekondensatcr nach der Fig. 4 vorhanden ist, so gilt : uN2 + Auz + Us = uN1' (s.
Fig. 5 und 6)
Daraus ist bereits ersichtlich, dass die Seriekompensation den Phasenwinkel zwischen dem Strom und der Spannung am Eingang des Netzes vom Wert < P1'ohne Seriekondensator auf den Wert < P1 mit Seriekondensator verkleinert (Fig. 5). Der Seriekondensator QS verbessert also den Leistungsfaktor am Eingang des Netzes, nämlich im Beispiel nach Fig. 5 von cos 0, 73 auf cosse, = 0,80 bei cosse2 = 0, 75 der Energieverbraucher.
Ferner geht aus der Fig. 5 hervor, dass uN1 < uN1', d. h. dass bei Vorhandensein eines Seriekondensators zur Erzielung einer bestimmten Netzspannung uN2 an den Verbrauchern eine kleinere Netzspannung uN1 am Eingang des Netzes erforderlich ist, als wenn die Spannung uS am Seriekondensator
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Beispielsweise ist in der Fig. 5 die Spannung US so bemessen, dass /uN2/ = /uN1/, dass also der zu Au = 101o angenommene Spannungsverlust in den Leitungen und im Transformator gerade aufgehoben wird. Im Beispiel nach der Fig. 6 dagegen ist der Spannungsverlust Au zu nur 5% angenommen und uS ist so gewählt, dass die Spannung uN2 an den Verbrauchern um einen Betrag von ebenfalls 5% höher wird als die Spannung uN1 am Eingang des Netzes.
Ganz allgemein setzt sich die total erforderliche Spannungsanhebung durch den Seriekondensator aus dem aufzuhebenden Spannungsverlust Au in den Leitungen und Transformatoren und aus der gewünschten Spannungserhöhung AuS an den Verbrauchern bei Nennlast gegenüber Nullast zusammen. Alle drei Grössen Au, AuS und uS sind proportional der Netzlast.
Diese Wirkungen von Seriekondensatoren sind bekannt. Den Diagrammen der Fig. 5 und 6 kann jedoch auch entnommen werden, dass die durch Seriekompensation erzielbare Verbesserung des Leistungsfaktors begrenzt und umso geringer ist, je niedriger der ursprüngliche Leistungsfaktor und je geringer der Spannungsabfall in den Leitungen und Transformatoren bzw. je geringer der zulässige Spannungsanstieg auf der Verbraucherseite bei Nennlast gegenüber Nullast ist. Seriekondensatoren haben deshalb bisher mehr nur als Mittel zum automatischen und unverzögerten Ausgleich übermässiger Spannungsverluste, insbesondere in langen Mitteispannungsfreileitungen, und damit auch zur Spannungsberuhigung Eingang gefunden, kaum jedoch für die Blindstromkompensation als Hauptziel.
Anders liegen die Verhältnisse, wenn zu den Aufgaben der Blindstromkompensation noch solche der Tonfrequenzüberlagerung hinzukommen. Wie eingangs erwähnt, drängt sich die Blindstromkompensation dort auf, wo das Netz ausgesprochen induktiven Charakter hat, der insbesondere durch den Einsatz von Asynchronmotoren zustandekommt. Solange ein solches Netz nicht kompensiert ist, ist es auch für die tonfrequenten Signalströme induktiv. In bezug auf die Signalströme haben die Motoren im Normalbetrieb einen sehr grossen Schlupf, d. h. sie sind tonfrequenzmässig sozusagen im Anlaufzustand.
Trotz der um ein Mehrfaches der Netzfrequenz höheren Signalfrequenz haben deshalb gewerbliche Motoren unterhalb etwa 600-700 Hz eine Reaktanz, die kleiner ist als ihre durchschnittliche 50 Hz-Betriebsimpedanz.
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Werden Motoren in bisher üblicher Weise kompensiert, so wird ihr induktiver Tonfrequenzleitwert durch die Parallelkondensatoren von durchschnittlich etwa 223 Hz an aufwärts mehr als kompensiert.
Ein kompensiertes Motorennetz wird also für die Tonfrequenz kapazitiv. Oberhalb etwa 240 Hz wird der Absolutwert seiner tonfrequenten Impedanz sogar niedriger als seine 50 Hz-Netzimpedanz. Innerhalb gewisser Grenzen ist dies tragbar. Bei starker Besetzung eines Netzes mit kompensierten Motoren und andern parallelkompensierten Blindstromverbrauchern können dagegen durch die niedrige kapazitive Tonfrequenzimpedanz die an Hand der Fig. 2 beschriebenen Unzukömmlichkeiten auftreten.
Der Grundgedanke des erfindungsgemässen Verfahrens besteht nun darin, dass nur ein Teil der zur Kompensation des Netzes erforderlichen Blindleistung durch die Parallelkondensatoren Qp und der andere Teil durch die Serie kondensatoren QS geliefert wird. Die Seriekondensatoren haben auf die tonfrequenten Signalströme nur einen verschwindend kleinen und eher günstigen Einfluss. Durch die entsprechend kleinere Bemessung der Parallelkondensatoren Qp wird die tonfrequente Überkompensation des Netzes wesentlich geringer oder überhaupt beseitigt, die tonfrequente Netzimpedanz also wesentlich erhöht. Je nach der Signalfrequenz und der Bemessung der Parallelkondensatoren Qp (s. Fig. 4) ist es sogar möglich, deren kapazitiven Tonfrequenzleitwert gerade ungefähr gleich gross zu machen wie die induktive Komponente des tonfrequenten Netzleitwertes.
Ein Industrienetz kann dadurch eine relativ sehr hohe Tonfrequenzimpedanz erhalten, so dass es zwar die tonfrequente Signalspannung erhält, aber nur sehr wenig Tonfrequenzstrom absorbiert, sogar wesentlich weniger als das unkompensierte Netz aufnehmen würde.
Dieser tonfrequenzmässige Idealzustand wird sich indessen nur ausnahmsweise gleichzeitig mit vorbestimmten Werten der Blindstromkompensation und der Spannungsstützung erreichen lassen. Dies ist aber auch nicht nötig. Es genügt durchaus, wenn die aus der Fig. 2 ersichtlichen Unzukömmlichkeiten vermieden werden. Dieses Ziel ist, abgesehen von Anlagen mit relativ hohen Signalfrequenzen, In weitem Rahmen der sehr unterschiedlichen Verhältnisse der Praxis immer erreichbar. Je nach den Umständen kann deshalb die Anwendung des Verfahrens nach freiem Ermessen mehr im Hinblick auf optimale Ver- hältnisse für die Tonfrequenzanlage oder auf bestimmte Ziele der Spannungshaltung oder der Blindstromkompensation ausgerichtet werden.
Man kann also im Rahmen des Erfindungsgedankens den Seriekondensator so bemessen, dass die Netzspannung uN2 bei den Verbrauchern bei Nennlast z. B. ungefähr gleich hoch oder um einen beliebigen Betrag AuS höher wird als bei Nullast. Auf alle Fälle wird dadurch zugleich eine gewisse Verbesserung des Leistungsfaktors erreicht. Da diese im allgemeinen noch nicht ausreicht, so wird die restliche Verbesserung durch Parallelkompensa, ion zustandegebracht. Die Parallelkompensation hat praktisch keinen Einfluss auf die Netzspannung, aber ausser der gewünschten Verbesserung des Leistungsfaktors verändert sie auch die Tonfrequenzimpedanz des Netzes in günstigem Sinne. Bei einer bestimmten Blindleistung Qp der Parallelkompensation würde die Tonfrequenzimpedanz einen Maximalwert erreichen.
Man kann dabei von einer Parallelresonanz der Parallelkondensatoren mit den induktiven Energieverbrauchern sprechen.
Bei Abweichung der Blindleistung Qp von diesem Resonanzwert wird die tonfrequente Netzimpedanz kleiner als bei Parallelresonanz, aber abgesehen von extrem tiefen Steuerfrequenzen immer wesentlich grösser als bei reiner Parallelkompensation nach der Fig. l. In der Fig. 2 tritt dies dadurch in Erscheinung, dass bei Kompensation nach dem erfindungsgemässen Verfahren der Wert Qp gemäss der Fig. 4 so weit unterhalb des Serieresonanzwertes Qpo zu liegen kommt, dass weder eine störende Überhöhung noch eine unzulässige Absenkung der spezifischen Empfangsspannung uT zu befürchten ist.
Bei Auslegung des netzfrequenten Vektordiagrammes geht man vom gewünschten cosy am Eingang des Netzes bei Nennlast aus. Auf Grund einer vorbestimmten Anhebung der Netzspannung bei den Energieverbrauchern, die sich bei Nennlast aus dem Spannungsverlust Au in den Leitungen und Transformatoren und einer eventuell erwünschten Spannungserhöhung Aus zusammensetzt, lassen sich die hiefür nötige Spannung uS am Seriekondensator und der Leistungsfaktor cos < ermitteln, auf den das Verbrauchernetz mittels Parallelkompensation gebracht werden muss (s.
Fig. 6). Die Berechnung der erforderlichen Blindleistung Qp der Parallelkompensation, um den Leistungsfaktor vom Wert coscv des unkompensierten Verbrauchemetzes auf den Wert cost2 des teilweise parallelkompensierten Verbrauchemetzes zu erhöhen, erfolgt nach den üblichen Regeln der Parallelkompensation. Die Blindleistung Qs des Seriekondensators ergibt sich aus dem Nennstrom (Nennleistung) des Netzes und der Spannung US am Seriekondensator.
Obwohl das beschriebene Verfahren hauptsächlich für Niederspannungsverteilnetze in Frage kommt, ist es grundsätzlich nicht auf solche beschränkt, sondern auch auf höhere Spannungsebenen anwendbar.
Wirtschaftlich betrachtet kommt es für eine bestimmte Blindstromkompensation ungefähr auf dasselbe hinaus, ob die hiefür erforderliche Blindleistung von Parallel- oder von Seriekondensatoren geliefert wird.
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Dem Mehraufwand für die isolierte Aufstellung und den Kurzschlussschutz von Seriekondensatoren steht eine Einsparung an Schaltmaterial gegenüber. Der materielle Aufwand für eine Kompensation nach dem erfindungsgemässen Verfahren ist deshalb ungefähr derselbe wie für reine Parallelkompensation nach der Fig. l, aber kleiner als für gesperrte Parallelkompensation nach der Fig. 3, insbesondere, wenn die Blindleistung Qp auf viele kleinere Einheiten verteilt ist. Darüber hinaus bietet jedoch das erfindungsgemässe
Verfahren gegenüber der reinen Parallelkompensation folgende Vorteile :
1. Beruhigung der Netzspannung bei Belastungsstössen, insbesondere von Motoren und Schweiss- maschinen, infolge der unverzögerten, automatischen Kompensation von Spannungsabfällen in Leitungen und Transformatoren.
2. Natürliche Anpassung der Kompensation an den Blindleistungsbedarf. Bei reiner Parallel- kompensation besteht das Risiko der Fehlkompensation, wenn bei wechselnder Netzbelastung nicht auch die Blindleistung der Kondensatoren, z. B. mittels einer teueren und der Wartung bedürfenden Regel- automatik, dem veränderlichen Bedarf angepasst wird. Die Anordnung nach der Fig. 4 dagegen, deren
Gesamtblindleistung Qp + QS der Nennlast angepasst ist, liefert bei schwacher Netzlast praktisch nur den Betrag Qp, was etwa dem Blindleistungsbedarf von Transformatoren und einigen schwachbelasteten
Motoren entsprechen mag. Bei Zwischenwerten der Belastung verläuft die Blindleistungsabgabe kontinuier- lich zwischen den Grenzwerten Qp und (Qp + QS).
Die Fig. 7 zeigt die Blindleistungen in Abhängigkeit von der Scheinleistung S des Netzes in Prozenten der Nennleistung. Die Linie 1 stellt den ungefähren Verlauf des Blindleistungsbedarfes, die Linie 2 die totale Blindleistungsabgabe Qp + QS und die gestrichelte Linie 3 die Blindleistungsabgabe einer reinen und ungeregelten Parallelkompensation nach der Fig. 1 oder 3 dar. Wie ersichtlich, decken sich der
Bedarf (1) und die Abgabe (2) beim erfindungsgemässen Verfahren viel besser als bei reiner Parallel- kompensation (3).
3. Freiheit in bezug auf spätere Entscheide über die Einführung der Tonfrequenzüberlagerung.
Bisher sah sich ein Elektrizitätsunternehmen, das noch keine Tonfrequenzanlage hatte, aber die Kompen- sation einführen oder verstärken wollte, gezwungen, entweder die Abonnenten zu Sperrmassnahmen zu veranlassen, deren Notwendigkeit oder Zweckmässigkeit noch nicht feststand, oder sich vorzeitig auf eine bestimmte Signalfrequenz festzulegen oder für nachträgliche Sperrmassnahmen erhöhten Aufwand und Umtriebe zu riskieren. Beim erfindungsgemässen Kompensationsverfahren sind Sperrmassnahmen im Bereich der meist angewendeten Steuerfrequenzen überflüssig.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Blindstromkompensation mittels statischer Kondensatoren in tonfrequenzüberlagerten
Energieverteilnetzen, dadurch gekennzeichnet, dass die Blindstromkompensation zweiteilig als kombinierte
Serie- und Parallelkompensation erfolgt, wobei die zwei Teile so bemessen werden, dass die Serie- kompensation bei Nennbelastung eine vorbestimmte Anhebung der Netzspannung bei den Energieverbrauchern und zugleich eine gewisse Erhöhung des Leistungsfaktors bewirkt, und dass die Parallel- kompensation die restliche Erhöhung des Leistungsfaktors auf einen vorbestimmten Wert und eine Er- höhung der tonfrequenten Netzimpedanz herbeiführt.