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Österreichische PATENTSCHRIFT ? 18442.
FRANK PULLEN CANDY UND HEINRICH CARL WERNER,
BEIDE IN LONDON.
Verfahren zur Reinigung von Abwässern auf biologischem Wege.
Bei der Reinigung von Abwässern auf biologischem (bakteriologischem) Wege verfuhr man bisher so, dass man die Abwässer, indem man dieselben in Klärbehälter und über Oxydationsbetten führte, solchen Einflüssen aussetzte, dass sich in denselben Mikroorganismen bilden konnten, welche die Reinigung der Abwässer bewirken oder unterstützen.
Vorliegende Erfindung bezweckt, die Einwirkung der aëroben Mikroorganismen auf die Abwässer dadurch zu befördern und zu unterstützen, dass die Bildung derselben nicht gewissermassen nur dem Zufall überlassen wird, sondern dass in planmässiger Weise für eine angemessene Durchbringung der Abwässer mit die Reinigung bewirkenden aeroben Mikroorganismen Sorge getragen wird. Dieses geschieht dadurch, dass die Abwässer mit geeigneten aeroben Mikroorganismen geimpft werden.
Die der Erfindung zufolge vorzunehmende Impfung der Abwässer kann in Verbindung
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der Abwässer mit aeroben Mikroorganismen bei einem Reinigungsverfahren anzuwenden, bei welchem die Abwässer, nachdem dieselben in Schlammkammern von den schweren mineralischen Schmutzteilen befreit sind, in Aufbereitungs-und Klärkammern und dann
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bildende Verfahren der Impfung von Abwässern in Verbindung mit einem derartigen Reinigungsverfahren benutzt wird, so empfiehlt es sich, als Impfstoff die Sinkstoffe der "on den Oxydationsbetten abfliessenden gereinigten Wässer zu benutzen, da diese Sinkstoffe reich an für die Reinigung der Abwässer geeigneten aëroben Mikroorganismen und höheren Lebewesen sind.
Die Ausführung des den Gegenstand der Erfindung bildenden Verfahrens gestaltet sich unter Voraussetzung einer Verbindung mit dem angedeuteten Reinigungsverfahren zweckmässig in der Weise, dass db Abwässer, bevor dieselben in die Schlammkammern oder aus diesen in die Klär- bezw. Aufbereitungskammern eingeführt werden, mit den Sinkstoffen der von den Oxydationsbetten abfliessenden gereinigten Wässer geimpft werden.
Aus den Klärkammern werden die geimpfton Abwässer zunächst über sogenannte Vorbetten geführt, welche mit Kleinschlag, harten Schlacken oder porösen unlöslichen Stoffen in Korngrösse von etwa 35-75 mm gefüllt sind. Die Beschickung dieser Vorbotten erfolgt zweckmässig periodisch, um das Füllmaterial der Betten öfters ruhen zu lassen und es nach Möglichkeit in Berührung mit dem Sauerstoff der Luft zu bringen. Am Boden der \'orbetten werden die Abwässer in Kanälen gesammelt und einer zweiten Reihe von Oxydatiqnsbetten zugeleitet. Diese zweite Reihe von Oxydationsbetten wird zweckmässig mit einer Frillting versehen, durch welche eine noch stärker oxydierende Wirkung ausgeübt wird. als durch die bereits erwähnten Vorbetten.
Zu diesem Zweck wird diese zweite Reihe von Oxydationsbetten ausser mit dem Material der Vorbetten, d. h. mit Kohlenschlacke oder anderem porösen Material, noch mit einer Lage von sogenannten Karboforrit gefüllt, weshalb diese Oxydationsbetten als Karboferritbetten bezeichnet werden. Das Karboferrit wird aus einem natürlichen Eisenkarbonat hergestellt und besitzt ein äusserst starkes Oxydationsvcrmögfn. Übrigens ist die Füllung der Karboferritbotten zweckmässig
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von geringerer Korngrösse, als die Füllung der Vorbetton. Die Beschickung der Karboferrit. betten erfolgt zweckmässig, ebenso wie diejenige der Vorbotten, periodisch.
Erlauben die Umstände nicht die Anlage von zwei Sätzen Oxydationsbetten, so fallen die Vorbotten zweckmässig weg und es kommen nur die sogenannten Karboforritbetten zur Anwendung.
Das starke Oxydationsvcrmögen des Karboferrits bewirkt nicht nur eine ausgiebige Oxydation des vorhandenen freien und Albuminoid-Ammoniaks, sondern vernichtet auch zum grössten Teil die vorhandenen anaëroben Bakterien, soweit solche nicht schon in den Vorbetten zerstört wurden. In den Oxydationsbetten (den Vorbetten und den Karboferritbetten) findet gleichzeitig mit der Vernichtung der anaëroben Bakterien eine starke Neubildung und Vermehrung der den Abwässern durch Impfung einverleibten aëroben Mikroorganismen und Infusorien statt, welche, wie eingehende Experimente gezeigt haben, in hohem Masse die Eigenschaft besitzen, rohe Abwässer schnell zu zersetzen und ihre organischen Bestandteile höher zu oxydieren.
In dem von den Oxydationsbetten, insbesondere den Karboferritbetten ablaufenden Produkt finden sich schwärzliche Ablagerungen, welche teilweise aus den Rückständen des Oxydationsprozessos und teilweise aus kleinen Lebewesen bestehen. Diese Mikroorganismen und grössere Lebewesen sind die oben erwähnten Neubildur gen infolge der Impfung der Abwässer mit aeroben Bakterien und gänzlich verschieden von denen, welche in den rohen Abwässern auftreten. Die schwärzlichen Ablagerungen bilden nun den Impfstoff, welcher, wie oben erwähnt, den zu reinigenden Abwässern beigefügt wird.
Die Wirkung dieses Impfstoffes lässt sich dadurch in einfacher Weise anschaulich machen, dass man von zwei Gläsern mit rollen Abwässern dem einen eine geringe Menge dieser Rückstände zusetzt, während man das andere unverändert lässt. Nach mehrtägigem Stehen zeigt dann das erstere Glas eine vollstliudige Zersetzung bezw. Oxydation der organischen Stoffe, da die Flüssigkeit klar ist und nur wenig Geruch und einen geringen schwärzlichen Bodensatz aufweist. Dabei sind die in der Flüssigkeit enthaltenen Bakterien aërober Natur. Die im zweiten Oase enthaltene Flüssigkeit, welche nicht
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Bakterien.
Um ein Stagnieren sauerstoffarmer Flüssigkeit auf den Oxydationsbetten zu verhüten, welches die Wirkung der aeroben Mikroorganismen auf den Betten verringern und die Neubildung von aeroben Mikroorganismen und somit die Menge und Qualität des Impfstoffes beeinträchtigen würde, empfiehlt es sich, am Boden der Oxydationsbetten dauernd geöffnete Abzugsöffnungen vorzusehen.
Die in der beschriebenen Weise, unter Anwendung der Impfung mit den Sinkstoffen dos Ablaufproduktes von den Karbofcnitbetten gC1reinigten Abwässer sind beim Verlassen der Sarnuielrinne, welche dieselben aus den Karboferritbetton abführt, vollkommen klar, gänzlich geruchlos und nicht zur Fäulnis neigend.
Die Ablaufwässer enthalten nämlich nur noch etwa 1/20/0 der ursprünglich in den Abwässern enthaltenen Bakterien, während von den organischen Stoffen über 900/0 zerstört
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gelände zu führen, bevor man es dem nächsten Flussiauf zuführt.
Durch die Anwendung der Impfung der Abwässer wird die Leistungsfähigkeit der Oxydationsbetten erheblich gesteigert derart, dass man auf den Quadratmeter Oxydationsbett in 24 Stunden 27-4-0 m13 Abwässer zu reinigen vermag, das ist etwa doppelt soviel, als bei anderen bekannten Systemen. Durch die Anwendung der Impfung lässt sich daher eine bedeutende Verringerung f. r F ! äche der Oxydationsbetten und Klärkammern erzielen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur biologischen Reinigung von Abwässern auf Oxydationsbetten, dadurch gekennzeichnet, dass zur Impfung der Abwässer vor ihrer Zuführung zu den Oxydationsbetten die an aëroben Mikroben reichen Sinkstoffe der durch die Oxydationsbetten hindurchgegangenen Abwässer benutzt werden.