Verfahren zur Kalibrierung eines aktiven Sensorsystems
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kalibrierung eines aktiven Sensorsystems, das zumindest einen aktiven Sensor A und einen aktiven Sensor B umfasst. Der Begriff„aktiv" deutet an, dass die Sensoren A und B aktiv Signale aussenden.
Der Sensor A weist einen Sender TXA zum Aussenden eines Signals STXA und einen Empfänger RXA zum Empfangen eines Signals SRXA auf, wobei der Empfänger RXA und der Sender TXA in einem RADAR-Modus des Sensors A weitestgehend unabhängig voneinander arbeiten. Der Sensor B weist einen Sender TXB, einen Empfänger RXB und eine Einheit D auf, mit der der Sender TXB in einem Transpondermodus des Sensors B mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass ein von dem Empfänger RXB
empfangenes Signal SRXB vom Sender TXB als Signal STxB wieder ausgesandt wird. Eine Verstärkung Gcon,B zwischen dem empfangenen Signal SRXB und dem wieder
ausgesandten Signal STxB ist dabei vorgegeben. In einem RADAR-Modus des Sensors B ist der Sender TXB nicht mit dem Empfänger RXB verbunden, so dass der Sender TXB und der Empfänger RXB unabhängig voneinander arbeiten.
Die ausgesandten Signale können beispielsweise RADAR-Signale, Lichtsignale oder akustische Signale sein. Insofern eignet sich das vorgeschlagene Verfahren zur
Kalibrierung beispielsweise von RADAR-Systemen, LIDAR-Systemen oder SONAR- Systemen.
Für die Kalibrierung von aktiven Sensorsystemen (beispielsweise satellitengestützte RADAR- oder SAR-Systeme, Flugzeugradare oder bodengestützte Radare) werden zur Zeit aktive und passive Referenzziele mit bekannten Rückstreueigenschaften verwendet. So werden beispielsweise für die absolute Kalibrierung von RADAR-Systemen
vornehmlich Winkelreflektoren (Winkelreflektoren), Metallkugeln und Metallplatten (passiv) als auch Transponder (aktiv) benutzt. Das Rückstreuverhalten kann für einfache passive Ziele näherungsweise berechnet werden. Für realistische, komplexe oder aktive Ziele muss das Rückstreuverhalten aufwendig messtechnisch bestimmt werden. Die dabei entstehenden Unsicherheiten der Messungen summieren sich auf und übertragen sich direkt auf die zu kalibrierenden aktiven Sensorsysteme. Die Kalibriergenauigkeit nimmt hierdurch ab.
Das Rückstreuverhalten der bisher zur Kalibrierung solcher aktiven Sensorsysteme verwendeten Referenzziele muss sehr genau bekannt sein. Hierfür wird das
Rückstreuverhalten entweder messtechnisch erfasst, z.B. mit Hilfe eines kalibrierten Messgeräts bestimmt, wodurch die Unsicherheit im Vergleich zum Messgerät nochmals steigt (die kalibrierte Genauigkeit sinkt), oder durch Simulation bzw. andere analytische Methoden theoretisch bestimmt. Beide Varianten sind mit Fehlern behaftet, die sich auf die erreichbare Gesamtgenauigkeit der bisherigen Kalibrierungen auswirken. Die bisher bei der Kalibrierung solcher aktiver Sensorsysteme erfolgte Rückführung von Messwerten auf eine grundlegende Sl-Größe führt zu entsprechend höheren Unsicherheiten. Die zurzeit verwendeten Referenzziele sind aufgrund ihrer benötigten Größe und/oder Fertigungsgenauigkeit teuer und beschränken durch ihre Fertigungstoleranzen die Kalibriergenauigkeit des gesamten Sensorsystems. Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes kalibriertes Verfahren anzugeben, welches die vorstehend genannten Nachteile zumindest verringert.
Die Erfindung ergibt sich aus den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche. Vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche. Weitere Merkmale, Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung, sowie der Erläuterung von Ausführungsbeispielen der Erfindung, die in den Figuren dargestellt sind.
Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zur (absoluten) Kalibrierung eines Sensorssystems, das zumindest einen Sensor A und einen Sensor B umfasst, wobei der Sensor A einen Sender TXA zum Aussenden eines Signals STXA und einen Empfänger RXA zum Empfangen eines Signals SRXA aufweist, wobei der Empfänger RXA und der Sender TXA in einem RADAR-Modus des Sensors A unabhängig voneinander arbeiten, der Sensor B einen Sender TXB, einen Empfänger RXB und eine Einheit D aufweist, mit der der Sender TXB in einem Transpondermodus des Sensors B mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass ein von dem Empfänger RXB empfangenes Signal SRXB vom Sender TXB als Signal STXB wieder ausgesandt wird, wobei eine Verstärkung Gcon,B zwischen dem empfangenen Signal SRXB und dem wieder ausgesandten Signal STxB vorgegeben ist, und in einem RADAR-Modus des Sensors B der Sender TXB nicht mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass der Sender TXB und der Empfänger RXB unabhängig voneinander arbeiten, ein Objekt C vorhanden ist, das ein auftreffendes
Signal aktiv oder passiv zurücksendet, und der Abstand RAB zwischen dem Sensor A und dem Sensor B, der Abstand RAc zwischen dem Sensor A und dem Objekt C und der Abstand RBc zwischen dem Sensor B und dem Objekt C bekannt ist. Das vorgeschlagene Verfahren umfasst folgende Schritte.
In einem ersten Schritt erfolgt ein Aussenden eines Signals STX. C durch den Sender TX, mit einer Sendeleistung zu dem Objekt C und ein Erfassen des daraufhin vom
Objekt C ausgesandten oder reflektierten Signals c durch den Empfänger RX, mit der Empfangsleistung zur Ermittlung der Verhältnisse:
mit:
zu bestimmender Hardware-Gewinn des Sensors
Wellenlänge, äquivalenter Gewinn des Objekts C,
Radarrückstreuquerschnitt des Objekts C.
In einem zweiten Schritt erfolgt ein Aussenden eines Signals durch den Sender
TX
A mit einer Sendeleistung ZU dem Sensor B, der in dem Transpondermodus mit
der Verstärkung G
con,B betrieben wird, und ein Erfassen des daraufhin vom Sensor B ausgesandten Signals als durch den Empfänger RX
A mit der Empfangsleistung
zur Ermittlung des Verhältnisses:
wobei gilt:
In einem dritten Schritt erfolgt ein Ermitteln von Kalbrierfaktoren FCAL I basierend oder zurückführbar auf folgendem Zusammenhang:
von λ und den Abständen abhängige Konstanten.
In einem vierten Schritt erfolgt ein Kalibrieren der Sensoren A und/oder B mit den Kalibrierfaktoren
Der erste und der zweite Schritt können gleichzeitig oder in umgedrehter Zeitreihenfolge durchgeführt werden. Typischer Weise arbeiten die Sender TXA, TXB und die Empfänger RXA, RXB in einem vorgegebenen Wellenlängenband bzw. Frequenzband und nicht exakt bei einer einzigen Wellenlänge 1 Das angegebene Verfahren kann hierzu derart abgeändert werden, dass die in den vorstehenden Formen angegebene Wellenlänge λ jeweils einem Integral über
alle Frequenzen eines von dem jeweiligen Sender ausgesandten
bandlimitierten Signal entspricht.
Vorteilhaft umfasst der Sender TXB einen Digital-zu-Analog-Konverter (DAC = engl. „digital-analog-converter") und eine Sendeantenne, der Empfänger RXB einen Analog-zu- Digital-Konverter (ADC =„analog-digital-converter") und eine Empfangsantenne, und die Einheit D eine Einheit zur digitalen Signalverarbeitung, die im Transpondermodus den Sender TXB mit dem Empfänger RXB zur Datenkommunikation verbindet.
Die Einheit D kann beispielsweise einen Signalverstärker, ein Zeitverzögerungsglied, ein Signalformungsglied, etc. umfassen, wobei die in der Einheit D bewirkte Änderung des Signals bekannt und deterministisch ist. Vorteilhaft werden die vom Empfänger RXB im Transpondermodus empfangenen Signale von der Einheit D verstärkt und/oder gefiltert und/oder zeitverzögert, bevor diese an den Sender TXB weitergeleitet werden. Der Sensor A und der Sensor B sind vorteilhaft RADAR-Sensoren (RADAR = engl,„radio detection and ranging" oder SONAR-Sensoren oder LIDAR-Sensoren (SONAR = engl, „sound naviqation and ranging"; LIDAR = engl,„light detection and ranging").
Vorteilhaft genügen die Abstände folgender Bedingung:
D: Antennendurchmesser der jeweiligen Sendeantenne
λ: Wellenlänge des Signals S
In einer vorteilhaften Weiterbildung des vorgeschlagenen Verfahrens werden die Schritte 1 bis 3. q-fach wiederholt ausgeführt, mit q = 1 , 2, 3, wobei die Kalibrierfaktoren als Mittelwerte ermittelt werden (i e {A, B}). Natürlich sind andere
Mittelungsverfahren ebenfalls vom Erfindungsgedanken umfasst. Die Mittelung führt zu einer Verbesserung der Kalibriergenauigkeit.
In einem typischen Anwendungsbeispiel des vorgeschlagenen Kalibrierverfahrens ist der Sensor A ein satellitengetragenes RADAR-System, der Sensor B ein RADAR- Transponder, und das Objekt C ein Winkelreflektor. Dabei kann der Sensor B ebenfalls ein satellitengetragenes RADAR-System sein.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein System umfassend einen Sensor A, einen Sensor B und ein mit den beiden Sensoren A, B verbundenes Steuer- und
Auswertesystem, wobei das Steuer- und Auswertesystem zur Durchführung eines Verfahrens, wie vorstehend ausgeführt, eingerichtet und ausgeführt ist.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Computersystem, mit einer
Datenverarbeitungsvorrichtung, wobei die Datenverarbeitungsvorrichtung derart ausgestaltet ist, dass ein Verfahren, wie vorstehend ausgeführt, auf der
Datenverarbeitungsvorrichtung ausgeführt wird.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein digitales Speichermedium mit elektronisch auslesbaren Steuersignalen, wobei die Steuersignale so mit einem programmierbaren Computersystem zusammenwirken können, dass ein Verfahren, wie vorstehend beschrieben, ausgeführt wird.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Computer-Programm-Produkt mit auf einem maschinenlesbaren Träger gespeicherten Programmcode zur Durchführung des Verfahrens, wie vorstehend ausgeführt, wenn der Programmcode auf einer
Datenverarbeitungsvorrichtung ausgeführt wird.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Computer-Programm mit Programmcodes zur Durchführung des Verfahrens, wie vorstehend ausgeführt, wenn das Programm auf einer Datenverarbeitungsvorrichtung abläuft. Dazu kann die
Datenverarbeitungsvorrichtung als ein beliebiges aus dem Stand der Technik bekanntes Computersystem ausgestaltet sein.
Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung, in der - gegebenenfalls unter Bezug auf die Zeichnungen - zumindest ein Ausführungsbeispiel im Einzelnen beschrieben ist. Gleiche, ähnliche und/oder funktionsgleiche Teile sind mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Es zeigen: Fig. 1 ein schematisiertes Blockschaltbild des Sensors A,
Fig. 2 ein schematisiertes Blockschaltbild des Sensors B, und
Fig. 3 einen schematisierten Verfahrensablauf des vorgeschlagenen
Kalibrierverfahrens.
Die Erfindung beschreibt ein Verfahren zur Kalibrierung eines Radarsystems, dass entweder stationär auf dem Erdboden oder instationär in der Atmosphäre oder im
Weltraum betrieben wird. Instationär betriebene Radarsysteme sind häufig als
sogenanntes„Synthetic Aperture Radar (SAR)" ausgeführt und werden häufig zu
Zwecken der Erderkundung eingesetzt. Die Kalibrierung eines derart komplexen
Radarsystems, das häufig auf sogenannten„Active Phased Array"- Antennen basiert und konsequenterweise eine Vielzahl von unterschiedlichen Betriebsmodi aufweist, ist sehr komplex und kostenintensiv.
Das Kalibrieren eines Messinstruments bzw. eines Sensors bedeutet eine Verbindung zu erzeugen zwischen Messwerten zu einem oder mehreren fundamentalen physikalischen Größen zum anderen. Es gibt nur sieben solcher fundamentalen physikalischen Größen im sogenannten Sl Einheitensystem. Alle anderen physikalischen Größen werden daraus abgeleitet.
Das vorgeschlagene Verfahren zur Kalibrierung eines Radarsystems ermöglicht die direkte Kalibrierung des absoluten Systemgewinns des gesamten Radarsystems, ohne ein speziell zugeordnetes radiometrisches Kalibriernormal zu verwenden. Die
Kalibrierfaktoren (die Verbindung zwischen gemessenen Werten und physikalischen Einheiten) des Radarsystems werden direkt durch Vergleich von zumindest drei Einheiten (davon zwei Sensoren) mit spezifischen Eigenschaften ermittelt.
Zumindest einer der Sensoren (Sensor A) weist einen Sender TXA zum Aussenden eines Signals STXA und einen Empfänger RXA zum Empfangen eines Signals SRXA auf, wobei der Empfänger RXA und der Sender TXA in einem RADAR-Modus des Sensors A unabhängig voneinander arbeiten. Sensor A stellt mithin einen typischen Sensor, der nach dem Radarprinzip arbeitet, dar. Fig. 1 zeigt hierzu ein Blockschaltbild. Der
Empfänger RXA weist einen Analog-Digital Wandler (ADC) auf. Der Sender TXA weist einen Digital-Analog-Wandler (DAC) auf. Das gesendete Signal STXÄ ist im RADAR- Modus unabhängig von einem empfangenen Signal SRXA. Fig. 2 zeigt ein Blockschaltbild des Sensors B. Der zweite Sensor (Sensor B) weist einen Sender TXB, einen Empfänger RXB und eine Einheit D auf, mit der der Sender TXB in einem Transpondermodus des Sensors B mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass
ein von dem Empfänger RXB empfangenes Signal SRXB vom Sender TXB als Signal STXB wieder ausgesandt wird, wobei eine Verstärkung GCON,B zwischen dem empfangenen Signal SRXB und dem wieder ausgesandten Signal STXB vorgegeben ist, und mit der der Sender TXB in einem RADAR-Modus des Sensors B nicht mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass der Sender TXB und der Empfänger RXB unabhängig voneinander arbeiten. Die Umschaltung von Transpondermodus und RADAR-Modus erfolgt durch den Schalter S. In der dargestellten Form ist der Sensor B in den RADAR-Modus geschaltet. Der Sensor B kann mithin sowohl nach dem Transponderprinzip als auch nach dem Radarprinzip arbeiten. Im Transpondermodus (Schalter S geschlossen) wird ein vom Empfänger RXB empfangenes Signal SRXB durch den Analog-Digital-Wandler in digitale Signale verwandelt und an die Einheit D weitergeleitet. Die Einheit D ermöglicht die Modifikation des digitalen Signals in einer vorgegebenen Weise (beispielsweise durch eine vorgegebene Zeitverzögerung, durch eine vorgegebene Verstärkung, vorgegebene Verformung etc.). Von der Einheit D wird das gegebenenfalls modifizierte digitale Signal an den Sender TXB übermittelt und dort von einem Digital-Analog-Wandler (DAC) in ein analoges Signal gewandelt, das über die Senderantenne abgestrahlt wird.
Im RADAR-Modus des Sensors B wird ein Signal STxB generiert und über die Antenne des Sender TXB abgestrahlt. Das zurückreflektierte oder zurückgesendete Signal wird von der Antenne des Empfängers RXB erfasst. Der Schalter S ist in diesem Fall offen, sodass die Einheit D in diesem Fall nicht involviert ist. Vorteilhaft ist die Einheit D eine digitale Einheit deren Verhalten und Eigenarten exakt bekannt sind.
Für das vorgeschlagene Kalibrierverfahren sind folgende Voraussetzungen erforderlich:
1. der Sensor A ist eingerichtet und ausgeführt zur Erfassung der
Rückstreueigenschaften von zumindest zwei weiteren Objekten Tn (n = 1 , 2, N und N > 2,
2. eines dieser weiteren Objekte ist der Sensor B, der zumindest die
Rückstreueigenschaften eines der anderen Objekte Tn erfassen kann, der Sensor
B muss sowohl in einem Transpondermodus als auch in einem RADAR-Modus arbeiten können.
Das vorgeschlagene Kalibrierverfahren wird am Beispiel von einem RADAR- Sensorsystem erläutert, es kann jedoch jedes andere aktive Sensorsystem
(beispielsweise ein SONAR-System oder ein LIDAR-System) genutzt werden, sofern dieses die vorstehend genannten Voraussetzungen erfüllt.
Nachfolgend wird ein fundamentales Gleichungssystem beschrieben, von dem ausgehend ein Satz linearer Gleichungen abgeleitet und gelöst werden kann. Abhängig von den Eigenschaften der zu kalibrierenden Objekte ergeben sich leichte Unterschiede bei den Gleichungen.
Die Rückstreueigenschaften eines Objekts können durch den sogenannten
Radarrückstreuquerschnitt (engl,„radar cross section", RCS) beschrieben werden. Der Radarrückstreuquerschnitt eines Transponders m, der einen Empfänger mit einem
Empfänger
gewinn
einen Sender mit einem Sendergewinn
und einen Gewinn der Einheit
aufweist, kann wie folgt definiert werden:
wobei λ die Wellenlänge bezeichnet, mit der das System betrieben wird.
Erfassung von Zielen mit einem Radarsvstem
Aktive Ziele (Fall 1 )
Unter Verwendung der Radargrundgleichung für Punktziele ergibt sich für das Verhältnis von empfangener zu gesendeter Leistung eines Sensors n, der das Ziel T
m erfasst:
definiert die empfangene Leistung und die ausgesandte Leistung des
Radarsensors n, den Gewinn des Empfängers und den Gewinn des Senders,
und R die Einwegdistanz vom Sensor n zum Ziel T
m. Die Notation gibt die Vermessung
des Ziels Tm an. Das messende System wird durch n repräsentiert.
Setzt man Gleichung (1 ) in Gleichung (2) ein, dann erhält man:
Dabei ist der erste Term der rechten Seite (Fall 1 ) bekannt, während
das Produkt J zu bestimmen ist.
Logarithmiert ergibt Gleichung (3)
wobei sich für ergibt:
und wobei der Systemgewinn wie folgt ermittelt werden muss:
Passive Ziele (Fall 2)
RADAR-Gleichung (2) muss hierzu wie folgt erweitert werden
Logarithmiert ergibt Gleichung (8)
wobei bekannt ist:
und wobei der Systemgewinn wie folgt ermittelt werden muss:
Dabei ist ein Gewinn, der proportional zum RADAR-Rückstreuquerschnitt des Ziels
m ist.
Erfassung von Zielen mit einem bildgebenden Radar (Fall 3)
Der Radarrückstreuquerschnitt eine Ziels, das von einem bildgebenden Radar erfasst wird, kann innerhalb eines Bildes, welches gegebenenfalls durch eine Prozessierung der aufgenommenen Messdaten erzeugt wurde, durch die integrierte Pixelintensität unter Zuhilfenahme eines Kalibrierungsfaktors beschrieben werden, (unterstellt ist ein linear zeitinvariantes System).
Das Leistungsverhältnis von Gleichung (3) kann ersetzt werden durch eine
Bildintensität l
n und einen Skalierungsfaktor Wird dieser Ansatz verwendet, kann
ein kombinierter Kalibrierfaktor ermittelt werden, der die Bildintensitäten direkt in
Rückstreuquerschnitte konvertiert.
Aktive Ziele (Fall 3)
Gleichung (3) zur Radarerfassung eines aktiven Ziels ergibt:
wobei ein neuer kombinierter Kalibrierfaktor ist, der für das
System bestimmt werden soll. Dieser Kalibrierfaktor umfasst auch jedweden Gewinn, der sich bei der Bilderzeugung (beispielsweise bei der SAR Fokusierung) ergibt.
Passive Ziele (Fall 4) vorstehend beschriebene Skalierung kann auf die Gleichung (8) angewendet werden
Die Gleichungen (14) und (15) ergeben in logarithmischer Formulierung ein lineares Gleichungssystem.
Abhängig von dem zu kalibrierenden System werden die Gleichungen (3), (8), (14) und (15) in logarithmischer Darstellung verwendet, um ein lineares Gleichungssystem zu formen.
Wird beispielsweise unterstellt, dass ein Sensor A, der im RADAR-Modus arbeitet, einen
Sensor B, der im Transponder-Modus arbeitet und einen Winkelreflektor C vermisst, dann können die vom Sensor A erfassten Verhältnisse der gesendeten und empfangenen Leistungen ermittelt werden. In einem weiteren Schritt vermisst der
Sensor B, der nun im RADAR-Modus arbeitet, den Winkelreflektor C. Daraus kann das Leistungsverhältnis ermittelt werden.
Auf Basis der logarithmischen Version von Gleichung (3) kann folgendes System linearer Gleichungen formuliert werden:
Die konstanten Therme
sind in den Gleichungen (5) und (10) definiert. Die
Systemgewinne ergeben sich aus den Gleichungen (6), (7), (1 1 ) und (12).
Das Lösen des Gleichungssystems erfolgt durch Invertierung der Matrizen:
Durch das Lösen dieser Gleichung ergeben sich der Systemgewinn GA,s des Sensors A, der Systemgewinn GB,s des Sensors B, sowie der äquivalente Gewinn Gc,p des Ziels C.
Aus den Gleichungen (5) und (10) ergibt sich, dass beispielsweise zur Kalibrierung eines SAR Systems lediglich die gemessenen Leistungsverhältnisse, die KalibrierWellenlänge λ der Messfrequenz und die Entfernung R bekannt sein müssen. Für große Entfernungen, beispielsweise im Fall von satellitengetragenen SAR-Systemen, ist das vorgeschlagene Kalibrierverfahren wenig fehleranfällig in Bezug auf konstante Offset-Fehler der
Messungen.
Obwohl die vorstehend angegebenen Gleichungen von einer Kalibrierwellenlänge λ ausgehen, können sie einfach auf bandlimitierte Signale übertragen werden, wobei ein Integral über alle Frequenzen verwendet wird.
Die vorstehenden Ausführungen werden nachfolgend an einem Beispiel nochmals näher erläutert. Das Beispiel betrifft die Kalibrierung eines satellitengetragenen SAR-Systems (Sensor A) unter Verwendung eines Winkelreflektors (Ziel C) und eines
Radars/T ransponders (Sensor B).
Im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten Kalibrierverfahren eines
satellitengetragen SAR-Systems, bei dem eine bekannte Kalibrierung eines auf der Erdoberfläche angeordneten Ziels auf den Satelliten übertragen wird, ist es mit dem vorgeschlagenen Verfahren möglich, das SAR-System auf dem Satelliten und die Ziele in einem Schritt zu kalibrieren, d.h. die Notwendigkeit ein Bodenziel vorab zu kalibrieren entfällt. Das satellitengetragene SAR-System sei der Sensor A, der im RADAR-Modus betrieben wird. Weiterhin sei ein Sensor B vorhanden, der sowohl im Transpondermodus als auch im RADAR-Modus betrieben werden kann. Weiterhin ist an der Erdoberfläche ein Ziel C angeordnet, dass ein Winkelreflektor ist.
Die absolute radiometrische Kalibrierung des satellitengetragenen SAR-Systems (Sensor A) ergibt sich aus drei relativen Messungen von Leistungsverhältnissen, den bekannten
Entfernungen zwischen den Sensoren A und B und dem Sensor B und dem Ziel C, sowie der Wellenlänge/Frequenz der Sender der Sensoren A und B.
Der Sensor B ist in diesem Beispiel ebenfalls ein satellitengetragener Sensor. Zunächst ermittelt der Sensor A das Leistungsverhältnis bei der Abtastung des Ziels C und das Leistungsverhältnis bei der Abtastung des Sensors B, wobei der Sensor B im
Transpondermodus arbeitet. Unabhängig davon ermittelt der Sensor B das
Leistungsverhältnis bei der Abtastung des passiven Ziels C.
Unter Verwendung der logarithmischen Version der drei Gleichungen (8), (14) und (15) ergibt sich folgendes Gleichungssystem (bei dem zur Vereinfachung die Indikation des erfassten Ziels nicht angegeben ist).
Hierbei sind
die gemessenen Bildintensitäten (bei SAR nach der Fokusierung) des Sensors A für die Ziele: Sensor B und Winkelreflektor C. P
Bc ist das
Leistungsverhältnis, das vom Transponder B bei der Abtastung des Winkelreflektors C ermittelt wurde. ist der zu ermittelnde Kalibrierfaktor, der RCS Werte direkt in
Bildintensitäten wandelt (vergleiche hierzu Gleichung (14)). Gc,p ist der
rückstreuquerschnittsäquivalente Gewinn des Winkelreflektor und GB,s ist der
Systemgewinn des Transponders (Sensor B). Der konstante Teil der drei Gleichungen ergibt sich zu:
Nach der Invertierung des Systems ergibt sich:
Der rückstreuquerschnittsäquivalente Gewinn Gc,p des passiven Ziels C ist für die
Kalibrierung des Radarsystems nicht explizit erforderlich, kann aber von Interesse sein, um ihn zu einem Rückstreuquerschnitt (RCS) des Winkelreflektors C
zurückzukonvertieren (vergleiche Gleichung (12)). Hiermit wird sofort auch das Ziel C absolut kalibriert.
Das vorgeschlagene Verfahren zur Kalibrierung eines Sensorsystems ermöglicht eine höhere Kalibriergenauigkeit aufgrund weniger relevanter Ungenauigkeitsquellen, die
Möglichkeit Ausbreitungseffekte zu kompensieren, und ein Verzicht auf vorab kalibrierte Referenzziele.
Fig. 3 zeigt einen schematisierten Ablauf des vorgeschlagenen Verfahrens zur
Kalibrierung eines Sensorssystems, das zumindest einen Sensor A und einen Sensor B umfasst, wobei der Sensor A einen Sender TXA zum Aussenden eines Signals STXA und einen Empfänger RXA zum Empfangen eines Signals SRXA aufweist, wobei der Empfänger RXA und der Sender TXA in einem RADAR-Modus des Sensors A unabhängig
voneinander arbeiten, der Sensor B einen Sender TXB, einen Empfänger RXB und eine Einheit D aufweist, mit der der Sender TXB in einem Transpondermodus des Sensors B mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass ein von dem Empfänger RXB
empfangenes Signal SRXB vom Sender TXB als Signal STxB wieder ausgesandt wird, wobei eine Verstärkung Gcon.B zwischen dem empfangenen Signal SRXB und dem wieder ausgesandten Signal STxB vorgegeben ist, und mit der der Sender TXB in einem RADAR- Modus des Sensors B nicht mit dem Empfänger RXB verbunden ist, so dass der Sender TXB und der Empfänger RXB unabhängig voneinander arbeiten, ein Objekt C vorhanden ist, das ein auftreffendes Signal aktiv oder passiv zurücksendet, und der Abstand RAB zwischen dem Sensor A und dem Sensor B, der Abstand RAc zwischen dem Sensor A und dem Objekt C und der Abstand RBC zwischen dem Sensor B und dem Objekt C bekannt ist.
Das Verfahren umfasst folgende Schritte.
In einem ersten Schritt 101 erfolgt ein Aussenden eines Signals durch den Sender
TXi mit einer Sendeleistung zu dem Objekt C und Erfassen des daraufhin vom
Objekt C ausgesandten oder reflektieren Signals
c durch den Empfänger mit der
Empfangsleistung für i e {A, B}, zur Ermittlung der Verhältnisse:
mit:
zu bestimmender Hardware-Gewinn des Sensors
Wellenlänge,
äquivalenter Gewinn des Objekts C, Radarrückstreuquerschnitt des Objekts C.
In einem zweiten Schritt 102 erfolgt ein Aussenden eines Signals durch den
Sender TXA mit einer Sendeleistung ZU dem Sensor B, der in dem
Transpondermodus mit der Verstärkung G
CON,B betrieben wird, und ein Erfassen des daraufhin vom Sensor B ausgesandten Signals als durch den Empfänger RX
A
der Empfangsleistung zur Ermittlung des Verhältnisses:
In einem dritten Schritt 103 erfolgt ein Ermitteln von Kalbrierfaktoren basierend oder
zurückführbar auf folgenden Zusammenhang:
Skalierungsfaktor
von λ und den Abständen abhängige Konstanten.
In einem vierten Schritt 104 erfolgt ein Kalibrieren der Sensoren A und B mit den
Kalibrierfaktoren und des Ziels C über den rückstreuquerschnittsäquivaltenten
Gewinn Gc.
Obwohl die Erfindung im Detail durch bevorzugte Ausführungsbeispiele näher illustriert und erläutert wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden, ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen. Es ist daher klar, dass eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten existierten. Es ist ebenfalls klar, dass beispielhaft genannte Ausführungsformen wirklich nur Beispiele darstellen, die nicht in irgendeiner Weise als Begrenzung etwa des Schutzbereichs, der Anwendungsmöglichkeiten oder der
Konfiguration der Erfindung aufzufassen sind. Vielmehr versetzen die vorhergehende Beschreibung und die Figurenbeschreibung den Fachmann in die Lage, die beispielhaften Ausführungsformen konkret umzusetzen, wobei der Fachmann in Kenntnis des offenbarten Erfindungsgedankens vielfältige Änderungen beispielsweise hinsichtlich der Funktion oder der Anordnung einzelner, in einer beispielhaften Ausführungsform genannter Elemente vornehmen kann, ohne den Schutzbereich zu verlassen, der durch die Ansprüche und deren rechtliche Entsprechungen, wie etwa weitergehenden
Erläuterungen in der Beschreibung, definiert wird.
Bezugszeichenliste
101 -104 Verfahrensschritte