VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG VON POLYACETALEN UNTER VERWENDUNG EINER HETEROPOLYSÄURE ALS KATALYSATOR
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Polyacetalen, insbesondere von Polyoxymethylenen (POM), durch kationische Polymerisation von zyklischen Formalen und/oder Acetalen, wobei organisch substituierte Heteropolysäuren oder ihre Vorstufen als Initiator eingesetzt werden.
Thermoplastisch verarbeitbare POM-Homopolymere und -Copolymere sind seit langem als vielseitige Strukturmaterialien bekannt. In vielen Anwendungen können sie wegen ihrer hervorragenden mechanischen Eigenschaften als Ersatz für Metalle verwendet werden.
Gleichzeitig können sie zu Teilen mit hoher dimensionaler Genauigkeit verarbeitet werden. Die gute Beständigkeit von POM gegenüber vielen Chemikalien eröffnet weitere Anwendungsmöglichkeiten, besonders dort, wo Stabilität gegenüber Benzin und organischen Lösungsmitteln gefordert wird.
POM-Copolymere können hergestellt werden durch kationische Polymerisation von zyklischen Formalen und/oder Acetalen, wie 1 ,3,5 Trioxan (Trioxan) in Gegenwart von Comonomeren wie Ethylenoxid oder anderer zyklischer Ether oder zyklischer Acetale wie 1 ,3-Dioxolan und/oder 1 ,3-Dioxepan.
Die Copolymeren zeichnen sich durch erhöhte Stabilität gegenüber den Homopolymeren aus; dies betrifft besonders die Stabilität gegenüber basischen Verbindungen.
Derartige POM-Homo- oder Copolymerisate sind dem Fachmann an sich bekannt und in der Literatur beschrieben. Ganz allgemein weisen diese Polymere mindestens 50 mol-% an wiederkehrenden Einheiten -CH2O- in der Polymerhauptkette auf. Die Homopolymeren werden im allgemeinen durch Polymerisation von Formaldehyd oder Trioxan hergestellt, vorzugsweise in der Gegenwart von geeigneten Katalysatoren.
Im Rahmen der Erfindung werden POM-Copolymere bevorzugt, insbesondere solche, die neben den wiederkehrenden Einheiten -CH
2O- noch bis zu 50, vorzugsweise von 0,1 bis 20 und insbesondere 0,5 bis 10 mol-% an wiederkehrenden Einheiten
enthalten, wobei R1 bis R4 unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom, eine C1- bis C4- Alkylgruppe oder eine halogensubstituierte Alkylgruppe mit 1 bis 4 C-Atomen und R5 eine - CH2-, -CH2O-, eine C1- bis C4-AIKyI- oder C1- bis C4-Haloalkyl substituierte Methylengruppe oder eine entsprechende Oxymethylengruppe darstellen und n einen Wert im Bereich von 0 bis 3 hat. Vorteilhafterweise können diese Gruppen durch Ringöffnung von cyclischen Ethern in die Copolymere eingeführt werden. Bevorzugte cyclische Ether sind solche der Formel
wobei R1 bis R5 und n die obengenannte Bedeutung haben. Nur beispielsweise seien Ethylenoxid, 1 ,2-Propylenoxid, 1 ,2-Butylenoxid, 1 ,3-Butylenoxid, 1 ,3-Dioxan, 1,3-Dioxolan und 1 ,3-Dioxepan als cyclische Ether sowie lineare Oligo- oder Polyformale wie Polydioxolan oder Polydioxepan als Comonomere genannt. Besonders vorteilhaft sind Copolymere aus 99,5 - 95 Mol-% Trioxan und 0,5 bis 5 mol-% einer der vorgenannten Comonomere.
Ebenfalls bevorzugt sind Oxymethylenterpolymerisate, die beispielsweise durch Umsetzung von Trioxan, einem der vorstehend beschriebenen cyclischen Ether und mit einem dritten Monomeren, vorzugsweise einer bifunktionellen Verbindung der Formel
wobei Z eine chemische Bindung, -O- oder -ORO- (R=C1- bis C8-Alkylen oder C2- bis C8- Cycloalkylen) ist, hergestellt werden.
Bevorzugte Monomere dieser Art sind Ethylendiglycid, Diglycidylether und Diether aus Glycidylen und Formaldehyd, Dioxan oder Trioxan im Molverhältnis 2 :1 sowie Diether aus 2 mol Glycidylverbindung und 1 mol eines aliphatischen Diols mit 2 bis 8 C-Atomen wie beispielsweise die Diglycidylether von Ethylenglykol, 1 ,4-Butandiol, 1 ,3-Butandiol, Cyclobutan-1 ,3-diol, 1,2-Propandiol und Cyclohexan-1,4-diol, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die bevorzugten POM-Copolymere haben Schmelzpunkte von mindestens 150 0C und Molekulargewichte (Gewichtsmittelwert) Mw im Bereich von 5.000 bis 200.000, vorzugsweise von 7.000 bis 150.000. Endgruppenstabilisierte POM-Polymerisate, die an den Kettenenden C-C-Bindungen aufweisen, werden besonders bevorzugt. Die eingesetzten POM-Polymere haben im allgemeinen einen Schmelzindex (MFI-Wert 190/2,16) von 1 bis 50 g/10 min (ISO 1133).
Die Polymerisation wird dadurch ausgeführt, daß ein Initiator zur Reaktionsmischung zugegeben wird, die aus zyklischen Formalen, Comonomeren und wahlweise einem linearen Formal, wie z.B. Methylal, einem Molekulargewichtsregler, besteht.
Der Initiator startet nicht nur die Polymerisationsreaktion, sondern hat auch einen ausgeprägten Einfluß auf Ketten ü bertrag ungs- und Kettenabbruchsreaktionen. Deshalb ist der Initiator von außergewöhnlicher Bedeutung für die Produktivität der Polymerisations¬ reaktion und für die Polymereigenschaften.
Als kationischer Initiator können solche Verbindungen eingesetzt werden, die mit den zyklischen Acetalen oder zyklischen Ethern zu Oxocarbenium und/oder Oxoniumionen reagieren. Typische Initiatoren sind starke Brönstedt- und Lewis-Säuren, wie z.B.
Perchlorsäure, Trifluormethansulfonsäure oder Bortrifluorid (US-P 5,994,455).
Heteropolysäuren sind ebenfalls als Initiatoren verwendet worden, vgl. JP 11-302349 A2,
US-P 4,956,445, EP-A 325,052, US-P 5,728,798, US-P 5,866,670, und: Penczek et al, Makromol. Chem. (1989), 190(5), 929-38.
Der Initiator sollte in kleinen Konzentrationen wirksam sein, so dass er nach seiner Deaktivierung am Ende der Polymerisation nicht von den Polymeren abgetrennt werden muß.
Obwohl gängige Initiatoren eine gute Polymerisationsaktivität zeigen, verursachen sie trotzdem Nebenreaktionen wie Hydridübertragung der wachsenden Polymerkette, die das
Molekulargewicht der Polymeren begrenzt und zur Bildung von instabilen Formiat- Endgruppen führt. Instabile Endgruppen sind für die thermische Instabilität der Polymeren verantwortlich.
Gegenstand der Erfindung ist ein Initiator, der
• eine hohe Polymerisationsaktivität besitzt
• hochmolekulares Polymer produziert
• thermisch stabile Polymere mit wenig instabilen Endgruppen liefert
Es wurde gefunden, daß POM Polymere mit hohem Molekulargewicht und guter thermischer Stabilität in hoher Ausbeute hergestellt werden können, wenn der Initiator Heteropolysäuren oder ihrer Derivate mit der folgenden generellen Struktur (I) beinhaltet:
[(RP)n, MxOy] n" Hn (I)
wobei gilt: n = 6 «x - 2 »y + 4 * m .
Besonders bevorzugt sind Initiatoren, die aus Heteropolysäuren mit der generellen Struktur (II) bestehen:
[(RP)2M5O21]4" H4 (II)
Bei den Strukturen (I) und (II) steht M für ein sechswertiges Metall, wie z.B. Wolfram oder Molybdän, wobei Molybdän bevorzugt ist, R für Wasserstoff oder einen organischen Rest, wobei Wasserstoff oder eine substituierte oder unsubstituierte Alkylgruppe, wie z.B. Methyl, Ethyl oder 2-Aminoethyl, wobei Methyl bevorzugt ist, oder eine substituierte oder unsubstituierte Arylgruppe, wie z.B. Phenyl oder 4-Methylphenyl, wobei Phenyl bevorzugt ist, und x, y und m ganze positive Zahlen bedeuten. Bevorzugt nehmen x Werte von 4 bis 6, y von 18 bis 24 und m von 1 bis 3 an.
Unter dem Begriff „Initiator" wird eine einzige Verbindung oder ein Gemisch verschiedener Verbindungen der Strukturen (I) oder (II) verstanden. Dieses Gemisch kann auch Vorstufen der Verbindungen mit den Strukturen (I) oder (II) enthalten. Unter Vorstufen werden solche
Verbindungen verstanden, die erst in der Reaktionsmischung durch eine chemische
Reaktion in Verbindungen der Strukturen (I) oder (II) umgewandelt werden. Die Vorstufen können dabei mit Komponenten reagieren, die gewöhnlich in der Reaktionsmischung vorhanden sind oder mit solchen Komponenten reagieren, die gezielt zugesetzt wurden. Typische Beispiele für Vorstufen sind Säureanhydride, Säurehalogenide oder Säureimidazolide.
Die typischerweise eingesetzten Initiatorkonzentrationen liegen zwischen 1 ♦ 10"6 und 5 * 10" 3 Gew.-% bezogen auf die Monomermenge. Die bevorzugten Initiatorkonzentrationen liegen im Bereich zwischen 1 * 10'5 und 5 . 10"4 Gew.-%. Um diese kleinen Initiatormengen schnell und homogen in der Reaktionsmischung verteilen zu können, hat es sich als sinnvoll erwiesen, den Initiator in einem inerten Lösungsmittel vorzumischen und dann den Monomeren beizufügen. Beispiele für inerte Lösungsmittel sind 1 ,4-Dioxan, Dimethoxyethan oder Dimethylethylenglycol-dimethylether. Der Einsatz weiterer Lösungsmittel kann dadurch verhindert werden, dass der Initiator mit Methylal vorvermischt wird, da Methylal ein gängiger Molekulargewichtsregler ist (US-P 5,994,455).
Die Polymerisation kann entweder in Masse, in Lösung oder in der Schmelze durchgeführt werden. In den ersten beiden Fällen fällt das Polymer während der Polymerisation aus. Die Temperaturen reichen im Fall der Lösungspolymerisation von -20 0C bis 100 0C, im Fall der Massepolymerisation von 20 0C bis 150 0C und bei der Polymerisation in der Schmelze von 100 0C bis 200 0C.
Zum Ende jeder dieser Polymerisationen wird die Reaktion durch Zugabe von Verbindungen deaktiviert, die die aktive Polymerkette abbrechen. Typische Deaktivierungsmittel sind anorganische und/oder organische Basen. Beispiele sind Hydrotalcite, Talkum, Triethylamin oder Melamin.
Die Molekulargewichte der Polyacetale können sehr hoch sein. So ist es möglich, Molekulargewichte bis zu 200.000 g/mol zu erhalten. Die Molekulargewichte der Polymere können durch Zugabe von Reglern in die Reaktionsmischung eingestellt werden. Gängige Regler sind lineare Formale wie z.B. Methylal. Abhängig von der verwendeten Reglermenge können Molekulargewichte im Bereich von 10.000 g/mol bis 200.000 g/mol erreicht werden.
Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung veranschaulichen, ohne jedoch die Erfindung in irgendeiner Form zu beschränken.
Schmelzviskositäten (MFI) wurden entsprechend ISO 1133 bei 190 0C und 2,16 kg ermittelt. Die Menge der instabilen Endgruppen wurde durch Titration der über eine Stunde bei 190 °C unter basischen Bedingungen (pH = 9,5) gebildeten Formaldehydmenge nach der Sulfitmethode bestimmt. Molekulargewichte wurden, wie in D. Braun, U. Brückner, P. Eckardt, M. Hoffmockel, Angew. Makromol. Chem. 265 (1999) 55. "Thermal stability and dynamic mechanical properties of acetal copolymers" beschrieben, durch Viskositätsmessungen bei 140 0C in γ-Butyrolacton ermittelt. Der thermische Abbau wurde mittels Thermogravimetrischer Analyse (TGA) bestimmt. Die Messungen erfolgten für 30 Minuten bei 200 0C unter Stickstoffatmosphäre. Die Molybdänsäure (85 %) sowie die Phosphormolybdänsäure (H3PMOi2O40) wurden von Merck bezogen und wie erhalten eingesetzt.
Beispiel I .¬ Synthese von Ammonium-pentamolybdodiphosphit (NI-U)4MO5O2I (PH)2
Zu einer siedenden Lösung aus 11 ,6 ml (13,7 g, 50,0 mmol) Phosphonsäure (30 %) und 8 ml 25 %igem Ammoniak in 70 ml destilliertem Wasser wurden 14,4 g (100 mmol) Molybdänsäure gegeben und für 60 Minuten unter fortwährendem Sieden nachreagieren gelassen. Nicht gelöste Molybdänsäure wurde durch Abfiltrieren von der gelben Lösung abgetrennt. Das Filtrat wurde nach Zugabe von 2 ml 25 %igem Ammoniak auf 25 ml eingeengt. Während des Abkühlens fielen hellgelbe Kristalle aus, welche abfiltriert und nachfolgend dreimal mit je 20 ml destilliertem Wasser gewaschen wurden. Die Ausbeute an Ammonium-pentamolybdodiphosphit betrug 10,3 g (9,0 mmol).
Analytik: Elementaranalyse, berechnet H = 2,97 %, N = 5,20 %, gefunden H = 2,88 %, N = 5,05 %.
Beispiel 2:
Synthese von Pentamolybdodiphosphinsäure H4Mo5O21(PH)2
Das Ammoniumsalz (NH4)4Mo5021 (PH)2 aus Beispiel 1 wurde durch Kationenaustausch in die freie Säure überführt. Dazu wurden 8,0 g (6,0 mmol) des Salzes in 100 ml destilliertem
Wasser gelöst und auf eine Säule mit 20,0 g Kationenaustauscher-Harz (H+-Form,
Amberlite IR-120, Fa. Serva) gegeben. Nach dem Entfernen des Wassers konnten 5,4 g
(5,2 mmol) der türkisfarbenen, freien Pentamolybdodiphosphinsäure H4Mo5O2I(PH)2 erhalten werden.
Analytik: Elementaranalyse, berechnet H = 0,68 %, N = 7,01 %, Mo = 54,28 %; gefunden H = 0,79 %, N = 6,84 %, Mo = 53,27 %; 31P-NMR (Wasser, 200 MHz): δ (ppm) = 1 ,5 (t).
Beispiel S.¬ Polymerisation
Die Polymerisationen wurden in einem Teflonbecher mit Teflonrührer durchgeführt, welcher in einem Zweihalsglaskolben mit planarem Boden platziert wurde. Die Glasapparatur war mit einem Septum sowie einem Überdruckventil ausgestattet. 0,1 mol Trioxan wurden mit drei Gewichtsprozent Dioxepan bei 70 0C für fünf Minuten polymerisiert. Die Polymerisation wurde durch 2,5 ppm Pentamolybdodiphosphinsäure H4Mo5O21(PH)2, gelöst in Butylacetat (c = 2 g/l), initiiert und startete nach einer Induktionsperiode von 36 Sekunden. Das erhaltene Polyoxymethylen wurde gemahlen und in 50 ml Methanol, dem 0,3 ml Ammoniak (25 %) zugesetzt waren, suspendiert, um den Initiator zu deaktivieren. Anschließend wurde das POM-Pulver filtriert, dreimal mit je 20 ml Methanol gewaschen und bei 50 0C unter Stickstoffatmosphäre getrocknet. Der Umsatz lag bei >90 %. Die Menge an instabilen Endgruppen betrug 15 %. Der thermische Abbau über 30 Minuten bei 200 0C ergab 2 Gew.- %. Der MFI des Pulvers betrug 1 ,2 g/10 Min..
Vergleichsbeispiel: Der Versuch in Beispiel 3 wurde unter identischen Bedingungen wiederholt, jedoch kam statt Pentamolybdodiphosphinsäure kommerziell erhältliche Phosphormolybdänsäure (H3PMo12O40) zum Einsatz. Damit ergab sich eine Induktionsperiode von acht Sekunden. Der Umsatz lag nur bei 70 %. Die Menge an instabilen Endgruppen betrug 13 %. Der thermische Abbau über 30 Minuten bei 200 0C ergab 1 ,5 Gew.-%. Der MFI des Pulvers betrug 2,1 g/10 Min.