Polvedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster mit mindestens einer Aldehvdgruppe und ein Verfahren zu deren Herstellung
Die Erfindung betrifft polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster mit mindestens einer Aldehydgruppe sowie ein Verfahren zu deren Herstellung.
Carbonylverbindungen haben eine große Bedeutung in der organischen Chemie, da sie eine Vielzahl von Synthesewegen eröffnen und insbesondere mit Nucleophilen auf Kohlenstoff¬ oder Heteratom -Basis weiter umgesetzt werden können (Organikum, S. 458-460 sowie S. 508, Wiley-VCH Weinheim 2001).
Polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster werden in vielfältiger Weise eingesetzt. Beispielsweise werden sie in Kunststoffen oder Beschichtungssystemen zur Erzielung von bestimmten Eigenschaften eingesetzt (Hybrid Plastics, POSS Chemical Catalog 2000).
Es war daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffcluster mit einer funktionellen Gruppe auszurüsten, die es ermöglicht die Verwendung der polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster zu erweitern bzw. zu erleichtern. Insbesondere war es die Aufgabe dieser Erfindung polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster mit mindestens einer funktionellen Gruppe zur Verfügung zu stellen, um so die Möglichkeit zur Weiterverarbeitung bzw. der Herstellung neuer Zwischenprodukte zu erleichtern oder gar erst zu ermöglichen.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffcluster mit einer Aldehydgruppe herstellbar sind. Obwohl die Hydroformylierung bereits seit längerer Zeit bekannt ist, wurde nicht erkannt, dass dieser Reaktionstyp es ermöglicht, polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster mit Aldehydgruppe zu synthetisieren. Die Lösung der Aufgabe war umso überraschender, zumal sich zeigte, dass die
Hydroformylierung bei niederen Drücken und niedrigen Temperaturen auf polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster ausgedehnt werden kann.
Gegenstand der Erfindung sind polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster, die sich dadurch auszeichnen, dass der Silizium-Sauerstoffcluster eine Struktur gemäß der Formel:
[(RaXbArSi0i,5)m (RcXdA5SiO)n (ReXfAtSi2O2,5)o (RgXhAuSi2O2)p]
mit: a, b, c, r = 0-1; d, s = 0-2; e, g, f, t = 0-3; h, u = 0-4; m+n+o+p = 4-14; a+b+r = 1 ; c+d+s = 2; e+f+t = 3 und g+h+u = 4; r+s+t+u > 1
R = Wasserstoffatom, Alkyl-, Cycloalkyl-, Alkinyl-, Cycloalkinyl-, Aryl-, Heteroarylgruppe oder Polymereinheit, die jeweils substituiert oder unsubstituiert sind, Alkenyl- oder Cycloalkenyl-Gruppe, die direkt an der Doppelbindung keine Wasserstoffatome aufweisen, oder weitere funktionalisierte polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffclustereinheiten, die über eine Polymereinheit oder eine
Brückeneinheit angebunden sind,
X = Oxy-, Hydroxy-, Alkoxy-, Carboxy-, Silyl-, Alkylsilyl-, Alkoxysilyl-, Siloxy-, Alkylsiloxy-, Alkoxysiloxy-, Silylalkyl-, Alkoxysilylalkyl-, Alkylsilylalkyl-, Halogen-, Epoxy-, Ester-, Fluoralkyl-, Isocyanat-, blockierte Isocyanat-, Acrylat-, Methacrylat-, Mercapto-, Nitril-, Amino-, Phosphingruppe oder mindestens eine solche Gruppe vom
Typ X aufweisenden Substituenten vom Typ R, A = Substituent mit mindestens einer Aldehydgruppe, wobei sowohl die Substituenten vom Typ R und Typ A als auch vom Typ X gleich oder unterschiedlich sind, aufweist und mindestens ein Substituent vom Typ A aufweist.
Weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster mit mindestens einer Aldehydgruppe, wobei die Aldehydgruppe am polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster durch eine Hydroformylierung einer endständigen Doppelbindung gebildet wird.
Die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster haben den Vorteil, dass sie einen Substituenten mit mindestens einer Aldehydgruppe aufweisen, dadurch sind nun eine große Anzahl von Reaktionen, beispielsweise mit Nucleophilen, die an einem Heteroatom ein freies Elektronenpaar aufweisen, möglich. Typische Reaktionen dieser erfϊndungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster sind vorzugsweise Aldolreaktionen oder auch unter Wasserabspaltung ablaufende Aldolkondensationen. Auf diese Weise können nun eine Vielzahl von polyedrischen oligomeren Silizium-
Sauerstoffcluster mit Substituenten hergestellt werden, die vorher durch Verfahren und polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster gemäß dem Stand der Technik nicht herstellbar gewesen sind. Durch die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffcluster können die Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten von polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster vergrößert werden. Des weiteren können die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster als Edukte für weitere polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster dienen.
Die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Struktur gemäß der Formel:
[(RaXbArSiOi,5)m (RcXdA3SiO)n (R6XfAtSi2O2^)0 (RgXhAuSi2O2)p]
mit: a, b, c, r = 0-1; d, s = 0-2; e, g, f, t = 0-3; h, u = 0-4; m+n+o+p = 4-14; a+b+r = 1; c+d+s = 2; e+f+t = 3 und g+h+u = 4; r+s+t+u > 1 R = Wasserstoffatom, Alkyl-, Cycloalkyl-, Alkinyl-, Cycloalkinyl-, Aryl-, Heteroarylgruppe oder Polymereinheit, die jeweils substituiert oder unsubstituiert sind, Alkenyl- oder Cycloalkenyl-Gruppe, die direkt an der Doppelbindung keine Wasserstoffatome aufweisen, oder weitere funktionalisierte polyedrische oligomere
Silizium-Sauerstoffclustereinheiten, die über eine Polymereinheit oder eine Brückeneinheit angebunden sind,
X = Oxy-, Hydroxy-, Alkoxy-, Carboxy-, Silyl-, Alkylsilyl-, Alkoxysilyl-, Siloxy-, Alkylsiloxy-, Alkoxysiloxy-, Silylalkyl-, Alkoxysilylalkyl-, Alkylsilylalkyl-, Halogen-, Epoxy-, Ester-, Fluoralkyl-, Isocyanat-, blockierte Isocyanat-, Acrylat-, Methacrylat-,
Mercapto-, Nitril-, Amino-, Phosphingruppe oder mindestens eine solche Gruppe vom Typ X aufweisenden Substituenten vom Typ R, A = Substituent mit mindestens einer Aldehydgruppe, wobei sowohl die Substituenten vom Typ R und Typ A als auch vom Typ X gleich oder unterschiedlich sind, aufweisen und mindestens ein, vorzugsweise einen Substituent vom Typ A aufweisen.
Die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster weisen vorzugsweise einen Substituenten vom Typ A auf, insbesondere weisen diese einen Substituenten vom Typ A gemäß der Struktur 1 auf, wobei Z ein linearer oder verzweigter aliphatischer Kohlenwasserstoffrest mit 3 bis 20 Kohlenstoffatomen ist, der substituiert oder unsubstituiert sein kann und weiterhin durch ein oder mehrere Funktionalitäten, ausgewählt aus der Gruppe -0-C(O)-, -(O)C-O-, -NH-C(O)-, -(O)C-NH, -(CH3)N-C(O)-, -(O)C-N(CH3)-, -S(O)2-O-, -0-S(O)2-, -S(O)2-NH-, -NH-S(O)2-, -S(O)2-N(CH3)-, -N(CHj)-S(O)2-, -0-CH2- C(OH)-, unterbrochen sein kann.
In einer bevorzugten Ausführungsform weisen die polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffcluster als Substituent vom Typ A eine substituierte oder unsubstituierte Alkylgruppe mit mindestens einer Aldehydgruppe auf. Bevorzugt weist der erfindungsgemäße polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster ein Substituent vom Typ A gemäß der Struktur 2 auf:
wobei das Si* bereits für ein Siliziumatom des polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffcluster steht und y = 2 - 18, bevorzugt jedoch y = 2 -10 ist. Besonders bevorzugt weist der erfindungsgemäße polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eine 3- Oxopropyl-Gruppe als Substituent vom Typ A auf.
Aufgrund ihres molekularen Charakters weisen die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster ein einheitliches und definiertes Molekulargewicht auf. Das Molekulargewicht der erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-
Sauerstoffcluster beträgt vorzugsweise mindestens 400 g/mol, bevorzugt von 400 bis 2500 g/mol und besonders bevorzugt von 600 bis 1500 g/mol.
Die Molekülgröße des erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffcluster kann erhöht werden, indem man mehrere mit jeweils zwei reaktiven Gruppen vom Typ X fimktionalisierte polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffclustereinheiten mittels Kondensation, z.B. über einen Spacer und/oder den funktionellen Gruppen der Substituenten vom Typ X, verbindet. Des weiteren kann eine Vergrößerung des erfindungsgemäßen polyedrischen oligomere Silizium-Sauerstoffclusters durch eine Homo- oder Copolymerisation erreicht werden. In einer besonderen Ausfiihrungsform der erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffcluster weisen diese eine Größe von maximal 100 nm, bevorzugt von maximal 50 nm, besonders bevorzugt von maximal 30 nm und ganz besonders bevorzugt von maximal 20 nm auf.
Unter einem polyedrischen oligomere Silizium-Sauerstoffcluster werden vorzugsweise die beiden Verbindungsklassen der oligomeren Silasesquioxane und der oligomeren Sphärosilikate verstanden. Bevorzugt weisen die erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster Silasesquioxane auf.
Silasesquioxane sind oligomere oder polymere Stoffe, deren vollständig kondensierte Vertreter die allgemeine Formel (Siθ3/2R)n besitzen, wobei n > 4 und der Rest R ein Wasserstoffatom sein kann, meist jedoch einen organischen Rest darstellt. Die kleinste Struktur eines Silasesquioxans ist der Tetraeder. Voronkov und Lavrent'yev (Top. Curr. Chem. 102 (1982), 199-236) beschreiben die Synthese von vollständig kondensierten und unvollständig kondensierten oligomeren Silasesquioxanen durch hydrolytische Kondensation trifunktioneller RSiY3-Vorstufen, wobei R für einen Kohlenwasserstoffrest steht und Y eine hydrolisierbare Gruppe, wie z.B. Chlorid, Alkoxid oder Siloxid darstellt. Lichtenhan et al. beschreiben die basenkatalysierte Herstellung von oligomeren Silasesquioxanen (WO 01/10871). Silasesquioxane der Formel R8Si8Oi2 (mit gleichen oder unterschiedlichen Kohlenwasserstoffresten R) können basenkatalysiert zu funkt ionalisierten, unvollständig kondensierten Silasesquioxanen, wie z.B. R7Si7Og(OH)3 oder auch R8Si8On(OH)2 und
R8Si8Oi0(OH)4 umgesetzt werden (Chem. Commun. (1999), 2309-10; Polym. Mater. Sei. Eng. 82 (2000), 301-2; WO 01/10871) und damit als Stammverbindung für eine Vielzahl verschiedener unvollständig kondensierter und funktionalisierter Silasesquioxane dienen. Insbesondere die Silasesquioxane (Trisilanole) der Formel R7Si7Og(OH)3 lassen sich durch Umsetzung mit funktionalisierten, monomeren Silanen (corner capping) in entsprechend modifizierte oligomere Silasesquioxane überfuhren.
In einer weiteren Ausftihrungsform der erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster weisen diese oligomere Sphärosilikate auf.
Oligomere Sphärosilikate sind ähnlich aufgebaut wie die oligomeren Silasesquioxane. Auch sie besitzen eine „käfigartige" Struktur. Im Unterschied zu den Silasesquioxanen, bedingt durch ihre Herstellungsmethode, sind die Siliziumatome an den Ecken eines Sphärosilikates mit einem weiteren Sauerstoffatom verbunden, welches wiederum weiter substituiert ist. Oligomere Sphärosilikate lassen sich durch Silylierung geeigneter Silikat- Vorstufen herstellen (D. Hoebbel, W. Wieker, Z. Anorg. AlIg. Chem. 384 (1971), 43-52; P. A. Agaskar, Colloids Surf. 63 (1992), 131-8; P. G. Harrison, R. Kannengiesser, C. J. Hall, J. Main Group Met. Chem. 20 (1997), 137-141; R. Weidner, Zeller, B. Deubzer, V. Frey, Ger. Offen. (1990), DE 38 37 397). So kann beispielsweise ein Sphärosilikat aus einer Silikat- Vorstufe synthetisiert werden, welche ihrerseits über die Umsetzung von Si(OEt)4 mit Cholinsilikat bzw. durch die Umsetzung von Abfallprodukten der Reisernte mit Tetramethylammoniumhydroxid zugänglich ist (R. M. Laine, I. Hasegawa, C. Brick, J. Kampf, Abstracts of Papers, 222nd ACS National Meeting, Chicago, IL, United States, August 26-30, 2001, MTLS-018).
Die in den erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Sphärosilikate sind bei Tal Materials Inc., Ann Arbor (USA) und die oligomeren Silasesquioxane bzw. ihre Ausgangsverbindungen sind bei den einschlägigen Handelsfirmen, wie beispielsweise Sigma-Aldrich, Gelest oder Fluka, erhältlich.
Sowohl die Silasesquioxane als auch die Sphärosilikate sind bei Temperaturen bis zu mehreren hundert Grad Celsius thermisch stabil.
In einer bevorzugten Ausfύhrungsform der erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster weisen diese eine Struktur gemäß der Struktur 5 auf:
mit: X1 = Substituent vom Typ X, vom Typ A, vom Typ -0-SiAX2, vom Typ -0-SiA2X, vom Typ -O-SiA3 oder vom Typ -O-S1X3,
X2 = Substituent vom Typ X, vom Typ A, vom Typ -0-SiAX2, vom Typ -0-SiA2X, vom Typ -O-SiA3, vom Typ -0-SiX3, vom Typ R, vom Typ -O-SiAXR, vom Typ -0-SiA2R, vom Typ -0-SiX2R, vom Typ -0-SiAR2, vom Typ -0-SiXR2 oder vom Typ -O-SiR3, wobei mindestens einer der Substituenten vom Typ X1 und/oder X2 ein Substituent vom Typ A ist.
Ganz besonders bevorzugt weist der erfindungsgemäße polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffcluster eine Struktur gemäß der Struktur 6 auf:
In einer besonders bevorzugten Ausfϊihrungsform weist der erfindungsgemäße polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eine Struktur gemäß der Struktur 6 auf, wobei der Substituent vom Typ R eine Alkyl- oder Cycloalkylgruppe, die substituiert oder unsubstituiert sein kann, insbesondere eine Propyl-, Isobutyl-, Cyclopentyl- oder Cyclohexyl-Gruppe, und der Substituent vom Typ A eine 3-Oxopropyl-Gruppe ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von polyedrischer oligomerer Silizium- Sauerstoffcluster mit mindestens einer Aldehydgruppe, zeichnet sich dadurch aus, dass die Aldehydgruppe am polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster durch eine Hydroformylierung einer endständigen Doppelbindung gebildet wird, vorzugsweise dient das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen polyedrischen oligomeren Silizium-Sauerstoffcluster.
Bei der Hydroformylierung werden Alkene mit Synthese-Gas (CO+H2) umgesetzt, vorzugsweise erfolgt dies unter Druck und in Gegenwart eines Übergangsmetall- Carbonylkomplexes, beispielsweise des Rhodiums oder des Kobalts, wobei aliphatische Aldehyde gebildet werden:
Druck
Bei der Hydroformylierung der endständigen Doppelbindung des erfindungsgemäßen Verfahrens handelt es sich um eine exotherme Reaktion. Sie wird in dem erfindungsgemäßen Verfahren vorzugsweise bei einer Temperatur von 30 bis 300
0C, bevorzugt von 40 bis 200 °C, besonders bevorzugt von 50 bis 150 °C und vorzugsweise bei einem Druck von 5 bis 300 bar, bevorzugt von 10 bis 200 bar, besonders bevorzugt von 20 bis 100 bar durchgeführt.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die Hydroformylierung vorzugsweise in Gegenwart eines Katalysators durchgeführt. Bevorzugt werden Übergangsmetalle, wie beispielsweise Kobalt, Rhodium, Ruthenium oder Platin, als Katalysator eingesetzt. In einer besonderen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden Carbonylverbindungen der Übergangsmetalle Kobalt, Rhodium, Ruthenium oder Platin als Katalysator eingesetzt. Bei einem Druck von maximal 100 bar und einer Temperatur von maximal 150 °C werden bei der Hydroformylierung der endständigen Doppelbindung in dem erfindungsgemäßen Verfahren vorzugsweise Liganden-modifizierte Rhodium-Komplexe vom Typ HRh(CO)L3, wobei L beispielsweise für Triphenylphosphin steht, und bevorzugt Platinkomplexe, wie beispielsweise PtCl2(Sixantphos) gemäß Struktur 7
eingesetzt. Durch eine m-Sulfonierung der Phenylgruppe des Katalysators HRh(CO)PPh3 steht dem erfindungsgemäßen Verfahren ein wasserlöslicher Katalysator für die
Hydroformylierung zur Verfügung, so dass durch eine einfache Phasentrennung der Katalysator aus dem Reaktionsprodukt entfernt werden kann (Weissermel, Arpe: „Industrielle Organische Chemie" 1998, 137-152, VCH Verlagsgesellschaft Weinheim).
Die Hydroformylierung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird vorzugsweise in Masse durchgeführt. Sie kann aber auch in Lösung erfolgen. Bei dem Einsatz eines Feststoffs als Edukt wird die Hydroformylierung bevorzugt in einer Lösung durchgeführt. Als Lösemittel können hierfür sowohl Wasser als auch organische Lösemittel eingesetzt werden. Die organische Lösemittel weisen vorzugsweise keine reaktionsfähige C-C-Doppelbindung auf, bevorzugt werden in dem erfindungsgemäßen Verfahren substituierte oder unsubstituierte Aliphate, wie beispielsweise Kohlenwasserstoffverbindungen oder halogenierte Kohlenwasserstoffe, insbesondere Methylenchlorid, eingesetzt.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird als Edukt für die Hydroformylierung ein polyedrischer oligomerer Silizium-Sauerstoffcluster mit mindestens einer endständigen Doppelbindung eingesetzt. Vorzugsweise werden hierfür polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eingesetzt, die eine Struktur gemäß der Formel
[(RaXbBrSi0i,5)m (RcXdBsSiO)n (ReXfBtSi2O21S)0 (RgXhBuSi2O2)p]
mit: a, b, c, r = 0-1; d, s = 0-2; e, g, f, t - 0-3; h, u = 0-4; m+n+o+p = 4-14; a+b+r = 1; c+d+s = 2; e+f+t = 3 und g+h+u = 4; r+s+t+u > 1 R = Wasserstoffatom, Alkyl-, Cycloalkyl-, Alkenyl-, Cyclo alkenyl-, Alkinyl-,
Cycloalkinyl-, Aryl-, Heteroarylgruppe oder Polymereinheit, die jeweils substituiert oder unsubstituiert sind, oder weitere funktionalisierte polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffclustereinheiten, die über eine Polymereinheit oder eine Brückeneinheit angebunden sind, X = Oxy-, Hydroxy-, Alkoxy-, Carboxy-, Silyl-, Alkylsilyl-, Alkoxysilyl-, Siloxy-,
Alkylsiloxy-, Alkoxysiloxy-, Silylalkyl-, Alkoxysilylalkyl-, Alkylsilylalkyl-, Halogen-, Epoxy-, Ester-, Fluoralkyl-, Isocyanat-, blockierte Isocyanat-, Acrylat-, Methacrylat-,
Mercapto-, Nitril-, Amino-, Phosphingruppe oder mindestens eine solche Gruppe vom
Typ X aufweisenden Substituenten vom Typ R,
B = Substituent mit mindestens einer endständigen Doppelbindung, wobei sowohl die Substituenten vom Typ R und Typ B als auch vom Typ X gleich oder unterschiedlich sind, aufweisen und mindestens ein, vorzugsweise ein Substituent vom Typ B aufweisen.
In dem erfindungsgemäßen Verfahren werden vorzugsweise polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffcluster eingesetzt, die einen Substituenten vom Typ B aufweisen, insbesondere werden polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster gemäß der Struktur 8 eingesetzt, wobei Z ein linearer oder verzweigter aliphatischer Kohlenwasserstoffrest mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen ist, der substituiert oder unsubstituiert sein kann und weiterhin durch ein oder mehrere Funktionalitäten, ausgewählt aus der Gruppe -0-C(O)-, -(O)C-O-, -NH-C(O)-, -(O)C-NH, -(CH3)N-C(O)-, -(O)C-N(CH3)-, -S(O)2-O-, -0-S(O)2-, -S(O)2-NH-, -NH-S(O)2-, - S(O)2-N(CH3)-, -N(CH3)-S(O)2-, -0-CH2-C(OH)-, unterbrochen sein kann.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eingesetzt, die mindestens eine substituierte oder unsubstituierte Alkenylgruppe als Substituenten vom Typ B aufweisen, wobei die Doppelbindung in der Alkenylgruppe endständig angeordnet ist. Bevorzugt werden in dem erfindungsgemäßen Verfahren polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eingesetzt, die einen Substituenten vom Typ B gemäß der Struktur 9 aufweisen:
wobei das Si* bereits für ein Siliziumatom des polyedrischen oligomeren Silizium- Sauerstoffclusters steht und y' = O bis 16, bevorzugt jedoch y' = O bis 8 beträgt. Besonders bevorzugt werden polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster mit einer Ethenyl- Gruppe als Substituent vom Typ B eingesetzt.
In einer bevorzugten Ausfuhrungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster eingesetzt, die eine Struktur gemäß der Struktur 5 aufweisen, mit:
X1 = Substituent vom Typ X, vom Typ B, vom Typ -0-SiBX2, vom Typ -0-SiB2X, vom Typ -0-SiB3 oder vom Typ -O-SiX3,
X2 = Substituent vom Typ X, vom Typ B, vom Typ -0-SiBX2, vom Typ -0-SiB2X, vom Typ -0-SiB3, vom Typ -O-SiX3, vom Typ R, vom Typ -0-SiBXR, vom Typ -0-SiB2R, vom Typ -0-SiX2R, vom Typ -0-SiBR2, vom Typ -0-SiXR2 oder vom Typ -O-SiR3, wobei mindestens einer der Substituenten vom Typ X1 und/oder X2 ein Substituent vom Typ B ist.
Ganz besonders bevorzugt werden in dem erfindungsgemäßen Verfahren polyedrische oligomere Silizium-Sauerstoffcluster gemäß der Struktur 10 eingesetzt:
In einer besonders bevorzugten Ausfύhrungsform werden polyedrische oligomere Silizium- Sauerstoffcluster gemäß der Struktur 10 eingesetzt, wobei der Substituent vom Typ R eine aromatische Gruppe, eine Alkyl- oder Cycloalkylgruppe, die substituiert oder unsubstituiert sein kann, insbesondere eine Propyl-, Isobutyl-, Cyclopentyl- oder Cyclohexyl-Gruppe, und der Substituent vom Typ B eine Ethenyl-Gruppe ist.
In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird im ersten Schritt eine Silanolgruppen enthaltende Verbindung, beispielsweise gemäß einer der Strukturen 11, 12 oder 13, zunächst mit einem nicht hydroformylierten Alkenylsilan, wie beispielsweise Alkenyltrialkoxysilan, Alkenyltrichlorsilan, Alkenylmonoalkyldichlorsilan oder Alkenyldialkylmonochlorsilan, umgesetzt, wobei die Silanolgruppen zuvor mit Alkenylsilanen, wie beispielsweise Dialkylmonochlorsilanen, teilweise blockiert sein können.
Das daraus resultierende Zwischenprodukt wird anschließend gemäß den vorgenannten Parametern hydroformyliert.
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Die nachfolgenden Beispiele soll das erfindungsgemäße Verfahren näher erläutern, ohne dass die Erfindung auf diese Ausführungsform beschränkt sein soll.
1. Edukte
Beispiel 1.1: (Isobutyl)8Si8Oi2
Zu einer Lösung von 446 g (2,5 mol) Isobutyltrimethoxysilan (Isobutyl)Si(OCH3)3 (DYNASYLAN® IBTMO, Degussa AG) in 4300 ml Aceton wird unter Rühren eine Lösung von 6,4 g (0,11 mol) KOH in 200 ml Wasser gegeben. Das Reaktionsgemisch wird daraufhin 3 Tage bei 300C gerührt. Der entstehende Niederschlag wird abfiltriert und bei 7O0C im Vakuum getrocknet. Das Produkt (Isobutyl)8Si8Oi2 wird in einer Ausbeute von 262 g erhalten.
Beispiel 1.2: (Isobutyl)7Si709(OH)3
Bei einer Temperatur von 550C werden 55 g (63 mmol) (Isobutyl)8Si8Oi2 in 500 ml eines Aceton-Methanol-Gemisches (Volumenverhältnis 84 : 16) gegeben, welches 5,0 ml (278 mmol) H2O und 10,0 g (437 mmol) LiOH enthält. Das Reaktionsgemisch wird daraufhin 18 h bei 55°C gerührt und danach zu 500 ml In Salzsäure gegeben. Nach 5 Minuten Rühren wird der erhaltene Feststoff abfiltriert und mit 100 ml Methanol gewaschen. Nach Trocknen an Luft werden 54,8 g (Isobuty I)7Si7Og(OH)3 erhalten.
Beispiel 1.3: (Isobutyl)7Si8Oi2(CH=CH2)
Zu einer Lösung von 10,0 g (12,6 mmol) (Isobuty I)7Si7Og(OH)3 in 20 ml Tetrahydrofuran werden bei 20 0C 2,0 ml (13,1 mmol) Vinyltrimethoxysilan gegeben. Nach Zugabe von 0,5 ml Et4NOH (35 % Lösung in H2O, 1,2 mmol Base, 18 mmol H2O) wird über Nacht gerührt.
Die resultierende trübe Lösung wird mit 200 ml CH3OH versetzt. Nach dem Abfiltrieren wird der Rückstand mit 30 ml Aceton gewaschen. Man erhält 6,1 g (60 % Ausbeute)
(Isobutyl)7Si8O12(CH=CH2) als weißes Pulver.
Beispiel 1.4: (Isobutyl)7Si7θ9(OSi(CH3)2(CH=CH2))3
Zu einer Lösung von 10 g (12,6 mmol) (Isobutyl)7Si7O9(OH)3 in 100 ml THF, das 20 ml Et3N
(Triethylamin) enthält, werden bei 2O0C 5,68 ml Vinyldimethylchlorsilan (41,6 mmol) der Fa.
ABCR GmbH & Co. KG zugegeben. Diese Mischung wird am Rückflusskühler 15 Minuten erhitzt. Das Lösemittel wird im Vakuum abgezogen und das erhaltene Produkt mit 2 x 100 ml n-Hexan extrahiert. Der Extrakt wird im Vakuum eingedickt und dann in 20 ml Toluol gelöst.
Nach dem Ausfällen durch Zugabe von 100 ml Acetonitril erhält man
(Isobutyl)7Si7O9(OSi(CH3)2(CH=CH2))3 in einer Ausbeute von 85 %.
Beispiel 1.5: (Vi-IyI)8Si8Oi2 bezogen von der Fa. Hybrid Plastics.
Beispiel 1.6: (Cyclopentyl)7Si8Oi2(OSi(CH=CH2)3) bezogen von der Fa. Hybrid Plastics.
2. Hydroformylierung
Allgemeine Verfahrensweise
Eine Lösung von 0,016 g (0,019 mmol) PtCl2(Sixantphos), hergestellt gemäß M. Kranenburg et al. (J. Organometallics 14 (1995), 3081), und 0,0036 g (0,019 mmol) SnCl2 (Aldrich) werden in 5 ml CH2Cl2 (Methylenchlorid) 1 Stunde lang bei 20 °C gerührt. Danach wird dieser Katalysator in einen 100 ml fassenden Autoklaven (Laborautoklav, „stainless steel") mit weiteren 15 ml CH2Cl2 gegeben. Der Autoklav wird auf 6O0C erhitzt, danach wird bei einem Druck von 40 bar Synthesegas (CO/H2 im Verhältnis 1 :1) eingeleitet. Es wird eine Stunde für die Gleichgewichtseinstellung im Autoklav benötigt. Dann wird die Vinylverbindung der Beispiele 1.3, 1.4, 1.5, 1.6 und 1.7 in 10 ml CH2Cl2 aufgenommen und in den Autoklaven gegeben. Anschließend lässt man diese Reaktionsmischung 17 Stunden lang bei einer Temperatur von 6O0C und einem Druck von 40 bar reagieren. Anschließend wird der Autoklav mit Eis abgekühlt, entspannt und das Lösemittel im Vakuum entfernt. Zur Entfernung des Katalysators wird der trockene Rückstand in 20 ml Pentan aufgenommen und abfiltriert. Das Filtrat enthält das Zielprodukt, während der Katalysator als Rückstand im Filter zurückbleibt.
O.Z. 6384-WO
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