Beschreibunq
Maschinensteuerungs- und Regelungssystem für eine Spritzgießmaschine
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystem gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und insbesondere auf ein Stellglied gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 8, welches für das Maschinensteuerungs- und Regelungssystem vorgesehen ist und die Funktionalität einer Maschinensteuerung (SPS) aufweist. Im Folgenden wird die vorliegende Erfindung anhand eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystems für eine Spritzgießmaschine beschrieben.
An einer modernen Spritzgießmaschine sind zur Her- Stellung hochwertiger und komplexer Kunststoff-Formteile verschiedenste Steuerungs- und Regelungsfunktionen erforderlich. Diesen Funktionen dienend, beinhaltet ein herkömmliches Maschinensteuerungs- und Regelungssystem für eine Spritzgießmaschine, wie es in den Figuren 3 und 4 der vorliegenden Erfindung gezeigt ist, verschiedene Vorrichtungen. Diese Vorrichtungen weisen beispielsweise die Funktionalität einer Spritzgießmaschinensteuerung 1 ' , 1 ' ' (nachstehend als SPS bezeichnet), von Achsreglern 2', 2'', einer Achse 3A, 3B, analogen und digitalen I/O Ein- und Ausgängen 4, 4', Temperaturreglern 5, Heizungen 6 oder einer Mensch-Maschine Schnittstelle (nachstehend als HMI bezeichnet) 7 auf. Wie in Figur 4 gezeigt, verbinden beispielsweise Hochgeschwindigkeitsbusse BMI (z.B. CAN- Bus oder Profibus-DP) die einzelnen Vorrichtungen und er- möglichen den Aufbau eines modularen Maschinensteuerungs- und Regelungssystems. Das Zusammenspiel aller Vorrichtun-
gen, deren Hardware jeweils mit individuellen Aufgaben versehen ist, gewährleistet eine zuverlässige und konstante Führung der Spritzgießmaschine.
Herkömmliche Spritzgießmaschinen weisen zwei Konzepte auf, in denen die dem Maschinensteuerungs- und Regelungssystem dienenden Aufgaben auf unterschiedliche Art und Weise auf verschiedene Hardwarekomponenten verteilt werden.
Eines dieser Konzepte ist das "zentrale Konzept", welches in der US 6 275 741 Bl offenbart ist. Bei diesem zentralen Konzept, wie es auch in Figur 3 der vorliegenden Erfindung gezeigt ist, beinhaltet eine mit den Funk- tionen der Ablaufsteuerung und der Koordination der Bewegungsabläufe versehene SPS 1 ' eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystems ebenfalls die erforderlichen Achsregler 2'. Figur 4 der US 6 275 741 Bl offenbart ein derartiges Maschinensteuerungs- und Regelungssystem, bei dem vorhandene Achse mittels einer zentralen Steuerung angesteuert werden.
Das zweite Konzept ist ein "dezentrales Konzept", welches in der US 6 289 259 Bl offenbart ist. Wie in Fig. 4 der vorliegenden Erfindung gezeigt, sind die erforderlichen Achsregler 2'' bei dem dezentralen Konzept jeweils an entsprechenden Achsen 3A, 3B angeordnet und nicht in einer SPS 1" beinhaltet. Die US 6 289 259 Bl zeigt beispielsweise ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystem, bei dem die Achsregler an einem Hydraulikblock angeordnet sind. Dieses Maschinensteuerungs- und Regelungssystem weist jedoch immer noch eine räumlich getrennte SPS (in der Druckschrift als System Control Processor bezeichnet) auf, die mit den Funktionen der Ablaufsteuerung und der Koordination der Bewegungsabläufe versehen ist. Basierend auf den enormen Entwicklungen in der Computertechnik, aus
deren Entwicklung immer leistungsfähigere Bausteine mit immer mehr Funktionalitäten auf engerem Raum hervorgehen, weist die heutige Generation der dezentralen digitalen Elektroniken in der Antriebstechnik bereits Achsrege- lungsfunktionen auf (siehe DE 100 12 405 A 1) .
Während also die SPS 1' im zentralen Konzept zusätzlich die Achsregler 2' beinhaltet, werden die Achsregler 2 ' ' im dezentralen Konzept folglich in gesonderten Elekt- roniken an der jeweiligen Achse 3A, 3B realisiert. Bei elektromotorischen Achsen weisen solche Elektroniken die Funktionalität der Regelgeräte für Servomotoren auf. Auch bei hydraulischen Komponenten sind Regler in gesonderten Elektroniken direkt an der jeweiligen Achse angeordnet (siehe DE 100 12 409 A 1) .
Es sind jedoch sowohl die oben beschriebenen Maschinensteuerungs- und Regelungssysteme als auch die erwähnten Komponenten derart aufgebaut, dass eine von den Ach- sen getrennte Vorrichtung mit der Funktionalität einer SPS zur Steuerung und oder Regelung des Maschinensteuerungs- und Regelungssystem erforderlich ist. Die mit der Hardware dieser SPS verbundenen Kosten wirken sich nachteilig auf eine kosteneffiziente Realisierung der Spritzgießmaschine aus.
Der vorliegenden Erfindung liegt demgemäß die Aufgabe zugrunde, ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystem gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 derart weiterzubil- den, dass die mit einer separaten SPS-Hardware verbundenen Kosten eingespart werden können.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Maschinensteuerungs- und Rege- lungssystem gemäß Anspruch 1 gelöst.
In Anbetracht der obigen Aufgabe soll mit der vorliegenden Erfindung ferner ein Stellglied gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 8 derart weitergebildet werden, dass es der Aufgabe der Erfindung dienend in dem Maschi- nensteuerungs- und Regelungssystem verwendet werden kann.
Kerngedanke der vorliegenden Erfindung ist es somit, ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystems für eine Spritzgießmaschine zu realisieren, bei dem die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für dieses Maschinensteuerungs- und Regelungssystem über eine dezentrale Stellgliedhardware (nachstehend als Achsregelungshardware bezeichnet) des genannten Stellgliedes vorgesehen sind.
Die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für das Maschinensteuerungs- und Regelungssystem sind zusammen als Funktionen einer Spritzgießmaschinensteuerung oder SPS zu verstehen.
Der vorstehende Kerngedanke wird erfindungsgemäß dadurch realisiert, dass die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für das Maschinensteuerungs- und Regelungssystem derart über die dezen- trale Achsregelungshardware (digitalen Elektronik) eines in der Maschine ohnehin vorhandenen Stellgliedes in Form einer zusätzlichen Steuerungssoftware vorgesehen sind, dass das Maschinensteuerungs- und Regelungssystem keine räumlich getrennte SPS-Hardware mehr benötigt. Die Achs- regelungshardware des Stellgliedes weist somit neben bereits vorhandenen Achsregelungsfunktionen für die entsprechende Achse zusätzlich die Funktionalität einer SPS auf. Mit den vorstehenden Maßnahmen wird erfindungsgemäß eine deutliche Kosteneinsparung hinsichtlich der erfor-
derlichen Hardware für ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystem erzielt.
Eine weiterer Vorteil der vorliegenden Erfindung liegt gemäß einem der Unteransprüche darin, dass die Laufzeiten wichtiger Informationen (z.B. der Sollwerte) bezüglich einer Achse minimiert werden können.
Dies wird erfindungsgemäß dadurch realisiert, dass die Achsregelungshardware, in der zusätzlich die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für die Spritzgießmaschine integriert sind, an der Achse mit den höchsten Echtzeitanforderungen angeordnet wird. Somit werden die für diese Achse relevanten Informationen an der Achse erzeugt, an der sie auch abgearbeitet werden.
Bezüglich noch weiterer Vorteile und Wirkungen der vorliegenden Erfindung wird auf die verbleibenden Unter- ansprüche verwiesen.
Die vorliegende Erfindung wird nachstehend anhand der Beschreibung zweier Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die Zeichnung näher beschrieben. Es zeigt:
Fig. 1 ein Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen Maschinensteuerungs- und Regelungssystems für eine Spritzgießmaschine gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2 ein Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen Maschinensteuerungs- und Regelungssystems für eine Mehrzahl von Spritzgießmaschinen gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
Fig. 3 ein Blockschaltbild eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystems gemäß dem Stand der Technik, welches nach einem zentralen Konzepts zur Spritzgießmaschinensteuerung aufgebaut ist; und
Fig. 4 ein Blockschaltbild eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystems gemäß dem Stand der Technik, welches nach einem dezentralen Konzepts zur Spritzgießmaschinensteuerung aufgebaut ist.
Fig. 1 zeigt ein Blockschaltbild eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystem für eine Spritzgießmaschine gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung. Wie in Figur 1 zu sehen, weist ein solches Ma- schinensteuerungs- und Regelungssystem ein Bussystem BMI auf, welches eine Mehrzahl von Busteilnehmern miteinander verbindet. Busteilnehmer sind hierbei: ein an einer Achse 3A angeordnetes Stellglied, welches mindestens einen Achsregler 2 mit einer dezentralen Achsregelungshardware aufweist, mindestens eine weitere mögliche Achse 3B, eine Einrichtung 4, welche sonstige I/O (analoge und digitale I/O Ein- und Ausgänge) aufweist, einen Temperaturregler 5, welcher mit mindestens einer Heizung 6 verbunden ist, und ein HMI (Human-Machine Interface) 7.
Die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für das Maschinensteuerungs- und Regelungssystem sind hierbei über die Achsregelungshardware des Stellgliedes in Form einer zusätzlichen Steuerungssoftware vorgesehen. D.h., die Funktionen der Spritzgießmaschinensteuerung 1 (nachstehend als SPS 1 bezeichnet) werden in eine digitale Elektronik eines in der Maschine ohnehin vorhandenen Stellgliedes integriert. Maschinensteuerungs- und Regelungssysteme, welche eine der- artige Achsregelungshardware aufweisen können, sind z.B. eine Regelpumpe mit integrierter Digitalelektronik, ein
Regelventil mit integrierter Digitalelektronik oder ein Motorregler bei Maschinen mit elektronischen Stellern.
Bei einem Maschinensteuerungs- und Regelungssystem mit einem zentralen Stellglied (z.B. eine Regelpumpe) sind die Funktionen der SPS 1 über dessen Achsregelungshardware in Form einer zusätzlichen Steuerungssoftware vorgesehen. Bei einem Maschinensteuerungs- und Regelungssystem mit mehreren Stellgliedern (z.B. ein Mehrpumpen- System) hingegen werden derartige Funktionen über die Achsregelungshardware des Stellgliedes integriert, welches eine Master-Funktionalität aufweist. Es ist hierbei möglich, dass mehrere Stellglieder eine Achsregelungshardware aufweisen.
Werden die Funktionen der Ablaufsteuerung und die Koordination der Bewegungsabläufe für das Maschinensteuerungs- und Regelungssystems über die Achsregelungshardware des Stellgliedes integriert, welches an einer Achse mit den höchsten" Echtzeitanforderungen (i.d.R. die Ein- spritzachse, welche auch das hochwertigste Ventil aufweist) angeordnet ist, werden die Laufzeiten wichtiger Informationen (z.B. der Sollwerte) bezüglich des an der entsprechenden Achse angeordneten Systems minimiert, da die für diese Achse relevanten Informationen dort erzeugt werden, wo sie auch abgearbeitet werden.
Die dem Maschinensteuerungs- und Regelungssystem dienenden Busteilnehmer weisen jeweils individuelle Funkti- onalitäten auf. Das sind bei der Achsregelung beispielsweise eine ablösende Geschwindigkeits- Druckregelung (z.B. nach dem Minimalwertprinzip) für alle Achsen, wobei die Druckregelung eine Kraftregelung mit einschließt. Hierbei erhält der Achsregler zu jedem Zeitpunkt zwei Sollwerte (v, p) . Als weitere Regelung ist eine zusätzliche Achspositionierung möglich (z.B. ist ein wegabhängi-
ges Bremsen (WAB) bei einer Schließeinheit denkbar) . Die SPS 1 verarbeitet sowohl digitale Eingangswerte DI (von z.B. Tastern und Schaltern) als auch analoge Eingangswerte AI (z.B. Wege und Drücke), ermittelt aus einem Zu- stand (k) und den Eingangswerten einen Zustand (k+1) und gibt sowohl digitale Ausgangswerte DI (Schaltsignale) als auch analoge Ausgangswerte AI (Sollwerte v,F) entsprechend dem ermittelten Zustand aus. Der Temperaturregler 5 kann einer Zylinderheizung, einer Werkzeugtemperierung und einer Temperierung von Heißkanalwerkzeugen dienen. Über das HMI 7 kann beispielsweise eine Eingabe von Sollwerten, eine Anzeige des Prozesszustandes, der Ist- und Sollverläufe als auch der Fehlermeldungen, die Speicherung von Daten und eine Kommunikation mit einer überge- ordneten Steuerung erfolgen. Ferner können bezüglich des Systems optional Qualitäts- und Technologieprogramme durchgeführt werden.
Die SPS 1 mit den Funktionen der Ablaufsteuerung und der Koordination der Bewegungsabläufe, die gemäß dem Stand der Technik als eine einzelne Einrichtung des Systems mit einer eigenen Hardware vorgesehen ist (siehe Fig. 4), wird in der vorliegenden Erfindung bezüglich dieser Hardwarekomponenten komplett eingespart. Die damit verbundene Reduzierung der Kosten ist ein wesentlicher Vorteil bei der Realisierung eines solchen Maschinensteuerungs- und Regelungssystems.
Fig. 2 der vorliegenden Erfindung zeigt ein Block- Schaltbild eines Maschinensteuerungs- und Regelungssystems für eine Mehrzahl von Spritzgießmaschinen gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung. Das hierbei verwendete Maschinensteuerungs- und Regelungssystem entspricht bis auf die nachstehend be- schriebenen Unterschiede dem Maschinensteuerungs- und Regelungssystem des ersten Ausführungsbeispiels. Folglich
werden Erläuterungen und Zusammenhänge bezüglich einzelner Komponenten des Maschinensteuerungs- und Regelungssystems, welche aus der obigen Beschreibung ersichtlich sind, aus Gründen der Redundanz weggelassen und nur er- gänzende wesentliche Merkmale hervorgehoben.
Wie in Fig. 2 gezeigt, ist es bei der Verwendung einer Mehrzahl von Spritzgießmaschinen möglich, nur eine einzige mit diesen Maschinen kompatible HMI 7 vorzusehen. Andernfalls blieben die HMI 7 derjenigen Spritzgießmaschinen ungenutzt, die ein Bediener zu einem jeweiligen Zeitpunkt nicht bedienen kann, da es ihm nur möglich ist, eine einzelne Maschine zu einem jeweiligen Zeitpunkt zu bedienen.
Die vom Bediener unabhängigen Aufgaben gemäß obiger Beschreibung werden hierbei von einem übergeordneten Rechner 8 übernommen, welcher derart aufgebaut ist, dass er die Daten der mit ihm verbundenen Systeme erfassen kann. Dies ermöglicht es ihm, Qualität und Produktivität zu überwachen, entsprechende Daten zu speichern und bei Bedarf Notsignale auszusenden. Der Rechner 8 ist über ein Bussystem BMI der Spritzgießmaschine oder über ein anderes Bussystem L mit dem Stellglied, welches die Funktio- nen der SPS 1 aufweist, verbunden. Das andere Bussystem L ist z.B. ein lokales Netzwerk (LAN), an welches in diesem Ausführungsbeispiel mindestens eine weitere Spritzgießmaschine (SN) angeschlossen ist. Es ist aber auch denkbar, ein solches Maschinensteuerungs- und Regelungssystem ohne eine weitere Spritzgießmaschine zu verwenden.
Das zweite Ausführungsbeispiel macht es bei Verwendung von n Spritzgießmaschinen möglich, die Kosten für n-1 HMI 7 einzusparen. Dies bewirkt, dass zusätzlich zu der oben erwähnten Kostenreduzierung bezüglich der SPS- Hardware, eine weitere Reduzierung der Kosten bezüglich
der Realisierung eines erfindungsgemäßen Maschinensteuerungs- und Regelungssystems erzielt werden kann.
In der vorhergehenden Beschreibung ist ein Maschinensteuerungs- und Regelungssystem für eine Spritzgießmaschine offenbart worden. Es ist jedoch ebenso denkbar, das offenbarte Maschinensteuerungs- und Regelungssystem für eine andere Maschine zu verwenden.