Färbezusammensetzung umfassend Henna und Cellulase sowie Färbeverfahren
Die Erfindung betrifft ein kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Cellulase-Aktivität umfasst. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Färben keratinischer Fasern unter Verwendung eines erfindungsgemäßen kosmetischen Mittels.
Die Färbung menschlicher Haare auf Basis von Naturprodukten erfreut sich wachsender Beliebtheit. Henna als pflanzliches Färbemittel ist seit dem Altertum bekannt. Als Haarfärbemittel wird es herkömmlicher Weise in Form eines feinen Pulvers der zermahlenen Blätter verwendet. Das Pulver wird mit heißem Wasser zu einer Paste gerührt und anschließend auf das Deckhaar aufgetragen. Der Färbeprozess ist im Vergleich zu oxidativer Haarfarbe unhandlicher und mit einem längeren Zeitaufwand verbunden.
Der primäre Farbstoff im Henna ist das Lawson (2-Hydroxy-l,4 Naphthoquinone) neben anderen farbgebenden Chinonen und Phenolen. Das Lawson liegt in Pflanzen im Wesentlichen in glykosidisch gebundener Form vor. Genauer betrachtet liegt bei Henna das sogenannte Hennosid als Vorstufe des aktiven Lawsons in glykosidisch gebundener Form vor (vgl. linke Strukturformel in Schema 1). Das freie Lawson ist (vgl. rechte Strukturformel in Schema 1) die färbende Spezies, die jedoch erst durch Hydrolyse des Hennosids und Oxidation des Aglykons (Hydrolawson) entsteht, sobald das Hennapuder mit Wasser angerührt wird (vgl. Schema 1).
+ glue
R= glue R - R"= H
R- glue R = R"= H
R’- gluc R = R - H
Schema 1: Enzymatisch katalysierte Reaktion vom Hennosid (Isomerglukosid) zu Lawson (Aglykon).
Die hydrolytische Spaltung des Hennosids erfolgt enzymatisch - unteranderem durch pflanzeneigene ß-Glucosidase - sobald das Pflanzenpuder mit Wasser in Kontakt gerät. Das ungebundene Lawson wird freigesetzt, welches an die Proteine des Haarkeratins binden kann. Die freigesetzte Form des Lawsons ist lediglich in einem begrenzten Zeitfenster reaktiv, indem es mit den Seitengruppen der Aminosäuren (z.B. mit Thiolen des Cysteins) interagieren kann. Die chinoide Form des Lawsons reagiert nach der Freisetzung stetig ab, wenn es nicht direkt auf die Haarfaser aufgetragen und gebunden wird. Dieses Phänomen verhindert die Einarbeitung von Henna und anderen Pflanzenpudern mit glykosidisch gebundenen Farbstoffen, in eine stabile Emulsionsbasis, die das Haar, unabhängig von der Lagerzeit, intensiv färbt.
Dieser oben beschriebene Mechanismus verhindert eine leichte Handhabung von kosmetischen Mitteln auf Basis von natürlich vorkommenden Hennafarben.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht in der Bereitstellung eines kosmetischen Mittels zur Färbung keratinischer Fasern, insbesondere menschlicher Haare, auf Basis von Henna, das eine leichtere und verbesserte Anwendbarkeit gewährleistet. Ferner lag der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Färbeverfahren keratinischer Fasern, insbesondere menschlicher Haare, auf Basis von Henna bereitzustellen.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird gelöst durch den Gegenstand von Anspruch 1. Ein erster Gegenstand der Erfindung ist daher ein kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosylier- tes Lawson und/oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Cel lulase-Aktivität umfasst.
Die enzymatische Freisetzung des hennaeigenen Farbstoffes Lawson im Hennapulver, das aus Pflanzen gewonnen wird, ist der entscheidende Faktor, der bisher die Einarbeitung des Hennapulvers in wässrige Systeme limitiert. Wird hennaeigene ß-Glucosidase inaktiviert
bzw. vom glykosylierten Lawson getrennt und die enzymatische Hydrolyse des Farbstoffes gesteuert, indem in einem zweiten Schritt neuer Biokatalysator in Form von Enzym oder enzymhaltigem Pflanzenpulver dazugegeben wird, kann die Einarbeitung von Henna in wässrige Systeme ermöglicht werden. Der Biokatalysator ist bei der vorliegenden Erfindung ein Enzym mit Cellulase-Aktivität, das bei dem zwei Komponenten umfassenden kosmetischen Mittels in der zweiten Zusammensetzung enthalten ist. Dieses Enzym bewirkt nach dem Zusammengehen von erster und zweiter Zusammensetzung die Glykolyse des glykosylierten Lawson, das in der ersten Zusammensetzung enthalten ist.
Die erste Zusammensetzung kann als Farbstoffzusammensetzungen (F) bezeichnet werden und die zweite Zusammensetzung kann als Biokatalysator-Zusammensetzungen (BKF) bezeichnet werden. Glykosyliertes Lawson liegt durch Zuckergruppen geschützt in der ersten Zusammensetzung stabilisiert vor. Die erste Zusammensetzung kann somit ein wässriges, hydrolasefreies Systeme darstellen. Unter dem glykosyliertem Lawson soll jedes Hennosid verstanden werden, das ein oder mehrere Gykosylgruppen an den Sauerstoffatomen des Bicyclus oder an einem beliebigen Sauerstoff eine Glykosylgruppe trägt (vgl. linke Struktur von Schema 1).
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Enzym mit Cellulase-Aktivität eine Hydrolase, bevorzugt eine Cellulase oder Protease. Die Hydrolase kann eine beta-gluco- sidase-Aktivität und/oder eine endoglucanase-Aktivität aufweist. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist die Hydrolase ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus einer pflanzlich gewonnenen Cellulase, einer aus einem Bakterium oder einem Protisten gewonnenen Cellulase und einem biotechnologisch hergestellten Enzym.
Diese Enzyme sind in der Lage, das glykosylierte Lawson oder dessen Derivate in der ersten Zusammensetzung zu spalten und dann für den Färbeprozess zur Verfügung zu stehen.
Die Enzyminaktivierung des auf natürliche Weise gewonnenen Hennapulvers kann mittels verschiedener Vorbehandlungen des Hennapulver geschehen. Enzyme sind stark beein-
flussbar durch Faktoren wie Temperatur, pH-Wert, Polarität des Lösungsmittels, lonen- stärke etc. Die präferierte Denaturierung des hennaeigenen Enzyms kann mittels Hitzebehandlung von Hennapulver durchgeführt werden. Die Isolierung und Trennung des gly- kosylierten Lawsons und des Enzyms kann mithilfe ethanolischer Extraktion oder mithilfe einer Extraktion mit einem anderen polaren Lösungsmittel erfolgen. Es gibt somit zwei Wege die Lawson enthaltene erste Zusammensetzung herzustellen.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate, die erhalten werden aus dem Extrakt aus der Extraktion von getrocknetem Hennapulver mit einem polaren Lösungsmittel, bevorzugt einem Alkohol, bevorzugter Ethanol. Alternativ werden das gly- kosylierte Lawson oder dessen Derivate erhalten aus getrocknetem Hennapulver, das einem Schritt der Inhibierung oder Deaktivierung seiner eigenen Enzyme unterzogen wird. Bevorzugt wird die Inhibierung durch Vermengen des getrockneten Hennapulvers mit einer heißen wässrigen Zusammensetzung oder heißem Wasser, bevorzugter bei Temperaturen über 80°C, noch bevorzugter zwischen 85°C und 120°C, am meisten bevorzugt zwischen 90°C und 100°C, durchgeführt. Wenn Temperaturen über 100°C angewendet werden, findet bevorzugt die Deaktivierung unter Druck statt, um mit flüssigem Wasser oder einer flüssigen wässrigen Zusammensetzung zu arbeiten.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate in einer Menge von 0,1 Gew.-% bis 25 Gew.-%, bevorzugt 0,2 Gew.-% bis 15 Gew.-%, bevorzugter 0,3 Gew.-% bis 5 Gew.-%., am meisten bevorzugt 0,4 Gew.-% bis 1,4 Gew.-%.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform basiert die erste Zusammensetzung auf Wasser. Bevorzugter ist die erste Zusammensetzung eine wässrige Lösung oder ein Gel, oder die erste Zusammensetzung stellt eine Emulsion dar, bevorzugt eine O/W-Emulsion oder eine W/O-Emulsion.
Besondere Vorteile sind mit Merkmalen der Erfindung verbunden, die sich auf den natürlichen Ursprung von Komponenten und Inhaltsstoffen des erfindungsgemäßen kosmetischen Mittels beziehen. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird das Enzym mit Cellulase-Aktivität erhalten wird aus dem Raffinat aus der Extraktion von getrocknetem Hennapulver mit einem polaren Lösungsmittel, bevorzugt einem Alkohol, bevorzugter Ethanol. Durch das Extraktionsverfahren können glykosyliertes Lawson und die Enzyme des Hennapulvers voneinander getrennt werden. Die gegebenenfalls aufbereiteten Rohstoffe glykosyliertes Lawson und Enzyme werden schließlich der ersten bzw. zweiten Zusammensetzung zugefügt.
Unter einer Extraktion soll im Rahmen der vorliegenden Erfindung das verstanden werden, das in der Chemie herkömmlicherweise unter der Trennmethode der Extraktion verstanden wird. Insbesondere wird in der vorliegenden Erfindung aus einer Extraktion ein Verfahren verstanden, bei dem aus dem Feststoff ein Stoff oder Stoffgemisch mit einem Lösungsmittel abgetrennt wird. Das Lösungsmittel wird Extraktionsmittel genannt und ist geeignet, wenn es den zu extrahierenden Stoff löst, die anderen Bestandteile jedoch nicht. Das Gemisch aus extrahiertem Stoff und Lösungsmittel bzw. Extraktionsmittel wird Extrakt genannt, der verbleibende Rückstand wird Raffinat oder auch Extraktionsgut genannt.
Unter einem polaren Lösungsmittel wird ein Lösungsmittel verstanden, das im physikalischchemischen Sinne polar ist.
Das Enzym kann gemäß einer weiteren bevorzugten alternativen Ausführungsform aus dem Hennapulver selbst gewonnen werden. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst die zweite Zusammensetzung umfassend ein Enzym mit Cellulase-Aktivität ein Pflanzenpulver oder Pflanzenextrakt, das bevorzugt in Reinform oder in einem fluiden Medium dispergiert oder gelöst vorliegt. Das Enzym mit Cellulase-Aktivität kann auch in gelöster Form oder in Form eines Gels vorliegen. Das Enzym aus einer natürlichen Quelle ist mit dem Vorteil der Nachhaltigkeit verbunden.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das Pflanzenpulver oder der Pflanzenextrakt ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Cassia Auriculata Blattpulver, Cassia Obovata Blattpulver, Indigofera Tinctoria Blattpulver, Lawsonia Inermis Blattpulver, Juglans Nigra Schalenpulver (Schwarze Walnuss Pulver), Punica Granatum Schalenpulver (Granatapfelfruchtschalenpulver), Uncaria Gambir Blatt- oder Zweigepulver, Terminalia Chebula Pulver (Haritakipulver), Jacat Curcas Blattpulver, Quercus infectoria Galläpfelpulver, Pulver der Bengalischen Quitte, Rheum Emodi Wurzelpulver, Adhatoda Vasica Blattpulver, Aloe Barbadensis Blattpulver, Brasilholzpulver, Pernambukholzpulver, Nicaraguaholzpulver, Cesalpinia-Sappanholzpulver, Cordia Dichotoma Blattpulver, Amlafruchtpulver, Bhringaraj Blattpulver, Neembaumblattpulver, Eukalyptus Globulus Blattpulver, Kamillenblumenpulver und Emblica Officinalis Fruchtpulver. Pflanzenteile der obigen Pflanzen dienen als Quelle zur Gewinnung von Enzymen, die in der zweiten Zusammensetzung des erfindungsgemäßen kosmetischen Mittels eingesetzt werden.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform enthält die erste Zusammensetzung und/oder die zweite Zusammensetzung ferner einen Verdicker.
Erfindungsgemäß enthält die erste Zusammensetzung und/oder die zweite Zusammensetzung mindestens einen oder mehrere hydrophile Verdicker, der bevorzugt ausgewählt sind aus Polysacchariden, die chemisch und/oder physikalisch modifiziert sein können. Als hydrophile Verdicker sind Verbindungen aus der Gruppe der Polysaccharide erfindungsgemäß besonders bevorzugt, da die Grundgerüste der Polysaccharide natürlichen Ursprungs und biologisch abbaubar sind. Bevorzugte hydrophile Polysaccharid-Verdickungsmittel sind ausgewählt aus Cellulosen, Celluloseethern von Cl-C4-Alkoholen, Celluloseestern, Xanthan Gum, Alginsäuren (sowie ihren entsprechenden physiologisch verträglichen Salzen, den Alginaten), Agar Agar (mit dem in Agar Agar als Hauptbestandteil vorhandenen Polysaccharid Agarose), Stärke-Fraktionen und Stärke-Derivaten wie Amylose, Amylopektin und Dextrinen, Karaya-Gummi, Johannisbrotkernmehl, Gummi Arabicum, Pektinen, Dextranen, Sclerotium Gum und Guar Gum sowie Mischungen hiervon.
Erfindungsgemäß bevorzugte Celluloseether von Cl-C4-Alkoholen und Celluloseester sind ausge-wählt aus Methylcellulosen, Ethylcellulosen, Hydroxyalkylcellulosen (wie beispielsweise Hydroxyethylcellulose), Methylhydroxyalkylcellulosen und Carboxymethylcellulosen (wie beispielsweise solche mit der INCI-Bezeichnung Cellulose Gum) sowie ihre physiologisch verträglichen Salze.
In bevorzugten Ausführungsformen ist im Hinblick auf eine zuverlässige Viskositätseinstellung und rückstandsfreie Anwendung auf Keratinfasern und der Kopfhaut als hydrophiler Verdicker Xanthan Gum enthalten. In weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist im Hinblick auf eine zuverlässige Viskositätseinstellung und rückstandsfreie Anwendung auf Keratinfasern und der Kopfhaut als hydrophiler Verdicker Sclerotium Gum enthalten. Alginsäuren (sowie ihren entsprechenden physiologisch verträglichen Salzen, den Alginaten) können in einer bevorzugten Aus-führungsform als einziger hydrophiler Verdicker ebenfalls enthalten sein. Besonders bevorzugt ist eine Kombination aus mindestens zwei dieser drei Verdicker in verschiedenen Verhältnissen.
Es kommen erfindungsgemäß ebenfalls Verdicker in Frage, die nicht aus Polysacchariden, die chemisch und/oder physikalisch modifiziert sind, bestehen. Darunter fallen jegliche Verdicker, die aus Polymeren der Acrylsäure (Carbomer/ Polyacrylsäure) hergestellt sind. Polyacrylsäuren kommen in verschiedenen Polymerisationsgraden vor, die je nach gewünschter Viskosität allein oder in Kombination mit pflanzenbasierten Verdickern eingesetzt werden.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist der Verdicker, ein hydrophiler Verdicker ausgewählt aus einem oder mehreren nicht-natürlichen und/oder einem oder mehreren natürlichen Verdickern. Bevorzugter ist der natürliche Verdicker ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Polysacchariden oderTonmineralien, noch bevorzugter ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Cellulose, Celluloseethern von Cl-C4-Alkoholen, Celluloseestern, Xanthan Gum, Alginaten, Sclerotium Gum, Guar-Derivaten, Karaya-Gum, Traganth, Taragummi, Gellan, Carrageen, Johannisbrotkernmehl, Pektinen, Dextranen,
Amylosen, Amylopektinen, Dextrinen, Bentonit, hydrophob modifiziertem Siliciumdioxid. Alternativ oder zusätzlich zu den natürlichen Verdickern ist bevorzugter der nicht-natürliche Verdicker ein Verdicker auf Basis von Polyacrylsäure, Polyacrylaten, Polyacrylamiden, Polyvinylpyrrolidon, Polyvinylalkohol, Polyurethanen, Styrol-Maleinsäureanhydrid-Copoly- merisaten, Polyethylenglykolen, hydrophob modifizierten Polyethern. Alternativ kann einer der nicht-natürlichen Verdicker mit einem natürlichen Verdicker kombiniert werden. Bevorzugt enthält die erste Zusammensetzung und/oder die zweite Zusammensetzung jedoch einen oder mehrere natürliche Verdicker.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform enthält die erste Zusammensetzung und/oder die zweite Zusammensetzung ferner ein Konservierungsmittel.
Erfindungsgemäß besonders bevorzugt enthält die erste Zusammensetzung und/oder die zweite Zusammensetzung unabhängig voneinander mindestens ein organisches Lösemittel, das eine Phenyl-gruppe im Molekül aufweist. Bevorzugt ist dieses Lösemittel ausgewählt aus Phenoxyethanol, Benzylalkohol sowie Mischungen hiervon.
Überraschend wurde festgestellt, dass sich derartige aromatische Lösemittel positiv auf die Färbeergebnisse des erfindungsgemäßen Färbeverfahrens auswirken können; dies wurde insbesondere beobachtet, wenn das kosmetische Mittel ein derartiges aromatisches Lösemittel enthält.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird gelöst durch den Gegenstand von Anspruch 9. Ein zweiter Gegenstand der Erfindung ist daher ein Verfahren zum Färben keratinischer Fasern, insbesondere menschlicher Haare, bei dem die erste Zusammensetzung und zweite Zusammensetzung des erfindungsgemäßen kosmetischen Mittels zu einer Färbezusammensetzung vermengt werden, die Färbezusammensetzung auf die Haare aufgetragen wird, und die Färbezusammensetzung nach einer Einwirkzeit ausgespült wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht eine Färbung auf Basis von natürlichem Henna, wobei das erfindungsgemäße Verfahren gegenüber dem herkömmlichen Färbeverfahren mit Hennapulver deutliche Vereinfachungen mit sich bringt. Mit Hilfe von verschiedenen Inhaltsstoffen können Eigenschaften in einer Weise eingestellt werden, dass die Färbung für den Verbraucher komfortabel ist.
Gemäß einem bevorzugten Verfahren wird die Färbezusammensetzung 0 Minuten bis 45 Minuten, bevorzugt 5 Minuten bis 30 Minuten, bevorzugter 10 Minuten bis 20 Minuten stehen gelassen, bevor die Färbezusammensetzung auf die Haare aufgetragen wird. Dadurch hat die Färbezusammensetzung die Zeit, die es braucht, das Lawson zu deglyko- sylieren, ohne dass jedoch der farbgebende Stoff seine Wirksamkeit wieder verloren hat.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform beträgt die Einwirkzeit 15 Minuten bis 90 Minuten, bevorzugt 20 Minuten bis 60 Minuten, bevorzugter 25 Minuten bis 45 Minuten. Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt auch darin, dass es gegenüber herkömmlichen Färbeverfahren mit Henna schneller bewerkstelligt werden kann.
Selbstverständlich können Merkmale, die nur im Zusammenhang mit dem hier beschriebenen kosmetischen Mittel offenbart sind, als Merkmale für das hier beschriebene Verfahren dienen.
Insbesondere umfassen erfindungsgemäß ganz besonders bevorzugte Ausführungsformen mindestens eine der folgenden Ausführungsformen A) bis F):
A)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder glykosyliertes Lawson zusammen mit dessen Derivaten umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Cellulase-Aktivität umfasst.
B)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Ce 11 u lase-Aktivität umfasst, wobei das Enzym mit Cell ulase-Aktivität eine Hydrolase ist.
C)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Ce 11 u lase-Aktivität umfasst, wobei das Enzym mit Cel I u lase-Aktivität ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus einer pflanzlich gewonnenen Cellulase, einer aus einem Bakterium oder einem Protisten gewonnenen Cellulase und einem biotechnologisch hergestellten Enzym.
D)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Ce 11 u lase-Aktivität umfasst, wobei das glykosylierte Lawson oder dessen Derivate erhalten werden aus dem Extrakt aus der Extraktion von getrocknetem Hennapulver mit einem polaren Lösungsmittel.
E)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Ce 11 u lase-Aktivität umfasst, wobei das glykosylierte Lawson aus getrocknetem Hennapulver erhalten wird, das einem Schritt der
Inhibierung oder Deaktivierung seiner eigenen Enzyme unterzogen wird, wobei bevorzugt die Inhibierung durch Vermengen des getrockneten Hennapulvers mit einer heißen wässrigen Zusammensetzung oder heißem Wasser bei Temperaturen zwischen 90°C und 100°C durchgeführt wird.
F)
Kosmetisches Mittel zum Färben von keratinischen Fasern, insbesondere menschlicher Haare, umfassend zwei voneinander separierte Zusammensetzungen, wobei die erste Zusammensetzung glykosyliertes Lawson oder dessen Derivate umfasst und wobei die zweite Zusammensetzung mindestens ein Enzym mit Cellulase-Aktivität umfasst, das aus einem Pflanzenpulver oder Pflanzenextrakt gewonnen wird, das oder der bevorzugt ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Cassia Auriculata Blattpulver, Cassia Obovata Blattpulver, Indigofera Tinctoria Blattpulver, Lawsonia Inermis Blattpulver, Juglans Nigra Schalenpulver (Schwarze Walnuss Pulver), Punica Granatum Schalenpulver (Granatapfelfruchtschalenpulver), Uncaria Gambir Blatt- oder Zweigepulver, Terminalia Chebula Pulver (Haritakipulver), Jacat Curcas Blattpulver, Quercus infectoria Galläpfelpulver, Pulver der Bengalischen Quitte, Rheum Emodi Wurzelpulver, Adhatoda Vasica Blattpulver, Aloe Barbadensis Blattpulver, Brasilholzpulver, Pernambukholzpulver, Nicaraguaholzpulver, Cesalpinia-Sappanholzpulver, Cordia Dichotoma Blattpulver, Amlafruchtpulver, Bhringaraj Blattpulver, Neembaumblattpulver, Eukalyptus Globulus Blattpulver, Kamillenblumenpulver und Emblica Officinalis Fruchtpulver.
Die nachfolgenden Beispiele sollen die Gegenstände der vorliegenden Erfindung erläutern, ohne diese in irgendeiner Weise zu beschränken.
Beispiele
In einem ersten Teil der Beispiele wird nachgewiesen, dass Henna-Pulver als natürlicher Rohstoff mit einem Vorläufer des Hennafarbstoffs in einer Weise behandelt werden kann, dass die Henna-eigenen Enzyme von dem Vorläufer getrennt werden können, wobei die Zusammensetzung umfassend den Vorläufer des Hennafarbstoffs ohne Enzyme keine keratinischen Fasern färben kann.
15 g Henna werden mit einem Volumen von 700 mL Ethanol über mindestens 5, bevorzugter Weise 9-12 Zyklen extrahiert, solange, bis der Extrakt, welcher sich in der Apparatur (Soxhlet) sammelt, nur noch eine geringe bzw. keine Grünfärbung hat. Die Evaporation des Lösemittels des Produkts führt zu einem festen dunkelgrünen Extrakt, welches sehr lagerfest ist und in einem zweiten Schritt in ein wässriges System eingearbeitet werden. Hier bieten sich wässrige Lösungen, Creme- oder Gelgrundlagen an.
Tabelle 1: Bespielformulierung für ein Henna-Extrakt Gel
Mithilfe von Fraktionierung kann der Extrakt weiter in seine Einzelkomponente aufgeteilt werden, so dass glykosyliertes Lawson isoliert und weiterverarbeitet werden kann.
Die Ausfärbungen mit einem Gel (10 g Gel pro Strähne), welches 10 % Henna-Extrakt mit glykosyliertem Lawson enthält ergibt die in Tabelle 1 aufgezeigte Farbgebung. Die charakteristische Lawson-Färbung bleibt aus, da lediglich glykosyliertes Lawson und seine Derivate im Gel zur Verfügung stehen, welche wiederum nicht in der Lage sind, die Haarfaser orange einzufärben. Glykosyliertes Lawson ist im Gegensatz zum freien, oxidierten Lawson,
über mehrere Monate stabil in wässrigen Formulierungen, in denen keine Hydrolasen enthalten sind.
Tabelle 2: Farbresultat der Ausfärbung von Henna-Extrakt-Gel auf weißem Büffelhaar
N=5, SD=Standardabweichung, AE-Werte beziehen sich auf die Lab-Werte der unbehandelten Büffelhaare
Das Hennapulver, aus dem Mittels Ethanol das glykosylierte Lawson extrahiert wurde, enthält temporär durch Ethanol inhibierte Hydrolasen. Dieses Pulver kann getrocknet, das Lösemittel evaporiert und für längere Zeit stabil eingelagert werden. Die vergleichbar hohe Lagerstabilität in wasserfreiem System ermöglicht die vielseitige Weiterverwendung des Hennapulvers. Die Hydrolasen sind in trockenem Zustand geschützt vor Proteaseaktivität und können jederzeit durch die Addition von Wasser aktiviert werden.
Ebenfalls kann das Lawson freie Hennapulver nach der Trocknung weiteren Extraktionen unterzogen werden, sodass Hydrolasen, Polyphenole und weitere Pflanzenstoffe isoliert und weiterverarbeitet werden können.
Die nachfolgenden Beispiele belegen, dass eine kosmetische 2-Komponenten-Zusammen- setzung, bei der Komponente 1 das glykosyliertes Lawson, jedoch keine aktiven Enzyme enthält und bei der Komponente 2 aktive Enzyme enthält, eine vorteilhafte Haarfärbung hervorruft.
Wie bereits beschrieben, ermöglicht die thermische Denaturierung von Enzymen in einer glykosyliertes Lawson enthaltenden Komponente die Stabilisierung des Lawson. Die Denaturierung der Henna-eigenen Enzyme ermöglicht somit die Einarbeitung und Stabilisierung
von glykosylierten Lawson-Derivaten in wässrige Formulierungen. Unter wässrigen Formulierungen ist hier gemeint: Gele, Lösungen, Öl in Wasser (O/W) Emulsionen etc.
Die 2-Komponenten-Zusammensetzung beinhaltet:
Komponente 1: Formulierung, die aufkonzentriertes, enzym-deaktiviertes Henna mit glykosyliertem Lawson und Derivaten beinhaltet
Komponente 2: Formulierung, die einen oder mehrere Biokatalysatoren beinhalten, die die Zuckerreste von glykosyliertem Lawson abspalten können.
Das enzym-deaktivierte Henna in Komponente 1 wird wie folgt hergestellt:
Um die Hydrolasen im Henna zu denaturieren, wird erfindungsmäßig reines Henna Pulver mit 80 °C - 100 °C heißem Wasser vermengt, bevorzugt 90-100 °C. Es wird eine 0,1-15 %ige Hennalösung, bevorzugter Weise eine 0,4 - 5 %ige Lösung hergestellt, auf Raumtemperatur abgekühlt und zentrifugiert.
Die Überstandslösung (pH 3-8) kann als Färbemedium verwendet werden, oder aufkonzentriert und mit natürlichen Verdickern und Konservierungsmitteln zu einem homogenen Gel verarbeitet werden.
Tabelle 3:
Glykosylierte Lawson-Derivate haben nicht die charakteristische Hennafarbe und färben das Haar nicht orange.
Tabelle 4:
N=5, SD=Standardabweichung, AE-Werte beziehen sich auf die Lab-Werte der unbehandelten Büffelhaare
Die enzym-deaktivierte Henna-Lösung kann ebenfalls (vor und nach der Filtration von Feststoffen und Zellmaterial) vom gesamten Lösemittel getrennt werden und getrocknet werden. Das trockene Hennapulver enthält keine aktiven Enzyme mehr, kann für längere Zeit eingelagert werden und wieder in wässrige Lösung bzw. Systeme aufgenommen und weiterverarbeitet werden.
Die Komponente 2 enthält Biokatalysator, d.h. Enzyme, die das glykosylierte Lawson hydrolysieren können, sodass Hydrolawson freigesetzt und zu aktivem Lawson oxidiert werden kann. Komponente 2 kann in Form von verschiedenen pflanzlichen Rohstoffen und/oder Enzymen und Formulierungen eingesetzt werden; Voraussetzung ist das Vorkommen eines oder mehrerer Enzyme, die ß-l-4-glykosidische Bindungen spalten.
1. Komponente 2 kann reines Hennapulver sein, welches 0-30 Min, bevorzugter Weise 10-20 Min vor der Anwendung mit Komponente 1 vermengt und 15-60 Minuten, bevorzugt 20-45 Min ausgefärbt wird. 10 g Gel pro 1 g Haar kann mit 0,1-1 g purem Hennapulver als Biokatalysator kombiniert werden.
2. Komponente 2 kann ein anderes Pflanzenpulver oder -extrakt sein, welches natürlich in der Pflanze vorkommende Biokatalysatoren/ Enzyme enthält, die ß-l-4-gly- kosidische Bindungen spalten können. Darunter fallen Pflanzen wie z.B. schwarze
Walnuss, verschiedene Farbhölzer, Indigo etc. Das Pulver wird 0-30 Min, bevorzugter Weise 10-20 Min vor der Anwendung mit Komponente 1 vermengt und 15-60 Minuten, bevorzugt 20-45 Min ausgefärbt. 10 g Gel pro 1 g Haar kann mit 0,1-1 g Pflanzenpulver oder -extrakt kombiniert werden.
Tabelle 5:
N=5, SD=Standardabweichung, AE-Werte beziehen sich auf die Lab-Werte der unbehandelten Büffelhaare
3. Komponente 2 kann ebenfalls Enzymlösung sein, die als flüssiger Zusatz oder als Gel welches 0-30 Min, bevorzugter Weise 10-20 Min vor der Anwendung mit Komponente 1 vermengt wird. Je nach Enzymkonzentration in der Lösung / Gel können verschiedenen Mengen hinzugegeben werden.
Beispielhaft sind folglich die Ausfärbungen auf Büffelhaar mit 10 g enzymdeaktiviertem Hennagel und verschiedenen Mengen an Cellulaselösung pro 1 g Strähne aufgeführt.
Tabelle 6:
N=5, SD=Standardabweichung, AE-Werte beziehen sich auf die Lab-Werte der unbehandelten Büffelhaare