Fahrerassistenzsystem für ein Nutzfahrzeug mit einem Anhänger und Verfahren zur Steuerung eines solchen Systems
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Fahrerassistenzsystem für ein Nutzfahrzeug mit einem Anhänger, welches zur Beobachtung und/oder zur Überwachung eines hinter einer Fahrerkabine des Nutzfahrzeugs befindlichen Raumes nutzbar ist. Außerdem betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Steuerung eines solchen Systems.
Kamerabasierende Rückfahrassistenzsysteme sowie kamerabasierende Laderaum- überwachungssysteme für Nutzfahrzeuge sind in verschiedenen Ausführungsformen bekannt. Allerdings sind derartige Fahrerassistenzsysteme in der Regel lediglich in Anhängern von fest zusammengehörigen Zugfahrzeug-Anhängefahrzeug- Kombinationen integriert. In Fahrzeugkombinationen mit wechselnden Anhängern, wie beispielsweise Zugmaschinen mit Sattelaufliegern, fehlen häufig am Anhängefahrzeug wichtige Voraussetzungen, um den Anhänger mit einem derartigen System ausrüsten oder nachrüsten zu können. Oft ist eine genormte Datenverbindung zwischen ziehendem Fahrzeug und gezogenem Fahrzeug nicht vorhanden. Oder eine vorhandene Datenverbindung ist zur Übertragung großer Datenmengen, wie sie beispielsweise bei der Aufnahme von Bildern und Bildsequenzen im rückwärtigen Bereich des Anhängers beim Manövrieren anfallen, nicht geeignet. Häufig kommt es zu Störungen in der Übertragung von Kamerabildern an einen Monitor im Armaturenbrett in der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs oder es ist kein entsprechend ausgebildeter Monitor in der Fahrerkabine vorhanden. Die Installation eines zusätzlichen Anhänger-Datenkabels und/oder eines fest eingebauten Monitors in der Fahrerkabine ist aufwendig und teuer. Andererseits passieren gerade beim Rückwärtsrangieren mit Anhängern häufig Schäden durch Kollisionen mit Hindernissen. In der Praxis steht oft keine Hilfsperson zum Einweisen des Fahrers zur Verfügung, sodass die Gefahr von
Rangierschäden besonders hoch ist. Daher wird in der Praxis ein geeignetes Fahrerassistenzsystem häufig vermisst.
Bereits bekannt ist das in der Veröffentlichung Nr. 815 020 21 1 .3 (03.2020) „TailGUARD™ für Truck & Bus Applikationen, Systembeschreibung” des Unternehmens WABCO beschriebene „TailGUARD“-System. „TailGUARD“ ist eine optionale Erweiterung eines in der Veröffentlichung Nr. 815 020 093.3 (09. 2018) „TEBS E Versionen EO bis E5.5 Systembeschreibung“ des Unternehmens WABCO beschriebenen elektronischen Anhängerbremssystems (TEBS: aus engl. Electronic Braking System for Trailers; elektronisches Bremssystem für Anhänger). „TailGUARD“ ist demnach ein in einem Anhängefahrzeug eingebautes Rückfahrassistenzsystem, welches mittels Ultraschallsensoren Hindernisse im rückwärtigen Raum des Anhängers in einem Nahfeld von bis zu zwei Metern erkennt. „TailGUARD“ unterstützt den Fahrer bei der Rückwärtsfahrt, indem es bei Annäherung an Objekte warnt, erforderlichenfalls eigenständig bremst und das Fahrzeug autonom in einem sicheren Abstand zum erkannten Objekt stoppt, um Kollisionen mit Fußgängern, Laderampen, Schranken, Bäumen, Gabelstaplern, Autos oder anderen Objekten hinter dem Fahrzeug zu vermeiden. Der Abstand zu erkannten Objekten kann über eine Anzeige mit LED-Balken im Armaturenbrett der Fahrerkabine und/oder über blinkende Spurhalteleuchten angezeigt werden.
Das erwähnte bekannte Anhängerbremssystem kann zusätzlich mit dem ebenfalls in der Veröffentlichung Nr. 815 020 093.3 (09. 2018) des Unternehmens WABCO beschriebenen „OptiLink“-System erweitert werden. „OptiLink“ ist eine Anwendungssoftware (App) für Mobilgeräte, die in Verbindung mit einer elektronischen Steuereinheit („OptiLink-ECU“) eine Steuerung verschiedener Funktionen des Anhängefahrzeugs ermöglicht. Das System bietet einen einfachen Zugriff auf verschiedene Funktionen des elektronischen Anhängerbremssystems, unter anderem auf das „TailGUARD'-System.
Allerdings ist das „TailGUARD'-System nicht ohne weiteres mit den neuesten Richtlinien gemäß der „Grundsätze für die Prüfung und Zertifizierung von Rückfahrassis-
tenzsystemen für Nutzfahrzeuge“ (GS-VL-40 (04.2019), Prüf- und Zertifizierungsstelle in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)) kompatibel. Insbesondere werden weder die Position in Bezug zum Fahrzeug noch die Größe eines erkannten Objektes angezeigt.
Außerdem sind Systeme zur Laderaumüberwachung eines Anhängefahrzeugs bekannt. Die DE 10 2018 120 333 A1 zeigt ein Verfahren zur Überwachung eines Laderaums in einem Fahrzeug unter Verwendung eines im Laderaum installierten optischen Sensors sowie ein Steuergerät mit einer Software zur Durchführung des Verfahrens. Das Steuergerät weist drahtlose oder drahtgebundene Schnittstellen für den optischen Sensor und für eine grafische Benutzeroberfläche eines Computers auf. Bei dem optischen Sensor handelt es sich beispielsweise um eine Kamera. Bei dem Steuergerät handelt es sich um ein Bremsensteuergerät eines elektronischen Bremssystems. Bei dem Computer handelt es sich beispielsweise um ein Mobiltelefon oder einen Navigationscomputer mit einer Anwendungssoftware sowie mit einem Bildschirm als grafische Benutzeroberfläche. Das Bremsensteuergerät empfängt zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Bild der Kamera und erzeugt daraus ein Rasterbild, aus dem die Belegung oder eine Belegungsänderung des Laderaumes gemäß einem in dem Bremsensteuergerät abgespeicherten Rasters erkennbar ist. Das Rasterbild wird auf der grafischen Benutzeroberfläche angezeigt.
Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Fahrerassistenzsystem für ein Nutzfahrzeug mit einem Anhänger vorzustellen, welches betriebssicher und komfortabel sowie kostengünstig installierbar oder nachrüstbar ist. Eine weitere Aufgabe besteht darin, ein Verfahren zur Steuerung eines derartigen Fahrerassistenzsystems zu beschreiben.
Die Lösung dieser Aufgaben ergibt sich aus den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche, während vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung den jeweils zugeordneten Unteransprüchen entnehmbar sind.
Die Erfindung betrifft demnach zunächst ein Fahrerassistenzsystem für ein Nutzfahrzeug mit einem Anhänger, welches zur Beobachtung und/oder zur Überwachung eines hinter einer Fahrerkabine des Nutzfahrzeugs befindlichen Raumes nutzbar ist, und welches Folgendes aufweist:
- mindestens einen optischen oder akustischen Sensor, welcher hinter der Fahrerkabine des Nutzfahrzeugs angeordnet ist,
- wobei mit diesem Sensor Bilder und Bildsequenzen innerhalb eines Sichtfeldes des Sensors aufnehmbar sind,
- eine Bildverarbeitungseinheit, welche mit dem optischen oder akustischen Sensor elektrisch verbunden ist,
- wobei in der Bildverarbeitungseinheit eine Bildverarbeitungssoftware zur Bilddatenanalyse und zur Bildkomprimierung abgespeichert ist,
- und wobei die Bildverarbeitungseinheit mittels der aufgenommenen Bilder oder Bildsequenzen Objekte erfassen und hinsichtlich ihrer Größe, Position und Bewegung in Bezug auf ein fahrzeugfestes Koordinatensystem analysieren und daraus eine komprimierte Objektinformation erzeugen kann,
- eine erste drahtgebundene oder drahtlose Datenverbindung,
- eine elektronische Steuereinheit, welche eine Dateneingangsseite sowie eine Datenausgangsseite aufweist und separat von der Bildverarbeitungseinheit angeordnet ist,
- wobei die elektronische Steuereinheit zum Übertragen der von der Bildverarbeitungseinheit erzeugten Objektinformation dateneingangsseitig über die erste Datenverbindung mit der Bildverarbeitungseinheit verbunden oder verbindbar ist,
- eine zweite drahtlose Datenverbindung, und
- ein elektronisches Endgerät mit einer elektronischen grafischen Benutzeroberfläche, welches außerhalb des Anhängers positioniert ist,
- wobei das Endgerät über die zweite Datenverbindung mit der Datenausgangseite der elektronischen Steuereinheit drahtlos verbunden oder verbindbar ist,
- und wobei auf dem Endgerät eine Anwendungssoftware installierbar ist, mittels welcher die von der Bildverarbeitungseinheit zur Verfügung gestellte und über die elektronische Steuereinheit auf das Endgerät übertragene Objektinformation als eine
grafisch reduzierte, räumliche oder flächige geometrische Darstellung auf der Benutzeroberfläche abbildbar ist.
Unter einem optischen Sensor wird hier ein Sensor verstanden, der durch elektromagnetische Wellen übertragene optische Informationen in elektrisch auswertbare Signale umwandelt. Das elektromagnetische Spektrum eines optischen Sensors umfasst hier ultraviolettes, sichtbares und infrarotes Licht.
Unter einem akustischen Sensor wird hier ein Sensor verstanden, der durch Schallwellen übertragene akustische Informationen in elektrisch auswertbare Signale umwandelt. Das Schallwellenspektrum eines Schallsensors umfasst hier vorzugsweise Ultraschallwellen, ist aber nicht darauf beschränkt.
Unter einem elektronischen Endgerät wird ein Kommunikationsgerät verstanden, welches drahtlos an ein Datennetz oder an eine Funkverbindung anschließbar ist und eine grafische Benutzeroberfläche aufweist oder mit einer solchen verbindbar ist. Solche elektronischen Endgeräte können beispielsweise Smartphones, Mobiltelefone, Navigationsgeräte, Unterhaltungsanlagen, Personal-Computer, Tablets, Notebooks etc. sein. Die erwähnte grafische Benutzeroberfläche ist demnach das Display beziehungsweise der Bildschirm des elektronischen Endgeräts. Das elektronische Endgerät kann demnach ein mobiles Gerät oder ein in der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs installiertes Gerät sein.
Unter dem Begriff der Bildkomprimierung wird hier eine elektronische und softwarebasierte Bildverarbeitung verstanden, bei welcher eine Menge digitaler Daten reduziert wird, um die Übertragungszeit der Daten zu verkürzen und den benötigten Speicherplatz zu verringern.
Durch die Erfindung wird ein fortschrittliches Fahrerassistenzsystem (ADAS; engl. Advanced Driver Assistance System) für ein Anhängefahrzeug zur Verfügung gestellt, welches eine betriebssichere und komfortable grafische Anzeige von Hinder-
nissen im rückwärtigen Umfeld des Anhängers und/oder von der Ladung innerhalb eines Laderaums an einem elektronischen Endgerät ermöglicht.
Das Fahrerassistenzsystem kombiniert vorteilhaft eine sensorbasierte Objekterfassung mit einer drahtlosen Kommunikation zur Objektdatenübertragung zwischen dem Anhängefahrzeug und dem elektronischen Endgerät beziehungsweise dem Zugfahrzeug. Das Fahrerassistenzsystem kann einfach und kostengünstig an einem Anhängefahrzeug installiert oder dort nachgerüstet werden, da es nicht den Aufbau einer leistungsfähigen drahtgebundenen Verbindung zwischen dem ziehenden und dem gezogenen Fahrzeug benötigt. Insbesondere ist keine standardisierte drahtgebundene Videodatenverbindung erforderlich, die häufig nicht vorhanden ist.
Die Verarbeitung der Bilddaten des Sensors erfolgt in einer Bildverarbeitungseinheit (IPU; engl. Image Processing Unit), welche vorzugsweise nahe zum optischen Sensor an dem Anhängefahrzeug angeordnet ist. Die Bildverarbeitungseinheit erzeugt eine komprimierte Objektinformation, welche die Menge der anfallenden Bilddaten erheblich reduziert und dennoch die wesentlichen Informationen über die mittels der Bilder erfassten Objekte enthält. Diese signifikante Reduzierung der Bilddaten in der Bildverarbeitungseinheit ist besonders vorteilhaft, da sie die Übertagung der komprimierten Objektinformation über eine einfache sowie kostengünstige Datenverbindung ermöglicht und dennoch zuverlässig ist.
Demnach ist es eine Hauptaufgabe der Bildverarbeitungseinheit Objekte sensorisch zu erfassen und die Übertragungsbandbreite, also die zu übertragende Datenmenge pro Sekunde durch Begrenzung auf deren wesentlichen Inhalt zu reduzieren. Die sensorische Objekterfassung soll den bereits eingangs erwähnten Richtlinien gemäß der „Grundsätze für die Prüfung und Zertifizierung von Rückfahrassistenzsystemen für Nutzfahrzeuge“ (GS-VL-40, 04.2019, Prüf- und Zertifizierungsstelle in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)) genügen. Dabei soll eine möglichst hohe Aktualisierungsrate erreicht werden.
Um die Objektinformation zu erhalten, liest die Bildverarbeitungseinheit die von dem Sensor aufgenommenen Bilder und analysiert die erfassten Objekte hinsichtlich ihrer Position, ihrer Größe und ihres Bewegungszustands in Bezug auf ein fahrzeugfestes 3D-Koordinatensystem. Für die Objekterfassung kann die Bildverarbeitungseinheit bekannte Bildverarbeitungsverfahren verwenden, wie beispielsweise das SfM- Verfahren (engl. Structure from Motion), mit dem 3D-lnformationen durch die Überlappung zeitversetzt aufgenommener Bilder gewonnen werden können, oder das Differenzbildverfahren (engl. frame differencing; Einzelbildunterscheidung), mit dem Änderungen von Objekten in einer Bildsequenz erkannt werden können.
Die komprimierte Objektinformation wird zu einer elektronischen Steuereinheit übertragen, welche datenausgangsseitig drahtlos Daten senden kann und dateneingangsseitig Daten drahtlos oder drahtgebunden empfangen kann.
Die elektronische Steuereinheit arbeitet im Wesentlichen als ein Signalverstärker und kann unabhängig von der Bildverarbeitungseinheit als ein separates kompaktes Bauteil ausgebildet sein sowie am Anhängefahrzeug angeordnet werden. Die Bildverarbeitung kann also vollständig am Anhängefahrzeug erfolgen. Es sind somit grundsätzlich keine Modifikationen am Zugfahrzeug erforderlich, um das die Merkmale der Erfindung aufweisende Fahrerassistenzsystem nutzen zu können.
Die Steuereinheit empfängt die komprimierte Objektinformation, bereitet diese vorteilhaft zu Datenpaketen auf und versendet diese Datenpakete, beispielsweise mittels eines möglichst unterbrechungssicheren Kommunikationsprotokolls wie UDP (engl. User Datagram Protocol) über eine Wi-Fi-Funkschnittstelle innerhalb eines drahtlosen lokalen Netzwerks (WLAN) oder über eine Bluetooth-Verbindung.
Die Datenpakete können auf einem Endgerät außerhalb oder innerhalb der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs, beispielsweise auf einem Smartphone empfangen werden, auf dem eine für das Fahrerassistenzsystem entwickelte oder weiterentwickelte Anwendungssoftware (App) installiert ist. In dieser Anwendungssoftware werden die sensorisch erfassten Objekte gemäß der übertragenen Objektinformation als einfa-
ehe geometrische Figuren räumlich oder flächig sichtbar aufbereitet und in Beziehung zu dem Anhängefahrzeug setzt. Dadurch entsteht eine anwenderfreundliche räumliche oder flächige Darstellung, welche auf einer grafischen Benutzeroberfläche oder auf einem einfachen Display angezeigt werden kann. Aufgrund der reduzierten zu übertragenden Datenmengen kann die Anzeige schnell und zumindest nahezu verzögerungsfrei fortlaufend aktualisiert werden.
Es ist möglich und vorteilhaft, die Steuereinheit dateneingangsseitig an ein vorhandenes drahtgebundenes Bussystem des Fahrzeugs, beispielsweise an einen CAN-5V-Bus anzuschließen. Ein solches Bussystem ist meistens in Anhängefahrzeugen verbaut, welche mit einem elektronischen Bremssystem (EBS) ausgestattet sind. Es kann auch bereits eine Steuereinheit für die Signalübertragung verschiedener Funktionen zur Anzeige und Steuerung von Anhängerparametern, wie Reifendruck, Achslast oder Niveauregelung, in dem Anhängefahrzeug vorhanden sein. Eine derartige vorhandene Steuereinheit kann gegebenenfalls zusätzlich zum Übertragen der Objektinformation der Bildverarbeitungseinheit verwendet oder mit einer Erweiterung ausgebildet werden. Dies wird insbesondere dadurch ermöglicht, dass die Bilddaten zunächst durch die Bildverarbeitungseinheit reduziert werden, sodass die Steuereinheit nicht überlastet werden kann.
Gemäß einer ersten Ausführungsform des die Merkmale der Erfindung aufweisenden Fahrerassistenzsystems ist dieses zur Nutzung als Rückfahrassistenzsystem ausgebildet und dient beim Manövrieren des Anhängers zur Erkennung von Hindernissen eines rückwärtigen und/oder eines seitwärtigen Raumes des Anhängers. Hierzu ist mindestens ein optischer oder akustischer Sensor am Heck des Anhängers angeordnet, welcher einen rückwärtigen und/oder einen seitwärtigen Raum des Anhängers sensorisch erfasst. Im Vergleich zu bestehenden Rückfahrassistenten erweitert das erfindungsgemäße Fahrerassistenzsystem die Erkennungsmöglichkeiten insbesondere dadurch, dass dem Fahrer Hindernisse dreidimensional mit Größe und Position relativ zum Fahrzeug angezeigt werden können. Dadurch wird dem Fahrer das rückwärtsgerichtete exakte Manövrieren des Anhängers erleichtert.
Demnach kann an dem rückseitigen Ende des Anhängefahrzeugs ein nach hinten, also in Rückfahrrichtung gerichteter optischer oder akustischer Sensor angeordnet sein. Dieser Sensor kann beispielsweise durch das Einlegen eines Rückwärtsganges aktiviert werden, um Hindernisse im Fahrweg des Anhängers zu erkennen. Es ist vorteilhaft, wenn dieser Sensor derart ausgebildet ist, dass er einen großen horizontalen Winkelbereich, also ein großes Sichtfeld, welches sich möglichst weit bis in den seitlichen Bereich des Anhängers erstreckt, erfasst.
Gemäß einer zweiten Ausführungsform kann vorgesehen sein, dass das Fahrerassistenzsystem zur Nutzung als Laderaumüberwachungssystem ausgebildet ist und zur Überwachung eines Laderaums in dem Anhänger dient, wobei mindestens ein optischer oder akustischer Sensor in dem Laderaum angeordnet ist. Demnach kann im Laderaum des Anhängers ein Sensor installiert sein, welcher Bilder oder Bildsequenzen von dem Laderaum beziehungsweise von der Ladung aufnimmt. Die aufgenommenen Bilder können mittels der Bildverarbeitungseinheit in ein grafisch reduziertes Abbild der Ladung umgewandelt und angezeigt werden. Das Fahrerassistenzsystem kann also einen ersten Sensor für die Rückraumbeobachtung und zusätzlich einen zweiten Sensor für die Laderaumüberwachung aufweisen.
Das erfindungsgemäße Fahrerassistenzsystem kann somit sowohl als ein Rückfahrassistenzsystem als auch als ein Laderaumüberwachungssystem betrieben werden. Die Laderaumüberwachung und der Rückfahrassistent können grundsätzlich beide mit dem Fahrerassistenzsystem parallel betrieben werden, wobei zweckmäßigerweise bei einer Rückwärtsfahrt der Rückfahrassistent priorisiert und die Laderaumüberwachung zumindest temporär unterbrochen werden kann.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die elektronische Steuereinheit im Frontbereich des Anhängers, also nahe zu der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs angeordnet ist.
Es ist vorteilhaft, die drahtlose Signalstrecke zwischen der Steuereinheit und dem elektronischen Endgerät möglichst kurz zu halten. Dadurch wird die Zuverlässigkeit
der Übertragung der Objektinformation auf das Endgerät erhöht. Das Endgerät wird sich bei einer Rückwärtsfahrt im Sichtfeld des Fahrers befinden, damit dieser Hindernisse, welche auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts erscheinen, unmittelbar optisch wahrnehmen kann. Das Endgerät wird also in der Regel in der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs angeordnet sein. Alternativ dazu kann sich das Endgerät, sofern es sich um ein mobiles Gerät handelt, bei einem ferngesteuerten Manövrieren des Anhängers bei dem Fahrer außerhalb der Fahrerkabine des Zugfahrzeugs befinden.
Gemäß einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Fahrerassistenzsystems kann vorgesehen sein, dass dieses mindestens einen optischen oder akustischen Sensor aus der Gruppe Einzelbildkamera, Videokamera, TOF-Kamera, Stereokamera, Radarsensor, Lidar-Sensor, Ultraschallsensor aufweist. Demnach können bei dem Fahrerassistenzsystem je nach Anforderung an die Beobachtungs- und/oder Überwa- chungsfunktion Sensoren mit verschiedenen physikalischen Messprinzipien zum Einsatz kommen.
In einer ersten Ausführung eines Sensors kann beispielsweise für das Rückfahrassistenzsystem eine Weitwinkelkamera mit einem Fischaugen-Objektiv (auch: Fisheye- Objektiv) verwendet werden. Damit können Objekte im rückwärtigen Umfeld des Anhängers in einem horizontalen Winkel von mehr als 180° erfasst werden.
Als eine dazu alternative Ausführung des Sensors kann eine Stereokamera vorgesehen sein. Eine Stereokamera weist zwei synchronisierte Objektive auf, die gleichzeitig zwei Halbbilder aufnehmen, aus denen eine 3D-Abbildung entsteht. Dadurch kann eine genauere Positionsbestimmung von erfassten Objekten relativ zum Fahrzeug erreicht werden. Zudem wird der tote Winkel entlang der Bewegungslinie eines zurückstoßenden Anhängers beseitigt, wozu das erwähnte SfM-Verfahren geeignet ist.
Als eine andere alternative Ausführung eines Sensors kann eine TOF-Kamera vorgesehen sein. Eine TOF-Kamera ist eine 3D-Kamera, die mit einem Laufzeitverfahren (TOF; engl. Time Of Flight) arbeitet. Dabei wird die Laufzeit eines Lichtpulses,
welche das Licht von der Kamera zu einem Objekt und wieder zurück braucht, gemessen. Mit einer einzigen Aufnahme kann für jeden Bildpunkt einer ausgeleuchteten Szene jeweils dessen Abstand genau ermittelt werden.
Als eine weitere alternative Ausführung eines Sensors kann ein Radarsensor vorgesehen sein. Ein Radarsensor sendet eine gebündelte elektromagnetische Welle als Radarsignal aus und wertet ein von einem Objekt reflektiertes Echo aus, um das betreffende Objekt nach Entfernung und Winkel zu orten sowie gegebenenfalls zu identifizieren.
Als eine zusätzliche alternative Ausführung eines Sensors kann ein Lidar-Sensor vorgesehen sein (Lidar: engl. Light Detection And Flanging). Derartige Sensoren arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip wie Radarsensoren, jedoch mit Laserstrahlen. Diese Sensoren werden bereits an Fahrzeugen im Bereich automatisiertes und/oder fahrerloses Fahren eingesetzt.
Als eine weitere alternative Ausführung eines Sensors kann ein Ultraschallsensor vorgesehen sein. Das bereits eingangs erwähnte „TailGUARD“-System des Unternehmens ZF (früher WABCO) verwendet mehrere dieser Sensoren zur Hinderniserkennung.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann vorgesehen sein, dass zusätzlich eine künstliche Lichtquelle angeordnet ist, die während der Aufnahme eines Bildes oder einer Bildsequenz das Sichtfeld des optischen Sensors ausleuchten kann. Durch eine künstliche Ausleuchtung des Sichtfelds des Sensors kann eine gleichbleibend hohe Qualität der Aufnahmen unabhängig von den Schwankungen der natürlichen Helligkeit erreicht werden.
Zur Lösung der verfahrensbezogenen Aufgabe ist ein Verfahren zur Steuerung eines Fahrerassistenzsystems für einen Anhänger eines Nutzfahrzeugs vorgesehen, wobei das Fahrerassistenzsystem die Merkmale von wenigstens einem der Vorrichtungsansprüche aufweist.
Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
- dass bei einer Aktivierung des Fahrerassistenzsystems von dem mindestens einen optischen oder akustischen Sensor Bilder und/oder Bildsequenzen des von dem Sensor beobachteten oder überwachten Raumes aufgenommen werden,
- dass mittels dieser Aufnahmen Objekte, welche sich in dem beobachteten oder überwachten Raum befinden, mittels der Bildverarbeitungseinheit erfasst sowie hinsichtlich ihrer Größe und Position sowie optional hinsichtlich ihres Bewegungszustands in Bezug auf ein fahrzeugfestes Koordinatensystem analysiert werden,
- dass aus dem Analyseergebnis eine komprimierte Objektinformation erzeugt wird, welche die Größe, die Position und optional den Bewegungszustand jedes von der Bildverarbeitungseinheit berücksichtigten Objekts beinhaltet,
- dass diese Objektinformation über die elektronische Steuereinheit auf das Endgerät übertragen wird, und
- dass die auf das Endgerät übertragene Objektinformation mittels der Anwendungssoftware als eine grafisch reduzierte, räumliche oder flächige Darstellung auf der grafischen Benutzeroberfläche abgebildet wird,
- wobei diese Darstellung die erfassten Objekte als räumliche geometrische Figuren oder als ebene geometrische Figuren sowie deren Größe, Position und Bewegungszustand enthält.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden demnach die von dem Sensor aufgenommenen Bilder oder Bildsequenzen mit den darin erfassten Objekten zunächst in der Bildverarbeitungseinheit analysiert und als eine komprimierte Objektinformation drahtgebunden, beispielsweise über ein vorhandenes Bussystem eines Anhängerbremssystems, oder drahtlos über eine Funkverbindung zu der Steuereinheit übertragen. Die Steuereinheit fungiert als ein Signalverstärker, welcher die Objektinformation als ein aufbereitetes und verstärktes Signal über eine Funkverbindung, beispielsweise per WLAN oder Bluetooth, an das Endgerät sendet.
Die erfassten Objekte werden als räumliche geometrische Figuren, beispielsweise als Quader, Zylinder, Pyramiden, Kugeln oder Balken in einer räumlichen Darstellung
auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts sichtbar gemacht. Die räumliche Darstellung bezieht sich auf ein festes Koordinatensystem des Anhängefahrzeugs. Dabei entspricht die Größe beispielsweise der dargestellten Quader in Breite, Höhe und Tiefe sowie deren Position zum Anhänger den Maßen beziehungsweise den Positionen der betreffenden erfassten Objekte.
Alternativ dazu ist eine noch weiter datenreduzierte Darstellung möglich, bei der den Quadern beziehungsweise geometrischen Figuren eine vorgegebene einheitliche Größe zugeordnet wird. Diese Darstellung kann dem Fahrer als eine erste Orientierung dienen, wo sich im rückwärtigen Raum des Anhängers Hindernisse befinden. Vorteilhaft daran ist die vergleichsweise geringe zu übertragende Datenmenge, sodass eine weniger leistungsfähige Datenverbindung ausreicht. Insbesondere dann, wenn ein vorhandenes digitales Bussystem für die Datenübertragung zwischen der Bildverarbeitungseinheit und der Steuereinheit genutzt wird, wird dieses Bussystem nur relativ gering belastet.
Außerdem ist es möglich, die erwähnte 3D-Darstellung auf eine 2D-Darstellung zu reduzieren. Dabei können anstelle von räumlichen Figuren einfache ebene geometrische Figuren, wie beispielsweise Rechtecke, Dreiecke, Kreise, Abstandsbalken oder ähnliche Figuren auf der Benutzeroberfläche angezeigt werden.
Die Aktivierung des Fahrerassistenzsystems kann automatisch, sensorgesteuert, ereignisgesteuert oder manuell erfolgen.
Weiter kann vorgesehen sein, dass das Fahrerassistenzsystem als ein Rückfahrassistenzsystem arbeitet, welches beim Manövrieren des Anhängers zur Erkennung von Hindernissen eines rückwärtigen und/oder eines seitwärtigen Raumes des Anhängers dient, wobei das Sichtfeld des optischen oder akustischen Sensors in Teilbereiche unterschiedlicher Priorität unterteilt wird und wobei in jedem Teilbereich jeweils eine vorgegebene Anzahl von hindernisrelevanten Objekten berücksichtigt wird.
Es ist demnach vorteilhaft, den rückwärtigen Raum des Anhängers beim Rangieren in Bereiche zu unterteilen und die Darstellung auf den wesentlichen Inhalt in den jeweiligen Bereichen zu reduzieren. Dadurch wird eine gute Übersichtlichkeit der Darstellung erreicht und die zu übertragende Datenmenge auf ein notwendiges Maß begrenzt. Beispielsweise kann zentral hinter dem Anhänger ein Bereich hoher Priorität festgelegt werden, in dem die höchste Anzahl von als relevant eingestuften Objekten angezeigt wird. Einem schräg hinter dem Anhänger gelegenen Bereich kann eine mittlere Priorität mit einer mittleren Anzahl von als relevant eingestuften Objekten zugeordnet werden. Einem weiter außen gelegenen Bereich kann eine niedrige Priorität mit nur wenigen als relevant eingestuften Objekten zugeordnet werden.
Es ist auch möglich, zusätzlich bei einer Vorwärtsfahrt das Fahrerassistenzsystem einzusetzen. Wenn ein Sensor mit einem seitlichen Sichtfeld angeordnet ist, können hierbei ebenfalls Raumbereiche mit verschiedenen Prioritäten versehen werden. Beispielsweise wird einem zentral hinter dem Fahrzeug gelegenen Bereich bei einer Vorwärtsfahrt eine niedrige Priorität eingeräumt, während ein unmittelbar seitlich des Fahrzeugs gelegener Bereich eine hohe Priorität erhält. Zudem können die seitlichen Bereiche rechts und links noch unterschiedlich gewichtet werden, und zwar abhängig von der Betätigung eines linken oder rechten Fahrtrichtungsanzeigers des Fahrzeugs.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen sein, dass im Falle einer möglichen rückwärtigen Kollision mit einem Hindernis in einem prognostizierten Fahrweg des Nutzfahrzeugs mittels der Anwendungssoftware des Endgeräts eine visuelle, akustische und/oder haptische Kollisionswarnung erfolgt und dass zur Vermeidung einer Kollision eine automatische Notbremsung mittels eines Anhängerbremssystems eingeleitet wird.
Demnach kann eine mögliche Kollision während einer Rückwärtsfahrt vorausgesagt werden, wenn ein Hindernis in dem voraussichtlichen Fahrweg des Anhängers auftaucht. Wird eine Kollision als mittelbar bevorstehend eingestuft, kann zunächst eine Warn-Kaskade ausgelöst werden. Eine visuelle Rückmeldung kann beispielsweise
erfolgen, indem der auf der Benutzeroberfläche angezeigte Quader, welcher das betreffende Objekt repräsentiert, sich markant einfärbt, beispielsweise in Rot und/oder blinkt.
Außerdem oder alternativ dazu kann ein roter Rahmen an den Rändern der Benutzeroberfläche angezeigt werden oder sich der Hintergrund vollständig in einem transparenten Rot einfärben. Die Farben der visuellen Warnung, ebenso wie die Intensität der akustischen oder haptischen Warnung, können entsprechend dem Grad der Gefahr variieren. Beispielsweise kann die gelbe Farbe anzeigen, dass Hindernisse im Sichtfeld vorhanden sind, und die rote Farbe zeigt an, dass eine Kollision droht. Warntöne können in ihrer Tonhöhe und/oder in ihrer Lautstärke in Abhängigkeit von der erkannten Gefahr variieren. Wird eine Kollision als unmittelbar bevorstehend eingestuft, kann diese durch eine automatische Aktivierung der Anhängerbremsen beim Vorhandensein eines elektronischen Bremssystems vermieden oder zumindest abgeschwächt werden.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts erscheinenden geometrische Figuren und/oder ein Rahmen und/oder ein Hintergrund der Benutzeroberfläche abhängig von der Größe, Position und/oder Bewegungszustand der betreffenden Objekte sowie abhängig von einer Kollisionswarnung farblich verschieden und/oder farblich veränderlich abgebildet werden.
Demnach können verschiedene Farbschemata für die Darstellung der geometrischen Figuren vorgesehen und wählbar sein. Im einfachsten Fall können alle Figuren einheitlich eingefärbt sein. Beispielsweise kann sich die Farbe einheitlich für alle Figuren abhängig vom Abstand des zum Anhänger nächstgelegenen Objekts ändern. Gemäß einer Weiterbildung eines Farbschemas kann jede Figur einzeln und abhängig von ihrem momentan äußersten Punkt im Raum zum Anhänger hin gesehen farblich kodiert sein.
Außerdem kann der Bewegungszustand der erfassten Objekte analysiert werden. Wird ein relevantes Objekt erkannt, das eine Eigenbewegung ausführt, kann dieses beispielsweise von einem feststehenden Objekt durch eine andere Einfärbung unterschieden und hervorgehoben werden.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, dass auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts ein Raster oder Linienmuster angezeigt wird, welches auf eine dargestellte Grundfläche projiziert wird.
Ein Raster oder Linienmuster mit den darin abgebildeten, aus den sensorisch erfassten Objekten abgeleiteten geometrischen Figuren kann dem Fahrer beim Verständnis der abgebildeten Szene unterstützen. So kann dies beim Rückwärtsfahren dem Fahrer eine Orientierungshilfe beim Einleiten von Fahrmanövern geben. Beispielsweise kann ein Raster mit einer vorgegebenen festen Zellengröße auf die Grundfläche projiziert und auf der Benutzeroberfläche sichtbar gemacht werden, wobei jede Zelle einem Ausschnitt des beobachteten und überwachten Raumes von 1 m x 1 m entspricht. Alternativ dazu kann ein Linienmuster auf die Grundfläche projiziert werden, wobei die Linienabstände der gezeigten Linien bestimmten horizontalen äquidistanten Abständen in dem beobachteten und überwachten Raum bezüglich des Anhängers entsprechen.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, dass auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts ein reales Hintergrundbild dargestellt wird, in welches die geometrischen Figuren, welche die erfassten Objekte repräsentieren, hinein projiziert werden. Falls sehr leistungsfähige Datenverbindungen zwischen der Bildverarbeitungseinheit und der elektronischen Steuereinheit sowie zwischen der elektronischen Steuereinheit und dem Endgerät zur Verfügung stehen, ist es demnach auch möglich, die geometrischen Figuren, welche die erfassten Objekte darstellen, in ein reales Hintergrundbild des optischen Sensors hinein zu projizieren.
Gemäß einer anderen Weiterbildung des Verfahrens kann eine Wächterfunktion vorgesehen sein, welche die Datenübertragung überwacht und bei einer erkannten signifikanten Unterbrechung der Datenübertragung zwischen der Bildverarbeitungseinheit und der elektronischen Steuereinheit und/oder zwischen der elektronischen Steuereinheit und dem Endgerät eine Warnmeldung erzeugt.
Es ist bekannt, dass bei Fahrerassistenzsystemen immer wieder Unterbrechungen in einer drahtlosen Kommunikation auftreten können. Daher ist es vorteilhaft, ein Diagnosewerkzeug in das erfindungsgemäße Fahrerassistenzsystem zu integrieren, welches Latenzzeiten oder Lücken in der Datenübertragung feststellt, um veraltete Daten zu bestimmen, beziehungsweise um zu erkennen, dass ein angezeigtes Bild auf der Benutzeroberfläche nicht die aktuelle Situation wiedergibt. Ein derartiges Diagnosewerkzeug ist beispielsweise das bekannte IP-Ping-Verfahren, mit dem mit Hilfe von Testsignalen überprüft werden kann, ob ein bestimmtes Gerät mit einer IP-Adresse in einem Netzwerk erreichbar ist. Wenn Latenzzeiten erkannt werden, kann eine Warnung in der Smartphone-App erzeugt werden, beispielsweise dargestellt durch eine Einblendung eines gelben oder roten Rahmens entlang der Kanten des Displays zusätzlich zu einem Hinweistext wie „keine Daten“.
Zweckmäßigerweise werden zwei Ping-Tests durchgeführt, um zwischen Latenzzeiten, welche zwischen der Bildverarbeitungseinheit und der Steuereinheit einerseits und zwischen der Steuereinheit und dem Endgerät andererseits auftreten,, zu unterscheiden sowie gegebenenfalls jeweils einen entsprechenden Fehlercode anzuzeigen. Im Falle von häufig auftretenden Störungen kann die Komprimierungsrate der aufgenommenen Bilder in der Bildverarbeitungseinheit angepasst werden, sodass eine weniger detailreiche, aber dennoch ausreichende Darstellung auf der Benutzeroberfläche entsteht.
Gemäß einer anderen Weiterbildung des Verfahrens ist vorgesehen, dass das Fahrerassistenzsystem als ein Laderaumüberwachungssystem arbeitet, wobei eine Ladungsbelegung, eine Ladungsverschiebung und/oder eine Belegungsänderung überwacht sowie auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts gezeigt wird.
Das Fahrerassistenzsystem ermöglicht dabei eine Überwachung des Zustands der Ladung im Laderaum des Anhängers. Beispielsweise kann der Grad der Belegung oder die Verteilung der Ladung im Laderaum angezeigt werden. Außerdem kann durch Vergleichen zeitlich beabstandet aufgenommener Bilder des Laderaums eine unerwünschte Ladungsverschiebung oder eine diebstahlbezogene Ladungsentfernung erkannt sowie dem Fahrer signalisiert werden.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, dass der Fahrer oder die Fahrerin einen perspektivischen Winkel der Darstellung auf der grafischen Benutzeroberfläche des Endgeräts mittels der Anwendungssoftware einstellen oder zwischen einer räumlichen und einer flächigen Darstellung wählen sowie umschalten kann.
Schließlich betrifft die Erfindung auch ein Nutzfahrzeug mit Anhänger, welches ein Fahrerassistenzsystem zur Beobachtung und/oder Überwachung eines hinter einer Fahrerkabine befindlichen Raumes aufweist, welches gemäß einem der Vorrichtungsansprüche aufgebaut und zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Verfahrensansprüche betreibbar ist.
Die Erfindung wird nachstehend anhand von in den beigefügten Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen näher erläutert. In den Zeichnungen zeigt
Fig. 1 ein als Rückfahrassistenzsystem und als Laderaumüberwachungssystem nutzbares Fahrerassistenzsystem für einen Anhänger eines Fahrzeuggespanns gemäß der Erfindung in einer schematischen Darstellung,
Fig. 2 ein mehrere Hindernisse enthaltender Rückraum des Anhängers gemäß
Fig. 1 in einer grafisch reduzierten perspektivischen Darstellung,
Fig. 3 einer in mehrere Bereiche unterschiedlicher Priorität unterteilter Rückraum des Anhängers gemäß Fig. 1 in einer schematischen Darstellung, und
Fig. 4 das Fahrzeuggespann gemäß Fig. 1 in einer schematischen Draufsicht mit in dem Laderaum des Anhängers angeordneter Ladung.
Einige Bauelemente in den Figuren stimmen in ihrem Aufbau und/oder in ihrer Funktion überein, so dass sie zur Vereinfachung mit denselben Bezugsziffern bezeichnet sind.
Bei dem hier beispielhaft dargestellten Fahrzeuggespann 2 handelt es sich um einen Sattelzug, der aus einem Zugfahrzeug 4, hier einer Sattelzugmaschine mit einer Fahrerkabine 6, sowie einem Anhänger 8, hier einem Sattelauflieger mit einem Kastenaufbau 12 und einem darin vorhandenen Laderaum 14, besteht.
Das erfindungsgemäße Fahrerassistenzsystem 16 ist im Wesentlichen in dem Anhänger 8 angeordnet und weist mindestens einen ersten optischen Sensor 18, vorliegend eine erste Kamera zur Rückraumüberwachung, zusätzlich einen zweiten optischen Sensor 22, vorliegend eine zweite Kamera zur Laderaumüberwachung, eine Bildverarbeitungseinheit 24, eine erste Datenverbindung 26, eine elektronische Steuereinheit 28, eine zweite Datenverbindung 30 sowie ein Endgerät 32 auf.
Der erste optische Sensor 18 ist am Heck 10 des Anhängers 8 angeordnet und weist ein Weitwinkelobjektiv 20 auf, beispielsweise ein sogenanntes Fischaugen-Objektiv (Fisheye-Objektiv), mit dem Bilder und Bildsequenzen eines Rückraums 36 hinter dem Anhänger 8 aufgenommen werden können. Der zweite optische Sensor 22 ist im Inneren des Laderaums 14 angeordnet. Mittels des zweiten Sensors 22 können Bilder und Bildsequenzen des Laderaums 14 aufgenommen werden.
Die Bildverarbeitungseinheit 24 ist im Inneren des Anhängers 8 nahe an dessen Heck 10 angeordnet und mit den beiden optischen Sensoren 18, 22 elektrisch verbunden. Mittels der Bildverarbeitungseinheit 24 können die von den optischen Sensoren 18, 22 aufgenommenen Bilder derart analysiert und komprimiert werden, dass jeweils eine Objektinformation erzeugt wird, welche die Größe sowie die Position und den Bewegungszustand von mit den Aufnahmen erfassten Objekten in Bezug auf ein fahrzeugfestes Koordinatensystem enthält.
Die elektronische Steuereinheit 28 ist im Bereich der Front 38 des Anhängers 8 angeordnet und über die erste Datenverbindung 26 mit der Bildverarbeitungseinheit 24
verbunden. Im gezeigten Beispiel ist die erste Datenverbindung 26 als eine Kabelverbindung ausgebildet. Beispielsweise kann diese Datenverbindung 26 Teil eines vorhandenen Datenbusses eines nicht dargestellten elektronischen Bremssystems des Anhängers 8 sein und für die Verbindung von der Bildverarbeitungseinheit 22 und der Steuereinheit 28 zur Übertragung der Objektinformation genutzt werden. Alternativ dazu ist eine drahtlose Funkverbindung möglich. Der Aufbau der elektronischen Steuereinheit 28 kann beispielsweise an der eingangs erwähnten „OptiLink“- ECU angelehnt oder eine Weiterentwicklung dieser „OptiLink“-ECU sein.
Das Endgerät 32 ist in diesem Beispiel ein Smartphone mit einer grafischen Benutzeroberfläche 34 beziehungsweise Display. Das Endgerät 32 kommuniziert mit der Steuereinheit 28 drahtlos über die zweite Datenverbindung 30, vorliegend eine WLAN-Verbindung. Alternativ dazu wäre auch eine Bluetooth-Verbindung möglich. Auf dem Endgerät 32 ist eine Anwendungssoftware, kurz App genannt, installiert, mittels der die von der Bildverarbeitungseinheit 24 erzeugte und von der Steuereinheit 28 auf das Endgerät 32 übertragene Objektinformation als eine grafisch reduzierte, räumliche oder flächige geometrische Darstellung abgebildet werden kann.
Fig. 2 zeigt beispielhaft eine derartige räumliche Darstellung 40 auf der grafischen Benutzeroberfläche 34 des Endgeräts 32 bei einer Nutzung des Fahrerassistenzsystems 16 als Rückfahrassistenzsystem. Ein von dem ersten optischen Sensor 18 aufgenommene Bildsequenz des Rückraums 36 des Anhängers 8 bei einer Rückwärtsfahrt wird von der Bildverarbeitungseinheit 24 analysiert. Im vorliegenden Beispiel wurden vier Objekte erfasst, welche als Hindernisse im voraussichtlichen Fahrweg des Anhängers 8 relevant sind.
Die auf das Endgerät 32 übertragene Objektinformation wird von der Anwendungssoftware des Endgeräts 32 in die gezeigte räumliche Darstellung 40 umgesetzt. In dieser Darstellung sind die vier erfassten realen Objekte als vier quaderförmige geometrische Figuren 44a, 44b, 44c, 44d abgebildet. In der Darstellung 40 sind die Größen und Positionen der geometrischen Figuren 44a, 44b, 44c, 44d relativ zum Anhänger 8 erkennbar. Aufgrund des extrem weiten Sichtfelds des Weitwinkelobjektivs 20
erscheint die daraus resultierende räumliche Darstellung 40 perspektivisch entsprechend stark verzerrt. Für eine bessere Orientierung ist der räumlichen Darstellung 40 mittels der Anwendungssoftware ein Raster 42 unterlegt. Die horizontalen Rasterlinien entsprechen äquidistanten Abständen in dem aufgenommenen Rückraum 36.
Die in der Fig. 2 schraffiert dargestellte zweite Figur 44b unterscheidet sich von den anderen drei Figuren 44a, 44c, 44d dadurch, dass es sich bei dem betreffenden Objekt um ein sich bewegendes Objekt handelt. Dies hat die Bildverarbeitungseinheit 24 durch die Analyse einer Bildsequenz mit zwei oder mehr aufeinanderfolgen Aufnahmen ergeben. Auf der Benutzeroberfläche 34 erscheint diese Figur 44b in einer anderen, hier grau dargestellten Farbe.
Fig. 3 zeigt der Rückraum 36 des Anhängers 8 mit einer Unterteilung in einen zentralen Teilbereich 46 sowie, in Vorwärtsrichtung gesehen, in einen fahrzeugnahen rechten seitlichen Teilbereich 48r, einen fahrzeugnahen linken seitlichen Teilbereich 48I, einen fahrzeugfernen rechten seitlichen Teilbereich 50r und einen fahrzeugfernen linken seitlichen Teilbereich 50r. Die Software der Bildverarbeitungseinheit 24 und/oder die Anwendungssoftware können eine Routine aufweisen, welche diese Unterteilung vornimmt und den genannten Teilbereichen 46, 48r, 48I, 50r, 50I jeweils eine Priorität zuordnet. Beispielsweise wird bei Rückwärtsfahrt dem zentralen Teilbereich 46 eine hohe Priorität, den fahrzeugnahen seitlichen Teilbereichen 48r, 48I eine mittlere Priorität und den fahrzeugfernen seitlichen Teilbereichen 50r, 50I ein niedrige Priorität zugewiesen. Zusätzlich können den linken und rechten Teilbereichen 48r, 48I, 50r, 50I je nach Fahrsituation jeweils unterschiedliche Prioritäten zugewiesen werden. Anhand dieser Prioritäten stuft die Bildverarbeitungseinheit 24 die erfassten Objekte 51 a, 51 b, 51 c, 51 d, 51 e, 51 f als relevant ein und trifft eine bestimmte Auswahl mit einer Begrenzung der Anzahl von Objekten in jedem der Teilbereiche 46, 48r, 48I, 50r, 50I.
Fig. 4 zeigt den Laderaum 14 des Anhängers 8 mit einer darin befindlichen Ladung 52, welche in dem gezeigten Beispiel aus vier Ladungseinheiten 52a, 52b, 52c, 52d besteht. Weiterhin gezeigt ist eine grafisch reduzierte Darstellung 54 des Lade-
raums 14 und der vier Ladungseinheiten 52a, 52b, 52c, 52d auf der grafischen Benutzeroberfläche 34 des Endgeräts 32 bei einer Nutzung des Fahrerassistenzsystems 16 als Laderaumüberwachungssystem. Dafür werden die Aufnahmen des zweiten optischen Sensors 22 aus dem Laderaum 14 mittels der Bildverarbeitungseinheit 24 in eine Objektinformation verarbeitet, welche die Größe und Position der Ladung 52 beziehungsweise der einzelnen Ladungseinheiten 52a, 52b, 52c, 52d enthält. Die Objektinformation wird über die Steuereinheit 28 an das Endgerät 32 gesendet. Auf der grafischen Benutzeroberfläche 34 ist ein Raster 56 unterlegt, mit dessen Hilfe sich der Belegungsgrad sowie die Lastverteilung der Ladung 52 im Laderaum 14 relativ leicht ableiten lassen. Mittels einer Analyse von Bildsequenzen können zudem Ladungsverschiebungen oder eine Entfernung der Ladungseinheiten 52a, 52b, 52c, 52d erkannt werden.
Bezugszeichenliste (Teil der Beschreibung)
Nutzfahrzeug, Fahrzeuggespann, Sattelzug
Zugfahrzeug, Sattelzugmaschine
Fahrerkabine
Anhänger, Sattelauflieger
Heck des Anhängers
Kastenaufbau des Anhängers
Raum hinter der Fahrerkabine; Laderaum des Anhängers Fahrerassistenzsystem, Rückfahrassistenzsystem, Laderaumüber- wachungssystem
Erster optischer Sensor, Kamera
Weitwinkelobjektiv der Kamera 20
Zweiter optischer Sensor, Kamera 22
Bildverarbeitungseinheit
Erste Datenverbindung, Datenbus
Elektronische Steuereinheit
Zweite Datenverbindung, WLAN, Bluetooth
Endgerät, Smartphone
Grafische Benutzeroberfläche des Endgeräts
Raum hinter der Fahrerkabine; Rückraum hinter dem Anhänger Frontbereich des Anhängers
Darstellung des Rückraums 36 auf der Benutzeroberfläche
Raster des Rückraums auf der Benutzeroberfläche a Erste figürliche Darstellung eines ersten Objekts des Rückraumsb Zweite figürliche Darstellung eines zweiten Objekts des Rückraumsc Dritte figürliche Darstellung eines dritten Objekts des Rückraumsd Vierte figürliche Darstellung eines vierten Objekts des Rückraums Zentraler Teilbereich des Rückraums I Linker fahrzeugnaher Seitenbereich r Rechter fahrzeugnaher Seitenbereich I Linker fahrzeugferner Seitenbereich
r Rechter fahrzeugferner Seitenbereich a - 51 f Objekte im Rückraum hinter dem Anhänger Ladung im Laderaum a Erste Ladungseinheit b Zweite Ladungseinheit c Dritte Ladungseinheit d Vierte Ladungseinheit Darstellung des Laderaums auf der Benutzeroberfläche Raster des Laderaums auf der Benutzeroberfläche