Bewertung beliebig vorgebbarer Kollisionen zwischen beliebigen Körperstellen von Lebewesen und beliebig geformten Objekten
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bewerten einer beliebig vorgegebenen Kollision, insbesondere hinsichtlich eines Verletzungsrisikos, zwischen einer be liebig vorgegebenen Körperstelle eines Lebewesens und einem beliebig vorge gebenen Objekt. Insbesondere kann es sich bei dem Lebewesen um einen Men schen und/oder bei dem Objekt um ein robotisches Gerät, beispielsweise um einen kollaborativen Roboter handeln. Die Erfindung betrifft auch eine entspre chende Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung zur Vorgabe von Grenzgeschwindig keiten, die verhindern, dass das robotische Geräte im Falle einer Kollision mit einem Lebewesen, beispielweise mit einem Menschen, verletzen kann. Das Verfahren bzw. die Vorrichtung kann auch als Verfahren bzw. Vorrichtung zur iterativen Bestimmung sicherer Robotergeschwindigkeiten bezeichnet und da mit verstanden werden.
Bei der Kollision eines Objektes, beispielsweise eines Roboters, mit einem Le bewesen, beispielsweise einem Menschen, kommt es an der betroffenen Kör perstelle des Lebewesens zu Deformationen von Haut und dem darunter lie genden Gewebe. Die Deformation oder Eindringtiefe geht dabei einher mit ei ner Reaktionskraft, mit der das Gewebe dem auftreffenden Objekt entgegen wirkt. Überschreitet die Reaktionskraft oder die Deformation eine bestimmte Schwelle, können ernsthafte Verletzungen auftreten. Für industriell einge setzte robotische Geräte, welche sich im Umfeld von Menschen ohne zusätzli che Schutzmaßnahmen bewegen, sog. kollaborative Roboter (auch „Cobots"), schreiben ISO 10218 und ISO/TS 15066 biomechanische Grenzwerte vor, die verhindern, dass bei Kollisionen mit dem Roboter Verletzungen auftreten.
Der biomechanische Zusammenhang zwischen Reaktionskraft und Deformati onsweg ist aufgrund des hyper-elastischen und viskosen Verhaltens von menschlichem, tierischem oder pflanzlichem Gewebe stark nichtlinear. Der Verlauf einer Kraft-Deformations-Kennlinie, welche das biomechanische Ant wort- oder Ansprechverhalten („biomechanical response") des Gewebes be schreibt, ähnelt einer exponentiellen Funktion, die oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts eine nahezu lineare Steigung annimmt. Dies ist mit einem bei-
spielhaften Verlauf in Fig. 1 gezeigt. Der konkrete Verlauf einer Kraft-Deforma- tions-Kennlinie, die für eine vorgegebene Kollision relevant ist, ist maßgeblich von der involvierten Körperstelle und der Form des auftreffenden Objektes so wie dessen Aufprallgeschwindigkeit abhängig.
Für das Bewerten eines Verletzungsrisikos an einem Roboter nimmt die maß gebliche Kraft-Deformations-Kennlinie eine Schlüsselrolle ein. Ist die Kennlinie für die betroffene Körperstelle und die Kontaktstelle am Roboter bekannt, kann der Ablauf einer Kollision anhand der Kennlinie und eines Robotermodells be stimmt werden und die maximalen Kontaktkräfte mit den zugeordneten maxi malen Deformationen anhand physikalischer Parameter des Roboters und der Geschwindigkeit des Roboter berechnet werden. Entsprechend kann so gezeigt werden, dass durch die (simulierte) Kollision ein relevantes Verletzungsrisiko besteht, falls die berechneten Kontaktkräfte die für den betrachteten Roboter geltenden biomechanischen Grenzwerte übersteigen. Alternativ kann auch eine sichere Geschwindigkeit iterativ berechnet werden, die das Objekt, vorlie gend das robotische Gerät, für den jeweils betrachteten Zeitpunkt nicht über schreiten darf, um eine Überschreitung der Grenzwerte zu diesem Zeitpunkt durch eine Kollision mit einem Lebewesen und somit die Verletzung des Lebe wesens zu vermeiden.
Die modellbasierte Risikobewertung ist für die kollaborative Robotik von be sonderem Interesse, da es aufgrund der vielseitigen Bewegungen der Roboter zu zahlreichen Kontaktsituationen mit hohem Gefährdungspotential für den Menschen kommen kann. Bislang steht aus dem Grund der großen Anzahl an Möglichkeiten für unterschiedliche Kontaktsituationen nur eine messtechni sche Methode für die Sicherheitsprüfung von kollaborativen Robotern zur Ver fügung. Aufgrund hoher Kosten und technischer Einschränkungen steht die messtechnische Methode aber dem breiten Einzug dieser Roboter in Industrie und anderen Bereichen wie beispielsweise der Pflege entgegen.
Das Bewerten einer vorgegebenen Kollision kann im Stand der Technik mittels der Finite-Elemente-Methode, FEM, erfolgen, wobei eine zugehörige Kraft-De- formations-Kennlinie per numerischer Berechnung bestimmt wird. Der Rechen aufwand bei der Verwendung der FEM mit entsprechenden Weichgewebe-De- formationsmodellen („tissue deformation models") und Kontaktmodellen
(„contact models") ist allerdings im Allgemeinen sehr hoch, weshalb sich diese Methode nicht dazu eignet, in die Steuerung von robotischem Gerät integriert zu werden, da es für ein Bewerten der Kollisionen in realistischen Szenarien er forderlich ist, die notwendigen Kennlinien innerhalb kurzer Zeit, jedenfalls in unter 1 Minute, zu berechnen, um darauf basierend die Geschwindigkeit des Roboters oder andere sicherheitsrelevante Parameter einzustellen , die dann eine Verletzung bei einer Kollision verhindern.
Es stellt sich somit die Aufgabe, beliebig vorgebbare Kollisionen zwischen Kör perstellen von Lebewesen und beliebigen Objekten schnell und genau zu be werten und anhand eines Bewertungs-Ergebnisses automatisch und bevorzugt unmittelbar Einstellungen am Roboter vorzunehmen, wie beispielsweise die Robotergeschwindigkeit, die das Verletzungsrisikos beispielsweise einer Bedi enperson reduzieren, bevorzugter Weise auf ein zulässiges Maß reduzieren.
Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Patentansprüche gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen ergeben sich aus den abhängigen Pa tentansprüchen, der Beschreibung und den Figuren.
Ein Aspekt betrifft ein Verfahren zum (automatischen und/oder echtzeitfähigen Regeln eines robotischen Gerätes geeignetes) Bewerten einer (beliebig) vorge gebenen Kollision, insbesondere hinsichtlich eines Verletzungsrisikos, zwischen einer (beliebig) vorgegebenen Körperstelle eines Lebewesens und einem (be liebig) vorgegebenen Objekt. Bei dem Lebewesen kann es sich um einen Men schen und/oder ein Tier und/oder eine Pflanze handeln. Das Objekt ist bevor zugt ein im Vergleich zur betrachteten Körperstelle hartes, also sich bei der Kol lision nicht verformendes Objekt. Beispielsweise kann es sich bei dem Objekt um einen (beliebig) vorgegebenen Teil eines robotischen Gerätes, eines Robo ters, handeln. Die Kollision kann einen Stoß und/oder eine Klemmung umfas sen. Das Verfahren umfasst dabei eine Reihe von Verfahrensschritten.
Ein Verfahrensschritt ist das Bereitstellen eines geometrischen Volumenmo dells des vorgegebenen Objektes, welches auf die betrachtete Körperstelle trifft. Dieses Modell kann in einem für BD-Modelle gängigen Dateiformat vor liegen und wird an eine Recheneinheit bereitgestellt. Ein weiterer Verfahrens schritt ist ein Bereitstellen eines geometrischen Schalen-Netzgittermodells der
vorgegebenen Körperstelle an eine Recheneinheit. Das geometrische Schalen- Netzgitter-Modell der betrachteten Körperstelle kann auch als Körperteilmo dell bezeichnet werden. Die Schale oder Hülle des Schalen-Netzgittermodells gleicht dabei ähnlich wie bei der FEM einer dreidimensionalen Netzgitter-Struk- tur, wobei jedes Feld Fij des zugehörigen Netzgitters des Schalen-Netzgittermo dells quadratisch ist. Entsprechend ist durch Indices i, j jedes Feld des Netzgit ters als zweidimensionale Untermannigfaltigkeit des dreidimensionalen Rau mes eindeutig bestimmt oder bestimmbar. Bevorzugter Weise haben alle quad ratischen Felder die gleichen Kantenlängen, sodass die Indices dann wie von Matrizen bekannt Spalten und Zeilen des Netzgitters spezifizieren können.
Für jedes Feld Fij des Netzgitters ist dabei eine Spannungs-Deformations-Kenn- linie vorgegeben. Die Spannungs-Deformations-Kennlinie kann auch in modifi zierter Form, beispielsweise als flächenangepasste Spannungs-Deformations- Kennlinie in Form einer jeweiligen Kraft-Deformations-Kennlinie vorgegeben sein. Damit wird das unten noch genannte Multiplizieren der ermittelten Span nungswerte vorgezogen, und somit für die Abdruck-Pixel Pij gemäß der jeweils zugeordneten Kraft-Deformations-Kennlinie und dem jeweiligen Pixelwert Pw jeweilige Kraftwerte ermittelt. Da für die Multiplikation das Kommutativgesetz gilt ist das Nutzen von Spannungs-Deformations-Kennlinie mit späterem Multi plizieren mit den jeweiligen Flächen äquivalent zum Verwenden der flächenan- gepassten Spannungs-Deformations-Kennlinie in Form einer jeweiligen Kraft- Deformations-Kennlinie. Daher umfasst der Begriff der „Spannungswerte" beim unten beschriebenen Verfahrensschritt des Erfassens auch „Kraftwerte", welche dem Produkt von Spannungswert mit den Flächen aus dem Verfahrens schritt des Berechnens der wirkenden Kraft entsprechen. Die beschriebenen Verfahrensschritte müssen also nicht in der (in den Ansprüchen) vorgegebenen Reihenfolge durchgeführt werden, wenngleich das möglich ist.
Die quadratische Grundform der Felder oder Netzelemente Fij hat zur Folge, dass das 3D- oder Volumenmodell nur um eine Achse gekrümmt werden kann. Entsprechend funktionieren nicht-quadratische Netzstrukturen mit dem vorge schlagenen Verfahren nicht. Dabei hat die Kantenlänge der Netzelemente ei nen signifikanten Einfluss auf die Genauigkeit des Modells, d. h. je kleiner die Kantenlänge, desto genauer kann die vorgegebene Kollision quantifiziert und bewertet werden. Beispielsweise kann die Kantenlänge weniger als 2 mm oder
weniger als 1 mm oder weniger als 0,5 mm betragen. Die Spannungs-Deforma- tions-Kennlinien für die einzelnen quadratischen Netzelemente Fij können da bei in einer Datenbank abgespeichert werden. Die Spannungs-Deformations- Kennlinie gibt das Dehnungsverhalten der finiten Fläche auf der Körperstelle wieder, die von dem quadratischen Netzelement oder Feld Fij repräsentiert wird. Sie kann beispielsweise durch Probandenversuche oder F EM -Analysen er mittelt werden.
Mittels der Recheneinheit erfolgt nun in einem virtuellen Raum ein Ausrichten des bereitgestellten BD-Modells und des bereitgestellten Schalen-Netzgitter- modells. Dabei entspricht die relative Anordnung der beiden Modelle zueinan der der relativen Anordnung von Objekt und Körperstelle bei der vorgegebenen Kollision im realen Raum. Vorteilhafterweise erfolgt das Ausrichten derart, dass nach dem Ausrichten der Abstand der beiden Modelle voneinander an zumin dest einem Kontaktpunkt der beiden Modelle, also an einem oder mehreren Kontaktpunkten der beiden Modelle, dem Punkt, an dem sich das Objekt und die Körperstelle bei der Kollision als erstes berühren, null ist.
Nach diesem Verfahrensschritt erfolgt durch die Recheneinheit in dem virtuel len Raum ein schrittweises Verschieben von BD-Modell und Schalen-Netzgitter- Modell ineinander entsprechend einer durch die vorgegebene Kollision be stimmten Kollisionsrichtung. Bevorzugt erfolgt dies bis zu einem erwarteten maximalen Deformationsweg. Beispielsweise wird das aufprallende Objekt in diskreten, insbesondere möglichst kleinen Schritten verschoben, so dass es ge ometrisch in das dreidimensionale Schalenmodell der Körperstelle eintaucht. Das Verschieben kann entsprechen iterativ erfolgen, es kann aber auch nur ein einziger Verschiebungsschritt durchgeführt werden. Nach jedem Verschie bungsschritt wird dabei für jeden (Iterations-) Schritt k des schrittweisen Ver- schiebens ein Abdruckbild mit jeweiligen Abdruckpixein Pij erzeugt. Ein jeweili ger Pixel-Wert w der Abdruckpixel Pij repräsentiert dabei eine Abdrucktiefe des 3D-Modells in einem mit dem jeweiligen Abdruckpixel Pij zugeordneten Feld Fij des Netzgitters des Schalen-Netzgittermodells. Wird das Abdruckbild wie unten noch beschrieben gefiltert, gewichtet, oder sonst wie bearbeitet, wird das zu nächst oder ursprünglich erzeugte Abdruckbild auch als „ursprüngliches Ab druckbild" referenziert, das weiter verarbeitete Abdruckbild als „gefiltertes Ab-
druckbild". Wie die Oberfläche der Körperstelle, die Schale, ist also das Ab druckbild ein zweidimensionales Bild. Damit liegt zu jedem Verschiebungs schritt (genau) ein zweidimensionales Abdruckbild vor, dessen Pixel durch die Indices i, j anzeigen, an welchen Stellen das auftreffende Objekt das Körpermo dell deformiert, und durch die zugeordneten Pixel-Werte Pw auch wie stark das Körpermodell an diesen Stellen deformiert wird. Das schrittweise Verschieben des Objekts im virtuellen Raum kann wiederholt (iteriert) werden, bis eine vor eingestellte maximale Verschiebungs-Wegstrecke erreicht ist. Die Abdrucktiefe und damit der Pixel-Wert Pw kann dabei auf unterschiedliche Weisen ermittelt werden, eine beispielhafte Ausführungsform wird weiter unten noch erläutert.
Ein weiterer Verfahrensschritt ist ein Ermitteln der jeweiligen Spannungswerte für die Abdruckpixel Pij, idealerweise nur für die Abdruckpixel Pij mit von Null verschiedenem Eintrag, für das oder zumindest eines der Abdruckbilder, bevor zugt die Abdruckbilder, gemäß der dem entsprechenden Feld Fij zugeordneten Spannungs-Deformations-Kennlinie und dem jeweiligen Pixel-Wert Pw. Prakti scherweise können die Felder Fij und Abdruckpixel Pij mit den identischen In dices i, j einander zugeordnet sein. Dies vereinfacht die Rechenschritte erheb lich und ist möglich da gemäß dem Verfahren effektiv die Betrachtung auf zwei Dimensionen reduziert wird.
Schließlich erfolgt ein Berechnen einer auf die vorgegebene Körperstelle wir kenden Kraft Fk mit einem Aufsummieren der Produkte derfürdie Abdruckpixel ermittelten Spannungswerte mit den Flächen Aij der zugeordneten Felder Fij des Netzgitters, für den dem zumindest einem Abdruckbild entsprechenden Schritt k, bevorzugt für viele oder sämtliche der den Schritten k entsprechen den Abdruckbilder. Dies kann durch die Formel F =2i,j o(Pijk) x Aij ausgedrückt werden. Dabei bezeichnet o(Pijk) die durch die jeweilige Spannungs-Deforma- tions-Kennlinie am Pixel Pij und damit Feld Fij durch den Pixel-Wert Pw vorge gebene Spannung. Abschließend kann dann ein Bewerten der Kollision anhand eines Ergebnisses eines der vorhergehenden Verfahrensschritte durchgeführt werden, insbesondere anhand der hier berechneten wirkenden Kraft im Schritt k und/oder einer aus den berechneten wirkenden Kräften abgeleiteten Kraft- Deformations-Kennlinie und/oder analogen Ergebnissen, beispielsweise einer von der Kraft oder der Kraft-Deformations-Kennlinie abgeleiteten Energie, ins-
besondere einer maximal zulässigen kinetischen Energie für das Objekt bezie hungsweise den Roboter.
Anschließend kann mit der Kraft-Deformations-Kennlinie und einem physikali- sehen Modell des Roboters die betrachtete Kollision berechnet werden. Die Be rechnung wird dann unter veränderter Anfangsgeschwindigkeit so oft wieder holt, bis die berechnete Kontaktkraft dem für die Kollision geltenden Grenzwert entspricht. Als Iterationsverfahren kommt bevorzugt das Bisektionsverfahren zum Einsatz. Die durch Iteration berechnete Anfangsgeschwindigkeit entspricht dann der Grenzgeschwindigkeit, die der Roboter nicht überschreiten darf. Die
Grenzgeschwindigkeit kann nach ihrer Berechnung wahlweise dafür genutzt werden, um die Bewegungsgeschwindigkeit des Roboters zu regeln (Bild 1) o- der eine Überwachungseinrichtung, eine Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung für eine modellbasierte Sicherheitsbewertung von robotischen Geräten, zu pa- rametrieren (Bild 2), die den Roboter abschaltet, sobald er die Grenzgeschwin digkeit überschreitet.
Oberfläche des Gefährdete Kollisionsobjekts Körperstelle
Geschwindigkeit
Bild 1: Geschwindigkeitssteuerung
Oberfläche des Gefährdete Kollisionsobjekts Körperstelle
Geschwindigkeit
Bild 2: Geschwindigkeitsüberwachung
Das vorgeschlagene Verfahren ist analog zur FEM in der Lage, biomechanische Kraft-Deformations-Kennlinien oder äquivalente Quantifizierungen einer Kolli sion zu berechnen. Im Unterschied zur FEM ermöglicht das vorgestellte Verfah ren deutlich verringerte Rechenzeiten für das quantifizierte Bewerten einer Kollision, beispielsweise um Kraft-Deformations-Kennlinien für weitere Verar beitungsschritte oder auch nur einzelne Grenzwerte für auftretende Kräfte o- der Energien zu berechnen. Dies wird im Folgenden noch weiter erläutert. Auf grund seiner Effizienz eignet es sich insbesondere für die modellbasierte, d. h. quantifizierte Bewertung von Risiken, die von Kollisionen und Quetschungen bei der Zusammenarbeit von Menschen mit kollaborativen Robotern ausgehen.
Das vorgestellte Verfahren versetzt entsprechend eine Kollisions-Bewertungs- Vorrichtung, beispielsweise für eine Robotersteuerung, in die Lage, eine Weich gewebedeformation an einer Körperstelle, wie sie sich beim Auftreffen eines beliebig geformten Objektes einstellt, innerhalb kurzer Zeit zu berechnen. Im
Unterschied zu den bekannten Ansätzen der Finite-Elemente-Methoden ver wendet das vorgeschlagene Verfahren ein geometrisches Schalenmodell, wel ches durch ein möglichst regelmäßig geformtes Netzgitter aus quadratischen Flächenelementen realisiert ist. Erst durch den Einsatz quadratischer Netzele mente und somit einer Beschränkung auf eindimensionale Krümmungen für den Körperteil ist eine Übertragung der Modelloberfläche auf ein zweidimensi onales Bild mit geringem Rechenaufwand möglich. Bei der Deformation des Schalenmodells durch ein dreidimensionales Objekt lassen sich die deformier ten Stellen als Pixel im zweidimensionalen Abdruckbild darstellen, wobei jeder Pixel-Wert dem Deformationswert an der zugehörigen Stelle auf dem Schalen modell entspricht, der wiederum die Verschiebung des zugehörigen Netzele mentes gegenüber dem Ausgangszustand anzeigt. Da jedes Netzelement mit einer spezifischen, bevorzugt also individuellen, Spannungs-Deformations- Kennlinie verknüpft ist, kann aus den durch die Pixel angezeigten Deformati onswerten eine Kontaktkraft berechnet werden, und zwar aufgelöst nach den diskreten Schritten der Deformation. Diese Kontaktkraft kann bereits zum Be werten der Kollision genutzt werden. In Kombination mit der Position des Ro boters entspricht die berechnete Kraft dann einem Punkt in der für die nachge lagerte Berechnung gesuchten Kraft-Deformations-Kennlinie. Durch die wie derholte Anwendung des Verfahrens kann somit für jeden Positionsschritt des Roboters, welcher dem schrittweisen Verschieben des Objektes im virtuellen Raum entspricht, die gesamte Kennlinie berechnet werden und dann für die weitere Bewertung der Kollision unter Zuhilfenahme eines physikalischen Ro botermodells verwendet werden.
Das Verfahren kann weiterhin umfassen ein g) Zusammenstellen einer Kraft- Deformations-Kennlinie durch Abbilden der aus Verfahrensschritt f) (Berech nen einer auf die vorgegebene Körperstelle wirkende Kraft F) berechneten Kräfte auf den in Verfahrensschritt d) (schrittweises Schieben von BD-Modell und Schalen-Netzgittermodell ineinander) verwendeten diskreten Verschiebe weg, sowie ein h) Bewerten der Kollision mit der Kraft-Deformations-Kennlinie und einem physikalischen Modell des Objekts, insbesondere des robotischen Geräts, bei Variation der Anfangsgeschwindigkeit des Objekts, insbesondere des robotischen Geräts, mithilfe des Bisektionsverfahrens bis die Anfangsge schwindigkeit des Objekts zu einer Kollisionskraft führt, die den für diese Kolli sion geltende Grenzwert entspricht; und ein i) Übertragen der berechneten
Anfangsgeschwindigkeit auf die Robotersteuerung zur Einstellung oder Über wachung der Robotergeschwindigkeit, sowie bevorzugt ein Einstellen und/o der Überwachen der Robotergeschwindigkeit entsprechend der übertragenen Anfangsgeschwindigkeit.
Entsprechend ist in einer vorteilhaften Ausführungsform vorgesehen, die jewei ligen Spannungswerte für die Abdruckpixel Pij für eine Vielzahl von Abdruckbil dern, insbesondere alle Abdruckbilder, zu ermitteln und die auf die vorgege bene Körperstelle wirkende Kraft F für eine Vielzahl von den jeweiligen Ab druckbildern entsprechenden Schritten k, insbesondere für alle Schritte k, zu berechnen und für die vorgegebenen Kollision des vorgegebenen Objektes mit der vorgegebenen Körperstelle basierend auf den ermittelten Kräften eine Kraft-Deformations-Kennlinie zu erzeugen. Bevorzugt kann dann auch ein Be werten der Kollision anhand der erzeugten Kraft-Deformations-Kennlinie vor genommen werden, bevorzugt mit einem Vorgeben einer zulässigen, d.h. vor gegebenen, Maximalenergie und/oder einer zulässigen Maximaldeformation und/oder zulässigen Maximalkraft für eine der Kollision zugrunde liegenden Be wegung des Objektes. Das Bewerten kann als Bewertungsergebnis eine Grenze für eine Geschwindigkeit liefern, insbesondere für eine Robotergeschwindig keit, welche von dem Objekt bzw. Roboter nicht überschritten werden darf. Entsprechend kann als Teil des Verfahrens basierend auf Bewertungsergebnis, dann der Grenze für die Geschwindigkeit, ein Steuern oder Überwachen des robotischen Geräts erfolgen. Die von dem Objekt auf die Körperstelle übertra gene Energie, welche dann die zulässige Maximalenergie nicht überschreiten darf, ist durch ein Integral der Kraft-Deformations-Kennlinie von null bis zu ei nem entsprechenden Deformations(strecken)wert gegeben. Wird die Kollision mit einem Vorgeben der zulässigen Maximaldeformation bewertet, so ist das Erzeugen und Nutzen der Kraft-Deformations-Kennlinie nicht erforderlich.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist vorgesehen, dass vor dem Ermitteln der jeweiligen Spannungswerte für die Abdruckpixel Pij ein Filtern des oder der erzeugten (ursprünglichen) Abdruckbilder erfolgt. Dieses Filtern kann insbesondere unter Verwendung zumindest eines aus der Bildverarbeitung be kannten bildbasierten Filters und/oder auf maschinellen Lernverfahren basie rendem Filterns durchgeführt werden. Entsprechend wird dann das Ermitteln
der jeweiligen Spannungswerte und das Berechnen der wirkendenden Kraft o- der Kräfte basierend auf dem gefilterten Abdruckbild, d.h. den Pixel-Werten Pw des oder der gefilterten Abdruckbildes/-bilder durchgeführt.
Das Filtern hat den Vorteil, dass Deformationen von Netzelementen oder Fel dern, welche an die tatsächlich durch direkten Kontakt mit dem Objekt defor mierten Felder angrenzen, berücksichtigt werden können. Es hat sich heraus gestellt, dass bereits relativ einfache Filter, wie beispielsweise ein Weichzeich nungsfilter, die Umgebung der durch direkten Kontakt deformierten Felder auf der Körperoberfläche gut repräsentieren oder nachahmen. Durch die Filter kann sich somit ein realistischeres Verformungsbild einstellen, wie es bei der Einwirkung eines Objektes auf dem Körperteil in der betrachteten Kollision in der Realität geschehen würde. Mit der Geometrie des Schalen-Netzgitter-Mo- dells und geeignet gewählten Parametern der Filter, insbesondere der bildba sierten Filter, ist es dabei möglich, das natürliche Verformungsbild im gefilter ten Abdruckbild gut nachzuahmen. Die entsprechenden Parameter für den ge wählten Filter können dabei empirisch ermittelt werden.
Das Filtern hat also das Ziel, die zuvor erzielten Abdruckbilder zu glätten, so dass die geglätteten und dann auf das Schalenmodell zurückübertragene Ab druckbilder das realistische, weich verlaufende Verformungsbild auf der Haut wiedergeben, wie es sich typischerweise beim Menschen in der betrachteten Kontaktzone einstellen würde. Jeder Pixel-Wert in den gefilterten Abdruckbil dern entspricht somit einer realistischen Verschiebung des zugehörigen Netze lementes Fij, weshalb die Rückübertragung auf das Schalenmodell ein realisti sches dreidimensionales Abbild der Hautdeformation ergibt.
Beispielsweise kann das Filtern in zwei Schritten erfolgen. In dieser Ausfüh rungsform wird dann in einem ersten Schritt jedes einzelne Pixel in einem se paraten Filterprozess gefiltert, bevor in einem zweiten Schritt die Ergebnisse der separaten Filterprozesse zusammengeführt werden und das gefilterte Ab druckbild erzeugt wird. Dabei wird vorliegend zunächst für jedes zu filternde Pixel, d.h. für jedes Pixel mit von Null verschiedenem Pixel-Wert Pw innerhalb eines Verschiebeschrittes k eine Kopie des zugehörigen Abdruckbildes erzeugt, und in der Kopie des Abdruckbild die Pixel-Werte Pw aller anderen Pixel Pij auf
null gesetzt. Dann wird in den jeweiligen Kopien des Abdruckbildes ein entspre chender Filter, beispielsweise ein Weichzeichnungsfilter, auf das jeweilige ver bleibende eine Pixel mit von Null verschiedenem Pixel-Wert Pw angewandt. Hier erfolgt also das Nachahmen der Beeinflussung der benachbarten Körper fläche durch den jeweils in Form des durch das Pixel mit von Null verschiede nem Pixel-Wert Pw gewählten Kontaktpunkt. Schließlich wird aus den Kopien des Abdruckbildes, auf welche der Filter angewandt wurde, den gefilterten Ko pien, ein gefiltertes Abdruckbild erzeugt. Dafür wird als Wert Pw jedes Pixels Pij des gefilterten Abdruckbildes der größte Wert Pw gewählt, welcher für alle demselben Feld Fij zugeordneten Pixel Pij in allen Kopien des Abdruckbildes, auf welche der Filter angewandt wurde, auftritt. In dem zweiten Schritt des Fil- terns wird der Wert Pw jedes Pixels Pij in dem gefilterten Abdruckbild mit dem Wert Pw des korrespondierenden Pixels im ursprünglichen Abdruckbild vergli chen, und der Wert Pw des jeweiligen Pixels im gefilterten Abdruckbild auf null gesetzt, falls die beiden Werte um mehr als einen vorgegebenen Toleranzwert voneinander abweichen, und auf dem Wert Pw belassen, falls die beiden Werte um den Toleranzwert oder weniger als den vorgegebenen Toleranzwert vonei nander abweichen, also gleich oder im Wesentlichen gleich sind. Dieses gefil terte Abdruckbild wird dann anstelle des ursprünglichen Abdruckbildes in den nachfolgenden Schritten verwendet.
In Filterstufe 1 wird also vorliegend jeder einzelne Pixel-Wert im Abdruckbild in einem separaten Filterprozess geglättet. Da der Kopier- bzw. Filtervorgang für alle Pixel im Abdruckbild mit einem Wert > 0 durchgeführt wird, liegen somit bei n Pixeln, deren Wert > 0 ist, auch n Kopien bzw. n gefilterte Abdruckbilder vor, welche das Filterergebnis der einzelnen gefilterten Pixel enthalten. An schließend wird aus allen n gefilterten Abdruckbildern, den Zwischenbildern, das Pixel an der Position i, j mit dem höchsten Pixel-Wert in das gefilterte Ab druckbild übernommen. Entspricht nun der Wert des Pixel Pij im gefilterten Ab druckbild dem Wert des Pixels Pij im ursprünglichen Abdruckbild, ist davon aus zugehen, dass das auftreffende Objekt die Körperstelle des Menschen an dieser Stelle tatsächlich berührt. An den Stellen, wo keine Berührung vorliegt, erfüllen die zugehörigen Pixel im gefilterten Abdruckbild die Bedingung nicht, weshalb die Pixel im Ergebnisbild den Wert 0 erhalten.
Das beschriebene Filtern hat somit den Vorteil, dass die Quantifizierung der
Kollision genauer erfolgt und insbesondere eine Überschätzung der auftreten den Kräfte verhindert wird. Dadurch kann beispielsweise ein entsprechend ge steuertes robotisches Gerät mit höheren Arbeitsgeschwindigkeiten betrieben werden und dennoch sicher sein.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist vorgesehen, dass ein zu sätzliches Faktormatrixbild mit Pixelwerten Vij erzeugt wird, indem oder wobei auf das ursprüngliche Abdruckbild eine Kantendetektion durchgeführt wird, wobei das zusätzliche Faktormatrixbild derart angepasst wird, dass es an Kan ten-Orten einen Pixel-Wert > 1 aufweist und an Nicht-Kanten-Orten einen Pixel- Wert = 1. Dies kann beispielsweise vorgenommen werden, indem auf in einem Ergebnisbild der Kantentdetektion auf jeden Pixelwert der Wert 1 addiert wird. Bei Ermitteln der jeweiligen Spannungswerte für die Abdruckpixel Pij oder, ma thematisch äquivalent, bei Berechnen der auf die vorgegebenen Körperstellen wirkenden Kraft F, also bevor ein Bewerten der Kollision erfolgt, werden die ermittelten Spannungswerte für die Abdruckpixel mit den jeweils zugeordne ten Pixel-Werten Vij des zusätzlichen Faktormatrixbildes multipliziert. Entspre chend kann die für einen Schritt k berechnete Kraft somit durch die Formel F = i,j Vijk x o(Pijk) x Aij gegeben sein.
Das hat den Vorteil, dass Lokalisierungseffekte von Objekten mit harten Kanten berücksichtigt werden, da an Kanten typischerweise erhöhte mechanische Spannungen auf den Körperteil wirken. Damit können die mit den restlichen Verfahrensschritten ermittelten mechanischen Spannungen im Randbereich nachträglich erhöht werden und eine realistischere Bewertung erzeugt werden.
In einer anderen vorteilhaften Ausführungsform ist vorgesehen, dass ein wei teres Faktormatrixbild mit Pixelwerten Wij erzeugt wird, und die ermittelten Spannungswerte für die Abdruck-Pixel Pij mit den jeweils zugeordneten Pixel werten Wij des weiteren Faktormatrixbildes multipliziert werden bevor ein Be werten der Kollision erfolgt. Insbesondere wird das weitere Faktormatrixbild erzeugt, indem anhand des Wertes Pw des jeweils dem Pixelwert Wij zugeord neten Abdruck-Pixels Pij und einer für die Kollision vorgegebenen Kollisionsge schwindigkeit eine jeweilige Dehnrate die Abdruck-Pixel Pij und damit das zu geordnete Feld Fij bestimmt wird, und anhand der jeweiligen Dehnrate mittels
einer für das dem jeweiligen Abdruck-Pixel Pij zugeordneten Feld Fij vorgege benen Dehnraten-Kennlinie der Pixelwert Wij ermittelt wird. Die Werte der Dehnraten-Kennlinie und damit die Pixelwerte Wij sind dabei >= 1. Das weitere Faktormatrixbild ist dabei wie das zusätzliche Faktormatrixbild jeweils einzeln
5 für einen, mehrerer oder alle Schritte k vorgegeben. Die Dehnraten-Kennlinien der Felder Fij können identisch oderfürjedes Feld Fij oderGruppen von Feldern Fij individuell vorgegeben sein. Entsprechend kann die für einen Schritt k be rechnete Kraft somit durch die Formel Fk= i,j Wijk x o(Pijk) x Aij gegeben sein oder, falls das weitere Faktormatrixbild mit dem zusätzlichen Faktormatrixbild
10 kombiniert angewandt wird, durch die Formel Fk= i,j Wijk x Vijk x o(Pijk) x Aij.
Das hat den Vorteil, dass die Dehnratenabhängigkeit der Empfindlichkeit von biologischem Gewebe nachgebildet wird, das heißt die Abhängigkeit des Ver letzungsrisikos von der Eindringgeschwindigkeit des auftreffenden Objekts, und
15 somit mit der von der Kollisionsgeschwindigkeit abhängigen weiteren Faktor matrix eine genauere Bewertung der Kollision vorgenommen wird.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist vorgesehen, dass die je weilige Abdrucktiefe, der Pixel-Wert Pw eines einem Feld Fij zugeordneten Pi
20 xels Pij des Abdruckbildes, berechnet wird, indem durch den Mittelpunkt des jeweiligen Feldes Fij parallel zum Normalenvektor eine Gerade gelegt wird, und ermittelt wird, ob die Gerade die Oberfläche des Objektes trifft oder nicht, und, falls ja, der Abstand zwischen dem Schnittpunkt der Geraden und der Oberflä che des Objektes und dem Mittelpunkt des jeweiligen Feldes Fij als Abdruck
25 tiefe festgelegt wird, falls der Abstand einem Eindringen des Objektes in das Lebewesen entspricht, beispielsweise in einer geeigneten Definition der Ab stand < 0 ist. Eine solche geeignete Definition ist beispielsweise die Wahl des Normalenvektors so, dass er in Bezug auf das Körperteil nach außen weist. Bei einer umgekehrten Definition der Richtungen kann jedoch auch beispielsweise
BO ein positiver Abstand einem Eindringen des Objektes in das Lebewesen ent sprechen. Diese Definition der Abdrucktiefe hat sich als vorteilhaft im Sinne des rechnerischen Aufwands und der erzielbaren Genauigkeit der Ergebnisse her ausgestellt.
35 In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Kan-
ten jedes Feldes Fij des Netzgitters gleich lang sind oder ein natürliches Vielfa ches der gleichen Länge. Die Größe jedes Feldes ist also ein natürliches Vielfa ches einer Einheitsgröße, aber nicht zwingend gleich.
Ein Aspekt betrifft auch ein Verfahren zum Steuern eines robotischen Gerätes, bei welchem eine Kollision bevorzugt mit der Kraft-Deformations-Kennlinie be rechnet wird. Die Kraft-Deformations-Kennlinie wurde zuvor mit dem Verfah ren gemäß einer der beschriebenen Ausführungsformen bestimmt. Das Ergeb nis aus dem Berechnen wird dann zur Steuerung oder Überwachung des robo tischen Geräts verwendet, also das robotische Gerät in Abhängigkeit eines Be wertungs-Ergebnisses des Verfahrens gesteuert.
Ein weiterer Aspekt betrifft eine Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung, welche ausgebildet ist zum Ausrichten eines bereitgestellten BD-Modells eines vorge gebenen Objektes und eines bereitgestellten Schalen-Netzgittermodells einer vorgegebenen Körperstelle in einem virtuellen Raum, wobei die relative Anord nung der beiden Modelle zueinander der relativen Anordnung von Objekt und Körperstelle bei einer vorgegebenen Kollision entsprechen, und wobei jedes Feld Fij des Netzgitters des Schalen-Netzgittermodells quadratisch ist und für jedes Feld Fij des Netzgitters eine Spannungs-Deformations-Kennlinie vorgege ben ist. Die Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung ist weiterhin ausgebildet zum schrittweisen Verschieben von BD-Modell und Schalen-Netzgittermodell in dem virtuellen Raum ineinander entsprechend einer durch die vorgegebene Kollision bestimmten Kollisionsrichtung, wo bei jedem Schritt k des schrittwei sen Verschiebens ein Abdruckbild mit Abdruckpixein Pij erzeugt wird, und ein jeweiliger Pixel-Wert Pw der Abdruckpixel Pij eine Abdrucktiefe des 3D-Modells in einem dem jeweiligen Abdruckpixel Pij zugeordneten Feld Fij des Netzgitters des Schalen-Netzgittermodells repräsentiert. Bevorzugt ist dabei jedem Ab druckpixel Pij genau ein Feld Fij zugeordnet und umgekehrt. Das schrittweise Verschieben entspricht der Bewegung des Objekts, beispielsweise des roboti schen Gerätes, am betrachteten Kollisionspunkt. Die Bewegung liegt als An fangsbedingung vor und bestimmt somit die Kollisionsrichtung und/oder Kolli sionsgeschwindigkeit. Die Bewegung des Objektes kann sich insbesondere mit dem Wirken der zunehmenden Kontaktkraft ändern. Die Veränderung der Be wegung mit der durch das beschriebene Verfahren oder die beschriebene Vor richtung berechneten (Kontakt-) Kraft kann in iterativer Form in Verfahren bzw.
Vorrichtung berücksichtigt werden, muss es jedoch nicht.
Ferner ist die Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung auch ausgebildet zum Ermit teln der jeweiligen Spannungswerte für die Abdruckpixel Pij für das oder zumin dest eines der Abdruckbilder, insbesondere die Abdruckbilder, gemäß der dem entsprechenden Feld Fij zugeordneten Spannungs-Deformations-Kennlinie und dem jeweiligen Pixel-Wert Pw, sowie zum Berechnen zumindest einer auf die vorgegebene Körperstelle wirkende Kraft F mit einem Aufsummieren der Pro dukte der für die Abdruckpixel Pij ermittelten Spannungswerte mit den Flächen Aij der zugeordneten Felder Fij des Netzgitters, für den dem zumindest einem Abdruckbild entsprechenden Schritt k.
Noch ein Aspekt betrifft auch ein robotisches Gerät mit solch einer Kollisions- Bewertungs-Vorrichtung und/oder ein Steuergerät für ein robotisches Gerät, welches solch eine Kollisions-Bewertungs-Vorrichtung aufweist und ausgebil det ist das robotische Gerät in Abhängigkeit eines Bewertungsergebnisses zu steuern, insbesondere in Abhängigkeit der berechneten auf die vorgegebene Körperstelle wirkenden Kraft und/oder in Abhängigkeit der zulässigen Maxima lenergie und/oder in Abhängigkeit der zulässigen Maximaldeformation und/o der in Abhängigkeit der zulässigen Maximalkraft.
Vorteile und vorteilhafte Ausführungsformen der Kollisions-Bewertungs-Vor- richtung entsprechen dabei Vorteilen und vorteilhaften Ausführungsformen des beschriebenen Verfahrens und umgekehrt.
Die vorstehend in der Beschreibung, auch im einleitenden Teil, genannten Merkmale und Merkmalskombinationen, sowie die nachfolgend in der Figurenbeschreibung genannten und/oder in den Figuren alleine gezeigten Merkmale und Merkmalskombinationen sind nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen verwendbar, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen. Es sind somit auch Ausführungen von der Erfindung als umfasst und offenbart anzusehen, die in den Figuren nicht explizit gezeigt und erläutert sind, jedoch durch separierte Merkmalskombinationen aus den erläuterten Ausführungen hervorgehen und erzeugbar sind. Es sind auch Ausführungen und Merkmalskombinationen als offenbart anzusehen, die somit nicht alle Merkmale eines ursprünglich
formulierten unabhängigen Anspruchs aufweisen. Es sind darüber hinaus Ausführungen und Merkmalskombinationen, insbesondere durch die oben dargelegten Ausführungen, als offenbart anzusehen, die über die in den Rückbezügen der Ansprüche dargelegten Merkmalskombinationen hinausgehen oder von diesen abweichen.
Anhand der nachfolgenden Figuren soll der erfindungsgemäße Gegenstand nä her erläutert werden, ohne diesen auf die hier gezeigten spezifischen Ausfüh rungsformen einschränken zu wollen.
Dabei zeigen:
Fig. 1 eine beispielhafte Kraft-Deformations-Kennlinie;
Fig. 2 eine beispielhafte Situation für ein entsprechend einer Kollision in einen virtuellen Raum ausgerichtetes SD-Modell eines Objektes und Schalen- Netzgittermodells einer vorgegebenen Körperstelle;
Fig. S und Fig. 4: beispielhafte Schritte eines Filterns eines Abdruckbildes.
In den Figuren sind gleiche und funktionsgleiche Elemente mit den identischen Bezugszeichen versehen.
Fig. 1 zeigt einen beispielhaften Verlauf einer Kraft-Deformations-Kennlinie f, vorliegend ermittelt für den Unterarmmuskel bei Einwirkung eines Zylinders mit einem Durchmesser von 25 mm. Aufgetragen ist hier über der Deformation D des Gewebes in Millimeter die aufgewandte Kraft F in Newton. Typisch ist, dass die Kraft-Deformations-Kennlinie F bis zu einem Grenzwert, vorliegend ei ner Deformation von rund IS mm, exponentiell verläuft, und danach linear.
Fig. 2 zeigt eine beispielhafte Anordnung eines 3D-Modells eines Objektes und eines Schalen-Netzgittermodells einer vorgegebenen Körperstelle. Das Objekt 1 ist vorliegend durch ein pyramidenförmiges 3D-Modell repräsentiert, welches mit einer Spitze an einem Berührungspunkt B auf einer vorgegebenen Körper stelle 2 auf, welche durch ein (flächiges) Schalen-Netzgittermodell repräsen tiert ist. Bei der Körperstelle 2 handelt es sich beim gezeigten Beispiel um eine
Handinnenfläche. Das Schalen-Netzgittermodell weist in seinem Netzgitter eine Vielzahl von Feldern Fij auf, welche quadratisch und vorliegend auch identisch groß sind. Bei der Kollision bewegt sich das Objekt 1 in Kollisionsrichtung K in die Körperstelle 2.
Jedem Feld Fij ist hier eine Spannungs-Deformations-Kennlinie s zugeordnet, welche einer vorgegebenen Deformation D eine jeweilige Spannung s zuordnet. Im gezeigten Beispiel ist zusätzlich auch für jedes Feld eine Dehnraten-Kennlinie d zugeordnet, welche einer vorgegebenen Dehnrate D/v einen Wert W zuord net. Dabei bezeichnet D die Deformation und v die Geschwindigkeit, mit wel cher die Deformation D erfolgt. Die Dehnrate kann auch anders vorgegeben sein, beispielsweise sein als e' = d/dt L(t)/Lo, wobei Lo die Ausgangslänge des Materials ist und L(t) die Länge zum Zeitpunkt t. Die Kennlinien müssen selbst verständlich entsprechend der vorgegebenen Dehnrate konsistent vorgegeben sein. Durch die Dehnraten-Kennlinie kann als Faktormatrixbild eine Dehnraten abhängigkeit der Empfindlichkeit von biologischem Gewebe nachgebildet wer den.
Fig. 3 zeigt einen ersten Schritt eines beispielhaften Filterns eines erzeugten Abdruckdruckbildes. Ein Abdruckbild AB mit vorliegend 6x6 Pixeln Pij weist da bei an beispielhaft 4 Pixeln Pij von Null verschiedene Werte Pw auf. Im gezeig ten Beispiel handelt es sich um die vier Pixel P33 „O",
und P44 „D". Jedes der vier Pixel weist dabei eine individuelle Schattierung auf, welche den jeweiligen Pixelwert Pw repräsentiert, wobei dunklere Schattierun gen einem größeren Pixelwert Pw und damit einer größeren Verformung ent sprechen.
In dem ersten Schritt des Filterns wird jedes einzelne der Pixel Pij, hier der Pixel P33, P34, P43 und P44, in einem separaten Filterprozess gefiltert. Dafür wird für jedes zu filternde Pixel P33, P34, P43 und P44 eine entsprechende Kopie AB— 33, AB-34, AB-43, AB-44 des zugehörigen Abdruckbildes AB erzeugt, in welchem die Pixelwerte aller anderen Pixel Pij auf null gesetzt werden. In den jeweiligen Kopien AB-33, AB-34, AB-43, AB-44 wird dann ein entsprechender Filter, vorliegend ein Weichzeichnungsfilter, auf das verbleibende Pixel Pij mit dem von null verschiedenen Wert Pw angewandt. Aus den gefilterten Kopien
AB-BB', AB-34', AB-43', AB-44' wird dann ein gefiltertes Abdruckbild AB' er zeugt, indem als Wert Pw jedes Pixels Pij des gefilterten Abdruckbildes AB' der größte Wert Pw gewählt wird, welcherfüralle demselben Feld Fij zugeordneten Pixel Pij, also vorliegend allen Pixeln Pij mit den identischen Indices i, j, in allen gefilterten Kopien AB-33', AB-34', AB-43', AB-44' für die Pixel Pij mit identischen Indices i, j auftritt. Es wird somit für die Pixel Pij, welche dem selben Feld Fij zugeordnet sind über die unterschiedlichen gefilterten Kopien hinweg das glo bale Maximum des Pixelwertes Pw bestimmt und für die entsprechenden Pixel Pij nur dieses globale weiter betrachtet. Diese Maxima sind in den Kopien AB- 33', AB-34', AB-43', AB-44' jeweils mit „O", „V",
bzw. „D" gekennzeich net.
Das gefilterte Abdruckbild AB' enthält somit im gezeigten Beispiel für die Pixel P22, P23 die Pixelwerte Pw aus der Kopie AB-33', für die Pixel P24, P25, P34, P35 die Pixelwerte Pw aus der Kopie AB-34', für die Pixel P32, P33, P42, P43, P52, P53 die Pixelwerte Pw aus der Kopie AB-43' und für die Pixel P44, P45, P54, P55 die Pixelwerte Pw aus der Kopie AB-44'.
In Fig. 4 ist nun der zweite Schritt des beispielhaften Filterns gezeigt. Dabei wird der Pixelwert Pw jedes Pixels Pij in dem gefilterten Abdruckbild AB' mit dem Wert Pw des korrespondierenden Pixels Pij im ursprünglichen Abdruckbild AB verglichen um ein finales gefiltertes Abdruckbild AB" zu erhalten. Entsprechend kann das gefilterte Abdruckbild AB' aus dem ersten Schritt als Zwischen-Ab- druckbild und das gefilterte Abdruckbild AB" aus dem zweiten Schritt als Ergeb nis-Abdruckbild bezeichnet werden.
Für das Ergebnis-Abdruckbild AB" wird der Wert Pw des jeweiligen Pixels im gefilterten Abdruckbild AB' auf null gesetzt, falls er um mehr als einen vorgege benen Toleranzwert vom Wert PW des jeweiligen Pixels im ursprünglichen Ab druckbild AB abweicht, und auf dem Wert Pw belassen, falls die beiden Werte um den Toleranzwert oder weniger als den vorgegebenen Toleranzwert vonei nander abweichen. Die Pixel, deren Pixelwerte Pw in Abdruckbild AB und Ab druckbild AB' um den Toleranzwert oder weniger als den vorgegebenen Tole ranzwert voneinander abweichen, also im Wesentlichen gleich sind, sind in Fig. 4 mit einer Raute „0" gekennzeichnet. Nur an diesen Pixeln Pij, hier den Pixeln
PB4, P4B, P44, bzw. den zugeordneten Feldern Fij, ist die Deformation tatsäch lich auf den direkten Druck des Objektes auf den Körperteil zurückzuführen, diese Stellen sind also maßgeblich für ein Bewerten der Kollision, insbesondere hinsichtlich eines Verletzungsrisikos.
Im gezeigten Beispiel haben die Pixel P43, P43, P44 die Pixelwerte 0,5, 1 und 0,75, entsprechen also einer Deformation von 0,5mm, 1mm und 0,75mm. Da die Pixel Pij vorliegend Feldern Fij mit der Fläche Aij=lcm2 zugeordnet sind, lässt sich mittels einer hinterlegten Spannungs-Deformationskennlinie s eine Kon taktkraft F berechnen. Im gezeigten Beispiel ergibt sich die Kraft mit F= [s(0,5mm)+s(0,75mm)+s(lmm)]N/cm2*lcm2=[26+71+160]N/cm2*lcm2 zu 257N.
In Fig. 5 sind beispielhafte Abdruckbilder AB, AB', AB" für die auch in Fig. 2 dar gestellte Kollision gezeigt, sowie eine perspektivische Darstellung und eine Schnittdarstellung des in die Körperstelle 2 eingetauchten Objektes 1. In den Abdruckbildern AB, AB', AB" entsprechen wieder dunklere Schattierungen grö ßeren Deformationen. Ausgehend von dem ursprünglichen Abdruckbild AB wird hier in einem ersten Schritt ® analog zu dem in Fig. 3 gezeigten ersten Schritt des Filterns das Zwischen-Abdruckbild AB' erzeugt. In einem zweiten Schritt © wird entsprechend das Ergebnis-Abdruckbild AB" erzeugt. Es wird aus dem Ergebnis-Abdruckbild unmittelbar, vor allem jedoch quantifizierbar klar, dass bei der Kollision des pyramidenförmigen Objektes mit der Handfläche die an den Kanten des Objektes auftretenden Deformationen maßgeblich für das Bewerten der Kollision, insbesondere eines resultierenden Verletzungsrisikos, sind.