Beschreibung
Schwefelvernetzbare Kautschukmischung und Fahrzeugluftreifen
Die Erfindung betrifft eine schwefelvernetzbare Kautschukmischung und einen Fahrzeugluftreifen, der zumindest ein Gummibauteil aus der mit Schwefel vulkanisierten Kautschukmischung aufweist.
Da die Fahreigenschaften eines Reifens, insbesondere Fahrzeugluftreifens, in einem großen Umfang von der Kautschukzusammensetzung des Laufstreifens abhängig sind, werden besonders hohe Anforderungen an die Zusammensetzung der Laufstreifenmischung gestellt. So wurden vielfältige Versuche unternommen, die Eigenschaften des Reifens durch die Variation der Polymerkomponenten, der Füllstoffe und der sonstigen Zuschlagstoffe in der Laufstreifenmischung positiv zu beeinflussen. Dabei muss man berücksichtigen, dass eine Verbesserung in der einen Reifeneigenschaft oft eine Verschlechterung einer anderen Eigenschaft mit sich bringt, so ist eine Verbesserung des Rollwiderstandes üblicherweise mit einer Verschlechterung des Bremsverhaltens verbunden. Auch andere Bauteile des Reifens haben Einfluss auf den Rollwiderstand des Reifens.
Um Reifeneigenschaften wie Abrieb, Nassrutschverhalten und Rollwiderstand zu beeinflussen, ist es z. B. bekannt, lösungspolymerisierte Styrol -Butadien-Copolymere mit unterschiedlicher Mikrostruktur einzusetzen. Außerdem lassen sich Styrol -Butadien- Copolymere modifizieren, indem z. B. die Styrol- und Vinyl-Anteile variiert werden, Endgruppenmodifizierungen, Kopplungen oder Hydrierungen vorgenommen werden. Die verschiedenen Copolymertypen haben unterschiedlichen Einfluss auf die Vulkanisat- und damit auch auf die Reifeneigenschaften.
In der EP 3 150403 Al werden kieselsäurehaltige Kautschukmischungen für Reifen mit niedrigem Rollwiderstand beschrieben, die lösungspolymerisierte Styrol -Butadien- Copolymere enthalten, welche an wenigstens einem Kettenende mit aminogruppen enthaltenden Alkoxysilylgruppen und einer weiteren Gruppe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Alkoxysilylgruppen und aminogruppen-enthaltenden Alkoxysilylgruppen funktionalisiert sind. Die Rollwiderstandsreduzierung begründet sich vermutlich in einer verstärkten Füllstoff-Polymer-Wechselwirkung.
Auch in der EP 3 150402 Al, der EP 3 150401 Al, der DE 102015 218 745 Al und der DE 102015 218 746 Al werden lösungspolymerisierte Styrol -Butadien-Copolymere beschrieben, welche an wenigstens einem Kettenende mit aminogruppen-enthaltenden Alkoxysilylgruppen und einer weiteren Gruppe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Alkoxysilylgruppen und aminogruppen-enthaltenden Alkoxysilylgruppen funktionalisiert sind. Sie werden in Kombination mit unterschiedlichen weiteren Zuschlagstoffen der Kautschukmischungen eingesetzt.
Die EP 2703 416 Al offenbart modifizierte lösungspolymerisierte Styrol -Butadien- Copolymere, deren Herstellung und deren Verwendung in Reifen. Die Styrol -Butadien- Copolymere weisen stickstoffenthaltende Gruppen (aminogruppen-enthaltende Organosilylgruppen) auf, die bei der Herstellung der Polymere mit Schutzgruppen geschützt waren. Die Kautschukmischungen mit derartigen Styrol-Butadien-Copolymeren sollen sich durch ein ausgewogenes Verhältnis von Verarbeitbarkeit, Nassgriff und niedriger Hysterese auszeichnen.
In der EP 2 853 558 Al werden mit Phthalocyanin-Gruppen und/oder Hydroxy-Gruppen und/oder Epoxy-Gruppen und/oder Silan-Sulfid-Gruppen funktionalisierte Styrol- Butadien-Kautschuke beschrieben, wobei der Styrol-Gehalt des Styrol -Butadien- Kautschuks 0 Gew.-% betragen kann. Bei einem Styrol-Gehalt von 0 Gew.-% handelt es sich um ein Polybutadien. Die Kautschukmischungen weisen Verbesserungen im Rollwiederstand und Abrieb auf.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Kautschukmischungen bereitzustellen, die ein weiter verbessertes Dämpfungsverhalten aufweisen und damit bei Verwendung als Kautschukmischung für Fahrzeugluftreifen zu einem verbesserten Rollwiderstand führen. Gleichzeitig sollen andere Eigenschaften der Kautschukmischung nicht oder nur wenig negativ beeinflusst werden.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Kautschukmischung, die
10 - 60 phr (Gewichtsteile, bezogen auf 100 Gewichtsteile der gesamten Kautschuke in der Mischung) zumindest eines funktionalisierten Polybutadiens A, wobei das funktionalisierte Polybutadien A an einem Kettenende mit einer aminogruppen- und/oder ammoniumgruppen-enthaltenden Organosilylgruppe funktionalisiert ist, und wobei das funktionalisierte Polybutadien A am anderen Kettenende mit einer Aminogruppe funktionalisiert ist,
- bis zu 90 phr zumindest eines weiteren Dienkautschuks und 30 - 350 phr zumindest eines Füllstoffes.
Die in dieser Schrift verwendete Angabe phr (parts per hundred parts of rubber by weight) ist dabei die in der Kautschukindustrie übliche Mengenangabe für Mischungsrezepturen. Die Dosierung der Gewichtsteile der einzelnen Substanzen wird dabei stets auf 100 Gewichtsteile der gesamten Masse aller in der Mischung vorhandenen Kautschuke bezogen.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass durch den Einsatz eines speziell funktionalisierten Polybutadiens in einer füllstoffhaltigen Kautschukmischung, das Dämpfungsverhalten der Mischung, sichtbar zum Beispiel an der Rückprallelastizität bei 70 °C und dem tan d bei 55 °C, weiter verbessert werden kann. Dies führt beim Einsatz einer derartigen Mischung in Fahrzeugluftreifen zu einer Verbesserung des Rollwiderstandes. Bei Verwendung als Laufstreifenmischung kann mit dieser Kautschukmischung außerdem eine Entkopplung des Zielkonfliktes zwischen Rollwiderstandes und Bremsverhalten (Nass- und Trockenbremsen) erreicht werden.
Durch die beiden unterschiedlichen funktionellen Gruppen am Polybutadien A scheinen sowohl Wechselwirkungen des Polymers mit in der Mischung ggf. vorhandenen polaren Füllstoffen, wie Kieselsäure, als auch mit in der Mischung ggf. vorhandenen unpolaren Füllstoffen stattfinden zu können.
Bei dem funktionalisierten Polybutadien A kann es sich um alle dem Fachmann bekannten Typen mit einem Molekulargewicht Mw von 250000 bis 500000 g/mol handeln. Darunter fallen u. a. die sogenannten high-cis- und low-cis-Typen, wobei Polybutadiene (BR) mit einem cis-Anteil größer oder gleich 90 Gew.-% als high-cis-Typ und Polybutadien mit einem cis-Anteil kleiner als 90 Gew.-% als low-cis-Typ bezeichnet wird. Ein low-cis- Polybutadien ist z. B. Li-BR (Lithium-katalysierter Butadien-Kautschuk) mit einem cis- Anteil von 20 bis 50 Gew.-%. Vorzugsweise ist das funktionalisierte Polybutadien A ein mit einem Lithium-Katalysator erzeugtes Polybutadien. Besonders gute Ergebnisse im Hinblick auf die Rollwiderstandsverbesserung werden erzielt, wenn das funktionalisierte Polybutadien einen cis-Gehalt von 25 bis 35 Gew.-%, einen trans-Gehalt von 35 bis 45 Gew.-% und einen Vinyl-Gehalt von 25 bis 35 Gew.-% aufweist. Bevorzugt weist das funktionalisierte Polybutadien ein Molekulargewicht Mw von 250000 bis 500000 g/mol auf. Vorzugsweise weist das funktionalisierte Polybutadien eine Glasübergangstemperatur von -100 °C bis -60 °C auf, um beim Einsatz im Reifen zu guten Wintereigenschaften beizutragen.
Die Bestimmung des Vinyl-Anteils der im Rahmen der vorliegenden Erfindung diskutierten Polymere erfolgt mittels 13C-NMR (Lösungsmittel Deuterochloroform CDCh; NMR: engl „nuclear magnetic resonance“) und Abgleich mit Daten aus der Infrarot- Spektrometrie (IR; FT-IR Spektrometer der Firma Nicolet, KBr-Fenster 25 mm Durchmesser x 5 mm, 80 mg Probe in 5 mL 1,2-Dichlorbenzol). Die Bestimmung der Glasübergangstemperatur (Tg) erfolgt anhand von Dynamischer-Differenz-Kalorimetrie (engl. Dynamic Scanning Calorimetry, DSC gemäß DIN 53765: 1994-03 bzw. ISO 11357- 2: 1999-03, Kalibrierte DSC mit Tieftemperatureinrichtung, Kalibrierung nach Gerätetyp
und Herstellerangaben, Probe im Aluminiumtiegel mit Aluminiumdeckel, Abkühlung auf Temperaturen niedriger als -120 °C mit 10 °C/min).
Das funktionalisierte Polybutadien A ist an einem Kettenende mit einer aminogruppen- und/oder ammoniumgruppen-enthaltenden Organosilylgruppe funktionalisiert. Derartige Funktionalisierungen können erhalten werden, indem man das Polymer mit einer aminogruppen-enthaltenden Alkoxysilylverbindung mit Schutzgruppen an der Aminogruppe reagieren lässt. Beispielsweise kann N,N-
Bis(trimethylsily)aminopropylmethyldiethoxysilan eingesetzt werden. Nach Entschützung erhält man das funktionalisierte Polybutadien A.
Das funktionalisierte Polybutadien A ist am anderen Kettenende mit einer Aminogruppe funktionalisiert. Dabei kann es sich um primäre, sekundäre oder tertiäre Aminogruppen handeln, die auch ringförmig vorliegen können. Die Funktionalisierung kann erreicht werden, indem bei der Polymerisation Lithiumamide zugegeben werden oder die Amide in situ durch Zugabe von n-Butyllithium und Aminen, z. B. ringförmigen Aminen wie Piperidin oder Piperazine, bei der Polymerisation erzeugt werden.
Vorzugsweise handelt es sich bei der Aminogruppe am anderen Kettenende um eine ringförmige Diamingruppe. Hierzu kann beispielsweise N-(t-Butyldimethylsilyl)piperazin in Kombination mit n-Butyllithium bei der Polymerisation zugegeben werden.
Die erfindungsgemäße Kautschukmischung enthält 10 bis 60 phr zumindest eines funktionalisierten Polybutadiens A. Es können auch mehrere Polymere dieses Typs im Verschnitt eingesetzt werden.
Die erfindungsgemäße Kautschukmischung enthält weiterhin bis zu 90 phr zumindest eines weiteren Dienkautschuks. Als Dienkautschuke werden Kautschuke bezeichnet, die durch Polymerisation oder Copolymerisation von Dienen und/oder Cycloalkenen entstehen und somit entweder in der Hauptkette oder in den Seitengruppen C=C-Doppelbindungen aufweisen.
Bei den weiteren Dienkautschuken kann es sich z. B. um natürliches Polyisopren und/oder synthetisches Polyisopren und/oder andere Polybutadiene (Butadien-Kautschuk) als das funktionalisierte Polybutadien A und/oder Styrol-Butadien-Copolymer (Styrol -Butadien- Kautschuk) und/oder epoxidiertes Polyisopren und/oder Styrol-Isopren-Kautschuk und/oder Halobutyl-Kautschuk und/oder Polynorbornen und/oder Isopren-Isobutylen- Copolymer und/oder Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk handeln. Die Kautschuke können als reine Kautschuke oder in ölverstreckter Form eingesetzt werden.
Bevorzugt ist der weitere Dienkautschuk jedoch ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus natürlichem Polyisopren, synthetischem Polyisopren, Styrol-Butadien-Copolymeren und weiteren Polybutadienen. Diese Dienkautschuke lassen sich gut zu der Kautschukmischung verarbeiten und ergeben in den vulkanisierten Reifen gute Reifeneigenschaften.
Bei dem natürlichen und/oder synthetischen Polyisopren kann es sich sowohl um cis-1,4- Polyisopren als auch um 3,4-Polyisopren handeln. Bevorzugt ist allerdings die Verwendung von cis-l,4-Polyisoprenen mit einem cis 1,4 Anteil > 90 Gew.-%. Zum einen kann solch ein Polyisopren durch stereospezifische Polymerisation in Lösung mit Ziegler- Natta-Katalysatoren oder unter Verwendung von fein verteilten Lithiumalkylen erhalten werden. Zum anderen handelt es sich bei Naturkautschuk (NR) um ein solches cis-1,4 Polyisopren; der cis-l,4-Anteil im Naturkautschuk ist größer 99 Gew.-%.
Ferner ist auch ein Gemisch eines oder mehrerer natürlicher Polyisoprene mit einem oder mehreren synthetischen Polyisoprenen denkbar. Natürliches Polyisopren wird verstanden als Kautschuk, der durch Ernte von Quellen wie Kautschukbäumen (Hevea brasiliensis) oder nicht-Kautschukbaum quellen (wie z. B. Guayule oder Löwenzahn (z. B. Taraxacum koksaghyz)) gewonnen werden kann. Unter natürlichem Polyisopren (NR) wird nicht synthetisches Polyisopren verstanden.
Bei dem weiteren Polybutadien kann es sich um alle dem Fachmann bekannten Typen mit einem Mw von 250000 bis 500000 g/mol handeln. Darunter fallen u. a. die sogenannten high-cis- und low-cis-Typen, wobei Polybutadien mit einem cis-Anteil größer oder gleich 90 Gew.-% als high-cis-Typ und Polybutadien mit einem cis-Anteil kleiner als 90 Gew.-%
als low-cis-Typ bezeichnet wird. Ein low-cis-Polybutadien ist z. B. Li-BR (Lithium- katalysierter Butadien-Kautschuk) mit einem cis-Anteil von 20 bis 50 Gew.-%. Mit einem high-cis BR werden besonders gute Abriebeigenschaften sowie eine niedrige Hysterese der Kautschukmischung erzielt. Das weitere eingesetzte Polybutadien kann mit anderen Modifizierungen und Funktionalisierungen endgruppenmodifiziert und/oder entlang der Polymerketten funktionalisiert als das funktionalisierte Polybutadien A sein. Bei der Modifizierung kann es sich z. B. um solche mit Hydroxy-Gruppen und/oder Ethoxy- Gruppen und/oder Epoxy-Gruppen und/oder Siloxan-Gruppen und/oder Carboxy-Gruppen und/oder Silan-Sulfid-Gruppen handeln. Bestandteil von Funktionalisierungen können auch Metallatome sein.
Bei dem Styrol-Butadien-Kautschuk (Styrol-Butadien-Copolymer) kann es sich sowohl um lösungspolymerisierten Styrol-Butadien-Kautschuk (SSBR) als auch um emulsionspolymerisierten Styrol-Butadien-Kautschuk (ESBR) handeln, wobei auch ein Gemisch aus wenigstens einem SSBR und wenigstens einem ESBR eingesetzt werden kann. Die Begriffe „Styrol-Butadien-Kautschuk“ und „Styrol-Butadien-Copolymer“ werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung synonym verwendet. Bevorzugt sind in jedem Fall Styrol-Butadien-Copolymere mit einem Mw von 250000 bis 600000 g/mol (zweihundertfünfzigtausend bis sechshunderttausend Gramm pro Mol). Das oder die eingesetzte(n) Styrol-Butadien-Copolymere kann/können ebenfalls mit Modifizierungen und Funktionalisierungen endgruppenmodifiziert und/oder entlang der Polymerketten funktionalisiert sein.
Die Kautschukmischung enthält 30 bis 350 phr zumindest eines Füllstoffes. Dabei kann es sich um Füllstoffe, wie Ruße, Kieselsäuren, Alumosilicate, Kreide, Stärke,
Magnesiumoxid, Titandioxid oder Kautschukgele handeln, wobei die Füllstoffe in Kombination eingesetzt werden können. Weiterhin sind Kohlenstoffnanoröhrchen (carbon nanotubes (CNT) inklusive diskreter CNTs, sogenannte hollow carbon Tibers (HCF) und modifizierte CNT enthaltend eine oder mehrere funktionelle Gruppen, wie Hydroxy-, Carboxy und Carbonyl-Gruppen) denkbar. Auch Graphit und Graphene sowie sogenannte „carbon-silica dual-phase filier“ sind als Füllstoff einsetzbar.
Ist in der Kautschukmischung Ruß enthalten, können alle dem Fachmann bekannten Ruß- Typen eingesetzt werden. Bevorzugt wird jedoch ein Ruß eingesetzt, der eine Jodadsorptionszahl gemäß ASTM D 1510 von 30 bis 180 g/kg, bevorzugt 30 bis 130 g/kg, und eine DBP-Zahl gemäß ASTM D 2414 von 80 bis 200 ml/100 g, bevorzugt 100 bis 200 ml/100g, besonders bevorzugt 100 bis 180 ml/100g, aufweist. Hiermit werden für die Anwendung im Fahrzeugreifen besonders gute Rollwiderstandsindikatoren (Rückprallelastizität bei 70 °C) bei guten sonstigen Reifeneigenschaften erzielt. Das Polybutadien A kann mit seiner Aminogruppenfunktionalisierung mit dem Ruß in Wechselwirkung treten.
Zur Reduzierung des Rollwiderstandes hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Kautschukmischung als Füllstoff Kieselsäure enthält. Das Polybutadien A kann über seine aminogruppen- und/oder ammoniumgruppen-enthaltenden Organosilylgruppen mit der Kieselsäure in Wechselwirkung treten.
Es können unterschiedlichste Kieselsäuren, wie „low surface area“ oder hoch dispergierbare Kieselsäure, auch im Gemisch, zum Einsatz kommen. Besonders bevorzugt ist es, wenn eine fein verteilte, gefällte Kieselsäure verwendet wird, die eine CTAB- Oberfläche (gemäß ASTM D 3765) von 30 bis 350 m2/g, vorzugsweise von 110 bis 250 m2/g, aufweist. Als Kieselsäuren können sowohl konventionelle Kieselsäuren wie die des Typs VN3 (Handelsname) der Firma Evonik als auch hoch dispergierbare Kieselsäuren, so genannte HD-Kieselsäuren (z. B. Ultrasil 7000 der Firma Evonik), zum Einsatz kommen.
Vorzugsweise enthält die Kautschukmischung 50 bis 150 phr Kieselsäure, um eine gute Verarbeitbarkeit bei guten Reifeneigenschaften zu erzielen.
Zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit und zur Anbindung der Kieselsäure an den Dienkautschuk in kieselsäurehaltigen Mischungen wird vorzugsweise zumindest ein Silan- Kupplungsagens in Mengen von 1 - 15 phf (Gewichtsteile, bezogen auf 100 Gewichtsteile Kieselsäure) in der Kautschukmischung eingesetzt.
Die in dieser Schrift verwendete Angabe phf (parts per hundred parts of filier by weight) ist dabei die in der Kautschukindustrie gebräuchliche Mengenangabe für Kupplungsagenzien für Füllstoffe. Im Rahmen der vorliegenden Anmeldung bezieht sich phf auf die vorhandene Kieselsäure, das heißt, dass andere eventuell vorhandene Füllstoffe wie Ruß nicht in die Berechnung der Menge an Silan-Kupplungsagens mit eingehen.
Die Silan-Kupplungsagenzien reagieren mit den oberflächlichen Silanolgruppen der Kieselsäure oder anderen polaren Gruppen während des Mischens des Kautschuks bzw. der Kautschukmischung (in situ) oder bereits vor der Zugabe des Füllstoffes zum Kautschuk im Sinne einer Vorbehandlung (Vormodifizierung). Als Silan- Kupplungsagenzien können dabei alle dem Fachmann für die Verwendung in Kautschukmischungen bekannten Silan-Kupplungsagenzien verwendet werden. Solche aus dem Stand der Technik bekannten Kupplungsagenzien sind bifunktionelle Organosilane, die am Siliciumatom mindestens eine Alkoxy-, Cycloalkoxy- oder Phenoxygruppe als Abgangsgruppe besitzen und die als andere Funktionalität eine Gruppe aufweisen, die gegebenenfalls nach Spaltung eine chemische Reaktion mit den Doppelbindungen des Polymers eingehen kann. Bei der letztgenannten Gruppe kann es sich z. B. um die folgenden chemischen Gruppen handeln: -SCN, -SH, -NH2 oder -Sx- (mit x = 2-8). So können als Silan-Kupplungsagenzien z. B. 3-Mercaptopropyltriethoxysilan, 3-Thiocyanato-propyltrimethoxysilan oder 3,3‘-Bis(triethoxysilylpropyl)polysulfide mit 2 bis 8 Schwefelatomen, wie z. B. 3,3‘-Bis(triethoxysilylpropyl)tetrasulfid (TESPT), das entsprechende Disulfid oder auch Gemische aus den Sulfiden mit 1 bis 8 Schwefelatomen mit unterschiedlichen Gehalten an den verschiedenen Sulfiden, verwendet werden. TESPT kann dabei beispielsweise auch als Gemisch mit Industrieruß (Handelsname X50S der Firma Degussa) zugesetzt werden. Auch geblockte Mercaptosilane, wie sie z. B. aus der WO 99/09036 bekannt sind, können als Silan-Kupplungsagens eingesetzt werden. Auch Silane, wie sie in der WO 2008/083241 Al, der WO 2008/083242 Al, der WO 2008/083243 Al und der WO 2008/083244 Al beschrieben sind, können eingesetzt werden. Verwendbar sind z. B. Silane, die unter dem Namen NXT® in verschiedenen Varianten von der Firma Momentive, USA, oder solche, die unter dem Namen VP Si 363
von der Firma Evonik Industries vertrieben werden. Einsetzbar sind auch sogenannte „silated core poly Sulfides“ (SCP, Polysulfide mit silyliertem Kern), die z. B. in der US 20080161477 Al und der EP 2 114961 Bl beschrieben werden.
In der Kautschukmischung können außerdem Weichmacher in Mengen von 1 bis 300 phr, bevorzugt von 5 bis 150 phr, besonders bevorzugt von 15 bis 90 phr, enthalten sein. Als Weichmacher können alle dem Fachmann bekannten Weichmacher wie aromatische, naphthenische oder paraffinische Mineralölweichmacher, wie z.B. MES (mild extraction solvate) oder RAE (Residual Aromatic Extract) oder TD AE (treated distillate aromatic extract), oder Rubber-to-Liquid-Öle (RTL) oder Biomass-to-Liquid-Öle (BTL) bevorzugt mit einem Gehalt an polyzykli sehen Aromaten von weniger als 3 Gew.-% gemäß Methode IP 346 oder Rapsöl oder Faktisse oder Flüssig-Polymere, wie flüssiges Polybutadien - auch in modifizierter Form - eingesetzt werden. Der oder die Weichmacher werden bei der Herstellung der erfindungsgemäßen Kautschukmischung bevorzugt in wenigstens einer Grundmischstufe zugegeben.
Des Weiteren kann die Kautschukmischung übliche Zusatzstoffe in üblichen Gewichtsteilen enthalten, die bei deren Herstellung bevorzugt in wenigstens einer Grundmischstufe zugegeben werden. Zu diesen Zusatzstoffen zählen a) Alterungsschutzmittel, wie z. B. N-Phenyl-N’-(l,3-dimethylbutyl)-p-phenylendiamin (6PPD), N,N‘-Diphenyl-p-phenylendiamin (DPPD), N,N‘-Ditolyl-p-phenylendiamin (DTPD), N-Isopropyl-N’-phenyl-p-phenylendiamin (IPPD), 2,2,4-Trimethyl-l,2- dihydrochinolin (TMQ), b) Aktivatoren, wie z. B. Zinkoxid und Fettsäuren (z. B. Stearinsäure) oder Zinkkomplexe wie z. B. Zinkethylhexanoat, c) Wachse, d) Mastikationshilfsmittel, wie z. B. 2,2’-Dibenzamidodiphenyldisulfid (DBD), e) Verarbeitungshilfsmittel, wie z.B. Fettsäuresalze, wie z.B. Zinkseifen, und Fettsäureester und deren Derivate, und f) Harze, wie aliphatische oder aromatische Kohlenwasserstoffharze.
Der Mengenanteil der Gesamtmenge an weiteren Zusatzstoffen beträgt 3 bis 150 phr, bevorzugt 3 bis 100 phr und besonders bevorzugt 5 bis 80 phr.
Wird die Kautschukmischung für innere Reifenbauteile, die sogenannten Bodymischungen, eingesetzt, kann die Kautschukmischung außerdem haftungsverbessernde und/oder -unterstützende Substanzen, wie Haftsysteme aus Methylendonor und Methylenakzeptor, enthalten.
Die Vulkanisation der Kautschukmischung wird in Anwesenheit von Schwefel und/oder Schwefelspendern mit Hilfe von Vulkanisationsbeschleunigern durchgeführt, wobei einige Vulkanisationsbeschleuniger zugleich als Schwefelspender wirken können. Dabei ist der Beschleuniger ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Thiazolbeschleunigem und/oder Mercaptobeschleunigern und/oder Sulfenamidbeschleunigern und/oder Thiocarbamatbeschleunigern und/oder Thiurambeschleunigern und/oder Thiophosphatbeschleunigern und/oder Thioharnstoffbeschleunigern und/oder Xanthogenat-Be schleunigem und/oder Guanidin-Beschleunigern.
Bevorzugt ist die Verwendung eines Sulfenamidbeschleunigers, der ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus N-Cyclohexyl-2-benzothiazolsufenamid (CBS) und/oder N,N- Dicyclohexylbenzothiazol-2-sulfenamid (DCBS) und/oder Benzothiazyl-2- sulfenmorpholid (MBS) und/oder N-tert-Butyl-2-benzothiazylsulfenamid (TBBS).
Außerdem kann die Kautschukmischung Vulkanisationsverzögerer enthalten.
Als Schwefel spendende Substanz können dabei alle dem Fachmann bekannten Schwefel spendenden Substanzen verwendet werden. Enthält die Kautschukmischung eine Schwefel spendende Substanz, ist diese bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus z. B. Thiuramdisulfiden, wie z. B. Tetrabenzylthiuramdisulfid (TBzTD), Tetramethylthiuramdisulfid (TMTD) oder Tetraethylthiuramdisulfid (TETD), Thiuramtetrasulfiden, wie z. B. Dipentamethylenthiuramtetrasulfid (DPTT), Dithiophosphaten, wie z. B. DipDis (Bis-(Diisopropyl)thiophosphoryldisulfid), Bis(0,0-2- ethylhexyl-thiophosphoryl)Polysulfid (z. B. Rhenocure SDT 50®, Rheinchemie GmbH,
Zinkdichloryldithiophosphat (z. B. Rhenocure ZDT/S®, Rheinchemie GmbH) oder Zinkalkyldithiophosphat, und l,6-Bis(N,N-dibenzylthiocarbamoyldithio)hexan und Diarylpolysulfiden und Dialkylpolysulfiden.
Auch weitere netzwerkbildende Systeme, wie sie beispielsweise unter den Handelsnamen Vulkuren®, Duralink® oder Perkalink® erhältlich sind, oder netzwerkbildende Systeme, wie sie in der WO 2010/049216 A2 beschrieben sind, können in der Kautschukmischung eingesetzt werden. Das letztere System enthält ein Vulkanisationsmittel, welches mit einer Funktionalität größer vier vernetzt und zumindest einen Vulkanisationsbeschleuniger.
Der Kautschukmischung wird bei deren Herstellung bevorzugt wenigstens ein Vulkanisationsmittel ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Schwefel,
Schwefelspender, Vulkanisationsbeschleuniger und Vulkanisationsmittel, die mit einer Funktionalität größer vier vernetzen, in der Fertigmischstufe zugegeben. Hierdurch lässt sich aus der gemischten Fertigmischung durch Vulkanisation eine schwefelvernetzte Kautschukmischung für die Anwendung im Fahrzeugluftreifen hersteilen.
Die Begriffe „vulkanisiert“ und „vernetzt“ werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung synonym verwendet.
Die Herstellung der Kautschukmischung erfolgt nach dem in der Kautschukindustrie üblichen Verfahren, bei dem zunächst in ein oder mehreren Mischstufen eine Grundmischung mit allen Bestandteilen außer dem Vulkanisationssystem (Schwefel und vulkanisationsbeeinflussende Substanzen) hergestellt wird. Durch Zugabe des Vulkanisationssystems in einer letzten Mischstufe wird die Fertigmischung erzeugt. Die Fertigmischung wird z. B. durch einen Extrusionsvorgang weiterverarbeitet und in die entsprechende Form gebracht. Anschließend erfolgt die Weiterverarbeitung durch Vulkanisation, wobei aufgrund des im Rahmen der vorliegenden Erfindung zugegebenen Vulkanisationssystems eine Schwefelvernetzung stattfindet.
Die Kautschukmischung wird für die Herstellung von Fahrzeugluftreifen, wie PKW-, Van- , LKW- oder Zweiradreifen, verwendet.
Bei einem Fahrzeugluftreifen kann die Kautschukmischung für unterschiedlichste Bauteile eingesetzt werden. Erfindungsgemäß weist der Fahrzeugluftreifen zumindest ein Gummibauteil aus der mit Schwefel vulkanisierten (vernetzten) erfindungsgemäßen Kautschukmischung auf. Bei den Reifen können demnach auch mehrere Bauteile aus der erfindungsgemäßen Kautschukmischung gebildet werden.
Bei einem Fahrzeugluftreifen kann der Laufstreifen aus einer einzigen Mischung bestehen, die dann ein funktionalisierte Polybutadien A, ggf. einen weiteren Dienkautschuk und einen Füllstoff enthält. Häufig weisen Fahrzeugluftreifen heute jedoch einen Laufstreifen mit einer sogenannten Cap/Base-Konstruktion auf. Unter „Cap“ wird dabei der mit der Fahrbahn in Berührung kommende Teil des Laufstreifens verstanden, der radial außen angeordnet ist (Laufstreifenoberteil oder Laufstreifencap). Unter „Base“ wird dabei der Teil des Laufstreifens verstanden, der radial innen angeordnet ist, und somit im Fährbetrieb nicht oder nur am Ende des Reifenlebens mit der Fahrbahn in Berührung kommt (Laufstreifenunterteil oder Laustreifenbase).
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist das Gummibauteil aus der erfindungsgemäßen Mischung der mit Fahrbahn in Berührung kommender Teil des Laufstreifens (Cap). Hier wirkt sich das reduzierte Dämpfungsverhalten der Mischung besonders positiv auf den Rollwiderstand aus, wobei gleichzeitig ein gutes Bremsverhalten im Hinblick auf das Nass- und Trockenbremsen erzielt wird.
Für eine Reduzierung des Rollwiderstandes eines Fahrzeugluftreifens kann die erfindungsgemäße Mischung jedoch auch für so genannte Body -Bauteile des Fahrzeugluftreifens eingesetzt werden. Zu diesen Body-Bauteilen zählen beispielsweise die Gummierungen des Wulstkerns, der Wulstabdeckungen, der Wulstverstärker, des Gürtels, der Karkasse oder der Gürtelbandagen, aber auch andere festigkeitsträgernahe
Mischungen wie Kernreiter, Squeegee, Gürtelkantenpolster, Schulterpolster und Laufstreifenunterplatten.
Bei der Herstellung des Fahrzeugluftreifens wird die Mischung als Fertigmischung vor der Vulkanisation in die gewünschte Form gebracht und bei der Herstellung des Fahrzeugreifenrohlings wie bekannt auf- bzw. eingebracht. Die Bauteilrohlinge können auch in Form von schmalen Streifen auf einen Reifenrohling aufgewickelt werden.
In Anschluss wird der Fahrzeugluftreifen unter üblichen Bedingungen vulkanisiert.
Die Erfindung soll nun anhand von Vergleichs- und Ausführungsbeispielen, die in den Tabellen 1 und 2 zusammengefasst sind, näher erläutert werden.
Es wurde ein funktionalisiertes Polybutadien A gemäß folgender Versuchsbeschreibung synthetisiert:
In einem 5 L-Autoklaven wurden unter Stickstoffatmosphäre 2500 g Cyclohexan, 5 g Tetrahydrofuran, 490 g 1,3-Butadien und 4,2 mmol N-(t-Butyldimethylsilyl)piperazin gegeben. Die Temperatur der Reaktionsmischung wurde auf 30 °C eingestelle und im Anschluss eine Cyclohexanlösung, enthaltend 2 mmol n-Butyllithium, zum Start der Polymerisationsreaktion zugegeben. Die Polymerisation wurde unter adiabatischen Bedingungen durchgeführt. Es wurde eine maximale Temperatur von 90 °C erreicht. Bei Erreichung eines Umsetzungsgrades von 99 % wurden 5 g 1,3-Butadien über 2 min hinzugefügt und die Monomere wurden für weitere 5 min polymerisiert. Anschließend wurde eine Lösung aus 4,46 mmol N,N-bis(Trimethylsilyl)aminopropylmethyldimethoxy- silan in Cyclohexan zum restlichen Reaktionsgemisch hinzugefügt und für 15 min reagieren gelassen. Zu der erhaltenen Polymerlösung mit einem Polymer auf Basis von Dienen wurden 3 g 2,6-Di-tert-butyl-p-cresol zugegeben. Das Lösemittel wurde danach mit Hilfe einer Wasserdampfdestillation entfernt, wobei der pH-Wert mi Hilfe von Natriumhydroxid auf 10 eingestellt wurde. Das verbleibende funktionalisierte Polybutadien A wurde mit Heizwalzen bei einer Temperatur von 110 °C getrocknet.
Dieses so erhaltene funktionalisierte Polybutadien A wurde für die erfindungsgemäßen Mischungen der folgenden Tabellen eingesetzt.
In den Tabellen 1 und 2 sind Vergleichsmischungen mit V, die erfindungsgemäßen Mischungen mit E gekennzeichnet.
Die Mischungsherstellung erfolgte nach den in der Kautschukindustrie üblichen Verfahren unter üblichen Bedingungen in drei Stufen in einem Labormischer bei dem zunächst in der ersten Mischstufe (Grundmischstufe) alle Bestandteile außer dem Vulkanisationssystem (Schwefel und vulkanisationsbeeinflussende Substanzen) vermischt wurden. In der zweiten Mischstufe wurde die Grundmischung nochmals durchmischt. Durch Zugabe des Vulkanisationssystems in der dritten Stufe (Fertigmischstufe) wurde die Fertigmischung erzeugt, wobei bei 90 bis 120 °C gemischt wurde.
In der Tabelle 1 sind Mischungen für unterschiedliche Body-Bauteile des Reifens aufgeführt. Die Mischungen 1 und 2 sind beispielsweise für die Seitenwand, die Wings, den Rimstrip oder den Kernreiter geeignet, die Mischungen 3 und 4 für die Gummierung des Gürtels, der Bandage, der Karkasse oder der Wulstverstärker sowie für den Squeegee.
Aus den Mischungen der Tabelle 1 wurden Prüfkörper durch 10-minütige ((1)V) und 2(E)) bzw. 15-minütige ((3)V) und 4(E)) Vulkanisation unter Druck bei 160 °C hergestellt und mit diesen Prüfkörpern für die Kautschukindustrie typische Materialeigenschaften mit den im Folgenden angegebenen Testverfahren ermittelt:
Shore-A-Härte bei Raumtemperatur mittels Durometer gemäß DIN ISO 7619-1 - Rückprallelastizität bei 70 °C gemäß DIN 53 512 als Indikator für den Rollwiderstand (größerer Wert korreliert mit einem besseren Rollwiderstand beim Reifen) maximaler (max) Verlustfaktor tan d aus dynamisch-mechanischer Messung bei 55 °C gemäß DIN 53 513, Dehnungsdurchlauf (engl „strain sweep“) (kleinerer Wert korreliert mit einem besseren Rollwiderstand beim Reifen)
Ferner wurden mit einigen Mischungen aus der Tabelle 2 Versuche zur Haftung an vermessingtem Stahlcord (2 x 0,30 HT) gemäß ASTM 2229/D1871 ohne Alterung vorgenommen (Einbettlänge in die Gummierungsmischung: 10 mm, Auszugsgeschwindigkeit: 125 mm/min). Die Prüfkörper wurden 30 min bei 150 °C geheizt. Es wurden die Herausziehkraft und die Bedeckung bestimmt.
Die ermittelten Messwerte der vorgenannten Eigenschaften wurden auf die Mischungen 1(V) und 3(V) als Referenzmischungen bezogen. Deren Werte wurden gleich 100 % gesetzt. Werte kleiner 100 % spiegeln eine Erniedrigung des Messwertes gegenüber dem Referenzwert wider. Werte größer 100 % spiegeln eine Erhöhung des Messwertes gegenüber dem Referenzwert wider.
Tabelle 1
a high cis-Polybutadien, Co-Polybutadien, cis-Gehalt: 96,1 Gew.-%, trans-Gehalt: 3,4 Gew.-%, Vinyl-Gehalt. 0,5 Gew.-%, nicht funktionalisiert, Mw= 497000 g/mol, Tg = 105 °C b funktionalisiertes Polybutadien A gemäß Versuchsbeschreibung, cis-Gehalt: 30 Gew.-%, trans-Gehalt: 40 Gew.-%, Vinyl-Gehalt. 30 Gew.-%, Aminfunktionalisierung: Piperazingruppe, Mw= 361000 g/mol, Tg = -75 °C
Aus den Daten der Tabelle 1 wird ersichtlich, dass erst durch Anwesenheit des speziell funktionalisierten Polybutadiens eine Erhöhung der Rückprallelastizität der Vulkanisate bei 70 °C bzw. eine Erniedrigung des Verlustfaktors tan d bei 55 °C erzielt wird. Dies korreliert mit einer Reduzierung des Rollwiderstandes des Reifens mit einem Bauteil aus der Mischung. Gleichzeitig bleiben die anderen Eigenschaften auf einem gewünschten hohen Niveau.
In der Tabelle 2 sind Mischungen für den Laufstreifen bzw. die Laufstreifencap von Fahrzeugluftreifen aufgeführt. Die Mischungen wurden für die Laufstreifencap von Reifen der Dimension 205/55 RI 6 eingesetzt und Reifentests gemäß folgender Testmethoden durchgeführt:
• Rollwiderstand: gemäß ISO 28580
• Nassbremsen: ABS-Bremsen aus 80 km/h, nasser Asphalt, niedriges m (low m)
• Trockenbremsen: ABS-Bremsen aus 100 km/h, trockener Asphalt, hohes m (high m)
Die ermittelten Werte wurden in Performance (Leistung) umgerechnet, wobei die Vergleichsmischungen 5(V) bzw. 7(V) bei jeder getesteten Eigenschaft auf 100 % Performance normiert wurde. Die Mischungsleistungen von 6(E) und 8(E) beziehen sich auf diese Vergleichsmischungen. Hierbei bedeuten Werte < 100 % eine Verschlechterung in der Eigenschaft, während Werte > 100 % eine Verbesserung darstellen.
Tabelle 2
b funktionalisiertes Polybutadien A gemäß Versuchsbeschreibung, cis-Gehalt: 30 Gew.-%, trans-Gehalt: 40 Gew.-%, Vinyl-Gehalt. 30 Gew.-%, Aminfunktionalisierung: Piperazingruppe, Mw= 361000 g/mol, Tg = -75 °C c funktionalisiertes Polybutadien B gemäß EP 2 853 558 Al, cis-Gehalt: 39 Gew.-%, trans- Gehalt: 51 Gew.-%, Vinyl-Gehalt. 8 Gew.-%, funktionalisiert mit (MeO)2(Me)Si-(CH2)2- S-SiMe2C(Me)3 und (MeO)3Si-(CH2)2-S-SiMe2C(Me)3, Mw= 501000 g/mol,
Tg = - 94 °C d Sprintan® SLR3402, Trinseo, Deutschland, funktionalisiertes lösungspolymerisiertes Styrol-Butadien-Copolymer
Der Tabelle 2 kann man entnehmen, dass das speziell funktionalisierte Polybutadien A mit der aminogruppen- und/oder ammoniumgruppen-enthaltenden Organosilylgruppe am einen Kettenende und der Aminogruppe am anderen Kettenende zu einer deutlichen Verbesserung im Rollwiderstand führt. Mit dieser speziellen Funktionalisierung erhält man Rollwiderstandswerte, die über denen mit einem anderen funktionalisierten
Polybutadien mit Gruppen ohne Stickstoff erzielt werden. Gleichzeitig können auch das Nassbremsverhalten und das Trockenbremsverhalten verbessert werden, was nicht zu erwarten war, da eine Verbesserung des Rollwiderstandes üblicherweise mit einer Verschlechterung des Bremsverhaltens verbunden ist.