BESCHREIBUNG
Stromabnehmersystem sowie Verfahren zum automatischen An- und/oder Abdrahten eines Stromabnehmersystems
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Stromabnehmersystem zur Anordnung auf einem Dach eines Fahrzeugs, insbesondere eines Oberleitungsbusses, mit mindestens einem verschwenkbaren Stromabnehmer. Darüber hinaus betrifft die Erfindung ferner ein Verfahren zum automatischen An- und/oder Abdrahten eines Stromabnehmersystems.
Entsprechende Stromabnehmersysteme können eingesetzt werden bei nicht schienengebundenen oder schienengebundenen Fahrzeugen, welche die zum Betrieb erforderliche Energie zumindest bereichsweise aus einer Fahrleitung entnehmen. Dies können beispielsweise Oberleitungsbusse, auch als Trolleybusse bezeichnet, elektrische LKW oder sonstige elektrisch angetriebene Fahrzeuge sein.
Entsprechende Fahrzeuge werden in der Regel primär über zweipolige Fahrleitungssysteme mit Energie versorgt. Hierzu kann an dem Dach des Fahrzeugs ein Stromabnehmersystem vorgesehen sein, welches zwischen einer Ruheposition, in welcher das Stromabnehmersystem nicht mit der Fahrleitung verbunden ist, und einer Abnahmeposition, in welcher das Stromabnehmersystem mit der Fahrleitung verbunden ist, hin und her verschwenkt werden kann. In der angedrahteten Position des Stromabnehmersystems und zur Herstellung der elektrischen Verbindung wird der Stromabnehmer, und insbesondere der Stromabnehmerkopf, mit einer vorgegebenen Anpresskraft gegen die Fahrleitung gedrückt. Im abgedrahteten Zustand kann das Fahrzeug wiederum aus anderen Energiequellen, wie beispielsweise einer Batterie, gespeist werden. Derartige Fahrzeuge haben den Vorteil gegenüber solchen, die beispielsweise mit Verbrennungsmotoren betrieben werden, dass diese geräuscharm und lokal emissionsfrei betrieben werden können.
Das Stromabnehmersystem kann an die Fahrleitungen eines Fahrleitungsnetzes angeschlossen werden, wobei sich die Fahrleitungen in variablen Positionen bezüglich der Höhe und der seitlichen Lage befinden und daher in der Regel nicht genau mittig
über einer Fahrspur angeordnet sind. Die Fahrleitungen sind im Allgemeinen zweipolig ausgeführt und führen Gleichstrom, wobei jeweils zwei Fahrleitungen zueinander parallel geführt werden. Jeder Stromabnehmer des Stromabnehmersystems kann dann an einen Fahrleitungsdraht angedrahtet werden.
Bei bekannten Stromabnehmersystemen erfolgt sowohl das Abdrahten als auch das Andrahten der Stromabnehmer manuell. Flierzu werden, beispielsweise durch den Fahrer, mit Hilfe einer mitgeführten Hilfsstange oder mit an den Stromabnehmerstangenenden befestigten Seilen, die Stromabnehmer an die Fahrleitung herangeführt oder von dieser abgezogen. Die Stromabnehmer werden im gesenkten Zustand in Halterungen im hinteren Dachbereich arretiert. Um den Andrahtvorgang vereinfachen zu können, sind zudem halbautomatische Systeme bekannt, bei welchen durch an bestimmten Stellen des Netzes angeordnete sogenannte Einfädeltrichter der Andrahtvorgang unterstützt werden kann. In diesem Fall können die Stromabnehmer auch automatisch, d. h. vom Fahrerplatz aus angelegt werden, vorausgesetzt allerdings, dass die Fahrleitungen in diesem Fall genau mittig über dem Fahrzeug liegen.
Um nun das Stromabnehmersystem bei bekannten Fahrzeugen An- und/oder Abdrahten zu können, ist ein Eingreifen des Fahrers erforderlich. Zudem kann das Stromabnehmersystem in der Regel nur an bestimmten Positionen des Fahrleitungssystems angedrahtet werden. Diese Arten von An- und Abdrahtvorgängen sind jedoch nicht immer ohne Probleme möglich und zudem nicht an jeder Position.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Erfindung die Aufgabe, ein Strom abnehmersystem zur Anordnung auf einem Dach eines Fahrzeugs anzugeben, mittels welchem ein automatisches An- und/oder Abdrahten nicht nur während des Fahrzeugstillstandes und insbesondere nicht nur an vorbestimmten Positionen möglich ist.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe bei einem Stromabnehmersystem der eingangs genannten Art dadurch gelöst, dass die Stromabnehmerbewegungen, insbesondere in
horizontaler und/oder vertikaler Richtung, mittels mindestens einer Aktorik aktiv steuerbar sind.
Für das automatische An- und/oder Abdrahten eines erfindungsgemäßen Stromabnehmersystems kann auf dem Dach des Fahrzeugs mindestens ein Stromabnehmer und insbesondere zwei Stromabnehmer nach Art eines Zwei-Stangen- Systems angeordnet werden. Die Stromabnehmer können an dem Dach des Fahrzeugs derart angelegt sein, dass diese um einen vorgegebenen Befestigungspunkt in vertikaler und in horizontaler Richtung verschwenkbar gelagert sind, so dass die seitliche Position und die Flöhenposition relativ zum Fahrzeug variiert werden kann.
Zum Verschwenken kann mindestens eine Aktorik vorgesehen sein, mittels welcher die Stromabnehmer betätigt werden können. Durch eine aktive Steuerung der Stromabnehmerbewegungen mittels der Aktorik ist es möglich, die Stromabnehmerbewegungen derart vorzugeben, dass ein automatisches An- und/ oder Abdrahten an jedweder Position und ohne manuelles Eingreifen einer zusätzlichen Person möglich ist.
Als aktiv steuerbar im Sinne der vorliegenden Erfindung können dabei insbesondere solche Stromabnehmersysteme verstanden werden, bei welchen die Stromabnehmerbewegungen ausgehend von einem wissensbasierten System sowie ortspezifischen Daten und/oder Fehlerkompensationen entlang einer vorgegebenen Bewegungsbahn gesteuert werden können. Für die aktive Steuerung der Bewegungen der Stromabnehmer kann insbesondere die Fahrleitungshöhe an bestimmten Punkten im Fahrnetz, wie beispielsweise an Haltestellenpositionen, initial und/oder kontinuierlich gemessen, der spezifischen Position zugeordnet und in einer Datenbank gespeichert werden. Auf diese Weise können die so ermittelten Daten für weitere Andrahtvorgänge herangezogen und bei der aktiven Steuerung der Stromabnehmer berücksichtigt werden. Derart sind eine präzise Ansteuerung und insbesondere ein präziser Andrahtvorgang möglich. Das Stromabnehmersystem kann so eine gewisse Intelligenz aufweisen, welche zur aktiven Steuerung der Stromabnehmerbewegungen eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu bekannten passiv steuerbaren Stromabhnehmersystemen kann eine gezielte Ansteuerung vorgenommen werden, wobei insbesondere einzelne Positionen gezielt ansteuerbar und/oder anfahrbar sind.
Die Genauigkeit kann so weiter erhöht und jede beliebige konkrete Position angefahren werden.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass der Stromabnehmer in horizontaler und vertikaler Richtung nacheinander oder gleichzeitig bewegbar ist. Auf diese Weise können die Stromabnehmerbewegungen und insbesondere die Position des Stromabnehmers beliebig gesteuert und eine frei wählbare Position präzise angesteuert werden. Durch eine Bewegung in horizontaler und vertikaler Richtung nacheinander könnte beispielsweise zunächst eine Ausrichtung in vertikaler, dann in horizontaler und anschließend erneut in vertikaler Richtung erfolgen. Die Bewegungen können dann gezielter gesteuert werden. Bei einer gleichzeitigen Bewegung bietet sich der Vorteil, dass eine vorgegebene Bahn eingehalten und ein stufenweises Ausrichten vermieden werden kann.
Eine in diesem Zusammenhang vorteilhafte Ausgestaltung sieht daher vor, dass der Stromabnehmer, und insbesondere eine Stromabnehmerstange des Stromabnehmers, entlang einer vorgegebenen Trajektorie bewegbar ist. Auf diese Weise kann die Stromabnehmerstange des Stromabnehmers entlang einer vorab definierten Auslenkungskurve aktiv gesteuert und genau bewegt werden. Dabei ist es besonders vorteilhaft, wenn die Umgebungsbedingungen, wie beispielsweise die Fahrzeugposition, die Fahrleitungsposition und dergleichen, bei der Vorgabe der Trajektorie berücksichtigt werden. Unfällen oder Beschädigungen des Stromabnehmers kann auf diese Weise entgegengewirkt werden. Zudem kann die gewünschte Endposition schnellstmöglich erreicht werden.
Ferner vorteilhaft ist, wenn die Bewegungen des Stromabnehmers über eine Steuereinheit, insbesondere stufenlos, steuerbar sind. Durch das Vorsehen einer Steuereinheit kann die aktive Steuerung der Stromabnehmerbewegungen individuell an die jeweilige Situation angepasst erfolgen. In der Steuereinheit können insbesondere verschiedenste Daten hinterlegt sein, welche zur Ermittlung und/oder Durchführung der Bewegungen des Stromabnehmers herangezogen werden können. Insbesondere können in der Steuereinheit Daten über die Position des Fahrzeugs und/oder der Fahr leitung und/oder Flaltestelleinformationen hinterlegt sein. Alternativ oder zusätzlich ist es
möglich, dass ein Fahrer zusätzliche Informationen in die Steuereinheit eingeben kann. Zudem kann die Steuereinheit zusätzlich manuell durch den Fahrer angesteuert werden. Die Steuereinheit kann einen insbesondere stationären Datenspeicher umfassen, welcher ermittelte und/oder übermittelte Daten und Informationen abspeichert und bei Bedarf zur Verfügung stellen kann. Die Daten können bevorzugt kontinuierlich aktualisiert werden.
Besonders bevorzugt ist der Stromabnehmer zum Andrahten über die Steuereinheit vorpositionierbar. Eine solche Ausgestaltung bietet den Vorteil, dass der Stromabnehmer zunächst in eine Position in der Nähe der Fahrleitung verbracht werden kann, ohne dass der Stromabnehmer die Fahrleitung berührt. Dabei können insbesondere die vorhandenen Informationen des wissensbasierten Systems zur Steuerung und Regelung herangezogen werden. Die Endkontaktierung, insbesondere der finale Andrahtvorgang, kann dann ausgehend von der Vorpositionierung erfolgen. Eine Vorpositionierung des Stromabnehmers bietet insbesondere den Vorteil, dass eine Annäherung an die Fahrleitung mit einer vergleichsweise schnellen Bewegung erfolgen kann, wohingegen der Andrahtvorgang selbst dann beispielsweise langsamer erfolgen kann. So kann beispielsweise ein lautes Andrahten, beispielsweise durch ein Anschlägen an einen Trichter, vermieden werden. Zudem können bevorzugt Positionierungsfehler ausgeglichen werden.
Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass der Stromabnehmer mittels einer Betätigungsvorrichtung, insbesondere einer hydraulischen und/oder motorischen und/oder pneumatischen Betätigungsvorrichtung bewegbar ist. Besonders bevorzugt ist, wenn die Betätigungsvorrichtung als servopneumatische Betätigungsvorrichtung, insbesondere mit unterschiedlichen Luftdrücken in den Luftkammern des Pneumatikzylinders, ausgebildet ist. Die Betätigungsvorrichtung kann insbesondere Teil der Aktorik sein. Die Betätigungsvorrichtung kann beispielswese pneumatisch mittels eines Proportionalgliedes oder aber auch mit einem elektrischen Stellmotor erfolgen.
Als besonders vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn die Betätigung der Stromabnehmer durch pneumatisch wirkende Zylinder und/oder ein Federsystem erfolgt. Als besonders vorteilhaft hat sich die Verwendung von einfach und/oder zweifach wirkenden Pneumatikzylindern erwiesen. Mit Hilfe einer entsprechenden
Betätigungsvorrichtung kann der Stromabnehmer je nach Bedarf angehoben, abgesenkt oder verschwenkt werden. Alternativ oder zusätzlich können auch weitere Betätigungsvorrichtungen vorgesehen sein, beispielsweise um die horizontale und verti kale Bewegung des Stromabnehmers voneinander zu entkoppeln.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung wird vorgeschlagen, dass der Stromabnehmer während der Fahrt und/oder in einer stehenden Position des Fahrzeugs automatisch an- und/oder abdrahtbar ist. Insbesondere kann das Stromabnehmersystem an einer beliebigen Position an- und/oder abgedrahtet werden. Insoweit ist es nicht mehr erforderlich, dass der An- und/ oder Abdrahtvorgang manuell, beispielsweise durch einen Fahrer, erfolgt. Die Flexibilität und Einsetzbarkeit eines entsprechenden Fahrzeuges können auf diese Weise zusätzlich erhöht werden. Zudem kann durch die aktive Steuerung des Stromabnehmers eine Vereinfachung des An- und/oder Abdrahtvorgangs erfolgen. Insbesondere kann der Stromabnehmer an einer beliebigen Position an- und/oder abgedrahtet werden, beispielsweise nach einem Überholvorgang oder an Flaltestellen.
In diesem Zusammenhang hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn zum automatischen An- und/oder Abdrahten die Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs und/oder der Fahrleitung ermittelbar ist. Bevorzugt kann anhand der ermittelten Daten der Steuervorgang der Stromabnehmerbewegungen, insbesondere über die Steuereinheit in Abhängigkeit der Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs und/oder oder der Fahrleitung, durchgeführt werden. Der An- und/oder Abdrahtvorgang kann auf diese Weise vereinfacht werden. So kann beispielsweise die aktuelle Position des Fahrzeugs, innerhalb des Fahrleitungssystems ermittelt und/oder die relative Ausrichtung des Fahrzeugs, beispielsweise zu einer Bordsteinkante oder zur Fahrleitung, ermittelt werden. Diese Informationen können bei der Steuerung der Stromabnehmerbewegungen berücksichtigt werden. Auch kann insbesondere die Flöhe zwischen dem Fahrzeug und der Fahrleitung berücksichtigt werden.
Besonders vorteilhaft ist, wenn die Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs und/oder der Fahrleitung mittels Sensoren, beispielsweise mittels GPS-Sensoren, Sensoren am Fahrzeug, Sensoren in der Fahrzeugumgebung oder anderweitigen
Fahrzeuginformationen, ermittelbar sind. Als Sensoren können beispielsweise induktive Sensoren, Magnetsensoren, optische Sensoren, Kameras, Infrarotsensoren oder dergleichen, zum Einsatz kommen. Die Sensoren können je nach Bedarf am Fahrzeug, beispielsweise am Dach, an der Seite oder an der Unterseite, an einer Haltestelle, in der Fahrbahn oder dergleichen, angeordnet sein. Durch die Datenerfassung der Sensoren kann die relative Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs und/oder der Fahrleitung ermittelt und in Relation zueinander gesetzt werden. Auf diese Weise ist es möglich, genaue Informationen über den zurückzulegenden Weg des Stromabnehmers zu erhalten und so die Stromabnehmerbewegungen aktiv entsprechend den aktuellen Vorgaben zu steuern. Besonders bevorzugt können alternativ oder zusätzlich zu den Sensoren korrespondierende Gegenelemente Einsatz finden, wie beispielsweise in der Fahrbahn angeordnete Magnete oder dergleichen.
Die Position des Fahrzeugs kann, insbesondere mittels eines GPS-Sensors, ermittelt und kontinuierlich in der Steuereinheit hinterlegt werden. Besonders bevorzugt kann so die Position des Fahrzeugs zu jedem Zeitpunkt im Oberleitungsnetz festgestellt und diese in Relation zu anderen Daten gebracht werden. So kann beispielsweise auch festgestellt werden, ob sich das Fahrzeug einer Haltestelle nähert, an dieser angehalten hat oder dergleichen.
Durch die Ermittlung der Ausrichtung des Fahrzeugs kann der Winkel zwischen der Fahrzeugaußenkontur und beispielsweise einer Bordsteinkante, einer Fahrbahnmarkierung oder der Fahrleitung ermittelt werden. Auf diese Weise kann Kenntnis darüber erlangt werden, welche Orientierung das Fahrzeug hat und insbesondere auch, wie der Stromabnehmer orientiert ist. Dies kann dann bei der Steuerung der Stromabnehmerbewegungen berücksichtigt werden.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung ist die Stromabnehmerbewegung in Abhängigkeit der ermittelten Positionen und/oder Ausrichtungen des Fahrzeugs und/oder der Fahrleitung steuerbar. Durch die Ermittlung der Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs und deren Beziehung zur Fahrleitung können die Bewegungen entsprechend den aktuellen Bedingungen angepasst und eine bedarfsweise Steuerung der Stromabnehmer vorgenommen werden. Insoweit kann
immer der aktuelle Status berücksichtigt und so ein zuverlässiges An- und/oder Abdrahten vorgenommen werden.
Ferner vorteilhaft ist, wenn die Positions- und/oder Ausrichtungsdaten kontinuierlich ermittelt und in der Steuereinheit abgespeichert werden. Auf diese Weise kann ein Datensatz angelegt werden, welcher immer die aktuellen Positions- und/oder Ausrichtungsdaten, insbesondere des Fahrleitungssystems, enthält. Basierend auf diesen Informationen können dann die Stromabnehmerbewegungen zusätzlich gesteuert werden. Alternativ oder zusätzlich können die so ermittelten Daten auch an anderen Steuereinheiten von anderen Fahrzeugen, beispielsweise drahtlos, übermittelt werden, so dass die erfassten Informationen auch in diesen Fahrzeugen vorliegen. Durch das Abspeichern der ermittelten Daten ist es nicht zwingend erforderlich, zum An- und/oder Abdrahten die aktuelle Position und/oder Ausrichtung zu ermitteln, sondern es kann vielmehr auch auf einen vorhandenen Datensatz zurückgegriffen werden. So können beispielsweise Informationen über die Haltestelle und/oder dergleichen ebenfalls in der Steuereinheit abgespeichert werden.
Bevorzugt kann der Andrahtvorgang mittels eines Trichters oder trichterlos erfolgen.
Der Andrahtvorgang mittels eines Trichters bietet den Vorteil, dass der Stromabnehmer mittels einer geführten Bewegung an die Fahrleitung herangeführt und der Stromabnehmerkopf mittels einer vorgegebenen gerichteten Kraftwirkung an die Fahrleitung angedrückt werden kann, so dass der elektrische Kontakt hergestellt werden kann. Insbesondere an kritischen Stellen kann der Einsatz von Trichter das Andrahten weiter vereinfachen. Für den Fall, dass der Andrahtvorgang trichterlos erfolgt, kann das Andrahten weniger aufwendig gestaltet sein, und so kann ins besondere beispielsweise bei doppelter oder vielfacher Leitungsführung, auf Strecken mit Zweirichtungs- oder Mehrspurbetrieb ein automatisches Andrahten auf dem gesamten Streckenverlauf erfolgen. Es ist in diesem Fall nicht erforderlich, an einer Vielzahl an Positionen Trichter vorzusehen, welche einen Andrahtvorgang ermöglichen.
In Weiterbildung der Erfindung wird vorgeschlagen, dass zum Andrahten die Fahrleitungshöhe, und damit die Trichterhöhe, ermittelbar und einer Position, insbesondere einer Haltestelle, zuordenbar ist. Besonders bevorzugt kann die
Fahrleitungshöhe mittels Sensoren ermittelt und in der Steuereinheit abgespeichert werden. Die ermittelte Fahrleitungshöhe kann ferner einer bestimmten Position und insbesondere einer Haltestelle zugeordnet werden. Auch diese Informationen können bevorzugt mittels eines Ortungssystems, wie beispielsweise GPS-Sensoren, Sensoren am Stromabnehmerkopf, Sensoren in der Fahrzeugumgebung oder durch Fahrgastinformationen, ermittelt und bei Bedarf in der Steuereinheit abgelegt werden. Durch den Vergleich der Fahrzeugposition mit der Position der gemessenen Fahrleitungshöhe kann dann eine genaue Korrelation hergestellt werden. Die Stromabnehmerbewegungen können dann an der entsprechenden Position initiiert und entsprechend der ermittelten Fahrleitungshöhe gesteuert werden. Die so ermittelten Daten können dann als Teil des wissensbasierten Systems für zukünftige Andrahtvorgänge herangezogen und insbesondere die Stromabnehmerbewegungen entsprechend aktiv gesteuert werden.
Besonders vorteilhaft ist, wenn die ermittelte Fahrleitungshöhe, und damit die Trichterhöhe, mittels der Steuereinheit mit der Fahrzeugposition vergleichbar und daraus die Stromabnehmerposition ermittelbar ist. Bevorzugt kann eine Vorpositionierung des Stromabnehmers noch während der Fahrt erfolgen. Durch einen entsprechenden Vergleich der Daten und einer Regelung der
Stromabnehmerbewegungen kann der Andrahtvorgang beschleunigt werden, so dass es nicht mehr erforderlich ist, dass beispielsweise Fahrgäste an der Haltestelle auf den Andrahtvorgang warten müssen. Besonders bevorzugt kann die Fahrleitungshöhe initial und/oder kontinuierlich ermittelt und in der Steuereinheit abgespeichert werden. Insbesondere kann die Fahrleitungshöhe einer bestimmten Position, wie beispielsweise einer Haltestelle, zugeordnet werden, woraus Informationen für zukünftige Andrahtvorgänge abgeleitet werden können.
Vorteilhafterweise werden zur Vorpositionierung des Stromabnehmers die Stromabnehmerstangen in einem ersten Schritt schnell beschleunigt und vor dem Erreichen der Endposition abgebremst. Für den An- und/oder Abdrahtvorgang kann der Stromabnehmer durch die dynamische Regelung und aktive Steuerung der Stromabnehmerbewegungen schnellstmöglich beschleunigt und vor dem Erreichen der Fahrleitung eingebremst werden. Die Stromabnehmer können dann langsam und leise
an die Fahrleitung, insbesondere an den Trichter, herangeführt und in Kontakt mit der Fahrleitung gebracht werden. Auf diese Weise ist ein zuverlässiges und geräuscharmes Andrahten, auch bei der Verwendung von Trichtern, möglich. Alternativ oder zusätzlich kann jedoch auch ein trichterloses Andrahten erfolgen. Auch hier kann die Fahrleitungshöhe in Relation zu der Fahrzeugposition gesetzt und so ein zuverlässiger Andrahtvorgang herbeigeführt werden.
Entsprechend einerweiteren Ausgestaltung der Erfindung ist zur Kompensation einer Schräglage des Fahrzeugs der Kippwinkel berechenbar und/oder messbar und der Stromabnehmer insbesondere horizontal und/oder senkrecht ausrichtbar. Durch die Ermittlung des Kippwinkels, wie dieser beispielsweise bei einem Kneeling des Fahrzeugs oder bei einer schrägen Straßenlage auftritt, kann die schräge Stellung des Busses bei der Steuerung der Stromabnehmerbewegungen berücksichtigt werden. Unter Kneeling kann dabei der Vorgang verstanden werden, bei welchem die Einstiegsseite des Fahrzeugs abgesenkt wird, so dass Fahrgäste ebenerdiger einsteigen können, beispielsweise Rollstuhlfahrer, Kinderwägen oder dergleichen. Auf diese Weise kann ein zuverlässiges An- und/oder Abdrahten gewährleistet werden, unabhängig davon, ob das Fahrzeug sich gerade im Kneeling befindet oder nicht. Insbesondere kann die durch das Kneeling hervorgerufene Schrägstellung des Daches und damit des Stromabnehmersystems kompensiert werden.
Besonders bevorzugt ist in diesem Zusammenhang, wenn die Stromabnehmerposition um den Kippwinkel korrigierbar ist. Insbesondere kann die Stromabnehmerposition durch die Steuereinheit in der vertikalen Ausrichtung um den Kippwinkel korrigiert werden. Auf diese Weise kann eine senkrechte Ausrichtung des Stromabnehmers erreicht und somit ein zuverlässiger Andrahtvorgang gewährleistet werden. Besonders bevorzugt kann der Stromabnehmer, unabhängig von der Fahrzeugschräglage, senkrecht nach oben geführt werden.
Ferner bevorzugt ist, wenn der Kippwinkel mittels eines Sensors ermittelbar ist. Auf diese Weise kann der Stromabnehmer, unabhängig von der seitlichen Schräglage des Fahrzeugs, senkrecht nach oben geführt werden. Besonders bevorzugt kann die Messung über einen Neigungssensor oder einen Richtungssensor ermittelt werden. Als
besonders vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn für die Ermittlung des Kippwinkels bereits im Fahrzeug vorhandene Sensoren eingesetzt werden, welche die ermittelten Daten zusätzlich an die Steuereinheit übermitteln.
Alternativ oder zusätzlich kann die Ansteuerung des Kippwinkels für das Kneeling des Fahrzeugs durch einen Fahrer ferner als zusätzliches Nutzsignal zur Steuerung des Stromabnehmers in der Steuereinheit nutzbar sein. Auf diese Weise kann der Regelkreis der Steuereinheit weiter vergrößert und zusätzliche Informationen zur Stromabnehmersteuerung herangezogen werden. Auf diese Weise kann der Andrahtvorgang weiter verbessert werden. Darüber hinaus ist denkbar, dass nur das zur Ansteuerung des Kippwinkels verwendete Signal zur Steuerung des Stromabnehmers herangezogen wird.
Ferner bevorzugt ist, wenn mittels des ermittelten und/oder durch den Fahrer vorgegebenen Kippwinkels ein Sollwert für die vertikale und/oder horizontale Auslenkung des Stromabnehmers ermittelbar und so die Schräglage des Fahrzeugs kompensierbar ist. Insoweit kann der Andrahtvorgang, unabhängig von der jeweiligen Ausrichtung des Fahrzeugs, zuverlässig erfolgen. Insbesondere ist es nicht erforderlich, etwaige Trichter anders anzuordnen. Allerdings sind Ausgestaltungen denkbar, bei welchen die Trichter zusätzlich schräg angeordnet werden können, um den Andrahtvorgang weiter zu vereinfachen.
Eine bevorzugte Ausgestaltung sieht dabei ferner vor, dass der Stromabnehmer vertikal und/oder horizontal in Richtung der Fahrleitung führbar ist. Auf diese Weise kann ein zuverlässiges Andrahten gewährleistet werden, unabhängig davon, ob das Fahrzeug sich in einer Schräglage befindet oder nicht.
Eine bevorzugte Ausgestaltung sieht des Weiteren vor, dass zur Vermeidung von Entgleisungen, insbesondere Entdrahtungen, der Stromabnehmer während der Fahrt aktiv mitführbar ist. Auf diese Weise ist es im Bereich von Gefahren- bzw. Problemstellen nicht mehr erforderlich, die Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu reduzieren, um diese problemlos durchfahren zu können.
Insbesondere kann die Steuereinheit derart ausgelegt sein, dass Problemstellen identifiziert und vorgegebene insbesondere ortspezifische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Besonders bevorzugt können hierfür in der Steuereinheit entsprechende Gegenmaßnahmen hinterlegt sein, welche je nach Bedarf eingeleitet werden können. Auf diese Weise können, insbesondere durch die in der Steuereinheit hinterlegten Daten, entsprechende Entgleisungsproblematiken vorhergesehen und von vornherein vermieden werden, wodurch sich die Attraktivität und Zuverlässigkeit der Nutzung des Fahrzeugs steigern lässt.
Hierzu ist es besonders bevorzugt, wenn zur Detektion von Gefahrenstellen in der Steuereinheit hinterlegte Daten, insbesondere Fahrzeug-, Fahrwegs- und/oder Fahrleitungsdaten, auswertbar sind. Die Analyse von diesen Daten können Problemstellen identifizieren und Entgleisungsrisiken, z. B. in Abhängigkeit der Fahrzeuggeschwindigkeit, ermittelt werden. Schließlich können standardisierte Gegenmaßnahmen programmiert und bei Bedarf abgerufen werden. Die ausgewerteten Daten können dann insbesondere als Eingangssignale für die Ansteuerung der Stromabnehmerbewegungen herangezogen werden.
Gemäß einerweiteren Ausgestaltung ist vorgesehen, dass der Stromabnehmer derart ansteuerbar ist, dass auftretende Zentrifugalkräfte kompensierbar sind. Bei schnellen Kurvenfahrten wird der Stromabnehmer mit der Zentrifugalkraft zu dem Kurvenäußeren gedrückt, welche quadratisch mit der Geschwindigkeit ansteigt. Um einer drohenden Entgleisung entgegenwirken zu können, kann der Stromabnehmer bevorzugt derart angesteuert werden, dass diesen Zentrifugalkräften entgegengewirkt wird, um das Entgleisungsrisiko zu minimieren.
Insbesondere im Bereich von Kurvenfahrten hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn der Stromabnehmer in die Richtung des Kurveninneren drückbar ist. Auf diese Weise kann der nach außen gerichteten Kraftwirkung entgegenwirkt und ein Entgleisen verhindert werden.
In diesem Zusammenhang ist es von Vorteil, wenn zur Anpassung der Bewegungen des Stromabnehmers an die Fahrleitung der Stromabnehmer aktiv mitführbar und/oder
vordrückbar ist. Insbesondere kann bei Fahrleitungen mit großen Richtungsänderungen, z. B. Weichen, der Stromabnehmer aktiv mitgeführt und/oder vorgedrückt werden, damit die Bewegungen des Stromabnehmers optimal an die Fahrleitung angepasst sind. Zudem können auch Flöhenunterschiede der Fahrleitungsaufhängung, wie dies beispielsweise bei Brücken oder Unterführungen der Fall sein kann, durch eine aktive und insbesondere vertikale Stromabnehmersteuerung unterstützt werden.
Schließlich ist es von Vorteil, wenn zum Ausgleich von Flöhenunterschieden zwischen dem Fahrzeug und der Fahrleitung die Stromabnehmerbewegungen in vertikaler Richtung steuerbar sind. Alternativ oder zusätzlich kann auch beim Durchfahren einer Weiche, beispielsweise die Richtungsänderung der horizontalen Winkel des Stromabnehmers, mit dem Lenkeinschlag der Vorderräder des Fahrzeugs auf Plausibilität geprüft werden. Eine falsch gestellte Weiche könnte auf diese Weise frühzeitig erkannt und dem Fahrer eine automatische Abdrahtung vorgeschlagen werden. Auf diese Weise kann zuverlässig Entgleisungen oder Problemstellen entgegengewirkt werden.
Ferner bevorzugt ist, wenn die Andruckkraft zwischen dem Stromabnehmer, und insbesondere dem Stromabnehmerkopf des Stromabnehmers, und dem Fahrdraht während der Fahrt einstellbar ist. Insbesondere durch die vertikale Ansteuerbarkeit der Stromabnehmerstangen kann die Andruckkraft, mit welcher der Stromabnehmerkopf des Stromabnehmers gegen den Fahrdraht gedrückt wird variiert werden. So kann beispielsweise an kritischen Stellen mit höherer Andruckkraft und/oder an unkritischen Stellen mit geringerer Andruckkraft gefahren werden. Auf diese Weise kann die Andruckkraft immer auf den lokal notwendigen Wert eingestellt und der durch die Andruckkraft entstehende Verschleiß am Stromabnehmerkopf und am Fahrdraht minimiert werden.
Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass der Stromabnehmer, insbesondere zum Ausgleich von Positionsfehlern, durch den Fahrer manuell vorpositionierbar ist. So kann beispielsweise dann, wenn das Fahrzeug eine inkorrekte Position aufweist, also beispielsweise zu weit vom Bordstein geparkt hat oder
die Straßenlage eine korrekte Positionierung aufgrund der Wetterlage nicht zulässt, diese Fehlstellung ausgeglichen und insbesondere bei der Ansteuerung des Stromabnehmers berücksichtigt werden. Es ist somit in solchen Fällen nicht mehr erforderlich, eine manuelle Andrahtung vorzunehmen. Vielmehr kann der Fahrer die inkorrekte Position des Fahrzeugs durch eine automatische Vorpositionierung und aktive Steuerung des Stromabnehmers kompensieren. Besonders bevorzugt kann der Stromabnehmer zum Andrahten mit Hilfe eines Trichters auf der Fahrleitung vorpositionierbar sein.
Besonders bevorzugt ist in diesem Zusammenhang, wenn die Position des Stromabnehmers in vordefinierten Auslenkungsschritten vorpositionierbar ist. Der Stromabnehmer kann auf diese Weise entweder automatisch durch die Steuereinheit oder vom Fahrer manuell stufenlos oder in vordefinierten Auslenkungen, insbesondere seitlich, ausgelenkt werden. Auf diese Weise kann eine Vorpositionierung in Schritten beispielsweise von 25 cm, d. h. besonders bevorzugt von 25 cm, 50 cm, 75 cm und/oder 100 cm, ausgelenkt werden. Besonders bevorzugt ist, wenn für den Rechtsverkehr Auslenkungen des Stromabnehmers nach rechts und für Länder mit Linksverkehr Auslenkungen nach links des Stromabnehmers durchgeführt werden können. Alternativ oder zusätzlich kann die Fahrleitungsposition ermittelt werden, so dass eine zu weite Auslenkung des Stromabnehmers begrenzt wird und so ein Verkanten des Stromabnehmerkopfes, etwa im Trichter, verhindert werden kann. Beim trichterlosen Eindrahten, insbesondere mittels eines Führungsbügels am Stromabnehmerkopf, kann der Stromabnehmerkopf des Stromabnehmers in Richtung der Fahrleitung ausgerichtet werden, bevor die Andrahtung erfolgt. Auf diese Weise kann ein größerer Arbeitsbereich realisiert werden.
Es ist ferner von Vorteil, wenn die Fahrleitungsposition mittels Sensoren ermittelbar und der Stromabnehmer entsprechend vorpositionierbar ist. Insbesondere können diese Daten einerseits der Steuereinheit und anderseits dem Busfahrer zur Verfügung gestellt werden. Der Busfahrer kann diese Informationen erhalten und insbesondere, beispielsweise über einen Knopfdruck, diesen Vorschlag zur Vorpositionierung bestätigen oder die Positionierung korrigieren. Auf diese Weise kann der Andrahtvorgang zusätzlich vereinfacht werden.
Gemäß einerweiteren bevorzugten Ausgestaltung ist die Fahrleitungshöhe in Relation zur Position, insbesondere kontinuierlich, messbar und in der Steuereinheit abspeicherbar. Auf diese Weise ist die Position der Fahrleitung zu jedem Zeitpunkt bekannt und kann entsprechend für die Steuerung des Stromabnehmers verwendet werden. Insoweit kann ein vollautomatisches Andrahten auch ohne Trichter problemlos erfolgen.
Besonders bevorzugt kann die Fahrleitungsposition und/oder -ausrichtung mittels Sensoren für die Messung der Winkel der Stromabnehmerstangen und/oder einer Seiltrommeldrehzahlerfassung ermittelbar sein. Insbesondere können zur Ermittlung der Fahrleitungsposition und/oder -ausrichtung bereits vorhandene Winkelsensoren für die vertikale und/oder horizontale Auslenkung des Stromabnehmers herangezogen werden. Alternativ oder zusätzlich kann die Detektion der Position der Fahrleitung auch durch vorab gemessene und/oder abgespeicherte Daten im Hinblick auf die Fahrleitungshöhe erfolgen. Insbesondere kann die Datenerfassung und/oder -abspeicherung in Abhängigkeit von der Position erfolgen.
Ferner vorteilhaft ist, wenn die Fahrleitungshöhe in Abhängigkeit der Temperatur ermittelbar und abspeicherbar ist. Auf diese Weise können die Faktoren, welche die Fahrleitungshöhe beeinflussen und somit auch der An- und/oder Abdrahtvorgang bei der Ansteuerung der Stromabnehmer berücksichtigt werden. Auf diese Weise kann ein zuverlässiges Andrahten an jeder Position unter Vernachlässigung von äußeren Einflüssen erfolgen. Durch Temperaturschwankungen auftretende Flöhenunterschiede können auf diese Weise ausgeglichen werden.
Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass die Fahrleitungshöhe in Abhängigkeit davon ermittelbar und abspeicherbar ist, ob der Stromabnehmer angedrahtet ist und mit einer Andruckkraft an den Fahrdraht gedrückt wird. Durch die Kenntnis dieser Abhängigkeit kann ermittelt werden, ob die Fahrleitungshöhe generell dieser Flöhe entspricht oder ob diese, beispielsweise durch den Stromabnehmer, nach oben gehalten wird. Dies kann dann beim automatischen Andrahten ebenfalls berücksichtig werden. Insbesondere können so nicht unerhebliche Flöhenvarianzen,
welche durch den Stromabnehmer selbst hervorgerufen werden, ausgeglichen werden. Besonders bevorzugt kann ein Korrekturfaktor ermittelt und abgespeichert werden, welche den Stromabnehmerzustand berücksichtigt. Besonders vorteilhaft kann als Korrekturfaktor der Quotient aus dem Unterschied der Winkel im angedrahteten Zustand und nicht angedrahteten Zustand genutzt werden. Auch sich ausgleichende Effekte können berücksichtigt werden.
Darüber hinaus kann die Aufhängungshöhe der Fahrleitung auf einer Linie variieren. Aufgrund dessen kann vorgesehen sein, dass Höhenänderungen im Verhältnis zur Position und insbesondere im Hinblick auf die Positionsgenauigkeit betrachtet und berücksichtigt werden. Hieraus können insbesondere Höhenvarianzen ermittelt werden.
Ferner vorteilhaft ist, wenn der An- und/oder Abdrahtvorgang positionsgesteuert und/oder manuell einleitbar ist. Insoweit kann der An- und/oder Abdrahtvorgang insbesondere an Positionen erfolgen, welche hierfür geeignet sind. Dies können beispielsweise Weichen, Übergänge von Fahrleitungen oder Übergänge zu fahrleitungsfreien Bereichen sein. Auch beispielsweise bei Überholvorgängen oder mehrspurigen Fahrspuren kann ein automatische An- und/oder Abdrahtvorgang erfolgen.
Ferner vorteilhaft ist, wenn über einen Kontrollstrom ermittelbar ist, ob der Andrahtvorgang erfolgreich abgeschlossen ist. Insbesondere kann festgestellt werden, ob der Stromabnehmerkopf des Stromabnehmers in korrektem Kontakt mit der Fahrleitung gelangt ist und so Energie über die Fahrleitung aufgenommen werden kann. Alternativ oder zusätzlich kann eine korrekte Kontaktierung, beispielsweise auch über Sensoren, ermittelt werden.
Schließlich sieht eine weitere Ausgestaltung der Erfindung vor, dass die Fahrzeugposition und/oder -ausrichtung mittels in der Fahrbahn angeordneter Magnete und am Fahrzeug angeordneten Magnetsensoren ermittelbar ist. Auf diese Weise kann die Fahrzeugposition und/oder -ausrichtung zuverlässig in Relation zu der Fahrzeugumgebung detektiert und abgespeichert werden. Es ist insoweit möglich, die genaue Position und Ausrichtung des Fahrzeugs zu kennen und dies bei der aktiven
Steuerung der Stromabnehmerbewegungen zu berücksichtigen. Insbesondere kann eine kontaktlose und somit auch witterungsunabhängige Detektion erfolgen.
Besonders bevorzugt ist, wenn zur Ermittlung der Fahrzeugposition und/ oder - ausrichtung der Winkel zwischen dem Fahrzeug, insbesondere der Fahrzeugaußenseite, und dem Fahrbahnrand, insbesondere der Bordsteinkante, ermittelbar ist. Durch die Kenntnis des Winkels zwischen dem Fahrzeug und dem Fahrbahnrand können zusätzliche Informationen für die aktive Stangensteuerung gewonnen und dies insoweit bei der Stromabnehmersteuerung berücksichtigt werden.
Alternativ oder zusätzlich kann die Detektion der Fahrzeugposition und/ oder- ausrichtung auch mittels anderer Sensoren, wie beispielsweise Kameras, Laserscannern oder dergleichen, erfolgen, welche besonders bevorzugt am Fahrzeug oder am Fahrzeugrand angeordnet sein können. In diesem Zusammenhang ist es von Vorteil, wenn die Fahrzeugposition und/oder Ausrichtung mittels an einer Haltestelle angeordneter Sensoren, insbesondere mittels einer Kamera, ermittelbar ist.
Eine weitere Ausgestaltung sieht vor, dass der Stromabnehmer, insbesondere das obere Ende der Stromabnehmerstange des Stromabnehmers, eine Signalbeleuchtung aufweist, mittels welcher eine Stromabnehmerbewegung während des An- und/oder Abdrahtens anzeigbar ist. Auf diese Weise kann beispielsweise durch ein Blinken dem nachfolgenden Verkehr, wie beispielsweise Bussen wie auch Fahrzeugen mit hohen Aufbauten, visuell anzeigt werden, dass die Stromabnehmerstangen in Bewegung sind. Besonders bevorzugt kann so kenntlich gemacht werden, dass sich die Stangen vom Fahrdraht weg bewegen, etwa während des Abdrahtvorgangs, beziehungsweise sich zum Fahrdraht hin bewegen, etwa während des Andrahtvorgangs. Derart kann die Sicherheit weiter erhöht werden.
Des Weiteren kann die Signalbeleuchtung bei einem großen Ausstellwinkel der Stromabnehmerstangen (seitlicher Versatz zum Fahrdraht), sowie bei einer Entgleisung der Stromabnehmerstangen aktiviert werden.
Bei einem erfindungsgemäßen Verfahren der eingangs genannten Art wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass die Stromabnehmerbewegungen, insbesondere in horizontaler und/oder vertikaler Richtung, mittels eines Antriebs aktiv gesteuert werden.
Es ergeben sich die gleichen Vorteile, welche bereits im Zusammenhang mit dem Stromabnehmersystem beschrieben wurden. Dabei könnten sämtliche Merkmale allein oder in Kombination auch bei dem erfindungsgemäßen Verfahren Anwendung finden.
Eine bevorzugte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, dass zum automatischen An- und/oder Abdrahten die Positionen und/oder Ausrichtungen des Fahrzeugs und/oder der Fahrleitung ermittelt und in Abhängigkeit davon die Bewegungen des Stromabnehmers gesteuert werden. Auf diese Weise ist es möglich, ein automatisches An- und/oder Abdrahten an jeglicher Position und bei jeglicher Ausrichtung des Fahrzeugs unabhängig von der Fahrleitung durchzuführen. Es ist insoweit nicht erforderlich, eine Vielzahl von Trichtern oder dergleichen vorzusehen. Durch die aktive Steuerung der Bewegungen des Stromabnehmers kann eine dynamische Bewegung erreicht und damit ein zuverlässiger An- und/oder Abdrahtvorgang durchgeführt werden.
Besonders bevorzugt ist, dass im Falle einer Gefahrenstelle und/oder einer Gefahrensituation eine Warnung ausgegeben und/oder ein automatischer Abdrahtvorgang eingeleitet wird. Derart kann Beschädigungen und/oder Verletzungen, beispielsweise von sich in der Umgebung des Fahrzeugs aufhaltenden Personen, entgegengewirkt werden. Der Fahrer hat die Möglichkeit, in diesem Fall aktiv auf das Stromabnehmersystem einzuwirken und Problemen so entgegenzuwirken.
Auch die anhand des Verfahrens beschriebenen Merkmale können allein oder in Kombination bei dem Stromabnehmersystem Anwendung finden. Auch hier ergeben sich die bereits genannten Vorteile.
Nachfolgend soll das erfindungsgemäße Stromabnehmersystem anhand eines Ausführungsbeispiels näher beschrieben werden. Hierin zeigt:
Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Fahrzeugs mit einem
Stromabnehmersystem, und
Fig. 2a, b schematische Darstellungen eines Fahrzeugs in Draufsicht mit unterschiedlichen Ausrichtungen, und
Fig. 3a, b schematische Darstellungen eines Fahrzeugs und der Stromabnehmer mit und ohne Kneeling.
In der Fig. 1 ist in schematischer Ansicht ein Fahrzeug 1 mit einem erfindungsgemäßen Stromabnehmersystem 2 dargestellt, welches auf dem Dach 3 des Fahrzeugs 1 , vorzugsweise einem Oberleitungsbus, angeordnet ist. Über das Stromabnehmersystem 2 kann eine elektrische Verbindung zwischen dem Fahrzeug 1 und einer Fahrleitung 4 hergestellt werden.
Das Stromabnehmersystem 2 weist gemäß dem vorliegenden Ausführungsbeispiel zwei Stromabnehmer 5 auf, die schwenk- und drehbeweglich auf dem Dach 3 des Fahrzeugs 1 befestigt sind. Jeder Stromabnehmer 5 weist eine Stromabnehmerstange 6, einen Stromabnehmerkopf 7 sowie eine Aktorik 8, insbesondere einen Antrieb, für die Hub- und/oder Schwenkbewegungen der Stromabnehmer 5 auf. Die Stromabnehmerköpfe 6 sind nach Art von Schleifschuhen ausgebildet, an denen seitlich zur Erleichterung des Andrahtens der Stromabnehmerstangen 6 an die Fahrleitung 4 Leitvorrichtungen vorgesehen werden können.
Die Aktorik 8 umfasst eine den Stromabnehmer 5 betätigende Betätigungsvorrichtung, insbesondere eine hydraulische und/oder motorische und/oder pneumatische Betätigungsvorrichtung, welche beispielswese pneumatisch mittels eines Proportionalgliedes oder aber auch mit einem elektrischen Stellmotor betätigt werden kann. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel ist die Aktorik 8 und insbesondere die Betätigungsvorrichtung als eine Kombination aus pneumatisch wirkenden Zylindern und einem Federsystem ausgebildet. Als besonders vorteilhaft hat sich die Verwendung von einfach und/oder zweifach wirkenden Pneumatikzylindern erwiesen. Mit Hilfe einer
entsprechenden Aktorik 8 kann der Stromabnehmer 5 je nach Bedarf angehoben, abgesenkt oder verschwenkt werden. Alternativ oder zusätzlich können auch weitere Betätigungsvorrichtungen vorgesehen sein, beispielsweise um die horizontale und vertikale Bewegung des Stromabnehmers 5 voneinander zu entkoppeln.
Die Stromabnehmer 5, insbesondere die Stromabnehmerstangen 6, sind zum einen um eine vertikale Achse drehbar, um so eine Hubbewegung durchführen zu können. Zum anderen sind die Stromabnehmer 5, insbesondere die Stromabnehmerstangen 6, in horizontaler Richtung schwenkbar angeordnet, um so eine Schwenkbewegung durchführen zu können. Um diese Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, können die Stromabnehmer 5, beispielsweise mittels eines Gelenks mit dem Dach 3 des Fahrzeugs 1, verbunden sein. Insbesondere sind die Stromabnehmer 5 in horizontaler und vertikaler Richtung nacheinander oder gleichzeitig bewegbar. Die Bewegung erfolgt dabei über die Aktorik 8. So ist es zum einen beispielsweise möglich, dass zunächst eine Hubbewegung erfolgt, dann eine seitliche Schwenkbewegung und eine erneute Hubbewegung, um dann ein Andrücken an die Fahrleitung 4 zu erreichen. Alternativ oder zusätzlich können diese Bewegungen auch gleichzeitig durchgeführt werden, und die Stromabnehmer 5, beispielsweise entlang einer vorgegebenen Trajektorie, bewegt werden.
Zum automatischen An- und/oder Abdrahten des Stromabnehmersystems 2 können die Bewegungen der Stromabnehmer 5, insbesondere in horizontaler und/oder vertikaler Richtung, aktiv gesteuert werden. Auf diese Weise kann ein automatischer An- und/oder Abdrahtvorgang, unabhängig von der aktuellen Position des Fahrzeugs 1 und/oder der Fahrleitung 4, erfolgen. Hierzu ist eine Steuereinheit 9 vorgesehen, mittels welcher die Bewegungen der Stromabnehmer 5, insbesondere stufenlos, gesteuert werden.
In der Steuereinheit 9 können insbesondere Daten hinterlegt sein, welche Informationen über die Fahrzeugposition, die Fahrzeugausrichtung und/ oder Fahrleitungsposition und/oder -ausrichtung enthalten. Insbesondere können die in der Steuereinheit 9 hinterlegten Daten kontinuierlich ermittelt und abgespeichert werden. Darüber hinaus können in der Steuereinheit 9, beispielsweise auch Gefahrenstellen oder dergleichen,
hinterlegt sein, so dass bei Erreichen entsprechender Positionen P vorgegebene Aktionen durchführbar sind und beispielsweise ein automatischer Abdrahtvorgang eingeleitet werden kann. Anhand der so in der Steuereinheit 9 hinterlegten Daten kann überprüft werden, in welcher Relation die einzelnen Kennwerte zueinander stehen und daraus eine gezielte Bewegung der Stromabnehmer 5 hergeleitet werden.
Als aktiv steuerbar im Sinne der vorliegenden Erfindung können dabei insbesondere solche Stromabnehmersysteme 2 verstanden werden, bei welchen die Stromabnehmerbewegungen ausgehend von einem wissensbasierten System sowie ortspezifischen Daten und/oder Fehlerkompensationen entlang einer vorgegebenen Bewegungsbahn gesteuert werden können. Für die aktive Steuerung der Bewegungen der Stromabnehmer 5 kann insbesondere die Fahrleitungshöhe Fl an bestimmten Punkten im Fahrnetz, wie beispielsweise an Flaltestellenpositionen, initial und/oder kontinuierlich gemessen, der spezifischen Position P zugeordnet und in einer Datenbank gespeichert werden. Auf diese Weise können die so ermittelten Daten für weitere Andrahtvorgänge herangezogen und bei der aktiven Steuerung der Stromabnehmer 5 berücksichtigt werden. Derart sind eine präzise Ansteuerung und insbesondere ein präziser Andrahtvorgang möglich. Das Stromabnehmersystem 2 kann so eine gewisse Intelligenz aufweisen, welche zur aktiven Steuerung der Stromabnehmerbewegungen eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu bekannten passiv steuerbaren Stromabhnehmersystemen 2 kann eine gezielte Ansteuerung vorgenommen werden, wobei insbesondere einzelne Positionen P gezielt ansteuerbar und/oder anfahrbar sind. Die Genauigkeit kann so weiter erhöht und jede beliebige konkrete Position P angefahren werden.
Die Position und/oder Ausrichtung des Fahrzeugs 1 und/oder der Fahrleitung 4 ist mit Hilfe von Sensoren 10 ermittelbar. Flierzu können insbesondere Sensoren 10 vorgesehen sein, beispielswiese GPS-Sensoren, Sensoren 10 am Fahrzeug 1, Sensoren 10 in der Fahrzeugumgebung oder anderweitige Fahrzeuginformationen, wie beispielsweise Flaltestelleninformationen, mittels welcher die Position P und/oder Ausrichtung a des Fahrzeugs 1 und/ oder der Fahrleitung 4 möglich ist. Die Stromabnehmerbewegungen können dann in Abhängigkeit der ermittelten Positionen P
und/oder Ausrichtungen a des Fahrzeugs 1 und/oder der Fahrleitung 4 gesteuert werden.
Wie dies beispielhaft in den Fig. 2a und b dargestellt ist, kann beispielsweise über in der Fahrbahn angeordnete Magnete 11 und am Fahrzeug 1 angeordnete Magnetsensoren 10 oder aber auch durch beispielsweise Sensoren 10, wie Kameras oder dergleichen, an der Haltestelle die Position P und Ausrichtung a eines Fahrzeugs 1 ermittelt werden. Dies kann insbesondere auch für Anwendungen, wie fahrerloses Fahren, behilflich sein. Über die Magnete 11 und/oder die Sensoren 10 kann die Ausrichtung a des Fahrzeugs 1 und insbesondere der Winkel a zwischen Fahrzeug 1 und einer Bordsteinkante 12 ermittelt werden. Diese Informationen können dann bei der Steuerung der Bewegungen der Stromabnehmer 5 berücksichtigt und so ein sicherer Andrahtvorgang vorgenommen werden.
Wie dies ferner Fig. 3a und b zeigen kann, um auch weitere Ausrichtungen des Fahrzeugs 1 bei der Steuerung der Stromabnehmer 5 mit einzubeziehen, kann alternativ oder zusätzlich beispielsweise der Kippwinkel ß, welcher durch die Schräglage eines Fahrzeugs 1 entsteht, zur Kompensation ermittelt werden, um den Stromabnehmer 5 insbesondere senkrecht ausrichten zu können. Hält beispielsweise das Fahrzeug 1 an einer Bushaltestelle und geht in das sogenannte Kneeling über, kann die Stromabnehmerposition um den Kippwinkel ß korrigiert werden. Der Kippwinkel ß ist dabei insbesondere mittels eines Sensors 10 oder aber auch durch weitere Fahrzeuginformationen ermittelbar. Die Ansteuerung des Kippwinkels ß des Fahrzeugs 1 durch einen Fahrer kann dabei ferner als zusätzliches Nutzsignal zur Steuerung des Stromabnehmers 5 in der Steuereinheit 9 genutzt und einbezogen werden. Mittels des ermittelten und/oder durch den Fahrer vorgegebenen Kippwinkels ß wird ein Sollwert vorgegeben, welcher für die vertikale und/oder horizontale Auslenkung des Stromabnehmersystems 2 verwendbar ist, um so die Schräglage des Fahrzeugs 1 zu kompensieren. Insoweit ist der Stromabnehmer 5 im Allgemeinen vertikal in Richtung der Fahrleitung 4 führbar.
Um einen zuverlässiges Andrahten auch an unterschiedlichen Positionen des Fahrleitungsnetzes gewährleisten zu können, kann ferner die Fahrleitungshöhe Fl und
damit die Trichterhöhe, sofern ein solcher vorhanden ist, ermittelt und einer bestimmten Position P, insbesondere einer Haltestelle, zugeordnet werden. Die ermittelte Fahrleitungshöhe H kann ebenfalls mit Sensoren 10 detektiert und in der Steuereinheit 9 hinterlegt werden. Mittels der Steuereinheit 9 kann dann die Fahrleitungshöhe H mit der Fahrzeugposition P verglichen und daraus die Stromabnehmerposition ermittelt werden.
Um den Andrahtvorgang weiter zu vereinfachen und um ein ungewünscht hartes Andrahten zu vermeiden, sind die Stromabnehmer 5 zum Andrahten zusätzlich über die Stromabnehmersteuereinheit 9 vorpositionierbar. Insbesondere kann zur Vorpositionierung der Stromabnehmer 5 in einem ersten Schritt schnell beschleunigt und vor dem Erreichen der Endposition abgebremst werden. Für die Vorpositionierung kann eine dynamische Regelung zur schnellstmöglichen Erreichung der Fahrleitung 4 mit vorpositionierten Stromabnehmern 5 erreicht werden. Hierzu kann die Fahrleitungshöhe gemessen und insbesondere einer bestimmten Position P zugeordnet werden.
Zum Ausgleich von Positionsfehlern kann der Stromabnehmer 5 auch durch den Fahrer manuell vorpositioniert werden. Hierdurch bekommt der Fahrer die Möglichkeit, eine inkorrekte Position des Fahrzeugs 1, beispielsweise wenn dieser zu weit von der Bordsteinkante 12 entfernt ist oder er beispielsweise aufgrund von Witterungsverhältnissen nicht die ordnungsgemäße Position P einnehmen konnte, die Möglichkeit, eine Vorpositionierung der Stromabnehmer 5 zu kompensieren. Die Position der Stromabnehmer 5 kann hierfür in vordefinierten Auslenkungsschritten, beispielsweise in 25 cm Schritten, vorpositionierbar sein. Das heißt, der Busfahrer kann manuell stufenlos oder in vordefinierten Auslenkungen die Stromabnehmerposition verändern. So kann beispielsweise eine Vorpositionierung um 25 cm, 50 cm, 75 cm oder 100 cm seitlich erfolgen. Zusätzlich könnten durch Sensoren 10 eine Vorpositionierung errechnet und dem Busfahrer vorgeschlagen werden. Der Busfahrer könnte dann per Knopfdruck diesen Vorschlag bestätigen oder die Positionierung korrigieren.
Der Stromabnehmer 5 kann während der Fahrt und/oder in einer stehenden Position des Fahrzeugs 1 automatisch an- und/oder abgedrahtet werden. Um auch Probleme, wie beispielsweise Entgleisungen oder dergleichen, entgegenwirken zu können, kann die aktive Stromabnehmersteuerung ebenfalls eingesetzt werden. Anhand von in der Steuereinheit 9 hinterlegten Daten oder durch Sensoren 10 ermittelte Daten können, insbesondere mit Bezug auf das Fahrleitungsnetz, Problemstellen identifiziert und abgespeichert werden. So kann beispielsweise eine mögliche Entgleisung vorhergesehen und dementsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Flierzu können in der Steuereinheit 9 hinterlegte Daten ausgewertet werden. Die Analyse von diesen Daten können Problemstellen identifizieren und Entgleisungsrisiken, z. B. in Abhängigkeit der Fahrzeuggeschwindigkeit, ermittelt werden. Schließlich können standardisierte Gegenmaßnahmen programmiert werden. Insbesondere können zur Detektion von Gefahrenstellen in der Steuereinheit 9 hinterlegte Daten, insbesondere Fahrzeug-, Fahrwegs- und/oder Fahrleitungsdaten, ausgewertet werden.
Um auftretenden Zentrifugalkräften entgegenwirken zu können, sind die Stromabnehmer 5 ferner derart ansteuerbar, dass diesen Kräften entgegengewirkt werden kann. Dies kann beispielsweise bei schnellen Kurvenfahrten hilfreich sein. Denn dort werden die Stromabnehmer 5 mit der Zentrifugalkraft zu dem Kurvenäußeren gedrückt, welche quadratisch mit der Geschwindigkeit ansteigt. Um einer drohenden Entgleisung entgegenzuwirken, werden die Stromabnehmer 5 derart angesteuert, dass diese die Zentrifugalkräfte kompensieren, wobei die Stromabnehmer 5 mit der gleichen Kraft zum Kurveninneren gedrückt werden, wie die in Echtzeit errechnete Zen trifugalkraft. Wenn Kurvengeschwindigkeiten an speziellen Orten von den physikalischen Grenzen der Stromabnehmer 5 limitiert sind, können diese Grenzen mithilfe der Steuereinheit 9 ausgedehnt werden.
Alternativ oder zusätzlich können bei Fahrleitungen 4 mit großer Richtungsänderung, wie beispielsweise Weichen, die Bewegungen des Stromabnehmers 5 an die Fahrleitung 4 derart durchgeführt werden, dass der Stromabnehmer 5 aktiv mitgeführt und/oder vorgedrückt wird. Damit können die Bewegungen der Stromabnehmer 5 optimal der Fahrleitung 4 angepasst werden. Zum Ausgleich von Höhenunterschieden zwischen dem Fahrzeug 1 und der Fahrleitung 4 können die
Stromabnehmerbewegungen zusätzlich in vertikaler Richtung gesteuert werden. Steile Höhenunterschiede der Fahrleitungsaufhängung, wie dies beispielsweise bei Brücken oder Unterführungen der Fall ist, können durch die aktive vertikale Stromabnehmeransteuerung unterstützt werden.
Falls das aktive Regeln der Stromabnehmer 5 eine Entgleisung nicht verhindern kann, kann eine frühe Warnung an den Busfahrer gesendet werden. Bei dem Durchfahren einer Weiche könnte durch die Steuereinheit 9 beispielsweise die Richtungsänderung der horizontalen Winkel der Stromabnehmer 5 mit dem Lenkeinschlag der Vorderräder des Fahrzeugs 1 auf Plausibilität geprüft werden. Eine falsch gestellte Weiche könnte so frühzeitig erkannt und dem Busfahrer eine automatische Abdrahtung vorgeschlagen werden. Alternativ dazu könnte auch eine automatische Abdrahtung eingeleitet werden.
Um ferner ein vollautomatisches Andrahten an jedweder Position ermöglichen zu können, kann die Fahrleitungshöhe in Relation zur Position P insbesondere kontinuierlich gemessen und in der Steuereinheit 9 abgespeichert werden. Die Fahrleitungsposition und/oder -ausrichtung kann insbesondere mittels Winkelsensoren 10 und/oder einer Seiltrommeldrehzahlerfassung ermittelt werden. Da sich die Fahrleitung 4 bei hohen Temperaturen ausdehnen und somit mehr durchhängen können, können hierdurch nennenswerte Höhenunterschiede der Fahrleitungen 4 resultieren. Insoweit ist zusätzlich vorgesehen, dass die Fahrleitungshöhe in Abhängigkeit der Außentemperatur abgespeichert wird. Zudem kann durch die kontinuierliche Messung der Fahrleitung 4 im Fahrgastbetrieb die gespeicherte Fahr leitungshöhe ständig aktualisiert werden. Da auch die Aufhängungshöhen der Fahrleitung 4 auf einer Linie variieren können, können die Höhenänderungen im Verhältnis zu der GPS-Genauigkeit betrachtet und die Höhenvarianzen ermittelt und abgespeichert werden. Da sich auch die Stromabnehmer 5 im angedrahteten Zustand nicht unerheblich durchbiegen, ist davon auszugehen, dass der gemessene Winkel des Winkelsensors eine unterschiedliche Höhe des Stromabnehmerkopfs 7 repräsentiert, wenn die Andrahtung erfolgt ist oder nicht. Durch die kontinuierliche Messung der Fahrleitung 4 kann berücksichtigt werden, ob der Stromabnehmerkopf 7 angedrahtet, die Stange 6 durchgebogen und die Fahrleitung 4 nach oben gedrückt wird. Eine Korrektur in der Zuordnung des Winkels zur Fahrleitungshöhe kann erfolgen. Weiterhin
kann die Fahrleitungshöhe auch manuell gemessen werden bzw. der Sollwert des Winkels des vertikalen Winkelsensors 10 für die geeignete Höhe des Stromabnehmerkopfes 7 beim Andrahten ermittelt werden. Schließlich kann der Unterschied der Winkel im angedrahteten Zustand und nicht angedrahteten Zustand gemessen und z. B. dessen Quotient als Korrekturfaktor genutzt werden. Die Länge des Führungsbügels des Stromabnehmerkopfs 7 kann ferner ermittelt werden, um Höhenvarianzen abzudecken.
Der Andrahtvorgang kann bevorzugt sowohl während des fahrenden Betriebs als auch stehend durchgeführt werden. Insbesondere bei einem stehenden Andrahten kann das Andrahten bereits fahrend vorbereitet werden, indem die Stromabnehmer 5 heruntergedrückt werden. Erst im Stehen werden die Stromabnehmer 5 dann angehoben. Mittels des vorgeschriebenen automatischen An- und Abdrahtvorgangs durch eine aktive Stromabnehmersteuerung kann ein automatisches An- und Abdrahten sowohl während der Fahrt als auch stehend erfolgen. Zudem kann der automatische An- und/oder Abdrahtvorgang an jedweder Position durchgeführt werden. Es ist somit nicht mehr erforderlich, manuelle An- oder Abdrahtvorgänge vorzunehmen oder diese auf eine Position, an welcher ein Trichter vorgesehen ist, zu beschränken.
BEZUGSZEICHENLISTE
I Fahrzeug 2 Stromabnehmersystem
3 Fahrzeugdach
4 Fahrleitung
5 Stromabnehmer
6 Stromabnehmerstange 7 Stromabnehmerkopf
8 Aktorik
9 Steuereinheit
10 Sensor
I I Magnete 12 Bordsteinkannte
P Position
H Fahrleitungshöhe a Ausrichtung ß Kippwinkel