Gießkern für Gießformen sowie Verfahren zu dessen Herstellung
Die vorliegende Erfindung betrifft einen Gießkern für Gießformen, wobei der Gießkern eine Kernseele und einen um die Kernseele herum angeordneten Kernmantel umfasst. Der Kernmantel enthält mit einem Binder gebundene
Keramik-Partikel oder besteht hieraus. Die Kernseele enthält mit einem Binder gebundene Keramik-Partikel oder besteht hieraus, wobei die Keramik-Partikel der Kernseele
mindestens eine Komponente, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C eine thermisch induzierte Phasen umwandlung aufweist, und/oder
mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffi zienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterscheiden, enthalten oder daraus bestehen. Die vorliegende Erfindung betrifft zudem ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Gießkerns sowie die Ver wendung des erfindungsgemäßen Gießkerns.
Gießkerne bzw. Kerne werden beim Gießen von Bauteilen in Formen einge setzt, um im späteren Bauteil vorgesehene Hohlräume, Kanäle oder
Hinterschnitte zu erzeugen. Hierfür müssen die Gießkerne die notwendige Festigkeit besitzen und während des Gießprozesses formstabil bleiben. Ein Infiltrieren der Kerne mit Schmelze, Brechen, Verformen oder Ausgasen beim Gießen mit erhöhtem Druck muss ausgeschlossen sein. Um eine gute Guss oberfläche zu erhalten, werden zusätzliche Anforderungen an den Kernwerk stoff gestellt. Hier ist eine möglichst geringe Benetzung zwischen Schmelze und Kern und eine glatte, chemisch geeignete Oberfläche vorteilhaft. Weiter hin ist es notwendig, dass bei Kernen zur Herstellung einer komplexen inneren Geometrie eine einfache Zerstörbarkeit gegeben ist. Dazu ist eine gute Zer fallsfähigkeit vorteilhaft, um die Entfernung des Kernmaterials nach dem Guss aus dem Bauteil sicherzustellen.
Zur Herstellung von Kernen werden üblicherweise feuerfeste Füllstoffe bzw. keramische Partikel (z.B. Quarzsand, Zirkonsand, Aluminosilikate) mit organi schen oder anorganischen Bindern in die benötigte Form gebracht. Dies kann durch Pressen, Kernschießen oder Gießen geschehen. Bei organischen Bin dern kann z.B. im„cold-box" Verfahren eine Härtung durch eine Reaktion mit einer zugeführten gasförmigen Komponente erreicht werden. Bei„hot-box" Verfahren kann durch einen Wärmeeintrag eine Reaktion der Binderkompo nenten (z.B. auf Basis von Phenol- oder Furanharzen) ermöglicht werden. An organische Binder auf Basis von Alkaliwasserglas können durch Einleitung von C02 in den Formkörper verfestigt werden. Weitere Möglichkeiten bieten selbsthärtende Binder auf Basis von Phosphat, Gips, Zement oder Silika. Die thermische Zersetzung der organischen Binder während des Gießvorgangs schwächt das Kerngefüge und ermöglicht das Entfernen des Kernmaterials aus dem Gussstück, ist aber auch mit der Emission von umweltschädlichen Gasen verbunden. Bei dickwandigen Bauteilen kann es Vorkommen, dass die einge tragene Wärme nicht ausreicht, um den Binder im Kerninneren ausreichend für eine leichte Entformung zu zersetzen. Die Gasentwicklung kann auch für den Gießprozess problematisch sein. Die gebrauchten Kernsande können in der Regel nicht wiederverwendet werden und müssen als Sondermüll ent sorgt werden. Bei anorganischen Bindersystemen ist die Entformbarkeit nach dem Guss kritischer, da eine Schwächung des Materialzusammenhalts durch
eine thermische Zersetzung der Binderphase nicht stattfindet. Zudem können hohe Temperaturen zu einer beginnenden Versinterung führen und hierdurch die spätere Entkernung erschweren.
Ausgehend hiervon war es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung einen Gießkern anzugeben, der einerseits während dem Gießprozess formstabil bleibt und andererseits nach dem Gießprozess auf einfache Weise aus dem gegossenen Bauteil entfernt werden kann.
Diese Aufgabe wird bezüglich eines Gießkerns mit den Merkmalen des Pa tentanspruchs 1 und bezüglich eines Verfahrens zur Herstellung eines solchen Gießkerns mit den Merkmalen des Patentanspruchs 11 gelöst. Patentan spruch 14 gibt Verwendungsmöglichkeiten des erfindungsgemäßen Gießkerns an. Die jeweilig abhängigen Patentansprüche stellen dabei vorteilhafte Wei terbildungen dar.
Erfindungsgemäß wird somit ein Gießkern für Gießformen angegeben, der eine Kernseele und einen um die Kernseele herum angeordneten Kernmantel umfasst. Der Kernmantel enthält mit einem Binder gebundene Keramik- Partikel oder besteht hieraus. Die Kernseele enthält mit einem Binder gebun dene Keramik-Partikel oder besteht hieraus, wobei die Keramik-Partikel der Kernseele
mindestens eine Komponente, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C, bevorzugt von 150 °C bis 1000 °C, besonders bevorzugt von 200 °C bis 600 °C, eine thermisch indu zierte Phasenumwandlung aufweist, und/oder
mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffi zienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1, bevorzugt um mindestens 8 · 10 6 K 1, besonders bevorzugt um mindestens 11 · 10 6 K 1, unterscheiden,
enthalten oder daraus bestehen.
Der Wärmeausdehnungskoeffizient bzw. die Wärmeausdehnungskoeffizien ten können bestimmt werden gemäß DIN 51045. Auch alle anderen in dieser Patentanmeldung angegebenen Wärmeausdehnungskoeffizienten können auf
diese Weise bestimmt werden.
Der erfindungsgemäße Gießkern umfasst vorteilhafterweise mehrere Teile, nämlich einen inneren Teil, die Kernseele, und einen äußeren Teile, den Kernmantel. Durch diesen Kernaufbau mit einem Kernmantel, der mit der Schmelze in Kontakt steht, und einer Kernseele, ist der erfindungsgemäße Gießkern optimal an die unterschiedlichen Anforderungen während und nach einem Gießprozess angepasst.
Die Anwesenheit
mindestens einer Komponente, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C eine thermisch induzierte Phasen umwandlung aufweist, und/oder
von mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungs koeffizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterschei den,
in der Kernseele führt dazu, dass die Kernseele durch thermische Belastung destabilisiert werden kann, wodurch die Entfernung des Gusskerns aus dem Gussstück vereinfacht wird. Durch den Wärmeeintrag beim Gießprozess, wel cher, z.B. bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C liegt, durchläuft die mindestens eine Komponente, die bei einer Tempe ratur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C eine thermisch indu zierte Phasenumwandlung aufweist, einen Phasenumwandlung und ändert dadurch sprunghaft ihr Volumen (Volumensprung), und/oder
dehnen sich die mindestens zwei Komponenten, deren Wär meausdehnungskoeffizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterscheiden, unterschiedlich stark aus.
Durch den Volumensprung der mindestens einen genannten Komponente und/oder das unterschiedliche Ausdehnen der mindestens zwei genannten Komponenten wird der Materialzusammenhalt der Kernseele geschwächt und damit eine Entfernung des Gießkerns vereinfacht. Mit anderen Worten ent stehen an den Stellen, an denen es zu Volumenänderungen durch den Wär-
meeintrag kommt, Lücken bzw. Hohlräume, weswegen die Kernseele porös bzw. instabil wird. Diese Instabilität vereinfacht dann die Entfernung des Gießkerns. Da die mindestens eine Komponente mit der Phasenumwandlung bzw. die mindestens zwei Komponenten mit den unterschiedlichen Wär meausdehnungskoeffizienten aber lediglich in der Kernseele und nicht im Kernmantel angeordnet sind weist der Kernmantels bzw. der Gießkern eine dichte und mechanisch feste Oberfläche auf, die für den Kontakt mit der Schmelze im Gießprozess geeignet ist, weswegen der Gießkern während dem Gießprozess formstabil bleibt.
Durch den Kernaufbau aus einem Mantel, der im Gießprozess mit der Schmel ze in Kontakt steht, und einer Kernseele, kann die Funktionalität der Material zusammensetzung in den unterschiedlichen Kernbereichen den gegenläufigen Anforderungen angepasst werden. So können im Mantel Füllstoffe bzw. ke ramische Partikel eingesetzt werden, die eine geringe Wechselwirkung mit der Schmelze aufweisen. In dieser Mantelschicht kann auch eine geringere Porosi tät und ein höhere mechanische Festigkeit vorgesehen werden. Die thermi schen Eigenschaften können durch die verwendeten Füllstoffe bzw. kerami schen Partikel im Kernmantel so gewählt werden, dass je nach Gusstempera tur und eingetragener Wärmemenge eine zeitlich versetzte Destabilisierung der Kernseele erfolgt. Durch diese Entkopplung kann eine hohe Prozesssi cherheit und gute Gussqualität erreicht werden. Bei Verzicht auf organische Binder ist eine teilweise Wiederverwendbarkeit oder problemlose Entsorgung gewährleistet.
Vorzugsweise bestehen die Keramik-Partikel der Kernseele aus
mindestens einer Komponente, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C eine thermisch induzierte Phasen umwandlung aufweist, und/oder
mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffi zienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterscheiden.
Vorzugsweise ist im Kernmantel des Gießkerns keine Komponente enthalten, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C, bevorzugt von 150 °C bis 1000 °C, besonders bevorzugt von 200 °C bis 600 °C, eine ther-
misch induzierte Phasenumwandlung aufweist.
Vorzugsweise sind im Kernmantel des Gießkerns nicht zwei Komponenten enthalten, deren Wärmeausdehnungskoeffizienten bei 20 °C sich um mindes tens 5 · 10 6 K 1, bevorzugt um mindestens 8 · 10 6 K 1, besonders bevorzugt um mindestens 11 · 10 6 K 1, unterscheiden.
Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns zeichnet sich dadurch aus, dass die Keramik-Partikel des Kernmantels ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Zirkonsand-Partikeln, Aluminosilikat-Partikeln, Mullit-Partikeln, anorganischen Hohlkügelchen, Aluminiumoxid-Partikeln und Mischungen hiervon.
Durch die Wahl der verwendeten Füllstoffe bzw. Keramik-Partikel im Kern mantel können die thermischen Eigenschaften so beeinflusst werden, dass je nach Gusstemperatur und eingetragener Wärmemenge eine zeitlich versetzte Destabilisierung der Kernseele erfolgt. Somit kann auf diese Weise über die thermischen Eigenschaften des Kernmantels die Geschwindigkeit des Tempe raturanstiegs in der Kernseele und damit der Beginn der Zerstörung des Mate rialzusammenhalts in der Kernseele eingestellt werden. Damit wird eine er höhte Druckfestigkeit des Gießkerns während der Formfüllung gewährleistet und nach ausreichendem Wärmeeintrag in die Kerne eine Destabilisierung des Kerns erzeugt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns weisen die Keramik-Partikel des Kernmantels und/oder die Kera mik-Partikel der Kernseele einen mittleren Partikeldurchmesser von 0,5 pm bis 500 pm auf. Der mittlere Partikeldurchmesser kann bestimmt werden mit tels Laserbeugung.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass der Binder des Kernmantels und/oder der Binder der Kernseele ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus
anorganischen Bindern, vorzugsweise Silicatbindern, z.B.
Silicasolen und Wasserglas, Phosphatbindern, Gips, Zement,
organischen Bindern, vorzugsweise Kunststoff harzen, z.B. Phenol harzen und Furanharzen, Proteinbindern, und
Mischungen hiervon.
Weiterhin ist es bevorzugt dass die mindestens eine Komponente, die bei ei ner Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C einen thermisch in duzierten Phasenübergang aufweist, ausgewählt ist aus der Gruppe beste hend aus Quarz, Cristobalit und Mischungen hiervon.
Bei Cristobalit findet eine Umwandlung von tetragonalem a-Cristobalit (Tiefcristobalit) in kubischen ß-Cristobalit (Hochcristobalit) im Temperaturbe reich von etwa 240-275 °C statt. Bei Quarz findet eine Umwandlung von Tief quarz in Hochquarz bei etwa 573 °C statt.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns zeichnet sich dadurch aus, dass die mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterscheiden, ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus amorphem Siliciumdioxid, Cordierit, Forsterit, Magnesiumoxid und Mischungen hiervon.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns ist dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1 unterscheiden, mindestens eine erste Komponente mit einem Wärmeaus dehnungskoeffizient in einem Bereich von 0,5 · 10 6 K 1 bis 4,0 · 10 6 K 1 und mindestens eine zweite Komponente mit einem Wärmeausdehnungskoeffi zienten in einem Bereich von 9,0 · 10 6 K 1 bis 13,0 · 10 6 K 1 umfassen.
Hierbei ist bevorzugt, dass die mindestens eine erste Komponente ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus amorphem Siliciumdioxid, Cordierit und Mischungen hiervon und/oder die mindestens eine zweite Komponente aus gewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Forsterit, Magnesiumoxid und Mi schungen hiervon.
Vorzugsweise sind die mindestens eine erste Komponente und die mindestens eine zweite Komponente zu gleichen Anteilen (z.B. volumenprozentualen An-
teilen) in der Kernseele enthalten.
Bevorzugt werden als Füllstoff bzw. Komponente mit niedriger thermischer Ausdehnung amorphes Siliciumdioxid (Mittlerer linearer Wärmeausdeh nungskoeffizient 0,5 bis 0,9 · 10 6 K 1) und Cordierit (Magnesium- Aluminiumsilikat, mittlerer linearer Wärmeausdehnungskoeffizient 2 bis 4 · 10 6 K 1) gewählt. Als Füllstoff bzw. Komponente mit hoher thermischer Aus dehnung wird bevorzugt Forsterit (Magnesiumsilikat, mittlerer linearer Wär meausdehnungskoeffizient 9 bis 11 · 10 6 K _1) und, vorzugsweise für wasser freie Bindersysteme, auch Magnesiumoxid (mittlerer linearer Wärmeausdeh nungskoeffizient 12 bis 13 · 10 6 K 1) gewählt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns weisen der Kernmantel und die Kernseele Poren mit einer mittleren Porengröße von 1 pm bis 50 pm auf, wobei der Kernmantel eine geringere Porosität als die Kernseele aufweist. Die mittlere Porengröße und/oder die Porosität können bestimmt werden mittels Quecksilberporosimetrie.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform zeichnet sich dadurch aus, dass der Kernmantel eine Dicke von 3 mm bis 15 mm, bevorzugt von 3 mm bis 10 mm, besonders bevorzugt von 3 mm bis 7 mm, aufweist. Über die Dicke des Kern mantels kann die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs in der Kernseele und damit der Beginn der Zerstörung des Materialzusammenhalts in der Kern seele eingestellt werden. Damit wird eine erhöhte Druckfestigkeit des Kerns während der Formfüllung gewährleistet und nach ausreichendem Wärmeein trag in die Kerne eine Destabilisierung des Kerns erzeugt.
Weiterhin ist bevorzugt, dass die Kernseele einen Durchmesser von 5 mm bis 100 mm, bevorzugt von 10 mm bis 100 mm, besonders bevorzugt von 15 mm bis 100 mm, aufweist.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Gießkerns, bei welchem
eine erste wässrige, keramische Suspension, die Keramik-Partikel, einen Bin der und Wasser umfasst, hergestellt wird,
eine zweite wässrige, keramische Suspension, die Keramik-Partikel, einen Bin-
der und Wasser umfasst, hergestellt wird,
die erste wässrige, keramische Suspension zur Kernseele des Gießkerns ver festigt und danach getrocknet wird,
die zweite wässrige, keramische Suspension zum Kernmantel des Gießkerns verfestigt und danach getrocknet wird,
wobei die Keramik-Partikel der ersten wässrigen, keramischen Suspension mindestens eine Komponente, die bei einer Temperatur in einem Bereich von 100 °C bis 1500 °C, bevorzugt von 150 °C bis 1000 °C, besonders bevorzugt von 200 °C bis 600 °C, eine thermisch indu zierte Phasenumwandlung aufweist, und/oder
mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungskoeffi zienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1, bevorzugt um mindestens 8 · 10 6 K 1, besonders bevorzugt um mindestens 11 · 10 6 K 1, unterscheiden,
enthalten, und
wobei das Verfestigen und Trocknen der ersten wässrigen, keramischen Sus pension vor oder nach dem Verfestigen und Trocknen der zweiten wässrigen, keramischen Suspension erfolgt.
Das Verfestigen der ersten und/oder zweiten wässrigen, keramischen Suspen sion kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden und ist letztlich ab hängig vom in der Suspension verwendeten Binder. Bei organischen Bindern kann z.B. im„cold-box" Verfahren eine Härtung durch eine Reaktion mit einer zugeführten gasförmigen Komponente erreicht werden. Bei„hot-box" Verfah ren kann durch einen Wärmeeintrag eine Reaktion der Binderkomponenten (z.B. auf Basis von Phenol- oder Furanharzen) ermöglicht werden. Anorgani sche Binder auf Basis von Alkaliwasserglas können durch Einleitung von C02 in den Formkörper verfestigt werden. Binder auf Basis von Phosphat, Gips, Ze ment oder Silika sind selbsthärtend.
Das Trocknen der verfestigen ersten und/oder zweiten Suspension erfolgt vorzugsweise bei einer Temperatur von 50 °C bis 300 °C, besonders bevorzugt von 90 °C bis 200 °C, und/oder über ein Dauer von 0,1 bis 10 Stunden, bevor zugt von 0,5 bis 5 Stunden, besonders bevorzugt von 1 bis 3 Stunden. Das Trocknen kann über mehrere Schritte erfolgen, wobei beispielsweise im ers-
ten Trocknungsschritt einen niedrige Temperatur und im zweiten Trocknungs schritt eine höhere Temperatur gewählt wird.
Eine bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens zeichnet sich dadurch aus, dass
a) die erste wässrige, keramische Suspension, welche Keramik- Partikel, einen Binder und Wasser umfasst, in eine erste Gießform gegossen wird, die die negative Kontur der Kernseele des herzu stellenden Gießkerns aufweist, wobei die Keramik-Partikel
mindestens eine Komponente, die bei einer Temperatur in ei nem Bereich von 100 °C bis 1500 °C, bevorzugt von 150 °C bis 1000 °C, besonders bevorzugt von 200 °C bis 600 °C, eine ther misch induzierte Phasenumwandlung aufweist, und/oder mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungsko effizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1, bevorzugt um mindestens 8 · 10 6 K 1, besonders bevorzugt um mindes tens 11 · 10 6 K 1, unterscheiden,
enthalten,
b) die sich in der ersten Gießform befindende erste wässrige, kerami sche Suspension zur Kernseele des Gießkerns verfestigt wird, c) die Kernseele des Gießkerns aus der ersten Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird,
d) die getrocknete Kernseele des Gießkerns in eine zweite Gießform eingesetzt wird, die die negative Kontur des herzustellenden Gieß kerns aufweist, und anschließend die zweite wässrige, keramische Suspension, welche Keramik-Partikel, einen Binder und Wasser um fasst, in diese zweite Gießform gegossen wird,
e) die sich in der zweiten Gießform befindende zweite keramische Suspension zum Kernmantel des Gießkerns verfestigt wird, f) der die Kernseele und den Kernmantel umfassende Gießkern aus der zweiten Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird.
Eine weitere bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens ist da durch gekennzeichnet, dass
a) die zweite wässrige, keramische Suspension, welche Keramik- Partikel, einen Binder und Wasser umfasst, zum Kernmantel des Gießkerns verfestigt wird, wobei der Kernmantel einen Hohlraum für die Kernseele aufweist,
b) der Kernmantel des Gießkerns getrocknet wird,
c) der Hohlraum im Kernmantel des Gießkerns mit der ersten wässri gen, keramischen Suspension, welche Keramik-Partikel, einen Bin der und Wasser umfasst, gefüllt wird, wobei die Keramik-Partikel mindestens eine Komponente, die bei einer Temperatur in ei nem Bereich von 100 °C bis 1500 °C, bevorzugt von 150 °C bis 1000 °C, besonders bevorzugt von 200 °C bis 600 °C, eine ther misch induzierte Phasenumwandlung aufweist, und/oder mindestens zwei Komponenten, deren Wärmeausdehnungsko effizienten bei 20 °C sich um mindestens 5 · 10 6 K 1, bevorzugt um mindestens 8 · 10 6 K 1, besonders bevorzugt um mindes tens 11 · 10 6 K 1, unterscheiden,
enthalten,
d) die sich im Hohlraum des Kernmantels befindende erste wässrige, keramische Suspension zur Kernseele des Gießkerns verfestigt wird,
e) die sich im Hohlraum des Kernmantels befindende Kernseele des Gießkerns getrocknet wird.
Der Kernmantel kann in Schritt a) mit den üblichen/bekannten Verfahren gefertigt werden, wobei die Füllstoffzusammensetzung an das zu gießende Material angepasst werden kann.
Anhand der nachfolgenden Beispiele soll die vorliegende Erfindung näher er läutert werden, ohne diese auf die hier gezeigten spezifischen Ausführungs formen und Parameter zu beschränken.
Ausführungsbeispiel 1
Es wird ein anorganischer gebundener Kernmantel für die Anwendung im Aluminiumguss mit üblichen/bekannten Verfahren gefertigt, der einen Hohl raum für die Kernseele aufweist. Der Hohlraum wird mit einer Füllstoffmi schung aus 30 vol.% amorphen Si02 (mittlere Korngröße 75 pm), 30 vol.% Forsterit (mittlere Korngröße 90 pm) und 40 vol.% Cristobalit (Siebfraktion 63 pm) und silikatischen Binder befüllt und anschließend bis zu 200 °C getrock net.
Ausführungsbeispiel 2
Es wird eine wasserglasgebundene Kernseele mit folgender Füllstoffzusam mensetzung hergestellt: 25 vol.% Cordierit (mittlere Korngröße 250 pm), 25 vol% Forsterit (mittlere Korngröße 150 pm), 40 vol.% Quarzpulver (mittlere Korngröße 150 pm) und 10 vol.% Cristobalit (Siebfraktion 63 pm). Die geform te Kernseele wird ausgehärtet (C02), in eine Form mit der Geometrie des be nötigten Kerns eingelegt und mit einem anorganisch gebundenen Kernmantel umformt, verfestigt, ausgeformt und getrocknet.