Katalysatoren für die Herstellving von Isocvanuraten aus Isocvanaten
Die vorliegende Erfindving beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Isocyanuraten und Isocyanurat-haltigen Polyurethanen unter Verwendung von Isocyanaten in Gegenwart eines Katalysators, wobei der Katalysator das Produkt der Umsetzung einer Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure mit einer Alkalimetall- und/oder Erdalkalimetallbase umfasst.
Isocyanurate spielen eine wichtige Rolle in der Herstellung von Polyurethan-Schäumen. Sie können aus der Trimerisierung der in der Herstellung des Polyurethanschaums verwendeten Isocyanate hervorgehen und verleihen dem resultierenden Schaum vorteilhafte Eigenschaften, wie z.B. eine hohe Steifigkeit, eine hohe chemische Resistenz und insbesondere ein vorteilhaftes Brandverhalten.
Bei der Herstellung von Isocyanurat-haltigen Polyurethan-Schäumen aus Di- oder Polyisocyanaten und Di- oder Polyalkoholen spielen zwei Reaktionen eine wesentliche Rolle: die Urethanisierungsreaktion von je einer Isocyanat-Gruppe und einer Alkohol-Gruppe zu Urethan- Einheiten (im Folgenden auch austauschbar als Carbamat-Einheiten bezeichnet) und die Trimerisierungsreaktion von je drei Isocyanat-Gruppen zu Isocyanurat-Einheiten (im Folgenden auch austauschbar als Trimer-Einheiten bezeichnet).
Auf Grund der Exothermie der chemischen Umsetzung von Di- oder Polyisocyanaten und Di- oder Polyalkoholen während der adiabatischen oder polytropen Schaumbildung erhitzt sich der gebildete Schaum auf Temperaturen von bis zu 180 °C. Die Urethanisierungsreaktion setzt üblicherweise bereits bei moderaten Temperaturen in einer frühen Phase der Schaumbildung ein. Die außerdem wünschenswerte Bildung von Isocyanurat-Einheiten aus den eingesetzten Isocyanaten setzt typischerweise erst in einem höheren Temperatur-Bereich und damit zeitverzögert ein, wenn die Urethanisierungsreaktion bereits weitgehend abgelaufen ist. Infolge der fortschreitenden Polyurethanbildung steigt während der Schaumbildung die Viskosität des Schaums immer weiter an, so dass auf Grund der zunehmenden Inflexibilität des umgebenden Mediums das Aufeinandertreffen der verbleibenden Isocyanatgruppen zur Bildung von Isocyanuraten erschwert ist.
Ein besonderes Problem kann sich während der Polyurethan-Schaumbildung in den Randbereichen des Schaums ergeben. Diese weisen üblicherweise eine deutlich niedrigere Temperatur als der Schaumkern auf, da die Schaumränder in Kontakt mit der kühleren Umgebung bzw. in Produktionsanlagen mit kälteren Anlagenteilen sind. Bei den dort während der Schaumbildung herrschenden Temperaturen, die im Vergleich zum Schaumkern niedriger sind, wird ein geringerer Anteil an Isocyanurat-Einheiten gebildet. Infolgedessen wird ein inhomogener Schaum erhalten.
Für die gezielte Bildung von Isocyanurat-Einheiten im Polyurethan-Schaum werden häufig spezielle Katalysatoren, wie beispielsweise Kaliumacetat oder Kahum-2-ethylhexanoat, eingesetzt.
Methoden, um auch bei geringeren Temperaturen beziehungsweise in den Randbereichen des Polyurethan-Schaums eine vorteilhafte Konzentration an Isocyanurat-Strukturen zu erzielen, sind Gegenstand der Forschung. So beschreiben WO2010054311, WO2010054313, WO2010054315, WO2010054317 die Verwendung verschiedener Phosphor- bzw. Stickstoff-haltiger Katalysatoren, die für die Isocyanuratbildungsreaktion eine Aktivierungstemperatur von≤ 73°C aufweisen und die Ausbeute an Isocyanurat-Strukturen im Randbereich erhöhen sollen. Allerdings zeigen auch die hier verwendeten Katalysatoren einen deutlichen Abfall der Isocyanurat-Strukturen im Randbereich des Polyurethan-Schaums (z.B. WO2010054317 A2, Diagramm letzte Seite).
Die üblicherweise verwendeten Katalysatoren weisen bei Temperaturen unterhalb von 70 °C eine geringe Aktivität auf. Dies bedingt, dass bei der industriellen Herstellung von Isocyanurat-haltigen Polyurethan-Schäumen typischerweise möglichst hohe Verarbeitungstemperaturen erforderlich sind, um eine ausreichend hohe Bildungsgeschwindigkeit des Isocyanurat-haltigen Polyurethan- Schaums sowie einen ausreichenden Isocyanurat-Gehalt zu gewährleisten. Im Fall von Hartschaumstoff-Sandwich-Paneelen erfordert dieses eine hohe Temperatur des Doppeltransportbandes (Bandtemperatur), die häufig im Bereich von 70°C liegt. Eine hohe Bandtemperatur resultiert jedoch in einem erhöhten Energiebedarf zum Beheizen der Produktionsanlage. Bei der Suche nach neuen Isocyanurafbildungskatalysatoren sind schwefelhaltige Verbindungen im Zusammenhang mit PUR/PIR-Systemen bislang nur in bestimmten Aspekten beachtet worden. In vielen Fällen werden schwefelhaltige Verbindungen als Additive oder Reaktionskomponenten beschrieben. Beispielsweise werden in Applied Polymer Science (2014) 131(13), 40402/1- 40401/11 oder Progress in Organic Coatings (2009) 64(2-3), 238-246 Thiole zur Regulierung der Elastizität in vernetzten Urethanacrylaten oder Pentaerythritol-tetrakis(3-mercaptopropionat) und vergleichbare Verbindungen als Reaktanden für die Thiol-En- Addition beschrieben.
DE 2422647 AI beschreibt elementaren Schwefel als Flammschutzadditiv in Isocyanurat- Urethanschaummischungen.
Weiterhin werden im Stand der Technik schwefelhaltige Liganden für Zinn- und Bleikatalysatoren offenbart: Dibutylzinn-bis(ethoxybutyl-3-mercaptopropionat) (WO 2008/089163 AI), Dimethylzinn-bis(3-mercaptopropionat) (EP 0651017 AI), Dibutylzinnmercaptopropionat (EP 0075130 AI), Dimethylzinndilaurylmercaptid (WO 2009/143198 AI), Zinnsulfide und Zinnthiolate (US 6,613,865) sowie Triphenylbleithioacetat (US 3,474,075). Die US 4,173,692 A beschreibt Mischungen aus Carboxylaten, die auch Mercaptogruppen enthalten können, mit
Zinnkatalysatoren, jedoch sind die Mischungen auch Schwermetall-haltig und die Reaktionsgeschwindigkeit und Selektivität gegenüber der Trimer-Bildung für manche Anwendungen nicht ausreichend. Eine Mischung von Carboxylaten, Schwermetall- Verbindungen und speziellen Aminen wird in der WO 2013/117541 AI als Katalysatorsystem beschrieben. Es wird eine verbesserte Flammfestigkeit reklamiert, jedoch erfolgt die Verschäumung von einem Präpolymeren aus, was einen vorgelagerten Reaktionschritt erforderlich macht.
Eine schwermetallfreie schwefelhaltige Katalyse im PUR/PIR-Bereich wird in DD 121 461 A3 beschrieben. Diese Schrift betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Polyisocyanurat- Polycarbodiimid-Formstoffen einschließlich -Schaumstoffen mit erhöhter Temperaturbeständigkeit und Flammfestigkeit, deren carbodiimidgruppenhaltige Isocyanatpräpolymere als Zwischenprodukte lagerstabil sind, durch Umsetzung von Polyisocyanaten mit organischen sauerstoffhaltigen Schwefelverbindungen, die eine anteilige Bildung von Carbodiimidgruppen bewirken, und anschließende Trimerisierung. Als Carbodiimidgruppen bewirkender Katalysator wird Dialkylsulfid, Dialkylsulfat oder Dialkylsulfit verwendet. Die EP 0,476,337 AI beschreibt ein Schwermetall-freies Katalysatorsystem aus Carboxylaten und Trisdialkylaminoalkyl- hexahydrotriazinen. Dieses System ist jedoch schwefelfrei, was sich negativ auf die Flammfestigkeit auswirkt.
Es besteht weiterhin der Bedarf an verbesserten Herstellungsverfahren für PUR-/PIR-Schäume, welche weniger energieintensiv sind. Ein besonderes Augenmerk ist hierbei die Temperatur, bei der die Reaktion zum PUR-/PIR-Schaum durchgeführt wird. Weiterhin ist die Verbesserung des Brandverhaltens von PUR/PIR-Schäumen wünschenswert. Auch sollte der Katalysator bzw. das Katalysatorsystem frei von Schwermetallen, wie Zinn oder Blei, sein.
Die vorliegende Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zur Herstellung von Isocyanuraten bereitzustellen, welches bei geringeren Temperaturen als bislang üblich durchgeführt werden kann und Schäume mit besserem Brandverhalten liefert.
Erfindungsgemäß gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung von Isocyanuraten und Isocyanurat-haltigen Polyurethanen, umfassend den Schritt der Reaktion eines Isocyanates in Gegenwart eines Katalysators, wobei der Katalysator das Produkt der Umsetzung einer Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure mit einer Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base umfasst, wobei die Reaktion in Abwesenheit von Zinn und/oder Blei enthaltenden Verbindungen durchgeführt wird, wobei der Deprotonierungsgrad des Katalysators > 50% bis≤ 100% beträgt und die in Carboxylgruppen vorliegenden H- Atome sowie die Carboxylat-Gruppen und die in Thiolgruppen vorliegenden H- Atome sowie die Thiolatgruppen bei der Berechnung des Deprotonierungsgrades mit berücksichtigt werden.
Das erftndungsgemäße Verfahren bietet den Vorteil, dass Isocyanvirate bzw. Isocyanvirat-Einheiten und insbesondere Gemische aus Isocyanuraten bzw. Isocyanurat-Einheiten und Carbamaten bzw. Urethan-Einheiten, wie sie in Isocyanurat-haltigen Polyurethanen (PUR-/PIR-Systeme) vorliegen, bei niedrigen Temperaturen mit höherer Reaktionsgeschwindigkeit erhalten werden als bei vergleichbaren Verfahren, in denen Katalysatoren eingesetzt werden, welche keine Mercapto- Gruppen enthalten, wie beispielsweise Kaliumacetat.
Die erfindungsgemäß ausgewählten Katalysatoren bieten weiterhin den Vorteil, dass bei geringen Temperaturen, beispielsweise in einem Bereich um 40 °C, eine erhöhte Aktivität im Umsatz von Isocyanat-Gruppen im Vergleich zu Kaliumacetat vorliegt. Diese erhöhte Aktivität führt dazu, dass bereits in einem frühen Stadium der Reaktion von Isocyanaten und Alkoholen bzw. von Di- oder Polyisocyanaten und Di- oder Polyalkoholen größere Mengen an Isocyanuraten bzw. Isocyanurat- Einheiten gebildet werden. Auf diese Weise können zudem auch bei den üblicherweise verwendeten Bandlauftemperaturen, wie beispielsweise 70 °C, Polyurethan-Schäume mit einem erhöhten Isocyanurat-Gehalt, insbesondere in den Randbereichen des Schaumes, erhalten werden. Zudem beobachtet man beispielsweise bei 70 °C eine höhere relative Reaktivität (Bildung von Trimer/Bildung von Carbamat) im Vergleich zu Kaliumacetat
Infolge der hohen Aktivität der erfindungsgemäßen Katalysatoren bezüglich der Bildung von Carbamal/Isocyanurat-Gemischen bzw. PUR/PIR-Systemen bei geringen Temperaturen (beispielsweise im Bereich von 40 °C bis 70 °C) ermöglicht das erfindungsgemäße Verfahren die Herstellung von Isocyanurat-haltigen Polyurethan-Schäumen bei geringeren Bandlauftemperaturen (im Fall von Blockschaumstoff oder Paneelen), beispielsweise im Bereich von 40 °C bis 70 °C. Dies bedeutet, dass Isocyanurat-haltige Polyurethan-Schäume gegenüber herkömmlichen Verfahren unter Einsparung von Energie, die zur Beheizung des Produktionsbandes benötigt wird, produziert werden können. Unabhängig von der Temperatur führt eine höhere Aktivität der erfindungsgemäßen Katalysatoren bezüglich Bildung von Carbamat/Isocyanurat-Gemischen bzw. PUR/PIR-Systemen dazu, dass Polyurethan-Schäume mit geeignetem Isocyanurat-Gehalt bei geringeren Reaktionszeiten hergestellt werden können und somit eine höhere Produktivität der Produktionsanlage gewährleistet wird. Eine erhöhte relative Aktivität der erfindungsgemäßen Katalysatoren bezüglich der Bildung von Isocyanurat-Einheiten (gegenüber der Bildung von Carbamat- bzw. Urethan-Einheiten), insbesondere bei geringen Temperaturen (beispielsweise im Bereich von 40 °C bis 70 °C), ermöglicht darüber hinaus die Herstellung von PUR/PIR-Systemen mit einem erhöhten Isocyanurat-Anteil und somit verbessertem Brandverhalten.
Der Katalysator wird als das Reaktionsprodukt einer Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure mit einer Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base angesehen.
Je nach Ladung der aus der Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid- Base hervorgehenden Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid- Kationen (Basen-Kationen), Wertigkeit der Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base oder allgemeiner der Gesamtzahl der vorliegenden positiven Ladungen, Stärke der Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base und Anzahl der in COOH- und SH-Gruppen gebundenen und damit abspaltbaren Protonen können beispielsweise ein Dianion der Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure mit zwei Basen-Monokationen oder ein Dianion der Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure mit einem Basen-Dikation im Katalysator vorliegen.
Es ist ebenfalls möglich, dass Gemische der vorgenannten Kombinationen vorliegen. Es ist weiterhin möglich, dass die Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure mit der Alkalimetall- oder Erdalkalimetall-Base in einem Protomerungs-ZDeprotomerungs-Gleichgewicht vorliegt. Die Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure kann beispielsweise eine aliphatische oder aromatische Carbonsäure sein, welche über den aliphatischen oder aromatischen Rest mit mindestens einer Thiolgruppe verbunden ist. Es können im Molekül mehrere Carboxylgruppen und/oder mehrere Thiolgruppen vorliegen.
Die Alkalimetall- oder Erdalkalimetallbase kann aus der Kombination eines Basenanions Bn- mit einer geeigneten Anzahl an Alkalimetall- oder Erdalkalimetall-Kationen Μ™+ bestehen und weist üblicherweise die Zusammensetzung (Mm4)b(B™+)m auf, wobei m für 1 oder 2 steht und b für 1, 2 oder 3 und der Wertigkeit der Base entspricht In der Alkalimetall- oder Erdalkalimetallbase der obigen Zusammensetzung können die Kationen M™* anteilig durch Protonen H* ersetzt sein, wobei die Gesamtladung der zu ersetzenden Kationen der Gesamtladung der ersetzenden Protonen entspricht und in der Alkalimetall- oder Erdalkalimetallbase mindestens ein Kation Mm+ enthalten ist.
Die Kationen M™* können ausgewählt sein aus der Gruppe der Alkalimetalle, insbesondere Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium, Cäsium, aus der Gruppe der Erdalkalimetalle, insbesondere Magnesium, Kalzium, Strontium, Barium, aus der Scandiumgruppe, insbesondere Scandium, Yttrium oder aus der Gruppe der Lanthanoide, insbesondere Lanthan, Europium, Gadolinium, Ytterbium, Lutetium.
Die Basenanionen B13- können beispielsweise einwertige Basenanionen wie z.B. H-, OH-, OOH-, SH-, CIO-, CN-, Alkoholate, Thiolate, Amide, Carboxylate, Carbanionen oder zweiwertige
Basenanionen wie z.B. O2-, CO32-, SO32-, HPO42-, oder dreiwertige Basenanionen wie z.B. PO43- sein.
Die Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base kann weiterhin ein elementares Alkalimetall, Erdalkalimetall, Scandiumgruppenmetall oder Lanthanoidmetall sein. Es ist erfindvingsgemäß vorgesehen, dass die Reaktion in Abwesenheit von Zinn oder Blei enthaltenden Verbindungen durchgeführt wird. Zu vermeidende Verbindungen sind insbesondere Dibutylzinndilaurat (DBTL), Dibutylzinn-bis(ethoxybutyl-3-mercaptopropionat), Dimethylzinn- bis(3-mercaptopropionat), Dibutylzinnmercaptopropionat, Dimethylzinndilaurylmercaptid, Zinnsulf ide und Zinnthiolate sowie Triphenylbleithioacetat. Vorzugsweise sind Wismut enthaltende Verbindungen ebenfalls ausgeschlossen, beispielsweise Wismuttrioctoat.
Es ist erfindungsgemäß weiterhin vorgesehen, dass der Deprotonierungsgrad des Katalysators > 50% bis≤ 100% beträgt, wobei die in Carboxylgruppen vorliegenden H- Atome sowie die Carboxylat-Gruppen und die in Thiolgruppen vorliegenden H-Atome sowie die Thiolatgruppen bei der Berechnung des Deprotonierungsgrades berücksichtigt werden. Der Deprotonierungsgrad lässt sich aus den eingesetzten Mengen von Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäuren und Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Base ableiten. In der Regel ist das an die COOH-Gruppe gebundene Proton acider als das an die Thiolgruppe gebundene Proton und wird zuerst mit der Base reagieren. Erst danach wird das an die SH-Gruppe gebundene Proton reagieren. Als Deprotonierungsgrad ist der prozentuale Anteil an Zerivitinoff-aktiven Protonen zu verstehen, der aus der dem Katalysatormolekül zu Grunde liegenden Säure entfernt wurde. Als Zerivitinoff- aktive Protonen sind solche anzusehen, die mit dem Grignardreagenz Methylmagnesiumiodid unter Bildung von einem Molekül Methan pro aktivem Proton reagieren.
Unter dieser Prämisse sagt ein Deprotonierungsgrad von 50% aus, dass bei Einsatz einer Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure, in denen die Anzahl der enthaltenen Carboxylgruppen gleich der Anzahl der enthaltenen Thiolgruppen ist, alle Carboxylgruppen in deprotonierter und alle Thiolgruppen in protonierter Form vorliegen.
Ein Deprotonierungsgrad von 100% sagt dementsprechend aus, dass alle in der Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure enthaltenen Carboxyl- und Thiolgruppen in deprotonierter Form vorliegen.
Der Deprotonierungsgrad lässt sich durch die Analyse des Verhältnisses von Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Kationen und Schwefel mittels
Elementaranalyse bestimmen. Der Deprotonierungsgrad ist dann gegeben durch die folgende Gleichving 1,
wobei m für die Ladung des Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- bzw. Lanthanoid- Kations steht, M/S für das per Elementaranalyse bestimmte molare Verhältnis von Alkalimetall, Erdalkalimetall, Scandiumgruppenmetall oder Lanthanoidmetall M zu Schwefel, und ncooH/nsH für das Verhältnis von Carboxylgruppen zu Thiolgruppen in der Thiolgruppen enthaltenden Carbonsäure.
Ausführungsformen und weitere Aspekte der Erfindung werden nachfolgend geschildert Sie können beliebig miteinander kombiniert werden, sofern sich aus dem Kontext nicht zweifelsfrei das Gegenteil ergibt.
Im erfindungsgemäßen Verfahren können ferner weitere Katalysatoren wie z.B. Urethanisierungskatalysatoren, eingesetzt werden. Beispiele für solche Urethanisierungskatalysatoren sind aminische Katalysatoren, insbesondere ausgewählt aus der Gruppe Triethylendiamin, Ν,Ν-Dimethylcyclohexylamin, Dicyclohexylmethylamin, Tetramethylendiamin, l-Methyl-4-dimethylaminoethylpiperazin, Triethylamin, Tributylamin, N,N- Dimemylbenzylamin, N,N',N'-Tris-(dimethylammopropyl)hexahyodrotriazin, Tris-
(dimethylaminopropyl)amin, Tris(dimethylaminomethyl)phenol, Dimethylaminopropylformamid, N,N,N'N- '-Tetramethylethylen(diamin, Ν,Ν,Ν'Ν'-Tetramethylbutandiamin, Tetramethymexandiamin, Pentamemyldiethylentriamin, Pentamethyldipropylentriamin, Tetramethyldiaminoethylether, Dimethylpiperazin, 1,2-Dimethylimidazol, 1-
Azabicyclo[3.3.0]octan, l,4-Diazabicyclo[2.2.2]octan, Bis-(dimethylaminopropyl)-harnstoff, N- Methylmorpholin, N-Ethylmorpholin, N-Cyclohexylmorpholin, 2,3-Dimethyl-3,4,5,6- tetrahydropyrimidin, Triethanolamin, Diethanolamin, Triisopropanolamin, N-Methylodiethanolamin, N-Ethyldiethanolamin und/oder Dimethylethanolamin.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst die Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure eine Thiolgruppe und eine Carboxylgruppe.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst die Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure eine Thiolgruppe und eine Carboxylgruppe, und die Thiolgruppe ist mit der Carboxylgruppe über nicht mehr als 3 Kohlenstoffatome verbrückt, wobei unter„verbrückende Kohlenstoffatome" die Kette mit der geringsten Anzahl an Kohlenstoffatomen zwischen
Carboxylgruppe und Thiolgruppe im Molekül verstanden wird und das in der Carboxylgruppe enthaltene Kohlenstoffatom nicht berücksichtigt wird. Beispiele für Thiolgruppen enthaltene Carbonsäuren dieser Ausführungsform sind 2-Mercaptoessigsäure, 3-Mercaptopropionsäure, 4- Mercaptobuttersäure, wobei die Kohlenstoffatome in der verbrückenden Alkylen-Kette unabhängig voneinander jeweils mit weiteren Resten wie beispielsweise linearen oder verzweigten, gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls Heteroatome enthaltende Cl- bis C20- Alkyl-, Cycloalkyl-, Aryl-, Alkylaryl- oder Arylalkylgruppen, Fluor-, Chlor- oder Brom-Atomen, Nitril-Gruppen und/oder Nitrogruppen verbunden sein können und verschiedene Reste so miteinander verbunden sein können, dass sie mono-, bi- oder polycyclische Ringsysteme ausbilden, und Thiosalicylsäure, wobei die aromatischen Kohlenstoffatome, welche nicht an die Thiolgruppe oder an die Carboxylgruppe gebunden sind, unabhängig voneinander jeweils mit weiteren Resten wie beispielsweise linearen oder verzweigten, gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls Heteroatome enthaltende Cl- bis C20-Alkyl-, Cycloalkyl-, Aryl-, Alkylaryl- oder Arylalkylgruppen, Fluor-, Chlor- oder Brom-Atomen, Nitril-Gruppen und/oder Nitrogruppen verbunden sein und/oder zu höheren Ringsystemen kondensiert sein können. Bevorzugte Thiolgruppen enthaltende Carbonsäuren in dieser Ausfuhrungsform sind 2-Mercaptoessigsäure, 2- Mercaptopropionsäure, 4-Mercaptobuttersäure und Thiosalicylsäure.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst die Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure eine Thiolgruppe und eine Carboxylgruppe, und die Thiolgruppe ist mit der Carboxylgruppe über 2 oder 3 Kohlenstoffatome verbrückt, wobei unter„verbrückende Kohlenstoffatome" die Kette mit der geringsten Anzahl an Kohlenstoffatomen zwischen Carboxylgruppe und Thiolgruppe im Molekül verstanden wird und das in der Carboxylgruppe enthaltene Kohlenstoffatom nicht berücksichtigt wird. Beispiele für Thiolgruppen enthaltene Carbonsäuren dieser Ausführungsform sind 3-Mercaptopropionsäure, 4-Mercaptobuttersäure, wobei die Kohlenstoffatome in der verbrückenden Alkylen-Kette unabhängig voneinander jeweils mit weiteren Resten wie beispielsweise linearen oder verzweigten, gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls Heteroatome enthaltende Cl- bis C20-Alkyl-, Cycloalkyl-, Aryl-, Alkylaryl- oder Arylalkylgruppen, Fluor-, Chlor- oder Brom-Atomen, Nitril-Gruppen und/oder Nitrogruppen verbunden sein können und verschiedene Reste so miteinander verbunden sein können, dass sie mono-, bi- oder polycyclische Ringsysteme ausbilden, und Thiosalicylsäure, wobei die aromatischen Kohlenstoffatome, welche nicht an die Thiolgruppe oder an die Carboxylgruppe gebunden sind, unabhängig voneinander jeweils mit weiteren Resten wie beispielsweise linearen oder verzweigten, gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls Heteroatome enthaltende Cl- bis C20-Alkyl-, Cycloalkyl-, Aryl-, Alkylaryl- oder Arylalkylgruppen, Fluor-, Chlor- oder Brom-Atomen, Nitril-Gruppen und/oder Nitrogruppen verbunden sein und/oder zu höheren Ringsystemen kondensiert sein können. Bevorzugte
Thiolgrappen enthaltende Carbonsäuren in dieser Ausführungsform sind 2-Mercaptopropionsävire, 4-Mercaptobuttersäure vind Thiosalicylsävire.
In einer weiteren Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindving ist die Thiolgrappen enthaltende Carbonsäure 2-Mercaptoessigsäure, 3-Mercaptopropionsäure, 4-Mercaptobuttersäure und/oder Thiosalicylsäure. Bevorzugte Katalysatoren sind die Dikaliumsalze der genannten Säuren.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung beträgt der Deprotonierungsgrad des Katalysators≥ 70% bis≤ 100%, wobei die in Carboxylgrappen vorliegenden H- Atome sowie die Carboxylat-Gruppen und die in Thiolgrappen vorliegenden H- Atome sowie die Thiolatgrappen bei der Berechnung des Deprotonierungsgrades berücksichtigt werden. Die Berechnung des Deprotonierungsgrades erfolgt wie bereits vorstehend geschildert. Vorzugsweise beträgt der Deprotonierungsgrad≥ 80% bis≤ 100%, mehr bevorzugt≥ 90% bis≤ 100% und besonders bevorzugt≥ 95% bis≤ 100%.
In einer weiteren Ausfuhrungsform ist die Base zur Deprotonierung der Katalysator- Vorstufe ein Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Hydrid, ein Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Alkoholat oder ein oder ein Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Alkyl.
Der Vorteil des Einsatzes von Hydriden als Base ist, dass als Nebenprodukt gasförmiger Wasserstoff entweicht und so keine Neutralisierungsprodukte wie Wasser in der Reaktionsmischung vorliegen. Bevorzugt sind Lithiumhydrid, Natriumhydrid, Kaliumhydrid, Magnesiumhydrid und/oder Calciumhydrid.
Die Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Alkoholate können beispielsweise durch Umsetzung einer geeigneten Alkalimetall- bzw. Erdalkalimetallbase, insbesondere eines Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Hydrids oder eines elementaren Alkalimetalls, Erdalkalimetalls, Scandiumgrappenmetalls oder Lanthanoidmetalls mit dem entsprechenden Alkohol erhalten werden. Beispiele für Alkohole, welche mit Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgrappen- oder Lanthanoid-Basen zu geeigneten Alkoholaten umgesetzt werden können, sind Methanol, Ethanol, n-Propanol, Isopropanol, «-Butanol, Isobutanol, tert-Butanol, n-Pentanol, tert-Pentanol, Neopentylalkohol, Cyclopentanol, Hexanol, Cyclohexanol, Heptanol, Octanol, 2-Ethylhexanol, Nonanol, Decanol, Undecanol, Dodecanol sowie deren höhere Homologe, monomere, oligomere oder polymere Diole, insbesondere Alkylen-, Oligoalkylen- oder Polyalkylenglykole wie z.B. Ethylenglykol, Diethylenglykol, Triethylenglykol, Polyethylenglykol, Dipropylenglykol, Tripropylenglykol, Polypropylenglykol, Tetramethylenglykol, Di(tetramethylenglykol), Poly(tetramethylenglykol), sowie Monoalkylether, insbesondere Monomethyl-, Monoethyl-, Monopropyl- und
Monobutylether, von monomeren, oligomeren oder polymeren Diolen. Bevorzugte Alkohole hierfür sind Methanol, Ethanol, n-Propanol, Isopropanol, n-Butanol, Isobutanol, tert-Butanol, n- Pentanol, tert-Pentanol, Neopentylalkohol, Diethylenglykol, Diethylenglykol-Monomethylether oder ein Polyalkylenglykol bzw. dessen Monomethylether. Das Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Scandiumgruppen- oder Lanthanoid-Alkoholat kann gelöst in einem Lösungsmittel, beispielsweise in einem der vorgenannten Alkohole, vorliegen.
Der Vorteil des Einsatzes von Carbanionen als Base ist, dass als Nebenprodukt chemisch-inerte Verbindungen gebildet werden und so keine Neutralisierungsprodukte wie Wasser in der Reaktionsmischung vorliegen. Bevorzugt sind Methyllimium, EthylUthium, Methylnatrium, Ethylnatrium, Methylkalium, Ethylkalium und/oder Methylmagnesiumchlorid.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung liegt der Katalysator vor Beginn der Reaktion in einem Lösungsmittel gelöst oder suspendiert vor. Das Lösungsmittel ist bevorzugt Monoethylenglykol, Diethylenglykol, Diethylenglykol-Monomethylether oder ein Polyalkylenglykol, N-Methylpyrrolidon, N-Ethylpyrrolidon oder Dimethylsulfoxid oder Mischungen aus diesen. Daneben können die Katalysatorzubereitungen noch weitere Bestandteile enthalten, wie z.B. monofunktionelle Alkohole. Ohne auf eine Theorie festgelegt zu sein wird angenommen, dass die genannten Verbindungen zumindest als labile Liganden Einfluss auf das katalytische System gemäß der Erfindung ausüben.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird die Reaktion bei einer Temperatur von≥ 20 °C bis≤ 90 °C durchgeführt. Bevorzugte Reaktionstemperaturen sind≥ 30 °C bis≤ 80 °C, besonders bevorzugt≥ 40 °C bis≤ 70 °C.
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird die Reaktion in einem nicht konstanten Temperatur-Bereich durchgeführt, wobei jedoch zu Beginn der Reaktion eine Temperatur von≥ 20 °C bis≤ 90 °C, bevorzugt≥ 30 °C bis≤ 80 °C, besonders bevorzugt≥ 40 °C bis≤ 70 °C herrscht. Typischerweise wird bei dieser Ausführungsform nach dem Einsetzen der Reaktion ein Temperaturanstieg im Reaktionssystem beobachtet, so dass die maximale Temperatur des Reaktionssystem≥ 80 °C bis≤ 250 °C, bevorzugt≥ 100 °C bis≤ 220 °C, besonders bevorzugt ≥ 140 °C bis ≤ 200 °C betragen kann. Ein solcher adiabatischer Temperaturverlauf wird üblicherweise insbesondere in PUR/PIR-Systemen, das heißt bei der Reaktion von Diisocyanaten und/oder Polyisocyanaten mit Diolen und/oder Polyolen beobachtet. Im Fall von Blockschaumstoff oder Paneelen ist die Temperatur zu Beginn der Reaktion die Bandlauftemperatur. Einsatzstoffe wie z.B. Isocyanate, Alkohole, Katalysatorlösung und andere Komponenten der Schaumstoff- Formulierung können vor dem Vermischen zu Beginn der Reaktion auf diese Temperatur oder eine geringere Temperatur vortemperiert werden.
In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindving ist das Isocyanat ein Monoisocyanat. Bei der Verwendving von Monoisocyanaten werden monomere Isocyanurate erhalten. Beispiele für Monoisocyanate sind Methylisocyanat, Ethylisocyanat, n-Propylisocyanat, Isopropylisocyanat, n- Butylisocyanat, Isobutylisocyanat, tert-Butylisocyanat, n-Pentylisocyanat, n-Hexylisocyanat, Cyclohexylisocyanat, ω-Chlorohexamethylenisocyanat, n-Heptylisocyanat, n-Octylisocyanat, Isooctylisocyanat, 2-Ethylhexylisocyanat, 2-Norbornylmethylisocyanat, Nonylisocyanat, 2,3,4- Trimethylcyclohexylisocyanat, 3,3,5-Trimethylcyclohexylisocyanat, Decylisocyanat,
Undecylisocyanat, Dodecylisocyanat, Tridecylisocyanat, Tetradecylisocyanat, Pentadecylisocyanat, Hexadecylisocyanat, Octadecylisocyanat, Stearylisocyanat, 3-Butoxypropylisocyanat, 3-(2- Ethylhexyloxy)propylisocyanat, 6-Chlorohexylisocyanat, Benzylisocyanate, Phenylisocyanat, ortho-, meta-, />ara-Toluylisocyanat, Dimethylphenytisocyanat (technische Gemische vind individuelle Isomere), 4-Pentylphenylisocyanat, 4-Cyclohexylphenylisocyanat, 4- Dodecylphenylisocyanat, ortho-, meta-, />ara-Methoxyphenylisocyanat, Chlorophenylisocyanat (2,3,4-Isomer), die verschiedenen Dichlorphenylisocyanat-Isomeren, 4-Nitrophenylisocyanat, 3- Trifluormethylphenylisocyanat, 1-Naphthylisocyanat. Bevorzugte Monoisocyanate sind Benzylisocyanat, Phenylisocyanat, ortho-, meta-, /?ara-Toluylisocyanat, Dimethylphenylisocyanat (technische Gemische und individuelle Isomere), 4-Cyclohexylphenylisocyanat und ortho-, meta-, />ara-Methoxyphenylisocyanat. Ein besonders bevorzugtes Monoisocyanat ist para- Toluylisocyanat In einer weiteren Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung ist das Isocyanat ein Polyisocyanat. Hierbei handelt es sich um auf dem PUR-/PIR-Gebiet üblichen Isocyanate mit einer NCO- Funktionalität von 2 oder mehr. In Betracht kommen im Allgemeinen aliphatische, cycloaliphatische, arylaliphatische und aromatische mehrwertige Polyisocyanate. Beispiele solcher geeigneten Polyisocyanate sind 1,4-Butylendiisocyanat, 1,5-Pentandiisocyanat, 1,6- Hexamethylendiisocyanat (HDI), Isophorondiisocyanat (IPDI), 2,2,4- und/oder 2,4,4- Trimethylhexamethylendiisocyanat, die isomeren Bis(4,4'-isocyanatocyclohexyl)methane oder deren Mischungen beliebigen Isomerengehalts, 1,4-Cyclohexylendiisocyanat, 1,4- Phenylendiisocyanat, 2,4- und/oder 2,6-Toluylendiisocyanat (TDI), 1,5-Naphthylendiisocyanat, 2,2l-und/oder 2,4'- und/oder 4,4'-Diphenylmethandiisocyanat (MDI) oder ein höheres Homologes bzw. deren Mischungen (polymeres MDI), 1,3- und/oder l,4-Bis-(2-isocyanato-prop-2-yl)-benzol (TMXDI), l,3-Bis-(isocyanatomethyl)benzol (XDI), sowie Alkyl-2,6-diisocyanatohexanoate (Lysindiisocyanate) mit Ci bis Ce-Alkylgruppen. Bevorzugt ist hierbei ein Isocyanat aus der Diphenylmethandiisocyanatreihe.
Es können weiterhin als Polyisocyanat NCO-terminierte Präpolymere eingesetzt werden, welche beispielsweise aus der Reaktion eines der vorgenannten Polyisocyanate mit Polyolen, insbesondere
Polyalkylenglykolen, hervorgehen.
Neben den vorstehend genannten Polyisocyanaten können anteilig auch modifizierte Diisocyanate mit Uretdion-, Isocyanvirat-, Urethan-, Carbodiimid, Uretonimin, Allophanat-, Biuret-, Iminooxadiazindion- vind/oder Oxadiazintrionstruktur sowie nicht-modifiziertes Polyisocyanat mit mehr als 2 NCO-Gruppen pro Molekül wie zum Beispiel 4-Isocyanatomethyl-l,8-octandiisocyanat (Nonantriisocyanat), Tris-4-isocyanatophenyl-thiophosphat oder Triphenylmethan-4,4',4"- triisocyanat mit eingesetzt werden.
In einer weiteren Ausführungsform wird die Reaktion weiterhin in Gegenwart eines Monoalkohols durchgeführt. Beim Einsatz von Monoisocyanaten können so Gemische aus monomeren Isocyanuraten mit Carbamaten, welche aus der Reaktion des Monoisocyanates mit dem Alkohol hervorgehen, erhalten werden. Die Zusammensetzung des Gemisches ist abhängig von der Art des Monoisocyanates und des Monoalkohols, vom Verhältnis an Isocyanat-Gruppen zu im Alkohol enthaltenen Hydroxygruppen, der Art und Konzentration des Katalysators sowie den Reaktionsbedingungen wie Temperatur, Lösungsmittel und Reaktionsführung. Beispiele für Monoalkohole sind Methanol, Ethanol, n-Propanol, Isopropanol, n-Butanol, Isobutanol, tert- Butanol, n-Pentanol, tert-Pentanol, Neopentylalkohol, Cyclopentanol, Hexanol, Cyclohexanol, Heptanol, Octanol, 2-Ethylhexanol, Nonanol, Decanol, Undecanol, Dodecanol sowie deren höhere Homologe, Monoalkylether von monomeren, oligomeren oder polymeren Diolen wie z.B. Ethylenglykol-Monomethylether, Ethylenglykol-Monoethylether, Ethylenglykol-Monopropylether, Ethylenglykol-Monobutylether, Diethylenglykol-Monomethylether, Diethylenglykol- Monoethylether, Diethylenglykol-Monopropylether, Diethylenglykol-Monobutylether, Triethylenglykol-Monomethylether, Triethylenglykol-Monoethylether, Triethylenglykol- Monopropylether, Triethylenglykol-Monobutylether, Polyethylenglykol-Monomethylether, Polyethylenglykol-Monoethylether, Polyethylenglykol-Monopropylether, Polyethylenglykol- Monobutylether, Propylenglykol-Monomethylether, Propylenglykol-Monoethylether,
Propylenglykol-Monopropylether, Propylenglykol-Monobutylether, Dipropylenglykol- Monomethylether, Dipropylenglykol-Monoethylether, Dipropylenglykol-Monopropylether, Dipropylenglykol-Monobutylether, Tripropylenglykol-Monomethylether, Tripropylenglykol- Monoethylether, Tripropylenglykol-Monopropylether, Tripropylenglykol-Monobutylether, Polypropylenglykol-Monomethylether, Polypropylenglykol-Monoethylether, Polypropylenglykol- Monopropylether, Polypropylenglykol-Monobutylether, Tetramethylenglykol-Monomethylether, Tetramethylenglykol-Monoethylether, Tetramethylenglykol-Monopropylether, Tetramethylenglykol-Monobutylether, Di(tetramethylenglykol)-Monomethylether, Di(tetramethylenglykol)-Monoethylether, Di(tetramethylenglykol)-Monopropylether, Di(tetramethylenglykol)-Monobutylether, Poly(tetramethylenglykol)-Monomethylether,
Poly(tetramethylenglykol)-Monoethylether, Poly(tetramethylenglykol)-Monopropylether, Poly(tetramethylenglykol)-Monobutylether.
Bevorzugte Monoalkohole sind primäre Alkohole wie z.B. Methanol, Ethanol, «-Propanol, n- Butanol, n-Pentanol, tert-Pentanol, Neopentylalkohol, n-Hexanol, n-Octanol, 2-Ethylhexanol, Ethylenglykol-Monomethylether, Ethylenglykol-Monoethylether, Ethylenglykol-Monopropylether, Ethylenglykol-Monobutylether, Diethylenglykol-Monomethylether, Diethylenglykol- Monoethylether, Diethylenglykol-Monopropylether, Diethylenglykol-Monobutylether, Triethylenglykol-Monomethylether, Triethylenglykol-Monoethylether, Triethylenglykol- Monopropylether, Triethylenglykol-Monobutylether, Polyethylenglykol-Monomethylether, Polyethylenglykol-Monoethylether, Polyethylenglykol-Monopropylether, Polyethylenglykol- Monobutylether. Besonders bevorzugte Monoalkohole sind Monoalkylether von Diolen, insbesondere Ethylenglykol-Monomethylether, Ethylenglykol-Monoethylether, Ethylenglykol- Monopropylether, Ethylenglykol-Monobutylether, Diethylenglykol-Monomethylether, Diethylenglykol-Monoethylether, Diethylenglykol-Monopropylether, Diethylenglykol- Monobutylether, Triethylenglykol-Monomethylether, Triethylenglykol-Monoethylether, Triethylenglykol-Monopropylether, Triethylenglykol-Monobutylether, Polyethylenglykol- Monomethylether, Polyethylenglykol-Monoethylether, Polyethylenglykol-Monopropylether, Polyethylenglykol-Monobutylether.
In einer bevorzugten Ausfuhrungsform wird die Reaktion weiterhin in Gegenwart eines Polyols durchgeführt. Die erfindungsgemäß verwendbaren Polyole können beispielsweise ein zahlenmittleres Molekulargewicht Mn von≥ 60 g/mol bis≤ 8000 g/mol, bevorzugt von≥ 90 g/mol bis≤ 5000 g/mol und mehr bevorzugt von≥ 92 g/mol bis≤ 1000 g/mol aufweisen. Die OH-Zahl der Polyole gibt im Falle eines einzelnen zugesetzten Polyols dessen OH-Zahl an. Im Falle von Mischungen wird die mittlere OH-Zahl angegeben. Dieser Wert kann anhand von DIN 53240 bestimmt werden. Die durchschnittliche OH-Funktionalität der genannten Polyole ist≥ 1,5 und liegt beispielsweise in einem Bereich von≥ 1,5 bis≤ 6, vorzugsweise von≥ 1,6 bis≤ 5 und mehr bevorzugt von≥ 1,8 bis≤ 4.
Erfindungsgemäß verwendbare Polyetherpolyole sind beispielsweise
Polytetramethylenglykolpolyether, wie sie durch Polymerisation von Tetrahy<kofuran mittels kationischer Ringöffhung erhältlich sind.
Ebenfalls geeignete Polyetherpolyole sind Additionsprodukte von Styroloxid, Ethylenoxid, Propylenoxid, Butylenoxiden und/oder Epichlorhydrin an di- oder polyfunktionelle Startermoleküle.
Geeignete Startermoleküle sind zum Beispiel Wasser, Ethylenglykol, Diethylenglykol,
Butyldiglykol, Glycerin, Diethylenglykol, Trimethylolpropan, Propylenglykol, Pentaerythrit, Sorbit, Saccharose, Ethylendiamin, Toluoldiamin, Triethanolamin, 1,4-Butandiol, 1,6-Hexandiol sowie niedermolekulare, Hydroxylgruppen aufweisende Ester derartiger Polyole mit Dicarbonsäuren. Erfindungsgemäß verwendbare Polyesterpolyole sind unter anderem Polykondensate aus Di- sowie weiterhin Tri-, und Tetraolen und Di- sowie weiterhin Tri- und Tetracarbonsäuren oder Hydroxycarbonsäuren oder Lactonen. Anstelle der freien Polycarbonsäuren können auch die entsprechenden Polycarbonsäureanhydride oder entsprechende Polycarbonsäureester von niederen Alkoholen zur Herstellung der Polyester verwendet werden. Beispiele für geeignete Diole sind Ethylenglykol, Butylenglykol, Diethylenglykol, Triethylenglykol, Polyalkylenglykole wie Polyethylenglykol, weiterhin 1,2-Propandiol, 1,3- Propandiol, 1,3-Butandiol, 1,4-Butandiol, 1,6-Hexandiol und Isomere, Neopentylglykol oder Hydroxypivalinsäureneopentylglykolester. Daneben können auch Polyole wie Trimethylolpropan, Glycerin, Erythrit, Pentaerythrit, Trimethylolbenzol oder Trishydroxyethylisocyanurat eingesetzt werden.
Als Polycarbonsäuren können beispielsweise Phthalsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, Tetrahydrophthalsäure, Hexahydrophthalsäure, Cyclohexandicarbonsäure, Adipinsäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Glutarsäure, Tetrachlorphthalsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Itaconsäure, Malonsäure, Korksäure, Bernsteinsäure, 2-Methylbernsteinsäure, 3,3- Diethylglutarsäure, 2,2-Dimethylbernsteinsäure, Dodecandisäure,
Endomethylentetrahydrophthalsäure, Dimerfettsäure, Trimerfettsäure, Zitronensäure, oder Trimellithsäure eingesetzt werden. Als Säurequelle können auch die entsprechenden Anhydride verwendet werden.
Es können zusätzlich auch aromatische Monokarbonsäuren wie z.B. Benzoesäure und/oder aliphatische gesättigte oder ungesättigte Monocarbonsäuren wie z.B. Fettsäuren bzw. deren Gemische mit verwendet werden.
Hydroxycarbonsäuren, die als Reaktionsteilnehmer bei der Herstellung eines Polyesterpolyols mit endständigen Hydroxylgruppen mitverwendet werden können, sind beispielsweise Hydroxycapronsäure, Hydroxybuttersäure, Hydroxydecansäure, Hydroxystearinsäure und dergleichen. Geeignete Lactone sind unter anderem Caprolacton, Butyrolacton und Homologe.
Erfindungsgemäß verwendbare Polycarbonatpolyole sind Hydroxylgruppen aufweisende Polycarbonate, zum Beispiel Polycarbonatdiole. Diese sind durch Reaktion von Kohlensäurederivaten, wie Diphenylcarbonat, Dimethylcarbonat oder Phosgen, mit Polyolen,
bevorzugt Diolen, erhältlich.
Beispiele derartiger Diole sind Ethylenglykol, 1,2- vind 1,3-Propandiol, 1,3- vind 1 ,4-Butandiol, 1,6-Hexandiol, 1,8-Octandiol, Neopentylglykol, 1,4-Bishydroxymethiylcyclohexan, 2-Methyl-l,3- propandiol, 2,2,4-Trimethylpentandiol-l,3, Dipropylenglykol, Polypropylenglykole, Dibutylenglykol, Polybutylenglykole, Bisphenol A vind lactonmodifizierte Diole der vorstehend genannten Art.
Statt oder zusätzlich zu reinen Polycarbonatdiolen können auch Polyether-Polycarbonatdiole eingesetzt werden.
Erfindungsgemäß verwendbare Polyetheresterpolyole sind solche Verbindungen, die Ethergruppen, Estergruppen und OH-Gruppen enthalten. Organische Dicarbonsäuren mit bis zu 12 Kohlenstoffatomen sind zur Herstellung der Polyetheresterpolyole geeignet, vorzugsweise aliphatische Dicarbonsäuren mit≥ 4 bis≤ 6 Kohlenstoffatomen oder aromatische Dicarbonsäuren, die einzeln oder im Gemisch verwendet werden. Beispielhaft seien Korksäure, Azelainsäure, Decandicarbonsäure, Maleinsäure, Malonsäure, Phthalsäure, Pimelinsäure und Sebacinsäure sowie insbesondere Glutarsäure, Fumarsäure, Bernsteinsäure, Adipinsäure, Phthalsäure, Terephthalsäure und Isoterephthalsäure genannt. Als Derivate dieser Säuren können beispielsweise deren Anhydride sowie deren Ester und Halbester mit niedermolekularen, monofunktionellen Alkoholen mit≥ 1 bis ≤ 4 Kohlenstoffatomen eingesetzt werden.
Als weitere Komponente zur Herstellung der Polyetheresterpolyole werden Polyetherpolyole eingesetzt, die man durch Alkoxylieren von Startermolekülen wie mehrwertigen Alkoholen erhält. Die Startermoleküle sind mindestens difunktionell, können aber gegebenenfalls auch Anteile höherfunktioneller, insbesondere trifunktioneller Startermoleküle enthalten.
Startermoleküle sind zum Beispiel Diole mit primären OH-Gruppen und zahlenmittleren Molekulargewichten Mn von vorzugsweise≥ 18 g/mol bis≤ 400 g/mol oder von≥ 62 g/mol bis≤ 200 g/mol wie 1,2-Ethandiol, 1,3-Propandiol, 1,4-Butandiol, 1,5-Pentendiol, 1,5-Pentandiol, Neopentylglykol, 1,6-Hexandiol, 1,7-Heptandiol, 1,8-Octandiol, 1,10-Decandiol, 2-Methyl-l,3- propandiol, 2,2-Dimethyl-l,3-propandioL 3-Methyl-l, 5-Pentandiol, 2-Butyl-2-ethyl-l,3- propandiol, 2-Buten-l,4-diol und 2-Butin-l,4-diol, Etherdiole wie Diethylenglykol, Triethylenglykol, Tetraethylenglykol, Dibutylenglykol, Tributylenglykol, Tetrabutylenglykol, Dihexylenglykol, Trihexylenglykol, Tetrahexylenglykol und Oligomerengemische von Alkylenglykolen, wie Diethylenglykol.
Neben den Diolen können auch Polyole mit zahlenmittleren Funktionalitäten von≥ 2 bis≤ 8, oder von≥ 3 bis≤ 4 mitverwendet werden, zum Beispiel 1,1,1-Trimethylolpropan, Triethanolamin,
Glycerin, Sorbit, Sorbitan vind Pentaerythrit sowie auf Triolen oder Tetraolen gestartete Polyethylenoxidpolyole mit mittleren Molekulargewichten von vorzugsweise≥ 18 g/mol bis≤ 400 g/mol oder von≥ 62 g/mol bis≤ 200 g/mol.
Erfindungsgemäß verwendbare Polyacrylatpolyole können durch radikalische Polymerisation von Hydroxylgruppen aufweisenden, olefinisch ungesättigte Monomeren oder durch radikalische Copolymersation von Hydroxylgruppen aufweisenden, olefinisch ungesättigten Monomeren mit gegebenenfalls anderen olefinisch ungesättigten Monomeren erhalten werden. Beispiele hierfür sind Ethylacrylat, Butylacrylat, 2-Ethylhexylacrylat, Isobornylacrylat, Methylmethacrylat, Ethyl- methacrylat, Butylmethacrylat, Cyclohexylmethacrylat, Isobornylmethacrylat, Styrol, Acrylsäure, Acrylnitril und/oder Memacrylnitril. Geeignete Hydroxylgruppen aufweisende, olefinisch ungesättigte Monomere sind insbesondere 2-Hydroxyethyl-acrylat, 2-Hydroxyethylmethacrylat, das durch Anlagerung von Propylenoxid an Acrylsäure erhältliche Hydroxypropylacrylat- Isomerengemisch sowie das durch Anlagerung von Propylenoxid an Methacrylsäure erhältliche Hydroxypropylmethacrylat-Isomerengemisch. Endständige Hydroxylgruppen können auch in geschützter Form vorliegen. Geeignete Radikalinitiatoren sind die aus der Gruppe der Azoverbindungen, wie zum Beispiel Azoisobutyronitril (AIBN), oder aus der Gruppe der Peroxide, wie beispielsweise Di-tert.-Butylperoxid, Dicumylperoxid, Dibenzoylperoxid oder tert- Butylperoctoat.
In einer weiteren Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung wird die Reaktion weiterhin in Gegenwart eines physikalischen Treibmittels und/oder eines chemischen Treibmittels durchgeführt. So lassen sich PUR-/PIR-Schäume erhalten. Denkbar sind chemische Treibmittel wie Wasser, Ameisensäure sowie physikalische Treibmittel wie Kohlenwasserstoff-Treibmittel (insbesondere n- Pentan, i-Pentan und Cyclopentan und deren Gemische).
In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird die Reaktion bei einem NCO- Index von≥ 200 durchgeführt Der NCO-Index ist definiert als das Hundertfache des molaren Verhältnisses von NCO-Gruppen im Polyisocyanat zu gegenüber Isocyanaten reaktiven Gruppen der Polyolkomponente. Diese Kenngröße kann auch in einem Bereich von≥ 250 bis≤ 500 oder aber auch von≥ 300 bis≤ 400 liegen.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist ein durch ein erfindungsgemäßes Verfahren hergestellter Polyurethan/Polyisocyanurat-Schaum.
Vorzugsweise weist der Polyurethan-/Polyisocyanurat-Schaum weiterhin eine Brennbarkeitsziffer BKZ von 5 und eine Flammhöhe von≤ 135 mm (mehr bevorzugt≤ 130 mm) auf, jeweils bestimmt im BVD-Test entsprechend dem Schweizer Grundtest zur Ermittlung des Brennbarkeitsgrades von
Baustoffen der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen in der Ausgabe von 1988, mit den Nachträgen von 1990, 1994, 1995 und 2005.
Die Erfindung betrifft schließlich noch ein Wärmedämmelement, umfassend einen erfindungsgemäßen Polyurethan-/Polyisocyanurat-Schaum. Vorzugsweise handelt es sich um ein mit Deckschichten kaschiertes Isolationspaneel, wobei die Deckschichten z.B. aus Stahl, Aluminium, Kraftpapier u.a. Materialien bestehen können. Verfahren zur Herstellung derartiger Wärmedämmelemente sind bekannt und z.B. in Günter Oertel, Polyurethane Handbook, Carl Hanser Verlag, München, 1985, S. 239f beschrieben.
Beispiele: Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgenden Figuren und Beispiele näher erläutert, ohne jedoch darauf beschränkt zu sein.
Es zeigen:
FIG 1: eine Messung der Schaumhöhe aus Beispiel 2-1* (Ac) und 2-2 (3-MP) als Funktion der Zeit im Foamat-Gerät der Fa. Format, ausgerüstet mit dem„Advanced Test Cylinder" (ATC). ATC und Geräteboden waren auf 50°C temperiert.
FIG 2: ein zeitaufgelöstes ATR-Mittelinfrarot-Spektrum der mit Ac bzw. 3-MP katalysierten Schaumsysteme aus FIG.1. Dargestellt ist die zeitliche Entwicklung der Carbamat-spezifischen Peakfläche (Amid m zwischen 1170 und 1250 cm-1).
FIG 3: ein zeitaufgelöstes ATR-Mittelinfrarot-Spektrum der mit Ac bzw. 3-MP katalysierten Schaumsysteme aus FIG 1. Dargestellt ist die zeitliche Entwicklung der Trimer-spezifischen Peakfläche (Isocyanurat-Ringschwingung zw. 1380 und 1450 cm-1).
Methoden:
In-situ-Infrarot-Spektroskopie: Die Zusammensetzung des Reaktionsgemisches in Abhängigkeit der Zeit wurde mit einem MATRIX-MX-Spektrometer der Firma Bruker verfolgt. Das Infrarot(IR)- Spektrometer war mit einer Hochdruck-ATR (attenuated total reflectance)-IR-Glasfaser-Sonde ausgestattet (Durchmesser 3,17 mm) ausgestattet. Die ATR-IR-Glasfasersonde (90° Diamant- Prisma mit 1 x 2 mm Basisfläche und 1 mm Höhe als ATR Element, 2 χ 45° Reflektion des IR- Strahles, IR-Strahl-gekoppelte Glasfaseroptik) wurde so in den bei der Reaktion verwendeten Reaktor eingebracht, dass der Diamant am Ende der Sonde vollständig in das Reaktionsgemisch eintauchte. Die IR-Spektren (20 Scans per Messung) wurden zeitaufgelöst bei einer Scanrate von 266,7 Scans pro Minute im Bereich von 400-4000 cm-1 bei einer Auflösung von 4 cm-1 in
Zeitintervallen von 4,5 Sekunden aufgenommen. Zu Beginn jedes Experiments wurde ein Hintergrund-Spektrum (100 Scans) gegen Argon aufgenommen. Als Software zur Aufzeichnung der Spektren wurde OPUS 7.0 verwendet.
Die quantitative Auswertung der gemessenen IR-Spektren erfolgte mit der Software PEAXACT 3.5.0-Software for Quantitative Spectroscopy der Firma S»PACT GmbH unter Verwendung der Integrated Hard Model (IHM)-Methode. Das Hard Model für das Produktgemisch wurde aus den charakteristischen IR- Absorptionsbanden der individuellen Komponenten Isocyanat, Isocyanurat und Carbamat generiert. Zur quantitativen Bestimmung der Konzentrationen der Einzelkomponenten im Reaktionsgemisch erfolgte eine Kalibrierung mit bekannten Konzentrationen der Einzelkomponenten bei der jeweiligen Reaktionstemperatur.
Die zeitaufgelösten Messungen im reagierenden Schaumsystem (vgl. Fig. 2 und 3) erfolgten in einem Bruker Tensor 27— Spektrometer auf einem in einer beheizten Metallplatte eingelassenen, 1x5 cm2 großen ZnSe-ATR-Kristall bei konstanter Temperierung von 40, 70 bzw. 120°C. Damit werden die Reaktionsabläufe in der ca. 1 μηι dicken Kontaktzone des Schaummaterials zum ATR- Kristall bei der eingestellten Temperatur verfolgt (spektrale Auflösung 4 cm-1; Mittelung über 8 scans).
Zur Beschreibung des Brandverhaltens wurde der BVD-Test entsprechend dem Schweizer Grundtest zur Ermittlung des Brennbarkeitsgrades von Baustoffen der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen in der Ausgabe von 1988, mit den Nachträgen von 1990, 1994,1995 und 2005 (zu beziehen bei Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen, Bundesstr. 20, 3011 Bern, Schweiz) zugrunde gelegt. In diesem Kleinbrennertest wird für den Schaum eine Brennbarkeitskennziffer (BKZ) sowie eine Flammhöhe (in mm) bestimmt.
Eingesetzte Verbindungen:
Die eingesetzten Katalysatoren wurden, sofern nicht anders erwähnt, nach folgender Vorschrift aus der entsprechenden Katalysatorvorstufe (Thiolgruppen enthaltende Carbonsäure: 3- Mercaptopropionsäure, 2-Mercaptoessigsäure, 4-Mercaptobuttersäure, o-Thiosahcylsäure, S- Methyl-Thiosalicylsäure) hergestellt:
Herstellung des Katalysators als Feststoff
Unter Argonatmosphäre wurde eine Lösung der Katalysatorvorstufe (0,01 mol) in wasserfreiem Methanol (15 mL) vorgelegt und bei 25 °C eine 25%ige Lösung von Kaliummethanolat in Methanol (0,745 g, entspechend 2,66 mmol, zur Bildung der Disalze und 0,372 g, entsprechend 1,33 mmol, zur Bildung der Monosalze) zugetropft. Das erhaltene Reaktionsgemisch wurde 30
Minuten bei 25 °C gerührt Im Anschluss erfolgte die Zugabe von wasserfreiem Diethylether (10 mL), wobei ein farbloser Feststoff ausfiel. Die überstehende Lösung wurde über eine Filterkanüle abfiltriert und der feste Filtrationsrückstand dreimal mit jeweils 10 mL eines 1:5-Gemisches aus wasserfreiem Methanol und wasserfreiem Diethylether gewaschen. Der so erhaltene Feststoff wurde 16 h bei 60 °C im Vakuum (2.0 x 10-2 mbar) getrocknet.
Herstellung der Katalysatorlösung in Diethvlenglvkolmonomethvlether (DEME)
Es wurde eine 11,2 prozentige Lösung der als Feststoff vorliegenden Katalysatoren in Diethylenglykolmonomethylether (DEME) hergestellt
Beispiele 1-1 bis 1-10: Herstellung von Isocvanuraten aus p-Tolvlisocvanat in Gegenwart von Diethvlenglvkol-Monoethvlether
Alle in den Beispielen 1-1 bis 1-10 aufgeführten Reaktionen wurden nach der folgenden allgemeinen Vorschrift durchgeführt:
In einem Autoklaven aus Edelstahl mit einem Innenvolumen von 160 mL wurde ein Gemisch aus para-Toluylisocyanat (11 mL; 11,62 g; 0,087 mol) und Propylencarbonat (47,40 mL; 57,05 g; 0,559 mol) vorgelegt Nach Verschließen des Autoklaven wurde ein geringer Argon-Strom (20 L/min) durch den Reaktor geleitet und das Reaktionsgemisch unter Rühren auf Reaktionstemperatur erwärmt. Nachdem über einen Zeitraum von 5 Minuten eine konstante Reaktionstemperatur beobachtet worden war, wurde die in-situ-IR-Mossung gestartet. Im Anschluss wurde die Katalysator-Lösung in den angegebenen Mengen in das Reaktionsgemisch injiziert. Das so erhaltene Reaktionsgemisch wurde bei der entsprechenden Reaktionstemperatur mit einer Rührgeschwindigkeit von 500 U/min gerührt. Wenn die Intensität des in-situ-IR-Signals der Isocyanat-Gruppe in einem Zeitraum weniger als 40 Minuten unterhalb des Detektionslimits gesunken war, wurde die Reaktion nach weiteren 20 Minuten durch Kuhlen des Reaktors auf 25 °C und Stoppen des Rührers abgebrochen. Andernfalls wurde die Reaktion nach einer Stunde auf gleiche Weise beendet. Die Ergebnisse werden in Tabelle 1 dargestellt.
Mit * gekennzeichnete Beispiele sind Vergleichsbeispiele.
1
Als Deprotonierungsgrad ist der prozentuale Anteil an Zerivitmoff-aktiven Protonen zu verstehen, der aus der dem Katalysatormolekül zu Grunde liegenden Säure entfernt wurde. Als Zerivitinoff- aktive Protonen sind solche anzusehen, die mit dem Grignardreagenz Methylmagnesiumiodid unter Bildung von einem Molekül Methan pro aktivem Proton reagieren. Der Vergleich von Beispiel 1-1 mit den Beispielen 1-5 bis 1-7 zeigt, dass die Dikaliumsalze der Mercaptosäuren gegenüber dem Kaliumacetat (Stand der Technik) bezüglich Aktivität überlegen sind, da die Zeit bis zum Erreichen eines angegebenen Umsatzes stets geringer ist.
Die Beispiele 1-2 und 1-8 im Vergleich mit den Beispielen 1-5 bis 1-7 zeigen, dass es vorteilhaft ist, wenn auch die Mercaptogruppe und nicht nur die Carboxylgruppe deprotoniert ist. Ein Vergleich des Beispiels 1-2 mit dem Beispiel 1-9 und ein Vergleich des Beispiels 1-5 mit dem Beispiel 1-10 zeigen, dass durch Zusatz von DBTL (Stand der Technik) die Aktivität vermindert wird, dass also die alleinige Verwendung der deprotonierten Mercaptosäuren vorteilhaft gegenüber dem Stand der Technik ist. Die Bildung von Trimeren ist erwünscht, da sie für Flammschutz und Temperaturbeständigkeit vorteilhaft sind. Beispiel 1-5 zeigt, dass das Dikaliumsalz der 3-Mercaptopropionsäure die höchste Selektivität bezüglich Trimeren-Bildung bei allen untersuchten Isocyanatumsätzen zeigt. Die Vergleiche des Beispiels 1-2 mit Beispiel 1-9 und des Beispiels 1-5 mit Beispiel 1-10 zeigen, dass sich ein Zusatz von DBTL (Dibutylzinndilaurat) ungünstig auf die Selektivität bezüglich Trimeren-Bildung auswirkt. Beispiele 1-3 bis 1-5 zeigen, dass auch bei Deprotonierungsgraden des Katalysators im Bereich von ≥ 70% bis≤ 100% (Beispiele 1-3 bis 1-5) bzw. von≥ 80% bis≤ 100% (Beispiele 1-4 bis 1-5) eine hohe Selektivität bezüglich Trimeren-Bildung bei allen untersuchten Isocyanatumsätzen erhalten wird.
Beispielgruppe 2: Herstellung von Polvurethan/Polvisocvanurat-Schäumen In der Herstellung von Hartschäumen wurden die nachfolgenden Verbindungen eingesetzt:
Polyesterpolyol Pl erhalten aus Phthalsäureanhydrid, Adipinsäure, Monoethylenglykol und
Diethylenglykol, OH-Zahl 240 mg KOH/g
TCPP Tris(l-chloro-2-propyl)-phosphat der Fa. Lanxess GmbH, Deutschland.
TEP Triethylphosphat der Fa. Lanxess GmbH, Deutschland.
Stabilisator B8443 Polyetherpolysiloxancopolymerisat der Fa. Evonik.
Desmophen® V 657 Polyetherpolyol auf Basis von Trimethylolpropan und Ethylenoxid mit
einer OH-Zahl von 255 mg KOH/g gemäß DIN 53240 der Fa. Bayer MaterialScience AG, Leverkusen, Deutschland.
Additiv 1132 Polyesterpolyol aus Phthalsäureanhydrid und Diethylenglykol, OH-Zahl
795 mg KOH/g der Fa. Bayer MaterialScience AG, Leverkusen, Deutschland.
Desmodur® 44V70L polymeres Polyisocyanat auf Basis 4,4-Diphenylmethandiisocyanat mit einem NCO-Gehalt von ca. 31,5 Gew.-% der Fa. Bayer MaterialScience AG, Leverkusen, Deutschland.
3-MP Lösung von 3-Mercaptopropionsäure Dikaliumsalz (3-MP) (17,3 Gew.-%) in DEG
Für die Herstellung der Hartschäume wurden die in der Tabelle 2 angegebenen Rohstoffe mit Ausnahme der Polyisocyanatkomponente in einen Pappbecher eingewogen, auf 23°C temperiert, mittels eines Pendraulik-Labormischers (z.B. Type LM-34 der Fa. Pendraulik) vermischt und verflüchtigtes Treibmittel (n-Pentan) ggf. ergänzt. Anschließend wurde unter Rühren die Polyisocyanatkomponente (ebenfalls auf 23°C temperiert) zur Polyolmischung gegeben und die resultierende Reaktionsmischung für 8 s bei 4200 U/min vermischt.
Mit * gekennzeichnete Beispiele sind Vergleichsbeispiele.
Tabelle 2
Charakterisierung der Reaktivität des Katalysators 3-MP
FIG 1 zeigt eine Aviftragung der Steighöhe des PUR/PIR-Schaumes gegen die Zeit, gemessen für die Schaumrezeptur aus Beispiel 2-2, bei der Kaliumacetat als Katalysator durch 3-MP (K/S = 2) ersetzt wurde. Die Katalysatorkonzentration betrug in beiden Fällen 0,5 mol-% bezogen auf die eingesetzten Isocyanat-Gruppen.
Es wurde beobachtet, dass der unter Verwendung von 3-MP erhaltene Schaum in geringerer Zeit eine größere Steighöhe erreichte als der unter Verwendung des Vergleichskatalysators Kaliumacetat (Ac) erhaltene Schaum.
Somit weist der erfindungsgemäße Katalysator eine höhere Aktivität auf. Bei der Verwendung von Kaliumacetat (Beispiel 2-1*) wurde weiterhin nach einer Zeit von > 100 s eine verlangsamte Zunahme der Steighöhe beobachtet (,,PIR-Knick"), die üblicherweise mit dem Einsetzen der Trimerisierungsreaktion (Isocyanurat-Bildung) assoziiert wird.
Ohne sich an eine wissenschaftliche Theorie zu binden, wird das Ausbleiben des PIR-Knicks bei der Verwendung von 3-MP als Katalysator darauf zurückgeführt, dass die Trimerisierungsreaktion in diesem Fall zu einem früheren Zeitpunkt einsetzt und parallel zur Urethan-Bildung verläuft. Somit weist der von 3-Mercaptopropionsäure abgeleitete Katalysator gegenüber dem Vergleichskatalysator Kaliumacetat eine erhöhte relative Reaktivität für die Bildung von Isocyanurat-Einheiten auf.
FIG 2 belegt die erhöhte Aktivität von 3-MP hinsichtlich Trimer-Bildung auch durch IR- spektroskopische Untersuchungen. FIG 2 zeigt eine entsprechende Analyse der Reaktionsvorgänge in der Randzone der reagierenden Schäume im Kontakt mit einem Substrat bei konstanter Temperatur (40, 70 bzw. 120°C). Die Versuche spiegeln das Reaktionsverhalten wider, welches die Schaumsysteme z.B. im Kontakt zu entsprechend temperierten Deckschichten bei der Herstellung von Metallpaneelen zeigen würden. Die Carbamat-Bildung wird durch beide Katalysatoren nahezu identisch aktiviert (FIG 2).
FIG 3 belegt temperaturabhängige Unterschiede bei der Bildung von Trimer: bei 40 und 70°C katalysiert 3-MP die Trimer-Bildung deutlich früher und stärker als Ac. Bei 120°C ist noch ein zeitlicher Unterschied zu erkennen, während das erreichte Endniveau vergleichbar ist.
Charakterisierung des Brandverhaltens von Schäumen, die mit dem Katalysator 3-MP hergestellt wurden
Alle Schäume wurden auf gleiche Katalysatorkonzentrationen von 0,5 mol-% bezogen auf eingesetzte Isocyanatgruppen und ähnliche Rohdichten eingestellt. Man erkennt, dass die mit Kaliumacetat (Beispiele 2-3* und 2-5*) aktivierten Schäume deutliche längere Abbindezeiten besitzen, wodurch die geringere Aktivität gegenüber 3-MP (Beispiele 2-4 und 2-6) deutlich wird. Zugleich erreichen zwar alle Schäume den Brennbarkeitsgrad 5, allerdings weisen die Schäume, die mit dem erfindungsgemäßen Katalysator 3-MP hergestellt wurden, deutliche niedrigere Flammhöhen auf.