VERFAHREN ZUR VERHINDERUNG VON INTERFERENZFARBEN AUF DÜNN BESCHICHTETEN MET ALLOBERFLÄCHEN
BESCHREIBUNG
Technisches Gebiet
Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren zur Beschichtung bzw.
Oberflächenveredelung von Bauteilen mit metallischen Oberflächen, insbesondere Beschichtungen zur Verhinderung bzw. Verminderung von Interferenzfarben bei dünnen und transparenten funktionellen Beschichtungen auf metallischen Bauteilen für z. B. Haushaltsgeräte.
Ferner betrifft die vorliegende Erfindung Bauteile mit metallischen Oberflächen, welche die vorstehend genannten Beschichtungen aufweisen.
Stand der Technik
Viele metallische Bauteile bei Hausgeräten werden zur Verbesserung ihrer
Gebrauchseigenschaften (z. B. Wisch- und Kratzfestigkeit, Korrosionschutz,
Reibungseigenschaften, diffusionshemmende Wirkung, Biokompatibilität, Benetzbarkeit, elektrische Eigenschaften) mit einer dünnen transparenten Beschichtung versehen, welche im Folgenden als„funktionelle Beschichtung" bezeichnet wird. Zum Beispiel erhalten Backofenauszüge aus Edelstahl durch eine dünne Si02-Schicht (die z. B. im PECVD-Verfahren erzeugt wird) eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen und Chemikalien (z. B. Pyrolysefestigkeit). Liegt jedoch die Schichtstärke der aufgebrachten Beschichtung in ähnlicher Größenordnung wie die Wellenlänge des sichtbaren Lichts (also ca. 100-1000 nm), so kommt es durch Interferenzeffekte zu einer als störend empfundenen Ausbildung von Interferenzfarben („Regenbogenfarben"). Dadurch erscheint das metallische Bauteil nicht mehr homogen metallisch glänzend, sondern zeigt - je nach Betrachtungswinkel - gelbe, rote, blaue oder grüne
Verfärbungen.
Diesen Farberscheinungen kann durch Erhöhung der Schichtdicke der transparenten Beschichtung auf über 2000 nm entgegengewirkt werden, was allerdings aus
Kostengründen (durch z. B. erhöhten Materialaufwand oder deutlich verlängerte
Beschichtungszeiten im CVD/PVD-Verfahren) unerwünscht ist oder aufgrund der dadurch hervorgerufenen mechanischen Eigenschaften nicht praktikabel ist (z. B.
Versprödung der Schicht oder Erhöhung der Rissanfälligkeit, welche zum
Funktionsverlust führen können).
Die Modifikation der Rauheit metallischer Oberflächen zur Minimierung von
Interferenzphänomenen gilt bekanntermaßen als Alternative zur Erhöhung der Dicke der funktionalen Beschichtung.
So ist in der DE 100 64 134 A1 ein Verfahren offenbart, worin die
Interferenzerscheinungen durch eine mechanische und/oder chemische und/oder physikalische Aufrauhung der metallischen Oberfläche unterdrückt werden. In diesem Zusammenhang wird unter physikalischer Aufrauhung das (physikalische) Einbringen von Zweitphasen (wie von Licht streuenden Teilchen oder Poren) verstanden, sowie das Schleifen oder Strahlen, insbesondere Sand- oder Kugelstrahlen. Beispielhaft für die chemische Aufrauhung sei das Ätzen, z. B. mit Säuren wie Phosphor-, Schwefel- oder Salzsäure zur Erzeugung einer Mikrostruktur in der zu behandelnden Oberfläche genannt.
Zudem kann die physikalische Aufrauhung durch Zugabe von Licht streuenden Teilchen wie etwa Ti02, Al203, Zr02 oder Si02 im Rahmen eines Sol-Gel-Prozesses erfolgen.
DE 10 2008 01 1 298 A1 offenbart ferner ein Verfahren zum Behandeln der Oberfläche von Aluminiumbauteilen, welches die Erzeugung einer eloxierten Oberfläche mit Kammoder Porenstruktur, die Einbringung und Oxidation pigmentierter Substanzen in die Poren oder Vertiefungen, sowie die Aufbringung einer pigmentierten Deckschicht vorsieht. Hierbei werden optische Interferenzen durch die Pigmentierungen in Poren bzw. Deckschicht sowie die Farbgebung durch die oxidierten Substanzen unterdrückt.
Die EP 1 652 963 A1 offenbart eine Kombination der oben genannten Ansätze zur Vermeidung ungewünschter Reflexionen. Im Einzelnen betrifft die EP 1 652 963 A1 metallische Grundkörper, die zumindest auf einem Oberflächenabschnitt mit einer Oberflächenstruktur versehen sind, die einen Mittenrauheitswert RA grösser als 0,4 μηη
aufweist. Auf die genannte Oberflächenstruktur wird über plasmagestützte PVD- Verfahren eine Doppelschicht bestehend aus einer hochdichten feinkristallinen
Titanschicht mit einer Dicke von 1 μηη und einer darüberliegenden Titandioxidschicht, deren Dicke zur Vermeidung interferenzbedingter Farberscheinungen auf mindestens 2 μηη eingestellt ist, aufgebracht.
Ein Nachteil der genannten Verfahren ist generell, dass durch den Aufrauhungprozess keine hochglänzend spiegelnden Metalloberflächen bereitgestellt werden können und somit die Gestaltungsmöglichkeiten der metallischen Bauteile eingeschränkt sind. Da für die Aufbringung funktioneller Schichten überwiegend chemische (CVD) oder
physikalische (PVD) Dampfabscheidungstechniken verwendet werden, erfordern die oben genannten Prozesse zudem unterschiedliche technische Verfahren für die interferenzmindernden Maßnahmen (z. B. chemische Aufrauhung durch Sol-Gel- Prozesse) und die funktionelle Beschichtung, was einen erhöhten Zeit- und
Kostenaufwand mit sich bringt.
Aufgabe der Erfindung
Es ist deshalb Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein kostengünstiges und einfaches Verfahren zur Oberflächenveredelung von metallischen Bauteilen bereitzustellen, mit dessen Hilfe Lichtinterferenzen bei dünnen, transparenten funktionellen Beschichtungen vermindert bzw. verhindert werden können, ohne die Schichtdicke der funktionellen Beschichtung zu erhöhen und die Anwendung unterschiedlicher Beschichtungsverfahren notwendig zu machen. Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es zudem, Bauteile mit metallischen Oberflächen, welche mit dem vorstehend genannten Verfahren veredelt wurden, bereitzustellen.
Kurze Beschreibung der Erfindung
Es wurde festgestellt, dass die Reflexionseigenschaften metallischer Oberflächen vorteilhaft verändert werden können, indem zwischen der funktionellen Schicht und der metallischen Oberfläche eine zusätzliche Zwischenschicht aufgetragen wird, so dass der Farbeffekt durch Interferenz deutlich abgeschwächt bzw. unterdrückt werden kann, ohne
die Dicke der funktionellen Schicht zu erhöhen und somit die Anfälligkeit derselben gegenüber Versprödung und Rissbildung zu erhöhen.
Daher stellt die vorliegende Erfindung als Lösung der oben genannten Probleme ein Verfahren zur Veredelung metallischer Oberflächen von Bauteilen bereit, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass es die Beschichtung der metallischen Oberfläche eines im Bauteil enthaltenen Grundkörpers mit einer Zwischenschicht, und das
Aufbringen einer transparenten funktionellen Schicht auf die Zwischenschicht umfasst, wobei die transparente funktionelle Schicht eine Schichtdicke im Bereich von 100 bis 1000 nm aufweist.
Ferner werden durch die vorliegende Erfindung gemäß dem beschriebenen Verfahren hergestellte Bauteile bereitgestellt, die sich insbesondere durch ein ansprechendes homogenes (metallisches) Erscheinungsbild ohne Ausbildung von Interferenzfarben auszeichnen.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind den abhängigen Ansprüchen sowie den folgenden Ausführungen zu entnehmen. Kurze Beschreibung der Figur
Fig. 1 stellt schematisch den Schichtaufbau dar, der durch das Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung bereitgestellt wird.
Bester Weg zur Ausführung der Erfindung
Die Erfindung und ihre Vorteile werden nachfolgend anhand bevorzugter
Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Sofern es eine metallische Oberfläche (1 b) aufweist, ist der Grundkörper (1 ) des zu behandelnden Bauteils nicht in besonderem Maße eingeschränkt. Daher kann das Grundmaterial (1 a) z. B. aus massivem Metall, Metalllegierungen, Keramik oder Polymeren gebildet sein. In einer Ausgestaltung der Erfindung bestehen das
Grundmaterial (1 a) und die metallische Oberfläche (1 b) des Grundkörpers (1 ) aus dem gleichen Material, d. h. einem Metall oder einer Metalllegierung.
Die metallische Oberfläche (1 b) stellt demnach die Oberfläche eines Metalls oder einer Metalllegierung dar. Vorzugsweise handelt es sich bei den zu behandelnden
metallischen Oberflächen (1 b) um solche von rostfreien Stählen, insbesondere um Oberflächen der Stahlsorten 1 .4301 und 1 .4016 (Chrom- Nickel- bzw. Chrom-Stahl), besonders bevorzugt um die Stahlsorte 1 .4016.
Erfindungsgemäß erfolgt der Auftrag der interferenzfarbenunterdrückenden
Zwischenschicht (2) auf der metallischen Oberfläche (1 b) des Grundkörpers (1 ). Die Zwischenschicht (2) weist vorzugsweise eine Dicke von weniger als 100 nm, besonders bevorzugt eine Dicke im Bereich von 2 nm bis 90 nm auf.
Die Zwischenschicht (2) stellt vorzugsweise eine vollflächig auf der metallischen Oberfläche (1 b) abgeschiedene Feststoffschicht dar, wodurch sie sich maßgeblich von zu Aufrauhungszwecken eingebrachten Einzelpartikeln oder inselähnlichen
Ansammlungen bzw. Aggregationen von Einzelpartikeln unterscheidet.
Für den Zweck der vorliegenden Erfindung kann als Material für die Zwischenschicht (2) jedes Material ausgewählt werden, welches bei gegebener Schichtdicke einen für die Interferenzminimierung geeigneten Brechungsindex (n) und Absorptionskoeffizienten (k) aufweist. Vorzugsweise werden Ag, AI, Ti und/oder deren Verbindungen als Materialien für die Zwischenschicht (2) verwendet, besonders bevorzugt Ag, AI und Ti02.
Es sei betont, dass die Zwischenschicht (2) durch geeignete Material- und
Schichtdickenauswahl neben der Verhinderung von Interferenzfarben auch weitere Funktionen (wie beispielsweise eine glättende und/oder haftvermittelnde Wirkung) erfüllen kann.
Vorteilhaft ist ferner, dass die Metalloptik durch geeignete Material- und
Schichtdickenauswahl gezielt variiert werden kann. So sind im Gegensatz zum den im Stand der Technik bekannten Verfahren, die eine Aufrauhung der metallischen
Oberfläche (1 b) vorsehen auch Metalloberflächen mit sehr hohem Glanzgrad realisierbar.
Die Zwischenschicht (2) hat ferner gegenüber den bekannten Verfahren den Vorteil, dass das Bauteil nicht komplett aus dem die Interferenzfarben verhinderndem Material hergestellt werden muss bzw. dass Grundmaterial für die Herstellung des Bauteils eingespart werden kann, wodurch die Herstellungskosten minimiert werden können.
Die Auftragung der Zwischenschicht (2) auf die metallische Oberfläche kann durch mehrere bekannte Verfahren erfolgen. So ist beispielsweise für die Bereitstellung dünner Schichtdicken von weniger als 100 nm die Beschichtung mittels chemischer (CVD) oder physikalischer (PVD) Gasphasenabscheidung (z. B. Sputtern), galvanischer Verfahren oder Sol-Gel-Verfahren vorteilhaft. Ebenso sind andere Verfahren, wie z. B.
Schmelztauchveredeln oder Plattieren denkbar, wobei auch Schichtdicken des interferenzmindernden Materials von 100 nm oder größer möglich sind.
Die auf der Zwischenschicht (2) aufgebrachte transparente funktionelle Beschichtung (3) weist eine Dicke im Nanometerbereich auf. Vorzugsweise beträgt die Dicke der funktionellen Beschichtung (3) 100 nm oder mehr und weniger als 1000 nm, um der Gefahr der Rissbildung und Materialversprödung vorzubeugen und verlängerte
Beschichtungszeiten z. B. im CVD/PVD-Verfahren zu vermeiden. Besonders bevorzugt wird eine Schichtdicke in einem Bereich von 300 bis 800 nm.
Generell kann die funktionelle Beschichtung (3) jede bekannte Beschichtung zu
Zwecken der Verbesserung z. B. der Flexibilität, der Wisch- und Kratzfestigkeit, des Korrosionschutzes, der Reibungseigenschaften, der diffusionshemmenden Wirkung, der Biokompatibilität, der Benetzbarkeit, und/oder der elektrischen Eigenschaften sein. Die funktionelle Beschichtung (3) kann ebenfalls mehrschichtig aufgebaut sein.
Als bevorzugte Materialien zur Verwendung für die funktionelle Beschichtung (3) seien Si-, Ti-, AI-, Zr- und/oder B-Verbindungen genannt, wie etwa z. B. TiN, TiBN, TiBC, Si02, oder Si3N4. In einer bevorzugten Ausführungsform wird für die funktionelle Beschichtung (3) Si02 verwendet.
Wie die Zwischenschicht (2) kann funktionelle Beschichtung (3) ebenfalls auf
verschiedene bekannte Weisen auf die Zwischenschicht (2) aufgetragen werden, wie z. B. durch Tauchen, Schleudern, Sprühen, Fluten oder Einreiben. Da die jeweiligen
Beschichtungsverfahren aus einer großen Bandbreite ausgewählt werden können, ist es möglich, das Oberflächenveredelungsverfahren durch geeignete Abstimmung erheblich zu erleichtern und zu beschleunigen, da die Aufbringung der interferenzmindernden Zwischenschicht (2) und der funktionellen Beschichtung (3) seriell in der gleichen Beschichtungsanlage erfolgen kann. Somit ergeben sich gegenüber den bekannten
Verfahren zur Verhinderung von Interferenzfarben auf dünn beschichteten metallischen Oberflächen (z. B. durch physikalische oder chemische Aufrauhung) weitere Vorteile im Hinblick auf die Prozessdauer und - kosten. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt der Auftrag der funktionellen Beschichtung (3) auf der interferenzmindernden Zwischenschicht (2) mit
Plasmabeschichtungsverfahren (PECVD), welche die gezielte Bereitstellung dünner Schichten mit geringem Materialaufwand und kurzen Beschichtungszeiten ermöglichen, und sich zudem hervorragend mit weiteren Vakuumverfahren, wie z. B. Aufdampfen, Sputtern, Plasmavorbehandlung und Plasmafeinreinigung kombinieren lassen.
Folglich ermöglicht das erfindungsgemäße Verfahren nicht zuletzt aufgrund der auf einfache Art und Weise erzeugbaren Schichteigenschaften eine wirksame und vor allem vergleichsweise kostengünstige und effiziente Lösung der eingangs beschriebenen Probleme.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Bauteil, das mit den vorstehend beschriebenen Verfahren hergestellt wurde. In einer bevorzugten Ausführungsform stellt das Bauteil ein Hausgerätebauteil dar, besonders bevorzugt ein unter Gebrauchsbedingungen thermisch beanspruchtes Haushaltsgerätebauteil, wie z. B. einem Gargerätebauteil. In einer ferner bevorzugten Ausführungsform ist das Bauteil ein Backofenauszug. Die genannten Bauteile sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ein gemäß den vorangehend beschriebenen Verfahren hergestellten Schichtaufbau aufweisen. Im Einzelnen enthalten diese einen Grundkörper (1 ) bestehend aus einem Grundmaterial und der metallischen Oberfläche (1 b), eine auf der metallischen Oberfläche
aufgebrachte Zwischenschicht (2), und eine auf die Zwischenschicht (2) aufgebrachte
transparente funktionellen Schicht (3), wobei die transparente funktionelle Schicht (3) eine Schichtdicke im Bereich von 100 bis 1000 nm aufweist.
In bevorzugten Ausführungsformen weist die Zwischenschicht (2) eine Schichtdicke von weniger als 100 nm auf.
In einer ferner bevorzugten Ausführungsform ist die transparente funktionelle Schicht (3) aus Si-, Ti-, AI-, Zr- und/oder B-Verbindungen, besonders bevorzugt Si02, gebildet.
Vorzugsweise ist die Zwischenschicht (2) aus einem Material ausgewählt aus Ag, AI, Ti und deren Verbindungen, besonders bevorzugt aus Ag, AI, oder Ti02, gebildet.
Der Grundkörper (1 ) mit der metallischen Oberfläche (1 b) ist vorzugsweise aus
Edelstahl, besonders bevorzugt einem Edelstahl mit der Werkstoffnummer 1 .4016, gebildet.
Die Eigenschaften und Zusammensetzungen der einzelnen Schichten sowie deren Vorteile sind der obigen Beschreibung des erfindungsgemäßen Verfahrens zu entnehmen.
Die genannten Bauteile zeichnen sich vorteilhaft durch eine völlig gleichmäßige metallische Optik und das Ausbleiben optischer Interferenzeffekte aus, ohne dass die Funktion und die physikalischen Eigenschaften der transparenten funktionellen
Beschichtung beeinträchtigt wird.
Bezugszeichenliste
(1 ) Grundkörper
(1 a) Grundmaterial
(1 b) metallische Oberfläche
(2) Zwischenschicht
(3) transparente funktionelle Schicht