RÜCKSEITENKONTAKTIERTE SOLARZELLE UND VERFAHREN ZU DEREN HERSTELLUNG
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rückseitenkontaktierung von Halbleiterbauelementen mit einem Substrat, das im wesentlichen aus Silicum besteht, wobei auf der Rückseite des Substrats zumindest bereichsweise eine Aluminiumschicht unter Ausbildung einer mit Silicium dotierten Aluminiumschicht mit einem Eutektikum von Silicium und Aluminium und einer mit Aluminium dotierten Siliciumschicht als Rückseitenfeid (engl. Back-surface-field, BSF) aufgebracht ist. Hierbei erfolgt eine Reduzierung der Porosität der Aluminiumschicht simultan zur stoffschlüssigen Verbindung des Halbleiterbauelementes mit einem elektrischen Leiter. Erfindungsgemäß wird ebenso ein rückseitenkontaktiertes Halbleiterbauelement bereits gestellt, das mit dem besagten Verfahren herstellbar ist.
In der Halbleiterfertigung, insbesondere der Solarzellenproduktion, werden aus Produktionskostengründen gesinderte Metallkontakte auf der Vorder-
und/oder Rückseite der Zelle eingesetzt.
Üblicherweise befindet sich auf der Rückseite einer Siliciumsolarzelle eine großflächige Aluminiumschicht, die durch Wärmebehandlung während der Herstellung einer Solarzeile einem Sinterprozess ausgesetzt wird, wodurch gleichzeitig eine Passivierung der Solarzeilenrückseite durch ein sogenanntes Rückseitenfeld (BSF) geschaffen wird.
Beim Sintern wird die Aluminiumschicht, die sich in direktem Kontakt mit dem SÜicumsubstrat befindet, an der Grenzfläche zwischen der Aluminiumschicht und dem Silicumsubstrat aufgeschmolzen und legiert mit dem angrenzenden Siliciumsubstrat. Beim Abkühlen erstarrt eine hoch mit AI dotierte
Siliciumschicht epitaktisch auf der Rückseite des Wafers, also des Substrats. Simultan dazu erstarrt eine mit Silicium angereicherte AI-Schicht auf der Al- Schicht, und am Schluss des Abkühlvorgangs erstarrt ein Al-Si-Eutektikum zwischen der hoch mit Aluminium dotierten Schicht und der mit Silicum angereicherten Schicht. Für die Passivierung der Solarzellenrückseite ist die hoch mit Aluminium dotierte Silicumschicht verantwortlich. Durch die hohe AI- Dotierung wird im Halbleitermateria! der Schicht ein Überschuss an negativ geladenen, ortsfesten AI-Akzeptoren gebildet, von denen ein die Minoritätsträger zurücktreibendes elektrisches Feld erzeugt wird, das sog. BSF.
Wenn sich die Aluminiumschicht über die gesamte Rückseite der Solarzelle bzw. des Substrats erstreckt, gibt es jedoch ein löttechnisches Problem, da es nicht ohne Weiteres möglich ist, z. B. verzinnte oder nicht verzinnte Metall- verbinder, insbesondere Kupferverbinder auf der Aluminiumrückseite direkt anzulöten. Um ungeachtet dessen die erforderliche elektrische Kontaktierung durchzuführen, werden üblicherweise Silberkontaktleiterbahnen oder Lötpads (selektive Siiberkontakte) direkt auf die Substratoberfläche durch Siebdruck, Tampondruck oder andere geeignete Druckverfahren aufgebracht und an diese die verzinnten Kupferbänder mit einer Lotummantelung (meist einer Zinnlegierung) angelötet. Folglich ist im Bereich der Lötkontakte eine Aussparung der Aluminiumschicht vorgesehen mit der Folge, dass sich in diesem Bereich kein BSF ausbilden kann, so dass die Soiarzellenrückseitenfläche nicht voll- ständig elektrisch passiviert ist und hierdurch lokal geringere Fotoströme auftreten. Durch eine vollflächige Aluminiummetallisierung erhöht sich die Leer-
laufspannung (Uoc) und die Nennspannung (Umpp), wodurch eine höhere Leistung zu erwarten ist.
Ein unmittelbares Löten der Kontaktbänder auf der Aluminiumschicht ist aus mehreren Gründen schwer möglich. Ein Grund liegt in der oxidierten Oberfläche der Ai-Partikel. Ein weiterer Grund ist, dass die Aluminiumoberseite aufgrund des Sinterprozesses nicht im hinreichenden Umfang zusammenhängend ausgebildet ist. So entsteht während des Sinterprozesses über der mit Si dotierten Legierungsschicht eine AI-Schicht in Form von aus einzelnen kugelför- migen zusammen gesinterten AI-Partikeln {Sinterschicht), bei der kein geschlossener, sondern ein relativ locker gesinterter Verbund aus Aluminium vorliegt, der in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der Aluminiumpaste bzw. der Prozessparameter beim Sintern mehr oder weniger porös ist. Sollte es ungeachtet dessen gelingen, auf dieser Sinter-Aluminium-Schicht zu löten, so würde jedoch aufgrund der Porosität und hierdurch bedingten Instabilität der Schicht nur ein sehr geringer Halt gegeben sein. Dieser geringere Halt äußert sich in geringen Schälkräften von ca.0,2-0,8N wobei die Sinterschicht in sich auseinander gerissen wird, so dass man auf beiden Seiten der Abrissstelle die Kugelstruktur der Partikel erkennt. Dasselbe passiert, wenn die Lötverbindung auf der Aluminiumschicht den in einem Modul unter Betriebsbedingungen wirkenden Scherkräften ausgesetzt ist. Es kann zu
Microrissen kommen, die zu einer geringeren Haltbarkeit der Lötstelle führen und auch höhere Übergangswiderstände zur Folge haben können, oder die Verbindung kann als Ganzes abreißen und der mechanische und elektrische
Kontakt ist vollständig zerstört.
Aus der US 2011/0065231 AI, der US 2011/272453 AI, der US 2011/204126 AI, der US 2011/132451 AI und der US 2008/308892 AI sind Verfahren be- kannt, die auf einem Ultraschall-gestützten Löten mit Zinn-basierten Loten auf der Aluminiumschicht der Solarzelle basieren. Problematisch ist hier die mechanische Festigkeit der so erzielten Lötstellen. In vielen Fällen kommt es schon bei geringfügiger Belastung zu einem Bruch in der Aluminiumschicht.
Ausgehend hiervon war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren zur elektrischen Kontaktierung hin-
sichtlich der mechanischen Festigkeit der Verbindungen zwischen Halbieiter- bauelement und elektrischem Leiter zu verbessern.
Diese Aufgabe wird durch das Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie durch das Halbleiterbaueiement mit den Merkmalen des Anspruchs 10 gelöst. Die weiteren abhängigen Ansprüche zeigen vorteilhafte Weiterbildungen auf.
Erfindungsgemäß wird ein Verfahren zur Rückseitenkontaktierung von Halbleiterbauelementen mit einem Substrat, das im wesentlichen aus Siiicium besteht, bereitgestellt, wobei auf der Rückseite des Substrats zumindest bereichsweise eine Aluminiumschicht unter Ausbildung einer mit Siiicium dotierten Aluminiumschicht (erste Zwischenschicht) mit einem Eutektikum von Siiicium und Aluminium und einer mit Aluminium dotierten Siliciumschicht {zweite Zwischenschicht) als Rückseitenfeld (BSF) aufgebracht ist, mit folgenden Schritten:
• Reduzierung der Porosität der Aluminiumschicht in den für die elektrische ontaktierung vorgesehenen Bereichen zur Verbesserung der Haftung in diesen Bereichen,
• zumindest bereichsweises stoffschiüssiges Verbinden mindestens eines elektrischen Leiters mit den für die elektrische Kontaktierung vorgesehenen Bereichen des Halbleiterbauelementes mittels eines Lötverfahrens zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes zwischen dem elektrischen Leiter und der ersten und/oder zweiten Zwischenschicht.
Hierbei erfolgt die Reduzierung der Porosität simultan zu der stoffschlüssigen Verbindung.
Ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens basiert darauf, dass gegenüber den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren ein Arbeitsschritt eingespart werden kann, was zu einer Kostenreduzierung bei der Herstellung von Halbleiterbauelementen führt. Ein wetterer Vorteil beruht darauf, dass eine Möglichkeit geschaffen wird, auf Aluminium im
Weichlötbereich zu löten und darüber hinaus durch die Komprimierung bzw.
Verdichtung des Aluminiums die Haftkraft der Lötstelle wesentlich erhöht wird.
Die Reduzierung der Porosität wird vorzugsweise durch eine Beaufschlagung der für die elektrische Kontaktierung vorgesehen Bereiche mit Ultraschall.
Diese Ultraschallbeaufschlagung kann zusätzlich durch eine Druckbeaufschlagung unterstützt werden.
Unter Druckbeaufschlagung ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung jedes Verfahren zu verstehen, das eine Kompression des Aluminiums an der Lötstelle und damit eine Verdichtung der Aluminiumschicht in diesem Bereich ermöglicht. Hierzu zählt beispielsweise als bevorzugte Variante eine Druckbeaufschlagung durch Kraftausübung mit einer Ultrascha!lsonde auf das
Halbleiterbaulement im Bereich der Lötstelle. Hierbei können kreisförmige oder rechteckige Ultraschallsotroden (bezogen auf die Kontaktfläche der Sonde) eingesetzt werden.
Für die Druckbeaufschlagung können Druckbereiche angewandt werden, die eine Kompression des Aluminiums an der Lötstelle und damit eine Verdich- tung der Aluminiumschicht in diesem Bereich ermöglichen. Dieser Druck (Kraft pro Fläche des Halbleiterbauelements} liegt vorzugsweise im Bereich von 0,001 bar (N/mm2) bis 20 bar, bevorzugt von 0,01 bar bis 2 bar und besonders bevorzugt von 0,05 bar bis 1 bar. Die für die Druckbeaufschlagung angewandte Kraft liegt dabei vorzugsweise im Bereich bis maximal 30 N, bevorzugt bis 15 N und besonders bevorzugt bis 10 N. Ein ganz besonders bevorzugter Bereich liegt von 0,1 bis 6 N. Hierbei kann durch die Einstellung der Kraft bei der Druckbeaufschlagung eingestellt werden, wie weit das Lotmaterial in das Halblelterbaueiement getrieben wird. Beispielsweise kann bei einer Kraft von etwa 0,1 bis 2 N das Lot nur die Aluminiumschicht durchdringen, bei einer Kraft von etwa 2 bis 4 H können zusätzlich die erste und zweite Zwischenschicht mit Lot durchdrungen werden und bei einer Kraft von 4 bis 6 kann das Lot bis zum Rückseitenfeld (BSF) getrieben werden.
Es ist weiterhin bevorzugt, dass die an der Oberfläche der Aluminiumschicht immanente Oxidschicht durch die Einwirkung des Ultraschalls zumindest bereichsweise mechanisch aufgebrochen wird.
Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, dass die Reduzierung der Porosität durch das Eintreiben des Lotes in die Aluminiumschicht und Durchdringen der Aluminiumschicht bis zur Zwischenschicht durch das Lot in den für die elektrische Kontaktierung vorgesehenen Bereichen erfolgt.
Vorzugweise erfolgen das mechanische Aufbrechen der Oxidschicht und das Durchdringen der Aluminiumschicht mit dem Lot simultan. Das Lötverfahren ist vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus
Ultraschalllöten, ultraschallgestütztem Löten, ggf. mit Druckvariation, und leitfähigem Kleben. Das Material des Lotes ist bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Zinn, Zink, Bismut, Blei, Silber oder Legierungen hiervon.
Die Aufbringung der Aluminiumschicht auf dem Halbleiterbauelement kann gemäß den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren durchgeführt werden. So kann die Aufbringung durch eine Aluminiumpaste ebenso erfolgen wie durch Siebdruck, LFC-Siebdruck (engl.: laser fired contact, LFC), mittels physikalischer Gasphasenabscheidung (PVD), mittels LFC-PVD oder mittels
Folienapp!ikation.
Erfindungsgemäß wird ebenso ein rückseitenkontaktiertes Halbleiterbauelement mit einem Siiicium-Substrat, einer rückseitigen Aluminiumschicht und, zwischen diesem angeordnet, einer mit Silicium dotierten Aluminiumschicht
(erste Zwischenschicht} mit einem Eutektikum von Silicium und Aluminium und einer mit Aluminium dotierten Stliciumschicht (zweite Zwischenschicht) als Rückseitenfeld (BSF) bereitgestellt, wobei die Aluminiumschicht zumindest bereichsweise mit einem elektrischen Leiter mit einem Lot kontaktiert ist und die Aluminiumschicht im Bereich der Kontaktierung eine geringere Porosität als in den Bereichen ohne Kontaktierung aufweist.
Die Aluminiumschicht ist vorzugweise im Bereich der Kontaktierung zumindest bereichsweise vom Lot durchdrungen, sodass durch das Lot eine elektrische Verbindung von der ersten und/oder zweiten Zwischenschicht und dem elektrischen Leiter vorliegt.
Die Adhäsion zwischen der Aluminiumschicht und dem Lot beträgt vorzugsweise mindesten lN/mm. Die Adhäsion wird dabei gemäß DIN EN 50461 gemessen.
Vorzugweise ist das Material des Lotes ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Zinn, Zink, Bismut, Blei, Silber oder Legierungen hiervon.
Das rückseitenkontaktierte Haibleiterbaueiement ist vorzugsweise nach dem zuvor beschriebenen Verfahren herstellbar.
Anhand der nachfolgenden Figuren soll der erfindungsgemäße Gegenstand näher erläutert werden ohne diesen auf die hier gezeigten spezifischen Ausführungsformen einschränken zu wollen.
Fig. 1 zeigt in einer Schnittdarstellung eine erste Variante des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes.
Fig. 2 zeigt in einer Schnittdarstellung eine weitere Variante des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes.
Fig. 3 zeigt eine weitere Variante des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes in einer Schnittdarstellung.
Fig. 4 zeigt eine Schnittdarsteliung einer weiteren Variante des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes.
In Fig. 1 ist eine erste Ausführungsform des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes dargestellt. Bei der Herstellung von Halbleiterbauelementen, z.B. Silicium basierten Solarzellen 1 wird auf die Waferrückseite ganzflächig, mit Ausnahme der Lötkontaktstellen/LÖtpads 3, eine spezielle poröse Alumi-
niumpaste 2 aufgebracht. Die Aluminiumschicht erfüllt zusätzlich zur Abführung der generierten Majoritätsladungsträger als zweite Funktion die Bildung des sogenannten Back-Surface-Fields (BSF) 2b als zweite Zwischenschicht. Gleichzeitig bildet sich ein Eutektikum aus Aluminium und Siücium 2a als erste Zwischenschicht aus. Diese befindet sich zwischen der porösen Aluminiumpaste 2 und dem BSF 2b. Insgesamt werden in drei Schritten verschiedene Pasten auf den Wafer aufgebracht, nach jedem dieser Schritte werden die Druckpasten auf 250 °C erhitzt, damit das enthaltene Lösungsmittel verdampfen kann. Am Ende der Waferprozessierung ist dieser noch nicht funktionsfä- hig, sondern muss in einem letzten Schritt einem„fast firing process" unterzogen werden, wobei der Wafer kurzzeitig auf ca. 800 °C erhitzt wird. Dieser Schritt dient der Herstellung des Halbleiterkontaktes. Während der
Prozessierung des Wafers bis zur fertigen Solarzelle bleibt die aufgebrachte Aluminiumschicht in einem porösen Zustand.
In Fig. 2 ist eine weitere Variante des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes dargestellt, bei dem im Vergleich zu Fig. 1 auf Lötkontaktstellen verzichtet wird und hier eine direkte Kontaktierung des Flachdrahtes 5 auf die Aluminiumschicht durchgeführt wird, wobei das Aluminium an der kontaktier- ten Stelle verdichtet wird.
In Fig. 3 ist eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes dargestellt, bei dem ein Vorbeloten mit Lötkontakten 6 der Aluminiumschicht durchgeführt wird. Das pastös vorliegende Aluminium wird durch diesen Prozessschritt verdichtet, wobei sich die Verdichtung bis zum Eutektikum aus Aluminium und Silicium erstreckt. Das Verdichten des Aluminiums erhöht dabei punktuell die Haftkraft der aufgebrachten Lötverbindungen. Ebenso wird die elektrische Ankopplung erhöht, da sich die größte Leitfähigkeit im Eutektikum befindet.
In Fig. 4 ist eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Halbleiterbauelementes dargestellt, das analog zu Fig. 3 ein Vorbeloten der Alumtnium- schicht vorsieht. In Fig. 4 werden allerdings die Lötkontakte 6 bis zum BSF 2b getrieben. Das Verdichten des Aluminiums erhält punktuell eine nochmals verbesserte Haftkraft, als in Fig. 3 beschrieben, der aufgebrachten
Lötverbindung, sowie den Vorteil der elektrischen Ankopplung im Eutektikum.
Kontakt alle Schichten durchdringt (2, 2a, 2b) und somit auch Kontak-