Histologisches Verfahren
Beschreibung
Die Erfindung betrifft das technische Gebiet der histologischen Präparation von biologischem Gewebe, und umfasst Verfahren und Mittel zur Herstellung transparenter biologischer Präparate für die lichtmikroskopische Untersuchung. Im Zusammenhang mit der lichtmikroskopischen, insbesondere fluoreszenzmikroskopischen Untersuchung von biologischem Gewebe, besonders Zellen, kann es erforderlich sein, die Transparenz des Gewebes für Licht, besonders für Beleuchtung und Anregungslicht, zu verbessern. Bekannte Maßnahmen bestehen darin, Differenzen im Brechungsindex innerhalb des Gewebes, die unerwünschte Lichtstreuung verursachen und Transparenz verhindern, weitestgehend zu reduzieren. Die Lichtbrechung an den Übergängen von Medien mit unterschiedlicher optischer Dichte soll unterdrückt werden. Dieser Vorgang wird als„Klärung" bezeichnet. Zur Klärung werden be- kanntermaßen Lösungsmittel eingesetzt, die einen an die Gewebestrukturen angepassten optischen Brechungsindex aufweisen. Diese „Klärungsmittel" ersetzen die im Gewebe ursprünglich vorhandene optische Medien mit anderen Brechungsindizes, insbesondere intrazelluläres und interstitielles Wasser und Fett. Eine bekannte Klä- rungsmittel-Zusammensetzung ist eine Mischung aus Benzylalkohol und Benzylbenzoat (BABB), üblicherweise in einem Verhältnis von
Zur Klärung wird vorfixiertes Gewebe zunächst in einer aufsteigenden Reihe von Trocknungsmitteln (Dehydrationsmittel) entwässert. Bekannte Trocknungsmittel sind organische polare Lösungsmittel oder Lösungsmittelzusammensetzungen, besonders Methanol, Ethanol und Oktanol, gegebenenfalls in Verbindung mit einem lösungsvermittelnden Agens wie DMSO oder einem Detergens. Das entwässerte Gewebe wird anschließend in Klärungsmittel inkubiert, das das Gewebe durchdringen soll, um ein geklärtes, das heißt optisch weitgehend transparentes, Gewebepräparat zu erhalten. Besonders in Zusammenhang mit lichtmikroskopischen und besonders fluoreszenzmikroskopischen Untersuchungen von neuronalem Gewebe, besonders Gewebe des zentralen Nervensystems, ist eine wirksame Gewebeklärung erwünscht. Neuronales Gewebe weist in der Regel einen hohen Anteil an membranösen lichtbrechenden Strukturen auf. Mit bekannten Klärungsmitteln ist die erzielte Transparenz für bestimmte lichtmikroskopische Techniken, insbesondere die sogenannte „Lichtbandmikroskopie" (Ultramikroskopie), siehe zum Beispiel Dodt et al., Nature Methods 4 (4): 331-336 (2007), noch weiter verbesserungswürdig. Mit bekannten Klärungsmaßnahmen kann bisher nur vergleichsweise dünne Gewebeschnitte geklärt werden, d.h. eine Transparenz erzielt werden, die eine lichtmikroskopische, besonders fluoreszenzmikroskopische Untersuchung des Gewebes ermöglichen. Lichtmikroskopische und fluoreszenzmikroskopische Verfahren, die ein transpa- rentes Gewebepräparat voraussetzen, können bisher nachteiligerweise nicht an Gewebeproben oder Biopsaten durchgeführt werden. Es ist wünschenswert, das Klärungsergebnis derart zu verbessern, dass auch größere Gewebeabschnitte, beispielsweise Gewebestü-
cke mit etwa 1 cm Kantenlänge oder mehr weitestgehend geklärt werden können.
In Gewebe aus genetisch veränderten Organismen, worin bestimmte Gewebezellen farbgebende Markerproteine exprimieren, sind diese lichtmikroskopisch erkennbar. Ein bekanntes Markerprotein ist „green fluorescent protein" (GFP) sowie Abwandlungen (xFP) davon wie„enhanced green fluorescent protein" (EGFP). Andere fluores- zente Markerproteine sind„red fluorescent protein" aus Discosoma sp. (dsRed) und Abwandlungen davon, zum Beispiel dsRed- Monomer oder drFP583. Durch entsprechendes Anregungslicht, beispielsweise Laserlicht (488 nm), wird dieses Protein zur Fluoreszenz angeregt. Die Fluoreszenz kann durch fluoreszenzmikroskopische Techniken, beispielsweise durch Ultramikroskopie, registriert und die erhaltene Bildinformation ausgewertet werden. Andere Verfahren der Fluoreszenzmarkierung verwenden vorzugsweise spezifisch an Gewebestrukturen bindende Moleküle, beispielsweise Antikörper, woran fluoreszente Chromophore (Farbstoffe) gekoppelt sind. Daneben bestehen in einigen Geweben autofluoreszente Strukturen, die ohne Hinzufügen externer Chromophoren oder Expression von Markerpro- teinen Fluoreszenz zeigen.
Es besteht das Problem, dass bekannte Maßnahmen zur Gewebeklärung, insbesondere die Schritte der Entwässerung durch bekannte Trocknungsmittel und der Klärung durch bekannte Klärungsmittel, das Fluoreszenzsignal abschwächen und reversibel oder irreversibel verändern. Die fluoreszenzmikroskopische Untersuchung von geklärtem Gewebe wird dadurch wesentlich erschwert oder unmöglich gemacht.
Das der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende technische Problem besteht darin, verbesserte Verfahren und Mittel zur Präparation biologischer Gewebe bereitzustellen, die eine verbesserte Klärung des Gewebes ermöglichen, um verbessert transparente Gewebe- präparate zu erhalten. Ein weiteres damit verbundenes technisches Problem ist die Bereitstellung von Verfahren und Mitteln zur Präparation biologischer Gewebe, welche die Fluoreszenz oder Farbgebung von Markerproteinen oder anderen Chromophoren in dem Gewebe bei der Präparation nicht beeinträchtigen oder verhindern bezie- hungsweise eine Beeinträchtigung oder Verhinderung der Fluoreszenz oder Farbgebung vermeiden.
Das technische Problem wird vollständig gelöst durch die Bereitstellung eines Verfahrens zur Präparation von biologischem Gewebe für die Lichtmikroskopie, insbesondere für die Fluoreszenzmikroskopie und/oder Ultramikroskopie, wobei das Verfahren zumindest die folgenden Schritte aufweist, die besonders in der dargestellten Reihenfolge durchgeführt werden:
Ein in einem Schritt (a) fixiertes Gewebe wird in einem nachfolgenden Schritt (b) mit einem Trocknungsmittel entwässert. In einem nachfolgenden Schritt (c) wird das entwässerte Gewebe mit einem Klärungsmittel geklärt. Das erfindungsgemäße Verfahren ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass in Schritt (b) ein neuartiges und/oder auf neuartige Weise vorbereitetes Trocknungsmittel eingesetzt wird. Das erfindungsgemäße Verfahren ist vor allem auch dadurch gekennzeichnet, dass in Schritt (c) ein neuartiges und/oder auf neuartige Weise vorbereitetes Klärungsmittel eingesetzt wird. Das Klä-
rungsmittel ist ausgewählt aus der Gruppe der aromatischen Ether und der aromatische Ether enthaltenden Zusammensetzungen, die einen optischen Brechungsindex aufweisen, der an den Brechungsindex des Gewebes angepasst ist, insbesondere diesem entspricht. Die Erfindung sieht gemäß dieses ersten Aspekts also vor, ein neuartiges Klärungsmittel auf Basis von aromatischem Ether einzusetzen. Dadurch kann überraschenderweise eine gegenüber den Klärungsergebnissen mit bekannten Klärungsmitteln wie BABB weitaus verbesserte Transparenz des geklärten Gewebes erreicht werden. Weiter erlaubt dieses neuartige Klärungsmittel überraschenderweise in dem Gewebe vorhandene Fluoreszenz oder Farbgebung, besonders die Fluoreszenz von exprimierten Markerproteinen wie GFP „green fluorescent protein", YFP„yellow fluorescent protein", RFP „red fluorescent protein", CFP„cyan fluorescent protein", BFP„blue fluorescent protein" oder verwandten Proteinen sowie anderen Chro- mophoren, zu erhalten. Daneben tritt in präpariertem Gewebe häufig Autofluoreszenz auf, die gemäß der Erfindung zur mikroskopischen Untersuchung unmittelbar herangezogen werden kann. Überraschenderweise werden Autofluoreszenzerscheinungen im Gewebe durch die erfindungsgemäße Präparation nicht oder nur unwesentlich unterdrückt. Dies erlaubt neuartige histologische Untersuchungsmethoden und ermöglicht verbesserte Aussagen über das untersuchte Gewebe.
In einer bevorzugten Ausgestaltung ist das Klärungsmittel ein aroma- tischer Ether oder eine diesen enthaltende Zusammensetzung, das oder die bevorzugt eine dynamische Viskosität bei Raumtemperatur (21°C) von weniger als 6 Pa s (6.000 cP) aufweist. Bevorzugt beträgt die dynamische Viskosität bei Raumtemperatur 5,4 Pa s (5.400 cP)
oder weniger. Ohne an die Theorie gebunden sein zu wollen, begünstigt die erfindungsgemäß erzielte vergleichsweise niedrige Viskosität des Klärungsmittels die Penetration des Gewebes und unterstützt die Klärung auch bei dickeren Gewebeschichten, die mit an sich bekannten Klärungsmitteln nicht hinreichend durchdrungen werden konnten.
In einer besonderen Ausgestaltung sieht die Erfindung die Gewebepräparation von pathologischen Gewebeproben oder Biopsaten, die aus den menschlichen oder tierischen Körpern entnommen wurden, vor. Eine typische Anwendung ist Operationsmaterial (Resektionsmaterial), das während einer Operation eines Patienten entnommen wird. Das erfindungsgemäße Präparationsverfahren erlaubt vorteilhafterweise die Erweiterung der Anwendung der Lichtbandmikroskopie oder Ultramikroskopie auch auf dem Gebiet der pathologischen oder diagnostischen Untersuchung von Gewebepräparaten oder Biopsien, besonders bei der Tumordiagnostik. Vorteilhafterweise kann dem Körper entnommenes Brustgewebe oder Lungengewebe oder anderes nunmehr vereinfacht und verbessert auf das Vorhandensein von Karzinomzellen oder anderen hin untersucht werden. In einer besonderen Ausgestaltung ist der als Klärungsmittel eingesetzte aromatische Ether frei von Aldehyd-Funktionen und Hydroxy- Funktionen und anderen reaktiven Funktionen. Ohne an die Theorie gebunden sein zu wollen, unterdrückt die Gegenwart reaktiver Gruppen wie Aldehyd-Funktionen und Hydroxy-Funktionen in dem Klä- rungsmittel Fluoreszenz oder Farbgebung von Chromophoren, besonders von Markerproteinen. Die Erfindung sieht deshalb bevorzugt vor, in einem Klärungsmittel die Gegenwart solcher reaktiver Gruppen zu vermeiden. Bevorzugter aromatischer Ether ist Dibenzylether
(CAS 103-50-4). In einer Variante wird als Klärungsmittel ausschließlich Dibenzylether und kein weiteres Lösungsmittel, besonders kein weiteres Klärungsmittel, eingesetzt.
Bevorzugt beträgt der Brechungsindex des Klärungsmittels von 1 ,4 bis 1 ,8, besonders bevorzugt von 1 ,5 bis 1 ,6. In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung wird der Brechungsindex des Klärungsmittels beziehungsweise der Klärungsmittelzusammensetzung durch Zusatz mindestens eines organischen Dotierungsmittels zu dem Klärungsmittel angepasst. Das Dotierungsmittel ist bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus organischen elektronenreichen Molekülen, die insbesondere keine Fluoreszenzemission im Bereich des sichtbaren Lichts aufweisen, um das Fluoreszenzsignal eines Chromophors oder Markerproteins nicht zu überdecken oder überlagern. Bevorzugt sind die Dosierungsmittel ausgewählt aus Triphenylmethan und Benzochinolin sowie anderen entsprechenden organischen elektronenreichen Molekülen. Dem Fachmann sind Maßnahmen zur Anpassung des Brechungsindex durch solche Dotierungsmittel an sich bekannt.
In einem zweiten Aspekt oder als besondere Ausgestaltung des vor- genannten ersten Aspekts sieht die Erfindung zur Entwässerung des Gewebes in Schritt (b) die Verwendung eines auf Tetrahydrofuran (THF, CAS 109-99-9) basierenden Trocknungsmittels vor. Bevorzugt wird als Trocknungsmittel ausschließlich Tetrahydrofuran oder eine Tetrahydrofuran enthaltende Lösungsmittelzusammensetzung ein- gesetzt. In einer Variante wird als Trocknungsmittel ausschließlich Tetrahydrofuran und kein weiteres Lösungsmittel, bevorzugt keine weitere Substanz, eingesetzt.
Die Erfinder fanden überraschend, dass Tetra hydrofu ran eine effektive Entwässerung des Gewebes ermöglicht. Gleichzeitig wird die Fluoreszenz oder Farbgebung durch Chromophoren, besonders von Markerproteinen, erhalten und signifikant weniger beeinträchtigt als mit bekannten Trocknungsmitteln und -verfahren.
Gegenstand der Erfindung ist demgemäß auch die Verwendung von Tetra hydrofu ran als Trocknungsmittel bei der fluoreszenzerhaltenden Präparation von biologischem Gewebe, insbesondere in Zusammenhang mit der Vorbereitung zur Gewebeklärung oder der Harz- einbettung oder anderer Dauerpräparationsverfahren. Das Entwässern des Gewebes mit Trocknungsmittel erfolgt besonders durch wiederholte Inkubation des Gewebes in aufsteigender Lösungsmittelkonzentration in an sich bekannter Weise.
Die Erfinder fanden weiter überraschend, dass für den Erhalt der Fluoreszenz oder Farbgebung von in dem Gewebe enthaltenen Markerproteinen Trocknungsmittel und/oder Klärungsmittel, bevorzugt beide, in peroxidfreier Form vorliegen sollen. Bekanntermaßen bilden organische Lösungsmittel besonders in Kontakt mit Luftsauerstoff und/oder unter Einwirkung energiereicher (UV-Strahlung) reak- tive Peroxide. Die Erfindung sieht deshalb bevorzugt vor, dass Trocknungsmittel und/oder Klärungsmittel, zumindest zum Zeitpunkt der Durchführung der Präparationsschritte (b) und (c), jeweils peroxidfrei, das heißt vollständig frei von Peroxiden, vorliegen. Die Peroxidfreiheit beträgt weniger als 0,1 % Peroxide, bevorzugt weniger als 0,01 % und besonders bevorzugt weniger als 0,001 % (Volumenanteil).
In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung wird die Peroxidfreiheit dieser Mittel dadurch erreicht, dass, bevorzugt unmittelbar vor Durchführung der Präparationsschritte (b) und (c), Trocknungsmittel und/oder Klärungsmittel durch Adsorption von darin ge- gebenenfalls vorhandenen Peroxidverbindungen an einen inerten Träger, besonders an aktiviertes, insbesondere basisches, Aluminiumoxid oder an verwandte Adsorbersysteme, entfernt wird. Andere Maßnahmen der Entfernung von Peroxidverbindungen schließt die Erfindung nicht aus. Eine bevorzugte Ausführung sieht die adsorpti- onschromatographische Aufreinigung in mindestens einer Chromatographiesäule vor. Diese wird, gegebenenfalls durch Druck- oder Vakuumunterstützung, in an sich bekannter Weise durchgeführt. Die erhaltenen peroxidfreien Verbindungen oder Zusammensetzungen werden anschließend zum Abschluss von Sauerstoff bevorzugt unter Inertgas, insbesondere Argon, gehalten oder gelagert. Eine Peroxidneubildung wird gegebenenfalls zusätzlich durch die Zugabe von Stabilisierungsmitteln verhindert. Bevorzugte Stabilisierungsmittel sind BHT (3,5-Di-tert-butyl-4-hydroxytoluen) und Propylgallat (Propyl- 3,4,5-trihydroxybenzoat); diese werden vorzugsweise in einer Kon- zentration von 100 bis 400 ppm eingesetzt. Die Erfinder fanden außerdem überraschend, dass solche Stabilisierungsmittel auch auf Chromophore wie Markerproteine stabilisierend wirken und den Erhalt der Fluoreszenz oder Farbgebung unterstützen.
In einer bevorzugten Ausgestaltung erfolgt im Zusammenhang mit oder zum Zwecke der Bereitstellung des Gewebes in Schritt (a) eine Fixierung oder Vorfixierung der Gewebestrukturen. Dies erfolgt bevorzugt in an sich bekannter Weise durch Einsatz eines an sich bekannten Fixierungsmittels, das bevorzugt ausgewählt ist aus Forma- lin, Paraformaldehyd und dazu funktionsanalogen Substanzen und
Zusammensetzungen. In einer besonderen Ausgestaltung erfolgt die
Vorfixierung des Gewebes in situ zum Beispiel durch Perfusion. In einer bevorzugten Variante umfasst Schritt (a) auch die Entnahme des Gewebes aus dem Spenderorganismus und das Schneiden des
Gewebes in an die Anforderungen der jeweils eingesetzten mikroskopischen Untersuchungen und Fragestellungen angepassten Dimensionen.
In einer besonderen Ausgestaltung des Verfahrens wird in einem
zusätzlich anschließend ausgeführten Schritt (d) das geklärte Gewe- be eingebettet, um bevorzugt ein Dauerpräparat zu erstellen und/oder die Handhabung des Präparats bei der mikroskopischen
Untersuchung zu erleichtern. Dazu sieht die Erfindung bevorzugt vor, dass das geklärte Gewebe in Schritt (d) in eine Kunstharzzusammensetzung eingebettet wird, wobei diese ebenfalls einen optischen
Brechungsindex aufweist, der an den Brechungsindex des Gewebes angepasst ist, um die Transparenz zu erhalten.
In einer bevorzugten Ausgestaltung wird der Brechungsindex der
Kunstharzzusammensetzung durch Zusatz mindestens eines der vorstehend beschriebenen elektronenreichen Dotierungsmittel wie
Triphenylmethan und Benzochinolin oder anderen angepasst. Bevorzugt beträgt der Brechungsindex der Kunstharzzusammensetzung von 1 ,4 bis 1 ,8, besonders bevorzugt von 1 ,5 bis 1 ,6, insbesondere 1 ,55.
Die Kunstharzzusammensetzung ist eine Epoxid-basierte Zusam- mensetzung, die zumindest eine Epoxidharzkomponente, zumindest eine Härterkomponente und außerdem bevorzugt zusätzlich zumindest eine Weichmacherkomponente enthält. Die Komponenten Wer
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den vorzugsweise in einem Volumenverhältnis von etwa 55-65 % Harz zu 40-30 % Härter zu 8-2 % Weichmacher vermengt. Vorteilhafterweise erlaubt die Gegenwart des erfindungsgemäß vorgesehenen Klärungsmittels, das ebenfalls als Weichmacher der Kunst- harzzusammensetzung dienen kann, eine erleichterte Durchdringung des Gewebes mit der Kunstharzzusammensetzung.
Gegenstand der Erfindung ist auch ein Kit (kit-of-parts), das zum Zwecke der Präparation von biologischem Gewebe, das für die Lichtmikroskopie geeignet ist, vorgesehen ist und verwendet wird. Erfindungsgemäß enthält das Kit zumindest den, bevorzugt peroxidfreien, aromatischen Ether oder eine diesen enthaltende Zusammensetzung mit einem optischen Brechungsindex, der an den Brechungsindex des Gewebes angepasst ist, als Klärungsmittel. Bevorzugt ist der aromatische Ether Dibenzylether. Bevorzugt enthält das Kit als Klärungsmittel ausschließlich Dibenzylether. Das Kit enthält in einer bevorzugten Ausgestaltung zusätzlich, bevorzugt peroxidfreies, Tetra hydrofu ran oder eine dieses enthaltende Lösungsmittelzusammensetzung als Trocknungsmittel. Besonders bevorzugt enthält das Kit als Trocknungsmittel ausschließlich Tetrahydrofuran. In einer weiteren Ausgestaltung enthält das Kit zusätzlich eine Kunstharzzusammensetzung, enthaltend Epoxydharzkomponente, Härterkomponente und Weichmacherkomponente, wobei die Kunstharzzusammensetzung einen optischen Brechungsindex aufweist, der an den Brechungsindex des Gewebes angepasst ist. Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung von, bevorzugt peroxidfreiem, aromatischem Ether oder einer diesen enthaltenden Zusammensetzung mit einem optischen Brechungsindex, der an den
Brechungsindex von biologischem Gewebe angepasst ist, als Klärungsmittel zum Zwecke der Präparation des Gewebes für die lichtmikroskopische Untersuchung.
Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung von, bevorzugt peroxidfreiem, aromatischem Ether oder einer diesen enthaltenden Zusammensetzung mit einem optischen Brechungsindex, der an den Brechungsindex von biologischem Gewebe angepasst ist, als Klärungsmittel zum Zwecke des Erhalts der Fluoreszenzmarkierung des Gewebes bei dessen Präparation für die lichtmikroskopische Unter- suchung.
In einer besonderen Ausgestaltung ist die Fluoreszenzmarkierung des Gewebes durch die Expression eines oder mehrerer fluoreszierender oder farbgebender Proteine vermittelt. Diese sind in einer bevorzugten Variante ausgewählt aus„green fluorescent protein" (GFP) und dessen Abwandlungen xFP und„enhanced green fluorescent protein" (EGFP) sowie analogen farbgebenden Markerproteinen. Andere bevorzugte fluoreszente Proteine sind RFP„red fluorescent protein" wie dsRed und dessen Abwandlungen wie drFP583 sowie dazu analoge farbgebende Markerproteine. Andere bevorzugte fluo- reszente Proteine sind YFP„yellow fluorescent protein" und dessen Abwandlungen sowie dazu analoge farbgebende Markerproteine. Andere bevorzugte fluoreszente Proteine sind CFP„cyan fluorescent protein" und dessen Abwandlungen sowie dazu analoge farbgebende Markerproteine. Andere bevorzugte fluoreszente Proteine sind BFP„blue fluorescent protein" und dessen Abwandlungen sowie dazu analoge farbgebende Markerproteine. Die Erfindung ist aber nicht auf diese vorgenannten konkreteren Beispiele autofluoreszenter Proteine beschränkt.
Weiter kann die Fluoreszenzmarkierung des Gewebes, zusätzlich oder alternativ ausschließlich, auf Fluoreszenz von in dem Gewebe enthaltenen autofluoreszenten Strukturen basieren.
Weiter kann die Fluoreszenzmarkierung des Gewebes, zusätzlich oder alternativ ausschließlich, auf anderen an sich bekannten Fluoreszenzmarkierungen von Geweben basieren. Bevorzugt ist dabei mindestens ein spezifisches Markierungsmittel mit daran gekoppeltem fluoreszentem Chromophor, wobei das Markierungsmittel ausgewählt ist aus monoklonalen Antikörpern, polyklonalen Antikörpern und anderen an Strukturen des Gewebes spezifisch bindenden Molekülen. Dazu zählen beispielsweise tumorspezifische Färbungen.
Gegenstand der Erfindung ist demgemäß auch die Verwendung von, bevorzugt peroxidfreiem, aromatischem Ether oder einer diesen enthaltenden Zusammensetzung mit einem optischen Brechungsindex, der an den Brechungsindex von biologischem Gewebe angepasst ist, als Klärungsmittel zum Zwecke der Erzielung einer besseren Transparenz bei der Klärung des Gewebes bei dessen Präparation für die lichtmikroskopische Untersuchung.
In einer bevorzugten Ausgestaltung dieser erfindungsgemäßen Ver- wendung ist das Gewebe ein Gewebepräparat, das dem menschlichen oder tierischen Körper entnommen wurde, bevorzugt ausgewählt aus Operationsmaterial (Resektionsmaterial) und Biopsaten. Eine besondere Ausgestaltung der Verwendung ist die Tumordiagnostik. Schließlich ist ein weiterer Gegenstand der Erfindung auch ein, insbesondere mikroskopisches, Präparat eines biologischen Gewebes, welches herstellbar ist oder konkret hergestellt wird unter Verwen-
dung des vorstehend charakterisierten Klärungsmittels und/oder Trocknungsmittels, besonders nach dem hier charakterisierten erfindungsgemäßen Verfahren zur Präparation von biologischem Gewebe. Eine besondere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Präparats ist ein Gewebepräparat, das dem menschlichen oder tierischen Körper entnommen wurde, bevorzugt ausgewählt aus Operationsmaterial (Resektionsmaterial) und Biopsaten, besonders zum Zwecke der pathologischen oder diagnostischen Untersuchung, beispielsweise zum Zwecke der Tumordiagnostik.
Die Erfindung wird durch die nachstehenden Beispiele und Figuren näher beschrieben, ohne dass diese beschränkend zu verstehen wären.
Die Figuren zeigen: Figur 1A zeigt eine vergleichende Darstellung der Ergebnisse der Gewebepräparation desselben Präparats (linke und rechte Hemisphäre eines Mäusegehirns). Die rechte Hemisphäre (rechte Bildhälfte) wurde mit einer bekannten Methode geklärt (Trocknungsmittel: Ethanol; Klärungsmittel: Benzylalkohol/Benzylbenzoat (BABB)). Die linke Hemisphäre (linke Bildhälfte) wurde gemäß einer Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung präpariert (Trocknungsmittel: Tetrahydrofuran, Klärungsmittel: Dibenzylether). Anhand der verbesserten Sichtbarkeit des Musters des darunterliegenden Millimeterpapiers lässt sich die verbesserte Transparenz der erfindungsgemäß präparierten Hemisphäre unmittelbar erkennen.
Figur 1 B zeigt die Ergebnisse einer fluoreszenzmikroskopischen Untersuchung mittels Lichtbandmikroskopie (Ultramikroskopie) der in Figur 1A dargestellten präparierten Gewebestücke (erfindungsgemäß: links, Vergleichsbeispiel: rechts). In beiden Präparatehälften wurde in Zellen das fluoreszente Markerprotein GFP exprimiert. Die hier gewählte invertierte Darstellung zeigt die Fluoreszenz als Schwärzung. Es zeigt sich eine deutlich stärkere Fluoreszenz in der gemäß der Erfindung präparierten Probe (linke Bildhälfte).
Figur 2 zeigt den quantitativen Vergleich der Intensität des Fluores- zenzsignals entlang zweier ortsgleicher Profile durch die Präparate gemäß Figur 1 B. Die Profillinien sind in Figur 1 B durch die Pfeile a und b gekennzeichnet. Das erfindungsgemäß präparierte Gewebe zeigt eine signifikant höhere Fluoreszenzintensität (obere Kurve).
Beispiel: Präparation von ZNS-Gewebe für die Ultramikroskopie Von transgenen Mäusen, die das fluoreszente Markerprotein GFP in einer Untergruppe von Neuronen exprimieren, werden Gewebeschnitte vom Gehirn angefertigt und ultramikroskopisch untersucht. Dazu werden die Mäuse nach Anästhesie für zehn Minuten einer transcardialen Perfusion mit jeweils 50 ml eisgekühltem 0,1 mmol/l PBS (pH 7,6) mit 1.000 U/ml Heparin unterzogen. Anschließend erfolgt die Vorfixierung des Gewebes durch 20-minütige Perfusion mit jeweils 100 ml 4%ig Paraformaldehyd in 0,1 mmol/l eisgekühltem PBS. Die Transsektion für etwa fünf Minuten endet mit der Entnahme des Gehirns. Das Gehirn wurde für etwa zwölf Stunden in 15 ml 4%igem Paraformaldehyd in 0,1 mmol/l PBS bei 4°C inkubiert. Das Fixiermittel wird anschließend durch Inkubation in frischem 0,1
mmol/1 PBS für eine Stunde ausgewaschen. Der Waschvorgang wird dreimal durchgeführt.
Die erfindungsgemäße Entwässerung (Dehydrierung) erfolgt durch jeweils zwölfstündige Inkubation in einer aufsteigenden Konzentrati- onsreihe von peroxidfreiem Tetrahydrofuran: 1. 50 Vol.-%, 2. 80 Vol.-%, 3. 96 Vol.-%, 4. und 5. 100 Vol.-% (5 x 12 Stunden). Anschließend erfolgt die Klärung durch dreimalige Inkubation für jeweils zwölf Stunden in peroxidfreiem Dibenzylether.
Die Peroxidfreiheit im Trocknungsmittel und Klärungsmittel wird zu- vor durch säulenchromatographische Abtrennung der Peroxide an aktiviertem basischem AlOx (nach Brockmann, Aktivität 1) erreicht. Aufgrund der höheren Viskosität von Dibenzylether erfolgt dort die Abtrennung durch Unterdruckfiltration. Die erhaltenen peroxidfreien Lösungsmittel werden unter Sauerstoffabschluss (Inertgas Argon) gelagert. Als Stabilisator kann BHT verwendet werden.
Das gewonnene Gewebepräparat ist transparent und unmittelbar für die Ultramikroskopie einsetzbar (Figuren 1 und 2). Optional erfolgt eine Einbettung des geklärten Gewebepräparats in eine Kunstharzzusammensetzung, um die Präparate dauerhaft aufzubewahren. Da- zu wird eine Mischung des Kunstharzes„E12", des Härters„E1" sowie des Weichmachers„AE10" (jeweils Firma Biodur, Heidelberg) in einem Volumenverhältnis von 60:35:5 eingesetzt, dessen Brechungsindex mit Triphenylmethan angepasst wurde. Darin wird das geklärte Präparat inkubiert. Bei etwa 50°C härtet diese Mischung zu völlig transparenten Blöcken mit einem Brechungsindex von etwa 1 ,55 aus. Die GFP-Fluoreszenz bleibt auch nach Einbettung des Präparats weitestgehend erhalten.