Beschreibung
Verfahren zur binauralen Seitenwahrnehmung für Hörinstrumente Die Erfindung betrifft ein Verfahren und ein System zur Verbesserung des Signal-Rausch-Abstands bei Ausgangssignalen ei¬ ner Mikrofonanordnung von zwei oder mehr Mikrofonen aufgrund von seitlich von der Mikrofonanordnung auftretenden akustischen Nutzsignalen. Ein solches Verfahren und System kann in Hörinstrumenten, insbesondere in am Kopf eines Hörgeräteträ¬ gers tragbaren Hörgeräten, eingesetzt werden. Unter seitlich soll dabei insbesondere rechts und links vom Kopf des Trägers einer binauralen Hörgeräteanordnung verstanden werden. Konventionelle Richtwirkungsverfahren, die in Hörgeräten bisher zur Anwendung kommen, bieten die Möglichkeit, Signale bzw. Geräusche, die von vorne oder von hinten auf den Hörge¬ räteträger auftreffen, aus den übrigen Umgebungsgeräuschen herauszuheben, um so die Sprachverständlichkeit zu erhöhen. Sie bieten jedoch nicht die Möglichkeit, Signale bzw. Geräu¬ sche einer seitlichen Quelle, die von links oder rechts auf¬ treffen, hervorzuheben.
Vorbekannte Hörgeräte bieten lediglich die Möglichkeit, sol- che seitlichen Signale dadurch etwas zu betonen, dass das
Signal der gewünschten Seite auf beide Ohren übertragen wird. Dazu werden Audiosignale von einer Ohrseite zur anderen übertragen und dort abgespielt. Dadurch wird dem Hörgeräte-Träger jedoch ein Mono-Signal dargeboten, was zur Folge hat, dass Signal-Eigenschaften, die die Lokalisation von Schallquellen möglich machen (,binaural cues ' ) verlorengehen. Solche Signal-Eigenschaften können beispielsweise interaurale Pegeldif¬ ferenzen sein, d.h. dass der Pegel am dem Geräusch bzw. der Signalquelle zugewandten Ohr bzw. Hörgerät höher ist als am abgewandten Ohr bzw. Hörgerät.
Die Berechnung eines konventionellen differenziellen Richtmikrofons ist keine uneingeschränkt anwendbare Lösung, unter
anderem da bei Signalen mit hohen Frequenzanteilen wegen des sogenannten „spatial aliasing" kein differentielles Richtmikrofon ohne räumliche Mehrdeutigkeiten möglich ist. Solche räumlichen Mehrdeutigkeiten, d.h. die nicht mehr eindeutige Zuordenbarkeit der räumlichen Herkunft eines Signals, entstehen, wenn man rechtes und linkes Mikrofonsignal eines akustischen Ursprungssignals voneinander subtrahiert. Die differenzielle Verarbeitung durch Subtraktion der Mikrofon- signale erlaubt normalerweise eine gerichtete Empfindlichkeit der Mikrofonanordnung in eine gewünschte Richtung vorzugeben. Wird allerdings die Wellenlänge der akustischen Ursprungssig¬ nale im Vergleich zum räumlichen Abstand der Mikrofone der Mikrofonanordnung zu gering, so kann die räumliche Herkunft eines Ursprungssignals nur noch zweideutig oder mehrdeutig bestimmt werden.
Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Verbesserung des Störsignal-Nutzsignal-Abstands bei akustischen Signalen unter Berücksichtung einer Raumrichtung der Signal-Quelle anzugeben .
Die Erfindung löst die Aufgabe dadurch, dass es als klassi¬ sches Störgeräuschreduktionsproblem betrachtet wird. Es wird nach der unten beschriebenen Art und Weise ein binaurales
Störsignal und ein binaurales Nutzsignal ermittelt bzw. ge¬ schätzt, die als Eingangssignale eines geeigneten Filters, z.B. eines Wiener-Filters, dienen, in welchem vorzugsweise pro Frequenzband ein Verstärkungsfaktor berechnet und appli- ziert wird, der für beide Ohrseiten gleich groß ist. Durch das Anwenden des gleichen Verstärkungsfaktors für beide Ohren werden die interauralen Pegeldifferenzen erhalten, d.h. die Lokalisation von Schallen bzw. Schallquellen wird ermöglicht. Ein Grundgedanke der Erfindung besteht darin, hohe und tiefe Frequenzanteile (Grenzfrequenz im Bereich zwischen 700 Hz und 1,5 kHz, z.B. ca. 1 kHz) unterschiedlich zu verarbeiten. Für tiefe Frequenzbereiche erfolgt eine Filterung, vorzugsweise
ebenfalls Wiener-Filterung, aufgrund einer differenziellen Vorverarbeitung anhand der Berechnung eines differenziellen binauralen Richtmikrofons, wobei durch die Vorverarbeitung ein nach links und ein nach rechts gerichtetes Signal erzeugt wird, üblicherweise mit entgegengesetzt gerichteter Cardioid- Charakteristik (nierenförmige richtungsabhängige Empfindlich¬ keit) .
Diese beiden nach links und nach rechts gerichteten Signale auf Basis eines konventionellen differenziellen Richtmikro¬ fons werden als Basis für die Schätzung des Niveaus von seit¬ lichem Nutz- und Störschall verwendet, wobei diese Schätzun¬ gen wiederum als Eingangsgrößen für die Filterung, vorzugsweise Wiener-Filterung, verwendet werden.
Diese Filterung wird anschließend separat auf jedes der Mik¬ rofonsignale der Mikrofonanordnung angewendet, und nicht auf das gemeinsame differenzielle Richtmikrofonsignal der binau¬ ralen Anordnung, das als Ausgangssignal des konventionellen Richtmikrofons berechnet wurde.
Der Vorteil z.B. gegenüber der Verwendung von omni-Signalen liegt darin, dass durch die vorgeschaltete Richtwirkung grö¬ ßere Unterschiede zwischen linker und rechter Seite gewisser- maßen künstlich erzeugt werden, die sich in einer erhöhten Störschallunterdrückung von Signalen, die aus der zu unterdrückenden Richtung eintreffen, äußern.
Eine vorteilhafte Weiterbildung sieht vor, in tiefen Fre- quenzbereichen eine Vorfilterung anhand der Berechnung eines konventionellen differenziellen Richtmikrofon und anschließende Filterung, vorzugsweise Wiener-Filterung, wie vorange¬ hend erläutert vorzunehmen und in hohen Freqzenzbereichen (Grenzfrequenz im Bereich zwischen 700 Hz und 1,5 kHz, z.B. ca. 1 kHz) den natürlichen Kopfabschattungseffekt als Vorfil¬ ter zur Stör- und Nutzschallschätzung für eine anschließende Wienerfilterung zu nutzen.
Die Ermittlung der Stör- und Nutzschallschätzung unter Ausnutzung des Kopfabschattungseffekts erfolgt folgendermaßen: Das der gewünschten Seite zugewandte monaurale Signal wird als Nutzsignalschätzung verwendet, das der abgewandten Seite als Störsignalschätzung. Dies ist möglich, da insbesondere bei höheren Frequenzen (>700 Hz bzw. >1 kHz) der Kopfabschat- tungseffekt eine beträchtliche Dämpfung des Signals auf der abgewandten Seite bewirkt. Diese beiden nach links und nach rechts gerichteten Signale auf Basis eines durch Kopfabschattung vorgefilterten Signals werden als Basis für die Schätzung des Niveaus von seitlichem Nutz- und Störschall verwendet, und diese Schätzungen wieder¬ um werden als Eingangsgrößen für die Filterung, vorzugsweise Wiener-Filterung, verwendet werden.
Diese Filterung wird anschließend separat auf jedes der Mik¬ rofonsignale der Mikrofonanordnung angewendet. Der Vorteil z.B. gegenüber der Verwendung von omni-Signalen liegt darin, dass durch die vorgeschaltete Richtwirkung grö¬ ßere Unterschiede zwischen linker und rechter Seite gewissermaßen künstlich erzeugt werden, die sich in einer erhöhten Störschallunterdrückung von Signalen, die aus der zu unter- drückenden Richtung eintreffen, äußern.
Durch die jeweilige Vorverarbeitung wird für den tiefen bzw. hohen Frequenzbereich jeweils ein nach links und ein nach rechts gerichtetes Signal erzeugt, üblicherweise mit entge- gengesetzt gerichteter Cardioid-Charakteristik (nierenförmige richtungsabhängige Empfindlichkeit). Diese jeweiligen gerich¬ teten Signale werden als Grundlage für die Schätzung jeweili¬ ger seitliche Nutz- und Störschall-Niveaus verwendet. Die je¬ weiligen Nutz- und Störschall-Niveaus werden wiederum als Eingangsgrößen für die Filterung, vorzugsweise Wiener- Filterung, verwendet. Durch die Kombination des jeweiligen Filterungs-Verfahrens für hohe und für tiefe Frequenzbereiche
kann damit eine Filterung über den gesamten Frequenzbereich erreicht werden.
In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung werden die akustischen Signale in Frequenzbänder zerlegt, und die Filte¬ rung, vorzugsweise Wiener-Filterung, spezifisch für jedes der Frequenzbänder vorgenommen.
In einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung wird die Filte- rung, vorzugsweise Wiener-Filterung, richtungsabhängig vorgenommen. Die richtungsabhängige Filterung kann nach herkömmlicher Art und Weise vorgenommen werden.
Vorteilhafter Weise wird als Nutzsignal-Niveau und/oder als Störsignal-Niveau einer oder mehrere der folgenden Parameterwerte ermittelt bzw. abgeschätzt: Energie, Leistung, Amplitu¬ de, geglättete Amplitude, gemittelte Amplitude, Pegel.
Weitere vorteilhafte Weiterbildungen und Vorteile sind den abhängigen Patentansprüchen und den nachfolgenden Figuren samt Beschreibung zu entnehmen. Es zeigen:
Fig 1 : Pegel des linkseitigen und rechtsseitigen Mikrofons für ein umlaufendes Signal bei 1 kHz
Fig 2: Richtungsabhängig gedämpftes Signal bei 1 kHz nach Anwendung Wiener-Filter für das linksseitige und rechtsseitige Mikrofon
Fig 3: Gerichtetes differenzielles Richtmikrofonsignal sowie jeweiliges Wiener-vorgefiltertes Mikrofon¬ signal für Frequenzen von 250 Hz und 500 Hz nach links (bei 270°)
Fig 4 : Schematische Darstellung des Verfahrens zur Ver¬ besserung des Signal-Rausch-Abstands bei binau- raler Seitenwahrnehmung
In Figur 1 sind die Pegel der Hörgeräte-Mikrofone bzw. - Mikrofonanordnungen der linken (in der Figur mit dem Bezugszeichen L2 versehen) und rechten (Bezugszeichen LI) Ohrseite
einer binauralen Hörgeräte-Anordnung für ein umlaufendes Signal, d.h. für eine in den dargestellten umlaufenden Raumrichtungen positionierte Signal-Quelle, bei 1 kHz dargestellt. Es ist eine Differenz von 6-10 dB zu erkennen, d.h. der Pegel L2 des linksseitigen Mikrofons bzw. Mikrofonanordnung ist für ein linksseitiges Signal (270°) um 6-10 dB höher als der Pe¬ gel LI des rechtsseitigen Mikrofons bzw. Mikrofonanordnung; bei höheren Frequenzen steigt diese Pegeldifferenz noch an. Wird nun z.B. ein Hören nach links (270°) gewünscht, so wird das rechte Signal LI als Störschall-Signal verwendet, das linke L2 als Nutzschall-Signal. Auf Basis dieses Störschall- und Nutzschall-Signals können sodann die Eingangsgrößen für eine Filterung, z.B. eine Wiener-Filterung, abgeschätzt wer- den.
Für die Wiener-Filterung werden aus dem Nutzsignal und Störsignal jeweilige Nutzsignal- und Störsignal-Niveaus ermittelt bzw. geschätzt. Diese wurden als Eingangsgrößen für ein Wie- ner-Filter verwendet, also:
Wiener-Filter = Nutzsignal-Niveau / (Nutzsignal-Niveau + Störsignal-Niveau) In Figur 2 ist die richtungsabhängige Dämpfung dargestellt, die sich bei Anwendung der Wiener-Formel für ein umlaufendes (360°) Signal bei 1 kHz ergibt. Es ergibt sich das richtungs¬ abhängig gedämpfte Signal L4 für das linksseitige Mikrofon bzw. Mikrofonanordnung und L3 für das rechtsseitige Mikrofon bzw. Mikrofon-Anordnung.
Es ist im Vergleich mit der vorangegangenen Figur zu erkennen, dass die interauralen Pegeldifferenzen erhalten bleiben. Signale von der rechten Seite werden als Störsignale betrach- tet und abgesenkt, Signale von links bleiben ungedämpft. Der räumliche Eindruck, d.h. die Signal-Information woher die Signale jeweils kommen, bleibt erhalten, da die Pegeldiffe¬ renzen erhalten bleiben. Treffen Signale von beiden Seiten
ein, erfolgt eine Absenkung je nach Verhältnis von Nutz- und Störschall-Abschätzung gemäß der bekannten Wiener-Formel.
Wie vorangehend beschrieben wird vorgeschlagen, sich den na- türlichen Kopfabschattungseffekt zunutze macht, um die durch den Kopfabschattungseffekt vorgefilterten Signale als Stör- und Nutzschall-Signale für die Ermittlung der Eingangsgrößen eines auf einem Filter , z.B. Wiener Filter, basierten Störgeräuschbefreiungsansatzes zu verwenden. Da der Kopfabschat- tungseffekt bei hohen Frequenzen (>700 Hz bzw. >1 kHz) besonders ausgeprägt ist, zu tieferen Frequenzen hin jedoch immer weiter abnimmt, ist dieses Verfahren besonders für Frequenzen oberhalb 1 kHz vorteilhaft anwendbar. Für tiefe Frequenzen (<1,5 kHz bzw. <1 kHz) ist wegen des zu geringen Kopfabschattungseffekt die vorangehend erläuterte Lösung nicht optimal anwendbar. In tiefen Frequenzbereichen kann ergänzend das nachfolgend beschriebene Verfahren verwen¬ det werden, das auch separat und ausschließlich eingesetzt werden kann.
Da für tiefe Frequenzen (<1,5 kHz bzw. <1 kHz) gilt, dass der binaurale Mikrofonabstand am Kopf eines Hörgeräteträgers im Vergleich zur Wellenlänge klein genug ist, entstehen keine räumlichen Mehrdeutigkeiten (,spatial aliasing'). Daher kann bei tiefen Frequenzen (<1,5 kHz bzw. <1 kHz) des akustischen Ursprungssignals mit der Mikrofonanordnung eines linksseiti¬ gen und eines rechtsseitigen Mikrofons bzw. Mikrofonanordnung am Kopf eines Hörgeräteträgers ein konventionelles differen- tielles Richtmikrofon, das zur Seite „schaut" bzw. „hört", berechnet werden.
Das Ausgangssignal eines solchen Richtmikrofons könnte zwar einfach direkt verwendet werden, um eine seitliche Richtwir- kung bei tiefen Frequenzen zu erzeugen. Das derart ermittelte gerichtete Signal könnte dann identisch an beiden Ohren bzw. Hörgeräten des Hörgeräteträgers wiedergegeben werden. Dies hätte allerdings zur Folge, dass die Lokalisationsfähigkeit
in diesem Frequenzbereich verloren ginge, da j a nur ein gemeinsames Ausgangssignal für beide Ohrseiten erzeugt und dar¬ geboten würde. Daher wird stattdessen sowohl ein nach links als auch ein nach rechts gerichtetes Signal auf Basis eines konventionel¬ len Richtmikrofons berechnet, und diese Signale werden je nach gewünschter Nutzsignalrichtung als Stör- bzw. Nutzschallsignal für eine anschließende Filterung, vorzugsweise mit Wiener-Filter, verwendet. Dieser Filter wird sodann separat auf jedes der Mikrofonsignale der Mikrofonanordnung ange¬ wendet, und nicht etwa auf das gemeinsame als Ausgangssignal des konventionellen Richtmikrofons berechnete Richtmikrofonsignal .
In Figur 3 ist die Wirkung der vorangehend erläuterten Hörsignalverarbeitung in tiefen Frequenzbereichen dargestellt. Dazu wurde für Frequenzen von 250 Hz L8 und 500 Hz L5 wurde ein links (bei 270°) links gerichtetes „hören" oder „sehen" berechnet. Im Rahmen der Vorfilterung wurde zunächst ein nach links gerichtetes konventionelles differenzielles Richtmikro¬ fonsignal als Nutzsignal und ein nach rechts gerichtetes als Störsignal berechnet (durchgezogene Linien in der Figur) be¬ rechnet. Die gerichteten Mikrofonsignale haben die übliche nieren-/antinieren-förmige (cardioid/anticardioid, kurz auch: card/anticard) richtungsabhängige Empfindlichkeits- Charakteristik.
Aus dem Nutzsignal und Störsignal wurden Nutzsignal- und Störsignal-Niveaus ermittelt bzw. geschätzt. Diese wurden als Eingangsgrößen für ein Wiener-Filter verwendet, also:
Wiener-Filter = Nutzsignal-Niveau / (Nutzsignal-Niveau + Störsignal-Niveau)
Ein solches Wiener-Filter wurde für jeden Frequenzbereich (in der Figur also 250 Hz und 500 Hz) für alle Raumrichtungen berechnet und auf jedes der Richtmikrofonsignale einzeln ange-
wendet. Dadurch ergibt sich für jedes der Richtmikrofonsigna¬ le eine Wiener-vorgefilterte richtungsabhängige Empfindlich¬ keits-Charakteristik, die in der Figur durch strichlierte Linien L6 und L7 dargestellt sind.
In der Figur ist erkennbar, dass in Störsignal-Richtung (also rechts, 90°) eine höhere Dämpfung als in Nutzsignal-Richtung (also links, 270°) erzielt wird. Zudem ist ersichtlich, dass die Pegel-Unterschiede weitgehend erhalten bleiben (nämlich ein höherer Pegel des linken L7 im Vergleich zum rechten Mikrofonsignal L6) und damit eine räumliche Zuordnung des akus¬ tischen Ursprungssignals für den Hörgeräteträger weiterhin möglich bleibt. Die vorangehend beschriebenen Filter-Verfahren für hohe und tiefe Frequenzbereiche können z.B. in am Kopf zu tragenden Hörinstrumenten jeweils einzeln für hohe oder für niedrige Frequenzen eingesetzt werden. Sie können jedoch auch in Kombination eingesetzt werden und ergänzen sich dabei über den gesamten Frequenz-Bereich eines am Kopf zu tragenden Hörinstruments in besonders vorteilhafter Weise.
In Figur 4 ist das vorangehend erläuterte Verfahren zur Ver¬ besserung des Signal-Rausch-Abstands bei binauraler Seiten- Wahrnehmung schematisch dargestellt.
In Schritt Sl nimmt eine binaurale Mikrofonanordnung akusti¬ sche Signale auf. Eine solche Mikrofonanordnung umfasst min¬ destens zwei Mikrofone, je eines linksseitig oder rechtssei- tig am Kopf eines Hörgeräteträgers zu tragen. Die jeweilige Mikrofonanordnung kann auch jeweils mehrere Mikrofone umfas¬ sen, die beispielsweise eine Richtwirkung für die Wahrnehmung nach vorne und nach hinten ermöglichen können. In Schritt S2 wird eine seitliche Richtung festgelegt, in welche die höchste Empfindlichkeit der Mikrofonanordnung ge¬ richtet sein soll. Die Richtung kann beispielsweise automa¬ tisch abhängig von einer akustischen Analyse der Umgebungsge-
rausche oder abhängig von einer Nutzereingabe festgelegt wer¬ den. Als Richtung höchster Empfindlichkeit wird diejenige Raumrichtung gewählt, in der die Quelle der akustischen Nutzsignale liegt oder vermutlich liegt. Vorliegend wird sie da- her auch als Nutzsignal-Richtung bezeichnet. Das in dieser
Richtung gelegene Mikrofon bzw. Mikrofonanordnung wird analog dazu vorliegend auch als Nutzsignal-Mikrofon bezeichnet.
In Schritt S3 wird analog zum vorangehend erläuterten Schritt eine seitliche Richtung festgelegt, in welcher die geringste Empfindlichkeit der Mikrofonanordnung gerichtet sei soll. Vorliegend wird sie daher auch als Störsignal-Richtung und das in dieser Richtung gelegene Mikrofon oder Mikrofonanordnung als Störsignal-Mikrofon bezeichnet.
In Schritt S4 erfolgt eine Zerlegung der Ausgangssignale der Mikrofone in einen Frequenzbereich mit hohen Frequenzen oberhalb einer Grenzfrequenz von mindestens 700 Hz, möglicherwei¬ se auch 1 kHz, und einen Frequenzbereich mit tiefen Frequen- zen unterhalb einer Grenzfrequenz von 1,5 kHz, möglicherweise auch 1 kHz .
In den Schritten S5 bis S7 werden die Mikrofon-Signale im ho¬ hen Frequenzbereich weiter verarbeitet. In Schritt S5 wird abhängig von dem Ausgangssignal des Nutzsignal-Mikrofons ein Nutzsignal-Niveau ermittelt bzw. abgeschätzt.
In Schritt S6 wird abhängig von dem Ausgangssignal des Stör¬ signal-Mikrofons ein Störsignal-Niveau ermittelt bzw. abge- schätzt.
In Schritt S6 wird unter Verwendung des vorangehend ermittel¬ ten Nutzsignal-Niveaus und Störsignal-Niveaus ein Filter, vorzugsweise Wiener Filter, berechnet. Die Signal-Niveaus so- wie die Filterung können für den kompletten hohen Frequenzbereich ermittelt werden. Es kann jedoch auch eine Zerlegung in Frequenzbänder innerhalb des hohen Frequenzbereichs erfolgen
und die Filterung kann individuell für jedes der Frequenzbänder erfolgen.
In Schritt S7 wird der zuvor errechnete Filter separat auf die jeweiligen Ausgangssignale des rechtsseitigen und des linksseitigen Mikrofons bzw. Mikrofonanordnung im hohen Frequenzbereich angewendet.
In den Schritten S8 bis S13 werden die Mikrofon-Signale des tiefen Frequenzbereichs weiterverarbeitet. In Schritt S8 wird ein konventionelles differenzielles binaurales Richtmikrofon mit hoher Empfindlichkeit in Nutzsignal-Richtung berechnet, wodurch ein zweites Nutzsignal erhalten wird. In Schritt S9 wird ein konventionelles differenzielles binau¬ rales Richtmikrofon mit hoher Empfindlichkeit in Störsignal- Richtung berechnet, wodurch ein zweites Störssignal erhalten wird . In Schritt S10 wird abhängig von dem zweiten Nutzsignal ein zweites Nutzsignal-Niveau ermittelt bzw. abgeschätzt.
In Schritt Sil wird abhängig von dem zweiten Störsignal ein zweites Störsignal-Niveau ermittelt bzw. abgeschätzt.
In Schritt S12 wird unter Verwendung des vorangehend ermit¬ telten zweiten Nutzsignal-Niveaus und zweiten Störsignal- Niveaus ein zweites Filter, vorzugsweise Wiener Filter, be¬ rechnet. Die zweiten Signal-Niveaus sowie die Filterung kön- nen für den kompletten tiefen Frequenzbereich ermittelt werden. Es kann jedoch auch eine Zerlegung in Frequenzbänder innerhalb des tiefen Frequenzbereichs erfolgen und die Filte¬ rung kann individuell für jedes der Frequenzbänder erfolgen. In Schritt S13 wird der zuvor errechnete Filter separat auf die jeweiligen Ausgangssignale des rechtsseitigen und des linksseitigen Mikrofons bzw. Mikrofonanordnung im tiefen Frequenzbereich angewendet.
In Schritt S14 werden die gefilterten Ausgangssignale der Mikrofone beider Frequenzbereiche bzw. bei weiterer Zerlegung in Frequenzbänder sämtlicher Frequenzbänder zu einem gefil- terten Ausgangssignal der binauralen Mikrofonanordnung zusammengeführt .
Eine in den Figuren nicht eigens dargestellte Ausführungsva¬ riante des Verfahrens umfasst die nachfolgend aufgeführten Schritte:
- aufnehmen von akustischen Nutzsignalen mit mindestens zwei Mikrophonen, wobei ein Mikrophon der Quelle der akustischen Nutzsignale näher ist als das andere Mikrophon,
- festlegen eines der Quelle näher gelegenen Mikrophons als Nutzsignal-Mikrophon und eines von der Quelle weiter entfernten Mikrophons als Störsignal-Mikrophon,
- festlegen eines relevanten Frequenzbereichs, der Frequenzen von höher als 700Hz umfasst ,
- ermitteln eines Störsignal-Niveaus in dem relevanten Fre- quenzbereich in Abhängigkeit von dem Ausgangssignal des Stör¬ signal-Mikrophons,
- ermitteln eines Nutzsignal-Niveaus in dem relevanten Fre¬ quenzbereich in Abhängigkeit von dem Ausgangssignal des Nutz¬ signal-Mikrophons, und
- bestimmen eines Verstärkungsfaktors für die Verstärkung von mit den Mikrophonen aufgenommenen akustischen Signalen in Abhängigkeit von dem geschätzten Störsignal-Niveau und dem ge¬ schätzten Nutzsignal-Niveau. In einer Weiterbildung werden die Ausgangssignale der Mikrophone in Frequenzbänder zerlegt, und der Verstärkungsfaktor wird jeweils separat für ein oder mehrere der Frequenzbänder bestimmt . In einer weiteren Weiterbildung wird der Verstärkungsfaktor (Wiener) bestimmt gemäß der Formel Verstärkungsfaktor (Wiener) = Nutzsignal-Niveau / (Nutzsignal-Niveau + Störsignal- Niveau) .
In einer weiteren Weiterbildung ist das Nutzsignal-Mikrophon an einem von einem Hörgeräteträger rechtsseitig und das Störsignal-Mikrophon an einem linksseitig zu tragenden Hörgerät bzw. umgekehrt angeordnet.
In einer weiteren Weiterbildung wird als Nutzsignal-Niveau und/oder als Störsignal-Niveau eines oder mehrere der folgen¬ den geschätzt: Energie, Leistung, Amplitude, geglättete Amp- litude, gemittelte Amplitude, Pegel.
Eine weitere Weiterbildung umfasst zusätzlich die folgenden Schritte :
- aufnehmen von akustischen Nutzsignalen mit einer Mikrophon- anordnung umfassend mindestens zwei Mikrophone, wobei ein
Mikrophon der Quelle der akustischen Nutzsignale näher ist als das andere Mikrophon,
- festlegen eines der Quelle näher gelegenen Mikrophons als Nutzsignal-Mikrophon und eines von der Quelle weiter entfern- ten Mikrophons als Störsignal-Mikrophon,
- festlegen eines relevanten Frequenzbereichs, der Frequenzen von kleiner als 1,5kHz umfasst,
- ermitteln eines Störsignals durch differenzielle Verarbei¬ tung der Ausgangssignale der Mikrophonanordnung, bei der eine in der Richtung des der Quelle näher angeordneten Mikrophons geringere Empfindlichkeit als in der entgegengesetzen Rich¬ tung erzielt wird,
- in dem relevanten Frequenzbereich ermitteln eines Störsignal-Niveaus in Abhängigkeit von dem Störsignal,
- ermitteln eines Nutzsignals durch differenzielle Verarbei¬ tung der Ausgangssignale der Mikrophonanordnung, bei der eine in der Richtung des der Quelle näher angeordneten Mikrophons höhere Empfindlichkeit der Mikrophonanordnung als in der ent¬ gegengesetzen Richtung erzielt wird,
- in dem relevanten Frequenzbereich ermitteln eines Nutzsignal-Niveaus in Abhängigkeit von dem Nutzsignal, und
- bestimmen eines Verstärkungsfaktors für die Verstärkung von mit den Mikrophonen aufgenommenen akustischen Signalen in Ab-
hängigkeit von dem Störsignal-Niveau und dem Nutzsignal- Niveau, wobei der Verstärkungsfaktor separat auf jedes Aus¬ gangssignal der Mikrophonanordnung angewendet wird. In einer weiteren Weiterbildung werden die Ausgangssignale der Mikrophone in Frequenzbänder zerlegt, und der Verstärkungsfaktor wird jeweils separat für ein oder mehrere der Frequenzbänder bestimmt. In einer weiteren Weiterbildung wird der Verstärkungsfaktor (Wiener) bestimmt gemäß der Formel Verstärkungsfaktor (Wiener) = Nutzsignal-Niveau / (Nutzsignal-Niveau + Störsignal- Niveau) . In einer weiteren Weiterbildung ist das Nutzsignal-Mikrophon an einem von einem Hörgeräteträger rechtsseitig und das Störsignal-Mikrophon an einem linksseitig zu tragenden Hörgerät bzw. umgekehrt angeordnet. In einer weiteren Weiterbildung wird als Nutzsignal-Niveau und/oder als Störsignal-Niveau eines oder mehrere der folgen¬ den geschätzt: Energie, Leistung, Amplitude, geglättete Amp¬ litude, gemittelte Amplitude, Pegel. In einer weiteren Weiterbildung wird ein Verstärkungsfaktor in einem tiefen Frequenzbereich, der Frequenzen von kleiner als 1,5kHz umfasst, bestimmt wie in den unmittelbar vorange¬ henden Abschnitten erläutert, und wird ein Verstärkungsfaktor in einem hohen Frequenzbereich, der Frequenzen von höher als 700Hz umfasst, bestimmt wie in den den vorangehenden Abschnitten vorangestellten Abschnitten erläutert.
Die Erfindung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Erfindung betrifft ein Verfahren und ein System zur Verbesserung des Signal-Rausch-Abstands bei Ausgangssignalen einer Mikro¬ fonanordnung von zwei oder mehr Mikrofonen aufgrund von seitlich von der Mikrofonanordnung auftretenden akustischen Nutzsignalen. Ein solches Verfahren und System kann in Hörinstru-
menten, insbesondere am Kopf eines Hörgeräteträgers tragbaren Hörgeräten, eingesetzt werden. Die Erfindung schlägt zur Lösung dieses Problems vor, hohe und tiefe Frequenzanteile (Grenzfrequenz im Bereich zwischen 700 Hz und 1,5 kHz, z.B. ca. 1 kHz) unterschiedlich zu verarbeiten. In tiefen Frequenzbereichen wird ein nach links und ein nach rechts gerichtetes differenzielles Mikrofonsignal erzeugt, um anhand dieser beiden gerichteten Signale die Niveaus des seitlichen Nutz- und Störschall zu ermitteln. Diese Niveaus werden wie- derum für eine Wiener-Filterung verwendet und jedes der Mikrofonsignale einzeln der Wiener-Filterung unterzogen. Zusätzlich kann in hohen Frequenzbereichen der natürliche Kopfab- schattungseffekt als Vorfilter zur Stör- und Nutzschallschät¬ zung für eine anschließende Wiener-Filterung genutzt. An- schließend wird jedes der Mikrofonsignale einzeln der Wiener- Filterung unterzogen. Die Verfahren können z.B. in am Kopf zu tragenden Hörinstrumenten jeweils einzeln für hohe oder für niedrige Frequenzen eingesetzt werden, sie können jedoch auch in Kombination eingesetzt werden und ergänzen sich dabei in besonders vorteilhafter Weise.