Radialspaltmessung an Turbinen
Die Erfindung betrifft die Überprüfung des Radialspaltes bei Turbinen, der zwischen den äußeren Enden der Turbmenschau- fein und dem Gehäuse vorhanden ist.
Die Radarsensoπk ist in der Prozessautomatisierung und - Überwachung inzwischen sehr verbreitet. Mit Radartechnik sind Geschwindigkeit, Position und Anwesenheit eines Mikrowellen reflektierenden Materials unmittelbar messbar.
Im Kraftwerksbereich besteht die Anforderung, dass der Radi- alspalt an Turbinen optimal dimensioniert ist. Dazu ist eine Überwachung des Radialspaltes notwendig. Die Definition "Ra- dialspalt" wird durch den Zwischenraum zwischen dem äußeren Ende von Turbinenschaufeln und dem Turbinengehäuse ausge¬ drückt. Ist dieser Spalt während des Betriebes der Turbine groß, so kann ein Teil des Arbeitsgases, dessen Energie ei¬ gentlich von den Turbinenschaufeln aufgenommen werden soll, als Sekundärstrom und damit als Verluststrom durch diesen
Spalt hindurch strömen und den Wirkungsgrad der Turbine ver¬ ringern. Besonders bei großen Turbinen schlagen sich solche Weise Wirkungsgradverschlechterungen, auch von nur wenigen Zehntel Prozent, deutlich in den Brennstoffkosten nieder.
Deshalb ist es von wirtschaftlichem und technischem Interesse, den Radialspalt von Turbinen im Betrieb mit hoher Genau¬ igkeit bestimmen zu können. Es wurden in der Vergangenheit meist berührende Messverfahren angewandt. Derartige Messver- fahren weisen heutzutage bereits einen hohen Entwicklungs¬ stand auf. Gleichzeitig bestehen jedoch inhärente Nachteile bei diesen Verfahren, die mittlerweile beseitigt werden soll¬ ten. Es besteht ein natürliches Interesse an berührungsfreien Messverfahren in diesem Gebiet.
Unter den bekannten Verfahren sind im Wesentlichen drei verschiedene Systeme zu nennen, die die Ermittlung des Gasturbi- nen-Radialspaltes im Betrieb behandeln.
Die älteste Methode bedient sich eines AnschleifStiftes aus einem weichen Material, der bis zum Kontakt mit einzelnen Turbinenschaufeln in das Turbinegehäuse eingeführt wird. Die- ses mechanische Verfahren hat den Nachteil des hohen Ver¬ schleißes und der unzureichenden Messmöglichkeit. Hierbei wird lediglich die am weitesten nach außen überstehende Schaufel, also die mit minimalem Radialspalt erfasst.
In einer Weiterentwicklung gibt es das vorgenannte System mit elektromechanischem Aktuator. Em damit verbundener Nachteil besteht in der Verwendung eines einem Verschleiß unterworfe¬ nen Bauteils und der inhärenten Notwendigkeit, mechanische Elemente einzusetzen.
Em grundlegend anderes Messprinzip basiert auf einem kapazi¬ tiven Näherungssensor, der einige der Nachteile der zuvor genannten Systeme eliminiert. Dafür treten Messfehler auf, die auch von der Schaufelgeometrie abhängen. Darüber hinaus ist die mögliche Messgenauigkeit sehr begrenzt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein möglichst be¬ rührungsloses Messverfahren zur Messung des Radialspaltes an Turbinen bereitzustellen, welches Nachteile aus dem Stand der Technik vermeidet. Die Lösung dieser Aufgabe geschieht durch die Kombination der Merkmale entsprechend Anspruch 1. Vor¬ teilhafte Ausgestaltungen können den Unteransprüchen entnom¬ men werden.
Die Erfindung nutzt zunächst ein Mikrowellen basiertes Mess¬ verfahren zur Bestimmung des Radialspaltes. Zusätzlich wird zur Auswertung ein Dopplerverfahren angewandt. Die vom Radialspalt abhängige augenblickliche Relativgeschwindigkeit, al¬ so die Geschwindigkeit zwischen beispielsweise einem Schau- feinde relativ zum Radarsensor, wird in verschiedenen Phasen des Vorbeilaufens bzw. der Passage der Turbinenschaufel am Radarsensor, der stationär in der Turbinenwand untergebracht ist, ausgewertet. Wesentlich ist die Auswertung des charakte-
ristischen zeitabhängigen Wertes der Momentangeschwindigkeit. Dieser Verlauf wird über die Zeit mehrfach aufgenommen und ausgewertet, wobei der entsprechende Radarsensor die ausge¬ sandten an Streuzentren, beispielsweise dem äußersten Ende einer Turbinenschaufel, reflektierten Radar-Mikrowellen¬ strahlen am Sensor empfängt und diese weiterführend ausgewer¬ tet werden. Aufgrund dieser zu verschiedenen Augenblicken ausgewerteten Geschwindigkeiten der Relativgeschwindigkeit ist es möglich, die Position eines einzelnen Ziels zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bestimmen.
Dabei kann in vorteilhafter Weise eine Unterscheidung mehrerer Ziele voneinander vorgenommen werden.
Im Folgenden werden anhand von begleitenden schematischen, die Erfindung nicht einschränkenden, Figuren Ausführungsbeispiele beschrieben.
Figur 1 zeigt den zeitlichen Verlauf der Dopplerver- Schiebung bei Turbinen,
Figur 2 zeigt einen Schnitt durch eine Turbine mit angedeutetem Turbinengehäuse und den ungefähren Relativpositionen zwischen Radialspalt und Radarsensor,
Figur 3 und 4 zeigen jeweils die Relativgeschwindigkeiten in
Abhängigkeit von der Zeit.
Die vorliegende Erfindung nutzt eine Mikrowellenmessung, ein Dopplerverfahren und kombiniert die daraus resultierenden In¬ formationen zur Feststellung des Radialspaltes an einer Turbine. Dabei wird die vom Radialspalt abhängige Momentange¬ schwindigkeit in verschiedenen Phasen des Vorbeilaufens der Turbinenschaufel am in der Turbinenwand angebrachten Sensor ausgewertet .
Es ist wesentlich, dass die Auswertung charakteristischer zeitabhängiger Relativgeschwindigkeiten im Bereich um die Passage einer Turbinenschaufel an dem Sensor mehrfach aufge¬ nommen wird. Dabei sendet der Radarsensor Mikrowellen und empfängt an Streuzentren reflektierte Wellen. Aufgrund rela¬ tiver Geschwindigkeitsverläufe ist es möglich, mehrere Ziele voneinander zu unterscheiden. Als hauptsächliche Verfahrens¬ weise gilt jedoch die Ermittlung der Position eines einzelnen Zieles zu einem bestimmten Zeitpunkt, beispielsweise die Po- sition des äußersten Endes einer Turbinenschaufel relativ zum Sender.
Zu den Einzelheiten der Verfahrensweise zur Radialspaltmes- sung ist anzumerken, dass während des Vorbeilaufens der Schaufel an einem wenige Millimeter entfernten in der Wand der Turbine befindlichen Sensor die Relativgeschwmdigkeit , die die Schaufel, bzw. eine Schaufelspitze, zu diesem Sensor an dem Punkt der größten Annäherung zu Null wird. Diese plau¬ sible Erscheinung wird nun dahingehend ausgewertet, dass der genaue Verlauf der Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der
Zeit ausgewertet wird. Ist der Radialspalt sehr klein oder im Grenzfall gleich Null, so wird sich die Relativgeschwindig¬ keit im Punkt der größten Annäherung der Turbinenschaufel- spitze an den Radarsensor sehr schnell ändern und gleichsam sprungartig ihr Vorzeichen wechseln. Passiert die Spitze der Turbinenschaufel bzw. deren äußerstes Ende in einigem Abstand zum Sensor, so ändert sich die Relativgeschwindigkeit stetig mit endlicher Steigung am Nulldurchgang bzw. beim Wechsel des Vorzeichens der Relativgeschwindigkeit. Der Absolutwert der Geschwindigkeit, welcher über die Doppierverschiebung ermittelbar ist, wird danach ins Verhältnis gesetzt zu der Stei¬ gung der Relativgeschwindigkeit im Nulldurchgang. Daraus re¬ sultiert ein Maß für den Minimalabstand und somit für den Ra- dialspalt .
Figur 1 zeigt den zeitlichen Verlauf einer Dopplerverschie¬ bung bei Turbinen. Mit steigendem bzw. größerem Radialspalt verlagern sich die entsprechend dargestellten Schwingungen
entsprechend der Pfeile von links nach rechts. Die Darstel¬ lung zeigt eine Auswertung von Dopplereffekten und es ist ei¬ ne starke Abhängigkeit von dem Radialspalt zu erkennen. Eine Messgenauigkeit von beispielsweise 9,2 mm ist realisierbar. Eine Mikrowellenmessung kann beispielsweise mit einem Sensor durchgeführt werden, der vorzugsweise bei 77 GHz arbeitet. Eine wesentliche Determinante für die Genauigkeit eines Dopp¬ lersensors bzw. eines Sensors, der mit einem Dopplerverfahren ausgewertet wird, ist die Betriebsfrequenz. Und je höher die Betriebsfrequenz ist, umso schneller läuft die Phase des Emp¬ fangssignals bei einer gegebenen Geschwindigkeit des Zielob¬ jektes durch. Je höher die Betriebsfrequenz, desto geringer kann deshalb die Messdauer oder die Geschwindigkeitsauflösung des Ziels sein. Aus diesem Grund ist es für die vorgestellte Anwendung aus technischen Gründen angezeigt, vor allem auch auf Lösungen bei 77 GHz zu setzen. Dies stellt jedoch keinerlei Einschränkungen für ein zu verwendendes Mikrowellen- Sende- und Empfangssystem dar, sondern es können auch anderer Radarfrequenzen verwendet werden.
Allgemein ist anzumerken, dass ein für die Radialspalt- Messung entsprechend der Erfindung einzusetzender Radarsensor ein Mikrowellensignal aussendet, welches selbstverständlich ein Erfassungsvolumen "beleuchtet", welches in der Regel vor- gegeben ist. Da die hier exemplarisch beschriebene Anwendung unter Radargesichtspunkten eine Messung im Nahbereich dar¬ stellt, wird man hierzu eine sehr breit strahlende Antenne benötigen, um einen ausreichend großen Ausschnitt aus der Bahn eines äußersten Endes einer Turbinenschaufel zu erfas- sen. Teile des Radarsignals werden an einem dieser Ziele re¬ flektiert und werden wieder vom Sensor aufgenommen. Hierbei werden anschließend Sensor- und Empfangssignal miteinander gemischt. Das Mischsignal codiert die relative Phasenver¬ schiebung zwischen gesendetem und empfangenem Signal. Diese Phasendifferenz ist von der Laufzeit des Signals vom Sensor zum Ziel und wieder zurück abhängig. Sind nun Sensor und Empfangssignal beispielsweise in Phase, so liefert ein gewöhnli¬ cher Mischer eine vergleichsweise große Amplitude des Misch-
Signals. Bei gegenphasigen Signalen liefert der Mischer ein relatives Minimum der Ausgangsamplitude. Wird nun die Phase des Empfangssignals kontinuierlich durchgestimmt, wie dies etwa durch eine relative Bewegung des Ziels erreicht werden kann, so wechseln sich Maxima und Minima zeitlich ab und es entsteht ein Mischsignal mit periodischem Anteil, dessen Fre¬ quenz proportional zur Geschwindigkeit der Relativbewegung zwischen Sensor und Ziel ist.
Figur 2 zeigt die Verhältnisse in einer Turbine. Die in einem Turbinengehäuse 4 laufenden Turbinenschaufeln drehen sich entsprechend dem in der Figur dargestellten Pfeil in Uhrzei¬ gerrichtung. Ein Radarsensor 2 ist in der Gehäusewand in einer Durchgangsbohrung eingebaut. Die Aufgabe besteht darin, einen Radialspalt 3 an der Stelle, an der der Sensor 2 einge¬ baut ist, zu messen. Dabei werden im Wesentlichen lediglich die äußersten Enden 1 einer Turbinenschaufel als Ziel ausge¬ sucht und vermessen. Der Sensor 2 ist radial, d. h. auf den Mittelpunkt der Turbine hin ausgerichtet, schließt jedoch nicht mit der inneren Oberfläche des Gehäuses 4 ab. Vielmehr ist das Messfenster 6 durch einen die Mikrowellenausbreitung nicht behindernden Verschluss dicht abgeschlossen. Dies kann vorteilhaft ein Polytetrafluorethylen sein oder ein kerami¬ sches Material. Der Sensor selbst ist relativ breit abstrah- lend bzw. er ist mit einer Antenne mit breiter Abstrahlcha¬ rakteristik verbunden.
Die Figuren 3 und 4 stellen jeweils für unterschiedliche Ra- dialspaltgrößen den Verlauf der Doppierverschiebung bzw. der Relativgeschwindigkeit dar. Diese wechselt beim Vorbeilauf einer Turbinenschaufelspitze, beispielsweise von Plus nach Minus. Wechselt nun die Geschwindigkeit am Nulldurchgang ihr Vorzeichen sehr abrupt, liegt eine geringere Radialspaltgröße vor. Dies ist schematisch in Figur 3 dargestellt. Die eben- falls schematische Darstellung entsprechend Figur 4 zeigt e- benfalls die Dopplerverschiebung 5 im gleichen Zeitfenster, wobei jedoch bei größeren Radialspalten der Nullgang dieser
Doppierverschiebung bzw. der Relativgeschwindigkeit mit einer sehr viel flacheren Steigung geschieht.
Vorteile der Erfindung beruhen in erster Linie auf der berüh- rungsfreien Messung des Radialspaltes mit hoher Genauigkeit. Darüber hinaus lassen sich mit dieser Technik weitere Mess¬ größen aufnehmen, die beispielsweise für die Maschinendia¬ gnostik wichtig sind. Ein wesentlicher Vorteil der Verfahrensweise besteht insbesondere in der Detektion von Zielen im absoluten Nahbereich, die sich mit Doppler basierten Verfah¬ ren alleine nicht durchführen lassen.
Ein wesentlicher Vorteil eines beschriebenen Verfahrens liegt darin, dass neben den Turbinenschaufeln mit dem geringsten Radialspalt auch Turbinenschaufeln mit größerem Radialspalt gemessen werden können und somit überhaupt detektierbar sind.