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Hilfsgerät für psychiatrische und tiefenpsychologische Untersuchungen
und Behandlungen Die Erfindung bezieht sich auf ein Gerät, das als Hilfsgerät für
den Arzt und Wissenschaftler bei Untersuchungen zur Erfassung unbewußter Problematik,
insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, dient.
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Es handelt sich bei den hier in Frage kommenden Untersuchungen darum.
daß mit Hilfe eines Gerätes den Kindern oder Jugendlichen ein Beschäftigungsmaterial
, cl in ganz bestimmter Auswahl und Anordnung übergeben wird, durch das die
zu untersuchende Person gedrän-t wird, sozusagen im Spiel ,-,ich mit ihrer Umwelt,
insbesondere den Personen ihrer nächsten Umgebung auseinanderzusetzen.
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el Das neue Hilfsgerät ist gekennzeichnet durch einen flachen, mit
abnehm:barein Deckel versehenen Kasten, der in drei nebeneinanderliegende Hauptfächer
und ein vor diesen verlaufendes schmales Fach unterteilt ist, wobei in dem einen
Hauptfach flach ausgebreitete aufstellbare Gelenkgliederpuppen untergebracht sind,
die den Personen des häuslichen Umkreises entsprechen, während das zweite Hauptfach
einfache, zweckmäßig in versdhi,ed,enen Farben gehaltene Bausteine flach ausgebreitet
enthält, mit denen Teile des Hauses, des Zimmers oder des Gartens aufgebaut werden
können, und das dritte Hauptfach, wiederum flach
ausgebreitet, symbolhafte,
der Umwelt entnommene Gegenstände enthält, wobei schließlich rdas schmale Nebenfach
noch einige Gegenstände von besonderer Eindruckswirkung, wie ein Krokodil, eine
Eisenbahn, ein Automobil u- dgl., beinhaltet.
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Erfahrungsgemäß fangen Kinder oder Jugendliche. meist auch ohne besondere
Aufforderung an, wenn ihnen,das Gerät vorgelegt wird, aus den im Gerät verteilten
Gegenständen sich eine Wohnung, einen Garten od. dgl. aufzubauen und unbewußt ihre
häusliche Situation spielend nachzugestalten.
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Dabei ist die Anordnung der Einzelelemente des Gerätes in dem Kasten
so getroffen, daß schon aus der Art, wie die zu untersuchende Person an die einzelnen
Fächer herangeht bzw. welches Fach zunächst die Aufmerksamkeit erlegt lisw., für
den Psychiater wertvolle Schlüsse - gezogen -,verden können.
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Die stets gleiche Zusammensetzung des Spielmaterials ermöglicht Vergleiche
der Untersuchungsergebnisse auch bei verschiedenen Untersuchern.
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Das Gerät ermöglicht nicht nur den Aufbau von Szenen an sich, sondern
durch die Art der verwendeten Gelenkpuppen auch noch die Möglichkeit, bei den einzelnen
Personen und Szenen ihre ihnen zugedachte Gemütsverfassung zum Ausdruck zu bringen.
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Dabei ist das Gerät so beschaffen, daß die Szene auf dem vom Kasten
abgenommenen, mit einer Randzarge versehenen Deckel aufgebaut werden kann und soll,
wodurch eine räumlich feststehende Bühne geschaffen ist und zugleich das Verlorengehen
von Teilen des Gerätes erschwert und das Zusammenraffen nach beendeter Untersuchung
erleichtert wird.
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Weitere Erläuterungen werden an Hand des in der Zeichnung dargestellten
neuen Gerätes gegeben. Abb. i zeigt den Kasten mit abgenommenem Deckel; Abb. 2 zeigt
eine auf dem Deckel aufgestellte Szene schaubildli(#h; Abb. 3 zeigt den mit
dem Deckel verschlossenen Kasten.
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Abb. 4 bis io sind Sonderdarstellungen.
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Der Kasten besteht aus dem mit einem Zargenhals ii ausgerüsteteten
Rumpfkörper 12 und dem mit einer Zarge 13 versehenen Deckel 14. Der Deckel wird
mit dem Rumpf durch Schließklemmen bekannter Ausführung verbunden, indem an den
am Kastenrumpf angeschraubten Platten 15 verschwenkbare Riegel 1(6 angeordnet sind,
die in det hochgeklappten Stellung (s. Abb,-3) Knöpfe 17 übergreifen, welche an
Schildern-iS -sitzen, die an die Deckelzarge 13 angeschraubt sind. Bei dem
gezeichneten Ausführungsbeispiel sind an der Vorderseite und Rückseite des Kastens
je zwei derartige Schließen vorgesehen, die das schnelle Abnehmen und Wiederbefestigen
des Deckels ermöglichen. Um den geschlossenen Kasten lei(2ht befördern zu können,
ist der Handgriff 19.vorgesehen.
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Im Kasten sind nun drei Haupteinsätze 2o, ?- 1, 2--, vorgesehen,
die selbst wieder aus Kästen bestehen und etwas über den--Rand des Kastenrumpfes
12 nach oben vorragen derart, daß sich der Deckel 14 abschließend auf die Fächer
aufsetzt und so den Inhalt der Fächer gegen Herausfallen sichert, was notwendig
ist, damit die zum Teil kleinen Inhaltsteile der Fächer nicht durcheinandergeraten.
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Das Fach 2:0 ist ebenso wie das Fach 22 in mehrere Abteile unterteilt.
In dem Fach2o befindet sich eine Anzahl von Gliederpuppen, die dein häuslichen Umkreis
entnommen sind. Eine solche Gliederpuppe ist beispielsweise in Abb. 4 dargestellt
und soll einen alten Herrn verkörpern, der von den Kindern in der Regelals Großvater
angesprochen wird. Es handelt sich dabei um stoffbekleidete Gliederpuppen. Derartige
Puppen sind an sich bekannt. Ihr Gerippe besteht aus stoffumwickeltem, sehr biegsamem
Draht mit angesetzten Extremitäten, wie Kopf, Händen und Füßen aus plastischer Masse.
Die Puppen sind mit Stoffkleidern versehen, so daß sie der Wirklichkeit soweit als
irgend tunlich »entsprechen. Die Hauptfiguren sind die Großeltern, die Eltern, die
Geschwister und Hausangestellte, wozu auch noch eine Personifikation des Lehrers
bzw. der Lehrerin kommt. Alle diese Puppen sind in den Fächern des AbttilS 20 so
untergebracht, daß sie übersichtlich daliegen und ohne großes Suchen sieh dem Kinde
oder der Person, der das Gerät vorgesetzt wird, darbieten.
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In dem mittleren Kasten sind Bausteine in verschiedenen Formen, Größen
und Farben untergebracht, die es ermöglichen, sowohl Baulichkeiten oder Teile von
Baulichkeiten als auch Innenteile des Hauses bzw. des Zimmers darzustellen. Auch
hier wieder ist dafür gesorgt, daß diese Bauteile sieh übersithtlich und flach ausgebreitet
dem Auge des Benutzer des Kastens darbieten.
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Im dritt-en Abteil 22 sind nun die Gegenstände in symbolischer Form
untergebracht, die zur Außenwelt, insbesondere zur unmittelbaren Umgebung des Hauses
gehören, wie Bäume verschiedener Gattung, Blumenbeete, Hausvögel, wie Enten, Tauben
u. dgl., Hunde, Hasen, Schweinchen, eine Kuh, ein Fuchs, Storch usw. Auch hier wieder
ist durch Unterteilung in Einzelfächer für eine systematische Übersicht durch entsprechend
flache Ausbreitun,- der Gegenstände gesorgt.
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Die Kleingegenstände des Hausrates, wie Tassen, Teller, Vasen, Schüsseln
u. dgl., sind in zwei kleineren Kästen 23 und -9.4 untergebracht, die an
den Enden des sich vor dem Hauptkasten erstrekkenden schmalen Nebenfadhes:25 eingesetzt
sind. Dieses Nebenfach selbst dient zur Aufnahme von Gegenständen, die eine besondere
Eindruckswirkung erzeugen, wie ein Automobil, ein-, Eisenbahn, ein Krokodil. ein
kleines Flugzeug u. dgl. Diese einzelnen Gegenstände sind teilweise in den Abb.
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bis io dargestellt.
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Der abgenommene Deckel dient, wie aus Abb. 2 ersichtlich, als Bühne,
auf dem eine Szene aufgestellt werden kann und soll. Eine solche Szene- ist in Abb.
2 gezeigt. Diese Szene ist in der Praxis von einem 12jährigen jungen aufgebaut und
zeigt seine nach außen hin verborgene Gefühlswelt. Der
junge wirkte
äußerlich aspontan, geistig wenig regsam, scheu und niedergedrückt. Um so erstaunlicher
war die Intensitiät und Gestaltun,-skraft, mit der er seine innere Welt mit Hilfe
des Gerätes dargestellt hat.
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Ein kleines Mädchen 26, seinem Alter entspreebend, läßt er
in den Wald laufen von zu Hause fort. Dort setzt er sich unter die Bäume und unterhält
sich mit ihnen. Der eine große Baum :27 »neigt sich dabei zu dem 'Mädchen«, erzählt
der Jung"e, während er durch einen in dem Baumstamm vorhandenen Knick dazu angeregt
wird, den Baum in leicht gebogener Haltung hinzustellen. Es entsteht so ein anmutiges
Waldidvll, wie Abb. 2 zeigt. »Die Bäume erzählen dem Kind, wie es im Walde
ist, und das Kind -erzählt ihnen, wie. es bei den Menschen ist«, interpretiert der
junge weiter sein Spiel. Der daneben sitzende Fuchs »beobachtet« das Kind, wie dies
anfangs auch die Bäume tun sollen.
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Hinter dein Haus 29, das neben dem Wald aufgebaut ist, macht der Vater
3o des Kindes sehr temperamentvoll mit energischer Armhaltung dein Dienstmädchen
31 Vorwürfe, daß es nicht auf-_gepaßt habe, daß das Mädchen fortlief, und
die Mutter 32 steht entsetzt dabei.
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Auf dein Dach des Hauses werden die kleinen Stör(f112 33 in
ein sehr sorgsam hergestelltes, weiches ' Nest 34 gesteckt neben dem die
alten Störche 35 stehen. Die jungen Störche »sollen flie , gen lernen,
wollen das aber anfangs nicht und möchten immer wieder ins Nest zurückkehren«.
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Eine im Hintergrund aufgebaute Eisenbahn 36
soll in den »Heimatort«
fahren, wo die Familie des Mädchens wohnt.
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Deutlich kommen hier die Probleme des jungen zum Ausdruck. Widerstreitende
Gefühle dem Elternhaus -gegenüber deuten sich im Spiel an; das Mädchen lauft zwar
von zu Hause fort, gleichzeitig sollt-en sich aber die E ' Itern sehr beunruhigen
über das Verschwinden des Kindes, und ferner kehrt es aber abends wieder nach Hause
zurück. Sehr eindringlich ist dabei die Gegenüberstellung der traulichen Atmosphäre
im Walde mit der Szene zu Hause, hier plaudern Kind und Bäume miteinander, sorglos
wie im Kleinkindparadies, dort »hei den Menschen« gibtes Forderungen, Pflichten
und Auseinandersetzungen.
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Im Storchenidvll auf dem Haus wiederholt sich die Thematik: Flunsch
nach Nestwärme und Geborgenheit, andererseits doch Wegfliegen und Nichtwiederkehren.
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Die Eisenbahn aber stellt dann doch wieder die Verbindung mit der
Heimat dar. Die auf sorgfältigen Beobachtungen aufgebaute technisch--, Einrichtung
des Gerätes zwingt den Ullbefangenen Benutzer, seine Gefühlswelt restlos im Spiel
zum Ausdruck zu bringen undermäglicht es, dem Psvchiater die sich aus dein Spielaufbau
ergebenden, Schlüsse zu ziehen, die sowohl für die Behandlung seelisch gestörter
Patienten als auch für die Erzielung gesunder Kinder von ausscMaggeb#ender Bedeutung
sind.