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Schaustellungs-, insbesondere Reklame-Vorrichtung. Es ist bekannt,
daß bewegliche Bilder oder Figuren bei Schaustellungen die Aufmerksamkeit des Beschauers
stark anziehen. Das Interesse erlahmt jedoch rasch, sobald sich die gleichen Bewegungen
ohne weiteren Zweck als den des Blickfangs wiederholen. Die Erfindung bezweckt,
die Aufmerksamkeit des Beschauers mit einfachen Mitteln dauernd zu erhalten, und
besteht darin, daß ein. Schaubild oder eine Figur sich durch Bewegung einzelner
Teile oder in der von der »lebenden Photographie« bekannten `'eise durch Rasterver-
Schiebung
derart abhängig von einem Uhr- oder sonstigen Meßwerk verändert, daß aus dem Aussehen
unmittelbar die Uhrzeit oder das sonstige Maß abgelesen werden kann. Dadurch wird
erreicht, daß der zunächst die Aufmerksamkeit nur erregenden Veränderung im Aussehen
des Bildes oder der Figur ein Nutzzweck von allgemeinem Interesse beigegeben wird,
um dessentwillen der Beschauer auch bei jedem weiteren Vorbeikommen wieder aufmerksam
hinsehen wird. Solcher Nutzzweck ist z. B. die Angabe der Uhrzeit, des Luftdrucks
(Barometer), der Wärme (Thermometer), der Geschwindigkeit (Tachometer) o. dgl.
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Zwar ist es bei Bildern bekannt, daß gleichartige Teile derselben,
z. B. die Beine einer Tänzerin, auf einem Uhrzifferblatte sich um eine gemeinsame
Achse drehen und die Uhrzeit angeben. Diese Gestaltung zeigt aber den Nachteil,
daß die Zeigerstellung leichter z. B. bei 8 Uhr 48 Min. und g Uhr 44 Min. verwechselt
werden kann als bei der gewöhnlichen Uhr, wo wenigstens durch verschiedene Länge
der Zeiger solche Verwechslung auf kurze Entfernungen vermieden wird. Auf weite
Entfernungen wird dies nur erreicht durch die an sich bekannte Trennung der Zeigerdrehpunkte.
Diesen Vorteil gegenüber der als bekannt erwähnten nachteiligen Gestaltung wertet
gegenwärtige Erfindung aus und verstärkt ihn noch weiter im gebräuchlichsten Fall
ihrer Anwendung, den auch die beigegebenen Ausführungsbeispiele zeigen, nämlich
daß die Augen eines Bildes oder einer Figur als Zeiger dienen, denn für die Stellung
der Augen, die den ganzen Gesichtsausdruck am stärksten beeinflußt, ist der Beschauer
besonders empfindlich. Er wird schon aus einer Entfernung die Zeit ziemlich genau
erkennen können, aus der ihm dies sonst bei psychologisch indifferenten und optisch
schwachen Zeigern nicht möglich wäre.
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Schließlich steigert die Anordnung nach gegenwärtiger Erfindung das
Interesse des Beschauers auch dadurch, daß das z. B. mit dem Stunden-und dem Minutenzeiger
zunächst unmerklich veränderliche Bild ihm auffällt, wenn er zu einer anderen Zeit
es verändert findet. Das gibt ihm, solange er den Zusammenhang mit der Uhrzeit noch
nicht erkannt hat, ein Rätsel auf. Das Bild und die Art und Ursache seiner Veränderung
veranlaßt ihn zum Nachdenken und bleibt hierdurch und erst recht, wenn er des Rätsels
Lösung gefunden hat, von Anfang an stärker in seinem Gedächtnis haften. Wird zu
Werbezwecken eine Reklamefigur, ein Warenzeichen o. dgl. auf vorbeschriebene Weise
ausgebildet, so wird eine Reklame mit Dauerwirkung erreicht.
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Durch diese Wirkung unterscheidet sich die Anordnung nach gegenwärtiger
Erfindung auch von den bekannten als Warenzeichen ausgebildeten Uhrgehäusen, wo
die Zeiger keine organisch dem Bild zugehörigen Teile, vielmehr dessen Wirkung störende
Fremdkörper darstellen. Gleiches ist der Fall gegenüber den bekannten Schaubildern,
die ohne Zusammenhang mit der Zeitangabe lediglich auf eine an sich vollständige
Uhr aufgesetzt sind, von deren Triebwerk den Bildern nur eine als Blickfang dienende
Bewegung mitgeteilt wird.
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Auf den Zeichnungen sind mehrere Ausführungsbeispiele dargestellt
Abb. i stellt die Schauseite einer Küchenuhr oder einer Reklamefigur für ein Backpulver
dar. Das linke-Auge zeigt auf der durch die Augenbrauen dargestellten Skala die
Stunden (hier 6 Uhr vorüber), das rechte die Minuten (hier igl/,; zusammen also
6 Uhr igl/2 Min.). Hierzu sind auf die getrennt gelagerten Stunden- und Minutenachsen
des hinter dem Schaubild angebrachten Uhrwerks statt der üblichen Zeiger Scheiben
oder Kugelhauben- aufgesteckt, die durch exzentrische Darstellung der Iris schielende
Augen zeigen. Die Richtung der Exzentrizität, in der Abbildung noch genauer gekennzeichnet
durch einen eingesetzten Reflex, zeigt die Zeit an der Skala an. Letztere kann auch
z. B. auf einer festsitzenden, das Auge überwölbenden durchsichtigen Schale aus
Glas o. dgl. vom Rand einwärts aufgetragen sein. In dem abgebildeten Beispiel ist
als Blickfang bekannter Art die Zunge gedacht, die durch einen Schlitz (»Mund«)
mit der Pendelstange oder dem Anker des Uhrwerks verbunden sein und somit Pendelbewegungen
ausführen kann, um die Komik und damit das Scherzinteresse zu erhöhen.
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Bei Abb.2 sind verschiedene Anordnungen denkbar: Die Augen des Männerkopfes
geben die Sekunden, die Frauenaugen Stunde und Minute an. Die Uhr würde in der abgebildeten
Stellung dann 8 Uhr 48 Min. 18 Sek. zeigen. Hierbei würde der Scherz- den Nutzzweck
überwiegen, weil die Augen des Mannes zwischen den beiden Frauen hin und her wandern.
Statt der Drehung wäre auch bloßes Hinundherwandern der Augen möglich. Es können
aber auch die Augen des mittleren Kopfes Stunden und Minuten anzeigen, die in diesem
Falle leichter abzulesen sind als an den unrunden Augen der Seitenfiguren. Die eine
Frau würde die Sekunden, die andere z. B. die Weckerzeit angeben. Oder die beiden
seitlichen Figuren geben Stunde und Minute der Weckerzeit, die Mittelfigur die der
laufenden Zeit an usw. Auch wäre sinngemäße Gruppierung von Barometer, Thermometer
und Hygrometer denkbar.
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Eine Uhr nach Abb. 3 würde in der abgebildeten Stellung im linken
Gesicht z. B. die Uhrzeit 5 Uhr 32 Min. 30 Sek. zeigen, im rechten den Wecker
auf 8 Uhr stehen haben. Links dient dabei die Zunge als Sekundenzeiger, wozu sie
- symmetrisch angeordnet - sich in
zweimal 6o Sek. um ihre in der
Mitte der Mundw inkelverbindungslinie liegende Achse dreht. Rechts ist in der Darstellung
gezeigt, wie zur Erhöhung der Komik der Mundwinkel sich mit der Augenstellung verändern
kann durch ein Verbindungsglied zwischen der Augachse und dem die Mundlinie darstellenden,
in der Mitte festsitzenden biegsamen Stäbchen. Die Verbindung zwischen beiden tritt
durch einen Schlitz (Falte) des Gesichtes hindurch. Das Ausrücken der Uhrhemmung
verursacht hier besonders lebhaftes Grimassenschneiden und verwandelt das Ganze
in ein Spielzeug.
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Abb.4 zeigt eine Taschenuhr dieser Art, die Zigarre als Sekundenzeiger;
Zeit 5 Uhr 38 Min. 18 Sek.
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Abb. 5 zeigt in doppeltem Maßstab das Gangwerk zu .l von hinten (ohne
Antrieb und Unruhe). Hier kommt außer der einfachen Bauart des Werkes durch Trennung
von Stunden- und Minutenzeigerachsen noch der Vorteil entsprechend geringer Gesamtdicke
der Uhr (»Kavalierform«) zur Geltung.
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Abb. 6 stellt eine körperliche Figur dar, Stellung ii,5o Uhr. Die
Stunden sind in 4/4 eingeteilt, ein weiterer Vorteil der Trennung von Stunden- und
Minutenskala. Anstatt eines Schlagwerkes kann ein zu der Figur passendes Rufwerk
eingebaut werden, wie z. B. bei Kuckucks- oder Wachteluhren.
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Die einfachste Ausführung ergibt sich bei nur einer Maßeinheit; Beispiel:
Geschwindigkeitsmesser oder Puppe mit 12 Uhr mittags ganz offenen, 12 Uhr nachts
ganz geschlossenen Augen usw.
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Die Veränderung des Schaubildes kann auch durch Rasterverschiebung
nach Art der'bekannten »lebenden Photographie« hervorgerufen werden in Verbindung
mit den vorbeschriebenen Veränderungsarten oder für sich allein, letzteres in Fällen
geringer Stufenzahl der Maßskala, z. B. für ein Barometer, das bei hohem Luftdruck
ein heiteres, bei mittlerem ein bedenkliches und bei niederem Luftdruck ein betrübtes
Gesicht zeigt.
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Bei der »lebenden Photographier' ist eine Anzahl n Bilder
(n meist= 2 bis 3) auf einer Bildfläche derart aufgetragen, daß die Bilder
in gleichmäßige schmale Lamellen eingeteilt und von jedem Bild abwechselnd ya-i
Lamellen ausgelassen sind, so daß also von einem Bild nur die erste, (n-'- i)te,
(21t+ i)te. . . , vom nächsten Bild nur die 2te, ()a ; 2)te ... Lamelle
aufgetragen ist usw. Ein Raster, bestehend aus Streifen von je der Breite von zz-i
Lamellen im gegenseitigen Abstand einer Lamellenbreite, verdeckt von der Bildfläche
in einer bestimmten Stellung alle nicht zum i., nach einer Verschiebung um i Lamellenbreite,
alle nicht zum z. Bild gehörigen Lamellen usw., so daß jeweils nur. eines der Bilder,
wenn auch in getrennte Streifen zerlegt, in Erscheinung tritt.
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Bei gegenwärtiger Erfindung wird die Verschiebung zwischen Bildfläche
und Raster bewirkt durch ein Meßwerk, z. B. Barometer, mittels derartiger Verbindung,
daß das Erscheinen eines bestimmten Bildes einem bestimmten Maß, z. B. Bild i dem
Luftdruck 76o mm, Bild 2 dem Luftdruck 7qo mm usw., entspricht, so daß an der Bilderscheinung
unmittelbar eine bestimmte Maßzone abgelesen werden kann. MTerden hierbei die Augen
in der Bildfläche und beim Raster ausgespart und in zuvor beschriebener Weise ersetzt
durch vom Maßwerk bewegte Schielaugen, so kann daran das genauere Maß abgelesen
werden.
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Soll die Rasterverschiebung zur Vermeidung von Zwitterbildern nicht
langsam, sondern plötzlich erfolgen, so ist zwischen dem allmählich arbeitenden
Antrieb und dem Raster eine Vorrichtung bekannter Art zur Umwandlung gleichmäßiger
in ruckweise Bewegung einzuschalten.
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Der Vorteil der Erfindung ist, soweit nicht schon vorstehend im einzelnen
angegeben, die Verbindung des Nützlichen, der Maßangabe, mit dem Angenehmen, der
Scherzwirkung, sei es Selbstzweck oder zu wirksamerer Reklame. Diese ist besonders
nachhaltig, weil zur Ablesung der Zeit o. dgl. das Reklamebild betrachtet werden
muß.