DE4409191C1 - Seilklemmvorrichtung für ein zugbelastetes Seil - Google Patents
Seilklemmvorrichtung für ein zugbelastetes SeilInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Seilklemmvorrichtung für ein
zugbelastetes Seil von der im Oberbegriff des Anspruchs 1
angegebenen Art. Eine bevorzugte, aber nicht ausschließ
liche Anwendung der Seilklemmvorrichtung ist die lösbare
Befestigung von Förderseilen an dem Förderkorb od. dgl.
in Schachtförderanlagen. Überlicherweise werden zu diesem
Zweck Klemmkauschen verwendet, bei denen ein keilförmiges
Kauschenherz, um welches das Seilende in einer Schleife
herumgelegt ist, in einem sich keilförmig verjüngenden Kau
schengehäuse verschiebbar gelagert ist und durch den Seil
zug gegen das Gehäuse verklemmt wird, wie z. B. in Lueger,
Lexikon der Technik, Band 1, 1960, S. 415, Abb. 9 darge
stellt. Eine Seilkausche mit kreisförmigem Kauschenherz,
welches aber nicht verschiebbar ist und keine Klemmfunktion
hat, ist aus DE 42 39 298 A1 bekannt.
Klemmkauschen sind in ihrer Herstellung aufwendig, da das
Gehäuse und das Kauschenherz wegen der exakt einzuhaltenden
Öffnungswinkel Präzisionsfertigung erfordern. Fertigungs
fehler beeinträchtigen die Sicherheit der Seilklemmung. Ein
weiterer Nachteil besteht darin, daß das Seil unter Zugbe
lastung in der Klemmkausche selbsthemmend verklemmt wird,
so daß ein Lösen der Seilklemmung nur mit sehr hohem Kraft
aufwand, häufig unter Anwendung von Hydraulikzylindern,
möglich ist. In schmutzigen Schächten auftretende Ver
schmutzungen und Verkrustungen der Klemmkausche erschweren
den Lösungsvorgang zusätzlich oder machen ihn sogar unmög
lich.
Aus DE 41 04 896 ist eine Klemmvorrichtung zum Abfangen
eines Bohrgestänges bekannt, welche theoretisch auch zum
Klemmen eines gestreckten Zugseiles verwendet werden
könnte, und welche die Merkmale des Oberbegriffs des An
spruchs 1 aufweist. Ferner sind Seilklemmen mit dem Merkmal
des Oberbegriffs des Anspruchs 1 auf Segelbooten als soge
nannte Curryklemmen bekannt. Diese bekannten Klemmvorrich
tungen dienen jedoch zum Abfangen oder kurzzeitigem Festle
gen des Gestänges oder Seiles und sind in dieser Form nicht
zur dauerhaften, betriebssicheren und hochbelastbaren Ver
bindung eines Seils mit einer vom Seil getragenen Last, wie
z. B. einem Förderkorb, geeignet.
Aus den Dokumenten US-A-689 610, DE-PS 8 09 499 und
FR-PS 908 931 sind Klemmvorrichtungen für Seile bekannt,
bei denen exzentrisch gelagerte drehbare Klemmkörper mit
gekrümmten Umfangsflächen vorgesehen sind, wobei die Bela
stung des Seils eine Drehung des Klemmkörpers im Sinne
einer vermehrten Anpressung gegen ein Widerlager bewirkt.
Aus der erwähnten US-A-689 610 ist ferner bekannt, daß das
Seil derart um die gekrümmte Umfangsfläche des Körpers her
umgelegt ist, das zwischen einem Auflagepunkt des Zugseils
auf dem Klemmkörper und dem Bereich der Einklemmung am
Widerlager ein Umschlingswinkel von über 90° liegt.
Darüber hinaus ist aus DE-GM 90 14 227.6 ein Seilschloß be
kannt, bei dem zusätzlich zu einer Klemmvorrichtung ein
Körper vorgesehen ist, um den das Seil mehrmals gewickelt
ist, so daß ein Großteil der Zugkraft von diesem Körper
aufgenommen wird.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Seilklemm
vorrichtung der genannten Art zu schaffen, die bei einfa
cherer, große Toleranzen zulassender Herstellung eine be
sonders sichere und hochbelastbare, gleichzeitig seilscho
nende Festlegung des Seils gewährleistet und leichter lös
bar ist als Klemmkauschen.
Die erfindungsgemäße Lösung der Aufgabe ist im Anspruch 1
angegeben. Die Unteransprüche beziehen sich auf weitere
vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
Durch die erfindungsgemäße Kombination einer Seilklemmung
mit einem vorgelagerten Umschlingungswinkel des Seils wird
ein Teil des Seilzuges bereits durch Umschlingungsreibung
direkt von der Klemmscheibe aufgenommen, so daß nur ein
Rest der Zugkraft durch die eigentliche Einklemmung des
Seils zwischen Klemmscheibe und Widerlager aufgenommen wer
den muß. Die erfindungsgemäße Klemmvorrichtung ist daher
mit sehr hohen Kräften beaufschlagbar, wobei jedoch die
Kraftaufnahme nicht nur lokalisiert an der Klemmstelle,
sondern über den gesamten Umschlingungsbereich des Seils
verteilt erfolgt, so daß das Seil geschont wird. Im Gegen
satz zu Seilkauschen kann bei der erfindungsgemäßen Klemm
vorrichtung das um die Klemmscheibe geschlungene Seil, ab
gesehen vom Bereich des Widerlagers, zur Seite hin freilie
gen, so daß es jederzeit leicht inspiziert werden kann und
keine unbelüfteten Klemmzonen vorhanden sind, in denen sich
z. B. Korrosionsnester bilden können. Bei unbelastetem Seil
ist die Klemmvorrichtung z. B. durch Zug am Seilende leicht
lösbar.
Ausführungsformen der Erfindung werden anhand der Zeichnun
gen näher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 die Seitenansicht einer vereinfachten Klemmanord
nung mit festem Widerlager zur Erläuterung des
Prinzips der Erfindung;
Fig. 2 die Seitenansicht einer bevorzugten Ausführungs
form der erfindungsgemäßen Seilklemmvorrichtung;
Fig. 3 einen Schnitt nach der Linie A-A von Fig. 2.
Gemäß Fig. 1 ist an einem Gehäuse 1, das im einfachsten
Fall als eine ebene Platte ausgebildet sein kann, ein orts
festes Widerlager 2 angebracht. Ferner ist an dem Gehäuse
bzw. der Platte 1 eine kreisrunde Klemmscheibe 3 exzen
trisch um einen Lagerbolzen 4 drehbar gelagert. Die Exzen
trizität, d. h. der Abstand zwischen der Achse des Lagerbol
zens 4 und dem Mittelpunkt M der Scheibe 3 beträgt vorzugs
weise zwischen 1/4 und 1/2 des Radius der Scheibe 3. Das zu
befestigende Seil S ist zwischen dem Umfang der Klemm
scheibe und dem Widerlager 2 eingeklemmt und dann so um den
Umfang der Klemmscheibe 3 herumgelegt, daß zwischen dem
Auflaufpunkt A des Seiles S auf die Klemmscheibe 3 und dem
Widerlager 2 ein Umschlingungswinkel α von ca. 270° liegt.
Die auf das Seil S wirkende Zugkraft K übt auf die Klemm
scheibe 3 ein Drehmoment derart aus, daß die Einklemmung
des Seils zwischen der Klemmscheibe 3 und dem Widerlager 2
verstärkt wird. Ein erheblicher Teil der Zugkraft K braucht
aber nicht von der Klemmkraft am Widerlager 2 aufgenommen
zu werden, sondern wird bereits im Bereich des Umschlin
gungswinkels α durch Reibung auf die Klemmscheibe 3 über
tragen. Es gilt die Eytelwein′sche Formel
K = K′·eµ α
wobei K die Zugkraft des Seils, K′ die Klemmkraft am Wider
lager 2, µ der Reibwert zwischen dem Seil und dem Umfang
der Klemmscheibe 3 und α der Umschlingungswinkel ist.
Bei der in Fig. 2 und Fig. 3 dargestellten Ausführungsform
besteht das Gehäuse der Klemmvorrichtung aus zwei Seiten
schilden 6 und (in Fig. 2 unsichtbar) 7, zwischen denen das
Widerlager 2 mittels eines kräftigen Drehbolzens 9 schwenk
bar gelagert ist. Mittels eines weiteren Drehbolzens 11 ist
die Klemmscheibe 3 zwischen den Seitenschilden 6,7 drehbar
gelagert, und zwar exzentrisch zum Mittelpunkt M der Kreis
form der Klemmscheibe 3. Das Seil S ist um die Klemmscheibe
3 derart herumgelegt, daß sein Seilende SE zwischen Klemm
scheibe 3 und Widerlager 2 eingeklemmt ist und daß zwischen
dem Auflaufpunkt A des Seils S auf die Klemmscheibe 3 und
der Mitte des Widerlagers 2 ein Umschlingungswinkel von ca.
270° liegt. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, daß die
Zugrichtung des Seils S mindestens annähernd parallel zur
Richtung der von der Klemmscheibe 3 über das Seilende SE
auf das Widerlager 2 ausgeübten Klemmkraft ist.
Die der Klemmscheibe 3 zugewandte Stirnfläche 2a des Wider
lagers 2 ist konzentrisch zur Klemmscheibe 3 konkav ausge
rundet, so daß sich die Klemmkraft im wesentlichen auf die
gesamte Breite des Widerlagers 2 verteilen kann. Durch die
Drehbarkeit des Widerlagers 2 um den Bolzen 9 kann sich das
Widerlager 2 auf seiner gesamten Breite gleichmäßig gegen
das Seilende SE anlegen.
Die Klemmvorrichtung gemäß Fig. 2 besitzt ferner eine Auf
nahme 13a für das Befestigen der vom Seil S zu tragenden
Last, z. B. des Förderkorbes einer Schachtförderanlage.
Diese Lastaufnahme 13 besteht bei der gezeigten Ausfüh
rungsform aus einem Vorsprung an mindestens einem der Sei
tenschilde 6, 7 und einer in dem Vorsprung ausgebildeten
Aufnahmeöffnung 13a, durch die z. B. ein Bolzen gesteckt
werden kann, an dem die anzuhängende Last befestigt wird.
Die Lastaufnahme ist so angeordnet, daß sie sich fluchtend
zur Achse des zugbelasteten Seils S einstellt.
Bei zugbelastetem Seil S erzeugt die Reibung des Seils an
der Klemmscheibe 3 ein Drehmoment an ihr, das
in Fig. 2 entgegen dem Uhrzeigersinn gerichtet ist
und im Sinne einer vermehrten Anpressung zwischen der
Klemmscheibe 3 und dem Widerlager 2 wirkt. Um eine Anfangs
klemmkraft zu erreichen, kann zusätzlich eine Vorspannfeder
15 vorgesehen sein, die ein in der gleichen Richtung wir
kendes Drehmoment unabhängig von der Zugkraft des Seils S
erzeugt. Zum Lösen der Seilklemmung bei zugentlastetem Seil
braucht lediglich ein Drehmoment in entgegengesetzter Rich
tung, d. h. in Fig. 2 im Uhrzeigersinn, auf die Klemmscheibe
3 ausgeübt zu werden, was beispielsweise durch Zug am
Seilende SE erfolgen kann.
Wie dargestellt besteht das Gehäuse der Klemmvorrichtung
nur aus den beiden Seitenschilden 6, 7, die durch die beiden
Bolzen 9 und 11 verbunden sind, aber keine Seitenwände auf
weisen. Deshalb ist das um die Klemmscheibe herumgelegte
Seil von allen Seiten frei sichtbar und zugänglich, mit
Ausnahme des unter dem Widerlager 2 eingeklemmten Ab
schnitts. Das Seil ist deshalb rundum völlig einsehbar und
jederzeit überprüfbar, es hat vollen Luftzutritt, so daß
sich keine Korrosionszonen bilden können. Die Herstellung
der Klemmvorrichtung ist äußerst einfach. Die Seitenschilde
6, 7 bedürfen mit Ausnahme der Bohrungen für die Bolzen 9, 11
und Bohrungen 13a für die Lastaufnahme keiner Bearbeitung.
Die Klemmscheibe 3 ist ein Drehteil und deshalb sehr preis
wert und präzise herstellbar. Die gesamte Klemmkraft, d. h.
die maximale Zugbelastung der Befestigungsvorrichtung ist
höher als bei herkömmlichen Klemmkauschen.
Die Kreisform der Klemmscheibe 3 ist zwar bevorzugt, aber nicht die
einzig mögliche Form. Die Klemmscheibe 3 kann auch oval
ausgebildet sein, oder sie kann die Form eines Halbkreises
oder eines Kreissektors haben, der eine zur Drehachse 11
exzentrisch gekrümmte Umfangsfläche nur über den Winkelbe
reich aufweist, an dem das Seil anliegt. Der Umschlingungs
winkel des Seils um die Klemmscheibe 3 braucht nicht 270°
zu betragen, sondern kann kleiner, z. B. 180° oder 90°, ge
wählt werden. Es können Zusatzeinrichtungen vorgesehen
sein, die die Betriebssicherheit erhöhen, beispielsweise
kann eine Arretierung der Klemmscheibe 3 vorgesehen sein,
damit bei Zugentlastung des Seils S, d. h. bei Schlappseil
kein unerwünschtes Lösen der Seilklemmung auftritt.
In einer weiteren Abänderung der Ausführungsform kann das
Seil S auch mit mehr als einer Umschlingung um die Klemm
scheibe 3 herumgelegt sein, beispielsweise mit einem Um
schlingungswinkel von 540° oder 720°. In diesem Fall ist
die Klemmscheibe 3 entsprechend dicker auszuführen, so daß
mindestens zwei Seilwindungen nebeneinander Platz finden,
wobei jedoch das Widerlager 2 nur auf eine der Seilwindun
gen, nämlich das Seilende, wirkt. Die entsprechende kon
struktive Umgestaltung der Klemmvorrichtung ist für den
Fachmann leicht durchführbar.
Claims (9)
1. Seilklemmvorrichtung für ein zugbelastetes Seil (S),
mit einem drehbar gelagerten Klemmkörper (3) und einem
Widerlager (2), zwischen denen das Seil eingeklemmt ist,
wobei der Klemmkörper (3) eine zu seiner Drehachse (4) ex
zentrisch gekrümmte Umfangsfläche aufweist und der Seilzug
eine Drehung des Klemmkörpers (3) im Sinne einer vermehrten
Anspressung gegen das Widerlager (2) bewirkt, wobei das
Seil (S) derart um die gekrümmte Umfangsfläche des Klemm
körpers herumgelegt ist, daß zwischen dem Auflaufpunkt (A)
des Zugseils (S) auf den Klemmkörper und dem Bereich der
Einklemmung am Widerlager (2) ein Umschlingungswinkel von
mindestens 90° liegt, dadurch gekennzeich
net, daß das Widerlager (2) drehbar gelagert ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekenn
zeichnet, daß der Klemmkörper (3) eine runde, ex
zentrisch gelagerte Klemmscheibe ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekenn
zeichnet, daß der Umschlingungswinkel mehr als
180°, vorzugsweise ca. 270° beträgt.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Zugrichtung des Seils (S) etwa
parallel zur Richtung des Anpreßdrucks gegen das Wider
lager (2) ist.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 oder 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die Exzentrizität der
runden Klemmscheibe (3) zwischen 1/4 und 1/2 des Radius der
Klemmscheibe beträgt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß das Widerlager (2) eine
konzentrisch zur Klemmscheibe (3) konkav ausgerundete Form
hat.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, daß die Klemmscheibe (3) in
der die Anpressung gegen das Widerlager (2) verstärkenden
Drehrichtung federbelastet ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, daß sie ein Gehäuse mit zwei
Seitenwänden (6, 7) aufweist, zwischen denen das Widerlager
(2) und die Klemmscheibe (3) angeordnet sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekenn
zeichnet, daß das Gehäuse (6, 7) einen Befestigungs
punkt (13, 13a) für eine vom Seil (S) zu tragende Last auf
weist.
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